Donnerstag, April 26, 2007

Der gute Hirt



Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 10: 27 – 30

27 Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir.
28 Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie meiner Hand entreißen.
29 Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle, und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen.
30 Ich und der Vater sind eins.



Wenn am heutigen Sonntag der Gute Hirte vor unsere Augen tritt, dann kennen wir dieses Bild wohl kaum mehr aus persönlicher Erfahrung. Wenn wir jedoch die Begriffe hören, in denen die Beziehung des Hirten zu seiner Herde zum Ausdruck kommt, wird lebendiger, was mit Hirte gemeint ist: hören, kennen, folgen!
Diese Begriffe spielen nämlich in unserem Leben eine wesentliche Rolle; denn wir hören auf Stimmen, wir kennen andere Menschen, und wir folgen ihnen.
Gerade in den nachösterlichen Erzählungen von der Begegnung mit dem Auferstandenen leben diese drei Beziehungswörter auf.
Als der auferstandene Herr die weinende Maria bei ihrem Namen ruft, erkennt sie ihn als ihren Meister. (vgl. Joh 20:16) So wie Jesus ruft niemand sonst ihren Namen. Seine Stimme würde sie unter Tausenden heraushören. Indem Jesus sie bei ihrem Namen ruft, berührt er jene einmalige Beziehung, die nur zwischen ihm und ihr besteht. Diese Beziehung ist im Verlauf ihres Beisammenseins gewachsen und hat sich unvergesslich in ihr Herz eingeprägt.
Oder wie Jesus den beiden Jüngern auf dem Weg nach Emmaus unerkannt davon erzählt, wie sein Schicksal ausgehend von Mose und den Propheten aus der gesamten Schrift herauswächst (vgl. Lk 24:27) da beginnt ihr Herz zu brennen (vgl Lk 24:32) und sie erahnen ihn, den sie noch nicht erkennen können.
Und schließlich am See von Tiberias: Da hat Jesus den Jüngern, die eben vom nächtlichen Fischfang ans Ufer gekommen sind, ein Mahl bereitet und isst es nun mit ihnen. Was er dabei mit seinen Gesten und mit seinem Mund redet lässt sie zweifelsfrei erkennen, wer er ist, da „wagte keiner von den Jüngern ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.“ (John 21:12) Gewiss können wir aus eigener Erfahrung nachvollziehen, was es bedeuten kann, auf eine Stimme zu hören.

„Ich kenne sie“ (Joh 10:27) So einfach das klingt so unergründlich tief ist es auch. Es spricht zum einen die gemeinsame Geschichte vor seinem Tod an. Er hat sie dabei durch und durch kennen gelernt. Die Episode bei Cäsarea Philippi weist darauf hin, als Jesus zu Simon sagt: „ Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“ (Mt 16:18) Demselben Simon sagt Jesus unmittelbar vor seinem Leiden: „Amen, ich sage dir: In dieser Nacht, noch ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“ (Mt 26:34)
Oder erinnern wir uns an die beiden Söhne des Zebedäus, die in seinem Reich links und rechts neben Jesus sitzen wollen. Da antwortet er ihnen: „Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde? Sie antworteten: Wir können es. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde.“ (Mk 10:38-39)
Und von allen sagt er beim letzten Abendmahl: „Ihr alle werdet in dieser Nacht an mir Anstoß nehmen und zu Fall kommen;“ (Mt 26:31) Jesus kennt ihren Reichtum und ihre Armseligkeit.
Er kennt sie aber zudem tiefer in dem Sinn, dass er Mensch ist wie sie, in allem ihnen gleich außer der Sünde. (vgl Heb 4:15) Er hat menschliche Versuchbarkeit (Mt 4:1-11) menschliche Trauer, (vgl Joh 11:35) menschliche Angst (Mt 26:37-46) und äußerste Verlassenheit (Mt 27:46) erlebt. Aus eigenem weiß er, wessen sie zuinnerst bedürfen und dass nur ER, der gute Hirt, ihnen das geben kann. So heißt es im Heb 2:17f: “Darum musste er in allem seinen Brüdern gleich sein, um ein barmherziger und treuer Hoherpriester vor Gott zu sein und die Sünden des Volkes zu sühnen. Denn da er selbst in Versuchung geführt wurde und gelitten hat, kann er denen helfen, die in Versuchung geführt werden.“

