Donnerstag, Juni 22, 2006

Es trat eine völlige Stille ein



Aus dem hl. Evangelium nach Markus 4:35 – 41

Am Abend dieses Tages sagte er zu ihnen: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren.
Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; einige andere Boote begleiteten ihn.
Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm, und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es sich mit Wasser zu füllen begann.
Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?
Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein.
Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?
Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander: Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar der Wind und der See gehorchen?




„Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?“ (Mk 4,40) Jesus stört es nicht, dass seine Jünger in der Not sich an ihn wenden. Er ist auch nicht übel gelaunt, weil sie ihn vom Schlaf aufgeweckt haben!
Aber es stört ihn, dass sie ihm unterstellen, es sei ihm gleichgültig, was mit ihnen geschehe: „Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?“ (Mk 4,38)
Seinen seelenruhigen Schlaf mitten im gefährlichen Sturm deuten sie als Gleichgültigkeit. Sie erkennen nicht, dass es sein Vertrauen auf den bergenden Schutz Gottes ist, das ihn ruhig schlafen lässt. (vgl. Ps 91,1; Ps 32,7)
Sie können noch nicht glauben, dass in Jesus eine Macht Gottes da ist, der die Mächte auf Erden nichts anhaben können.
Vor allem aber können sie nicht glauben, dass diese Macht Gottes in Jesus für sie da ist - um sie zu retten!
Die Geschichte im heutigen Evangelium will nicht zuerst erreichen, dass die Jünger mutiger werden in den Gefahren des Lebens.
Jesus will erreichen, dass die Jünger ihre Einstellung ihm gegenüber ändern, dass sie in ihm mehr erkennen als einen bloßen Menschen.
Jesus will, dass seine Jünger erkennen, dass in ihm Gottes Kraft und Stärke da ist; und dass diese Kraft da ist, um sie in aller Gefahr zu beschützen und zu bewahren. So sollen die Jünger zu einem tiefen Frieden finden – auch mitten im Sturm.
Jesus will keine Jünger, die mutig sind – bloß deshalb, weil es nicht modern ist, seine Angst zu zeigen! Er will gläubige Jünger, vertrauende Jünger! Jünger, die sich in seiner Nähe geborgen wissen. Er will Jünger, die angstfrei und furchtlos sind, weil er da ist!

Welches Verhalten hat Jesus sich von seinen Jüngern in der Situation des heutigen Evangeliums wohl erwartet? Dass sie sich zu ihm auf den Polster legen? Oder dass sie Wasser schöpfen in der Gewissheit, dass ihnen mit Jesus gewiss nichts passieren wird?
Wenn wir jedoch bedenken, dass Jesus seine Jünger auffordert: „Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus!“ (Mt 10,8) dann sollten sie selber im Vertrauen auf Jesus dessen göttliche Macht gegen den Wirbelsturm wachrufen – wenn er selber schon schlafen muss.

Im Verhalten der Jünger können wir uns selber wieder finden. Auch wir werden bei Gefahr vom Gefühl der Bedrohung dermaßen überwältigt, dass kein Gedanke an Jesus mehr Platz hat. (In Klammer gesagt ist das bei den Gefühlen der Freude, des Erfolges, des Glückes genau das Gleiche – kein Platz für einen Gedanken an Jesus! – Diese Gedanken müssen(!) wir dann irgendwann später im Rahmen eines Dankgottesdienstes nachholen!)
So erleben wir wie die Jünger in Situationen des Unglückes unsere Jesusvergessenheit. Das Unglück trifft uns einsam an, getrennt von Jesus. Ist aber Jesus nicht bewusst an unserer Seite haben Angst, quälende Sorge und lähmender Schmerz freien Zugang zu unserem Herzen. – Es ist das ein Zeichen von Unerlöstheit.
Und genau diese Unerlöstheit von uns zu nehmen, ist Jesus gekommen; genau dazu will er da sein.
Auch wir brauchen eine andere Einstellung zu Jesus. Er muss in unserem Leben gegenwärtig werden – immer und überall. Das Leben muss uns – in welcher Form auch immer – mit Jesus antreffen.
Dann kann es uns nicht mehr tödlich treffen. Dann wird uns alles zum Segen und zum Heil: Das Schwere und das Leichte; das Dunkle und das Lichte; das Hässliche und das Schöne.
Mit Jesus sind wir für alle Wellen des Lebens empfangbereit! Und in den Stürmen des Lebens werden wir wachsen aber sicher nicht untergehen.
Wie heißt es doch: O Jesus, all mein Leben bist du, ohne dich nur Tod!
Nehmen wir Jesus mit hinaus ins Leben! Gehen wir mit ihm – und wir haben allen Grund, den Stürmen unseres Lebens zuversichtlich entgegenzusehen.

