Samstag, März 24, 2007

Wer von euch ohne Sünde ist ...



Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 8: 1 – 11

1 Jesus aber ging zum Ölberg.
2 Am frühen Morgen begab er sich wieder in den Tempel. Alles Volk kam zu ihm. Er setzte sich und lehrte es.
3 Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte
4 und sagten zu ihm: Meister, diese Frau wurde beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt.
5 Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen. Nun, was sagst du?
6 Mit dieser Frage wollten sie ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, ihn zu verklagen. Jesus aber bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde.
7 Als sie hartnäckig weiterfragten, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie.
8 Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde.
9 Als sie seine Antwort gehört hatten, ging einer nach dem anderen fort, zuerst die Ältesten. Jesus blieb allein zurück mit der Frau, die noch in der Mitte stand.
10 Er richtete sich auf und sagte zu ihr: Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt?
11 Sie antwortete: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!



„Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein!“ Dieses Jesuswort ist ein Sprichwort geworden.
Wie oft haben wir schon dieses Wort ausgesprochen? Wie oft haben wir es von anderen gehört?

Dieses Wort Jesu führt zur Einsicht in eigene Schuld. Es weitet meinen Horizont um die Erkenntnis meiner eigenen Schuldhaftigkeit. Es führt dazu, dass ich mich eingebunden erlebe in eine Schuldgemeinschaft, in eine Gemeinschaft von Schuldigen, von Sündern. Es wendet meinen Finger, der anklagend auf andere weist auf mich selbst zurück. Dieses Wort Jesu führt mich zur tieferen Wahrheit, dass nicht nur andere Sünder sind sondern auch ich selber.

Das berührt zunächst unangenehm. Bedeutet es für mich doch eine Ernüchterung im Hinblick auf mich selber. Es ist eine Ohrfeige, die mich aufweckt aus meinem Unschuldswahn.
Doch bereitet dieses Wort in mir die Humusschicht der Barmherzigkeit, aus der dann ein Urteil wächst, das die Sünde trifft und den Sünder schont. Und dieses Urteil der Barmherzigkeit führt mich selber zum Frieden.

Dieses Urteil führt nicht zur Resignation, die sagt: Ich bin ja selber ein Sünder, also lass ich andere auch Sünder sein.
Dieses Urteil lässt mich nicht den Weg der Schriftgelehrten und Pharisäer gehen, auf dem sie die Sünderin einfach im Staub liegen lassen.
Dieses barmherzige Urteil lässt den Weg Jesu gehen: den Weg auf die Sünderin zu und nicht von der Sünderin weg!

So ist es gut, dass sie die Steine aus der Hand gegeben haben; aber statt dessen hätten sie die Hand der Sünderin ergreifen und zu ihr sagen sollen: „Schwester, verzeih uns unser hartes Urteil, auch wir sind Sünder und wir verdienen es so wie Du, gesteinigt zu werden. Aber nun steh auf, denn Gott will nicht den Tod des Sünders sondern dass er umkehrt und lebt. So wollen wir denn gemeinsam umkehren und miteinander wollen wir uns bemühen, nicht mehr zu sündigen.“

Genau das ist auch der Weg Jesu: die Chance der Erneuerung zugestehen, zur Umkehr ermutigen.
Wir merken: Die Sünde anderer hat die wichtige Aufgabe, an unsere eigene Sünde zu erinnern; daran zu erinnern, dass wir selber der Barmherzigkeit und der Vergebung durch andere vor allem aber durch Gott bedürfen. Und weil das so wichtig ist, wollen wir uns das noch einmal von Basil Hume, dem großen englischen Kardinal sagen lassen:

„Wer von uns wäre nicht auf Vergebung angewiesen? Ich jedenfalls brauche sie. Wenn wir spüren, dass wir einen Fehler, vielleicht einen großen Fehler begangen haben, müssen wir nicht verzweifeln. "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun", hat Jesus am Kreuz gebetet. Er möchte uns vergeben, mehr noch, ich wage zu sagen, dass er sogar noch nach einer Entschuldigung für unser Fehlverhalten sucht: "Sie wissen nicht, was sie tun."

