Mittwoch, Januar 31, 2007

Menschenfischer



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 5: 1 – 11

1 Als Jesus am Ufer des Sees Gennesaret stand, drängte sich das Volk um ihn und wollte das Wort Gottes hören.
2 Da sah er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze.
3 Jesus stieg in das Boot, das dem Simon gehörte und bat ihn, ein Stück weit vom Land wegzufahren. Dann setzte er sich und lehrte das Volk vom Boot aus.
4 Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus!
5 Simon antwortete ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen.
6 Das taten sie, und sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten.
7 Deshalb winkten sie ihren Gefährten im anderen Boot, sie sollten kommen und ihnen helfen. Sie kamen, und gemeinsam füllten sie beide Boote bis zum Rand, so dass sie fast untergingen.
8 Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder.
9 Denn er und alle seine Begleiter waren erstaunt und erschrocken, weil sie so viele Fische gefangen hatten;
10 ebenso ging es Jakobus und Johannes, den Söhnen des Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten. Da sagte Jesus zu Simon: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen.
11 Und sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten ihm nach.



Es gibt Begegnungen, die ein Leben völlig verändern, die es auf den Kopf stellen und ihm eine völlig neue Richtung, einen völlig neuen Inhalt geben. Die Begegnung der Fischer am See mit Jesus ist eine solche.
Keiner von diesen Männern hätte sich in der Frühe dieses Tages geträumt, dass er am Abend nicht mehr nach Hause kommen und den Tag im Kreis seiner Familie und Freunde beschließen werde.
Gott fügt solche Begegnungen im Leben von Menschen, die er zu einer Aufgabe berufen hat.
Die Männer des heutigen Evangeliums hat er berufen, mit Jesus zu leben, damit sie von ihm lernen und dann jene Gemeinschaft mit Jesus aufbauen, die wir heute Kirche nennen.

Vielleicht scheuen wir die Begegnung mit Jesus deshalb, weil wir Angst haben, es könnte uns ähnlich gehen wie den Jüngern: Dass unser Leben in einer Form geändert wird, die wir eigentlich nicht möchten. Wir möchten den heutigen Tag, wie gewohnt und wie geplant in unseren vier Wänden zu Hause beschließen. Diese Sorge ist verständlich doch soll sie uns nicht hindern, Jesus offen zu begegnen. Denn die Begegnung mit Jesus kann uns ja auch in der Weise verändern, dass wir den Lebensweg, auf dem wir gerade gehen in einer neuen Tiefe, in einem neunen Reichtum erkennen dürfen; dass Jesus uns das Leben, das wir bisher geführt haben, auf eine neue Weise leben lässt: im Hinblick auf unsere Beziehungen, auf unseren Beruf, auf unsere Umwelt.

Es ist für uns immer nur ein Gewinn, wenn wir unser Leben, so wie es ist, dem Herrn öffnen; wenn wir den Herrn in unser aktuelles Leben hereinlassen; wenn wir dem Herrn unser Leben anvertrauen.

Das tun wir, wenn wir auf seine Stimme hören und wenn wir uns ermutigen, auf sein Wort hin zu handeln. Das haben ja auch die Männer des heutigen Evangeliums getan – und welchen Reichtum hat ihnen das beschert – zuerst den großartigen Fischfang und dann die bleibende Gemeinschaft mit Jesus.

Wir dürfen fest darauf vertrauen, dass Jesus von uns nichts Unmenschliches verlangt, er, der ja gekommen ist, uns Menschen den Reichtum Gottes zu schenken.
Er kennt unsere Armut und er weiß, was wir brauchen.
Er, der ganz Mensch geworden ist wie wir, weiß um unsere Versuchungen und kennt die Kraft, die wir brauchen, um bestehen zu können.
Er kennt unsere Abhängigkeiten und weiß den Weg in die Freiheit.
Er versteht unsere Wunden und will sie heilen.