Samstag, Juni 17, 2006

Mit dem Reich Gottes ist es so, wie ....


Aus dem hl. Evangeliumnach Markus 4:26 – 34

Er sagte: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät;
dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst und der Mann weiß nicht, wie.
Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre.
Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da.
Er sagte: Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben?
Es gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät.
Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, sodass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.
Durch viele solche Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort, so wie sie es aufnehmen konnten.
Er redete nur in Gleichnissen zu ihnen; seinen Jüngern aber erklärte er alles, wenn er mit ihnen allein war.






Wenn Jesus heute vom Reich Gottes spricht, dann sagt er nicht zu seinen Jünger: Ihr seid das Reich Gottes oder: die Gemeinschaft der Kirche zu irgendeiner Zeit ist das Reich Gottes.
Für ihn ist das Reich Gottes kein fixer Zustand.
Für ihn ist das Reich Gottes ein Prozess, ein Geschehen, ein Vorgang. Zu diesem Vorgang gehört ein Anfang, ein Werden und eine Vollendung;
Im Gleichnis entspricht dem das Aussäen, das Wachsen, die Ernte.
Zum Reich Gottes gehören Mitwirkende zu Beginn, unterwegs und am Ende. Im Gleichnis ist es der Mann, der den Samen sät; der es wachsen lässt und der erntet.
Zum Reich Gottes gehören Haltungen: Die Hoffnung auf Ertrag, die den Mann bewegt, den Samen auszusäen;
das Vertrauen, in dem der Mann die Aussaat der Erde überlassen und warten kann, bis die Frucht ausgereift ist;
die dankbare und frohe Bereitschaft zu ernten, was gewachsen ist.
Da dieses Bild aus dem bäuerlichen Lebensraum für uns zumeist nicht mehr vertraut ist möchte ich ähnliche Bilder aus unserem Alltag anfügen.
Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Menschen, der seinen PC einschaltet: er drückt den Startknopf; darauf beginnt der PC zu arbeiten und der Mensch weiß nicht wie. Sowie dann das gewünschte Bild auf dem Monitor erscheint freut sich der Mensch daran und beginnt damit zu arbeiten.
Oder ein noch einfacheres Bild:
Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Menschen, der zum Wasserhahn geht und daran dreht; er wartet bis das Wasser kommt; dann verwendet er es nach seinem Plan: z. B. zum Trinken, zum Gießen oder zum Reinigen.
Ähnliche weitere Bilder könnt ihr euch selber ausdenken. Sie alle können ein Gleichnis für das Reich Gottes darstellen.

