Samstag, Februar 24, 2007

Die Wohnungen beim Vater



Evangelium und Predigt im Rahmen von Heilungsexerzitien

Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 14:1-14

1 Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich!
2 Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?
3 Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.
4 Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr.
5 Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin die gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?
6 Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.
7 Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.
8 Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.
9 Jesus antwortete ihm: Schon so lange bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater?
10 Glaubst du nicht, daß ich im Vater bin und daß der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke.
11 Glaubt mir doch, daß ich im Vater bin und daß der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenigstens aufgrund der Werke!
12 Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater.
13 Alles, um was ihr in meinem Namen bittet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird.
14 Wenn ihr mich um etwas in meinem Namen bittet, werde ich es tun.



„Euer Herz lasse sich nicht verwirren!“ Dieses aufmunternde Wort ruft Jesus seinen Jüngern in einer kritischen Situation zu: Es ist vom Verrat des Judas und des Petrus die Rede. Es zeichnet sich mehr und mehr ab, dass die Jünger Jesus verlieren werden. Jesus ist für sie der Mensch geworden, bei dem sie sich sicher fühlten; bei dem sie geborgen waren; der sie liebte; der sie beschützte. Sie waren dauernd mit Jesus unterwegs und hatten keinen bleibenden Ort als Zuhause, denn Jesus war ihr Daheim, ihr Zuhause.
Nun taucht jedoch das Schreckgespenst auf, diesen Jesus und damit die Heimat, die er geschenkt hat, zu verlieren. Den Jüngern drohte Heimatlosigkeit, Obdachlosigkeit in einem Leben ohne Jesus.

Jeder von euch, die ihr zu diesen Heilungsexerzitien hergekommen seid, wurde von einer bestimmten Form von Heimatlosigkeit hergeführt; und jeder von euch hofft aus dieser notvollen Situation herausgeführt zu werden. Es ist bestimmt nicht wenig, das euch mit den Jüngern im Evangelium verbindet.

Darum gilt sowohl den Jüngern als auch euch der Zuruf Jesu: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren!“ Er nennt das Übel der Verwirrung aber nicht nur beim Namen; er fügt gleich auch das Heilmittel für dieses Übel an: „Glaubt!“ Und dann die Wurzel, aus der dieser Glaube die heilende Kraft vermittelt: Gott, den Vater und ihn selber: „Glaubt an Gott und glaubt an mich!“
Warum sollen sie an Gott und an ihn glauben? Weil sie bei Gott und bei ihm Antwort finden auf ihre kommende Unbehaustheit in der Zeit des Leidens und Sterbens Jesu: Jesus richtet nämlich ihr Leben aus auf Gott; er lenkt ihren Lebensweg hin auf Gott. Dort setzt er das Ziel für diesen Weg in den vielen Wohnungen, die es dort für sie gibt. Und sein Weggehen von ihnen in Leiden und Tod dient ganz der Aufgabe, ihnen diese Wohnungen zu bereiten. Und es ist dies dasselbe Ziel auf das hin auch Jesus unterwegs ist. Jesus wird ihnen also durch Leiden und Tod genommen, damit er ihnen den Weg frei machen kann hin zum Vater und damit sie dann dort beim Vater sein können, wo auch Jesus sein wird.

Es ist schon faszinierend wie im Verhalten Jesu seine Treue zu den Jüngern aufleuchtet: So wie bisher geht er ihnen auch jetzt voran zum Vater; ja, sein bisheriges Vorangehen war schon ein verborgenes Hingehen zum Vater. So wie bisher ist Jesus auch in seinem Leiden und Sterben für seine Jünger da, indem er ihnen beim Vater die Wohnung bereitet.

