Sonntag, Dezember 31, 2006

...und fanden Maria und Josef und das Kind...



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 2: 16 – 21

16 So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.

17 Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war.

18 Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten.

19 Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.

20 Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.

21 Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoß seiner Mutter empfangen wurde.



Zu Beginn dieses neuen Jahres führt uns das Evangelium zusammen mit den Hirten nach Bethlehem zu Maria und Josef und dem Kind, das in der Krippe liegt. Wir fangen dieses neue Jahr an der Krippe eines neugeborenen Kindes an: von diesem Kind heißt es, „in ihm ist uns der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr!“ (Lk 2,11)

Diese Umstände laden uns ein, das neue Jahr mit diesem neuen Kind zu beginnen. Neu ist dieses Kind nicht nur, weil es eben geboren wurde; neu ist dieses Kind wegen seiner Namen: Retter, Messias, Herr! Diese Bezeichnungen bündeln sich in jenem Namen, den das Kind dann bei der Beschneidung erhält: Jesus! Und dieser Name bedeutet Gott rettet! Das neue Jahr mit diesem neuen Kind zu beginnen heißt also:
Dieses Jahr unter dem Schutz Gottes zu beginnen;
dieses Jahr ganz der Obhut Gottes anzuvertrauen.
Bereits die Anfänge dieses Jahres von Gott segnen zu lassen durch das Kind Jesus.
Das neue Jahr mit dem Kind Jesus zu beginnen heißt es mit Gott zu beginnen, denn dieses Kind Jesus verehren wir gläubig als den Sohn Gottes.

Das neue Jahr wird wachsen, das Kind Jesus wird wachsen, wir werden in diesem Jahr wachsen! Indem wir dieses kommende Jahr schon in seinen Anfängen dem Segen des Herrn unterstellen drücken wir unsere Hoffnung aus, dass wir im Guten wachsen mögen; dass dieses kommende Jahr ein Jahr des Heiles werden möge – für uns, für unsere Angehörigen, für unser Land, für die ganze Welt! In unserem Glauben an dieses göttliche Kind Jesus, in unserer Hoffnung auf es, in unserer Liebe zu ihm öffnen wir uns und ermöglichen wir es, dass dieses Wachsen nicht unberührt nebeneinander geschieht. Vielmehr wird es ein Wachsen sein ineinander: Jesus wird in uns wachsen, wir werden in Jesus wachsen, zusammen werden wir in diesem kommenden Jahr wachsen und uns im Guten entfalten, sodass wir zu einem Segen werden für die Menschen mit uns und um uns. Wir werden lebendig erfahren was es heißt: Jesus ist der Retter, der Herr!

Darum bitten wir dieses Kind:
In diesem kommenden Jahr werden wir viel Freude erleben; so hilf uns, dass wir uns immer in dir freuen!
Wir werden zahlreiche Beziehungen zu Menschen knüpfen und pflegen; so hilf uns, dass dadurch unsere Freundschaft mit dir wächst.
Es werden Leiden über uns kommen; so hilf uns, dass wir mit dir leiden!
Wir werden Versuchungen ausgesetzt sein; so hilf uns, dass wir deiner Kraft vertrauen.
Wir werden Dunkelheiten erfahren; so hilf uns auf dein Licht zu warten. Wir werden Schuld auf uns laden; so hilf uns, dass wir uns deiner barmherzigen Liebe in die Arme werfen.
Wir werden dem Tod begegnen; so lass uns glauben, dass du ihn überwunden hast, weil du von Gott her unser ewiges Leben bist!

Nun hören wir, dass das Kind nicht allein ist. Es ist Josef bei ihm und Maria, seine Mutter! (vgl. Lk 2,16) Von ihr vernehmen wir, dass sie alles, was geschehen war, in ihrem Herzen bewahrte und darüber nachdachte. (vgl. Lk 2,19) Wir sehen in ihr eine Frau, die ihre mütterlichen Pflichten nicht nur in jener äußeren Sorge erfüllt, deren neugeborene Kinder so sehr bedürfen; sie nimmt auch mit dem Herzen und dem Verstand ganz Anteil an dem, was da geschieht. Es geschieht nicht nur vor ihren Augen und unter ihren Händen etwas; es ist dies zugleich auch ein Geschehen in ihr und ein Geschehen aus ihr! Sie ist ganz in dieses Geschehen eingebunden – und sie lässt das auch zu und fördert dieses Eingebunden werden mit Herz und Sinn! Wir können sagen, sie ist gleich von Beginn an ein Herz und eine Seele mit ihrem Sohn. Und wir wissen auch von der Begegnung mit dem Engel Gabriel, woher das kommt: Sie ist voll der Gnade (vgl. Lk 1, 28.30) und so zuinnerst verbunden mit dem, der „voll Gnade und Wahrheit“ ist! (Joh 1,14) Maria wird also dem Wachsen ihres Sohnes an der Seite stehen; sie wird es äußerlich fördern und es innerlich begleiten – es im Herzen bewahrend und darüber nachdenkend! (vgl. Lk 2,19.51)

Was bedeutet dies alles nun für uns?
Dass wir uns auch Maria nahen, indem wir zu ihrem Sohn kommen; und dass sie mit umso größerer Freude erfüllt wird je tiefer, je herzlicher, je umfassender wir uns mit ihrem Kind zusammenschließen. Denn auf diese Weise tun wir genau das, was sie tut: die Verbundenheit mit ihrem Sohn anstreben, vertiefen, feiern, leben!

Unser Neubeginn in diesem Jahr ist nicht nur ein neuer Start mit Jesus; es ist zugleich ein Neunanfang mit Maria, seiner Mutter.
Denn nichts wünscht sie sehnlicher, als dass wir mit ihrem Sohn leben;
nichts kann ihr Herz mehr bewegen,
nichts ihre Gedanken mehr beschäftigen!
Nichts begleitet sie mit ihrem Segen mehr als unser Zusammenleben mit Jesus.
Darum steht auch der Neubeginn dieses Jahres hier an der Krippe unter dem ganz besonderen mütterlichen Segen Mariens.
Deswegen feiert die Kirche am Neujahrstag die Gottesmutterschaft Mariens.

Darum wollen wir diesen Jahresanfang jener Frau ans Herz legen, in der Gott die Geschichte unseres Heiles neu anfangen hat lassen. Wir wollen allen Dank, allen Lobpreis, alle Bitten, alle Sorgen, die unser Leben eben jetzt bewegen, in diese Frau hineinlegen, aus der heraus uns geboren wurde Jesus Christus, der Herr, der uns neues, unvergängliches Leben schenken wird:
Maria, wir sehen, wie du um dein Kind sorgst;
wie du es ins Herz geschlossen hast;
wie deine Gedanken um es kreisen.
Du hast dieses Kind geboren; aber es bleibt auch in dir lebendig: in deinem Herzen; in deinen Gedanken! Du sagst uns damit, dass es nicht genügt, Jesus auf den Armen zu tragen und in den Händen zu halten; ihm die Brust zu reichen und ihn in Windeln zu wickeln. Jesus will in unserem Herzen getragen werden und in unseren Gedanken wohnen; er will in unseren Worten reden und in unseren Taten leben. Durch das Beispiel, wie du mit Jesus umgehst bist du uns in besonderer Weise Mutter.
Lass uns von dir lernen;
lass uns sein wie du;
lass uns wirklich deine Kinder sein, indem wir deinem Sohn Bruder und Schwester und Mutter (vgl. Mk 3,35 parr.) werden mit unserem ganzen Leben. Amen!