Gehen wir einen Schritt weiter und schauen wir auf die Kirche. Fragen wir uns, was sie mit dem Reich Gottes zu tun hat. Wir sehen den Beginn: Petrus, die anderen 11 Apostel und die übrige kleine Schar, die sich um Jesus versammelt; und heute: Papst Benedikt, die Bischöfe unserer Kirche und über eine Milliarde Menschen, die an Jesus glauben. Die 2000 Jahre dazwischen die Zeit des Wachsens und des Reifens – ein Prozess, der noch nicht zu Ende ist. Doch was ist die Kraft, die wachsen lässt? Es ist Jesus Christus, der Kraft des heiligen Geistes in seinem Wort und in seinen Sakramenten das Wachsen des Reiches Gottes in der Kirche unablässig fördert. Er ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. Er lässt uns den Ursprung der Kirche in Gott nie vergessen und hält uns das Ziel der Kirche in ihrer Vollendung bei Gott unablässig vor Augen.
Die Kirche ist zu allen Zeiten das vornehmste Kleid, in dem das Reich Gottes in dieser Welt da ist. Dieses Kleid ist dort am schönsten, wo die Verbundenheit ihrer Glieder mit Christus am unmittelbarsten ist. Die Kirche ist das deutlichste Gleichnis vom Reich Gottes. Diese Deutlichkeit kommt durch ihre ununterbrochene Verbundenheit mit ihrem Ursprung in Jesus Christus her und ruht letztlich in der Verheißung Jesu, dass die Mächte der Unterwelt seine Kirche nicht überwinden werden. (vgl. Mt 16,18) Dem entspricht die Verheißung, bei seiner Kirche zu bleiben bis ans Ende der Welt. (vgl. Mt 28,20)
Diese Worte des Herrn machen die Kirche zum zuverlässigen Tor, das zum Leben führt (vgl. Mt 7,14) zum geheiligten Werkzeug in seinen Händen, mit dem er unablässig die Welt bearbeitet zu ihrem Heil und zu ihrer Erlösung. Uns wollen diese Worte des Herrn Festigkeit geben in unserer Zugehörigkeit zur Kirche. Sie wollen uns befreien von jeglicher Angst, die uns daran hindert, in dieser Kirche zu wirken zum Heil der Welt und uns vom Herrn berufen und gebrauchen zu lassen als Mitarbeiter am Reich Gottes hier und heute. Im Tagesgebet haben wir diese Berufung erkannt und angenommen: Gott du unsere Hoffnung und unsere Kraft, ohne dich vermögen wir nichts. Steh uns mit deiner Gnade bei, damit wir denken, reden und tun was dir gefällt. Leben wir diese Berufung in lebendiger Hoffnung, in unerschütterlichem Vertrauen und in liebender Hingabe.

Mittwoch, Juni 14, 2006

Guter Hirt - Du wahre Speise!



Aus dem hl. Evangelium nach Markus 14:12 – 26

Am ersten Tag des Festes der Ungesäuerten Brote, an dem man das Paschalamm schlachtete, sagten die Jünger zu Jesus: Wo sollen wir das Paschamahl für dich vorbereiten?
Da schickte er zwei seiner Jünger voraus und sagte zu ihnen: Geht in die Stadt; dort wird euch ein Mann begegnen, der einen Wasserkrug trägt. Folgt ihm,
bis er in ein Haus hineingeht; dann sagt zu dem Herrn des Hauses: Der Meister lässt dich fragen: Wo ist der Raum, in dem ich mit meinen Jüngern das Paschalamm essen kann?
Und der Hausherr wird euch einen großen Raum im Obergeschoss zeigen, der schon für das Festmahl hergerichtet und mit Polstern ausgestattet ist. Dort bereitet alles für uns vor!
Die Jünger machten sich auf den Weg und kamen in die Stadt. Sie fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Paschamahl vor.
Als es Abend wurde, kam Jesus mit den Zwölf.
Während sie nun bei Tisch waren und aßen, sagte er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten und ausliefern, einer von denen, die zusammen mit mir essen.
Da wurden sie traurig und einer nach dem andern fragte ihn: Doch nicht etwa ich?
Er sagte zu ihnen: Einer von euch Zwölf, der mit mir aus derselben Schüssel isst.
Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird. Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre.
Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib.
Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern und sie tranken alle daraus.
Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.
Amen, ich sage euch: Ich werde nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken bis zu dem Tag, an dem ich von neuem davon trinke im Reich Gottes.
Nach dem Lobgesang gingen sie zum Ölberg hinaus.