So gilt das „Fürchte dich nicht!“ Jesu auch uns:
Fürchte dich nicht, mir zu begegnen, denn ich zeige dir den Weg zu einem neuen Leben und ich gebe dir die Kraft, diesen Weg zu gehen; ich bin die Kraft, denn ich gehe diesen Weg mit dir.
Fürchte dich nicht vor dem neuen Menschen, den ich dir schenken will, denn er gehört zur Sehnsucht deines Herzens, da er nach dem Plan Gottes ist.
Fürchte dich nicht, mir zu folgen, denn in der Gemeinschaft mit mir bekommt dein Leben jene Fruchtbarkeit, die von Gott kommt und die ein wahres Geschenk ist für die Menschen, die mit dir sind und für die Welt, in der du lebst.

Mühe dich von jetzt ab nicht mehr alleine sondern lass die Gnade Gottes in dir wirken und erfülle so den Auftrag, den auch die Jünger im heutigen Evangelium bekommen haben: Menschen zu fischen; das heißt: Menschen für Gott zu gewinnen; das heißt: sein Reich, die Kirche aufzubauen – in deinen Freundschaften, in deiner Ehe, in deiner Familie, auf deinem Arbeitsplatz, in der Welt, in der du lebst.

Wenn also Gott fragt: Wen soll ich senden? Wer wird für uns gehen?
Dann antworte du: Hier bin ich sende mich! Ich will für Gott gehen! Jesus gibt dir die Kraft dazu – hier und heute!

Freitag, Januar 26, 2007

Der springende Punkt



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 4: 21 – 30

21 Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.
22 Seine Rede fand bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete, und sagten: Ist das nicht der Sohn Josefs? 23 Da entgegnete er ihnen: Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! Wenn du in Kafarnaum so große Dinge getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier in deiner Heimat!
24 Und er setzte hinzu: Amen, das sage ich euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt.
25 Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam.
26 Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon.
27 Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman.
28 Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut.
29 Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen.
30 Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg.



Im Rahmen seiner „Primiz“ erlebt Jesus innerhalb kürzester Zeit Höhen und Tiefen eines Predigers: Seine Rede findet zuerst bei allen Beifall; sie staunen darüber, wie begnadet er redete. (Lk 4,22)
Und dann am Ende seines Predigtdienstes rasten sie aus: als sie hörten, was er ihnen sagte, gerieten sie alle in Wut. Sie sprangen auf uns trieben ihn zur Stadt hinaus; dort wollten sie ihn einen Abhang hinabstürzen. (Lk 4,28)

Wie ist dieser Umschwung in der Gunst seiner Zuhörer zu verstehen? Was hat Jesus falsch gemacht? Er hat doch nur etwas getan, was bei den Leuten normalerweise doch ankam: er hat Geschichten erzählt: Von Elias und der Witwe und von Elischa und dem Syrer Naaman.
Allerdings hat er diese Geschichten aktualisiert, das heißt: in seine Gegenwart herübergeholt. Er hat den Leuten gesagt: So wie diese beiden Propheten von ihren Leuten nicht gehört und anerkannt wurden – so werde auch er von seinen Zuhörern verkannt.
So wie sich damals die Leute verschlossen haben für die Botschaft, die Gott ihnen durch seine Propheten ausrichten wollte – so werden sich seine Zuhörer seinen Worten verschließen, die Gott durch ihn ausrichten möchte.
Das sind gleich mehrere dicke Brocken, die Jesus den Leuten seiner Heimat serviert:
Zum einen unterstellt er ihnen Schwerhörigkeit oder gar Taubheit der Botschaft Gottes gegenüber
zum anderen stellt sich Jesus in die Reihe der Propheten und gibt so seinen Leuten zu verstehen, dass er mehr ist als bloß der Sohn Josephs und
zum Dritten macht er sie darauf aufmerksam, dass Gott ein Herz hat nicht nur für sein auserwähltes Volk sondern auch für die Menschen außerhalb dieses Volkes: für die Heiden.

Die Predigt Jesu muss für seine Leute wie eine kalte Dusche gewirkt haben, denn er hinterfragt ihr religiöses Selbstverständnis; er stellt zudem ihr Gottesbild in Frage und schließlich maßt sich Jesus einen Einfluss an auf ihre religiöses Leben. Das alles muss man erst einmal verdauen. Und es ist menschlich gesehen die Reaktion seiner Zuhörer nur allzu verständlich.