Freitag, Dezember 29, 2006

Er hörte zu und stellte Fragen



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 2: 41 – 52

41 Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem.
42 Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach.

43 Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der junge Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten.

44 Sie meinten, er sei irgendwo in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten.

45 Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort.

46 Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen.

47 Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten.

48 Als seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht.

49 Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?

50 Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte.

51 Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen.

52 Jesus aber wuchs heran und seine Weisheit nahm zu und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen.



„Herr, unser Gott, in der Heiligen Familie hast du uns ein leuchtendes Vorbild geschenkt. Gib unseren Familien die Gnade, dass auch sie in Frömmigkeit und Eintracht leben und einander in der Liebe verbunden bleiben.“

So haben wir vorhin gebetet. Wenn wir nun eben das Evangelium gehört haben, fragen wir uns doch einmal ob dieses Gebet vom Evangelium abgedeckt wird. Schauen wir also nach, wie das Vorbild, das Gott uns in der Hl. Familie gibt, im Bericht des Evangelisten aufleuchtet. Entdecken wir den Weg der Frömmigkeit, den die Hl. Familie gegangen ist, die Eintracht, in der sie gelebt und das Band der Liebe, das sie zusammengehalten hat.

„Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem.“ (Lk 2,41) Ein erster Hinweis auf die Frömmigkeit der Eltern Jesu. Bei unser etwa vergleichbar einer jährlichen Familienwallfahrt nach Mariazell. 7 Tage dauerte das Paschafest. Nun wird vielleicht einer im Stillen denken: Na ja, einmal im Jahr so ein Familienausflug ist eine willkommene Abwechslung, die noch nicht unbedingt ein Zeichen von Frömmigkeit sein muss.
Wenn wir jedoch (in Lk 4,16) hören, dass Jesus wie gewohnt am Sabbat in die Synagoge geht, dann können wir mit Recht annehmen, dass ihm diese Gewohnheit die Eltern beigebracht haben, indem sie ihm den wöchentlichen Synagogenbesuch vorgelebt haben.
Die Pilgerfahrt nach Jerusalem ist also keine jährliche Eintagsfliege sondern neben dem wöchentlichen Synagogenbesuch am Sabbat ein religiös gestaltendes Element ihres Alltagslebens, das seine Auswirkungen zweifellos auch gehabt haben wird im täglichen Gebet in der Familie.
So möchte die Frömmigkeit der Hl. Familie uns anregen neben dem täglichen Beten im Kreis der Familie und dem gemeinsamen Besuch des Gottesdienstes am Sonntag jährlich auch eine Wallfahrt mit der ganzen Familie zu unternehmen.
Meine Schwager etwa fährt jährlich mit seiner Familie, insgesamt vier Personen, nach Maria Luggau in Kärnten. Und diese Tradition haben sie von meiner Mutter übernommen, die auch jährlich mit uns dorthin gepilgert ist.

Betrachten wir nun die Eintracht der hl. Familie, wie sie uns im Bericht des Evangelisten entgegentritt. Da können wir einmal feststellen, dass der Knabe seine Freiräume hatte; sonst hätte er wohl kaum unbemerkt in Jerusalem zurückbleiben können. Eintracht heißt also nicht, dass die drei immer aufeinander gepickt und dass Josef und Maria wie eine Gluckhenne andauernd auf ihrem Kind gesessen wären.
Diese Eintracht ist vielmehr eine innere Haltung, die zum Ausdruck kommt, als sie den Buben im Tempel im Kreis der Zuhörer zu Füßen der Schriftgelehrten finden. Da fragen sie ihn sehr wohl und zu recht: „Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht?“ (Lk 1,48) Mehr sagen sie nicht. Sie holen ihn auch nicht mit Gewalt und unter Schimpfkanonaden aus der Menge heraus. Noch tiefer kommt jedoch die Eintracht der hl. Familie zum Vorschein in der Reaktion auf die Antwort des Knaben: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ (Lk 1,49) Sie können das so stehen lassen; sie fallen Jesus nicht ins Wort und geben keinen negativen Kommentar ab. Es heißt von ihnen bloß: „Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte.“ (Lk 1,50) Und von Maria heißt es zudem: „ Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen.“ (Lk 1,51b) Dass diese Eintracht in der Familie keine Einbahn war zeigt Jesus schließlich in seinem Verhalten: „Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam.“ (Lk 51a)

Wir entdecken also: Eintracht in der hl Familie bedeutet nicht jegliches Fehlen von Verschiedenheit in Meinung und Verhalten. Wie sie jedoch mit diesen Differenzen umgehen, darin zeigt sich ihre Eintracht und kommt jene Liebe zum Leuchten, die diese Eintracht begründet. Dass sich dies jedoch im Tempel zeigt, an jenem Ort also, an dem Gott wohnt, ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass Gott in ihrer Familie wohnt und in ihrem Herzen, in ihren Worten und in ihrem Tun anwesend ist. Und das kommt daher, weil ihre Frömmigkeit nichts Aufgesetztes, nichts Gemachtes, nichts Erzwungenes ist, das mit dem alltäglichen Leben nichts zu tun hat. Ihre Frömmigkeit ist vielmehr eine Anhänglichkeit an Gott, die so natürlich zu ihrem Leben gehört wie das Atmen, das Essen und Trinken, das Reden und Schlafen.

Beten wir also mit den Worten der Schlußoration: „ Bleibe bei uns mit deiner Gnade, damit wir das Vorbild der Heiligen Familie nachahmen und nach der Mühsal dieses Lebens in ihrer Gemeinschaft das Erbe erlangen, das du deinen Kindern bereitet hast.“ Amen!

Dienstag, Dezember 26, 2006

Und sie steinigten den Stephanus



Wort Gottes aus der Apostelgeschichte 6: 8-10; 7, 54-60

8 Stephanus aber, voll Gnade und Kraft, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk.

9 Doch einige von der so genannten Synagoge der Libertiner und Zyrenäer und Alexandriner und Leute aus Zilizien und der Provinz Asien erhoben sich, um mit Stephanus zu streiten;

10 aber sie konnten der Weisheit und dem Geist, mit dem er sprach, nicht widerstehen.

54 Als sie das hörten, waren sie aufs äußerste über ihn empört und knirschten mit den Zähnen.

55 Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen

56 und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.

57 Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten gemeinsam auf ihn los,

58 trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß.

