Samstag, Mai 27, 2006

Ich werde den Vater bitten... (Joh 14,16)



Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 17, 6a.11b – 19

Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir.
Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt.
Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben.
Ich habe ihnen dein Wort gegeben und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin.
Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst.
Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin.
Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit.
Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt.
Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.



Jesus - der Fürsprecher
Jedem von uns ist die Bitte vertraut: Bet für mich! Ich kann es brauchen, weil ich Sorgen habe, weil ich krank bin, weil ich eine Prüfung habe....
Das Evangelium stellt uns heute einen Fürbitter vor, an den wir kaum denken: Jesus!
Von ihm hören wir, dass er zum Vater betet - nicht etwa für sich! Er betet für seine Jünger, für seine Gemeinde - er betet für uns.
Er steht vor uns als der wahre und einzige Fürsprecher beim Vater (vgl. 1Joh 2,1), wie er von den Urchristen ausdrücklich genannt wird.
Ob das notwendig ist? Wir haben doch so viele Heilige als Fürsprecher - allen voran Maria, die Mutter Jesu - und es werden immer mehr. Für jedes Anliegen gibt es einen besonders zuständigen Heiligen. Pfuscht Jesus denen nicht unnötig ins Handwerk?
Aber müssten wir nach dem heutigen Evangelium nicht umgekehrt fragen: Haben wir bei so einem Fürsprecher, wie Jesus es ist, die Heiligen überhaupt noch nötig. Pfuschen nicht sie ihm ins Handwerk?
Wie konnte es bloß zu dieser Kompetenzstreitigkeit kommen?
In den Evangelien sind die Leute mit ihrer Not direkt zu Jesus gekommen: Herr, sie haben keinen Wein mehr (Joh 2,3)! Herr, mache meinen Sohn, meinen Knecht, meine Tochter gesund Mt 8,8; Mk 5,23)! Herr, rette mich (Mt 14,30)! Herr, ich möchte wieder sehen können (Mk 10,51)! Herr, ich glaube. - Hilf meinem Unglauben (Mk 9,24)! Da hat es sonst keine Fürsprecher gebraucht! Da hat Jesus genügt!
Und heute? Da braucht es Jesus nicht mehr. Da genügen die Heiligen!
Aber gerade die Heiligen rufen uns einstimmig zu: Jesus allein genügt! Und dass sie diesen Ruf konsequent gelebt haben – das hat sie heilig gemacht.
Die Heiligen sind die Mensch gewordene Verheißung des Herrn, bei uns zu bleiben "alle Tage bis zum Ende der Welt"! (Mt 28,20) Damit unser Glaube an die Gegenwart des Herrn wieder lebendig werde und wir durch diesen Glauben zur wahren Freude finden. Oder tun wir uns schwer, Jesus in seiner Heiligkeit so nahe bei uns auszuhalten? Weil wir ihn vor allem als ständigen Vorwurf erleben an unsere Sündhaftigkeit und Schwachheit?
Es ist für den Schwachen tatsächlich schwer einen Starken neben sich auszuhalten vor allem, wenn er nicht glauben und annehmen kann, dass der Starke ihn wahnsinnig liebt – und dass seine Stärke in eben dieser wahnsinnigen Liebe besteht. Ich gehe gewiss nicht fehl, wenn ich sage, dass die Liebe Jesu zu uns stärker ist als alles.

Die Anliegen im Gebet Jesus
Welche sind nun die Anliegen, in denen Jesus für uns zu Gott betet?
Wir können sie aufzählen: Dass wir in Gottes Namen bewahrt bleiben (Joh 17,11b), dass wir eins sind (Joh 11,17c), dass wir voll der Freude Jesu sind (Joh 17,13), dass wir vor dem Bösen bewahrt bleiben (Joh 17,15), dass wir in der Wahrheit geheiligt sind (Joh 17,19).
Das ist Jesus für uns wichtig! Darum betet er!
Es fällt auf, dass Jesus nicht um Gesundheit betet, nicht um Erfolg oder Reichtum, auch nicht um schönes Wetter.
Immer wieder höre ich bei Gesprächen früher oder später die Bemerkung: Hauptsache gesund sein! Für Jesus ist das offenbar keine Hauptsache, obwohl er in seinem Leben viele Kranke geheilt hat.
Wie viele Gesunde gibt es, bei denen das Glück meilenweit weg ist?
Wie viele Erfolgreiche und Geldreiche gibt es, bei denen von Frieden keine Spur zu finden ist?
Wie viele Menschen laufen nicht bei schönstem Wetter missmutig, unfreundlich und traurig umher?
Gesundheit, Erfolg, Wohlstand – recht und gut – aber das Gelbe vom Ei ist es offenbar doch nicht!
Denn wie viele Kranke leben nicht in tiefem Frieden?
Und bei wie vielen Armen ist eine echte Lebensfreude daheim?
Jesus möchte uns wohl sagen, dass wir über den kleinen Werten unseres Lebens die großen Werte nicht vergessen sollen – jene Werte, jene Schätze, die dem Leben wahre Fülle schenken.
Wir erleben diese wahren Schätze ja immer dort, wo uns Eintracht im Zusammenleben geschenkt ist, wo ein Wort, eine Tat, ein Eindruck uns mit tiefer Freude erfüllt. Da erkennen wir dann instinktiv, worauf es eigentlich ankommt.
Worauf es ankommt – das möchte Jesus uns mit seinem Gebet in Erinnerung rufen und dass wir das auch in unserem Beten für uns und andere vor Gott bringen.