Mit diesen Ereignissen um seine Person zeichnet sich bereits sein Lebensschicksal ab von anfänglicher begeisterter Akzeptanz bis hin zur Ablehnung in seinem Tod am Kreuz. Das heutige Evangelium ist wie ein Präludium, in dem die wesentlichen Themen seines Lebens bereits anklingen.
So kehrt im Postludium seines Lebens die heutige Geschichte wieder im Hosannaruf beim Einzug in Jerusalem und im Ruf „Ans Kreuz mit ihm!“ vor Pilatus.

Das heutige Evangelium macht ein Grundbestreben im Leben und im Wirken Jesu deutlich, in dem er seine Zuhörer zu allen Zeiten ansprechen und betroffen machen will:
Er will sie aufwecken aus dem Schlaf ihrer Selbstsicherheit;
er will sie in ihrem Selbstverständnis in Frage stellen und dabei Engführungen aufbrechen, Oberflächliches vertiefen, Erstarrtes verlebendigen.
Er will ihre Gottesbeziehung aktualisieren und sie fragen, ob sie denn von ihrem Gott oder von ihren Göttern tatsächlich jenes Leben erhalten, das sie restlos zufrieden stellt. Dieses Update im Hinblick auf Gott ist beständig notwendig, weil wir immer in Gefahr sind, Gott nach unseren Vorstellungen zu gestalten und dabei vergessen, dass es Sinn und Ziel eines religiösen Lebens nur sein kann, uns nach Gottes Vorstellungen umzugestalten.
Und bei diesem Prozess möchte Jesus Wendepunkt in unserem Leben sein. Wendepunkt im Sinne eines springenden Punktes: Von dem alles beginnt und der uns auf unserem Weg begleitet.

Hoffentlich bringen wir im Gegensatz zu den Leuten seiner Heimat den Mut auf, unsere Defizite anzuschauen und anzunehmen; und hoffentlich haben wir auch das Vertrauen, uns von Jesus helfen zu lassen, denn er ist wohl der Sohn Josefs – aber er ist noch viel mehr: ER ist der Sohn des lebendigen Gottes!

Freitag, Januar 19, 2007

Theophilus


Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 1: 1 – 4. 4, 14 – 21

1 Schon viele haben es unternommen, einen Bericht über all das abzufassen, was sich unter uns ereignet und erfüllt hat.
2 Dabei hielten sie sich an die Überlieferung derer, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren.
3 Nun habe auch ich mich entschlossen, allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen, um es für dich, hoch verehrter Theophilus, der Reihe nach aufzuschreiben.
4 So kannst du dich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen, in der du unterwiesen wurdest.

14 Jesus kehrte, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend.
15 Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen.
16 So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Schrift vorzulesen,
17 reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja. Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt:
18 Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze
19 und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.
20 Dann schloss er das Buch, gab es dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.
21 Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.




Im heutigen Evangelium erzählt uns Lukas, was ihn bewegt hat, sein Evangelium zu schreiben. (vgl. Lk 1,1-4) Lukas versteht sein Evangelium als einen Bericht über das, was sich im Zusammenhang mit Jesus damals ereignet hat. Er schreibt eine Dokumentation über Jesus und versichert, dass er gründlich recherchiert hat. Mit seiner Arbeit möchte Lukas seinen Freund Theophilus von der Zuverlässigkeit der Lehre über Jesus überzeugen.
Theophilus heißt sein Freund. Das heißt übersetzt „Gottesfreund.“ Das kann bedeuten, dass sein Freund ein Glückspilz ist, weil er dieses Werk über Jesus zu lesen bekommt, weil es keine Selbstverständlichkeit ist, von diesem Jesus zu hören und ihn zu kennen.
Das kann aber auch eine Einladung sein, zu einem Freund Gottes zu werden durch das Lesen seines Werkes. Dass also das, was Lukas schreibt, nicht etwas ist, was vergangen und Geschichte ist, sondern etwas, das nach wie vor da ist und geschieht.