Jesus tut etwas Alltägliches, indem er Brot und Wein in die Hand nimmt, um sie zum Essen auszuteilen.
Doch dann sagt er was Besonderes: Zum Brot: Das ist mein Leib für euch!
Und zum Wein: Das ist mein Blut für euch!
Er gibt damit etwas Besonderes, etwas Einmaliges – nämlich sich selber – in Etwas Alltägliches – in Brot und Wein – hinein.
Damit macht Jesus uns ein Angebot: Er möchte für uns ein alltäglicher Jesus werden; ein Jesus für alle Tage, für alle Stunden, für alle Situationen, für alle Zustände. Jesus möchte uns im Leben ganz nahe sein.
Genau das will er auch sagen, wenn er heute in den Prozessionen aus der Kirche hinaus auf die Straßen und Wege unseres Lebens getragen wird. Dort bei der Prozession sind wir ihm auch körperlich so nahe, wie es hier in der Kirche nicht möglich ist – ausgenommen bei der Kommunion, wo wir dem Herrn ganz nahe sein können.
Das heutige Fronleichnamsfest ist unser Dank für diesen nahen, alltäglichen Jesus.
Es drückt aus, dass wir sein Angebot annehmen und uns bemühen wollen alle Tage mit ihm zu sein so wie er mit uns sein will.
Durch dieses Fest wollen wir sagen, dass die alltägliche Nähe Jesus für uns keine Selbstverständlichkeit ist, die wir mit Gedankenlosigkeit übergehen.
Durch die Prozessionen wollen wir sagen: Mit Phantasie und Freude wollen wir Jesus auf den Wegen unseres Lebens entdecken, so dass unsere Wege Wege mit ihm werden.
Gerne wollen wir seinen Beistand wie unser tägliches Brot genießen – zum Segen für uns und für alle Menschen, die mit uns zu tun haben.
Und wie von der unscheinbaren Hostie die Strahlen der Monstranz ausgehen – genauso will Jesus unseren Alltag zum Strahlen bringen.
Wenn ich bei Prozessionen die Monstranz getragen habe, fragte ich immer wieder: Jesus, durch welche Strahlen, die von dir ausgehen, könnte der heutige Tag eine Monstranz werden: welches Wort, welche Tat, welcher Gedanke könnte mir und anderen den heutigen Tag strahlend und froh machen?

Bei einer Prozession wurde ich einmal von so einem Gebet abgelenkt, indem ich durch die Monstranz hindurch Leute miteinander schwätzen sah:
Halt mich Jesus, halt mich, habe ich mit aufsteigendem Groll den Herrn gebeten, sonst gehe ich vor und hole die zwei oder drei bei den Ohren aus der Prozession und sag ihnen: Jetzt hört mal her! Wir sind hier bei einer Prozession und nicht im Gasthaus oder auf dem Markt. Wenn ihr unbedingt euren Handel jetzt machen wollt, dann geht gleich ins Gasthaus und stört nicht bei der Prozession!
Darauf der gute Jesus: Aber, aber, Josef, jetzt sei nicht so; du bist mit deinen Gedanken ja auch nicht immer ganz bei mir - wie zum Beispiel gerade jetzt! Freilich hätte ich gerne, wenn sie ihren Handel mit mir treiben täten. Aber sie verstehen es eben noch nicht besser. Hab nur ein bisschen Geduld mit ihnen; früher oder später komme ich dann schon auch mit denen ins Geschäft.
Und was dich angeht: Bleib bei mir! Es ist gescheiter! Und nutz jetzt die Gelegenheit, durch Geduld aus deinem Leben eine Monstranz zu machen.
So habe ich auf einfache Weise erfahren, was die Sequenz besingt:
Guter Hirt, du wahre Speise, / Jesus, gnädig dich erweise! / Nähre uns auf deinen Auen, / lass uns deine Wonnen schauen / in des Lebens ewigem Reich!
Du, der alles weiß und leitet, / uns im Tal des Todes weidet, / lass an deinem Tisch uns weilen, / deine Herrlichkeit uns teilen. / Deinen Seligen mach uns gleich! Amen!

Samstag, Juni 10, 2006

Einheit im Wesen, Sonderheit in den Personen, gleiche Fülle in der Herrlichkeit


Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 28:16 – 20

Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte.
Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel.
Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde.
Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,
und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.




Um dem dreifaltigen Gott nahe zu kommen, wollen wir uns von Mose führen lassen und mit den Israeliten tun, was er sagt: Forscht nach!
Im Verlauf dieser Nachforschung entdecken wir folgendes von diesem Gott: Dass er seine Art und sein Wesen zeigt im Handeln an seinem Volk. So finden wir im Nachforschen der 1. Lesung, dass dieser Gott zu seinem Volk spricht und ihm Weisung gibt. Wir lesen weiter, dass er nicht nur spricht sondern auch handelt: Er holt sein Volk aus Ägypten heraus!
Wir sehen einen offensiven Gott vor uns. Ihm ist es nicht egal, was sein Volk tut und was ihm geschieht. Es ist ihm nicht gleichgültig, ob sein Volk anderen Göttern dient und er kann es nicht ertragen, dass sein Volk in Ägypten unterdrückt wird und leidet.
Es ist unter den damaligen geschichtlichen Umständen unerhört, was er sein Volk durch Mose wissen lässt: „Heute sollst du erkennen und dir zu Herzen nehmen: Jahwe ist der Gott im Himmel droben und auf der Erde unten, keiner sonst." Darum ist auch kein anderes Gebot als das seine maßgeblich und Heil bringend; darum die logische Forderung: „Daher sollst du auf seine Gesetze und seine Gebote, auf die ich dich heute verpflichte, achten, damit es dir und später deinen Nachkommen gut geht und du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt für alle Zeit.“ (Dtn 4,40)

