Montag, Dezember 31, 2007

Und sie fanden Maria und Josef und das Kind


Das Evangelium Lukas 2: 16 – 21

16 So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.

17 Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war.

18 Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten.

19 Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.

20 Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.

21 Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoß seiner Mutter empfangen wurde.




Jedem Neubeginne liegt ein eig’ner Zauber inne! Es hat mit diesem Zauber zu tun, wenn wir einander alles Gute zum neuen Jahr wünschen! Das Neue, Unberührte eines Anfanges bewegt uns zur Hoffnung auf das Gute, das wir in jedem Neubeginn erahnen, und das sich enthüllen möge im Fortschreiten und im Entfalten des Begonnenen.

„Gutes sagen“ heißt im Lateinischen „bene dicere.“ Dies bedeutet dann vor allem „segnen.“ In der ersten Lesung hörten wir, wie Mose im Namen des Herrn Aaron und seine Söhne – also die Priester des Volkes Israel – anweist, das Volk zu segnen: Sie sollen den Leuten nicht einfach zurufen: Alles Gute!
Vielmehr sollen sie zu den Leuten sagen: „Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil. So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, und ich werde sie segnen.“ (Num 6:24-27)

Dadurch wird klar: Der eigentlich Segnende ist Gott selber; aller Segen kommt von IHM her; ER ist die Quelle allen Segens. Es geht nicht um ein unpersönliches „Alles Gute“ sondern es geht um den EINEN, der allein DER Gute schlechthin ist – es geht um Gott! (vgl. Mt 19:17) Das wollen wir sagen, wenn wir nicht nur ein „gutes“ neues Jahr wünschen, sondern ein „gesegnetes“ neues Jahr.

Dieser Gedanke ist deshalb auch wichtig, weil es zum Zauber eines Neujahrbeginnes dazu gehört, Vorsätze zu fassen. Damit diese nicht zu Pflastersteinen auf dem Weg zur Hölle sondern zu Meilensteinen auf den Weg zum Himmel werden müssen wir unsere Vorsätze mit dem Vor-Satz versehen: „So Gott will!“ Das heißt: wir beginnen nicht neu nach unserem Ermessen sondern wir lassen Gott mit uns beginnen, da er am besten weiß, was uns gut tut. Wir beginnen bei Gott und so können wir mit Gott beginnen; und dieser Anfang ist gut, weil er beim Ursprung alles Guten beginnt – bei GOTT!

Einen einzigartigen Anfang mit Gott setzt Maria, die wir heute als Gottesmutter ehren. Denn das Kind, das sie geboren hat, ist wahrer Gott! Und es wird den Namen Jesus bekommen, „denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen!“ (Mt 1:21)
Was die Hirten von diesem Kind erzählen bewahrt Maria im Herzen und denkt darüber nach. (vgl. Lk 2:19) Doch werden nicht nur ihr Herz und ihre Gedanken von dem Gehörten bewegt. Sie folgt ihrem Sohn von der Hochzeit zu Kana bis unter sein Kreuz auf Golgota. Im Leben und im Sterben ist sie ihm nahe. Und sie bleibt bei ihm, indem sie mit der Jüngergemeinde auf den verheißenen Geist wartet. Sie bleibt bei ihm, indem sie Mutter der Kirche wird.
Die Bewegung aus Liebe, die Gott in der Entäußerung seines Sohnes begonnen hat, ergreift Maria ganz in ihrem Leib, in ihrem Herzen, in ihrem Geist. Sie wird und bleibt eine von der Liebe Gottes Bewegte. So wird sie eine, zu der sich durch die Jahrhunderte hin zahllose Menschen auf den Weg machen, um sich von ihr einen Neubeginn mit ihrem Sohn schenken zu lassen um selber Bewegte zu werden von Gottes Liebe. So eilen wir am Beginn dieses neuen Jahres wie die Hirten und finden Josef, Maria und das Kind, das in der Krippe liegt (vgl. Lk 2:16). Nach Anbetung des Kindes und vertrautem Zwiegespräch mit seiner Mutter und mit Josef kehren wir wieder zurück in unsere Welt Gott rühmend und preisend für das, was wir gehört und gesehen haben. (vgl. Lk 2:20)

Was so in uns angestoßen wurde möge sich fortsetzen in Impulsen der Liebe. Als Gesegnete mögen wir zum Segen werden.
Ein Gebet des Pfarrers von St. Lamberti in Münster zum Jahreswechsel anno 1983 möge in unser konkretes Leben führen:
„Herr, setze dem Überfluss Grenzen und lasse die Grenzen überflüssig werden.
Lasse die Leute kein falsches Geld machen, aber auch das Geld keine falschen Leute.
Nimm den Ehefrauen das letzte Wort und erinnere die Ehemänner an ihr erstes.
Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit und der Wahrheit mehr Freunde.
Bessere solche Beamten, Geschäfts- und Arbeitsleute, die wohl tätig, aber nicht wohltätig sind.
Herr, sorge dafür, dass wir alle in den Himmel kommen – aber lass zuerst den Himmel zu uns kommen! Amen!

Freitag, Dezember 28, 2007

Liebe - das Band, das alles zusammenhält


Das Evangelium Matthäus 2: 13 – 15.19 – 23

13 Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten.


14 Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten.


15 Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.


19 Als Herodes gestorben war, erschien dem Josef in Ägypten ein Engel des Herrn im Traum


20 und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und zieh in das Land Israel; denn die Leute, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben, sind tot.


21 Da stand er auf und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel.


22 Als er aber hörte, dass in Judäa Archelaus an Stelle seines Vaters Herodes regierte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und weil er im Traum einen Befehl erhalten hatte, zog er in das Gebiet von Galiläa


23 und ließ sich in einer Stadt namens Nazaret nieder. Denn es sollte sich erfüllen, was durch die Propheten gesagt worden ist: Er wird Nazoräer genannt werden.



„Herr, unser Gott, in der Heiligen Familie hast Du uns ein leuchtendes Vorbild geschenkt...“ so haben wir vorhin gebetet. Wenn wir uns nun die hl. Familie anschauen, wie sie uns im Evangelium begegnet – worin könnte sie uns Vorbild sein?

Wir erleben im Evangelium die hl. Familie auf der Flucht vor dem tödlichen Zugriff des Herodes. Die Familie flieht, um das Kind zu schützen. Viele Familien sind auch in unseren Tagen auf der Flucht: Denken wir an die Krisengebiete unserer Erde oder an die Familien, die zu uns nach Österreich geflohen sind und hier eine sichere Bleibe suchen. Für alle diese Familien will die hl. Familie Solidarität und Trost sein. Uns will die hl. Familie auf der Flucht zum Gebet anregen und zu wirksamer Hilfe für die Familien, die heute auf der Flucht sind.

Zugleich will sie die Familien hinweisen darauf, dass es heute vieles gibt, was das Leben der Familie bedroht und was daher zu meiden und zu fliehen ist. Ich denke an die Fehlhaltungen des Egoismus und des Konsumismus, die bereits viele Familien zerstört haben und zahlreiche Familien bedrohen. Die Lesungen aus dem Buch Jesus Sirach (Sir 3: 2-6.12-14) und aus dem Kolosserbrief (Kol 3:12–21) weisen uns den Fluchtweg, den es zu beschreiten gilt: den Weg hin zu größerem Verständnis zwischen den Generationen; den Weg hin zu jener Liebe, die alles zusammenhält und vollkommen macht. Gerade für die immer gültigen Grundhaltungen des Miteinander und des Füreinander sind diese beiden Lesungen eine hilfreiche Gewissens- und Lebenserforschung. Folgen wir also der hl. Familie und fliehen wir mit ihr ins Leben!


Es ist auffallend wie die hl. Familie den Weg ins Leben findet: Jedes Mal wird dem Josef im Traum von einem Engel gesagt, was er zu tun hat. Und was noch erstaunlicher ist: Jedes Mal folgt Josef dem Hinweis des Engels im Traum. Die hl. Familie ist uns Vorbild in der Achtsamkeit auf jene Stimme, die den Weg zum Leben weist. Dabei ist anzufügen, dass dieser Weg auch schwierig – eben ein Fluchtweg – sein kann! Und also nicht die Beschwerlichkeit des Weges sondern die Stimme des Engels maßgeblich ist.

Wo aber sind für unsere Familien diese Engelsstimmen heute zu hören? Es wird wohl eher selten einem Vater oder einer Mutter ein Engel im Traum erscheinen und ihnen hilfreiche Tipps für drohende oder aktuelle Familienkrisen geben.

Doch meine ich, dass diese Engel in den Familienberatungsstellen sprechen, die etwa die Caritas anbietet; oder in den verschiedenen Selbsthilfegruppen; oder im Beichtgespräch; oder im Gebet; oder in der Hl. Schrift.

Der Lebensengel spricht nach wie vor! Öffnen wir ihm unser Ohr!


Wenn wir den Aspekt der Flucht etwas zurückstellen, können wir sagen: die hl. Familie ist eine Familie unterwegs. Damit will ich nicht nur an jene Familien erinnern, die gerade auch in diesen Ferientagen unterwegs sind und Urlaub machen.

Ich möchte vielmehr noch tiefer sehen und Familie als eine Gemeinschaft unterwegs im Sinne einer lebendigen Gemeinschaft sehen: Die einzelnen Mitglieder der Familie ändern sich: aus Eltern werden Großeltern und aus Kindern Erwachsene, die selber wieder Kinder zeugen. Dieses lebendige Unterwegssein gilt es bei jedem einzelnen Mitglied der Familie zu beachten und jedem einzelnen Mitglied muss es zugestanden werden. Das heißt für jedes Mitglied der Familie ein immer neues Weggehen und Ankommen, ein Annehmen und Loslassen. Es meint ein stetiges Bemühen um die angemessene Einstellung zur aktuellen Situation meines Familienpartners. Daraus folgen Aufmerksamkeit, Spannung, Konflikt – aber auch neue, tiefere, reifere Beziehung; neues Glück, neuer Friede, neue Freude – kurz und gut: Neues Leben in Fülle!

So dürfen Kinder Erwachsene werden – die Eltern können sie freilassen in ihre eigene Verantwortung.

Und Eltern haben einen Anspruch auf besondere Sorge, wenn sie alt und gebrechlich werden.

Auf welcher Grundlage aber ist diese lebendige und liebende Aufmerksamkeit möglich? Die Grundlage ist, dass wir von Gott geliebt sind!
Ich wiederhole noch einmal Paulus im Kolosserbrief: „Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen. Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld! Ertragt euch gegenseitig, und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht.“ (Kol 3:12 – 14)

So wollen wir beten: Lebendiger Gott! Junge und alte Menschen, Mütter, Väter und Kinder sind heute hier zusammengekommen als deine Familie. In jedem einzelnen von uns bist du gegenwärtig. Lass uns immer daran denken! Erhalte in uns gegenseitigen Respekt und die Achtung vor dem anderen. Stärke das Vertrauen, das wir einander entgegenbringen und erhalte in uns die Liebe, die uns untereinander und mit dir verbindet. Denn du bist unser Gott, heute, alle Tage und in Ewigkeit.

Montag, Dezember 24, 2007

In Ihm war das Leben


Das Evangelium Johannes 1: 1 – 18

1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.

2 Im Anfang war es bei Gott.

3 Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.

4 In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

5 Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.

6 Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes.

7 Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.

8 Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.

9 Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.

10 Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.

11 Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.

12 Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben,

13 die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.

14 Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.

15 Johannes legte Zeugnis für ihn ab und rief: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war.

16 Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade.

17 Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus.

18 Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.



Das Kind in der Krippe, die familiäre, warme und intime Atmosphäre, die Stille der Nacht – nachdem dies alles durch die Botschaft der Engel den Hirten bekannt wurde und in das Licht des Himmels getaucht wurde, (vgl. Lk 2:8 – 14) da ahnten wir schon: das kann es und das wird es wohl nicht gewesen sein! Und die Frage steht im Raum: Was wird aus diesem Kind wohl werden?