59 So steinigten sie Stephanus; er aber betete und rief: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!

60 Dann sank er in die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! Nach diesen Worten starb er.



Erneut mutet uns die liturgische Ordnung der Weihnachtsfeiertage die schmerzliche Diskrepanz zu, dass unmittelbar auf das Fest der Geburt des Herrn das Gedächtnis des hl. Stephanus, des ersten Blutzeugen der Christenheit folgt.
Der Erinnerung an die Gnaden, mit denen Gott die Menschheit überhäuft in der Geburt seines Sohnes folgt das Gedächtnis, jenes Ereignisses, bei dem Stephanus in der Steinigung durch seine Gegner den Tod findet.
Das Fest des göttlichen Lebens wird beantwortet durch den Tod, den wir Menschen bereiten.
Das Fest der Liebe wird erwidert durch eine Orgie des Hasses.
Ganz abgesehen davon, dass dies ein allererster Hinweis darauf ist, dass das Schicksal des Stephanus auch Jesus ereilen wird, weist das Nebeneinander von der Geburt des Herrn und dem Martyrium seines Diakons auf das aktuelle Nebeneinander in unserem Leben hin:
Während wir hier Weihnachten feiern eskaliert der Krieg zwischen Somalia und Äthiopien, kommt es zu immer neuen Gewaltausbrüchen im Nahen Osten und im Irak.
Während wir Weihnachten feiern erleben wir zugleich Diskrepanz in unseren Gemeinschaften und Widerspruch und Zerrissenheit in uns selber.
Dieses Widersprüchliche zeigt jedoch nur auf, wie erlösungsbedürftig wir sind und bleiben, solange wir hier auf Erden sind. Deswegen feiern wir jedes Jahr erneut dieses Fest der Menschwerdung Gottes: Wir feiern, dass Gott uns Menschen erhebt, indem er selber einer von uns wird. Er setzt uns die Krone des göttlichen Lebens auf, damit er uns dann am Ende unseres Erdenlebens nach Freud und Leid um seinetwillen mit der Siegeskrone des Himmels krönen kann.
So wurden auch die Steine, die den Stephanus hier auf Erden töteten zu Kronjuwelen des ewigen Lebens und Paulus, der mit seiner Steinigung einverstanden war (Apg 8,1) wurde zu einem Grundstein der Kirche Jesu Christi.
Wie nun der Herr Todessteine in Lebenssteine verwandeln kann so möge er uns gewähren, dass wir die göttlichen Gnadensteine der hl. Weihnacht als erlesene Bausteine verwenden können zur Auferbauung seines Reiches hier auf Erden. Amen!

Montag, Dezember 25, 2006

Maria bewahrte alles in ihrem Herzen



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 2: 15 – 20

15 Als die Engel sie verlassen hatten und in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Kommt, wir gehen nach Betlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ.

16 So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.

17 Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war.

18 Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten.

19 Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.

20 Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.


In der mitternächtlichen Christmette hörten wir die Botschaft der Engel: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.“ (Lk 2,11) Das Evangelium des frühmorgendlichen Hirtenamtes erzählt von der Reaktion der Angesprochenen auf diese englische Botschaft.
Wir hören von den Hirten: „Als die Engel sie verlassen hatten und in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten sie zueinander: Kommt, wir gehen nach Betlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ. So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.“ (Lk 2,15f.)
Beeindruckt vom Aufwand der himmlischen Heerscharen eilen sie sogleich nach Bethlehem, um mit eigenen Augen zu sehen, was sie mit eigenen Ohren von den Engeln gehört hatten.
Sie vergessen ihre Aufgabe, die Schafherde zu hüten und lassen sich von den Engeln ein anderes, neues, ein bedeutsameres Ziel setzen: Das Kind in der Krippe.
Menschlich gesehen können wir sagen: Diese Hirten haben die Nachricht der Engel als Einladung gesehen zu einer willkommenen Abwechslung in einer ansonsten eintönigen und langweiligen Nachtwache.
Biblisch gesehen können wir sagen: diese Hirten stellen das Volk des Herrn dar, wie es sich der Herr wünscht: Gehorsam den Weisungen seiner Diener – in diesem Fall der Engel – versammeln sie sich um ihn und verlassen dabei, was ihnen bisher wichtig ist. Sie sind das positive Gegenbild eines ungehorsamen Volkes, das sich um die Weisungen des Herrn nicht kümmert und das nicht sein Volk sein will (vgl. Jer 7,23 u.a.)
Geistlich gesehen können wir diesen Gedanken weiterführen und mit Johannes vom Kreuz sagen: Diese Hirten sind wie Leute, die auf ihrem geistlichen Weg so weit gekommen sind, dass ihnen die Verbundenheit mit Gott so viel bedeutet, dass sie die Herden nicht mehr weiden, die sie bisher geweidet haben: „Im inneren Weinkeller trank ich von meinem Geliebten; als ich wieder auf die Weide hinaustrat, wusste ich nichts mehr und habe die Herde verloren, der ich vorher gefolgt war.“ (CB 26) In der geistlichen Ehe mit Gott wurde der Mensch dermaßen in Liebe umgeformt, dass er allen Dingen der Welt entfremdet (ist) und allem seinem Begehren abgestorben ist. Sein Begehren ist ganz darauf gerichtet, Gott allein zu lieben und ihm allein zu gefallen. (vgl. CB 26,2)
Was die Hirten erfahren bringt aber nicht nur ihre Beine in Schwung sondern auch ihren Mund, denn „als sie das Kind sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war.“ (Lk 2,17) Sie werden durch ihr Tun und ihr Reden zu Botschaftern des göttlichen Kindes. Dies ist nur möglich, weil ihre Lippen übergehen aus der Fülle ihres Herzens.
Möge doch auch uns jene Langeweile an allem Weltlichen befallen, die uns öffnet für die Botschaft des Himmels.
Mögen doch auch wir jene Empfänglichkeit gewinnen, die uns das Kind in der Krippe anziehend und über alles begehrenswert macht.

Doch schauen wir nun auf Maria, die jungfräuliche Mutter dieses Kindes. Sie fällt durch ihr Verhalten aus dem Rahmen im Vergleich mit den Hirten: Sie rührt sich nicht und gibt nichts von sich! Vielmehr nimmt sie auf und bewahrt es für sich: „Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.“ (Lk 2,19) Maria hat bereits alles von sich gegeben, was sie besaß: Ihren Sohn bei der Geburt! ER war es, der aus ihrem Schoß nach außen kam in die Welt. Ihr Kind, der Sohn des Höchsten, war ihre Äußerung! Mehr hatte sie nicht zu geben! Doch siehe da, der Platz, den bisher ihr Sohn in ihrem Inneren eingenommen hatte, dieser Platz bleibt nicht leer. Er wird gefüllt, mit dem, was mit ihrem Sohn geschieht: Vorerst, was die Leute von ihm erzählen und später dann, was sie von ihm selber sieht und erlebt. Das füllt sie fortan aus, das beschäftigt sie von nun an; darüber denkt sie nach. Auf diese Weise wird sie immer tiefer verstehen, was es heißt, dass ihr Kind der Sohn des Höchsten ist, dass er der Messias und der Herr ist. Das Erkennen ihres Sohnes im Glauben wird in unermessliche Tiefen vorstoßen. Sie wird eindringen in die Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes, wie es keinem anderen Menschen möglich sein wird. (vgl. Röm 11,33) Zugleich mit seiner äußeren Entfaltung wird Jesus sich im bewahrenden und erwägenden Herzen seiner Mutter entfalten.
Mögen auch uns die weihnachtlichen Gnaden Dünger sein, der unsere Erkenntnis von diesem Jesus wachsen lässt, den wir heute als göttliches Kind in der Krippe verehren.
Mögen wir in ihm mehr und mehr die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes erkennen.
Mögen wir das heilige Volk werden und die Erlösten des Herrn. (Jes 62,12) Amen!