Warum das so ist, erzählt Lukas dann in der Geschichte über den Anfang von Jesu Wirksamkeit in seiner Heimat: Da heißt es, dass Jesus nicht allein auf sich gestellt unterwegs ist sondern dass er erfüllt von der Kraft das Geistes in seine Heimat zurückkehrt. (Lk 4,14) Dieser Geist ist sein Begleiter, sein Antrieb, seine Kraft und Wegweisung – von diesem Geist lebt Jesus. Es ist dies derselbe Geist, der auf Maria, die Mutter Jesu herabgekommen ist; (vgl. Lk 1, 35) und es ist derselbe Geist, der im Obergemach die Jüngergemeinde erfüllt hat. (vgl. Apg 2,1-4) Dieser Geist verbindet über die Zeit hinweg mit Jesus; dieser Geist erhält über die Zeit hinweg Jesus lebendig. (vgl. 1 Kor 12,3) Sodass er auch heute alle, die diese Botschaft des Lukas hören zu Gottesfreunden machen kann.

Dabei geht der Weg zu dieser Gottesfreundschaft aus dem hervor, was Lukas dann weiter erzählt: Wie Jesus nämlich wie gewohnt am Gottesdienst der Gemeinde teilnimmt und dabei aus dem Propheten Jesaja vorliest: „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe!“ (Lk 4,16-19) Solches liest Jesus vor und erkennt in der Kraft des Geistes, dass er gerade von sich selber vorgelesen hat. Er erkennt seine Berufung und weiß nun, was er zu tun hat.


Das Beispiel Jesu lädt ein, uns diesem Geist anzuvertrauen, uns von diesem Geist führen zu lassen – auch hierher zum Gottesdienst – und in diesem Gottesdienst. Denn er möchte auch uns sagen und zeigen, wozu wir berufen sind und was wir zu tun haben:
Dass wir in unseren Gefangenschaften zu Jesus gehen um uns von ihm befreien zu lassen;
dass wir uns in unserer Blindheit an Jesus wenden, damit er uns wieder sehend macht;
dass wir uns als Erschlagene mit Jesus verbinden, damit er uns wieder in Freiheit setze!

Kurz und gut:
Der Geist, der möchte, dass Jesus Heiland ist, möchte, dass wir uns von Jesus heilen lassen;
der Geist, der möchte, dass Jesus Befreier ist, möchte, dass wir uns von Jesus befreien lassen;
der Geist, der möchte das Jesus Licht ist, möchte, dass wir uns von Jesus erleuchten lassen.
Ein und derselbe Geist ist in Jesus am Werk und möchte auch in uns wirksam sein: In Jesus – dass er ein Gnadenjahr seines Vaters im Himmel ausrufe! In uns – dass wir uns von Jesus in dieses Gnadenjahr des Vaters hineinführen lassen.

Wie geschieht das aber? Indem wir aus gläubigen Vertrauen auf Jesus heraus tun, was wir tun:
Dass wir also mit ganzer Hingabe jetzt Gottesdienst feiern;
dass wir Gott mit allen Kräften unseres Herzens loben;
dass wir ihn mit unserem ganzen Vertrauen bitten;
dass wir aus unserem tiefsten Schmerz heraus ihm unser Leid klagen!

Genauso verhalten sich nämlich die Gottesfreunde und genauso werden wir zu Gottes Freunden. Und es wird uns die Erfahrung zuteil, wer wirklich die Freunde Gottes sind: Nicht die Reichen und die Mächtigen, nicht jene, die ein großes Mundwerk haben, nicht jene, die auf der Sonnenseite des Lebens sind – sondern jene, die arm sind vor Gott, die Trauernden, die Friedensstifter, die Hunger und Durst haben nach Gerechtigkeit, die keine Gewalt anwenden, die Barmherzigen, jene, die ein reines Herz haben und die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden – die alle heißen Theophilus – Gottesfreunde; darum ruft Jesus ihnen allen auch zu: Selig seid ihr! (vgl. Mt 5,1-12; Lk 6,20-26)

Freitag, Januar 12, 2007

Sie haben keinen Wein mehr!



Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 2: 1 – 11

1 Am dritten Tag fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt und die Mutter Jesu war dabei.

2 Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen.

3 Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.

4 Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.

5 Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut!

6 Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, wie es der Reinigungsvorschrift der Juden entsprach; jeder fasste ungefähr hundert Liter.

7 Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis zum Rand.

8 Er sagte zu ihnen: Schöpft jetzt und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist. Sie brachten es ihm.

9 Er kostete das Wasser, das zu Wein geworden war. Er wusste nicht, woher der Wein kam; die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es. Da ließ er den Bräutigam rufen

10 und sagte zu ihm: Jeder setzt zuerst den guten Wein vor und erst, wenn die Gäste zu viel getrunken haben, den weniger guten. Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.

11 So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn.



Am heutigen Sonntag könnte es passieren, dass das Evangelium im Wein ertrinkt – in dem Sinn nämlich, dass wir, fasziniert von den 600 Litern Wasser, die Jesus in Wein wandelt, anderes übersehen, das mehr im Hintergrund, deswegen aber nicht minder köstlich ist.
Dieser Faszination könnte auch ich erliegen, da ja auch ich neben dem Messwein einem guten Wein beim Essen nicht abgeneigt bin, schon gar wenn es ein Tokajer oder ein Chardonnay ist.

Wo also sind die köstlichen Tropfen, die das heutige Evangelium außer den 600 Litern noch zu bieten hat?
Da ist einmal die Tatsache, dass es jemandem auffällt, dass der Wein ausgeht. Dass da jemand so aufmerksam ist und eine Notlage entdeckt, in die andere geraten sind! Denn Maria sagt zu Jesus ja nicht: Herr, ich habe keinen Wein mehr sondern: „Sie haben keinen Wein mehr!“ (Joh 2,3) Diese aufmerksame Sorge um andere können wir wohl mit Recht eine mütterliche Sorge nennen. Denn für so perfide kann ich Maria nicht halten, dass sie ihre eigene Not hinter der der anderen verbirgt – um ja selber nicht als Liebhaberin dieses edlen Getränkes dazustehen.
Wie notwendig sind doch diese Menschen, denen die Not ihrer Mitmenschen ins Auge fällt. Wie notwendig sind sie auch heute! Menschen, denen auffällt, dass andere kein Essen mehr haben oder kein Dach über dem Kopf oder keinen Frieden oder keine Heimat oder keine Gemeinschaft .... Denen also die Not anderer in der Ferne und nahe auffällt und die diese Not auch Jesus sagen. Dieses Sagen ist Gebet. Dieses Gebet ist Sorge darum, dass die Freude im Leben der Mitmenschen nicht stirbt sondern zu neuem Leben erwacht. Diese Sorge gehört zu unserer christlichen Berufung, denn sie ist im Liebesgebot Jesu enthalten, das unser christliches Leben begründet. Diese Sorge, dieses Beten ist die Vorbereitung dafür, dass wir dem Wort Marias folgen können, wenn sie uns wie den Dienern im Evangelium ans Herz legt: „Was er euch sagt, das tut!“ (Joh 2,5) Dieses Beten ist keine Flucht vor tätiger Hilfe sondern ein Verweilen beim Herrn. Frucht dieses Verweilens ist dann sein Auftrag, „die Krüge mit Wasser zu füllen!“ (Joh 2,7) Das heißt: Der Herr hilft mir beim Suchen und Entdecken meiner Mittel und meiner Möglichkeiten, der Not, der ich begegne zu begegnen und ihr abzuhelfen. Dieses Beten bereitet mich vor, zu tun, was Jesus mir sagt! Ja, dieses Beten lässt mich in der Not selber, die mir begegnet, die Stimme Jesu heraushören. Christliches Beten, wie Maria es uns im heutigen Evangelium lehrt ist immer ausgerichtet auf das entsprechende Handeln – gemäß dem Wort Jesu und gemäß meinen Möglichkeiten.