Nun, die Lesungen des heutigen Christtages beantworten uns diese Frage: Da wird das armselige Kindlein von heute Nacht auf einmal das Wort genannt, das bei Gott ist und das selber Gott ist und dass alles durch dieses Wort geworden ist. (vgl. Joh 1: 1 – 3)
Der Hebräerbrief legt noch ein Schäufchen nach und spricht vom Sohn, den Gott zum Erben des Alls eingesetzt und durch den er auch die Welt erschaffen hat; er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Abbild seines Wesens; er trägt das All durch sein machtvolles Wort. (vgl. Hebr 1: 2f.)
Dann ist von demselben Kind als vom Licht die Rede, das in der Finsternis leuchtet, vom wahren Licht, das in die Welt kam und jeden Menschen erleuchtet. (vgl. Joh 1:5.9)
Kurz und gut: Dieses Kind in der Krippe hat eine himmlische, eine göttliche Karriere durchgemacht.

Menschen haben – angeregt durch das Leben Jesus und durch den heiligen Geist – tief hineingeschaut und hineingehorcht in das unergründliche geheimnisvolle Wesen dieses Kindes und konnten schließlich mit Johannes im heutigen Evangelium sagen: „Wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.“ (Joh1:14)
Und von dieser Herrlichkeit versuchen sie zu berichten: Johannes in seinem Evangelium und in seinen Briefen ebenso wie der Verfasser des Hebräerbriefes.

Was will uns damit gesagt sein?
In diesem Kind ist Gott, der Herr der ganzen Welt, zu uns gekommen.
Weil nun also Gott in diesem Kind zu uns gekommen ist,
muss dieses Kind jeden einzelnen von uns zuinnerst betreffen; müssen wir ihm mit aller Tieffrömmigkeit unseres Herzens begegnen;
muss es in unserem Herzen wohnen.
Dieses Kind ist eine Gabe für uns.

Weil nun aber Gott, der Herr der ganzen Welt in diesem Kind ist, muss dieses Kind seinen Platz in der Welt haben; ist es lebensnotwendig für die Welt. Dieses Kind ist eine Gabe für die ganze Welt, für alle Völker dieser Erde.
Deswegen feiern wir die Geburt dieses Kindes auch nicht nur in trauter Privatheit sondern künden dieses Ereignis aller Welt.
Deswegen hebt der Papst in seiner Weihnachtsansprache das Jesuskind aus der Krippe heraus und legt es mitten in die aktuellen Probleme unserer Zeit
Deswegen wünscht der Papst heuer in vielen Sprachen den Völkern der Welt gesegnete Weihnachten.
Deswegen dürfen wir unseren Glauben an dieses Kind nicht als Privatsache ansehen sondern müssen ihn vor unseren Mitmenschen bezeugen als eine Angelegenheit, die sehr wohl auch sie meint und betreffen will.

Unser Glaube gehört nicht uns allein sondern allen Menschen.
Dass Gott sich uns zuinnerst ganz persönlich gibt enthält den zwingenden missionarischen Impuls, dass wir ihn durch unser wörtliches und tätiges Glaubenszeugnis den Menschen um uns weitergeben – und dies so sehr, dass Gott nicht in uns ist, wenn wir nicht bereit sind unseren Glauben öffentlich zu bekennen und weiterzugeben. Wir müssen tun, was Jesus getan hat. Von ihm hören wir am Ende des Evangeliums: „Der einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht!“ (Joh 1:18) Jesus hat Kunde gebracht – so müssen auch wir als seine Nachfolger Kunde bringen!
Dann erst ist und dann erst wird Weihnachten wenn wir es machen wie Jesus: Wenn wir die Kunde, die wir zu Weihnachten vom Kind in der Krippe, vom Herzstück des Vaters, hören, wenn wir diese Kunde zu den Menschen bringen. Erst dann, wenn wir diese Kunde bringen, wird Christus in uns geboren. In den Gedanken, Worten und Taten unseres christlich katholischen Glaubens bringen wir Jesus Christus, unsern Herrn und Gott zur Welt.
Unsere heutige Welt zeigt mit aller Dringlichkeit, dass sie diesen Gott braucht, um erlöst zu werden.
Bringen wir nach dem Vorbild Mariens Christus zu den Menschen unserer Welt. Amen!

Freitag, Dezember 21, 2007

Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht!


Das Evangelium Matthäus 1: 18 – 24

18 Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete - durch das Wirken des Heiligen Geistes.
19 Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen.
20 Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.
21 Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.
22 Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat:
23 Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns.
24 Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.



Die Lebensplanung des Josef wird im heutigen Evangelium gehörig auf den Kopf gestellt; es geht alles durcheinander: Seine Verlobte Maria bekommt ein Kind – aber nicht von ihm. Da ist wohl eine Welt zusammengebrochen für diesen Mann: Das Leben, das er sich mit Maria vorgestellt hat: Hochzeit, Kinder, ein ruhiges Familienleben, schließlich die Übergabe seiner Werkstatt an seinen Sohn und dann der Lebensabend.

Das alles kann sich Josef jetzt in den Wind schreiben. Es ist schon erstaunlich, dass Josef nicht empört ist. Er macht vielmehr einen sehr beherrschten, gefassten Eindruck: Er schimpft nicht und ist nicht grob zu Maria; er denkt nur darüber nach und beschließt, sich in aller Stille von Maria zu trennen. Dieses Verhalten wird als „gerecht“ (Mt 1:19) bezeichnet. Josef verhält sich vorbildlich. Er will Maria nicht bloßstellen; er will nicht, dass ihr Zustand allgemein bekannt wird und dass alle mit dem Finger auf sie zeigen. Er ist rücksichtsvoll zu Maria: Ein deutliches Zeichen, dass er Maria trotzdem liebt und ihr den Weg zum Vater des Kindes möglichst ebnet.

Ich meine, dieses einfühlende und liebevolle Verhalten des Josef ist eine wesentliche Voraussetzung für alles Folgende: Es ermöglicht nämlich seine Offenheit für das Verständnis dessen, was wirklich mit Maria geschehen ist. Und damit ist Josef auch offen für den Plan, den Gott mit ihm hat. Man stelle sich vor, Josef hätte gewütet und getobt, er hätte seine Verlobte beschimpft, geschlagen und dann an den Pranger gestellt: Er hätte sich in seiner wütenden Eifersucht total verschlossen für das, was da an und in Maria geschehen ist.

In seiner Gerechtigkeit ist Josef aber bereit, in ein tiefes Geheimnis im Leben seiner Verlobten und in seinem eigenen Leben eingeweiht zu werden: Im Traum sagt ihm ein Engel, dass im Leben der Maria der Geist Gottes am Werk ist. (vgl. Mt 1:20-23) In der Unordnung, die da auf einmal in seinem Leben entstanden ist will sich eine neue Ordnung durchsetzen – die Ordnung Gottes.

Was er als Durcheinander in seinem Leben wahrnimmt ist tiefer besehen ein Weg, den Gott mit ihnen gehen möchte: Durch Maria möchte Gott seinen Sohn in diese Welt schicken – seinen Sohn, „der sein Volk von seinen Sünden erlösen wird.“ (Mt 1:21) Und Josef soll dabei behilflich sein.

Josef, der Maria trotzdem liebte, soll helfen, dass Gott seine Trotzdemliebe zu uns Menschen verwirklichen kann in der Menschwerdung seines Sohnes. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hingegeben hat (vgl. Joh 3:16a), damit dort, wo die Sünde mächtig geworden ist die Gnade übergroß werden konnte. (vgl. Röm 5:20b)
Und Josef konnte bei diesem Plan helfen: Denn in seiner Trotzdemliebe zu Maria war er geradezu prädestiniert dafür – ja in dieser Liebe zu Maria gehörte er gewissermaßen schon dieser Welt an, in der Gott lebt und die er in seinem Sohn Jesus allen Menschen eröffnen wollte.
So konnte Josef handeln, wie es im Evangelium heißt: „Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.“ (Mt 1:24) Als Gott in seinem Leben Platz nehmen wollte durch dieses Kind Jesus hat Josef sich nicht verweigert sondern sein Leben geöffnet für dieses Kind Jesus. In der konkreten Form der Nächstenliebe hat sich dieses Platzmachen geäußert, indem er Maria als seine Frau zu sich genommen hat.

Wenn unser Leben ohne unser besonderes Zutun in Unordnung geraten sollte, dann handeln wir wie Josef: Keine lieblosen Äußerungen, keine voreiligen Reaktionen. Sondern Bleiben in der Trotzdemliebe und offen dafür, dass Gott uns sagen kann, was er von uns will; dass Gott uns zeigen kann, wie er in unserem Leben Platz nehmen möchte.

In dieser Haltung des Josef besteht unsere beste Vorbereitung auf jedes Kommen Gottes in unser Leben – auch auf sein Kommen im Kind, das in heiliger Nacht uns allen geboren, uns allen geschenkt werden will. (vgl. Jes 9:5) Amen!

Sonntag, Dezember 16, 2007

Bist du es, der da kommen soll?


Das Evangelium Matthäus 11: 2 – 11

2 In jener Zeit hörte Johannes im Gefängnis von den Taten Christi. Da schickte er seine Jünger zu ihm

3 und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?

4 Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht:

5 Blinde sehen wieder, und Lahme gehen; Aussätzige werden rein, und Taube hören; Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet.

6 Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.

7 Als sie gegangen waren, begann Jesus zu der Menge über Johannes zu reden; er sagte: Was habt ihr denn sehen wollen, als ihr in die Wüste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt?

8 Oder was habt ihr sehen wollen, als ihr hinausgegangen seid? Einen Mann in feiner Kleidung? Leute, die fein gekleidet sind, findet man in den Palästen der Könige.

9 Oder wozu seid ihr hinausgegangen? Um einen Propheten zu sehen? Ja, ich sage euch: Ihr habt sogar mehr gesehen als einen Propheten.

10 Er ist der, von dem es in der Schrift heißt: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen.

11 Amen, das sage ich euch: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er.



„Johannes hörte im Gefängnis von den Taten Christi.“ (Mt11:2) Leute werden ihm davon erzählt haben, die entweder selber erlebten, was sie erzählten oder die es von anderen gehört hatten.
Das reichte Johannes nicht. Er wollte es von Jesus selber hören. Da es damals so was wie Handy oder Telefon nicht gab und Johannes im Gefängnis war, schickte er seine Jünger zu Jesus. Über seine Jünger sprach er indirekt mit Jesus über dessen Sendung: „Bist du der, der kommen soll oder müssen wir auf einen anderen warten?“ (Mt 11:3)
Daraufhin sagt Jesus den Jüngern des Johannes, was sie diesem antworten sollen: das was sie von seinem Tun und Reden hören und sehen!
Jesus autorisiert die Jünger des Johannes, von seinem Wirken zu berichten. Diese Autorisierung hatten die Leute nicht, die eingangs dem Johannes von Jesus erzählten.
Jetzt erst ist Johannes zufrieden; jetzt erst weiß er, dass in Jesus der Messias, der Heiland gekommen ist. Er hat seinen Auftrag erfüllt, indem er die Menschen auf ihn hingewiesen hat und seine Stimme verstummt.

Es geht hier um ein Reden von Jesus, das nicht im eigenen Ermessen liegt. Hinter dem Reden von Jesus steht der Auftrag Jesu selber. Die Jünger des Johannes werden von Jesus beauftragt: „Geht und berichtet dem Johannes!“ Und auch der Inhalt ihrer Botschaft wird ihnen von Jesus gegeben: „Berichtet, was ihr hört und seht!“ Der Inhalt ihrer Botschaft müssen Jesu Worte und Jesu Taten sein.
Und heute? Wie beauftragt Jesus heute, von ihm zu reden? Er tut dies heute durch die Hirten der Kirche, versammelt um den Papst. Dieses Hirtenkollegium gründet in der Gemeinschaft der Apostel, zu denen Jesus einmal gesagt hat: „Wer euch hört, der hört mich!“ (Lk 10:16) Der Inhalt ist heute der gleiche wie damals: Jesu Worte und Taten!

