Dienstag, Oktober 31, 2006

Das ist eure Berufung: Heilig zu sein!



Wort Gottes aus 1 Thess 4: 1 – 7

Im Übrigen, Geschwister, bitten und ermahnen wir euch im Namen Jesu, des Herrn: Ihr habt von uns gelernt, wie ihr leben müsst, um Gott zu gefallen, und ihr lebt auch so; werdet darin noch vollkommener!
Ihr wisst ja, welche Ermahnungen wir euch im Auftrag Jesu, des Herrn, gegeben haben.
Das ist es, was Gott will: eure Heiligung. Das bedeutet, dass ihr die Unzucht meidet,
dass jeder von euch lernt, mit seiner Frau in heiliger und achtungsvoller Weise zu verkehren,
nicht in leidenschaftlicher Begierde wie die Heiden, die Gott nicht kennen,
und dass keiner seine Rechte überschreitet und seinen Bruder bei Geschäften betrügt, denn all das rächt der Herr, wie wir euch schon früher gesagt und bezeugt haben.
Denn Gott hat uns nicht dazu berufen, unrein zu leben, sondern heilig zu sein.




Am heutigen Festtag schenkt Gott uns die Freude, die Verdienste aller seiner Heiligen zu feiern. Seiner Heiligen! Warum? Weil sie seinen Willen erfüllt haben, den Paulus uns im 1. Brief an die Thessalonicher 4,1-8 mitteilt: „Das ist es, was Gott will: eure Heiligung.“ (1Thess 4,3) Erst dadurch, dass sie diesen seinen Willen erfüllten, wurden sie seine Heiligen; und erst so konnten sie auch unsere Heiligen werden, indem sie unsere Fürsprecher bei Gott sind. Ihre Fürsprache im Himmel ist die Fortsetzung ihres Dienstes auf Erden. Den Dienst der Heiligung, den sie auf Erden wirkten, begrenzt durch Zeit, Raum und Menschlichkeit wirken sie jetzt im Himmel in jener zeit- und raumlosen Entgrenzung, die in der unmittelbaren Anschauung Gottes möglich ist.
Es gehört erstrangig zum Dienst der Heiligen, uns aufmerksam zu machen darauf, dass es unsere Berufung ist, heilig zu sein (vgl. 1 Thess 4,7). Diese Berufung hat sich Paulus nicht ausgedacht; sie wird gefordert schon im Buch Levitikus: „Denn ich bin der Herr, euer Gott. Erweist euch als heilig, und seid heilig, weil ich heilig bin.“ (Lev 11,44) Sie wird begründet bereits im Schöpferwillen Gottes, uns Menschen nach seinem Abbild zu schaffen. (vgl. Gen 1,27) Und erhält ihre höchste Ausformung in der Bergpredigt: „Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.“ (Mt 5,48) Es ist klar: das Vermögen zu dieser Heiligkeit ist nicht in den Heiligen selbst begründet sondern in dem, der allein heilig und der Quell aller Heiligkeit ist (vgl. 2. Hochgebet); die Heiligen sind heilig in dem, „der in ihnen das Wollen und das Vollbringen bewirkt, noch über ihren guten Willen hinaus.“ (Phil 2,13) Sie sind heilig im Heiligen. Sie können Gott, den Allheiligen in ihrem Leben heilig sein lassen. Gott kann sich in ihrem Leben entfalten; er bewohnt das Innerste ihres Herzens, das Teresa so eindrucksvoll mit einer Burg vergleicht, die zahlreiche Wohnungen hat, in deren innerster Wohnung jedoch Gott wohnt und wo die geheime Dinge geschehen zwischen Gott und der Seele.
Besteht nun auch das Streben nach Heiligkeit zu jeder Zeit darin, das Genügen in Gott allein zu suchen und zu finden (Teresa von Avila) so hat doch auch jede Heiligkeit ihre besondere Gestalt, geprägt von den Umständen jener Zeit, in der sie gelebt wird. Jede Zeit fordert ihre Form der Heiligkeit. Sie ist die Heilsantwort Gottes auf eine bestimmte zeitliche Not. Jeder Heilige ist überzeitlich und Zeitgenosse zugleich. Denn jeder Heilige ist aus den Menschen ausgewählt und für die Menschen eingesetzt zum Dienst vor Gott (vgl. Heb 5,1).
Wenn wir vorhin die Berufung der Thessalonicher zur Heiligkeit erwähnten so schauen wir doch einmal nach, wie sich Paulus dies konkret vorgestellt hat: „Das ist es, was Gott will: eure Heiligung. Das bedeutet, dass ihr die Unzucht meidet, dass jeder von euch lernt, mit seiner Frau in heiliger und achtungsvoller Weise zu verkehren, nicht in leidenschaftlicher Begierde wie die Heiden, die Gott nicht kennen, und dass keiner seine Rechte überschreitet und seinen Bruder bei Geschäften betrügt. Denn Gott hat uns nicht dazu berufen, unrein zu leben, sondern heilig zu sein.“ (1 Thess 4,3-7) Wir sehen: Heiligkeit erblüht aus dem vollen Leben!