Er ist der Makler, der den obdachlosen Jüngern eine Wohnung beim Vater bereitet. Dabei steht nicht der Preis im Vordergrund wie bei einer Wohnungssuche hier auf Erden. Den Preis bezahlt der Herr selber: Es ist sein kostbares Blut, das er für uns vergießt. Es gehört zu seinem Dienst an den Jüngern und an der ganzen Menschheit, dass er ihnen beim Vater eine Wohnung bereitet.
Im Mittelpunkt ist vielmehr die unübertreffliche Qualität dieser Wohnung, die darin besteht, ganz bei Gott sein zu dürfen oder wie es Paulus im Kol 3:3 ausdrückt: „Euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott.“

Es ist sicher zu kurz gefasst, wenn wir in dieser Situation nur die heraufdämmernde Trauer wegen des Abschiedes von Jesus sehen. Es ist auch jene Vorfreude da, die im Psalm 122:1-3 anklingt: „Ich freute mich, als man mir sagte: «Zum Haus des Herrn wollen wir pilgern.» Schon stehen wir in deinen Toren, Jerusalem: Jerusalem, du starke Stadt, dicht gebaut und fest gefügt.“ Jesus steht mit seinen Jüngern gleichsam an den Toren des himmlischen Jerusalem. Was Jesus bereits klar sehen kann ist ihnen noch verborgen, da ihr Glaube im Leiden noch nicht geläutert und durch den Hl. Geist noch nicht erleuchtet ist.

Wir müssen auch sehen, dass Gott auf diese Weise eine alte Sehsucht seines Volkes erfüllt. Denn durch Jesus lenkt er in seiner Güte das Volk, das er erlöst hat, und führt es machtvoll zu seiner heiligen Wohnung. (Vgl. Ex 15:13) Gott blickt im Handeln Jesu von seiner heiligen Wohnung, vom Himmel, herab, und segnet sein Volk. (vgl. Deut 26:15) Ja, es wird neue und ungeahnte Wirklichkeit, was von Gott seit jeher gesagt wurde: „Eine Wohnung ist der Gott der Urzeit.“ (Vgl. Deut 33:27) In Jesus „sendet Gott sein Licht und seine Wahrheit, damit sie uns leiten; sie sollen uns führen zu seinem heiligen Berg und zu seiner Wohnung.“ (vgl. Ps 43:3) In ihm ist Gott in seiner heiligen Wohnung ein Vater der Waisen. (vgl. Ps 68:6) So bringt Gott die Verlassenen heim und führt die Gefangenen hinaus in das Glück.“ (Ps 68:7) Verschleiert durch das kommende Leiden und Sterben des Herrn ist bereits österlicher Jubel da über die Wohnungen des Herrn: „Wie liebenswert ist deine Wohnung, Herr der Heerscharen! Meine Seele verzehrt sich in Sehnsucht nach dem Tempel des Herrn. Mein Herz und mein Leib jauchzen ihm zu, ihm, dem lebendigen Gott. Auch der Sperling findet ein Haus und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen - deine Altäre, Herr der Heerscharen, mein Gott und mein König. Wohl denen, die wohnen in deinem Haus, die dich allezeit loben.“ (Ps 84:1-5)

Diese ganze Botschaft des Alten Bundes schwingt bei Jesus mit, wenn er von den Wohnungen bei seinem Vater spricht. In dieser uralten Sehnsucht nach den Wohnungen Gottes kommt die Ursehnsucht des Menschen nach dem Sein und Bleiben bei Gott zum Ausdruck. Wir sehen vor uns die Berufung des Menschen, bei Gott zu sein. Wir hören die Frage beantwortet nach dem endgültigen Ziel seines Lebens.

Die Ursehnsucht nach Gott ist es, die uns leiden macht, wenn wir von Gott fern sind. Sie ist es, die den verlorenen Sohn bei sich Einkehr halten und ihn aufbrechen lässt zurück zu seinem Vater. (vgl. Lk 15:17-21) Sie ist es auch, die euch hierher geführt hat zu diesen Heilungsexerzitien und die euch diese Tage zu Tagen der Beheimatung bei Gott macht.