Sonntag, Dezember 24, 2006

Ein Kind ist uns geboren


Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 2: 1 – 14

1 In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen.

2 Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien.

3 Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.

4 So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids.

5 Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.

6 Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft,

7 und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.

8 In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.

9 Da trat der Engel des Herrn zu ihnen und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr,

10 der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll:

11 Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.

12 Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.

13 Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach:

14 Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.



„In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.“ (Lk2,8)

Verzeiht mir bitte, wenn ich die Predigt nicht mit der Frohbotschaft dieser Nacht oder mit dem Preisgesang der himmlischen Heerscharen beginne. Aber wenn ich bedenke, dass das heutige Evangelium mit der Geldgier eines Kaisers anfängt, dann komme ich mir bei meinem Predigtanfang noch gut vor – und das mit gutem Gewissen!
Was mir bei diesen Worten über die Hirten auf dem freien Felde besonders aufgefallen ist verbirgt sich im griechischen Begriff für das Lagern auf freiem Feld. „Agraulein“ heißt dieses griechische Wort und es heißt wörtlich übersetzt: Sein Feld zu seiner Wohnung machen.
Ich finde darin eine große Ähnlichkeit mit dem zentralen Geschehen der heutigen Nacht in der Geburt des Kindes aus Maria. Johannes wird dieses Ereignis im Evangelium der morgigen Festmesse so umschreiben: „Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ (Joh 1,14a)
Sein Feld zu seiner Wohnung machen nicht nur in dem Sinn, dass auch das Kind Mariens praktisch unter freiem Himmel geboren wurde sondern viel mehr noch im tieferen Sinne des Evangelisten Johannes: Gott hat sich auf dem Feld der Menschheit nieder gelassen und dort seine Wohnung errichtet. In dieser engen Verbindung mit den Hirten ist es begründet, dass sie zuerst von diesem Ereignis erfahren.

Noch etwas schließt die Hirten unter dem freien Himmel und das Kind in der Krippe zusammen: Die Hirten haben das Feld zu ihrer Wohnung gemacht, um ihre Schafe zu hüten. Sie erweisen sich so als gute Hirten, die ihrer Herde nahe sein wollen.
Genau das hat Gott aber auch bewogen, Mensch zu werden: Er will uns Menschen nahe sein; er will ein guter Hirt für seine Herde sein. Dies wird in der 1. Lesung angedeutet: „Seine Herrschaft ist groß, und der Friede hat kein Ende. Auf dem Thron Davids herrscht er über sein Reich; er festigt und stützt es durch Recht und Gerechtigkeit, jetzt und für alle Zeiten. Der leidenschaftliche Eifer des Herrn der Heere wird das vollbringen.“ (Jes 9,6) Diese Worte wecken die Erinnerung an David, der ja auch ein Hirte war, und den Gott von seiner Herde wegholte, damit er Hirte werde für sein Volk Israel. (vgl. 2 Sam 7,8)
Auch in der 2. Lesung tritt uns der gute Hirt entgegen – allerdings im Kleid des Erziehers, der uns zu einem besonnenen, gerechten und frommen Leben in dieser Welt führen möchte. (vgl. Tit 2,12)
Wir sehen also wie tief die Verwandtschaft ist zwischen den Hirten auf dem Feld und in dem Kind in der Krippe.
Kein Wunder also, dass die himmlischen Paparazzi zuerst den Hirten ihre gute Nachricht brachten. Die wussten schon damals, bei wem sie am ehesten mit ihren Neuigkeiten ankommen würden.

Bleibt uns die Frage, wie könnten wir in diese Verwandtschaft eintreten und mit der Empfänglichkeit der Hirten für die englische Botschaft beschenkt werden?
Ich meine dadurch, dass wir uns der Herde bewusst werden, die uns anvertraut ist; die uns im Verlauf unseres Lebens durch Liebe und Leid zugewachsen und angewachsen ist; und dass wir dieser Herde wieder bewusst nahe kommen und nahe bleiben, um für sie ein guter Hirt zu sein: unsere Familie – Kinder, Eltern, Verwandte; unsere Freunde; unsere Mitarbeiter; aber ebenso Menschen, die uns in irgendeiner Form zur Last geworden sind: diese Menschen ertragen, ihnen verzeihen, sich mit ihnen versöhnen, beständig für sie beten. Wenn wir diese Haltungen pflegen, dann machen auch wir unser Feld zu unserer Wohnung und wie von alleine ist die Verwandtschaft mit jenem Gott da, der heute im Erstgeborenen der seligen Jungfrau Maria Mensch wird;
wie von alleine gehören wir dann zu den Menschen guten Willens, die offen sind für die Botschaft der Engel: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.“ (Lk 2,11)

Freitag, Dezember 22, 2006

Selig ist die, die geglaubt hat!



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 1: 39 – 45

Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.
Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet.
Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt
und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.
Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.



Wir hörten eben, dass Maria sich auf den Weg machte und in eine Stadt im Bergland Judäa eilte! „Maria im Weihnachtsstress“ – ist mir spontan zur Eile der Maria eingefallen.
Was hat Maria wohl eilen lassen? Für die Hektik, die uns gerade in diesen Tagen plagt finden wir im Evangelium keinen Anlass – schon allein aus dem Grund, weil „Weihnachten“ bei Maria noch gut neun Monate entfernt ist.
Warum also hat Maria es eilig? Nun, das Ziel ihres eiligen Weges ist ein Mensch, eine Frau, Elisabet, ihre Cousine. 3-4 Tage wird sie von Nazaret gebraucht haben dorthin, wo Elisabet wohnte.
Verursacht wurde diese Reise durch den Engel, der ihr von der späten Schwangerschaft der Elisabet erzählt hat. Und er hat ihr das erzählt zum Zeichen dafür, dass für Gott nichts unmöglich ist und dass es deshalb auch möglich ist, dass sie – Maria – ein Kind bekommt nicht von einem Mann sondern durch das kraftvolle Wirken des Heiligen Geistes.
Die innere Stimmung dieser jungen Frau aus Nazaret ist nachfühlbar; es wird sie gedrängt haben, die Botschaft des Engels, die sie gläubig angenommen hat, als Wirklichkeit zu erfahren: dass nämlich Elisabet schon im 6. Monat ist, und dadurch auf jene viel beglückendere Wirklichkeit hingewiesen zu werden, an die sie schon glaubt – dass sie mit dem Sohn Gottes schwanger ist.
Nicht der Zweifel lässt sie eilen, der nach Bestätigung strebt sondern der Glaube, dessen Erfüllung sie mit Gewissheit erwartet.