Eine weitere stille Köstlichkeit ist der Dienst, den die Diener verrichten. Wie oft werden sie wohl die Krüge getragen und mit Wasser gefüllt haben. Sie haben in der Ausführung des Wunsches Jesu eine alltägliche, unscheinbare Arbeit getan. Aber gerade diese Arbeit hat dazu geführt, dass den Hochzeitsleuten die Freude erhalten geblieben ist.
Diese Tatsache lässt das Normale als Grundlage erkennen, aus der das Besondere herauswächst. Das Gewöhnliche wird zur Ermöglichung von Außergewöhnlichem. Der einfache Dienst der Diener im heutigen Evangelium möchte uns hinlenken zur Wertschätzung jener alltäglichen Dienste, die andere verrichten, damit es uns gut geht und die auch wir tun, um anderen Freude zu machen. Diese Dienste gewinnen ihren eigenen Wert und ihre eigene Schönheit, wenn wir sie als Quelle der Freude sehen können und unsere Dankbarkeit für sie wird neu belebt. So können wir auch im Alltäglichen zu Erfüllung und zu tiefer Befriedigung finden.

Und schließlich dann doch die 6 Krüge mit je hundert Liter. (vgl. Joh 2,6) Sie sind ein Zeichen dafür, dass Leben in Fülle für Jesus nicht nur eine geistliche Größe für die Seele sondern auch ein materieller Größe für den Leib ist. Die Menge des gewandelten Weines zeigt uns, wie sehr es Jesus darum geht, dass wir rundum glücklich sind. Knausern ist Jesus fremd. Muss es ja auch, da er doch aus der Fülle Gottes kommt.
Auch uns soll man beim Helfen anmerken, dass wir aus der Fülle Gottes kommen. Knausern ist keine christliche Tugend.
So wollen wir angesichts der Not um uns und in uns nicht mutlos sondern angesichts der großzügigen Liebe des Herrn zuversichtlich und hoffnungsvoll werden. Wir wollen nach dem Vorbild Marias und zusammen mit ihr unsere Sorgen und die anderer auf den Herrn werfen. (vgl. Ps 55,23) So wollen wir uns frei machen zu hören und zu helfen, wie der Herr es von uns möchte.

Samstag, Januar 06, 2007

... ließ auch Jesus sich taufen ...



Wort Gottes aus der Apostelgeschichte 10: 34 – 38

34 Da begann Petrus zu reden und sagte: Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht,

35 sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.

36 Er hat das Wort den Israeliten gesandt, indem er den Frieden verkündete durch Jesus Christus; dieser ist der Herr aller.

37 Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat:

38 wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm.

Aus dem hl. Evangelium nach Lujas 3: 15 – 16.21 – 22

15 Das Volk war voll Erwartung, und alle überlegten im Stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei.

16 Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.

21 Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen. Und während er betete, öffnete sich der Himmel,

22 und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.




Wenn uns jemand begegnet in einer hervorragenden Position, dann sagen wir voll Bewunderung, dass er sehr begabt ist oder das er sich sehr bemüht hat oder aber auch, dass er viel Vitamin B zu sich genommen hat.
Auch Jesus hatte und hat seine Bewunderer und zumindest in seiner Zeit nicht wenige Neider.
Was uns heute von ihm erzählt wird ist vor allem für seine Fans geschrieben – weniger für seine Neider, denn die waren für die Botschaft der heutigen Lesungen verschlossen.

Lukas will nämlich den Freunden Jesu sagen: Ihr werdet allerhand von diesem Jesus erleben und ihr werdet euch fragen: Ja, woher hat er denn das alles! Menschliches Bemühen allein kann das doch nicht erklären!?
Auf diese und ähnliche Fragen nun gibt Lukas heute Antwort in der Lesung aus der Apostelgeschichte und im Evangelium, die ja beide seiner Feder entspringen.