Jesus - ein erfolgreicher Beter?
Wenn wir uns fragen, wie es mit den Gebetsanliegen Jesu heute steht, dann müssen wir auf der einen Seite wohl sagen: Wir sind noch weit von ihrer Verwirklichung entfernt!
Denn was gibt es nicht an Uneinigkeit in unserer Kirche - geschweige denn in der Welt!
Wie sehr bedrückt uns oft Freudlosigkeit – die eigene und die der anderen!
Wie oft erleben wir uns nicht dem Bösen ausgeliefert!
Die Frage drängt sich auf: Hat Jesus schlecht gebetet? Oder hat sein Vater schlecht gehört?
Ich meine: Jesus betet nicht über unsere Köpfe hinweg sondern durch unser Herz hindurch! Jesus betet, damit wir sein Gebet zu unserem machen und seine Anliegen zu den unseren.
Er möchte dass sein Gebet nicht gegen unseren Willen sondern mit unserem Einverständnis Frucht bringt!
Sein Gebet soll nicht in eine geistliche und moralische Vergewaltigung ausarten. Sein Gebet achtet unsere Freiheit!
Nützen wir unsere Freiheit so, dass das Beten Jesu schon hier auf Erden mitten unter uns erlebbare Wirklichkeit werde und stützen wir uns dabei auf jene Kraft, die er uns verheißt: auf die Kraft des Heiligen Geistes! Damit dieser Geist in uns beten kann, da wir selber ja nicht wissen, worum wir in rechter Weise beten sollen (Röm 8,26).

Mittwoch, Mai 24, 2006

...und setzte sich zur Rechten Gottes


 
Aus dem hl. Evangelium nach Markus 16:15 – 20

Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!
Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.
Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden;
wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.
Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.
Sie aber zogen aus und predigten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ.



Mit der Himmelfahrt des Herrn findet sein irdischer Weg hier auf Erden sein Ende. Dieser Weg führt ihn durch seine damalige Heimat über seinen Tod hinaus an die Rechte Gottes. Dort setzt er sich hin und bringt damit zum Ausdruck, dass er seinen Weg bei Gott vollendet hat; dass sein Gehen bei Gott zur Ruhe gelangt.
Der heilige Bericht weist aber auch darauf hin, dass er unterwegs eine Gemeinschaft um sich gesammelt hat: seine Jünger, die 12 Apostel, nunmehr vermindert um Judas.
Diese Gemeinschaft verlässt er nicht kopflos und planlos. Er gibt Hinweise für ihren weiteren Weg: Führt sein Weg nun heim zum Vater so geht ihr Weg hier auf Erden weiter. Für diesen weiteren Weg gibt er ihnen den Auftrag: „Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ (Mk 16,15) Mit diesem Auftrag eröffnet er ihnen die ganze Welt als ihr Arbeitsfeld; und ihre Arbeit besteht darin, dieses Feld mit dem Evangelium zu erfüllen. Mit der ganzen Welt ist auch schon angedeutet, dass das Evangelium allen Geschöpfen bestimmt ist: Die ganze Welt ist identisch mit allen Geschöpfen. Dieses Evangelium soll jene retten, die daran glauben und sich taufen lassen.
Dass die Botschaft des Evangeliums keine Worthülsen sind, erweist sich durch jene, die glauben: „Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.“ (Mk 16,17f.)
Und tatsächlich: Nach Jesu Aufnahme zur Rechten des Vaters tun sie nach Jesu Wort: „Sie aber zogen aus und predigten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ.“ (Mk 16,20)