Wenden wir uns nun dem Evangelium zu. Was sagt Jesus da zu seinen Jüngern: „ Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“ (Mt 28,18f) Wir erleben den gleichen Machtanspruch Gottes – nun aber erhoben durch Jesus. Und wir erleben die gleiche Offensivität, wie in der ersten Lesung; nur diesmal ausgeweitet auf die ganze Welt und alle Völker der Erde. Die menschliche Schwachheit, wie sie sich im Versagen gegenüber diesem Anspruch im Verlauf des 1. Bundes erwiesen hat, macht diesen Gott keineswegs verzagt – im Gegenteil: er wird kühner, er erhöht den Einsatz: Er sendet seinen Sohn in Jesus von Nazareth. Der spricht nun in seinem Namen und sendet die Jünger aus in alle Welt, um alle Menschen zu seinen Jüngern zu machen, sie zu taufen und ihnen seine Lehre zu verkünden. Auch hier wieder nicht der geringste Zweifel, dass genau dies das allerbeste für alle Menschen sei: seine Jünger zu werden, getauft zu sein, von seinem Wort und seiner Weisung zu leben.

Damit diese Heilsoffensive Gottes durch die menschliche Begrenztheit seiner Kirche nicht im Sande verläuft hat er ihr den Hl. Geist als unlösliches Band der Liebe mit Jesus, ihrem Gründer geschenkt; es ist dies jener Geist der Liebe, die niemals aufhört, denn es ist die Liebe Gottes. Und weil dieser Geist Gottes in der Kirche lebt, ist sie heute offensiv und hat nicht den leisesten Zweifel, dass ihre Botschaft vom Reich Gottes auch heute das ist, was die Menschen am notwendigsten brauchen. Dass es auch heute die Weisung Gottes ist, die wirkliches Leben schenkt und die die Menschen aus ihren zahlreichen kleinen und großen Sackgassen herausführt. Das ist die Gewissheit, die die Kirche heute erfüllt in Lehre und Leben. So bringt sie den Menschen die wahre Lebensenergie des hl. Geistes. So bewahrt sie die Menschen vor dem Joch, das ihnen Konsumismus, Kapitalismus und esoterische Heilslehren aus nah und fern auflegen wollen.

Der dreifaltige Gott ist ein Gott der andauernden Offensive – aus Liebe, zu unserem Heil! Er legt die Hände nicht in den Schoß und sagt sich: "Na ja; es ist ja gleich, an welchen Gott die Menschen glauben; sie meinen im Grunde ja sowieso immer nur mich und letzten Endes führen ohnedies alle Wege zu mir."
Das ist nach dem Zeugnis der Schrift eben nicht der Fall sondern zu ihm kommt niemand außer durch seinen Sohn. (vgl. Joh 14,6) Darum ist Jesus Christus der Weg, die Wahrheit und das Leben. Der hl. Geist schenke uns allen diese Einsicht und die Kraft, Jesus zu folgen und von ihm Zeugnis zu geben. Denn es ist dies der Geist, der uns nicht wiederum zu Sklaven macht sondern der Geist, der uns zu Kindern macht; der Geist, in dem wir rufen: Abba Vater; In diesem Geist sind wir Erben Gottes und Miterben Christi.