Dieses Kennen ist ein Kennen aus Liebe und somit ein Kennen zum Heil. Es begründet, dass sie ihm folgen. Dieses Folgen weiß im Innersten: Dieser Jesus kennt mich besser als ich selber mich kenne. Darum weiß er auch, was für mich das Beste ist. Deshalb folge ich ihm. Ich folge ihm, wie Maria Magdalena und die Jünger von Emmaus ihm gefolgt haben und zu den übrigen Jüngern gegangen sind, um ihnen auszurichten, was der Herr aufgetragen hat. Ich folge ihm wie die Jünger nach Galiläa auf den Berg (vgl. Mt 28:16), wo er sie bis ans Ende der Welt und bis ans Ende ihres Lebens in seine Gefolgschaft ruft mit dem Auftrag: „Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt. (Mt 28:19-20)
Dem guten Hirten Jesus Christus nachfolgen bedeutet den Weg des Lebens gehen, es bedeutet Vertiefung der Jüngerschaft und es wandelt zu guten Hirten. Im Guten Hirten werden wir selber zu guten Hirten. Amen!

Samstag, April 21, 2007

Petrus, liebst du mich mehr als diese?



Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 21:1 – 19

1 Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.
2 Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus (Zwilling), Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen.
3 Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.
4 Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.
5 Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.
6 Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.
7 Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See.
8 Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot - sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen - und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.
9 Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot.
10 Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt.
11 Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.
12 Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.
13 Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.
14 Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.
15 Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer!
16 Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!
17 Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er gab ihm zu Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!
18 Amen, amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst.
19 Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!



Im Evangelium eben können wir zwei Abschnitte im Leben der Jünger erkennen: Einen Abschnitt ohne Jesus und einen mit Jesus.
Die Zeit ohne Jesus verbringen sie damit, dass sie wieder fischen gehen. Sie tun das, was sie getan haben, ehe Jesus sie in seine Nachfolge gerufen hat. Aber sie fangen nichts; sie bleiben fruchtlos. Es liegt etwas Trostloses über der ganzen Begebenheit: Mit Jesus, der für die Jünger tot ist, erscheint alles ausgelöscht, was sie bisher mit Jesus erlebt haben. Sie erscheinen wie zurückgeworfen in die Zeit vor Jesus. Das Verhalten der Jünger scheint aus einer tiefen Resignation zu erwachsen. Mit Jesus scheint alles weg und alles vergessen: Das Reich Gottes, die Predigt Jesu, seine Wunder und Zeichen. Alle Hoffnungen und Träume sind zerplatzt.
Ist dieser Zustand der Jünger nicht dem ähnlich, den wir bei uns immer wieder erleben: Dieses Treten auf der Stelle, dieses immer wieder zurückfallen; dieses nicht weiter kommen; diese Trostlosigkeit, die Resignation, die Depression, die Eintönigkeit eines freudlosen Lebens; die Erfolglosigkeit in geistlicher und moralischer Hinsicht? Wir müssen weiß Gott nicht weit gehen! Oft genug nur bis vor die Kirchtüre! Und gebe Gott, dass diese Haltungen uns nicht auch oft genug schon beim Gottesdienst selber einholen!
Die Jünger stellen uns ein Leben vor Augen, in dem Jesus tot ist; ein trostloses Leben, ein unfruchtbares Leben. Ein Leben ohne den Herrn; ein Leben, in dem sie auch nicht mehr seine Jünger sein können.

In dieses Leben dringt die Stimme vom Ufer ein. Sie gibt Anweisung, die, befolgt, Früchte zeitigt. Die schönste Frucht ist jedoch die Erkenntnis, dass dies die Stimme des Herrn ist. Diese Erkenntnis ist ihrerseits eine Frucht der Liebe, die vom Herrn kommt. Letztlich führt diese Stimme zur Begegnung mit dem Herrn selber. Es ist eine Mahlbegegnung.
Alles zusammen genommen können wir sagen, die Situation ist unserem christlichen Leben nicht unähnlich: Es ist die Stimme des Herrn, der unserem Leben Sinn und Ziel geben möchte. In dieser Stimme möchte der Herr in unserem Leben gegenwärtig sein. Die Liebe, die der Herr zu uns hat, lässt uns diese Stimme als die Stimme des Herrn erkennen. Die Stimme des Herrn führt uns zur Mahlgemeinschaft mit ihm: bei jeder hl. Messe dürfen wir diese Gemeinschaft erleben.