Es ist wie eine Antwort des Apostels Paulus auf das Evangelium des Johannes, wenn er im Kolosserbrief aufruft: „Darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt. Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische!“ (Col 3:1-2) Hier ist die Rede vom Christus nach seinem Leiden und Sterben; vom auferstandenen Christus. Wir sehen hier Christus nachdem er getan hat, was er vor seinem Leiden und Sterben den Jüngern verheißen hat: dass er ihnen beim Vater eine Wohnung bereitet.
Es gilt nun für uns, in Anspruch und in Besitz zu nehmen, was Christus uns verheißen und bereitet hat: unsere Wohnungen beim Vater! Alle Voraussetzungen dafür sind uns geschenkt, denn „unsre Seele ist wie ein Vogel dem Netz des Jägers entkommen; das Netz ist zerrissen, und wir sind frei.“ (Ps 124:7) oder mit den Worten aus der Lesung: „Ihr seid mit Christus auferweckt!“ (Kol 3:1a) Wir sind „zu einem neuen Menschen geworden, der nach dem Bild seines Schöpfers erneuert wird, um ihn zu erkennen.“ Nicht: ‚erneuert wurde’ sondern: ‚erneuert wird’ Wir sind mitten drinnen in diesem Erneuerungsprozess, der sein Ende erst finden wird, wenn wir in den Wohnungen beim Vater angelangt und wir dort sind wo Christus ist. (vgl. Joh 14:3) Dass wir nun tatsächlich den alten Menschen mit seinen Taten abgelegt haben erweist sich darin, dass wir je und je „töten, was irdisch an uns ist: die Unzucht, die Schamlosigkeit, die Leidenschaft, die bösen Begierden und die Habsucht, die ein Götzendienst ist.“ (Col 3:5)

Wir stehen vor dem Herrn als überreich beschenkte: Denn „in der Taufe haben wir alle Christus als Gewand angelegt“ (Gal 3:27) und so sind wir endgültig „gerettet, doch in der Hoffnung“ (Röm 8:24)
Zugleich stehen wir vor IHM als Herausgeforderte, die geschenkte Erlösung mit zu vollziehen indem wir all das überwinden, was uns scheiden möchte von der Liebe Christi: Bedrängnis, Not, Verfolgung, Hunger, Kälte, Gefahr, Tod und Leben, Engel und Mächte, Gegenwärtiges und Zukünftiges, Gewalten der Höhe und der Tiefe. Und wir können all das überwinden in Jesus Christus, der uns liebt. (vgl. Röm 8:35-39) Er ist unsere Kraft und Stärke. Amen!

Donnerstag, Februar 15, 2007

Liebt eure Feinde!



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 6: 27 - 38

27 Euch, die ihr mir zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen.
28 Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch misshandeln.
29 Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin, und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd.
30 Gib jedem, der dich bittet; und wenn dir jemand etwas wegnimmt, verlang es nicht zurück.
31 Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen.
32 Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden.
33 Und wenn ihr nur denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank erwartet ihr dafür? Das tun auch die Sünder.
34 Und wenn ihr nur denen etwas leiht, von denen ihr es zurückzubekommen hofft, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder leihen Sündern in der Hoffnung, alles zurückzubekommen.
35 Ihr aber sollt eure Feinde lieben und sollt Gutes tun und leihen, auch wo ihr nichts dafür erhoffen könnt. Dann wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.
36 Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!
37 Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden. Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden.
38 Gebt, dann wird auch euch gegeben werden. In reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß wird man euch beschenken; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden.



Das heutige Evangelium klingt auf weite Strecken wie ein Faschingsscherz – zumal heute am Rosensonntag. Es ist aber kein Scherz sondern der einzige Weg, der aus Streit und Zwietracht herausführt zu Versöhnung und Frieden, denn es fordert auf zu einer christlichen Antwort auf eine unchristliche Anfrage: Gutes tun antwortet dem Hass, Segen der Verfluchung, Gebet der Misshandlung; so antwortet Liebe der Feindschaft.
Die Ausfaltung der Liebe in Gutes tun, segnen und beten macht schon deutlich, dass es bei dieser Liebe nicht allein um gefühlsmäßige Regungen geht sondern um Taten, um sichtbare Zeichen, die wir unserem Feind gegenüber setzen. Dieses Tun der Liebe wandelt dann in der Folge und allmählich auch unsere negativen Gefühle dem Feind gegenüber.