Oder bedenken wir, wie Franz von Sales schreibt, „dass ein Edelmann anders fromm sein muss als ein Handwerker; anders ein Diener als ein Fürst; anders eine Witwe als ein unverheiratetes Mädchen oder eine in der Ehe lebende Frau. Oder wäre es angebracht, wenn ein Bischof wie ein Kartäuser die Einöde aufsuchte? Wenn Verheiratete sich nicht mehr um die Mehrung des Vermögens bemühen würden als ein Kapuziner? Wenn ein Handwerker nach Art der Ordensleute den ganzen Tag in der Kirche verbrächte?“ (aus der Philothea)

Der Heilige Geist möge uns erleuchten und lenken, dass wir aus den Zeichen der Zeit und aus den Linien unseres Lebens den Weg der Heiligkeit erkennen können, den der Herr von uns möchte, dass wir ihn heute gehen. Er schenke uns Vertrauen auf seine lichtvolle Führung, er gebe uns Mut zu einer Hingabe aus ganzem Herzen und er schenke uns Hochachtung vor dem kleinsten Schritt, der uns möglich ist – im gläubigen Vertrauen darauf, dass das Reich Gottes immer im Senfkorn beginnt – im kleinsten aller Samenkörner. (vgl. Mt 13,31f.)

Mittwoch, Oktober 25, 2006

Hab Mut, steh auf, ER ruft dich!



Aus dem hl. Evangelium nach Markus 10:46 – 52

Sie kamen nach Jericho. Als er mit seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge Jericho wieder verließ, saß an der Straße ein blinder Bettler, Bartimäus, der Sohn des Timäus.
Sobald er hörte, dass es Jesus von Nazaret war, rief er laut: Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir!
Viele wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!
Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich.
Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu.
Und Jesus fragte ihn: Was soll ich dir tun? Der Blinde antwortete: Rabbuni, ich möchte wieder sehen können.
Da sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dir geholfen. Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen, und er folgte Jesus auf seinem Weg.