Noch etwas fällt im Evangelium auf: Dass Petrus besonders hervorgehoben wird: Er führt die Aufzählung der Apostelgruppe an. Er macht den Vorschlag, fischen zu gehen und alle stimmen zu und gehen mit ihm. An ihn wendet sich der Jünger, der Jesus erkennt. Von ihm wird als einzigem erzählt, dass er nackt ist. Er wirft sich ins Wasser und watet auf den Herrn am Ufer zu. Und wie Jesus an alle Jünger die Bitte richtet, von den gefangnen Fischen zu bringen, ist es Petrus allein, der die 153 großen Fische ans Land zieht. Der Vorrang des Petrus ist unübersehbar!
Nach dem Essen scheint es in der gleichen Tonart weiter zu gehen: Jesus fragt nämlich den Petrus gleich dreimal, ob er ihn liebt.
Und doch ist bereits in der ersten dieser drei Fragen eine wesentliche Korrektur enthalten, denn Jesus fragt den Petrus: Liebst du mich mehr als diese? Für Jesus zählt der Vorrang in der Liebe! Ein Streben darf es geben, besser zu sein als die anderen: das Streben im Lieben! In der geschwisterlichen Liebe, in der gegenseitigen Achtung, in der Rücksichtnahme aufeinander dürfen wir einander übertreffen. (vgl Röm 12:10)
Dass Jesus diese Frage, die jeden Jünger betrifft, gerade an Petrus dreimal richtet, ist darin begründet, dass gerade er den Herrn dreimal verraten hat.
Es ist dieser Eifer im Lieben, dem der Herr seine Schafe zum Weiden anvertraut. (vgl Joh 21:15-17) Denn in diesem Liebeseifer ist der Jünger dem Herrn ähnlich, der die Seinen liebte bis zur Vollendung (vgl. Joh 13:1); er steht in jener größten Liebe, in der einer sein Leben hingibt für seine Freunde (Joh 15:13). Diese Liebe macht den Jünger bereit, wie der gute Hirte zu suchen und zu retten, was verloren war. (vgl Lk 19:10) Diese Liebe befähigt zur Nachfolge Jesu.

Freitag, April 13, 2007

Friede sei mit euch!



Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 20: 19 – 31

19 Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!

20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.

21 Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

22 Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!

23 Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.

24 Thomas, genannt Didymus (Zwilling), einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.

25 Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.

26 Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch!

27 Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!

28 Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott!

29 Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

30 Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan.

31 Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.




Wir erlebten eben eine Begegnung der Jünger mit ihrem auferstandenen Herrn. Der Herr kommt nicht mit leeren Händen zu dieser Begegnung.

„Jesus tritt in ihre Mitte und sagt zu ihnen: Friede sei mit euch!“ (Joh 20:19). Das erste Wort des Auferstandenen an seine Jünger ist ein Friedenswort. Was mag dieses Wort für die Jünger wohl bedeutet haben, deren Herz bedrückt war von Angst vor den Juden; mussten sie doch befürchten, ein ähnliches Schicksal zu erleiden wie ihr Herr und Meister.
Was mag es bedeutet haben für ihr Herz, das belastet war vom schlechten Gewissen im Hinblick auf ihr Verhalten gegenüber dem leidenden und sterbenden Jesus. Die Erwartung eines Strafgerichtes wäre nur allzu menschlich gewesen. Aber sie vernehmen ein Friedenswort von dem, der schon öfter zu anderen gesagt hat: Deine Sünden sind dir vergeben! Geh in Frieden! Nun sind sie an der Reihe; nun muss auch ihnen Schuld vergeben werden; nun dürfen auch sie die Wohltat eines Friedens erfahren, der aus der Vergebung kommt.
Es muss geradezu eine erlöste, befreite Freude gewesen sein, mit der die Jünger sich daraufhin freuten, als sie den Herrn sahen.