Was uns zu diesem Tun der Liebe befähigt ist der Aufblick zu Gott als zu einem Dritten, der neben und über dem Feind und mir auch noch da ist. Dieser Aufblick sprengt die intensive Beziehung zwischen mir und meinem Feind, die ganz tief bestimmt ist von Verwundung und Vergeltung. Die Fixierung auf mich und den Feind ist das Tödliche in jeder Feindschaft. Der Aufblick aus dieser Fixierung sprengt ein tödliches Band zwischen mir und dem Feind und gibt einem Dritten Raum, der ein neues Element hereinbringt zwischen mir und meinen Feind; und wenn dieser Dritte Gott ist, dann bedeutet dieses Element neues Leben, Großzügigkeit, Weitherzigkeit, Versöhnung und Frieden.

In der 1. Lesung (1Sam 26:2.7-9.12-13.22-23) kommt das ganz deutlich zum Vorschein: Da haben wir in David einen Menschen, der sich von der Feindschaft, die Saul ihm entgegenbringt, nicht einfangen und fixieren lässt. Er bleibt vielmehr frei für den Aufblick zu Gott, so dass er in Saul nicht nur und nicht zuerst seinen Feind, sondern den Gesalbten Gottes sehen kann. Das bewahrt ihn davor, Saul zu töten; denn indem er Saul getötet hätte, hätte er seine Hand gegen Gott, den Herrn erhoben.

Wenn nun schon David zu so einer Sicht seines Feindes fähig war – wie viel mehr müssen wir dazu in der Lage sein, da wir doch wissen, dass durch die Taufe wir alle – also auch unsere Feinde – Kinder Gottes geworden sind und wir deshalb auch in unseren Feinden Gott selber gegenüberstehen.

Zu dieser Sicht unserer Feinde kommen wir nur durch einen tiefen Glauben, der sich vom Hören auf Jesu Stimme ernährt. Darum sagt Jesus ja auch gleich zu Beginn seiner Predigt über die Feindesliebe: Euch, die ihr mir zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde! (Lk 6:27) Unsere praktizierte Feindesliebe ist also ein sehr markanter Hinweis auf unsere Rechtgläubigkeit, auf unsere Bereitschaft, Jesus zuzuhören.
Wir können somit wohl sagen, dass wir in der Feindesliebe etwas haben, welches das Christentum von allen anderen Religionen unterscheidet, und das nicht zuletzt auch deshalb, weil Jesus die Feindesliebe nicht nur durch sein Wort verkündet sondern auch in seinem Sterben am Kreuz gelebt hat.

Die Feindesliebe ist die Endstation für Feindseligkeit, Hass und Krieg; denn diese zerstörerischen Kräfte finden in der Feindesliebe keine Antwort, die sie am Leben erhalten und stark machen, sondern eine Antwort, die sie auflösen und auf Ernüchterung, Versöhnung und Frieden hin überwinden. Zu dieser Antwort ist die Feindesliebe fähig, weil sie sich zum Vorbild ihres Verhaltens nicht das Verhalten der Feinde nimmt sondern das Verhalten Gottes, der nach den Worten Jesu im heutigen Evangelium gütig ist gegen die Undankbaren und Bösen. (Lk 6:35) Die Feindesliebe will barmherzig sein wie es auch der Vater im Himmel ist. (Lk 6:36)

Es kann aber nur Vorbild für uns sein, den wir gern haben und dem wir nahe stehen. Deswegen ist es gerade im Hinblick auf die Feindesliebe wichtig, dass wir Gott gern haben und ihm nahe stehen. Dieses gern Haben und nahe Stehen kommt besonders deutlich im Beten zum Ausdruck.

Wenn Jesus darum von uns verlangt, dass wir beten sollen für die, die uns misshandeln, (Lk 6:28b) dann geschieht durch dieses Beten zuerst ein Hintreten zu Gott und durch Gott ein Hintreten zu unserem Feinde.
Im Gebet für unsere Feinde treten wir zuerst hin zu Gott, um uns von ihm kleiden zu lassen in Barmherzigkeit und Frieden; so gekleidet wagen wir es dann, zu unserem Feinde zu gehen, um ihm jene Liebe zu schenken, die Gott uns für ihn gegeben hat.

Gott schenke uns allen durch das Evangelium Jesu jene erbarmende und verzeihende Liebe, die jede Feindschaft überwindet, und die ein sicherer Weg ist über die Versöhnung zum Frieden.