Montag, Juni 05, 2006

Erfüllt vom Hl. Geist



Lesung aus dem Buch Ezechiel 37:1 – 14

Die Hand des Herrn legte sich auf mich und der Herr brachte mich im Geist hinaus und versetzte mich mitten in die Ebene. Sie war voll von Gebeinen.
Er führte mich ringsum an ihnen vorüber und ich sah sehr viele über die Ebene verstreut liegen; sie waren ganz ausgetrocknet.
Er fragte mich: Menschensohn, können diese Gebeine wieder lebendig werden? Ich antwortete: Herr und Gott, das weißt nur du.
Da sagte er zu mir: Sprich als Prophet über diese Gebeine und sag zu ihnen: Ihr ausgetrockneten Gebeine, hört das Wort des Herrn!
So spricht Gott, der Herr, zu diesen Gebeinen: Ich selbst bringe Geist in euch, dann werdet ihr lebendig.
Ich spanne Sehnen über euch und umgebe euch mit Fleisch; ich überziehe euch mit Haut und bringe Geist in euch, dann werdet ihr lebendig. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin.
Da sprach ich als Prophet, wie mir befohlen war; und noch während ich redete, hörte ich auf einmal ein Geräusch: Die Gebeine rückten zusammen, Bein an Bein.
Und als ich hinsah, waren plötzlich Sehnen auf ihnen und Fleisch umgab sie und Haut überzog sie. Aber es war noch kein Geist in ihnen.
Da sagte er zu mir: Rede als Prophet zum Geist, rede, Menschensohn, sag zum Geist: So spricht Gott, der Herr: Geist, komm herbei von den vier Winden! Hauch diese Erschlagenen an, damit sie lebendig werden.
Da sprach ich als Prophet, wie er mir befohlen hatte, und es kam Geist in sie. Sie wurden lebendig und standen auf - ein großes, gewaltiges Heer.
Er sagte zu mir: Menschensohn, diese Gebeine sind das ganze Haus Israel. Jetzt sagt Israel: Ausgetrocknet sind unsere Gebeine, unsere Hoffnung ist untergegangen, wir sind verloren.
Deshalb tritt als Prophet auf und sag zu ihnen: So spricht Gott, der Herr: Ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf. Ich bringe euch zurück in das Land Israel.
Wenn ich eure Gräber öffne und euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraufhole, dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin.
Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig und ich bringe euch wieder in euer Land. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin. Ich habe gesprochen und ich führe es aus - Spruch des Herrn.

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 10:21 – 24

In dieser Stunde rief Jesus, vom Heiligen Geist erfüllt, voll Freude aus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen.
Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand weiß, wer der Sohn ist, nur der Vater, und niemand weiß, wer der Vater ist, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.
Jesus wandte sich an die Jünger und sagte zu ihnen allein: Selig sind die, deren Augen sehen, was ihr seht.
Ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen und wollten hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.




„Vom Heiligen Geist erfüllt“ erlebten wir Jesus eben im Evangelium. Schauen wir uns Jesus näher an, wie er sich unter dem Einfluss des Hl. Geistes verhält. Vielleicht kann uns das hilfreich sein für unser Verhalten unter dem Einfluss des Hl. Geistes, mit dem ja auch wir gestern erfüllt worden sind. Lernen wir von Jesus, wie mit diesem hl. Geist umgehen; lernen wir von Jesus, wie diese hl. Kraft in uns wirken zu lassen. Lernen wir von Jesus, wie diesen Geist aus uns sprechen zu lassen.
Wie äußert sich dieses Erfülltsein Jesu durch den Hl. Geist:
Dass er seiner Freude Ausdruck verleiht in einem Lobpreis dem Vater gegenüber: Ich preise dich Vater, Herr des Himmels und der Erde!
Haben nicht auch wir vieles worüber wir uns freuen können? Also freuen wir uns darüber und bringen wir unsere Freude in einem Lobpreis Gott gegenüber zum Ausdruck! Es müssen dabei nicht exakt die Worte Jesu sein; wir dürfen unsere eigenen Worte dazu verwenden. Und warten wir mit diesem Lobpreis nicht auf besondere Freuden; lassen wir uns zu diesem Lobpreis ruhig auch durch die kleinen Freuden unseres Lebens hinreißen.
Und andere dürfen diesen Lobpreis durchaus hören und mitbekommen. Jesus hat ja auch vor den Jüngern seinen Vater gepriesen und ihnen so zu verstehen gegeben, wessen Kind er ist und wem er den Grund seiner Freude verdankt.
Scheuen auch wir uns nicht durch unseren Dank und unser Lob andere wissen zu lassen, wessen Kinder wir sind und wem wir uns verdanken.