Der Bericht des Evangeliums ist nüchtern; es fehlt die festliche Erregtheit des Berichtes aus der 1. Lesung oder des Briefes aus der 2. Lesung. Dabei wird es dem inspirierten Schriftsteller gewiss nicht an Begeisterung gefehlt haben – diese wird er wohl unterdrückt haben durch sein Bestreben, einen zusammenfassenden Bericht schreiben zu wollen über die Zeit Jesu mit seinen Jüngern zwischen dessen Auferstehung und Himmelfahrt. Demnach müsste unter den sachlichen Worten Feuer zu finden sein, wie die Glut unter der Asche. Versuchen wir diese Glut der Liebe Gottes zu entdecken!
Nun ganz offensichtlich glüht diese Liebe in der Form, dass sie sich nicht begnügt, auf die kleine Gruppe seiner Jünger und auf das kleine Erdstück seiner Heimat beschränkt zu bleiben. Aller Welt und aller Kreatur möchte sich diese Liebe durch die Verkündigung des Evangeliums mitteilen. Die Türen, die sich in der Himmelfahrt für Jesus öffnen tun sich zur selben Zeit aller Welt auf für ihre Evangelisierung. Die Liebe Jesu brennt in der Unbegrenztheit, in der sie sich mitteilen möchte. Für seine Jünger damals und heute bedeutet dies möglichste Angleichung ihres Horizontes an den des Herrn, so dass möglichst niemand durch ihre mangelhafte Hingabe der Fülle des Evangeliums verlustig bleibe.
Diese Liebe glüht auch dadurch, dass seine Jünger mitziehen: Sie aber zogen aus und predigten überall: Seine glühende Liebe begann auch in ihnen zu brennen und ließ sie tun, was er ihnen auftrug. Kein Wunder, denn: der Herr stand ihnen bei und bekräftigte ihre Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ. Es war ein Teamwork von Anfang an, bei dem keiner auf den anderen verzichten wollte und konnte: Der Herr nicht auf seine Jünger; die Jünger nicht auf ihren Herrn! Frage an uns, seine Jünger von heute: wie schaut es bei uns aus mit der Verzichtbarkeit auf den Herrn?
Und schließlich noch etwas: Jesus, der Herr ist nicht mehr da und doch ist er unübersehbar anwesend! Wie ist das möglich? Ich möchte ihn einen dritten Unausgesprochenen nennen, der da am Werk ist; einer, der aus dieser glühenden Liebe des Herrn hervorkommt, der recht eigentlich diese glühende Liebe selber ist. Im Evangelium trägt er keinen Namen aber er ist der, der „der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht der mit dem Vater und dem Sohnangebetet und verherrlicht wird“; es ist der Geist, dessen Zeichen das Feuer ist und den zu erwarten der Herr seinen Jüngern aufgetragen hat. (vgl. Apg 1,4f.) Amen!

Samstag, Mai 20, 2006

Bleibt in meiner Liebe!



Aus dem hl. Evangelium nach Joh 15:9 – 17

Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!
Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.
Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.
Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.
Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.
Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage.
Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.
Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet.
Dies trage ich euch auf: Liebt einander!



„Dies trage ich euch auf: Liebt einander!“ (Joh 15,17) Jesus hat uns auch gesagt, wie wir einander lieben sollen: „Liebt einander so wie ich euch geliebt habe.“ (Joh 15,12)
Er gibt uns seine Liebe als Beispiel und Vorbild. Er möchte, dass wir von ihm lernen, wie wir einander lieben. Er möchte im Lieben unser Meister und Lehrer sein. „Lernt von mir, denn ich bin gütig und demütig von Herzen!“, so fordert er uns in der Bergpredigt auf. (Mt 11,29)
Das Lieben von Jesus lernen – diesen Auftrag enthält das heutige Evangelium!
Er möchte unser Bestreben korrigieren, das Lieben von der Welt zu lernen.
Die Welt liebt die Reichen, die Schönen, die Starken, die Erfolgreichen, die Gesunden; wer nicht in eine dieser Kategorien fällt wird von der Welt nicht geliebt!
Jesus hingegen liebt die Schwachen, die Sünder, die Kranken, die Erfolglosen – alle jene, die in den Augen der Welt verachtet und übersehen werden.
Paulus hat das sehr deutlich erkannt: Das Schwache hat Gott erwählt um das Starke zu beschämen. Das was nichts ist, hat er auserwählt um das, was etwas ist zu beschämen! (vgl. 1Kor 1,27)
Wollen wir diese Lieblinge Gottes auch lieben, dann müssen wir in der Liebe Jesu bleiben! Das heißt, wir müssen das Geschenk der Liebe Jesu zu uns annehmen und uns von ihm lieben lassen – gerade in unserer Schwachheit und Armut und Krankheit. Denn gerade all dies können wir bei uns ja auch nur sehr schwer annehmen. In der Liebe Jesu bleiben heißt dann, dass wir uns selber zusammen mit Jesus lieben und annehmen. Und diese Größe Jesu uns gegenüber ermutigt und stärkt uns dann, dass wir auch andere Menschen in ihrer Armut lieben können.
Diese Größe Jesu macht auch uns groß im Lieben.