Sonntag, Februar 11, 2007

Euch gehört das Reich Gottes!



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 6:20 – 26

20 Er richtete seine Augen auf seine Jünger und sagte: Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes.
21 Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet satt werden. Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen.
22 Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und aus ihrer Gemeinschaft ausschließen, wenn sie euch beschimpfen und euch in Verruf bringen um des Menschensohnes willen.
23 Freut euch und jauchzt an jenem Tag; euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht.
24 Aber weh euch, die ihr reich seid; denn ihr habt keinen Trost mehr zu erwarten.
25 Weh euch, die ihr jetzt satt seid; denn ihr werdet hungern. Weh euch, die ihr jetzt lacht; denn ihr werdet klagen und weinen.
26 Weh euch, wenn euch alle Menschen loben; denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.




Im heutigen Evangelium beginnt bei Lukas die Feldrede Jesu. (Lk 6:20-49) Darin spricht Jesus aus, was er von seinen Jüngern grundsätzlich erwartet. Sie beschreibt, wie das Leben seiner Jünger im Wesentlichen ausschauen soll. Eine christliche Grundsatzerklärung also, eine Charta des Christentums.

Jesus beginnt diese Rede bereits mit einem Hammer: „Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes.“ (Lk 6:20) Wen spricht Jesus da an? Er richtet bei diesen Worten seine Augen auf seine Jünger. Sie sind die Armen! Warum? Weil sie nichts mehr haben: Kein Zuhause, keine Angehörigen, keine Arbeit, keinen materiellen Reichtum! Und deswegen sollen sie auch noch selig sein!? Was ist das für eine Armut und was für eine Seligkeit!? Sind seine Jünger etwa Waisen? Sind sie arbeitsscheu? Sind sie Bettler? Nein! Sie haben vielmehr alles was sie bisher hatten verlassen und es eingetauscht für die Gemeinschaft mit Jesus. (vgl. Mk 10:28) ER ist jetzt für sie Vater und Mutter, Bruder und Schwester, Tochter und Sohn; ER ist jetzt ihr Beruf und ihre Arbeit; ER ihr ganzer und einziger Reichtum; Er ist fortan ihre Erfüllung; Sinn und Ziel ihres Lebens. Deshalb ist ihre Armut ein wahrer Reichtum; deshalb sind sie selig, weil sie alles als Unrat hergegeben haben, um Christus zu gewinnen. (vgl. Phil 3:8)

Ob wir auch zu diesen Armen gehören, auf die Jesus blickt und die er selig preist?
Ich kenne Ordensleute, die Stunden vor dem Fernseher verbringen aber nicht bereit sind auch nur kurze Zeit, geschweige denn die zwei Stunden, wie die Ordensregel sie vorschlägt, im Gebet dem Herrn zu schenken. Ein Skandal ist das, ein Trauerspiel und ein Ärgernis. Ein Beispiel, das uns zeigt, dass wir als Christen zwar den Namen des Herrn tragen können, ER selber deswegen aber noch längst nicht unser Reichtum und unsere Mitte ist. Ich habe gestern bei einem Kirchenvater gelesen, dass man zum Christen wird nicht durch Geburt sondern durch Entfaltung. Das gilt auch für Ordensleute. Es kann nur allzu leicht passieren, dass sie beim Ordenseintritt nicht den Herrn wechseln sondern nur ihre Reichtümer.

Oder was soll ich von jenen Christen sagen, die sich chinesischen und anderen fernöstlichen Gesundheits- und Gebetslehren verschrieben haben? Die konzentrieren sich auf sich selber und spüren durch bestimmte Bewegungen und Haltungen ihrer Körperenergie nach!
Wissen die denn nicht, dass sie als Christen nicht berufen sind um sich selber zu kreisen sondern – wie es ihr Name sagt – um Christus? Wissen die denn nicht, dass sie zu betenden Menschen berufen sind (vgl. 1Thess 5:17) und nicht zu chinesischen Kasperlen? Wie es für uns Christen nur einen Herrn, nur einen Meister und nur einen Lehrer geben darf vgl. Mt 23:8-10), so darf es auch nur ein Zentrum geben um das wir kreisen und nur eine Quelle, aus der uns alle Lebensenergie für Leib und Seele zuströmt: Christus! Und in der betenden Verbundenheit mit dem Herrn beginnt diese Quelle überreich zu fließen. (vgl. Joh 4:15)