Gerade die Zeit des Advent als Zeit der Erwartung lebt von der Frage: „Wer ist es, den wir erwarten? Wer ist dieser Jesus? Ist er der wirkliche Heiland oder müssen wir den woanders suchen: im Konsum, in der Esoterik, im Genusstreben, in der Macht und wie die Götzen dieser Welt alle heißen mögen?“

Sichere, unverfälschte und unverkürzte Antwort kann da nicht einer geben, der sich selber ermächtigt, Jesus zu verkünden.
Das kann nur jener Mensch, der sich wohl auch dazu berufen fühlt; der aber auch von der Kirche dazu beauftragt ist und dessen Predigt im Wesentlichen die Worte und Taten Jesu beinhaltet.
Schauen wir uns nun die Botschaft näher an, welche die Jünger des Täufers sehen und hören: „Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören.“ (Mt 11:5a) Ebenso wird in der 1. Lesung (Jes 35:5-6a) das Heilswirken Gottes beschrieben wenn er selber kommt: Der Mensch wird in seiner körperlichen Gebrechlichkeit geheilt und ganz gemacht.
Doch bleibt Jesus beim leiblichen Heil nicht stehen sondern fährt fort: „Tote stehen auf und den Armen wird das Evangelium verkündet!“ (Mt11:5b) Das reicht über das Zeitliche hinaus ins Ewige; über das Körperliche hinaus ins Geistige; über das Menschliche hinaus ins Göttliche.
Oder sagen wir es adventlich/weihnachtlich: Das Ewige bricht ins Zeitliche herein; das Göttliche ins Menschliche! „Das Himmelreich ist nahe!“ (Mt 3:2; Mt 4:17)
Johannes und Jesus verkünden dem Wortlaut nach eine identische Botschaft.
Nur meint Johannes damit den kommenden Zorn Gottes, die Axt am Stamm der fruchtlosen Bäume, die Schaufel in der Hand, um Spreu vom Weizen zu trennen, das nie erlöschende Feuer, in dem sowohl das eine wie das andere verbrennt.

Jesus hingegen meint mit dem nahe gekommenen Reich Gottes das Heil der Menschen an Leib und Seele. Die Überwindung des Bösen durch das Gute. Das Erbarmen, welches größer ist als die Gerechtigkeit.

Es ist fürwahr nicht verwunderlich, dass Johannes es von Jesus selber wissen will, ob er es ist, der kommen soll oder ob man auf einen anderen warten muss.

Mittwoch, Dezember 05, 2007

Kehrt um!


Das Evangelium Matthäus 3: 1 – 12

1 In jenen Tagen trat Johannes der Täufer auf und verkündete in der Wüste von Judäa:

2 Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.

3 Er war es, von dem der Prophet Jesaja gesagt hat: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!

4 Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften; Heuschrecken und wilder Honig waren seine Nahrung.

5 Die Leute von Jerusalem und ganz Judäa und aus der ganzen Jordangegend zogen zu ihm hinaus;

6 sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen.

7 Als Johannes sah, dass viele Pharisäer und Sadduzäer zur Taufe kamen, sagte er zu ihnen: Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt?

8 Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt,

9 und meint nicht, ihr könntet sagen: Wir haben ja Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Steinen Kinder Abrahams machen.

10 Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.

11 Ich taufe euch nur mit Wasser (zum Zeichen) der Umkehr. Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.

12 Schon hält er die Schaufel in der Hand; er wird die Spreu vom Weizen trennen und den Weizen in seine Scheune bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.



„Alles, was einst geschrieben worden ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir durch Geduld und durch den Trost der Schrift Hoffnung haben.“ (Rom Röm 15:4)
So suchen wir denn, was uns zur trostreichen Belehrung im heutigen Evangelium geschrieben steht.

Da ist zuerst einmal die Rede davon, dass Johannes seine Botschaft in der Wüste verkündet. Die Wüste ist ein Ort, der mir die Frage stellt nach dem Wesentlichen für mein Leben. Wenn ich in die Wüste gehe, nehme ich nur das mit, was ich für mein Leben unbedingt brauche. Die Wüste fragt mich, was ich zum Leben, zum Überleben in ihr notwendig habe.
Wenn ich in die Wüste gehe, lasse ich deshalb alles Beiläufige, alles Nebensächliche zurück. Die Wüste lehrt mich, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden; mich vom Unwesentlichen zu trennen und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Genauso will der Advent eine Zeit sein, die mich an das Maßgebliche meines Lebens erinnern will; an das, von dem ich wirklich leben kann, was mir wirklich Lebensfülle schenkt. Zugleich entdecke ich dabei, was nur Beiwerk ist in meinem Leben, was mein Leben eigentlich nicht fördert sondern eher hindert.
Auf dieser adventlichen Entdeckungsreise durch die Güter meines Lebens werde ich dann auch an jenen Punkt kommen, wo ich mir sage: Dies und jenes ist mir zum Ballast geworden, von dem ich mich trennen muss – will ich wesentlicher leben, will ich eine größere Lebensqualität erreichen. Diese Station spricht Johannes dann mit seiner Botschaft an: „Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe!“ (Mt 3:2)
Der Advent will uns hinführen zu einem Quantensprung in unserer Lebensqualität; die Botschaft des Täufers will uns zu die-sem Sprung ermutigen.

Zum anderen ist da die Wortwahl des Johannes im Gespräch mit den Sadduzäern und Pharisäern: Was will die Schrift uns damit sagen; womit will sie uns auf diese Weise „trösten?“ Dass wir uns diesen Wortschatz aneignen im Umgang miteinander?
Johannes bedient sich nämlich sehr grober und starker Worte: „Schlangenbrut“ (Mt 3:7) nennt er sie – das ist geradezu ver-letzend! Jesus wird dieselben Leute übrigens keineswegs zärtlicher anreden: „Nattern“ (Mt 23:33) wird er sie später schimpfen; nicht weniger zärtlich!
Diese starken Worte entsprechen einem starken Verhalten der Pharisäer und Sadduzäer; es sind dies nämlich gerade jene Leute, die glauben, sie seinen perfekt, hätten keine Sünde, sei-en gerecht und gesetzestreu auf der ganzen Linie – und hätten darum keine Umkehr nötig; die kommen höchstens an den Jordan, um dieses Spektakel zu beobachten und sich eventuell pro forma unter die taufende Hand des Johannes zu beugen, um von den Leuten gesehen und gelobt zu werden. (vgl. Mt 6:2.5) Es fehlt ihnen jedoch völlig eine aufrichtige Bußgesinnung und die Bereitschaft zu einer ernsten Umkehr.
Ihr Verhalten ist eine Ohrfeige Gott und den Menschen gegenüber; dem entspricht die Ohrfeige, die ihnen Johannes mit seinen Worten versetzt.
Johannes sagt ihnen mit anderen Worten: So schlimm meine Worte zu euch sind so schlimm ist euer Verhalten Gott und den Menschen gegenüber. Die starken Worte sollen ein Hinweis sein auf ihr moralisches, soziales und politisches Verhalten – das wahrlich ein starkes Stück ist und das sie nicht verniedlichen sollten, gar etwa auch deshalb, weil sie es sich schon angewöhnt haben.
Johannes will durch seine Rede nicht beleidigen sondern er will aufrütteln, er will sie verletzen, damit sie gesunden. Der Arzt muss ja auch operieren, wenn er seinen Patienten von einem Tumor befreien will.
Stellen auch wir uns den starken Worten des Täufers und las-sen wir uns hinführen zur schmerzlichen Frage: Wo bin auch ich nur oberflächlich gut im Grunde jedoch ein gemeiner Egoist?
Wo sind in meinem Leben Früchte gefordert, die meine Umkehr zeigen?
Der Gürtel, den Johannes trägt, will uns den Weg zeigen:
„Denn wie sich der Gürtel den Hüften des Mannes anschmiegt, so wollte ich, dass sich das ganze Haus Juda mir anschmiegte - Spruch des Herrn – damit es mein Volk und mein Ruhm, mein Preis und mein Schmuck wäre.“ (Jer 13:11)
Der Advent – eine Zeit, uns an den Herrn zu schmiegen!

Voll der Gnade


Das Evangelium Lukas 1: 26 – 38

26 Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret
27 zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.
28 Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.
29 Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.
30 Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.
31 Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.
32 Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
33 Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.
34 Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?
35 Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt wer-den.
36 Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat.
37 Denn für Gott ist nichts unmöglich.
38 Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.


Das Fest, das wir heute feiern, lässt mich an einen denken, der ganze Arbeit macht; der sein Werk von Anfang an plant und nichts dem Zufall überlässt. Er handelt so, weil er dieses Werk über alles liebt.

Mir fällt da ein, was Jesus an einer anderen Stelle im Evangelium im Hinblick auf die Nachfolge seiner Jünger sagt: er spricht im Gleichnis von einem, der sich hinsetzt und den Bau eines Turmes genau plant. Ansonsten könnte es nämlich passieren, dass er zwar das Fundament legt, dann aber nicht mehr weiterbauen kann. Und die Leute würden ihn dann auslachen und sagen: dieser da wollte ein Haus bauen und konnte den Bau nicht vollenden. (vgl. Lk 14:28-30)

Genau so hat Gott sein Werk geplant – sein Erlösungswerk an uns Menschen, das er durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes ausgeführt und vollendet hat. Zu diesem Plan gehört auch die Menschwerdung seines Sohnes dazu und dass dies durch Maria, die Mutter Jesu, geschieht.

Nun erweist sich die Gründlichkeit Gottes bei der Ausführung seines Planes darin, wie er seinem Sohn die Mutter bereitet; nämlich, indem er sie von Anfang ihres Daseins an aus jeder Verstrickung in Schuld und Sünde heraushält. Er hat seinem Sohn in Maria eine Wohnung bereitet und er hat ihm eine vollkommene Wohnung in dieser Frau bereitet.

Um die Gründlichkeit Gottes darzustellen fällt mir der Texaner Lance Armstrong ein, der sieben Mal in Folge die Tour de France gewonnen hat – so oft, wie keiner vor ihm. Das hat dieser Mann geschafft, weil er sich penibel auf dieses Ereignis – und nur auf dieses Ereignis vorbereitet hat. So ist er sonst bei keinem anderen Radrennen mitgefahren und richtete seine ganze Aufmerk-samkeit und sein ganzes Planen allein auf die Tour de France.

Diese umfassende Aufmerksamkeit beim Ausführen seines Erlösungswerkes an uns Menschen lässt Gott also gerade am heuti-gen Fest erkennen. Wir können diese ungeteilte Aufmerksamkeit auf seinen Sohn und damit auf uns Menschen aus seinem Umgehen mit Maria herauslesen.

In Worten finden wir diese ganze und volle Achtsamkeit Gottes ausgedrückt in dem, was der Engel Gabriel zu Maria sagt, wenn er sie anspricht: „Sei gegrüßt, du Begnadete!“ (Lk 1:28) Im Gebet „Gegrüßet seist du Maria“ nehmen wir diesen Gruß auf indem wir sprechen: Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade!
Dieses „voll der Gnade“ hat die Kirche im Verlauf der Zeit immer tiefer und umfassender verstanden. Sie erkannte, dass „voll der Gnade“ sich auch auf den zeitlichen Lebenslauf dieser Frau Maria erstreckt und dass dieses Wort auch meint, dass Maria von allem Anfang ihres Lebens an frei geblieben ist von jeglicher Verstrickung in Schuld und Sünde.