Eine ungemein lebendige Geschichte, die uns da Markus erzählt hat. Versuchen wir der Lebensfülle dieser Begebenheit auf die Spur zu kommen.
Unvergesslich ist mir, wie Kees de Kort, ein bekannter Illustrator von Kindergeschichten, den Bartimäus malt, nachdem Jesus ihn von seiner Blindheit befreit hat: Mit zwei großen, tiefschwarzen Augen schaut er den Betrachter an. Sie drücken Freude aus über das wieder gewonnene Augenlicht; aber in diesen Augen ist auch Entschlossenheit, Wagemut, Abenteuerlust drinnen. Es sind Augen, die Jesus sehen.
Dieses Sehen beginnt bei Bartimäus bereits in seiner Blindheit, denn als er hört, dass Jesus von Nazaret an ihm vorbeigeht, gibt er ihm sogleich einen anderen Namen: Er „sieht“ in diesem Jesus nämlich den Sohn Davids. Somit sieht er, der Blinde, in diesem Jesus mehr als die Sehenden um Jesus herum; die sehen nur, woher Jesus kommt: aus Nazaret! Der blinde Bartimäus sieht, wer Jesus ist: der Sohn Davids, und das heißt für damals, der Messias. Das mag für die Umstehenden einer der Gründe gewesen sein, dass sie ihn verärgert zum Schweigen bringen wollten.
Bartimäus erlebt, was Menschen zu allen Zeiten erleben, die in Jesus mehr sehen, als die zeitgenössische Mode erlaubt. Denn dieses Mehr wird unverzüglich zu einem Anspruch an die Allgemeinheit, diesen Jesus mit anderen Augen zu sehen und sich somit auch in seinem Leben anders verhalten zu müssen. Dieses Mehr ist eine Aufforderung zu einem neuen Leben im Sinne Jesu; es ist Aufforderung zu Buße und Umkehr; und wer tut das fürs Erste schon gern. Da ist in der Regel Ärger und Ablehnung allemal die erste Reaktion.
Bei Bartimäus entwickelt diese Einsicht in das Wesen Jesu ungeahnte Energien: Er lässt sich von den Leuten nichts verbieten – ja er schreit noch viel lauter: „Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“ (Mk 10,48)
Seine Einsicht macht Bartimäus zu einem Menschen, der im Geist der Bergpredigt lebt, indem er bittet, damit er empfange (vgl. Mt 7,7f) Und in dieser Haltung bleibt er beharrlich, bis er erreicht, worum er bittet: Das Erbarmen des Herrn im wieder gewonnen Sehvermögen! (vgl. Lk 11,5-13) Bartimäus konnte mit dem Psalmisten beten: „Doch du hast mein lautes Flehen gehört, als ich zu dir um Hilfe rief. (Ps 31,23)
Denn dieses beharrliche Rufen drang an das Ohr Jesu und Jesus „blieb stehen und sagte: Ruft ihn her!“ (Mk 10,49) Denselben Leuten, die eben noch eigenmächtig den Bartimäus zum Schweigen bringen wollten, trägt Jesus auf, ihn zu rufen. Dieselben Leute, die eben noch ein Hindernis waren auf den Weg zum Herrn werden auf Jesu Wort hin zur Ermutigung, indem sie sagen: „Nur Mut, steh auf, er ruft dich!“ (Mk 10,49) Ach, dass doch auch heute der Herr unsere Herzen durch sein machtvolles Wort wandeln möge, so dass wir einander nicht mehr hinderlich sind auf dem Weg zu ihm sondern einander Mut machen, im Wissen darum, dass er uns alle in seine Nähe ruft!
Die Ermutigung der Leute lässt den Bartimäus geradezu explodieren: „Er wirft seinen Mantel ab, springt auf und läuft auf Jesus zu!“ (Mk 10,50) Wüsste man nicht um die Vorgeschichte möchte man nicht meinen, dass Bartimäus blind ist. Er scheint schon sehend geworden zu sein noch ehe Jesus ihn geheilt hat. Die Sehnsucht des Herzens lässt ihn den Weg erkennen, den seine Augen noch nicht sehen können. Indem er sich seines Mantels entledigt, wirft er weg, was ihm auf dem Weg zu Jesus hinderlich sein könnte. Der Herr helfe auch uns zu erkennen, was uns auf dem Weg zu ihm hindert und er gebe uns freudige Entschlossenheit, uns dieses Ballastes zu entledigen.
Schließlich die Frage Jesu: „Was soll ich dir tun?“ (Mk 10,51) Was offensichtlich ist, möchte Jesus ausdrücklich von Bartimäus hören. Jesus hört offenbar nicht auf vages sondern auf konkretes Gebet. In der Konkretheit des Betens kommt die Lebendigkeit des Glaubens zum Ausdruck. Es ist jener Glaube, von dem Jesus dem Bartimäus – und in ihm wohl allen Glaubenden – versichert: Er hat dir geholfen. Dieser Glaube bringt dann auch jene Frucht zu Tage, die sich nicht mit dem Erbetenen zufrieden gibt und dabei stehen bleibt, sondern, die in der erbetenen Gabe den Geber selber erkennt und ihm nachfolgt: Und so ergibt sich als glaubenslogischer Schluss dieser Geschichte: „Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen und folgte Jesus auf seinem Weg!“ (Mk 10,52)

Freitag, Oktober 20, 2006

Wir können es!



Aus dem hl. Evangelium nach Markus 10:35 – 45

Da traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst.
Er antwortete: Was soll ich für euch tun?
Sie sagten zu ihm: Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen.
Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?
Sie antworteten: Wir können es. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde.
Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die diese Plätze bestimmt sind.
Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Johannes.
Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen.
Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein,
und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.
Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.