Worüber freut sich nun Jesus? Er freut sich über seine besondere Beziehung zu Gott: „Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand weiß, wer der Sohn ist, nur der Vater, und niemand weiß, wer der Vater ist, nur der Sohn.“ (Lk 10,22)
Der Hl. Geist möchte auch jedem von uns erkennen lassen, dass er eine einmalige unverwechselbare Beziehung zu Gott hat – und das dies Grund ist zu unermesslicher, unablässiger Freude. Aus dieser Gewissheit konnte Paulus an die Philipper schreiben: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!“ (Phil 4,4). Von daher ist es verständlich, dass der Hl. Geist ein Geist der Freude ist. Denn ist es nicht Grund zur Freude ohne Ende, wenn wir bedenken, was Gott jedem von uns „alles übergeben“ hat: Unser natürliches Leben; unsere Erlösung durch Jesus Christus; unsere ewige Heimat beim Vater – und dabei erwähne ich mit diesen drei Fakten bloß die Eckdaten unserer Freude! Lassen wir uns also von diesem Geist auf die Fährte der Freude setzen, indem wir unserer persönlichen, intimen Beziehung zu Gott nachspüren, um zur wahren Freude zu gelangen.

Des Weiteren bemerken wir, dass diese Freude Jesus nicht von seinen Jüngern isoliert – im Gegenteil: sie verbindet ihn mit den Jüngern; es drängt ihn geradezu, diese Freude mit ihnen zu teilen; und es ist gar ein weiterer Grund zur Freude, dass seine Fülle für sie bestimmt ist: „weil Gott all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hat.“ Und dann: „Selig sind die, deren Augen sehen, was ihr seht.“ Wie oft geschieht es hingegen bei uns, dass wir das, was uns freut und die Freude darüber für uns behalten wollen, weil wir Angst haben, es könnte uns genommen werden oder weil wir anderen die Mitfreude nicht gönnen, oder weil wir uns unserer Freude schämen?
Der Hl. Geist gibt und zeigt uns, was wirklich der Freude wert ist und er drängt uns, die Freude zu teilen. Also: Was haben wir, worüber wir uns freuen und welche Freude können wir mit anderen teilen?

Ich meine, Jesus zeigt uns heute „erfüllt vom Hl. Geist,“ wie dieser Geist die verstreuten und isolierten Knochen unseres Egoismus zu einem lebendigen Leib der Freude zusammenfügen möchte; Jesus sagt uns „erfüllt vom Hl. Geist,“ dass dieser Geist, den wir gestern empfangen habe, der auch uns gestern erfüllt hat, uns aus den Gräbern der Ichsucht herausführen möchte an den Tag, der erleuchtet ist von der Freude, die Gott schenkt und in die Gemeinschaft, die Gott stiftet in eben diesem Geist und die die Gemeinschaft seines Sohnes ist und die den Namen „Kirche“ trägt.

Samstag, Juni 03, 2006

Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis



Lesung aus der Apostelgeschichte 2, 1 – 11

Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort.
Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.
Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.
Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.
In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.
Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden.
Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden?
Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören:
Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien,
von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten,
Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 20, 19 – 23

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.
Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.




Ist der Unterschied zwischen den beiden Berichten, wie die Jünger den Heiligen Geist empfangen haben, nicht etwas Faszinierendes? Zeugt er nicht von der Vielfalt der Wege des Heiligen Geistes? Wenn wir zu diesen beiden Berichten das Wirken des Geistes im Alten Testament und in der Kirchengeschichte dazu bedenken, dann können wir wohl sagen, es sind so viele der Wege des Heiligen Geistes wie es Menschen gibt auf Erden. Das führt uns zu der Einsicht, dass auch wir unsere ureigene Weise haben, in der dieser Geist uns begegnen und in unserem Leben wirken möchte. Doch davon später!

Vorerst möchte ich darauf hinweisen, dass bei aller Verschiedenheit der beiden Erzählungen doch wesentlich Gemeinsames da ist: Vor allem dies, dass dieser Geist ihnen geschenkt wird und nicht ein Produkt ihres eigenen Vermögens ist; er ist ein Geschenk dort vom Himmel und das heißt von Gott her (vgl. Apg 2,3), und hier von unserem Herrn Jesus her. (vgl. Joh 20, 22) Gemeinsam ist auch, dass die Jünger durch diesen Geist gewandelt werden zum Guten hin.