So war es mit der Zeit nur mehr denkbar, dass Jesus, der ganz Heilige, nur von einer ganz heiligen Mutter geboren werden konnte.
Derjenige, der gekommen ist, den Willen des Vaters ganz zu erfüllen (Heb 10:7.9), konnte nur von einer Frau geboren werden, die aus ganzem Herzen zum Engel sagen konnte: „Ich bin die Magd des Herrn! Mir geschehe wie du es gesagt hast!“ (Lk 1:38)
Je gläubiger wir die Worte im „Gloria“ beten können: „Denn du allein bist der Heilige, du allein der Herr, du allein der Höchste: Jesus Christus, mit dem Heiligen Geist, zur Ehre Gottes des Vaters. Amen!“ Je gläubiger wir so von Jesus beten können umso bereitwilliger werden wir das Glaubensgeheimnis von der unbefleckten Empfängnis Mariens annehmen können.
Und schließlich sehen wir im Umgehen Gottes mit Maria ein Vorausbild für sein Umgehen mit allen Menschen. So wird gerade dieses Fest ein Fest des Trostes für uns alle, die wir uns oft genug verstrickt erleben in unsere schuldhaften Abhängigkeiten.
Das heutige Fest will unseren Eifer anregen, jene Quellen aufzusuchen, an denen wir wieder jene Freiheit, jene Klarheit, jene Unbeflecktheit erlangen können, die Gott uns allen schenken möchte: Die Quellen des Gebetes, der Eucharistie, der Buße, der Nächstenliebe.
So danken wir am heutigen Tag Gott für seine Liebe, sein Erbarmen, für das Große, das er an Maria getan hat und das er an uns allen tun will – jetzt und in Ewigkeit. Amen!

Dienstag, November 20, 2007

König der Juden!


Das Evangelium Lukas 23: 35 – 43

35 In jener Zeit verlachten die führenden Männer des Volkes ihn und sagten: Anderen hat er geholfen, nun soll er sich selbst helfen, wenn er der erwählte Messias Gottes ist.

36 Auch die Soldaten verspotteten ihn; sie traten vor ihn hin, reich-ten ihm Essig

37 und sagten: Wenn du der König der Juden bist, dann hilf dir selbst!

38 Über ihm war eine Tafel angebracht; auf ihr stand: Das ist der König der Juden.

39 Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und auch uns!

40 Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen.

41 Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; die-ser aber hat nichts Unrechtes getan.

42 Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.

43 Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.




Wenn wir im Evangelium hören, wie die führenden Männer des Vol-kes, wie die Soldaten und wie einer der Verbrecher Jesus verhöh-nen, dann sollten wir uns hüten zu sagen: Uns wäre das nicht pas-siert! Wir hätten diesen Jesus am Kreuz sicher als König verehrt – so wie wir es heute tun, wo es uns keine Schwierigkeiten macht, Jesus am Kreuz als König zu bezeichnen.

Die Sache ist nämlich die, dass wir uns nicht mehr vorstellen kön-nen, was es heißt, gekreuzigt zu sein.
Es war das äußerste, was man einem Menschen an Verachtung an-tun konnte. Es war das eindrücklichste Mittel, ihm seine eigene Macht- und Wertlosigkeit erleben zu lassen.
König sein und Gekreuzigter sein – das waren die entgegen gesetz-ten Enden der Skala menschlicher Wertschätzung. Bedeutete Kö-nigsein höchste Wertschätzung so Gekreuzigtsein tiefste Verachtung. Nichts ist unvereinbarer als Königsein und Gekreuzigtersein.

Deswegen sind ja seine Jünger alle davon gelaufen (Mt 26:56 parr.) und haben nur einige Frauen von der Ferne das Sterben Jesu mit-verfolgt. (Mt 27:55 parr.)
Deswegen war es im Frühchristentum verpönt, Jesus am Kreuz dar-zustellen. Die einzige Darstellung Jesu am Kreuz aus dieser Zeit ist eine Karikatur in den Felsen einer Katakombe eingeritzt: Sie stellt einen gekreuzigten Menschen mit Eselskopf dar und darunter steht: Alexamenos betet seinen Gott an.

Bedenken wir zudem, dass Jesus es immer abgelehnt hat, als König bezeichnet und behandelt zu werden. Erinnern wir uns, wie er die königlichen Attribute energisch zurückgewiesen hat, die der Teufel ihm bei der Versuchung in der Wüste nahe gelegt hat (Mt 4:1-11 parr.) und wie er sich den Menschen entzogen hat, als sie ihn nach der wunderbaren Brotvermehrung zum König machen wollten. (Joh 6:15)
Vergessen wir auch nicht, dass Jesus selber gesagt hat, er sei nicht gekommen um sich bedienen zu lassen sondern um zu dienen (vgl. Mt 20:28 parr.) und wie er den Jüngern gesagt hat, bei ihnen soll es nicht so sein, wie bei den Herrschern der Erde, die ihre Völker un-terdrücken, sondern wer bei ihnen de erste sein will, der soll der letzte und der Diener aller sein.

Wenn wir all dies im Auge haben, dann werden wir verstehen, dass Jesus sich jetzt nicht mehr wehrt, wenn sie über seinem Haupt die Inschrift am Kreuz anbringen: Das ist der König der Juden!
Denn nun es ist unmissverständlich, dass Jesus kein König im Sinne dieser Welt ist.
Vielmehr deutet er durch sein Verhalten am Kreuz dieses Königsein: Indem er dem anderen, dem guten Verbrecher sagt: Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein. Er sagt dem Verbrecher Heil zu, er öffnet ihm die Tür zum Leben. So erweist sich Jesus bis zu letzt als guter Hirt, der den Verlorenen rettet. Jesus sieht sein Königsein als Hirtesein.
Vom Hirtesein haben wir bereits in der Geschichte von David in der ersten Lesung gehört: Dort hörten wir, wie Gott zu David sagt: „Du sollst der Hirt meines Volkes Israel sein.“ (2 Sam 5:2) Was David recht und schlecht dann auch getan hat, das hat Jesus vollendet gemacht, wortwörtlich bis zum letzten Atemzug – Hirt zu sein für je-ne, die sich ihm anvertrauen.
Jesus ist der vollkommene David.

Wir können das Kreuz wie ein Ikon auf dem Computer sehen: Wenn wir dieses Symbol anklicken, dann tut sich ein Menü auf, das uns er-läutert, was dieses Königsein Jesu am Kreuz und was das Paradies bedeutet: Die 2. Lesung Kol 1:12 – 20 stellt uns dieses Menü vor Augen: Gott gibt uns durch Jesus Anteil am Los der Heiligen, die im Licht sind; er entreißt uns der Macht der Finsternis, er schenkt uns Erlösung und Vergebung der Sünden, er will alles mit sich versöh-nen.
Das Königsein Jesus bedeutet, dass Gott selber ungehindert zu un-serem Heil wirken kann.
Das Königsein Jesu heißt: Gott ist da für uns. Es bedeutet die unge-hinderte Königsherrschaft Gottes zu unserem Heil.

Dann kann aber Verehrung dieses Königs nicht allein im Weihrauch bestehen, den wir ihm zu Ehren verbrennen und nicht in der Krone, die wir ihm auf das Haupt setzen und nicht im Prunkgewand, das wir ihm umlegen – so geraten wir in gefährliche Nähe jener römischen Soldaten, die Jesus im Vorhof des Pilatus auf diese Weise ja auch zum Zerrbild eines Königs gemacht haben.

Unsere Verehrung muss demnach vor allem anderen darin bestehen, dass wir mit dem rechten Verbrecher im heutigen Evangelium beten: „Jesus, denk an mich, wenn du in deiner Macht als König kommst.“ (Lk 23:42)
Jesus als König verehren heißt uns seiner Hirtensorge anzuvertrau-en, diese Sorge über unser Leben herab rufen.
Jesus ist erst dann wirklich unser König, wenn wir ehrlichen Herzens zu ihm sagen: „Sei du unser Hirte und führe uns zum ewigen Leben – jetzt auf dieser Welt und einmal in Ewigkeit.“ Amen!

Freitag, November 16, 2007

Lauft ihnen nicht nach!


Das Evangelium Lukas 21: 5 – 19

5 In jener Zeit als einige darüber sprachen, dass der Tempel mit schönen Steinen und Weihegeschenken geschmückt sei, sagte Jesus:

6 Es wird eine Zeit kommen, da wird von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleiben; alles wird niederge-rissen werden.

7 Sie fragten ihn: Meister, wann wird das geschehen, und an welchem Zeichen wird man erkennen, dass es beginnt?

8 Er antwortete: Gebt Acht, dass man euch nicht irreführt! Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es! und: Die Zeit ist da. - Lauft ihnen nicht nach!

9 Und wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, lasst euch dadurch nicht erschrecken! Denn das muss als Erstes geschehen; aber das Ende kommt noch nicht sofort.

10 Dann sagte er zu ihnen: Ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das andere.

11 Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben; schreckliche Dinge werden geschehen, und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen.

12 Aber bevor das alles geschieht, wird man euch festnehmen und euch verfolgen. Man wird euch um meines Namens willen den Gerichten der Synagogen übergeben, ins Gefängnis werfen und vor Könige und Statthalter bringen.

13 Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können.

14 Nehmt euch fest vor, nicht im Voraus für eure Verteidigung zu sorgen;

15 denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben, so dass alle eure Gegner nicht dagegen ankommen und nichts dagegen sagen können.

16 Sogar eure Eltern und Geschwister, eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern, und manche von euch wird man töten.

17 Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden.

18 Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden.

19 Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.




Die völlige Zerstörung des Tempels, Kriege, Unruhen, Erdbeben, Seuchen, Hungersnöte, persönliche Verfolgung, Zerwürf-nis mit der Familie, Tod – Terrorgeschichten, Kriegsberichte, Schreckensmeldungen – um die zu lesen und zu hören brauche ich nicht in die Kirche zu gehen und das Evangelium anhören; die kann ich auch zu Hause in den Medien serviert bekommen.
Oder Heilsbringer – auch die bietet mir die Werbung haufen-weise.

Doch gibt es im heutigen Evangelium nicht nur Schreckliches zu hören.
Gebt Acht, dass man euch nicht irreführt! Lauft ihnen nicht nach! Lasst euch nicht erschrecken! Nehmt euch fest vor, nicht im Voraus zu sorgen! Ich werde euch Worte und Weisheit geben! Euch wird kein Haar gekrümmt werden!
Das sind Worte wie Sterne am finsteren Himmel. Das ist Frohbotschaft in der Drohbotschaft! Ermutigung in einer bedrohlichen Welt! Wegweisung im Durcheinander.
Das Evangelium will keine Sensationspresse mit negativen Schlagzeilen sein. Es will uns helfen mit dem Bedrohlichen, dem Bösen, dem Verführerischen so umzugehen, dass wir das ewige Leben dabei gewinnen: Das meint der abschließende Satz des Evangeliums: Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.
Jesus will uns durch sein Wort helfen, dass wir gegenüber dem, was uns umwerfen, entwurzeln, irreführen, von ihm wegbringen möchte – dass wir dem gegenüber standhaft blei-ben.
Jesus will durch sein Wort und sein Beispiel ein Wogenbrecher sein in der Springflut des Verderblichen, der ja auch wir Christen ausgesetzt sind. Und er will uns auch zu Wogenbrechern machen!

Wie zum Beispiel Franz Jägerstätter, der jüngst selig gespro-chen wurde. Im Angesicht eines unmenschlichen und gewis-senlosen politischen Systems hat er auf sein Gewissen gehört und den Wehrdienst in einem ungerechten Krieg verweigert.