Sie antworteten: Wir können es! (Mk 10,39a)

So erwiderten die Jünger die Frage des Herrn: „Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?“ (Mk 10,38b) Sie fragten nicht vorsorglich: Was bedeutet es, deinen Kelch zu trinken und mit deiner Taufe getauft zu werden! Ohne genau zu wissen, was da auf sie zukommt, antworten sie unbekümmert: „Wir können es!“
In dieser Haltung sind sie Abram ähnlich, der auch einfach gegangen ist, nachdem der Herr zu ihm gesprochen hatte: „Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde.“ (vgl. Gen 12,1-4) Er wollte auch nicht im Voraus genau den Weg wissen und was unterwegs passieren würde und wie endlich das verheißene Land wohl aussehen werde.
Abram und die beiden Jünger haben das Wagnis des Glaubens auf sich genommen. Sie haben im Vertrauen auf das Wort des Herrn hin gesagt: Wir können es!
Und wie konnten sie es! Jakobus war der erste der Jünger, der sein Leben für Jesus hingegeben hat (Apg 12,2) und Johannes musste erleben, wie ihm vor zu alle wegsterben, ehe er als letzter der Jünger hoch betagt dem Herrn endlich entgegengehen konnte mit den Worten auf seinen Lippen: „Amen, komm Herr Jesus!“ (Offb 22,20)
Sie haben ihr Leben in jenem Glauben gewagt, der fest steht in dem, was er erhofft und der überzeugt ist von Dingen, die er nicht sieht. (vgl. Hebr 11,1)
Ob wohl auch in uns dieser Wagemut im Glauben lebendig ist? Fragen wir uns nur, was wir bereit sind aus unserem Glauben heraus herzugeben. Ich fürchte, dass unser Leben nicht viel anders ausschauen würde, wenn wir nicht an Gott glaubten. Oder sollte es tatsächlich etwas geben, das wir einzig und rein um Gottes Willen tun? Ist nicht vielmehr unser Tun und Lassen von Rücksichtnahmen bestimmt, die Gott eigentlich überflüssig machen? Verläuft unser Leben nicht auf ehernen Gleisen – unabhängig davon, ob wir nun an Gott glauben oder nicht?
Wie erfrischend ist da doch die Begegnung mit Abram, Jakobus und Johannes? Und erst mit Maria, der Mutter Jesu! Wie sehr hat auch sie ihr Leben gewagt aus dem Glauben, einzig auf die Verheißung des Engels hin: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten!“ (Lk 1,35) Ohne weiter nach dem Wie und Wann und Wo zu fragen, nahm sie die Mutterschaft für den Sohn Gottes an mit den Worten: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn! Mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ (Lk 1,38)
Das ist wie frische Luft in einem abgestandenen Raum. Das lässt aufatmen, unsere Sinne werden wach zusammen mit der Bereitschaft, wie der junge Samuel zu rufen: „Rede, denn dein Diener hört!“ (1Sam 3,10)
Mit den Worten von J.H. Newman macht uns das bereit, „auf Christi Wort hin, dasjenige, was wir haben, einzusetzen für das, was wir noch nicht haben und so zu handeln auf großmütige, edle Art – gewiss nicht unüberlegt und leichtfertig, aber doch ohne genau zu wissen, wie viel wir aufgeben, oder was wir dafür erhalten, ohne Sicherheit über den Lohn, über den Umfang unseres Opfers; in jeder Hinsicht ihm hingegeben, auf ihn uns verlassend, auf ihn wartend und ihm vertrauend, dass er sein Versprechen einlöst und uns Kraft gibt, unser Wort zu halten, um so in allem ohne Sorge und Angst um die Zukunft unseren Weg zu gehen.“ (PPS IV,20)
Besiegen wir mit dieser Bereitschaft unsere Trägheit, die Ruhe haben und das Leben genießen will. Machen wir neue Schritte, gehen wir neue Wege, die uns unsere Bequemlichkeit und unsere Ängstlichkeit bisher versperrt haben. Es geht schließlich um unser wahres Heil, um „das Reich Gottes, das nicht nur besteht in Essen und Trinken sondern in Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist.“ (Röm 14,17)
Schauen wir in unsere Welt, erkennen wir die Zeichen der Zeit, und handeln wir aus einem Herzen heraus, das bereit ist, Gott aufrichtig zu dienen und seinen Weisungen zu folgen. (Tagesgebet vom 29. So) „Denn die Liebe zu Gott besteht darin, dass wir seine Gebote halten. Seine Gebote sind nicht schwer. Denn alles, was von Gott stammt, besiegt die Welt. Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat: unser Glaube.“ (1 Joh 5,3f.) Und dieser Glaube lässt auch uns antworten: Wir können es!