Maria eilt auf dem Weg, den der Engel ihr mit dem Hinweis auf die schwangere Elisabet gewiesen hat, denn sie weiß: Auf diesem Weg wird sich bestätigen, was der Engel ihr sagte: Der Herr ist mit dir! Du bist voll der Gnade!
Ist uns eigentlich klar, dass auch jedem von uns diese Zusage gemacht wurde, dass Gott mit uns ist und wir voll der Gnade sind? Und zwar angefangen bei der Taufe über die weiteren Sakramente die wir empfangen haben bis her zu jedem Gottesdienst, an dem wir teilnehmen. Vielleicht haben wir schon zu oft gehört, dass der Herr mit uns ist, so dass wir das bereits notorisch überhören. Aber das erneuerte Hören dieser Botschaft und das lebhafte Interesse daran, diese Worte immer wieder bestätigt zu finden und jene Orte und Menschen aufzusuchen, die mir diese Worte immer wieder sagen – das kann in meinem Leben Stress und Hektik in Eile verwandeln – nämlich in einen Impuls, der meinem Leben ein erfüllendes Ziel gibt und der ansonsten trockene Stellen zu Lebensquellen erschließt: ich meine jene Stellen, an denen ich Gott begegnen kann – im Mitmenschen, beim Gottesdienst, beim Beten, im Sakrament der Buße und bei zahllosen anderen Möglichkeiten.

Dass der Herr mit Maria ist, regt sie auf, bringt sie in Bewegung, führt sie zur Begegnung mit Elisabet. Gottes Zuwendung zu Maria führt diese Frau zur Begegnung mit Elisabet. Das Leben mit Gott macht selig und es macht gesellig. Wenn wir uns zu Gott wenden wendet Gott uns zu den Menschen, so hat Erzbischof Alois Kothgasser einmal gemeint; und ich möchte noch ergänzen: wenn Gott sich uns zuwendet wendet er uns auch zu den Menschen. Wahre Gottesbegegnung führt zur Menschenbegegnung. So dass wir uns fragen müssen: Ist es hier bei der hl. Messe, oder sonst bei einem Gottesdienst oder bei meinem persönlichen Beten noch Begegnung mit Gott, wenn wir dadurch unseren Mitmenschen nicht mehr näher kommen?
Wo passiert es denn in unserem Leben noch, dass wir so über unsere Gotteserfahrung miteinander sprechen können, wie Elisabet und Maria es im heutigen Evangelium tun? Im Evangelium ist die Verwandtschaft eine Erleichterung für dieses Gespräch. Und bei uns? Sind da die Blutsbande nicht ein Hindernis zu aller Scheu dazu, die wir ohnedies schon haben, wenn wir über unseren Glauben reden sollen?
Ich behaupte, dass einer der Gründe für unsere Redehemmungen hinsichtlich unseres Glaubens der ist, dass unser Glaube sich in einem Tiefschlaf befindet und dass sich glaubensmäßig eine Eiszeit über unser Leben ausgebreitet hat, die es verhindert, dass wir unseres Glaubens froh werden, weil wir durch ihn dem lebendigen Gott begegnen.
Diese Eiszeit schmelzen kann nur jene Kraft, die sehr deutlich in unserem heutigen Evangelium anklingt, wenn es von Elisabet heißt, dass sie vom Heiligen Geist erfüllt Maria mit lauter Stimme zugerufen hat.
Nur dieses Feuer des Hl. Geistes kann unser vereistes und tief gefrorenes Herz auftauen zu einem neuen Hören, Sehen und Reden.
Elisabet und Maria mögen unsere besonderen Fürsprecher sein um diesen lebendig machenden Geist Gottes – gerade in den kommenden Tagen der Weihnacht!

Donnerstag, Dezember 14, 2006

Was sollen denn wir tun?



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 3: 10 – 18

Da fragten ihn die Leute: Was sollen wir also tun?
Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso.
Es kamen auch Zöllner zu ihm, um sich taufen zu lassen, und fragten: Meister, was sollen wir tun?
Er sagte zu ihnen: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist.
Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Misshandelt niemand, erpresst niemand, begnügt euch mit eurem Sold!
Das Volk war voll Erwartung und alle überlegten im Stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei.
Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
Schon hält er die Schaufel in der Hand, um die Spreu vom Weizen zu trennen und den Weizen in seine Scheune zu bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.
Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk in seiner Predigt.




„Was sollen wir also tun?“, fragen die Leute den Johannes. (Lk 3,10)
Wie kommen sie zu dieser Frage? Durch die Leviten, die Johannes ihnen unmittelbar vorher gelesen hat: „Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt? Bringt Früchte hervor, die eure Umkehr zeigen und fangt nicht an zu sagen: Wir haben ja Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Steinen Kinder Abrahams machen. Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine guten Früchte hervor bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.“ (Lk 3,7-9)

Diese Drohbotschaft hat die Leute betroffen gemacht. Keiner wollte Schlangenbrut sein; alle wollten sie fruchtbare Bäume sein und keiner wollte als fruchtloser Baum verbrannt werden. Aber wie geht das: Früchte hervorbringen, die ihre Umkehr zeigt?
Mit ihrer Frage wollen sie von Johannes einen konstruktiven Beitrag zu ihrer Lebensgestaltung haben. Sie wollen also nach der Drohbotschaft nun auch eine Frohbotschaft.
Die Antwort des Täufers erscheint denkbar einfach, fast banal: „Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat und wer zu essen hat, der handle ebenso.“ (Lk 3,11)
Im Gegensatz zu den Schriftgelehrten verlangt er von den Leuten nicht, dass sie zahlreiche Gebote halten sollen. Vielmehr verlangt er von ihnen „bloß“ dass sie auf die Not ihrer Mitmenschen achten und ihr abhelfen, indem sie teilen, was sie haben. Er gibt ihnen ein soziales Programm für ihr alltägliches Leben mit.
Ähnlich antwortet er den Zöllnern: „Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist!“ (Lk 3,13)
Und den Soldaten: „Misshandelt niemand, erpresst niemand, begnügt euch mit eurem Sold!“ (Lk 3,14)
Er schickt sie alle in ihren Alltag zurück, dass sie dort das Gewöhnliche tun – aber mit Achtsamkeit und Rücksicht auf ihre Mitmenschen. Seine Weisungen sind einfach, lebensnah, lebbar.

Wir können es uns ausmalen, was er uns antworten würde, wenn wir ihn fragten: Ja, was sollen denn wir tun?
Uns allen würde er im Hinblick auf die Adventsammlung am letzten Sonntag sagen: Seid so frei für ein Stück vom Glück für Notleidende.
Den Eheleuten würde er sagen: Seid lieb zueinander, tut’s nicht ausgrasen sondern bleibt einander treu!
Den Kindern und Jugendlichen würde er sagen: Schaut auf eure Eltern und kommt mit euresgleichen gut aus.
Uns Karmeliten: Nehmt eure Gelübde ernst und lebt geschwisterlich miteinander. Vernachlässigt weder euren Gebetsauftrag noch die apostolische Arbeit!

Es ist bezeichnend, dass Johannes von den Soldaten nicht verlangt: Legt eure Waffen nieder, liebt eure Feinde, tötet niemanden!
Oder von den Zöllnern: Lasst euren Handel mit dem ungerechten Mammon und werdet Einsiedler.
Sie hätten ihn nicht verstanden; sie wären überfordert gewesen.
Das, was er ihnen sagt, war ihrem Leben angemessen, das stand im Bereich ihrer Kräfte, das konnten sie in ihr Leben einfügen. Johannes hat ihnen Schritte vorgeschlagen, die sie schaffen konnten, einen Weg, der für sie gangbar war.
Johannes hat in seinen Forderungen an die Leute das rechte Augenmaß behalten.
Johannes hat in der Wüste von der Weisheit Gottes gelernt: Von den Menschen nichts zu verlangen, was ihre Kräfte übersteigt.