Es schwillt bereits die Woge an, die dann in den Tagen des Advent visuell und akustisch über uns hereinbrechen wird in dem Vielen, was uns zum Konsum angeboten wird. Über unsere Sinne werden diese Reize in uns eindringen und das Begehren anstacheln. Und das Habenwollen wird dann machtvoll versuchen uns zu willigen Konsumenten zu machen und den Umsatz zu steigern auf möglichst hohes Niveau.
Wie da Wellenbrecher sein?
Durch bewusstes Verweilen in der Stille! Jeden Tag geraume Zeit; soviel wie es mir leicht möglich ist; Gemeinsamkeit kann unter Umständen die Entscheidung für die Stille erleichtern. Dadurch bewusst dem Lärm und dem Aktivismus in uns und um uns herum täglich eine klare Absage erteilen.
Zugleich bewusst werden unserer eigentlichen, wirklichen, wesentlichen Bedürfnisse. Und schließlich Hinwendung und Ausrichtung auf Jesus.
Auf diese Weise zu verstehen geben, dass Jesus unser wahrer Erlöser ist und nicht der Besitz materieller Güter, die sich uns in diesen Tagen im Übermaß anbieten werden.
Sich so auch abwenden von jenen Heilslehrern aus Nah und Fern, die zeitweise oder für immer Jesus als Heiland in den Ruhestand schicken wollen, indem sie uns weismachen, sie oder wir könnten uns selber zeitweise, teilweise oder ganz erlösen und befreien, wenn wir nur ein bestimmtes Programm abwickeln.
So gestärkt durch Jesus sich den Sinn schärfen lassen für das, was in dieser Überfülle für mich oder für andere hilfreich und wertvoll sein könnte.
Mit Jesus, der in seiner Auferstehung die Wogen des Todes gebrochen hat, werden auch wir zu Wellenbrechern in der kommenden Zeit des Advent.
So wird, was von Jesus abdrängen möchte, uns noch mehr mit ihm verbinden. Und wir werden und bleiben bereit für SEIN Kommen!
Und die Worte von St. Pauli aus Röm 8:38f werden sich an uns erfüllen: „Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ Amen!

Mittwoch, November 07, 2007

Ein Gott von Lebenden


Das Evangelium Lukas 20, 27 – 38

27 In jener Zeit kamen einige von den Sadduzäern, die die Auferstehung leugnen, zu Jesus und fragten ihn:

28 Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn ein Mann, der einen Bruder hat, stirbt und eine Frau hinterlässt, ohne Kinder zu haben, dann soll sein Bruder die Frau heiraten und seinem Bruder Nachkommen verschaffen.

29 Nun lebten einmal sieben Brüder. Der erste nahm sich eine Frau, starb aber kinderlos.

30 Da nahm sie der zweite,

31 danach der dritte, und ebenso die anderen bis zum siebten; sie alle hinterließen keine Kinder, als sie starben.

32 Schließlich starb auch die Frau.

33 Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt.

34 Da sagte Jesus zu ihnen: Nur in dieser Welt heiraten die Menschen.

35 Die aber, die Gott für würdig hält, an jener Welt und an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben, werden dann nicht mehr heiraten.

36 Sie können auch nicht mehr sterben, weil sie den Engeln gleich und durch die Auferstehung zu Söhnen Gottes geworden sind.

37 Dass aber die Toten auferstehen, hat schon Mose in der Geschichte vom Dornbusch angedeutet, in der er den Herrn den Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs nennt.

38 Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn sind alle lebendig.




Das Evangelium erzählt uns von Leuten, die die Auferstehung von den Toten leugnen. Sie sind nicht die einzigen, die ein Problem damit haben. Auch bei gläubigen Christen von heute geht der Glaube an die Auferstehung immer mehr zurück. Dafür wächst der Gaube an eine Wiedergeburt.

Das kommt daher, dass sie so sehr in dieser Welt gefangen sind, dass sie sich nicht mehr von ihr lösen können. Sie können sich ein Leben ohne diese Welt und ihre Umstände nicht vorstellen. Sie sind so sehr "eingeweltet", dass sie selbst nach dem Tod immer wieder in diese Welt zurückkommen müssen. Die Welt sind nicht mehr Scheuklappen, sie nimmt ihr Gesichtsfeld ganz gefangen, dass sie darüber hinaus keine andere Welt mehr sehen.

In Lesung und Evangelium hören wir da ganz andere Töne.
In der 1. Lesung sagt der erste der gequälten Brüder: „Du nimmst uns dieses Leben; aber der König der Welt wird uns zu einem neuen, ewigen Leben auferwecken.“ (2Makk 7:9) Der dritte der Brüder antwortet seinen Peinigern: „Vom Himmel habe ich meine Zunge bekommen und wegen seiner Gesetze achte ich nicht auf sie. Von ihm hoffe ich sie wieder zu erlangen.“ (2Makk 7:11) Der vierte schließlich bekennt in den letzten Zügen: „Gott hat uns die Hoffnung gegeben, dass er uns wieder auferweckt. Darauf warten wir gern, wenn wir von Menschenhand sterben.“ (2Makk 7:14)

Es ist unverkennbar: diese Menschen schöpfen aus dem Glauben an die Auferstehung eine enorme Kraft für das Bestehen in ihrer extremen Prüfung. Es ist auch deutlich, dass in der Auferstehung der ganze Mensch mit Leib und Seele gemeint ist. Schließlich wird die Auferstehung als ein Geschenk Gottes betrachtet, das er ihnen wegen ihrer Treue zu seiner Weisung geben wird.

Wir können insgesamt sagen: Diese gequälten Juden hoffen auf ein neues, unvergängliches Leben nach dem Tod. Diese Hoffnung hat ihnen Gott gegeben auf Grund ihrer lebendigen Beziehung zu diesem Gott. Diese lebendige Beziehung drückt sich aus in einer unerschütterlichen Treue zum überlieferten Gebot Gottes.

Diesen Gott gilt es näher anzuschauen. Jesus hilft uns dabei.

Im Evangelium antwortet Jesus den Juden auf ihr konstruiertes Beispiel: „Nur in dieser Welt heiraten die Menschen. Die aber, die Gott für würdig hält, an jener Welt und an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben, werden dann nicht mehr heiraten. Sie können auch nicht mehr sterben, weil sie den Engeln gleich und durch die Auferstehung zu Kindern Gottes geworden sind.“ (Lk 20:34-36)
Jesus sagt wie die Brüder in der Lesung: Es gibt ein ewiges Leben nach dem Tod. Es ist dies ein Geschenk Gottes, das er jenen gibt, die er für würdig hält. Jesus betont dazu noch, dass dieses Leben ganz anders ist als wie hier auf Erden; das meint er, wenn er sagt: „Sie werden den Engeln gleich und zu Kindern Gottes gemacht.“ (Lk 20:36)

Und dann begründet Jesus die Auferstehung von den Toten in Gott selber, in dem er auf die Begegnung hinweist, die Moses mit Gott im brennenden Dornbusch hat; dort stellt sich dieser Gott nämlich vor als der Gott der Väter, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. „Er ist doch kein Gott von Toten sondern von Lebenden; denn für ihn sind alle lebendig.“ (Lk 20:38)

Wir Christen sind in der glücklichen Position, dass wir diesen Worten des Herrn noch unsere Erfahrung mit der Auferstehung Christi anfügen können: Gott hat sich definitiv als der Lebendige erwiesen, indem er Jesus von den Toten auferweckt hat. Damit haben wir Christen und durch uns alle Menschen begründete Hoffnung auf die Auferstehung von den Toten in ein neues unvergängliches Leben.

So können wir abschließend sagen: Unser Glaube an die Auferstehung steht und fällt mit unserer Glauben an den lebendigen Gott.
Der Glaube, dass der Gott Jesu die Quelle eines immer neuen und ewigen Lebens ist führt uns zum Glauben an die Auferstehung von den Toten. Dieser Glaube lässt unser Leben hier auf Erden zu unserem ganz persönlichen und einzigartigen Weg werden hin zum ewigen Leben.
Dieser Glaube führt zu einer Hochschätzung unseres einmaligen Lebensweges, die sich darin ausdrückt, dass wird diesen Lebensweg mit dem Herrn gehen – gemäß seinem Gebot, in der Kraft seines Geistes, indem wir jetzt schon sind, wozu wir in der Auferstehung werden: Kinder Gottes!

Im Glauben an die Auferstehung sind wir, was wir werden, leben wir hier und heute unsere Zukunft. In der Hoffnung öffnen wir uns dieser ewigen Zukunft bei Gott; wir lassen sie ins Heute hereinströmen, damit sie uns jetzt stärkt zum treuen, christlichen Zeugnis. Amen!

Mittwoch, Oktober 31, 2007

Ich muss heut' in deinem Haus zu Gast sein!


Das Evangelium Lukas 19: 1 – 10

1 Dann kam er nach Jericho und ging durch die Stadt.
2 Dort wohnte ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war sehr reich.
3 Er wollte gern sehen, wer dieser Jesus sei, doch die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht; denn er war klein. 4 Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen musste.
5 Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.
6 Da stieg er schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf.
7 Als die Leute das sahen, empörten sie sich und sagten: Er ist bei einem Sünder eingekehrt.
8 Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück.
9 Da sagte Jesus zu ihm: Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist.
10 Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.


Wenn im Evangelium Jesus dem Zachäus begegnet, dann trifft er auf seinesgleichen; nicht dass Jesus ein Sünder gewesen wäre wie Zachäus, der durch sein Fehlverhalten Schuld auf sich geladen hätte. Nicht in diesem Sinn ist Jesus dem Zachäus gleich. Sondern in dem Sinn, dass er wie Zachäus ein Außenseiter ist: Von der führenden Schicht des Volkes abgelehnt und gehasst, von den Leuten um ihn herum und von seinen Jüngern nicht verstanden – eigentlich von niemandem geliebt; denn die Leute wollten Zeichen und Wunder von ihm sehen, die Jünger einen politisch mächtigen Messias. Ihn selber wollte eigentlich niemand – sie wollten alle nur etwas von ihm.

Wie sehr das stimmt, wird sich in Jerusalem erweisen, wohin er ja unterwegs ist, als er durch Jericho wandert. Dort in Jerusalem wird sich die schreckliche Einsamkeit erweisen durch sein Leiden und Sterben vor der Stadt auf einem Pfahl aus Holz, dem Kreuz, das so für uns zum Baum des Lebens wird. Schlimmer konnten sie Jesus nicht als Außenseiter hinhängen.
Die Jünger werden auch zu Außenseitern: sie werden sich nach dem Tod Jesu aus Angst vor den Juden hinter Türen einschließen; und erst als solche werden sie vom auferstandenen Jesus gefunden werden können; solange sie im Mainstream schwammen, waren sie für Jesus unerreichbar.

Nun, so ein Außenseiter ist auch Zachäus. Das kommt schon dadurch zum Ausdruck, dass er allein im Geäst eines Baumes hängt, um dort auf Jesus zu warten. Zachäus ist allerdings durch sein Benehmen als oberster Zollpächter ins Outside geraten. Er hatte die Zollrechte von Jericho gepachtet und ließ die Zölle durch Helfer von seinen Landsleuten einheben; dabei hat er sie arg geschröpft und ist damit reich geworden. Das hat ihm die Abneigung der Leute eingetragen und ihn zum Außenseiter gemacht, zu einem öffentlichen Sünder, der am Heil des Volkes Gottes keinen Anteil mehr hat.
Und doch ist allein schon in seinem Namen Hoffnung enthalten: Denn Zachäus ist eine Abwandlung von Zacharias und das bedeutet: Gott ist eingedenk!
Und dieses Eingedenksein Gottes wird nun in dem Augenblick Wirklichkeit, als Jesus aufblickt, ihn sieht, ihn beim Namen nennt und sich bei ihm einlädt. Dieser Moment wird zum Augenblick der Gnade und die Zuwendung Gottes trifft auf kein verschlossenes Herz.

Dieses Herz war nämlich schon vorbereitet auf diese Gnade durch den Wunsch, Jesus sehen zu wollen.
Stellt euch vor: Ein Mensch in großen Reichtum und dennoch die Sehnsucht in ihm, diesen Jesus sehen zu wollen. Der Reichtum allein hat den Zachäus nicht zufrieden gemacht; es blieb eine Tiefe des Herzens, die hat alles Geld nicht erreichen und ausfüllen können.