Was mich selbst betrifft, kommt es darauf an, dass ich freimütig eingestehe, dass ich der Vergebung bedarf, dass ich mein Versagen bedauere und entschieden versuche, künftig mein Bestes zu tun. Gott wird mir vergeben. Er möchte es. Jeder, der liebt, möchte vergeben.

In jedem Leben gibt es Dinge, Taten und Haltungen, die der Vergebung bedürfen. Erinnerungen an frühere Dummheiten und Momente der Schwäche liegen wie finstere Gespenster auf der Lauer und tauchen urplötzlich wieder auf, wenn wir ein Tief durchleben oder die Härte des Lebens spüren. Könnten wir doch in solchen Zeiten klar und deutlich das befreiende Wort vernehmen, dass uns vergeben ist!

Wenn wir Gott ehrlichen Herzens um Vergebung bitten, wenn wir das Vergangene wirklich bedauern, was hält uns dann davon ab, an Gottes Vergebung zu glauben? Ist es mangelnder Glaube an seine Liebe zu uns?
Wenden wir uns ihm zu, leben wir aus dem Wunsch, ihn zu lieben, bitten wir ihn um Vergebung: Dann dürfen wir ganz sicher sein, dass auch unser Kummer über alles, was wir falsch gemacht haben, uns Gott näher bringt – und in seiner Nähe wird unser Herz Frieden finden.“

Diese Nähe des barmherzigen Herrn, in der unser Herz Frieden findet, ist uns im Sakrament der Buße geschenkt. So sind die Lesungen und Evangelium des heutigen Sonntages ein unübersehbarer Hinweis auf die hl. Beichte. Suchen wir diesen Ort der Gnade, diese Zeit unseres Heiles und lassen wir uns durch den Mund des Priesters jene Worte zusagen, die geradewegs aus der Herzmitte unseres Herrn und Erlösers kommen: „Deine Sünden sind dir vergeben! Geh hin in Frieden!“ (Lk 7:48.50)
Zugleich mit dem Frieden, der aus der Vergebung und der Versöhnung kommt, schenkt der Herr uns in der Beichte auch jene Kraft, mit der wir seine Weisung erfüllen können: „Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!“ (Joh 8:11)
Wer von uns hätte nicht im Innersten seines Herzens unauslöschliche Sehnsucht gerade nach diesen Worten des Herrn! Folgen wir dieser Sehnsucht, denn sie führt auf den Weg des Lebens – des Lebens in Fülle. Trinken wir vom Wasser in der Steppe und von den Strömen in der Wüste, die der Herr fließen lässt, um sein erwähltes Volk zu tränken. (vgl. Jes 43:20)

Sonntag, März 18, 2007

Ein Mann hatte zwei Söhne



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 15: 1-3.11-32

1 In jener Zeit kamen alle Zöllner und Sünder zu Jesus, um ihn zu hören.

2 Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen.

3 Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte:

11 Ein Mann hatte zwei Söhne.

12 Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf.

13 Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen.

14 Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über das Land, und es ging ihm sehr schlecht.

15 Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten.

16 Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon.

17 Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen, und ich komme hier vor Hunger um.

18 Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt.

19 Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner.

20 Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.

21 Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein.

22 Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand, und zieht ihm Schuhe an.

23 Bringt das Mastkalb her, und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein.

24 Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern.

25 Sein älterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz.

26 Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle.

27 Der Knecht antwortete: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat.

28 Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu.

29 Doch er erwiderte dem Vater: So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte.

30 Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet.

31 Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein.

32 Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden.





Wie berührend ist doch die Großmut des Vaters seinen Kindern gegenüber:
Er lässt sie gehen, wenn sie nicht mehr bei ihm bleiben wollen.
Er heißt sie überfroh willkommen, wenn sie zu ihm zurückkehren wollen.
Er hilft ihnen, wenn sie ihn nicht mehr verstehen und wenn er für sie unerträglich wird.

Seine Großmut ist herzliche Anteilnahme.
Der Vater ist einfach da für seine Kinder.
Er ist da in seiner alltäglichen Gegenwart;
Er ist da in der Ferne in der Herzenstiefe seiner Kinder.