Samstag, Oktober 14, 2006

Ströme lebendigen Wassers



Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 7:14–18.37–39a

Schon war die Hälfte der Festwoche vorüber, da ging Jesus zum Tempel hinauf und lehrte.
Die Juden wunderten sich und sagten: Wie kann der die Schrift verstehen, ohne dafür ausgebildet zu sein?
Darauf antwortete ihnen Jesus: Meine Lehre stammt nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat.
Wer bereit ist, den Willen Gottes zu tun, wird erkennen, ob diese Lehre von Gott stammt oder ob ich in meinem eigenen Namen spreche.
Wer im eigenen Namen spricht, sucht seine eigene Ehre; wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist glaubwürdig und in ihm ist keine Falschheit.
Am letzten Tag des Festes, dem großen Tag, stellte sich Jesus hin und rief: Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke,
wer an mich glaubt. Wie die Schrift sagt: Aus seinem Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fließen.
Damit meinte er den Geist, den alle empfangen sollten, die an ihn glauben;




"Wen dürstet, der komme zu mir und trinke. Wer an mich glaubt, - wie die Schrift sagt -, aus dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen." (Joh 7,37f)

Wie froh kann der Mensch sein, dem eine Quelle für seinen Durst fließt; zumal eine Quelle, die seinen Durst löschen kann. Denn es gibt auch trügerische Quellen, die den Durst noch mehren.
Wenn Jesus sich im Evangelium als eine Quelle für den Dürstenden anbietet, dann fragen wir uns, welcher Art dieser Durst wohl sein mag und wie beschaffen das Wasser, das der Herr zu bieten hat.
Unsere hl. Mutter Teresa kann uns auf diese Frage Antwort geben durch ihr Leben, das sie in einer Autobiographie und in zahlreichen Briefen vor uns ausbreitet; zudem beschreibt sie uns wie in einer inneren Biographie in der „Seelenburg“ und im „Weg der Vollkommenheit“, wie Jesus ihr Lebensquell geworden ist. Ihren Weg zu Jesus erweist sich als ein Weg für alle, als ein Weg auch für uns.
Teresa war nicht von Anfang an jene begnadete Mystikerin, als die sie verehrt wird und die ihr mit Recht den Titel einer „Kirchenlehrerin“ eingebracht hat. Zur Mystikerin ist sie erst geworden im Verlauf eines Prozesses, an dessen Beginn ein Lebens stand, das sich zwar vom Niedrigen nicht fesseln und völlig erblinden ließ das sich aber auch nicht nach dem Höchsten ausstreckte. Bis 39 führte sie dieses Leben des Mittelmaßes. Mit dem Mann aus dem heutigen Sonntagsevangelium Mk 10, 17-22 hat sie zwar niemanden getötet und keine Ehe gebrochen; sie hat nicht gestohlen und kein falsches Zeugnis abgelegt; sie hat keinen Raub begangen und Vater und Mutter geehrt. Aber wie der junge Mann war auch sie nicht bereit, ihren ganzen Besitz herzugeben und Jesus zu folgen.
Eine Darstellung Jesu als Mann der Schmerzen erschütterte sie dermaßen, dass sie aufgelöst in Tränen vor dem Bild zu Boden fiel und den Herrn anflehte, ihr ein für allemal die Kraft zu geben, ihn nicht mehr zu beleidigen. In diesem Gebet setzte sie ihr ganzes Vertrauen auf Gott. Sie sagte dem Herrn, dass sie von dort nicht mehr aufstehen würde, bis er tat, worum sie ihn anflehte. Und sie war sich sicher, dass er ihr geholfen hat, denn seitdem ging es viel besser mit ihr. (vgl. Vida 9,1-3)