Diese unerfüllte Tiefe des Herzens war der Platz, der für die Begegnung mit Jesus reserviert blieb; darum wundert es nicht, dass Zachäus eiligst vom Baume stieg und Jesus freudig bei sich aufnahm.

So wurde auch dem Zachäus das Heil geschenkt; und dass dies keine abstrakte, ideelle Größe war sondern zutiefst wirksam im Herzen des Zachäus, wird durch sein Verhalten deutlich: Die Hälfte seines Besitzes an die Armen und den Betrogenen das Vierfache zurück!
So zeigt sich bei Zachäus die Echtheit seiner Umkehr und seiner Buße.

Wenn in dieser Feier Jesus in seinem Wort und in seinem Brot zu uns kommt, uns beim Namen nennt und sich bei uns einlädt – haben wir dann im Herzen jenen Raum, der es auch uns erlaubt, ihn freudig bei uns aufzunehmen?

Haben wir bei all unserem Reichtum auch jene Sehnsucht nach Jesus, die uns jenen Baum ersteigen lässt, der uns aus dem Mainstream heraushebt und uns kennzeichnet als jene, die wirklich auf Jesus selber neugierig sind und nicht bloß auf etwas von ihm?

Dienstag, Oktober 30, 2007

Euer Lohn im Himmel wird groß sein!


Das Evangelium Matthäus 5: 1 – 12a

1 Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm.
2 Dann begann er zu reden und lehrte sie.
3 Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
4 Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
5 Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.
6 Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.
7 Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
8 Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.
9 Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
10 Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.
11 Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.
12 Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.



Bei der Vorbereitung auf diese Predigt hörte ich den Stundenschlag der nahen Kirchenglocke. Im Nachhören des Glockenklanges kam mir in den Sinn, dass die Heiligen wie solche Glocken sind: Zu bestimmter Zeit schicken sie ihre klingende Botschaft über die Dächer; sie sagen die Zeit an oder rufen zum Gottesdienst oder erinnern an sonst ein bedeutsames Ereignis.

So macht es der Herr ja auch: Zu bestimmten Zeiten läutet er in unserer Kirche die Glocken; das heißt, er erweckt Menschen, dass sie durch ihr Leben eine bestimmte Botschaft verkünden. Diese Botschaft ist eine Verlebendigung des Evangeliums. Die Heiligen leben in besonderer Weise eine Wahrheit aus dem Evangelium und geben damit Antwort auf eine Frage und auf eine Not in unserer Zeit.

Wenn wir so eine Glocke näher anschauen ist der Klöppel in ihr der Heilige und der Glockenmantel die Kirche und die Zeit in der er lebt. Der schöne Klang kommt nun dadurch zustande, dass der Klöppel zum einen fest in der Glocke hängt und mit ihr verbunden ist: So ist auch jeder Heilige in der Kirche und in der Zeit, in der er lebt, fest verankert; diese Verankerung können wir auch eine liebende Verbundenheit nennen.

Auf der anderen Seite hängt der Klöppel aber nicht unbeweglich in der Glocke drinnen; die Glocke kann erst klingen, wenn der Klöppel sich in der Glocke bewegen kann. So sind auch die Heiligen rührige Menschen in der Kirche und in ihrer Zeit.

Das ganze Zusammenspiel von Glocke und Klöppel wird aber erst dadurch zum Glockenspiel, weil es einen Balken gibt, an dem die Glocke hängt und einen Motor, der diesen Balken in Bewegung setzt. So können wir im Gebälk und im Motor Gott erkennen, der Kirche und Welt sicher in seiner Hand hält und sie nach seinem Zeitplan bewegt.
So sind die Heiligen wie der Klöppel in der Glocke fest in Kirche und Welt eingebunden, wissen sich zuletzt aber von Gott gehalten und bewegt.

Diese gläubige Gehaltensein von Gott lässt sie frei in der Glocke schwingen ganz nach dem Rhythmus, in dem Gott die Glocke bewegt. Sie fürchten nicht den Zusammenprall mit dem Erz der Glocke – vielmehr kommt durch diesen Zusammenprall erst der schöne Klang zustande.

So lehrt uns die Glocke, was Heiligkeit bedeutet: Auseinadersetzung mit Kirche und Welt in liebender Verwurzelung in beiden dabei aber gläubig gehalten von Gott und frei bewegt durch seinen Heiligen Geist.

Glocken klingen zumeist aus der Ferne schön – es sei denn die Hausglocke oder eine Kuhglocke, die klingen auch aus nächster Nähe schön.
Steht man beim Läuten im Turm neben einer Glocke so ist das nicht angenehm und man kann das Gehör dabei verlieren. So sind auch Heilige nicht immer angenehme Leute, wenn man mit ihnen zusammenlebt. Allzu oft sind sie eine Überforderung, weil sie eine Nähe zu Gott leben, die ihre Zeitgenossen oft nur schwer aushalten können. Erst aus zeitlicher und räumlicher Distanz werden sie erträglicher; allerdings kann dabei auch die Schärfe ihrer Herausforderung verloren gehen, die sie im Namen Gottes leben sollen.

Gott sei Dank gibt es neben den mächtigen Kirchenglocken die Sterbeglocken, die Haus- und Kuhglocken, das Glockenspiel an manchen öffentlichen Plätzen und schließlich die Glöckchen zu St. Nikolaus und zu Weihnachten – ganz abgesehen einmal von den Glockenblumen mit ihrem stillen Klang auf den Feldern.

Welche Glocke aus dieser großen Auswahl mag wohl ich sein? Welchen Klang soll wohl ich in die Welt hinaus senden? Auch wir sind berufen, im Glockenspiel der Liebe heilig zu werden und zu leben in einer von Gottes Liebe gehaltenen Freiheit.

Freitag, Oktober 26, 2007

Gott, sei mir Sünder gnädig!


 
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 18: 9 – 14

9 In jener Zeit erzählte Jesus einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten, dieses Beispiel:

10 Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.

11 Der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet: Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort.

12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens.

13 Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig!

14 Ich sage euch: Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.


Zwei betende Menschen begegnen uns im Evangelium: Der
Pharisäer und der Zöllner.
Beide verrichten sie ihr Gebet im Tempel, im Haus Gottes.
Beide beginnen ihr Gebet damit, dass sie Gott ansprechen.
Damit finden die Gemeinsamkeiten auch schon ein Ende!

Vertiefen wir uns in das Gebet dieser beiden Menschen.
Es fällt sogleich auf, dass der Pharisäer mehr spricht in seinem Gebet. Der Zöllner ist im Vergleich dazu einsilbig.
Der Pharisäer beginnt wie selbstverständlich mit seinem Gebet. Beim Zöllner hören wir von der Gestimmtheit seines Herzens, von seiner inneren Haltung; sie drückt sich aus in seiner Haltung:
Er bleibt ganz hinten stehen.
Er wagt nicht seine Augen zum Himmel zu erheben.
Er schlägt sich an die Brust – dann erst beginnt er zu beten!
Der Zöllner ist ehrfürchtig; er ist ergriffen von der Größe Gottes; er weiß um seine eigene Armseligkeit. Es ist für ihn alles andere als eine Selbstverständlichkeit, im Tempel zu stehen und zu beten.

Wenn wir den Gebetsverlauf beim Pharisäer verfolgen bemerken wir, dass er wohl mit Gott beginnt – dann aber sogleich das „Ich“ folgt:
Ich danke dir;
ich bin nicht wie die anderen;
ich faste und gebe dem Tempel meinen Beitrag.

Auch der Zöllner beginnt mit Gott: Doch er bleibt bei Gott, indem er fortfährt: Sei du gnädig! Der Zöllner spricht Gott an. Er nimmt Gott als Gesprächspartner ganz ernst.

Beim Pharisäer wird „Gott“ als Einstieg verwendet in eine ausgiebige Betrachtung und Darstellung seiner selbst. Von Gott nennt er nur den Namen sagt weiters aber nichts von ihm sonder spricht gleich von sich selber.
Der Zöllner hingegen nennt den Namen Gottes und spricht auch von ihm – nicht irgendetwas sondern Wesentliches: Sei gnädig! Das ist Wichtig für ihn selber und für jeden Menschen. Von sich selber sagt er nichts – außer dass er ein Sünder ist!

Der verbalen Selbstdarstellung des Pharisäers steht die Anrufung des gnädigen Gottes beim Zöllner gegenüber.
Der Pharisäer vergisst ob seiner guten Taten auf Gott.
Der Zöllner weiß, dass er ob seiner Sünden der Gnade Gottes bedarf.

Es ist also kein Wunder, dass der Zöllner als Gerechter nach Hause geht!

Nun möchte man meinen, man dürfe sich nicht seiner guten Taten erfreuen. Mitnichten – wie uns die 2. Lesung zeigt.
Dort rühmt sich auch einer – Paulus selber, indem er schreibt: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten.“ (2Tim 4:7) Ist Paulus etwa auch der Gefahr des Pharisäers erlegen, über seinen Leistungen auf Gott zu vergessen? Keineswegs! Denn er fügt gleich an: „Aber der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft, damit durch mich die Verkündigung vollendet wird und alle Heiden sie hören; und so wurde ich dem Rachen des Löwen entrissen.“ (2Tim 4:17). Wir sehen also, Paulus weiß wem er seine guten Taten verdankt. Die Schilderung seines Wirkens mündet in eine Verkündigung des gütigen Beistandes des Herrn.

Das Gebet des Pharisäers versumpft in Selbstherrlichkeit.
Das Gebet des Zöllners führt aus seinem Sündersein das Gebet des Paulus aus seinem erfüllten Leben zum dankbaren Lobpreis der Güte Gottes.

Mögen auch wir bei unserem Beten nie vergessen, wem wir uns verdanken und dass wir dem Herrn gehören – ob wir nun leben oder sterben! Amen!

Samstag, Oktober 20, 2007

Allezeit beten!


 
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 18: 1 – 8

1 In jener Zeit sagte Jesus ihnen durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten:
2 In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm.
3 In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Feind!
4 Lange wollte er nichts davon wissen. Dann aber sagte er sich: Ich fürchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht;
5 trotzdem will ich dieser Witwe zu ihrem Recht verhelfen, denn sie lässt mich nicht in Ruhe. Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mich ins Gesicht.
6 Und der Herr fügte hinzu: Bedenkt, was der ungerechte Richter sagt.
7 Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern zögern?
8 Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben vorfinden?


Der Richter im Gleichnis fürchtet zwar Gott nicht und nimmt auf keinen Menschen Rücksicht. Dafür nimmt er auf sich selber umso mehr Rücksicht: Er will endlich Ruhe haben von einer lästigen Frau, die immer wieder zu ihm kommt und um seinen Rechtsbeistand bittet. Ja, Gott fürchtet er zwar nicht – aber diese Frau sehr wohl: sie könnte eines Tages kommen und ihm eine Ohrfeige geben!
Die Haltung dieser Frau will Jesus als Beispiel hervorheben: Ihr unablässiges, aufdringliches Bitten in einem bestimmten Anliegen sollen sich seine Jünger abschauen für ihr Beten zu Gott. Sie sollen allezeit beten, das heißt mit anderen Worten: im Beten nicht nachlassen!
Die Frau verfolgt mit ihrem beharrlichen Bitten die Befreiung von einer konkreten Not ihres alltäglichen Lebens.
Sie bittet im Richter einen Menschen, der sie nicht liebt, dem sie im Grunde egal ist. Und ihr lästiges Bitten hat Erfolg, weil auch der Richter an sich denkt und seine Ruhe haben will!