Das wäre doch etwas, das wir vom Täufer lernen könnten: Dass wir einander mit dem rechten Maß behandeln, indem wir uns fragen: Was kann ich vom anderen erwarten? Was kann ich dem anderen zumuten? Wie kann ich mich selber dem anderen zumuten?

In seinem Verhalten weist Johannes bereits auf einen wesentlichen Gesichtspunkt der Menschwerdung Gottes hin: Gott kommt uns auf eine Weise entgegen, in der wir ihn fassen, begreifen, verstehen können – indem er Mensch wird wie wir, in allem uns gleich außer der Sünde. (vgl. Phil 2,7)
Wie Gott unsere Grenzen respektiert, indem er uns innerhalb dieser unserer Grenzen begegnet so mögen auch wir lernen, behutsam mit Grenzen umzugehen – mit den eigenen und denen anderer. Menschwerdung – ein Eingehen in die Begrenztheit des anderen und zusammen mit ihm die Grenzen weiten.
Denn Gott kommt in unsere Enge, damit wir mit ihm Wälle erstürmen und Mauern überspringen; so will er uns hinauszuführen ins Weite. (vgl Ps 18,20.30)

Samstag, Dezember 09, 2006

Die Stimme in der Wüste



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 3: 1 – 6

Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius; Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Tetrarch von Galiläa, sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und Trachonitis, Lysanias Tetrarch von Abilene;
Hohepriester waren Hannas und Kajaphas. Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias.
Und er zog in die Gegend am Jordan und verkündigte dort überall Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden.
So erfüllte sich, was im Buch der Reden des Propheten Jesaja steht: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!
Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden.
Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.


Da werden im Evangelium große und mächtige Leute aufgezählt: Tiberius, Pontius Pilatus, Herodes, Philippus, Lysanias und schließlich Hannas und Kaiphas. (vgl. Lk 3,1-2a) Die Crème de la Crème von Politik und Religion.
Ja, und dann ergeht das Wort Gottes! Aber an wen von diesen hohen, mächtigen Leuten? Wenn wir uns nun diese Leute der Reihe nach anschauen, dann haben die alle bereits etwas:
Tiberius war Kaiser und hatte die Regierung über das mächtige römische Reich;
Pontius Pilatus hatte die Statthalterei von Judäa;
Herodes hatte als Vierfürst Galiläa zu verwalten, sein Bruder
Philippus Ituräa und Trachonitis;
Lysanias Abilene;
Die drei Letztgenannten waren so was wie Landeshauptleute.
Dann wird das Wort Gottes wohl an Hannas und Kajaphas ergangen sein!
Aber nein! Auch die hatten schon was: Das Amt des Hohenpriesters.
Sie alle haben etwas, mit dem sie vollauf beschäftigt sind – so sehr, dass für das Wort Gottes überhaupt kein Platz mehr bleibt. Auf alle diese Mächtigen und Würdenträger trifft zu, was wir im Tagesgebet gehört haben: Sie wurden von ihren irdischen Aufgaben und Sorgen gehindert, das Wort Gottes zu hören. Darum ist es auch nicht an sie ergangen.

Aber an wen hat Gott dann sein Wort gerichtet? An einen Mann, der nichts hatte: „An Johannes, den Sohn des Zacharias.“ (Lk 3,2b) Von ihm heißt es nur, dass er in der Wüste ist. Das ist ein Hinweis auf Freiheit von Macht und Würde von Amt und Reichtum. Das ist ein Hinweis auf seine Freiheit für das Wort Gottes. Darum ist er es, an den das Wort Gottes ergeht. Gott liebt keine Leerläufe in seinem Wirken. Da ist er sehr ökonomisch – heilsökonomisch. Darum richtet er sein Wort gleich an den, bei dem es ankommt.
Dabei hatte gewiss auch Johannes seine Aufgaben und irdischen Sorgen: Auch Einsiedler müssen ihren Tag planen und sich um ihr Essen kümmern. Das hat auch Johannes getan. Allerdings hat ihn dies nicht gehindert, auf Gott zu hören und sein Wort zu vernehmen. Vielmehr hat er seine Aufgaben so erfüllt, dass seine Aufmerksamkeit für Gott wach geblieben ist.

Und darum geht es ja auch bei uns:
Wir haben schließlich ja auch nicht gebetet, dass wir von unseren Aufgaben davonlaufen sollen – gar in die Wüste. Sondern wir haben lediglich darum gebetet, dass unsere Aufgaben und irdischen Sorgen uns nicht hindern mögen, Jesus entgegenzugehen. Denn zu ihm möchte Gott uns durch sein Wort führen.
Sie mögen nicht zu Bergen und Tälern werden, die uns von Jesus fernhalten; vielmehr sollen sie ebene Straßen sein, auf denen wir Jesus begegnen können und er uns.
Das sind mächtige Erdbewegungen in unserem Leben! Welches Werkzeug könnte uns da wohl helfen beim Einebnen dieser Berge und Hügel und beim Auffüllen der Täler?
Etwa die Dankbarkeit dafür, dass Gott uns eine Arbeit, eine Aufgabe, eine Lebenserfüllung gegeben hat.
Dann der Gedanke daran, dass wir anderen und Gott selber Freude machen mit der Erfüllung unserer Aufgaben.
Oder auch die Erinnerung, dass Gott uns hilft bei der Bewältigung unsers Lebens, weil er ja immer bei uns und mit uns ist. In der Lesung haben wir gehört, wie sehr Gott bei uns ist – so sehr, dass er bewirkt, dass alle hohen Berge und sogar die ewigen Hügel sich senken und die Täler sich heben zu ebenem Land. Dazu kommen noch die Wälder und die duftenden Bäume, die Schatten spenden (wir dürfen dabei auch an unseren Christbaum denken!) (vgl. Bar 5,7-9)
Aber die ewigen Hügel von vorhin – ihr werdet euch fragen, was das ist. Nun, die ewigen Hügel sind unsere eingefleischten, dummen Gewohnheiten, die wir ewig nicht loswerden. Gott kann sogar die aus unserem Weg räumen. Wenn wir sie ihm nur geben, indem wir seine Nähe wahrnehmen und annehmen.
So wird der Herr jedes gute Werk, das er in uns begonnen hat schließlich auch vollenden. (vgl. Phil 1,6)
Wir wollen also in diesen Tagen des Advent immer weniger zu denen gezählt werden, die an etwas so sehr picken und kleben, dass sie für den Herrn nicht mehr frei und ansprechbar sind; vielmehr wollen wir wie Johannes zu Menschen werden, denen Gott etwas sagen kann, mit denen er reden kann. Das sind adventliche Menschen – mit denen Gott dann auch Weihnachten feiern kann, wenn er zu ihnen kommt und sie zu ihm – auch mitten drin in den Aufgaben und Sorgen ihres Lebens.

Donnerstag, Dezember 07, 2006

Immaculata



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 1: 26 – 38

Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret
zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.
Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.
Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.
Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.
Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.
Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben.
Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?
Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.
Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat.
Denn für Gott ist nichts unmöglich.
Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.