Und er ist da in einer Weise, die ihre Erwartungen übertrifft.
Er ist da in einer Weise, die ihren Horizont sprengt.
Er sprengt ihren Horizont in der Milde, mit der er über ihre Irrwege hinwegsieht, ihre Reue annimmt und sie in die gemeinsame Freude führt.
Er sprengt ihren Horizont in der Eindringlichkeit, mit der er ihnen seine Gegenwart in Erinnerung ruft.
Er sprengt ihren Horizont in der Freude über die Heimkehr seiner Kinder.
Wie er seinen Kindern entgegenkommt, ist nur in der Liebe begreiflich.

Uns bleibt zu schauen, wo wir uns gerade befinden im Hinblick auf diesen Vater. Wie möchte uns seine Liebe eben jetzt treffen?

Erfreuen wir uns gerade seiner Nähe? Genießen wir das Leben mit ihm? Sind wir dankbar für seine einfache, alltägliche und doch unergründliche Güte?
Oder leben wir gedankenlos vor ihm? Seiner Gegenwart und Nähe kaum oder gar nicht bewusst? Wissen wir kaum oder gar nicht, was wir mit diesem Vater eigentlich haben?
Oder haben wir diesem Vater den Rücken zugewandt – aus welchen Gründen auch immer? Sind wir fern von ihm und haben wir seiner vergessen über all dem, was dennoch aus seiner Hand kommt?
Oder sind wir am Ende, im Elend und in der Sackgasse? Halten wir gerade Einkehr bei uns selber und erinnern wir uns der Lebensqualität in der Nähe des Vaters?

Lassen wir uns in diesen Tagen von der Großmut des Vaters berühren und bewegen zu Dankbarkeit ihm gegenüber, zu liebender Aufmerksamkeit auf ihn, zur Freude über ihn, zur Einkehr in unser Herz und zur Umkehr zum Vater, zur Bereitschaft, unser Herz von ihm weiten zu lassen um so an seiner Freude über unsere Heimkehr zu ihm Anteil zu nehmen. Zu all dem sind uns diese Tage vor allem geschenkt.

Es mögen Tage der Freude werden: Der Freude des Vaters an seinen Kindern und der Freude der Kinder an ihrem Vater und aneinander! Amen!

Freitag, März 09, 2007

Ich bin der ICH-BIN-DA



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 13: 1 – 9

1 Zu dieser Zeit kamen einige Leute zu Jesus und berichteten ihm von den Galiläern, die Pilatus beim Opfern umbringen ließ, so dass sich ihr Blut mit dem ihrer Opfertiere vermischte.
2 Da sagte er zu ihnen: Meint ihr, dass nur diese Galiläer Sünder waren, weil das mit ihnen geschehen ist, alle anderen Galiläer aber nicht?
3 Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt.
4 Oder jene achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms von Schiloach erschlagen wurden - meint ihr, dass nur sie Schuld auf sich geladen hatten, alle anderen Einwohner von Jerusalem aber nicht?
5 Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt.
6 Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis: Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine.
7 Da sagte er zu seinem Weingärtner: Jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen?
8 Der Weingärtner erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen.
9 Vielleicht trägt er doch noch Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen.




Gemischte Gefühle kommen mir beim Gleichnis Jesu vom Feigenbaum. Zum einen begeistert mich die Langmut des Weingärtners: Nach drei fruchtlosen Jahren will er dem Feigenbaum noch ein weiteres Jahr die Chance geben Früchte zu bringen. Zum anderen stimmt mich nachdenklich der Besitzer des Weinberges, in dem der Feigenbaum wächst: der möchte den Feigenbaum gleich umhauen, lässt sich vom Weingärtner jedoch das weitere Jahr zugunsten des Feigenbaumes abringen. Nach diesem vierten Jahr allerdings ist auch der Weingärtner dafür, den Feigenbaum umzuhauen – sollte der keine Früchte tragen.