Wenn die Jünger hingegen zu Gott beten, dann ist dieser Gott einer, der sie in seiner Liebe auserwählt hat. Diese Auserwählung kommt dadurch zum Ausdruck, dass Gott ihnen seinen Sohn, den Menschensohn schickt, damit er ihnen gleichsam die übergroße Liebe Gottes bringe. Aber wird dieser Sohn Gottes Glauben finden auf Erden, wenn er kommt? Mit dieser Frage endet das Evangelium. Zugleich ist damit gesagt, worauf das unablässige Beten seiner Jünger gründet: Auf dem Glauben! Es ist also nicht die Not, die beten lehrt sondern der Glaube!

In diesem Gleichnis sagt Jesus uns, dass zum einen das konkrete Alltagsleben mit seinen kleinen und großen Bedürfnissen Inhalt unseres Betens sein möge.

Zum anderen legt uns der Herr durch den Sonntag der Weltkirche nahe, dass auch Bedürfnisse anderer Inhalt unseres Betens sein dürfen und müssen: Ich meine das Bedürfnis aller Menschen nach der Liebe Gottes! Und dass ihnen dieses Bedürfnis gestillt werde durch die Verkündigung des Evangeliums in Wort und Tat. Auch Jesus selber hat dieses Bedürfnis und teilt es seinen Jüngern mit im Sendungsauftrag: „Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern, tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28, 19-20). Was liegt näher, als dass auch seine Jünger von diesem Bedürfnis erfüllt und getrieben werden?

Es ist die Liebe Jesu zu uns und unsere Liebe zu Jesus, die uns die Dringlichkeit dieses Auftrages erkennen und leben lässt. Es ist diese Liebe, die uns in diesem Anliegen allzeit beten lässt. Es ist die Liebe, die uns das Herz und die Augen öffnet für unseren Sendungsauftrag, das Evangelium in Tat und Wort zu verkünden, zu bezeugen, zu leben!

Diese Liebe möchte uns aufwecken für die Menschen, die von uns mit Recht die Frohbotschaft des Evangeliums erwarten können. Sie möchte uns ebenso aufwecken für die Mittel und Möglichkeiten, die wir haben, um das Evangelium zu den Menschen zu bringen. Diese Liebe möchte unsere Phantasie im Einsatz unserer Kräfte und Mittel in diesem Anliegen neu beleben.

Diese Liebe lässt uns auch großzügig die Gelegenheit wahrnehmen, für unsere Karmelmission einen finanziellen Beitrag zu leisten. Sowohl die Kollekte bei der hl. Messe als auch euer Beitrag in den rückwärtigen Opferstöcken kommt bestimmten Projekten in Indien, Sibirien und in Südamerika zugute. Um welche Projekte es sich dabei genau handelt lest bitte in den rückwärts aufliegenden Infoheftchen.

So beten wir: Gott, du willst, dass deine Kirche ein Zeichen des Heils unter den Völkern sei und das Werk Christi bis zum Ende der Zeiten fortführe. Erwecke in allen, die glauben, die wache Sorge für das Heil der Menschen, damit aus allen Völkern ein heiliges Volk wird. Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn! Amen!

Mittwoch, Oktober 03, 2007

Glaube, so klein wie ein Senfkorn


 
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 17: 5 – 10

5 In jener Zeit baten die Apostel den Herrn: Stärke unseren Glauben!
6 Der Herr erwiderte: Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn, würdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden, und verpflanz dich ins Meer! und er würde euch gehorchen.

7 Wenn einer von euch einen Sklaven hat, der pflügt oder das Vieh hütet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Nimm gleich Platz zum Essen?
8 Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, gürte dich, und bediene mich; wenn ich gegessen und getrunken habe, kannst auch du essen und trinken.
9 Bedankt er sich etwa bei dem Sklaven, weil er getan hat, was ihm befohlen wurde?
10 So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.





Wie gut können wir den Propheten Habakuk verstehen, wenn er klagt: „Warum lässt du mich die Macht des Bösen erleben und siehst der Unterdrückung zu?“ (Hab 1:3a) Wie sehr passt doch diese Klage auch in unsere Zeit. Wie sehr erleben nicht auch wir, wie das Böse in unserer Welt wuchert: „Wohin wir blicken, sehen wir Gewalt und Misshandlung, erhebt sich Zwietracht und Streit!“ (Hab 1:3b) Wenn wir in die nahen und fernen Krisenherde unserer Welt schauen; wenn wir in unsere Kirche blicken; wenn wir an unser Land, an unsere Politiker, an unsere Gemeinde, ja sogar an unsere eigenen Familien denken – können wir mit Recht diese Worte des Propheten Habakuk in unseren Mund nehmen.

Und genauso wie den Propheten können dann auch uns Zweifel befallen an der Allmacht Gottes und an seiner Liebe zu uns Menschen.

Die Klage des Propheten will uns anregen, unsere Klagen vor Gott auszusprechen. Nichts macht seinen Glauben an Gott deutlicher als dass er gerade in seinem Zweifeln und Fragen auf Gott hingewendet und mit ihm im Gespräch bleibt. Dieses Klagen bedeutet ein Ernstnehmen Gottes als Gegenüber inmitten aller Zweifel an eben diesem Gott.
Der Prophet kündigt angesichts des übermächtigen Bösen in der Welt seine Gemeinschaft mit Gott nicht auf. Er zieht sich nicht stillschweigend und resignierend aus dieser Gemeinschaft mit Gott zurück.

Habakuk möge uns durch sein Verhalten anregen, sensibel zu bleiben für das Böse und das Übel um uns. Wir sind ja versucht abzustumpfen dagegen weil es uns durch die Medien geradezu überschwemmt. Und wir tun das gewiss auch aus einem Bedürfnis des Selbstschutzes heraus.
Nur frage ich mich, ob da ein Weniger an Konsum des Negativen nicht besser wäre zugunsten eines Mehr an zumutbarer Sensibilität und Bereitschaft mit zu leiden. Da ist gewiss etwas zu ändern durch gezielten Umgang mit der Aufnahme von Nachrichten aus Fernsehen, Radio und Zeitung.

Habakuk will uns auch ermutigen, mit unserem Kummer nicht bei uns allein zu bleiben; uns nicht zu verschließen sondern diese Sorgen betend vor Gott hin zu tragen und so Gott teilhaben zu lassen am Leid unseres Lebens.
Wir tun das ja im Gespräch mit anderen Menschen: Wir lassen unserem Unmut über verschiedene Missstände unserer Zeit freien Lauf und schimpfen einmal so richtig über das, was uns ärgert und Leid bereitet. Und wer von uns fühlt sich dann nicht leichter und wohler ums Herz!?

Wenn das aber unter uns Menschen schon so gut tut, wie wohl muss das erst tun, wenn wir uns an Gott wenden und unser Herz vor ihm ausschütten?
Aber da fehlt uns oft jener Glaube, der uns Gott gegenüber treu sein lässt. Da ist uns Gott bei weitem nicht mehr so wirklich nahe, wie es die Menschen sind. Wir können die Spannung nicht aushalten zwischen einem guten, liebenden Schöpfer- und Erhaltergott und dem vielfältigen Bösen in unserer Welt. Wir weichen lieber aus in eine stille, uneingestandene Gottlosigkeit, ohne Spannung, scheinbar klar und eindeutig – aber einsam und allein gegenüber den Mächten des Bösen.
„Der Gerechte aber bleibt wegen seiner Treue am Leben,“ (Hab 2:4b) lässt Gott uns durch seinen Propheten ausrichten.

Den Weg zu diesem Leben weist uns der Apostel in
2 Tim 1:6f: „Entfache die Gnade Gottes wieder, ... die dir zuteil geworden ist. Gott hat uns nicht den Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Besonnenheit und der Liebe.“
Uns allen wurde die Gnade des Glaubens geschenkt als wir getauft wurden. Im Geist der Kraft, der Besonnenheit und der Liebe wollen wir aus dieser Glaubensgnade leben; sie mag zwar klein sein wie ein Senfkorn birgt aber jene Kraft, die die Welt verändert.

Wir wollen beten: Gott, im Vertrauen auf dich hat Jesus die Welt verändert. Lass uns wachsen im Glauben und im Vertrauen auf deinen Beistand. Durch Christus, unsern Herrn! Amen!

Samstag, September 29, 2007

Vor der Tür des Reichen aber ...


 
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 16:19-31

19 Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag herrlich und in Freuden lebte.
20 Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war.
21 Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Stattdessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren.
22 Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben.
23 In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Lazarus in seinem Schoß.
24 Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir, und schick Lazarus zu mir; er soll wenigstens die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer.
25 Abraham erwiderte: Mein Kind, denk daran, dass du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er dafür getröstet, du aber musst leiden.
26 Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund, so dass niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte.
27 Da sagte der Reiche: Dann bitte ich dich, Vater, schick ihn in das Haus meines Vaters!
28 Denn ich habe noch fünf Brüder. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen.
29 Abraham aber sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören.
30 Er erwiderte: Nein, Vater Abraham, nur wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren.
31 Darauf sagte Abraham: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.

Predigt I

Nicht, dass er in Purpur und feines Leinen gekleidet war und Tag für Tag herrlich und in Freuden lebte, setzt den reichen Mann ins Unrecht sondern dass er den armen Lazarus vor seiner Haustüre nicht gesehen und seinen Reichtum nicht mit ihm geteilt hat. Nicht einmal die Abfälle von den Speisen hat er ihm zu essen gegeben.
Diese völlig fehlende Solidarität mit dem Armen vor seiner Haustüre wird ihm schließlich zum Verhängnis.
Die krasse Gegenüberstellung in der Geschichte Jesu führt mich zu einem Gegenbeispiel, das an Deutlichkeit ebenfalls nichts zu wünschen übrig lässt.

Mein Gegenbeispiel nehme ich aus dem Leben der hl. Therese vom Kinde Jesu, der zu Ehren wir heute ein Triduum beginnen. In gewissen Hinsichten ist sie mit dem reichen Mann im Evangelium zu vergleichen; freilich bestand ihr Reichtum nicht in materiellen Gütern sondern in den Gaben des Geistes, die der Herr überreich in ihr Herz ausgegossen hat. Eine davon ist die Gabe des Glaubens. In ihrer Autobiographie schreibt sie auf Seite 137: „ Ich erfreute mich damals eines so lebendigen, so klaren Glaubens, dass der Gedanke an den Himmel mein ganzes Glück ausmachte, ich konnte mir nicht vorstellen, dass es Gottlose gäbe, die keinen Glauben haben. Ich meinte, sie sprächen gegen ihre bessere Erkenntnis, wenn sie die Existenz des Himmels leugneten, des schönen Himmels, wo Gott Selbst ihr ewiger Lohn sein möchte.“
Nun lässt es Gott zu, dass ihr diese Freude am Glauben genommen wird und sie erfährt existentiell, dass es das gibt: Durch Missbrauch der Gnaden diesen Schatz zu verlieren und so keinen Glauben zu haben! Dichteste Finsternisse drangen in ihre Seele ein und der ihr so süße Gedanke an den Himmel war bloß noch Anlass zu Kampf und Qual. Gerne wollte sie ausdrücken, was sie fühlte, aber es ist ihr unmöglich. „Man muss durch diesen dunkeln Tunnel gewandert sein, um zu wissen, wie finster er ist.“
Wie verhält sich Therese wie entscheidet sie sich?
Sie bittet um Verzeihung für ihre Brüder, sie ist bereit, das Brot der Schmerzen zu essen, solange der Herr es will; sie will sich von diesem mit Bitternis beladenen Tisch, an dem die armen Sünder essen, nicht mehr erheben vor dem durch den Herrn bezeichneten Tag. Und dann fügt sie an: „O Jesus, wenn es nötig ist, dass der von ihnen besudelte Tisch durch eine dich liebende Seele gereinigt werde, so will ich gern das Brot der Prüfung einsam essen, bis es dir gefällt, mich in dein lichtes Reich einzuführen. Die einzige Gnade, die ich von dir erbitte, ist, dich nie zu beleidigen!“ Therese stellt sich ganz auf die Seite derer, die nicht glauben können und ist bereit, alles dafür zu geben, dass sie zum Glauben kommen. Obwohl sie nicht den Genuss des Glaubens verkostet, bemüht sie sich dennoch, dessen Werke zu tun