Und was ist mit jenen Christen, die im gefüllten Bankkonto und in zahlreichen Versicherungen ein bequemes Ruhekissen suchen und doch nur noch größeren Unfrieden – weil Unzufriedenheit – ernten? (vgl. Mt 6:19-34)

Nein das Lied der Jünger Jesu muss folgendes sein:
„O Jesus, all mein Leben bist du, ohne dich nur Tod. Meine Nahrung bist du, ohne dich nur Not. Meine Freude bist du, ohne dich nur Leid. Meine Ruhe bist du, ohne dich nur Streit, o Jesus!
O Jesus, all mein glaube bist du, Ursprung allen Lichts. Meine Hoffnung bist du, Heiland des Gerichts. Meine Liebe bist du, Trost und Seligkeit. All mein Leben bist du, Gott der Herrlichkeit. O Jesus.“ (Gotteslob 472)

Wenn wir dieses Lied nicht nur mit unseren Lippen sondern vor allem in unserer ganzen Lebensführung singen, dann erst wird der Herr auch uns als seine Jünger erkennen und er wird seine Augen auf uns richten und uns zurufen: „Selig ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes!“
Denn dann sind wir dermaßen arm geworden, dass ER unser einziger Schatz sein kann, dem allein unser Herz gehört. (vgl. Mt 6:21). Und dazu ist er, der reich war, ja selber arm geworden, damit er uns durch seine Armut reich machen kann. (vgl. 2Kor 8:9) Amen!

Donnerstag, Februar 08, 2007

Selig, ihr Armen!



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 6:17.20 – 26

17 Jesus stieg mit ihnen den Berg hinab. In der Ebene blieb er mit einer großen Schar seiner Jünger stehen, und viele Menschen aus ganz Judäa und Jerusalem und dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon strömten herbei.
20 Er richtete seine Augen auf seine Jünger und sagte: Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes.
21 Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet satt werden. Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen.
22 Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und aus ihrer Gemeinschaft ausschließen, wenn sie euch beschimpfen und euch in Verruf bringen um des Menschensohnes willen.
23 Freut euch und jauchzt an jenem Tag; euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht.
24 Aber weh euch, die ihr reich seid; denn ihr habt keinen Trost mehr zu erwarten.
25 Weh euch, die ihr jetzt satt seid; denn ihr werdet hungern. Weh euch, die ihr jetzt lacht; denn ihr werdet klagen und weinen.
26 Weh euch, wenn euch alle Menschen loben; denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.



„Jesus stieg mit seinen Jüngern den Berg hinab. In der Ebene blieb er mit einer großen Schar seiner Jünger stehen, und viele Menschen aus ganz Judäa und Jerusalem und dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon strömten herbei.“ (Lk 6:17)
Lukas möchte so an Mose erinnern, der nach der Begegnung mit Gott auf dem Berg Sinai den Berg hinab stieg, um am Fuße des Berges dem Volk die 10 Weisungen mitzuteilen, die ihm Gott auf dem Berg gegeben hat. (vgl. Ex 32:15)
Lukas will Jesus als den neuen Moses darstellen, der dem Volk Gottes die Weisungen Gottes mitteilen will. Das tut er dann mit der folgenden Feldrede, die er mit den Seligpreisungen und den Wehrufen beginnt. Auf diese Weise will Lukas dieser Rede Jesu besonderes Gewicht verleihen.

So beginnt Jesus denn mit den Seligpreisungen, dabei richtet er seine Augen auf seine Jünger und sagt: Selig, ihr Armen! (Lk 6:20)

Es ist unverkennbar, dass bei Lukas Jesus seine Jünger anredet und nicht das Volk. Gewiss tut er dies vor vielen Menschen aus ganz Judäa und Jerusalem und dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon. Aber die ersten Adressaten sind seine Jünger. Wenn bei dieser Anrede an die Jünger also die übrige Volksmenge Ohrenzeugen sind, dann will uns Lukas damit sagen, dass er die Gemeinschaft der Kirche nicht als in sich verschlossene Sekte sieht sondern als Gemeinschaft offen nach außen.