Zwei Seiten Gottes begegnen uns: Der Gott der Langmut und des unerhört langen Atems im Weingärtner und der Gott der Abrechnung im Besitzer des Feigenbaumes. Für uns lautet die Botschaft: Der Gott der Abrechnung ist in seiner Langmut unermesslich, sofern wir Früchte der Umkehr zeitigen. Zugleich aber hat seine Langmut einmal ein Ende, sofern wir uns um keine Umkehr bemühen. Dieses Ende weiß jedoch nur er allein. Beide Bilder bezeichnen Wirklichkeiten Gottes. Keine dieser Wirklichkeiten dürfen wir zugunsten der anderen ausblenden. Damit würden wir dem geheimnisvollen Gott sein Geheimnis nehmen; dem unergründlichen Gott seine Unergründlichkeit. Wir würden ihn zu einem „Herrgöttlein,“ zu einem harmlosen Gebilde unserer Wünsche und Vorstellungen machen mit dem wir tun und lassen können, was wir wollen. Wir würden der Sünde den Stachel des Todes ziehen und unserem sittlichen Bemühen seinen heiligen, heiligenden und heilenden Ernst nehmen.

Erst der Gott, der unendlich langmütig ist und zugleich Rechenschaft von uns fordert ist es, der unser christliches Leben zwischen die beiden Pole stellt: Unser unbedingtes Vertrauen auf Seine Barmherzigkeit einerseits und zugleich unser bedingungsloses Streben, Seinen Willen zu tun andererseits. Unser christliches Leben kann nur zwischen diesen beiden Polen gelingen; nur so positioniert kann es attraktiv und fruchtbar sein.

Das aktuellste Beispiel, wie eine dieser beiden Seiten sehr elegant ausgeblendet wird, finden wir im Kirchenblatt zu diesem Sonntag. Da wird nämlich der Text der zweiten Lesung nicht abgedruckt, obwohl er vom Seitenlayout her spielend Platz gehabt hätte; er wird lediglich zitiert, wo er in den Schriften des hl. Paulus zu finden ist: 1 Kor 10: 1-6.10-12. Warum? Weil in dieser Lesung der Gott entfaltet wird, der Rechenschaft fordert wie in der 1. Lesung aus dem Buch Exodus (3:1-8a.10.13-15) die Langmut Gottes dargestellt wird.

Im brennenden Dornbusch kommt uns die Langmut Gottes entgegen in der brennenden Sorge um sein Volk. So wie der Feigenbaum unter seiner Fruchtlosigkeit kann auch das Volk Israel unter der Knechtschaft Pharaos sich nicht mehr alleine helfen:
Beide bedürfen der Hilfe von auswärts.
Beide müssen umgegraben und mit Dünger versorgt werden.
Beide müssen mit neuer Energie von außen erfüllt werden, auf dass eine neue Blüte und eine neue Fruchtbarkeit erfolgen können. In ihnen ist nichts mehr da: Sie sind kraft- und saftlos und auf sich allein gestellt dem sicheren Tod preisgegeben. Darum wäre es auch völlig sinnlos, den Feigenbaum und das Volk in der Gefangenschaft um sich kreisen zu lassen auf der Suche nach einer Energie in ihnen, die nicht da ist: Das wäre ein Kreisen um eine Leere, um ein Nichts, um eine völlige Ohnmacht. Energetische Turnübungen welcher Provenienz auch immer wären reines Theater und fruchtloses Tanzen wie um das goldene Kalb. (vgl. Ex 32:19)

Wie schaut nun aber die Energie aus, die von außen zugeführt und mit der Feigenbaum und gefangenes Volk beschenkt werden? Ist es eine gestaltlose, unpersönliche Kraft? Ist es ein ES, das hier ein Zwicken vergessen lässt und dort ein Wehwehchen wegdrückt?
Nein! Es ist eine Person! Es ist Mose, der von Gott zu seinem Volk geschickt wird, damit er im Namen und in der Kraft des Herrn das Volk aus der Gefangenschaft herausführe in die Freiheit und in das verheißene Land. Die Energie, die von Gott kommt ist eine personale Größe; sie ereignet sich in der Begegnung mit Gott. Sie wirkt aus dem Sein vor dem Herrn von Angesicht zu Angesicht. Propheten Gottes wie Mose leben in dieser persönlichen Hinordnung auf Gott und führen die Menschen, zu denen sie gesandt sind, hin zu diesem Gott. So kann Gott sein Volk aus seiner Gefangenschaft herausziehen und es befreien, damit es hingehen und Frucht bringen kann.