So sagt er also in der Lesung: Ihr wisst, was nach der Taufe Jesu im Judenland geschehen ist: wie Jesus umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren.
Warum konnte Jesus das tun? Weil Gott mit ihm war. Weil Gott ihn mit Heiligem Geist und mit Kraft gesalbt hat.
Und dann im Evangelium wird diese Salbung in der Geschichte von der Taufe Jesu durch Johannes beschrieben. Dabei wird deutlich, dass dies alles mit Jesus geschieht, weil Gott an ihm Gefallen gefunden hat.
Dies alles wird uns also erzählt, damit wir verstehen, woher die Kraft kommt, die von Jesus ausgeht und die alle heilte. Damit wir die Quelle kennen, aus der das Gute strömt, das Jesus getan hat.

Aber Lukas hat das nicht nur geschrieben, damit wir das Woher Jesu kennen lernen. Er hat dies alles geschrieben, damit wir unsere eigenes Woher besser kennen lernen. Denn auch wir wurden ja getauft, auch wir wurden in der Firmung mit dem Hl. Geist und mit Kraft erfüllt. Durch die heutigen Lesungen von der Taufe und Firmung Jesu sollen wir uns neu besinnen auf diese beiden Sakramente. Wir erkennen sie als die Grundlage unseres christlichen Lebens und als die Nabelschnur, durch die unser Leben mit Gott verbunden ist. Durch diese Verbindung kommt uns die Kraft des Heiligen Geistes zu, in der wir Gutes tun können. Diese Nabelschnur ist unser heißer Draht zu Gott, durch den ER uns unablässig mitteilt, dass wir seine geliebten Töchter und Söhne sind, weil wir in seinem Wohlgefallen stehen.

Es ist wichtig zu bedenken, von wem wir beschenkt werden. Das bestimmt und prägt unseren Umgang mit diesen Geschenken: Er wird bewusster, dankbarer, froher; denn der Geber wird in den Gaben lebendig. Es bewirkt eine ganz andere Lebensqualität, zu wissen, woher denn das Gute kommt, das ich habe und das ich bin und das ich in meinem Leben bewirke.
Zudem kann ich als geliebter Mensch ganz anders im Leben stehen als wenn ich mich von niemandem geliebt weiß.

Das haben wir Christen anderen voraus: Gläubig zu wissen, dass wir von Gott geliebte Kinder sind. Wir können uns nicht oft genug und nicht gründlich genug in diese Grundlage unseres christlichen Lebens vertiefen. Sie macht den Frieden, die Freude und die Lebensfülle aus, die eigentlich unser Leben kennzeichnen sollte.

So lassen wir uns denn von Jesus ermutigen, einfach so wie er Gutes zu tun – im Wissen, dass Gott uns dieses Gute schon im Übermaß geschenkt hat und dass es nur darauf wartet, wie eine aufgestaute Quelle sich zu ergießen in unser Leben und durch uns in das Leben anderer. Und vergessen wir nicht die Einfachheit: Von Jesus heißt es ja nicht dass er weiß Gott, welche Gebote und welche Bedingungen erfüllte – es heißt schlicht: er zog umher und tat Gutes! Die Kraft, die Gott schenkt, macht das Leben einfach und sie öffnet die Augen für jene Situationen, die seine Güte brauchen. Lassen wir uns von dieser Kraft Gottes wieder bewusst und ganz ausfüllen und leben wir in ihr die Güte, die Freiheit und die Freude eines von Gott geliebten Christenmenschen. Amen!

Freitag, Januar 05, 2007

... und sie fielen nieder und beteten an ...



Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 2: 1 – 12

1 Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem

2 und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.

3 Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem.

4 Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle.

5 Sie antworteten ihm: In Betlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten:

6 Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel.

7 Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war.

8 Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige.

9 Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.

10 Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.

11 Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.

12 Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.