Dieses Bekehrungserlebnis enthält im Kern schon, was ihren weiteren Weg bestimmen sollte: die persönlich lebendige Nähe zum Herrn! Teresa erlebte die heilende Kraft, die von Jesus ausgeht (vgl Lk 6,19). Es galt für sie nun einen Weg in die Nähe Jesu zu finden. Diesen Weg entdeckte sie im inneren Beten, von dem sie schreibt, „dass es nichts anderes ist als das Verweilen bei einem Freund, mit dem wir oft allein zusammenkommen, einfach um bei ihm zu sein, weil wir sicher wissen, dass er uns liebt.“ (Vida 8,5)
Nun ist Jesus nicht irgendein Freund sondern der Freund, der sie so sehr liebt, dass er sein Leben für sie gibt; das heißt, ein Freund, der sich an Großzügigkeit nicht übertreffen lässt und der 100 für eins gibt.
So ist es kein Wunder, dass die unablässig gesuchte Begegnung mit diesem Freund im Gebet in die unermesslichen Tiefen des göttlichen Lebens führt. Sie durchmisst – soweit Menschen möglich – die Tiefen ihrer eigenen Person und die Tiefen Gottes. Mit dem Apostel Paulus (Röm 11,33) konnte sie ausrufen: „ O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Entscheidungen, wie unerforschlich seine Wege!“ Den Reichtum dieser Erfahrung hat sie auch für uns geschenkt bekommen; das erkannte sie von Anfang an. Darum scheute sie auch keine Mühe, neben der Überlast an Arbeit, die sie als Gründerin zahlreicher Klöster zu tun hatte, diese Erfahrungen niederzuschreiben und in ihren Werken den Mitschwestern und uns zu hinterlassen. In großartige Bilder vermochte sie ihre Erlebnisse mit dem Herrn zu kleiden:
Die Seelenburg als Bild des menschlichen Herzens, in dessen Innerstem Gott wohnt, der alle zu sich zieht (vgl Joh 12,32)und wo die tief geheimnisvollen Dinge zwischen Gott und dem Menschen geschehen.
Die Seidenraupe, die im Einspinnen in den Kokon das ihr Mögliche im geistlichen Leben tut, um sich dann im wunderschönen Schmetterling die Vereinigung mit Gott schenken zu lassen.
Schließlich die verschiedenen Arten der Bewässerung, in denen sie den Weg des Gebetes darstellt vom anfänglichen Mühen um die gnadenvolle Nähe des Herrn bis hin zu jenem seligen Zustand, indem der Herr sich überreich und mühelos dem demütigen und offenen Menschen schenkt.
Die Einsicht, dass es wohl wert ist, diesen Herrn ein ganzes Leben lang zu suchen, möge in uns den Eifer entflammen, im Gebet unermüdlich die Nähe unseres guten Jesus zu suchen, der unser Herr und unser Gott ist und der gepriesen sei in Ewigkeit. Amen!

Freitag, Oktober 06, 2006

Heilige Gemeinschaft



Aus dem hl. Evangelium nach Markus 10:2 – 16

Da kamen Pharisäer zu ihm und fragten: Darf ein Mann seine Frau aus der Ehe entlassen? Damit wollten sie ihm eine Falle stellen.
Er antwortete ihnen: Was hat euch Mose vorgeschrieben?
Sie sagten: Mose hat erlaubt, eine Scheidungsurkunde auszustellen und (die Frau) aus der Ehe zu entlassen.
Jesus entgegnete ihnen: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben.
Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen.
Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen,
und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins.
Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.
Zu Hause befragten ihn die Jünger noch einmal darüber.
Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch.
Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet.
Da brachte man Kinder zu ihm, damit er ihnen die Hände auflegte. Die Jünger aber wiesen die Leute schroff ab.
Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sagte zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes.
Amen, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.
Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie.