Wenn Jesus als in den Seligpreisungen seine Jünger anredet so bestimmt das den Sinn seiner Worte; dann gibt das der Armut, von der Jesus spricht, ihren Reichtum.
Denn seine Jünger sind tatsächlich arm, haben sie doch alles verlassen: Ihre Familien, ihr Zuhause, ihre Arbeit, ihr gewohntes und relativ gesichertes Leben. (vgl. Mt 19:27-30) Doch haben sie das alles hergegeben, um mit Jesus gehen zu können. Sie haben ihr bisheriges Leben eingetauscht gegen ein Leben mit Jesus. Sie haben mit den Worten des Paulus alles Bisherige wie Unrat von sich gegeben um Christus zu gewinnen. (vgl. Phil 3:8) Die Armut, die Jesus hier selig preist ist nicht irgendeine unbestimmte Armut – es ist eine Armut um Jesu willen. Und was diese Armut selig sein lässt, ist Jesus selber, ist die Gemeinschaft mit ihm; Jesus nennt sie im Evangelium „Reich Gottes.“ Und dieses Reich Gottes ist keine rein zukünftige Größe – dieses Reich Gottes ist schon da – in Jesus. Darum spricht Jesus auch in der Gegenwartsform und nicht in der Zukunftsform: „Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes!“ (Lk 6:20)

Wir dürfen uns mit den vielen Leuten, die sich um Jesus und seine Jünger versammelt haben, als Zuhörer dieser Worte verstehen und uns fragen, was soll uns damit gesagt sein.
Nun das eine einmal ganz gewiss: Wer Jesus nachfolgen will, wer mit ihm leben will, darf sich keinen Reichtum im Sinne dieser Welt erwarten – in welcher Form auch immer: keine vollen Geldtaschen, keinen vollen Bauch, keine Lacher auf seiner Seite.
Der Reichtum, der uns bei Jesus winkt, das Reich Gottes, das bei Jesus auf uns wartet schaut so aus: O, Jesus all mein Leben bist du, ohne dich nur Tod. Meine Nahrung bist du, ohne dich nur Not. Meine Freude bist du, ohne dich nur Leid. Meine Ruhe bist du, ohne dich nur Streit, o Jesus!
O Jesus, all mein glaube bist du, Ursprung allen Lichts. Meine Hoffnung bist du, Heiland des Gerichts. Meine Liebe bist du, Trost und Seligkeit. All mein Leben bist du, Gott der Herrlichkeit. O Jesus. (Gotteslob 472)

So will Jesus nicht Armut an sich propagieren sondern für die Gemeinschaft mit ihm werben – allerdings mit einer klaren Sprache. Er legt die Karten auf den Tisch. So und so ist es in meiner Nachfolge und so und so ist es nicht. Er öffnet die Augen für das, was uns bei ihm erwartet und nimmt uns die Illusionen, die wir uns vielleicht von einem Leben mit ihm machen.
Er reinigt unsere Vorstellungen von einem christlichen Leben von jeder irdischen Gesinnung und öffnet sie damit zugleich für die Gesinnung der Kinder Gottes.
Indem aber Jesus die Armut um seinetwillen selig preist, weist er den einzig möglichen Weg, die bedrückende Armut, wie sie sich vielgestaltig in unserer Welt zeigt, zu überwinden.
Wie das?
Erinnern wir uns an die Begegnung Jesu mit einem Mann, der das ewige Leben gewinnen wollte. (Mk 10:17-31) Ihm sagte Jesus schließlich: „Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!“ (Mk 10:21) Armut um Jesu willen ist immer Armut mit den Armen und Armut zugunsten der Armen.
Ob wir auf diese Einladung Jesu hin wie der Mann wohl auch traurig werden und weggehen, weil wir ein großes Vermögen haben? Oder wenn es nicht groß ist, dass dann unsere Anhänglichkeit an unser kleines Vermögen groß ist?