Wir können von Jesus nicht nur lernen, wen wir lieben sollen sondern auch wie wir lieben sollen.
Das Lieben Jesu besteht in der Hingabe seines Lebens für seine Freunde. Diese Lebenshingabe ist die größte Liebe – bei ihm und bei uns. ER sagt von sich selber, „dass er nicht gekommen ist, sich bedienen zu lassen sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“ (Mt 20.28) Lieben ist Dienen.
Und Dienen ist Lieben: Unser Hingabe, unser Dienst in unseren Beziehungen und Gemeinschaften ist Lieben im Sinne Jesu. Sich das immer wieder bewusst zu machen kann unseren Dienst mit großer Freude erfüllen und uns tiefen Frieden schenken.

Zum Lieben Jesu gehört es auch dazu, dass er sich ganz in die Beziehung zu seinen Jüngern einbringt: „Ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.“ (Joh 15,15) Das bewundere ich sehr an Jesus: Dass er sein Teuerstes, sein Innerstes, das was ihn zutiefst erfüllt und bewegt – das er das ganz seinen Jüngern mitteilt!
Warum tut Jesus dies? Weil es der Auftrag seines Vaters ist, dies alles weiterzugeben. Er weiß sich berufen, die Worte seines Vaters den Menschen weiterzusagen, damit wir Menschen vom Leben Gottes und von seiner Liebe zu uns erfahren.
Da sind gewiss noch Schritte nötig bei uns, dass wir unsere Gottesbeziehung als Reichtum auch für andere sehen und ihn weitergeben können; da müssen wir noch einen Weg gehen in der Schule Jesu, damit wir auch in dieser Form lieben können wie Jesus liebt.
Und schließlich noch eine Besonderheit im Lieben Jesu: Nicht ihr habt mich erwählt sondern ich habe euch erwählt. Wir erinnern uns, wie Jesus am See entlanggeht und seine Jünger ruft; (Mt 4,18-22) Gott hat uns zuerst geliebt!
Auch wir müssen „Zuerstliebende“ werden - und nicht darauf warten, von anderen zuerst geliebt zu werden. Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, was tut ihr da schon besonderes fragt Jesus uns in der Bergpredigt. (vgl. Mt 5,46f.)
Wir haben die Kraft zu diesem ersten Schritt der Liebe im Wissen darum, dass wir bereits von Gott geliebt sind in Jesus Christus.
Werden und bleiben wir also Lernende in der Liebesschule Jesu; auch er selber ist ja ein Lernender in der Liebesschule Gottes: „Wie mich der Vater geliebt hat so habe auch ich euch geliebt!“ (Joh 15,9) Nur in der Liebesschule Jesu können wir seinem Auftrag gerecht werden: „Seid barmherzig wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist.“ (Lk 6,36) Amen!

Samstag, Mai 13, 2006

Jesus, der wahre Weinstock!



Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 15:1 – 8

Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Winzer.
Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt.
Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe.
Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt.
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.
Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer und sie verbrennen.
Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten.
Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.