Was die beiden Themen des heutigen Evangeliums verbindet ist der Gedanke der Gemeinschaft. Gemeinschaft von Gott gewollt und von den Menschen gestört.
Zum einen die Gemeinschaft von Mann und Frau zum anderen die Gemeinschaft von Jesus mit den Kindern.
In beiden erscheinen Menschen als hartherzig: Zum einen, weil sie die von Gott gewollte Gemeinschaft von Mann und Frau zerstören und zum anderen weil sie die Gemeinschaft zwischen Jesus und den Kindern verhindern wollen.
In beiden Fällen besteht die Hartherzigkeit grundsätzlich darin, dass sie die Heiligkeit von Gemeinschaft missachten, die daher kommt, dass sie von Gott gewollt und somit von ihm begründet ist. Die Gemeinschaft, die im Willen Gottes begründet ist, hat auch Anteil an seiner Heiligkeit. Hartherzigkeit ist Verschlossenheit für diese Heiligkeit. Sie hat zur Folge, dass die angemessene Ehrfurcht fehlt beim Eintritt in die Gemeinschaft etwa mit einem Ehepartner. Damit wird eigentlich ein Raum göttlicher Heiligkeit betreten. Ist das Herz hart, fehlt die Ehrfurcht, fehlt das Bedenken, was in der Ehegemeinschaft an Unermesslichem geschenkt wird, wer im Ehepartner eigentlich gegeben ist: Welcher Schatz, welcher Reichtum, welche Würde, welche unauslotbare Tiefe. Es fehlt das Bewusstsein der eigenen Unwürdigkeit für so eine heilige Gemeinschaft – jenes Bewusstsein, das vor dem Eintritt in diesen heiligen Raum ehelicher Gemeinschaft zurückschrecken ließe, wenn es nicht Gottes ausdrücklicher Wunsch und Wille wäre, dass Mann und Frau Vater und Mutter verlassen und ein Fleisch werden (vgl. Mk 10,7f.). So zeigt sich diese Hartherzigkeit schon darin, dass im Überschwang emotionaler Sympathie vergessen wird, das eigene Wollen der ehelichen Gemeinschaft unerschütterlich im Wollen Gottes zu verankern. Dieses Fehlen des religiösen Fundamentes von Anfang an zeigt sich dann in mangelnder Dankbarkeit für das Geschenk ehelicher Verbundenheit, sie zeigt weiters sich in der Gedankenlosigkeit und Oberflächlichkeit im alltäglichen Leben dieser Verbundenheit. Und sie kommt schließlich zum Ausdruck, wenn ein Verhalten des Ehepartners nicht mehr tragbar erscheint und er aus der Ehe entlassen wird. Ein Herz das Gott fern bleibt, wird immer hart bleiben; weich wird es nur in der Nähe Gottes.

Auch die Jünger sind nicht in der Nähe Gottes; darauf weist hin, dass sie die Mütter abweisen, die ihre Kinder zu Jesus bringen wollen. Weil sie von Gott fern sind, können sie nicht erkennen, dass Gott die Gemeinschaft der Kinder mit Jesus will. Jesus drückt genau dies aus, wenn er seine Jünger zurechtweist mit den Worten: „Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes.“ (Mk 10,14) Menschen, wie die Kinder! Was sind das für Menschen? Es sind einfache Menschen ohne Kompliziertheit und Verbogenheit; es sind Menschen, die ein reines Herz haben ohne Arglist, ohne Hintergedanken, ohne Vorurteile; es sind Menschen, die ein unverstelltes Herz haben zu dem die Wahrheit unmittelbar Zugang findet; es sind liebesfähige Menschen, die unbefangen und furchtlos die Liebe auch im Kleid schmerzlicher Wahrheit weitergeben können; es sind Menschen wie Jesus. Die Kinder gehören deshalb zu Jesus, weil er selber ganz Kind ist vor seinem Vater im Himmel. Dieses Kindsein ist unvereinbar mit einem harten Herzen. Die Jünger sind in ihrer Herzenshärte noch weit entfernt von diesem Kindsein. Und sie sind in ihrer Herzenshaltung noch weit entfernt von Jesus.
Menschen wie die Kinder gehört das Reich Gottes; das heißt: die Gemeinschaft mit Gott ist ihnen schon gewiss zugesagt. Und sie sind offen und empfänglich für das Reich Gottes, das sie in Jesu Armen und in seinem Segen empfangen; sie sind offen, um so von der Güte Gottes mehr zu erhalten, als sie verdienen und Größeres als sie erbitten. Sie sind empfänglich für das, was der Vater den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hat (vgl. Mt 11,25; Lk 10,21) nämlich das „was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“ (1Kor 2,9) Werden wir nicht müde, wie die Kinder zu werden! Werden wir nicht müde, Menschen seiner Gnade zu werden; Geschwister Jesu, Erben Gottes und Miterben Christi! (vgl. Röm 8,17)