Moses ist ein Vorausbild für Jesus. Aber in welcher Weise wird Jesus zur Kraftquelle für sein Volk! Da es hier nicht mehr nur um eine äußere Gefangenschaft sondern um eine viel tiefere und innere Gefangenschaft geht wird Jesus die reine Armut, wird er der letzte Dreck der Welt, wird er zum Abschaum der Menschheit – und so zum Dünger, der hinein gegraben wird in das Erdreich der Menschheit. Er wird selber getötet, da es nunmehr um die Befreiung der Menschheit aus der Knechtschaft des Todes geht. In seiner Auferstehung von den Toten schenkt Gott diese Freiheit der ganzen Menschheit. Im Glauben wird sie wirksam. Jesus hat sein Leben hingegeben in den Tod um es in der Auferstehung für uns alle zu gewinnen. Durch seine Wunden sind wir geheilt. (Jes 53:5; 1Pet 2:24)

Wenn Jesus im Evangelium eindrücklich von Umkehr spricht, dann meint er zuerst Hinwendung zur persönlichen Begegnung mit ihm, damit er uns jene Energie schenken kann, die eine Erneuerung unseres Lebens erst ermöglicht: Es ist die Energie, die in den Sakramenten fließt: In der Beichte, in der Eucharistie, im Gebet, in der Schriftlesung, in der Geschwisterliebe. So trinken wir aus Gott, als dem „Quell des Erbarmens und der Güte“ (Tagesgebet vom Sonntag) und wir werden hingehen und Frucht bringen (Kol 1:10; Röm 7:4; Joh 15:4) Amen!

Freitag, März 02, 2007

Das ist mein auserwählter Sohn!



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 9: 28b – 36

28b Da nahm Jesus Petrus, Johannes und Jakobus beiseite und stieg mit ihnen auf einen Berg, um zu beten.
29 Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes, und sein Gewand wurde leuchtend weiß.
30 Und plötzlich redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elija; 31 sie erschienen in strahlendem Licht und sprachen von seinem Ende, das sich in Jerusalem erfüllen sollte.
32 Petrus und seine Begleiter aber waren eingeschlafen, wurden jedoch wach und sahen Jesus in strahlendem Licht und die zwei Männer, die bei ihm standen.
33 Als die beiden sich von ihm trennen wollten, sagte Petrus zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste aber nicht, was er sagte.
34 Während er noch redete, kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie. Sie gerieten in die Wolke hinein und bekamen Angst.
35 Da rief eine Stimme aus der Wolke: Das ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.
36 Als aber die Stimme erklang, war Jesus wieder allein. Die Jünger schwiegen jedoch über das, was sie gesehen hatten, und erzählten in jenen Tagen niemand davon.



Im heutigen Evangelium (Lk 9:28b-36) erleben wir im Leben Jesu einen wohltuenden Gegensatz zum Evangelium des vergangenen Sonntags (Lk 4:1-13). Dort hörten wir von seiner Auseinandersetzung mit dem Satan, mit dem Versucher, mit dem Bereich des Finsteren und Widergöttlichen.
Heute hingegen sind seine Gesprächspartner aus dem Reich des Lichtes, aus dem Bereich Gottes: Es sind Mose und Elias.

Mir erscheint dieses Evangelium eine wichtige Ergänzung für unser christliches Leben und für die Fastenzeit. Die soll ja auch bei uns nicht nur eine Zeit andauernder Versuchung und unablässigen Kämpfens sein. Wiewohl die Auseinandersetzung mit dem Bösen in uns und um uns herum gerade in dieser Zeit der Umkehr und Buße besonders ansteht und notwendig ist – so ist doch die Begegnung mit dem Bereich des Lichtes für uns ebenso wichtig und prägend.
Denn es muss Kennzeichen unseres christlichen Lebens sein dass wir sowohl vom Licht angezogen und durchstrahlt werden als auch, dass wir das Böse bekämpfen und den Bösen zurückweisen.
Das Hingezogensein zum Licht Gottes ist das Kennzeichen der Christen, die bei Paulus einmal Kinder des Lichtes und Kinder des Tages genannt.
Ihr gehört nicht mehr der Nacht und nicht mehr der Finsternis (1Thes 5:5), ruft der Apostel den Mitchristen seiner Gemeinde zu.
Es kennzeichnet den Christen aber auch die Wachsamkeit und die Kampfbereitschaft (vgl. Eph 6:13; Phil 1:30; 1 Tim 6:12; Heb 12:4)