Wenn wir heute am Muttertag unsere Mütter in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit stellen und ihnen danken für ihr Muttersein, dann stellt sich auch der Herr gleichsam in die Reihe der Dankschuldigen, indem er das Gleichnis vom Weinstock und den Rebzweigen im Evangelium erzählt. Denn in wesentlichen Punkten ist der Weinstock ein deutliches Zeichen für das Muttersein. Dieses Zeichen schenkt der Herr heute unseren Müttern nicht nur als Anerkennung ihres mütterlichen Dienstes sondern ebenso auch als eine immerwährende Einladung, die Ähnlichkeit ihres Daseins mit dem Seinen zu sehen, anzunehmen und sich daran zu erbauen.
„Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt.“ (Joh 15,4) Wie sehr treffen diese Worte doch auch die Beziehung zwischen der Mutter und ihrem Kind – auf jeden Fall, solange es im Mutterleib ist aber auch nach der Geburt, solange bis aus dem Kind ein eigenständiger Mensch geworden ist? Nun bedeutet zwar Fruchtbarkeit aus der Mutter-Kind-Beziehung heraus, dass sich das Kind zu einem eigenverantwortlichen Menschen entwickelt. Aber wie dieser Prozess der Loslösung verläuft und wie die Eigenverantwortung gelebt wird, das hängt wesentlich davon ab, wie das Kind in der Mutter und wie die Mutter im Kind gelebt hat und lebt. Denn es ist unbestreitbar, dass bei aller äußeren Trennung eine innere Verbundenheit bleibt – als Erbe und als Verpflichtung. Als Verpflichtung zur Dankbarkeit, was das Kind betrifft und zur stillen, offenen, betenden Begleitung, was die Mutter betrifft. In einer gesunden Mutter-Kind-Beziehung ist zeitlebens im Wesentlichen ein Bleiben ineinander da, in dem freilich die äußere Freigabe und Loslösung inbegriffen ist.
An diesem Punkt möchte ich wieder zum Gleichnis vom Weinstock zurückkehren, denn auch dort ist vom Bleiben die Rede: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.“ (Joh 15,5) Auch hier ist das Bleiben am Weinstock lebensnotwendig für die Rebzweige. Wenn wir dieses Bleiben in Jesus tiefer anschauen wollen, dann hilft uns dabei, was ich zuvor über Mutter und Kind gesagt habe; Auch unser Bleiben in Jesus hat eine äußere und innere Gestalt. Wobei auch hier die äußere Form sich ändert aber ein Ausdruck unserer inneren Verbundenheit mit dem Herrn bleibt.
Was ich damit meine, wird schon im Leben der Jünger mit Jesus deutlich: Jesus hat mit dem Bleiben in ihm kein Bleiben bei ihm gemeint in einem räumlichen, geographischen Sinn: Sonst hätte Jesus nicht sterben oder zumindest nicht in den Himmel auffahren dürfen; ihre Form des Bleibens in Jesus ändert sich. War er bis zu seinem Heimgang zum Vater menschlich körperlich mit ihnen in Kontakt so vollzog sich dieses Bleiben in ihm nachher durch den Hl. Geist, den Jesus ihnen gerade auch deshalb geschickt hat, damit er sie erinnert, was Jesus zu ihnen gesagt hat. Gerade aber aus der Erinnerung an Jesu Tun und Reden, an seinen Tod und seine Auferstehung, bewegt dieser Hl. Geist zum Bleiben in Jesus durch die Geschwisterliebe, wie sich je und je Gelegenheit dazu bietet: Z. B. wie sich in der ersten Lesung Barnabas sehr aufmerksam darum kümmert, dass Paulus in der Jüngergemeinde kein Fremder bleibt, sondern aufgenommen und integriert wird. (Apg 9,26-31) Der Bericht in der ersten Lesung erzählt dann allgemein vom Leben in der Gemeinde und hilft uns so zu deuten, was denn Jesus mit den Früchten noch meint, die dem Bleiben in ihm entwachsen: „Die Kirche in ganz Judäa, Galiläa und Samárien hatte nun Frieden; sie wurde gefestigt und lebte in der Furcht vor dem Herrn. Und sie wuchs durch die Hilfe des Heiligen Geistes.“ (Apg 9,31)
Es ist gerade diese Hilfe des Heiligen Geistes, die wir heute brauchen, um im Herrn bleiben zu können. Dieser Geist macht mobil durch seine Stabilität, durch das Bleiben im Herrn. Der feste Stand ist die notwendige Voraussetzung für den sicheren Schritt. Deshalb ruft Paulus seiner Gemeinde zu:„Darum, meine geliebten Schwestern und Brüder, nach denen ich mich sehne, meine Freude und mein Ehrenkranz, steht fest in der Gemeinschaft mit dem Herrn!“ (Phil 4,1)

Donnerstag, Mai 11, 2006

Jesus, der gute Hirt


 
Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 10:11-18

Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.
Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht,
weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt.
Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich,
wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe.
Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten.
Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen.
Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.



Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.