„Wo bist du?“ So hat Gott im Paradiese nach Adam gerufen. Dieser Ruf ist das erste Wort, das Gott an einen Menschen richtet. Darum ist es auch ein besonderes Wort.
Was sagt dieses Wort über Gott aus? Es erzählt von einem Gott, der den Menschen nicht geschaffen und sich dann nicht weiter um ihn gekümmert hat. Gott sorgt sich um den Menschen, um seine Schöpfung. Als Ausdruck dieser Sorge Gottes ist dieses Wort ein Wort des Heils und steht am Anfang eines Heilsgespräches mit uns Menschen, das kein Ende finden wird.

Mag der Mensch von sich aus auch noch so sehr dieses Gespräch fliehen und abbrechen – Gott wird immer wieder anfangen zu sprechen. Gott führt dieses Gespräch mit seinem Volk, mit den Vätern Israels, mit den Propheten, den Königen. Er führt es mit Worten, er führt es mit Zeichen und Wundern, er führt es in der Blütezeit seines Volkes und in seiner Erniedrigung in der Gefangenschaft. Er führt es als Weisung, als Verheißung, als Mahnung, als Drohung, als Trost, als Jubel. Im Verlauf der Geschichte seines Volkes gewinnt dieses Gespräch an Tiefe und bringt mehr und mehr die Liebe zu Tage, mit der Gott sein Volk liebt. Das Gespräch wird zum Zeugnis der treuen Liebe Gottes zu seinem Volk. Es wird auch deutlich, dass dieses Gespräch einem Höhepunkt zustrebt, den Gott sein Volk im Messias erkennen lässt.

Im Evangelium nun hören wir wie Gott erneut zu so einem Gespräch anhebt; mit Maria, der Jungfrau von Nazaret führt er es. Und zugleich wird klar: Mit diesem Gespräch wird jener Höhepunkt vorbereitet, den Gott seinem Volk im Messias verheißen hat: „Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben.“ (Lk1,31-33)
Johannes besingt zu Beginn seines Evangeliums dieses Ereignis mit überschwänglichem Lobpreis: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.“ (Joh1,1-4.14) Die unergründliche Tiefe dieses Wortes Gottes zu uns hat unser Ordensvater der hl Johannes vom Kreuz deutlich erkannt und ausgedrückt: „Wenn ich dir doch schon alles in meinem Wort, das mein Sohn ist, gesagt habe und kein anderes mehr habe, was könnte ich dir dann jetzt noch antworten oder offenbaren, was mehr wäre als dieses? Richte deine Augen allein auf ihn, denn in ihm habe ich dir alles gesagt und geoffenbart, und du wirst in ihm noch viel mehr finden, als du erbittest und ersehnst, denn er ist meine ganze Rede und Antwort, er ist meine ganze Vision und Offenbarung. Das habe ich euch schon gesagt, geantwortet, kundgetan und geoffenbart, als ich ihn euch zum Bruder, zum Gefährten und Lehrmeister, als Lösegeld und Lohn gab.“ (2S22, 5)

Ist das nicht wunderbar? Diese ganze unermessliche Überfülle hat mit dem Ruf Gottes angefangen: Adam, wo bist du? Was sollen wir dazu sagen? Wir können nur staunen, danken und ergriffen sein. Wir können nur unser Vertrauen erneuern, dass Gott treu ist und dass seine Worte für uns Leben bedeuten und er seine Verheißung an uns erfüllen wird.

Damit bin ich schon angelangt beim Menschen und was der Ruf Gottes nach Adam für diesen selber und für uns Menschen überhaupt bedeutet. Dieser Ruf ist eine Einladung zu einer Standortbestimmung im Hinblick auf Gott: „Adam, wo bist du!“ meint also: Wo stehst du in deiner Beziehung zu Gott? Wie geht es dir, wenn du an Gott denkst? Welchen Platz hat Gott in deinem Leben? Im „Adam, wo bist du?“ fragt Gott mit anderen Worten: „Adam, wo bin ich in deinem Leben?“
Adam musste bekennen, dass er das Angesicht Gottes flieht, weil er sich des Ungehorsams schuldig weiß.

Wie hat Abram geantwortet, als Gott ihm diese Frage stellte: „Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde.
Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein. Ich will segnen, die dich segnen; wer dich verwünscht, den will ich verfluchen. Durch dich sollen alle Geschlechter der Erde Segen erlangen.“ (Gen 12,1-3) Wie hat Abram darauf geantwortet? „Da zog Abram weg, wie der Herr ihm gesagt hatte.“ (Gen12,4)

Hören wir weiter wie er den Propheten Habakuk gerufen hat: „Zwar blüht der Feigenbaum nicht, an den Reben ist nichts zu ernten, der Ölbaum bringt keinen Ertrag, die Kornfelder tragen keine Frucht; im Pferch sind keine Schafe, im Stall steht kein Rind mehr.“ (Hab 3,17) Wie hat Habakuk geantwortet, als der Herr ihn auf diese deprimierende Weise fragte, wo bist du?
„Dennoch will ich jubeln über den Herrn und mich freuen über Gott, meinen Retter. Gott, der Herr, ist meine Kraft. Er macht meine Füße schnell wie die Füße der Hirsche und lässt mich schreiten auf den Höhen. (Hab 3,18f.) Wo war Habakuk? Im jubelnden Lobpreis, im unerschütterlichen Vertrauen auf den treuen Beistand des Herrn. Er war im Herrn, seiner Kraft und Stärke!

Und Hiob, wie antwortete er, als der Herr ihn fragte, wo bist du, indem er ihm seinen ganzen Besitz samt seinen Kindern nahm: „Nun stand Ijob auf, zerriss sein Gewand, schor sich das Haupt, fiel auf die Erde und betete an. Dann sagte er: Nackt kam ich hervor aus dem Schoß meiner Mutter; nackt kehre ich dahin zurück. Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen; gelobt sei der Name des Herrn.“ (Hiob 1,20f.) Er war – menschlich völlig unbegreiflich – in der Anbetung, in der Ergebung, im Lobreis!
Wir sehen, wie verschieden Gott den Menschen ruft: Wo bist du? So viele Weisen des Rufens gibt es wie es Menschen gibt und da wieder zahllose Möglichkeiten im Leben jedes einzelnen Menschen.

So werden wir zu jenem Ruf geführt, den Gott im heutigen Evangelium an Maria gerichtet hat; er bediente sich dabei des Engels Gabriel: „Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir!“ (Lk 1,28). Wie antwortet nun sie, nachdem sich im Gespräch mit dem Engel ihre Begnadung und damit ihre Berufung geklärt hatten: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ (Lk1,38) Die Einfachheit dieser Reaktion, die Schlichtheit dieser Antwort lässt das Geheimnis des heutigen Festtages aufleuchten und stellt uns die völlige Sündenfreiheit vor Augen, in der Maria vor dem Herrn gelebt hat und die er ihr für die Erfüllung ihrer Berufung, die Mutter des Erlösers zu sein, geschenkt hat.
Durch ihr Mitwirken können wir teilnehmen an ihrer Berufung, die Gott auch für uns vor Erschaffung der Welt bereitgehalten hat, „dass wir heilig und untadelig leben vor Gott; er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt, seine Kinder zu werden durch Jesus Christus und nach seinem gnädigen Willen zu ihm zu gelangen, zum Lob seiner herrlichen Gnade. Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn;“ (Eph 1,4-6) Vergessen wir das nicht in der Antwort auf den Ruf Gottes nach uns: „Wo bist du?“