Diese erlöste Freude wird bewirkt durch die zweite österliche Gabe: „Jesus zeigt ihnen seine Hände und seine Seite“ (Joh 20:20)
Dieser Jesus, der da in ihrer Mitte ist, ist nicht eine Erscheinung, ein Gespenst, eine Einbildung, ein Produkt ihrer Phantasie. Dieser auferstandene Jesus ist Wirklichkeit; so wirklich wie die Wundmale an seinen Händen und an seiner Seite. Derselbe Jesus, der ans Kreuz genagelt (Joh 19:23) und mit der Lanze durchbohrt wurde (Joh 19:34) steht nun als der Auferstandene in ihrer Mitte. Sie können die Wunden sehen, durch die sie geheilt wurden. Und zu diesem Geheilt-sein gehört der Friede dazu, den Jesus ihnen schenkt und ihre Freude darüber, dass sie Jesus sehen. So werden die Jünger durch das Erlöserwirken Jesus durch die österlichen Gaben des Friedens und der Freude mit ihrem Herrn verbunden.
Doch fügt Jesus nun noch eine weiter österliche Gabe hinzu:

"Jesus hauchte sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!" (Joh 20:22)
Was Jesus mit dieser Gabe des Heiligen Geistes beabsichtigt kommt deutlich zum Ausdruck: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ (Joh 20:21) und gleich darauf: „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.“ (Joh 20:23) Im Heiligen Geist dürfen die Jünger erkennen, dass Jesus nicht in eigener Mission als der Auferstandene in ihrer Mitte ist sondern dass der Vater ihn in ihre Mitte geschickt hat; dass somit die Auferstehung ein Werk des Vaters ist und die österlichen Gaben des Friedens und der Freude Gaben des Lebens sind, die Jesus vom Vater den Jüngern überbringt.
Im Heiligen Geist wird die Beziehung zwischen Jesus und den Jüngern geöffnet auf jene Menschen hin, zu denen Jesus sie sendet: Wie er im Namen des Vaters zu ihnen gegangen ist sollen sie in seinem Namen zu all denen gehen, zu denen Jesus sie sendet. Und der Erste, zu dem Jesus sie sendet ist ihr Mitapostel Thomas. Sie sagen ihm: Wir haben den Herrn gesehen!
Wir können am heutigen Evangelium Wesentliches über die Gemeinschaft der Kirche sagen: Sie ist eine Herzens- und Lebensgemeinschaft mit ihrem auferstandenen Herrn, in der jeder zuinnerst durch die österlichen Gaben des Friedens und der Freude mit dem Herrn verbunden ist.
Zugleich ist sie eine Gemeinschaft, die in der Kraft des Heiligen Geistes zu allen Menschen gesendet ist um allen Menschen die Barmherzigkeit in Wort und Tat zu vermitteln, die ihnen Gott in der Auferstehung seines Sohnes schenken möchte. Sehen wir mit allen Kräften zu, dass es nicht an uns liege, dass dieses Geschenk auf seinem Weg zu den Menschen verdunkelt oder behindert werde. Lassen auch wir uns vom auferstandenen Herrn mit seinem Geist erfüllen und lassen wir uns senden erfüllt mit seinem Frieden und seiner Freude. Werden wir so Zeugen und Boten der barmherzigen Liebe Gottes, der gelobt und gepriesen sei in Ewigkeit! Amen!

Sonntag, April 08, 2007

Und sie erkannten ihn als er das Brot brach



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 24: 13 – 34

13 Am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist.
14 Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte. 15 Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen.
16 Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, so dass sie ihn nicht erkannten.
17 Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen,
18 und der eine von ihnen - er hieß Kleopas - antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?
19 Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Wort und Tat vor Gott und dem ganzen Volk.
20 Doch unsere Hohenpriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen.
21 Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist.
22 Aber nicht nur das: Auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab, 23 fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe.
24 Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht.
25 Da sagte er zu ihnen: Begreift ihr denn nicht? Wie schwer fällt es euch, alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben.
26 Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?
27 Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht. 28 So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen,
29 aber sie drängten ihn und sagten: Bleib doch bei uns; denn es wird bald Abend, der Tag hat sich schon geneigt. Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.
30 Und als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen.
31 Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr.
32 Und sie sagten zueinander: Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?
33 Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück, und sie fanden die Elf und die anderen Jünger versammelt.
34 Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.
35 Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.




Wie sehr hat doch das Erleben des Leidens und Todes Jesu die beiden Emmausjünger traumatisiert: Der Herr begegnet ihnen auf ihrem Weg, er geht mit ihnen und spricht mit ihnen – und sie erkennen ihn nicht!
Damit sie ihn schließlich doch erkennen konnten, hat er ihnen eine dreifache Gemeinschaft geschenkt.