Auf die Frage, was das für uns bedeutet, können wir anhand des heutigen Evangeliums eine Antwort finden.
So wie Jesus mit Moses und Elias gesprochen hat, können auch wir das Gespräch mit Menschen suchen, die Gott nahe sind.
Das kann dadurch geschehen, dass wir die Begegnung mit solchen Menschen durch die Lektüre der Heiligen Schrift suchen oder durch gute Biographien, die uns von solchen Menschen erzählen.
Das kann genauso gut geschehen, indem wir die Begegnung mit solchen Menschen suchen bei Einkehrtage und Exerzitien.
Oder indem wir via Medien solchen Menschen in Radio und Fernsehen zuhören.
In solchen Begegnungen kann Verklärung unseres Lebens geschehen.

Ein Ereignis aus dem Leben des hl. Ignatius von Loyola, dem Begründer des Jesuitenordens, soll erklären, was ich meine:
Ignatius musste schwer verwundet lange Zeit das Bett hüten. In dieser Zeit hätte er sich durch die Lektüre von Ritterromanen gerne etwas Kurzweile verschafft; doch war nichts von dieser Sorte in Reichweite. Statt dem war ein Buch da über das Leben verschiedener Heiliger.
In Ermangelung von anderem begann er in diesem Buch zu lesen. Im Verlauf der Lektüre machte er bei sich eine eigenartige Entdeckung: durch die Beschäftigung mit diesen Heiligen machte sich in seinem Herzen ein wohltuender Friede breit, den er bei der Lektüre von Ritterromanen sonst nie verspürt hat. Und dieser Friede hielt auch nach der Lektüre an.
Diese Erfahrung hat ihn zur Entscheidung geführt, in Zukunft das in sich aufzunehmen, was seinen Frieden fördert.
Auch wir lesen, hören und sehen vieles. Aber führt uns das über die Unterhaltung hinaus auch wirklich zum Frieden des Herzens – den wir hoffentlich nicht mit jener betäubenden Müdigkeit gleichsetzen, die uns ein Abend vor dem Fernsehen oder in der Diskothek beschert.

Ich habe es selber erlebt, dass ein Krimi andere Spuren in mir hinterlässt als etwa ein Video über das Leben Jesu; bedeutete dieses für mich ein Aufbauen, ein Ermutigen, ein Wegweisen so ließ der Krimi mich leer und mit dem Gefühl zurück, die Zeit vertan zu haben.

So wie Jesus mit seinen drei Jüngern den Berg besteigt, um zu beten genauso haben auch wir die Wahl, welchem Einfluss wir uns öffnen, welcher Ausstrahlung wir uns aussetzen – der der Finsternis oder der des Lichtes, der der Unruhe oder der des Friedens, der des Todes oder der des Lebens.

Jesus wird verwandelt, während er betet. Das will uns sagen, dass gerade das Beten eine Hochform ist, uns dem Licht zuzuwenden, weil wir uns dabei ausdrücklich und so vollständig wie möglich Gott zuwenden. Darum ist das Beten auch ein sicherer Weg zur Verwandlung und Verklärung unseres Lebens. Es ist der königliche Weg auf dem wir zum Licht gelangen und das Licht zu uns kommen kann.

So mag denn diese Fastenzeit für uns alle wie ein Aufstieg sein zum Berg der Verklärung indem wir uns immer wieder für das Licht entscheiden – sei es in der betenden Begegnung mit Gott, sei es durch die gesuchte Begegnung mit Frauen und Männern Gottes oder sei es dadurch, dass wir all das wählen, was den wahren Frieden in unserem Leben fördert. So sind wir gerüstet, den guten Kampf zu kämpfen, den Lauf zu vollenden und die Treue zu halten. (vgl. 2Tim 4:7) Amen!