Schauen wir uns an, was Jesus mit dieser Lebenshingabe meint, die einem guten Hirten eignet. Das Gegenbild des bezahlten Knechtes hilft uns dabei.
Lebenshingabe bedeutet, keine Angst zu haben vor dem Wolf; sich dem Wolf entgegenstellen, die Schafe vor ihm beschützen; notfalls mit ihm kämpfen; wenn möglich ihn in die Flucht schlagen; auf keinen Fall die Schafe dem Wolf preisgeben, so dass er sie reißen und zerstreuen kann.
Zuletzt bedeutet diese Lebenshingabe, dass der gute Hirt sich für die Schafe vom Wolf reißen lässt, damit den Schafen dieses Schicksal erspart bleibt.
Warum ist diese Hingabe dem guten Hirten möglich? Warum ist sie dem bezahlten Knecht unmöglich: Weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt. Das heißt, dem bezahlten Knecht geht es um den Lohn, den er durch seinen Dienst an den Schafen erhält. Die Schafe selber ohne den Lohn sind ihm völlig egal. Die Schafe sind für ihn reines Mittel zum Zweck.
Nicht so beim guten Hirten: Sein Zweck ist nicht der Lohn; sein Zweck sind die Schafe. Nicht sein eigenes Wohlergehen liegt ihm am Herzen sondern das Wohlergehen der Schafe. Das ist sein Ziel. Und das Mittel zum Erreichen dieses Zieles ist die Hingabe seines Lebens.
Ich denke wir brauchen ehrlicherweise nicht lange suchen, um zu entdecken, wie vertraut uns die Haltung des bezahlten Knechtes ist und wie fremd die Haltung des guten Hirten. Die heutige Zeit ist die Zeit des bezahlten Knechtes; je deutlicher sich aber die „Früchte“ abzeichnen, die die Haltung des bezahlten Knechtes hervorbringt, um so klarer wird, dass es der Einstellung des guten Hirten bedarf, um unsere Welt zu retten. Die Menschen unsere Zeit sind geknechtet durch bezahlte Knechte; sie sind aber berufen zur Herrlichkeit im Herrn Jesus Christus, dem guten Hirten.

Die äußerste konkrete Form seiner Lebenshingabe für die Schafe vollzieht Jesus zuletzt in seinem Sterben am Kreuz. Da unterliegt er dem Tod; dieser „Wolf“ reißt ihn. Doch in der Auferstehung überwindet er diesen schlimmsten Feind des Menschen für immer durch das ewige Leben, das Gott ihm schenkt. Und dieses ewige Leben ist Leben in Fülle für alle Menschen.

Doch ereignet sich diese Lebenshingabe Jesu nicht wie ein Blitz. Sie wird vorbereitet und zeichnet sich ab durch andere Weisen der Hingabe. Diese anderen Weisen führen aber alle hinauf ans Kreuz.
Eine Weise wird im Evangelium besonders betont: Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich. Dieses Kennen meint vorerst einmal Interesse; ein Interesse jedoch, das nicht an der Oberfläche bleibt, das sich nicht mit Smalltalk zufrieden gibt. Es ist lebendiges Interesse im Sinne eines liebenden Interesses. Das schließlich zu einem „Kennen durch und durch“ führt. Zu einem Kennen, das bereit ist zum Erkennen, zum Annehmen, zum Mitleben, zum Mitleiden, kurz und gut zum Schafwerden wie wir – in allem uns gleich außer der Sünde. Es ist ein Kennen, das bereit ist zum Einsatz bis zur Hingabe des Lebens. Von diesem Kennen spricht Ps 139,1-6: „Herr, du hast mich erforscht und du kennst mich.
Ob ich sitze oder stehe, du weißt von mir. Von fern erkennst du meine Gedanken.
Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt; du bist vertraut mit all meinen Wegen.
Noch liegt mir das Wort nicht auf der Zunge - du, Herr, kennst es bereits.
Du umschließt mich von allen Seiten und legst deine Hand auf mich. örtlich: Du umschließt mich von hinten und von vorn.
Zu wunderbar ist für mich dieses Wissen, zu hoch, ich kann es nicht begreifen.“
Dieses Kennen will nicht Neugierde befriedigen, nicht kontrollieren und beherrschen. Es ist ein diskretes Kennen gegen die Einsamkeit; ein Kennen Und Wissen Jesu um mich, das mich mit dem Psalm 23, 4-6 sprechen lässt: „Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht. Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl, du füllst mir reichlich den Becher. Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit.“

Beten wir um Menschen, die wie Jesus gute Hirten sind; die wie Jesus jene kennen, die ER ihnen anvertraut hat.