Der Herr hat den Tisch ihres Lebens zudem mit geistlicher Erfahrung reichlich gedeckt. Und auch in dieser Hinsicht findet sie den armen Lazarus vor ihrer Haustüre in den Novizinnen, die ihr als Gehilfin der Novizenmeisterin vom Februar 1893 an bis zu ihrem Tode (am 30.9.1897) anvertraut waren. Sie hatte viel gelernt, indem ich andere unterwies. Zunächst sah sie, dass alle Novizinnen ungefähr die gleichen Kämpfe haben, aber anderseits doch sehr verschieden sind. Darum sieht sie wie unmöglich es ist, sich gegen alle gleich zu verhalten.
Bei einigen fühlte sie, dass sie sich klein machen musste, die Verdemütigung nicht scheuen durfte, ihnen ihre eigenen Kämpfe und Niederlagen zu bekennen; sehen sie bei ihr die gleichen Schwächen wie bei sich selbst, dann gestehen ihr ihre kleinen Schwestern auch ihrerseits die Fehler ein, die sie sich vorwerfen, und freuen sich, dass Therese sie aus eigener Erfahrung versteht.
Bei andern musste sie im Gegenteil große Festigkeit beweisen, wenn sie sie fördern will, und darf nie auf etwas Gesagtes zurückkommen. Sich erniedrigen wäre hier keineswegs Demut, sondern Schwäche. Gott hat ihr die Gnade verliehen, den Kampf nicht zu fürchten und um jeden Preis ihre Pflicht zu tun. Mehr als einmal bekam sie zu hören: — «Wenn Sie bei mir etwas erreichen wollen, so müssen Sie mich mit Güte anfassen; mit Gewalt wird es Ihnen nicht gelingen.» Therese weiß, dass niemand in eigener Sache ein guter Richter ist, und dass ein Kind, das vom Arzt einer schmerzhaften Operation unterzogen wird, unfehlbar laut schreit und behauptet, das Heilmittel sei schlimmer als das Übel; ist es jedoch nach einigen Tagen wieder gesund, so ist es ganz glücklich, erneut spielen und springen zu können. So verhält es sich auch mit ihren Novizinnen, sie sehen bald ein, dass oft ein wenig Bitterkeit dem Zucker vorzuziehen ist, und scheuen sich nicht, dies einzugestehen. Mitunter muss sie innerlich lächeln, wenn sie beobachte, welche Wandlung sich von einem Tag auf den andern vollzieht. (vgl. S 155f)

Therese hat sich so gegenüber ihren Novizinnen verhalten weil sie gegenüber allen Schwestern ein geistliches Festmahl aus freundlicher und fröhlicher Liebe bereiten wollte. „Ich kenne jedenfalls kein anderes und will den Hl. Paulus nachahmen, der sich mit jenen freute, die er in der Freude begegnete; freilich weinte er auch mit den Betrübten, und so sollen denn manchmal auch Tränen fließen bei dem Gastmahl, das ich geben will, stets aber will ich mich bemühen, dass zum Schluss diese Tränen sich in Freude wandeln, da der Herr fröhliche Geber liebt.“ (S. 160)
Auch hierfür eines von zahlreichen Beispielen:“ Ich entsinne mich eines Liebesdienstes, den mir der Liebe Gott eingab, als ich noch Novizin war; es war eine geringfügige Sache, doch unser Vater, der ins Verborgene sieht, der mehr auf die Absicht als auf die Größe der Leistung blickt, hat mich bereits dafür belohnt, ohne das andere Leben abzuwarten. Es war zurzeit, als Schw. St Pierre noch in den Chor und ins Refektorium ging. Bei der Abendbetrachtung hatte sie ihren Platz vor mir: 10 Minuten vor 6 Uhr musste eine Schwester sich Zeit nehmen, sie ins Refektorium zu führen, denn die Krankenschwestern hatten damals zu viele Kranke, um sie abholen zu können. Es kostete mich viel, mich für diese kleine Dienstleistung anzubieten, denn ich wusste, es war nicht leicht, diese arme Schwester St. Pierre zufrieden zu stellen, die so sehr litt, dass sie nicht gern die Begleiterin wechselte. Ich wollte jedoch eine so schöne Gelegenheit, die Liebe zu üben, nicht versäumen, in Erinnerung an das Wort Jesu: Was ihr dem geringsten der Meinen tut, das habt ihr mir getan. Ich bot mich also recht demütig an, sie zu führen: nicht ohne Mühe erreichte ich, dass meine Dienste angenommen wurden! Endlich ging ich ans Werk, und ich war so guten Willens, dass ich vollen Erfolg hatte.
Jeden Abend, wenn ich meine Schw. St Pierre ihre Sanduhr schütteln sah, wusste ich, dass dies heißen sollte: auf den Weg! Es ist unglaublich, was es mich, besonders im Anfang, kostete, aufzubrechen; ich ging jedoch augenblicklich, und dann begann eine ganze Zeremonie. Zunächst hieß es, die Bank auf eine bestimmte Art wegzurücken und fort zu tragen, vor allem ohne zu drängen, dann folgte der Spaziergang. Man musste hinter der armen Kranken hergehen und sie dabei am Gürtel festhalten, ich tat es so behutsam wie nur möglich; aber machte sie unseliger Weise einen Fehltritt, dann schien ihr gleich, ich hielte sie schlecht, und sie würde fallen. - Ach! mein Gott! Sie gehn viel zu schnell, ich werd' mir die Knochen brechen.» Versuchte ich dann, noch langsamer zu gehen — «So kommens' doch! Ich spür' Ihre Hand nimmer, Sie hab'n mich losg'lassen, ich fall' um! Ach! Ich hab's ja gleich g'sagt, dass Sie zu jung sind, um mich zu führen.» Schließlich gelangten wir ohne Unfall ins Refektorium; dort ergaben sich neue Schwierigkeiten, es galt Sr. St. Pierre hinzusetzen und sich geschickt anzustellen, um sie nicht zu verletzen, darauf musste man ihr die Ärmel zurückschlagen (wieder auf eine bestimmte Art), dann durfte ich gehen. Mit ihren armen verkrüppelten Händen brockte sie das Brot in ihren Napf, so gut sie es konnte. Das bemerkte ich bald, und jeden Abend verließ ich sie erst wenn ich ihr auch noch diesen kleinen Dienst erwiesen hatte. Da sie mich nicht darum gebeten hatte, war sie über meine Aufmerksamkeit sehr gerührt und durch dieses nicht eigens gesuchte Mittel gewann ich vollends ihre Gunst und vor allem (ich erfuhr es erst später) weil ich, nachdem ich das Brot geschnitten hatte, vor dem Weggehen für sie mein schönstes Lächeln aufsetzte.“ (S. 160f.)

So wollen wir uns für das Vorbild der Therese entscheiden und in den Freuden unseres Lebens den Lazarus vor unserer Haustüre aufsuchen; wir wollen ihn lieben, ihn in unser Haus bitten und unsere Güter und Freuden mit ihm teilen. Auf diese Weise werden wir zum freudenvollen Leben hier auf Erden dort im Himmel das Leben in Abrahams Schoß dazu gewinnen. Amen!


Predigt II
Die Geschichte vom Reichen und dem Armen vor seiner Tür zeigt damals wie heute eine soziale Wirklichkeit überdeutlich auf: dass nämlich großer Reichtum auf der einen Seite äußerster Armut auf der anderen gegenübersteht und dass die Kluft zwischen beidem unüberwindlich erscheint und zunimmt.
Dem Verlangen des Armen zumindest nach den Tischresten des Reichen steht dessen völlige Ignoranz des Armen gegenüber.
Wir finden diese Situation heute auf internationaler, auf nationaler und auf individueller Ebene wieder. Wo finden wir uns wieder? Im reichen Mann? Im Lazarus? Haben auch wir Verlangen nach den Essenresten der Reichen? Oder müssen wir uns vorwerfen, dass wir den Armen vor unserer Haustüre ignorieren?

Bei all seinem Überfluss hat der Reiche in der Geschichte doch einen Mangel: Er ist namenlos. Der Arme hat einen Namen: Er heißt Lazarus. Dieser Name kommt aus dem Hebräischen und bedeutet: Gott hat geholfen! Mit Gott kommt der in den Blick, dem der Zustand des Armen nicht gleichgültig ist! In der Geschichte freilich erweist er seine Hilfe erst nach dem Tod des Lazarus, indem er ihn in den Schoß Abrahams legt. Der Reiche hingegen muss qualvoll in der Unterwelt leiden.

Jesus ruft auf diese Weise folgende Wahrheiten in Erinnerung: Mit dem Tod ist nicht alles aus! Es gibt vielmehr ein Weiterleben nach dem Tod. Und wie dieses verläuft hängt ab vom Leben vor dem Tod. Für das Tun und Lassen in diesem irdischen Leben heißt es Rechenschaft ablegen und Verantwortung tragen nach dem Tode. Was nun nach dem Tode geschieht hängt in der Geschichte ganz davon ab, wie mit den materiellen Gütern umgegangen wird und ob sie verwendet werden, um damit Armen Gutes zu tun. Es ist bezeichnend, dass von keiner religiösen Übung die Rede ist.
In der Geschichte wartet Gott mit der Hilfe für Lazarus bis nach dessen Tod, wie auch der reiche Mann die Folgen für sein Verhalten erst nach dem Tode erleben muss. Die Geschichte will uns ganz darauf konzentrieren, wie wir mit unserem Reichtum, ja, mit unserem Überfluss umgehen und ob wir den Armen vor unserer Türe beachten und wie wir ihm helfen. So kann diese Geschichte bei uns dann greifen, wenn wir an ein Weiterleben nach dem Tode glauben und uns bewusst ist, dass unser Tun und Lassen Folgen hat – auch für uns selber.

Gott hat uns in den Heiligen Beispiele geschenkt, die uns helfen wollen zu einem heilsamen Umgang mit unseren Gütern. Letzte Woche feierten wir so ein Vorbild im hl. Vinzenz von Paul. Und ein weiteres werden wir am 1. Oktober feiern in unserer hl. Therese vom Kinde Jesu. Zur Erinnerung an sie haben wir gestern eine Dreitagefeier begonnen.

Auch sie hat dieses Teilen vorbildlich gelebt in ihrer Solidarität mit Leidenden, im Teilen ihrer geistlichen Gaben mit ihren Schwestern und in ihrer umsichtigen und zuvorkommenden Liebe ihnen gegenüber.

Als Therese etwa ihre Freude am Glauben genommen wurde hat sie sich dagegen nicht gesträubt sondern sich mit denen vereint, die nicht glauben konnten, weil sie diese Gabe aus eigener Schuld verloren hatten. Mit ihnen wollte sie solange das bittere Brot der Schmerzen essen und solange an diesem Tisch der Bitternis sitzen bleiben, wie Jesus wollte.
Den Novizinnen, die ihrer Begleitung anvertraut waren, hat sie nach Bedarf und mit Bedacht so ihre Erfahrung mitgeteilt, dass sie reichlich Nutzen daraus ziehen konnten.
Und galt es, Mitschwestern ein Festmahl freundlicher und fröhlicher Liebe zu bereiten, so musste auch sie sich dazu überwinden; aber dann half sie mit solcher Herzlichkeit, Rücksichtnahme und zuvorkommender Hilfsbereitschaft, dass sie den betreffenden Schwestern einen Vorgeschmack auf Abrahams Schoß bereiten konnte.
So hat Therese jene Macht der Liebe Gottes gelebt, die sich vor allem im Erbarmen und im Verschonen zeigt.
Dieser Macht wollen auch wir uns öffnen, damit sie durch uns lebe und wir in ihr Leben in Fülle haben. Amen!