Abgesehen von der Vielfalt der Wege des Geistes Gottes stellt sich aber dennoch die Frage, warum in den Schriften des Neuen Bundes die so unterschiedliche Vermittlung dieses Geistes nebeneinander steht. Wo zudem jede dieser beiden Geschichten ihr eigenes Gewicht hat.
Wenn wir dann noch bedenken, dass die Erzählung des Johannesevangeliums deutlich später aufgezeichnet wurde als jene aus der Apostelgeschichte können wir wohl annehmen, dass das eine besondere Bedeutung hat.

Diese Bedeutung wird mit unserer menschlichen Eigenart zusammenhängen, das Auffällige, Außerordentliche, das Laute besonders zu beachten und das Leise, Alltägliche zu übersehen und zu überhören. Und es ist tatsächlich das Pfingstereignis aus der Apostelgeschichte ein Megaevent, der nicht zu überhören und nicht zu übersehen war. Im Vergleich dazu ist der Bericht aus dem Johannesevangelium ein mediales Mauerblümchen, das weiter nicht der Beachtung wert zu sein scheint.
Dennoch kommt im familiären Bericht des Johannes das Bestreben zum Ausdruck, den Strom, der in der Apostelgeschichte sich über die Jünger und die Leute ergossen hat zurück zu binden an seinen Ursprung: nämlich an Jesus und an die Gemeinschaft mit ihm. So erscheinen diese beiden Berichte wie die beiden Seiten der einen Münze; und keine Seite kann und darf von der anderen getrennt werden; sonst droht die Gefahr einer leeren Äußerlichkeit oder einer fruchtlosen Innerlichkeit.
Unser Christentum darf zu keinem potemkinschen Dorf entarten: nach außen eine tolle Fassade aber nichts dahinter. Genauso wenig darf unser Christentum sich in privater Innerlichkeit erschöpfen; es muss vielmehr in Werken fruchtbar werden, die in unsere Welt hineinwirken, damit die Menschen unsere guten Werke sehen und den Vater im Himmel preisen. (vgl. Mt 5, 16)

So ausgerüstet wollen wir nun dem möglichen Wirken des Geistes Gottes und seinen Wegen in unserem Leben nachspüren und auf unsere offensichtlichen oder verborgenen Schwächen blicken; und „der, der die finstere Nacht zerreißt, der alle Armen liebt, der jedes Herz erhellt“ (Pfingstsequenz) – er wird uns eine Kraft zukommen lassen, die es uns erlaubt mit einem Lächeln auf den Lippen und mit Tränen in den Augen einen Schnitt in unserem Leben zu machen, der neues Leben zeugt; der uns den alten Menschen ablegen und einen neuen Menschen anziehen lässt (vgl. Eph 4,22-24); der uns vergessen lässt, was hinter uns liegt und uns ausstreckt auf das, was vor uns liegt (vgl. Phil 3,13), so dass wir gehen und nicht müde werden und laufen und nicht ermatten (vgl. Jes 40,31). Es ist dies eine Kraft, von der wir gläubig wissen, sie kommt von Gott und die von sich sagt: ICH BIN DA (vgl. Ex 3,14)! Diese Kraft macht unser Dunkel hell und führt uns hinaus ins Weite (vgl. Ps 18,20.29); sie lehrt unsere Hände den Kampf und unsere Finger den Krieg (vgl. Ps 144,1); mit ihr erstürmen wir Wälle, mit ihr überspringen wir Mauern (vgl. Ps 18,30)

Diesen Geist des Herrn, der unser Inneres erfüllen und nach außen wirken möchte bitten wir mit einem Gebet aus der Ostkirche:
Komm, Heiliger Geist, heilige uns!
Erfülle unsere Herzen
mit brennender Sehnsucht
nach der Wahrheit, dem Weg
und dem vollen Leben.
Entzünde in uns dein Feuer,
so dass wir selber davon zum Lichte werden,
das leuchtet und wärmt und tröstet.
Lass unsere schwerfälligen Zungen Worte finden
die von deiner Liebe und Schönheit sprechen.

Schaffe uns neu,
dass wir Menschen der Liebe werden,
deine Heiligen,
sichtbare Worte Gottes.
Dann werden wir auch
das Antlitz der Erde erneuern,
und alles wird neu geschaffen.
Komm, Heiliger Geist, erleuchte uns -
stärke uns - bleibe bei uns!