Es ist schon erstaunlich welche Wege die Nachricht geht, dass in Bethlehem im Kind der Maria und des Joseph der König der Juden geboren ist. Sterndeuter aus dem Osten fragen bei König Herodes nach dem neugeborenen König der Juden: Wir erfahren nicht ihre Namen und nicht das Land, aus dem sie kommen. Das scheint Nebensache zu sein. Wichtig ist ihr Dasein, dass sie die Botschaft bringen, die sie aus dem Buch des Firmamentes gelesen haben und wie sie mit dem Kind umgehen: Und da hören wir, dass sie von sehr großer Freude erfüllt sind, als sie vom Stern zu diesem Kind geführt werden und dann erweisen sie diesem Kind tatsächlich königliche Ehre: „Sie fallen vor ihm nieder und huldigen ihm. Dann holen sie ihre Schätz hervor und bringen ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.“ (Mt 2,11)

Da wird buchstäblich Himmel und Erde in Bewegung gesetzt um diese Nachricht an den König Herodes, an die Priester und in der Folge unter das Volk zu bringen. Aber was bei den Sterndeutern Anlass zu sehr großer Freude ist lässt Herodes und ganz Jerusalem erschrecken.

Woher dieser große Unterschied in der emotionalen Äußerung? Nun, die Sterndeuter haben nichts zu verlieren, sie haben aber viel zu geben: Ihre Freude, ihre Verehrung, ihre Gaben!
Herodes hingegen fürchtet, seine Macht und seinen Reichtum zu verlieren an den neugeborenen König. Er ist in seinem Denken völlig gefangen in irdischen Kategorien. Die Angst um seinen Besitz schnürt ihn ein und macht ihn unfähig wie die Sterndeuter ein positives Lebenszeichen zu setzen; was er geben kann ist allein der Tod, wie uns dann die schreckliche Geschichte vom Kindermord in Bethlehem schildern wird.

Dabei wird die Botschaft der Sterndeuter bestätigt durch das Wort Gottes, das dem Herodes von den Hohenpriestern und Schriftgelehrten vorgelesen wird: „Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel.“ (Mt 2,6; Mi 5,1.3) Aber in dieses steinharte Herz des Herodes dringt weder die Botschaft der Sterne noch die Botschaft des Wortes Gottes. Dieses Herz ist für Gott, und was von IHM kommt, völlig zu.

Die Sterndeuter auf der einen und Herodes & Co auf der anderen Seite werden uns deshalb so krass gegenüber gestellt, um gleich zu Beginn des Evangeliums auf die Katastrophe hinzudeuten, die Jesus, menschlich gesehen, erleben wird in seinem gewaltsamen Sterben am Kreuz.
Die Sterndeuter hingegen zeigen, dass es auch außerhalb des jüdischen Volkes Menschen gibt, die für die Botschaft Gottes offen sind, die er in diesem Kind Jesus verkündet; und dass diese Botschaft nicht auf das jüdische Volk beschränkt bleiben wird sondern für alle Welt bestimmt ist.
Dass diese Sterndeuter mit keinem Namen genannt werden und ihr Land nicht näher angegeben wird will sagen, dass jedes Land von diesem Kind sich angesprochen wissen darf und dass jeder von uns sich in diesen Sterndeutern wieder finden soll.
So wollen wir uns der Frage stellen ob tatsächlich die Sterndeuter in uns leben oder ob nicht auch Herodes sich in uns verbirgt. Diese Frage beantworten wir, indem wir die sehr große Freude in uns suchen, von der die Sterndeuter erfüllt waren; und indem wir das suchen, was wir dem Kind schenken möchten als Zeichen unserer Verehrung und unserer Hingabe.

Den Herodes in uns finden wir dann, wenn wir etwas in uns entdecken, von dem wir fürchten, dass dieses Kind es uns nehmen könnte: Das muss nicht unbedingt Macht und Reichtum sein. Das können auch schlechte Angewohnheiten sein oder Anhänglichkeiten, die uns unfrei machen oder Unversöhnlichkeiten anderen gegenüber. Herodes lebt dann in uns, wenn wir uns der Befreiung verweigern, die uns Jesus durch seine Botschaft und durch sein Leben in der Tradition der Kirche schenken will.
Christus ist uns heute erschienen, damit wir den alten Menschen, nämlich den Herodes ausziehen und wie die Sterndeuter zu neuen Menschen werden in Christus. Amen!