Samstag, Dezember 02, 2006

Hl. Johannes vom Kreuz



Novene zu Ehren des hl. Johannes vom Kreuz
5.12. – 13.12

• Begib dich in die Gegenwart Gottes.
• Lies langsam und mit Andacht die Betrachtung des jeweiligen Tages.
• Verweile 5 Minuten in der Betrachtung des Gelesenen.
• Lies noch einmal die Betrachtung.
• Bete ein Vater unser, ein Gegrüßet seist du, Maria und ein Ehre sei dem Vater.
• Bete zum Abschluss eines der beiden folgenden Gebete:

Allmächtiger Gott,
du hast dem heiligen Johannes vom Kreuz,
unserem Vater,
ein großes Verlangen geschenkt,
sich selbst zu verleugnen und Christus nachzufolgen.
Gib, dass wir im Kreuz unser Heil erkennen
und durch das Kreuz die Gnade erlangen,
deine Herrlichkeit zu schauen.
Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn.

Heiliger Gott,
du hast deinem Volk
den heiligen Johannes vom Kreuz
als Lehrer des geistlichen Lebens geschenkt.
Lass uns nach dem Vorbild und der Lehre unseres Vaters
den Weg des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe gehen
und so zur Freiheit der Kinder Gottes gelangen.
Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn.


1. Tag: Schöpfung

Gott schuf alle Dinge mühelos und im Augenblick. In diesem Erschaffen ließ er eine Spur seines Wesens zurück – nicht nur dadurch, dass er ihnen das Sein aus dem Nichts verlieh; denn darüber hinaus begabte er sie mit unzähligen Vorzügen und Kräften, er verschönte sie durch eine bewundernswerte Ordnung, durch eine unzerstörbare wechselseitige Abhängigkeit, und das alles kraft seiner Weisheit, kraft des Wortes, seines eingeborenen Sohnes. (CB 5,1)

2. Tag: Gott in mir

Was verlangst du mehr, o Seele, und was suchst du noch draußen? In deinem Inneren besitzest du deine Schätze, deine Wonnen, deine erfüllende Sättigung und dein Reich, ihn, den du begehrst und suchst, den Geliebten. Freue dich und frohlocke in deiner inneren Sammlung mit ihm, da du ihn so nahe hast. Hier liebe, hier verehre ihn, und mach dich nicht auf, ihn draußen zu suchen. Du würdest dich doch nur zerstreuen und ermüden. Du kannst ihn nicht sicherer, nicht schneller und näher finden, nicht tiefer genießen als in dir. (CB1,8)

3. Tag: Gott im Glauben suchen

Begnüge dich niemals mit dem, was du von Gott zu begreifen glaubst, sondern mit dem Unbegreiflichen. Bleib niemals dabei stehen, das zu lieben und zu genießen, was du von Gott begreifen und empfinden magst. Liebe und genieße das, was du von ihm nicht begreifen und empfinden kannst; das heißt ihn im Glauben suchen. (CB1,12)

4. Tag: Der verborgene Gott

Da Gott unzugänglich und verborgen ist, musst du ihn immer als einen Verborgenen betrachten und ihm als eine Verborgene im Geheimen dienen. Gleiche nicht den vielen Toren, die von Gott niedrig denken, die Gott dann für entlegener und verborgener halten, wenn sie ihn nicht begreifen und mit Wonnen fühlen. Das Gegenteil trifft zu: je weniger deutlich sie ihn erfassen, desto mehr nähern sie sich ihm. (CB1,12)

5. Tag: Gott spricht durch Christus

Wenn ich dir doch schon alles in meinem Wort, das mein Sohn ist, gesagt habe und kein anderes mehr habe, was könnte ich dir dann jetzt noch antworten oder offenbaren, was mehr wäre als dieses? Richte deine Augen allein auf ihn, denn in ihm habe ich dir alles gesagt und geoffenbart, und du wirst in ihm noch viel mehr finden, als du erbittest und ersehnst. Du bittest nämlich um innere Ansprachen und Offenbarungen über Teilbereiche, doch wenn du deine Augen auf ihn richtest, wirst du es im Ganzen finden, denn er ist meine ganze Rede und Antwort, er ist meine ganze Vision und Offenbarung. Das habe ich euch schon gesagt, geantwortet, kundgetan und geoffenbart, als ich ihn euch zum Bruder, zum Gefährten und Lehrmeister, als Lösegeld und Lohn gab. (2S22, 5)

6. Tag: Nach Christus verlangen

Da der Wille seine Liebe und Zuneigung an den Begierden und Gelüsten nach allerlei Dingen zu entflammen pflegt, um sich durch sie zu erfreuen, war zu deren Überwindung und Verleugnung eine andere, heftigere Entflammung durch eine bessere Liebe vonnöten, der Liebe zu ihrem Bräutigam, damit sie Freude und Kraft in dieser finde und so Mut und Ausdauer gewinne, um allem anderen zu entsagen. (1S14,2)

7. Tag: Christus nachahmen

Habe ein gewohnheitsmäßiges Bestreben, Jesus Christus in all seinen Werken nachzuahmen, indem du mit seinem Leben übereinstimmst, das du betrachten musst, um es nachahmen zu können und sich in allem so zu verhalten, wie er es getan hätte. Um dies gut tun zu können, verzichte auf jegliches Wohlgefühl, das sich dir von den Sinnen her anbieten sollte, sofern es nicht ausschließlich zu Gottes Ehre und Verherrlichung wäre, und bleibe leer davon um der Liebe Jesu Christi willen, der in diesem Leben kein anderes Wohlgefühl hatte noch wollte, als den Willen seines Vaters zu tun, was er seine Speise und Nahrung nannte. (1S13,3+4)

8. Tag: Diskretes Bitten

Wer besonnen liebt, wird nur auf seine Bedürftigkeit hinweisen, anstatt das Erwünschte zu erbitten; so bleibt die Weise der Abhilfe dem Geliebten überlassen. So sagt Maria, die Mutter Jesu, auf der Hochzeit zu Kanaan nur dieses zu ihrem geliebten Sohn: „Sie haben keinen Wein mehr!“ (Joh 2,3) Und die Schwestern des Lazarus sandten ihm nicht die Botschaft, er möge ihren Bruder heilen, sondern nur jene: „Er, den du liebst, ist krank.“ (Joh 11,13) (CB2,8)

9. Tag: Christus – mein Reichtum und meine Herrlichkeit

Mein sind die Himmel und mein ist die Erde; mein sind die Völker, die Gerechten sind mein und mein die Sünder; die Engel sind mein, und die Muttergottes und alle Dinge sind mein, ja Gott selbst ist mein und für mich, denn Christus ist mein und ganz für mich. Was erbittest und suchst du also noch, meine Seele? Dein ist all dies, und alles ist für dich. Gib dich nicht mit etwas Geringerem ab und schiele nicht auf die Brosamen, die vom Tisch deines Vaters fallen.
Lass das alles und rühme dich deiner Herrlichkeit; verbirg dich in ihr und freue dich, und du wirst erlangen, was dein Herz erbittet. (MLL26)