Da ist zuerst einmal die Weggemeinschaft: „Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen.“ (Lk 24:15)
Jesus meidet nicht die Gemeinschaft seiner Jünger – mögen sie ihn auch verlassen haben: er geht dennoch wieder mit ihnen. Wie er sie zu Beginn seines öffentlichen Wirkens in seine Gemeinschaft gerufen hat so sucht er jetzt erneut das gemeinsame Unterwegssein mit ihnen. Es stört ihn nicht, dass sie ihn nicht erkennen.
Es stört ihn auch nicht, dass sie schlecht drauf sind; dass sie jammern und klagen; dass sie leiden und Kummer haben. Es mag wohl gerade dies der Grund sein, dass Jesus mit ihnen geht. Wer könnte berufener sein den Kreuzweg mit ihnen zu gehen, als der, der ihn zuvor für sie gegangen ist auf Kalvaria hinauf?
In seiner Kirche geht Christus auch heute an der Seite der Leidenden, der Traurigen, der Bedrückten und Verfolgten. In der Kirche hält Christus auch heute Weggemeinschaft mit der leidenden Welt. Es ist eine Aufgabe, die zum Wesen der Kirche gehört: Die Welt in ihren Leiden aufzusuchen und mit ihr durch die Dunkelheit dieser Zeit zu gehen und ihr so den auferstandenen Herrn nahe zu bringen – mag sie ihn nun erkennen oder nicht!

Das Nebenhergehen allein genügt Jesus nicht; er tritt in ihr Gespräch ein. Er gewährt ihnen Erzählgemeinschaft. Im Erzählen und Zuhören teilen sie einander ihr Leben mit; lernen sie einander kennen; lässt einer den anderen tiefer in sein Leben eintreten. Im Evangelium erleben wir Jesus da vor allem als Zuhörenden; als einen, der bereit ist, sich auf die Not der beiden Jünger ganz einzulassen; er kann sie ausreden lassen. Sie dürfen ihr Herz bei ihm ausschütten.
Wer könnte dazu berufener sein als jener, der sein Herz von der Lanze des Soldaten hat öffnen lassen, damit Blut und Wasser hervor fließen. Er hat sein Herz ganz offen und ganz leer gemacht, damit alle Not der Welt, alle Klage und aller Jammer dort ihren Platz und ihren Widerhall finden können.
Und erneut ist es der lebendige Leib seiner Kirche, in der der Herr die Probleme, die Klagen, die Übel, die Katastrophen und die Verbrechen der heutigen Welt hören möchte in ihrer Länge und Breite, in ihre Tiefe und in ihrer ganzen Schrecklichkeit.
Es gehört zur wesentlichen Berufung der Kirche, den auferstandenen Herrn der Welt darzustellen, indem sie als Hörende und Antwortende auf alle Probleme dieser Welt eingeht.
Und wie Jesus dann die Klage der beiden Jünger beantwortet, indem er aus seinem Leben erzählt, wie es die Schriften und die Propheten darstellen, beginnt ihr Herz zu brennen: Sie spüren mit dem Herzen den nahen Herrn und können ihn mit dem Verstand doch noch nicht erkennen.

So bietet ihnen der Herr als drittes die Mahlgemeinschaft an: „Und als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen. Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn.“ (Lk 24:30f.) Das bringt den Durchbruch, das Aufleuchten! Die unverwechselbare Art, wie Jesus beim letzten Abendmahl in den Gestalten von Brot und Wein sich selber in seinem Tod und seiner Auferstehung gegenwärtig setzte und sich selber ihnen zur Speise gibt, hilft ihnen jetzt Jesus zu erkennen.
So macht Jesus es seinem Leib der Kirche zur Aufgabe, in der Eucharistie selber vom Brot des Lebens zu essen und vom Kelch des ewigen Heiles zu trinken und der Welt diese Speise zum ewigen Leben anzubieten, auf dass sie erkenne, welche Speise ihr das wahre Leben gibt.
Papst Benedikt schreibt jüngst über die Eucharistie: „Auf die Fürsprache der Allerseligsten Jungfrau Maria entzünde der Heilige Geist in uns dasselbe Feuer, das die Jünger von Emmaus spürten (vgl. Lk 24,13-35) und erneuere in unserem Leben das eucharistische Staunen über den Glanz und die Schönheit, die im liturgischen Ritus aufleuchten, der ein wirksames Zeichen der unendlichen Schönheit des heiligen Mysteriums Gottes ist. Jene Jünger erhoben sich und kehrten eilends nach Jerusalem zurück, um die Freude mit ihren Brüdern und Schwestern zu teilen. Die wahre Freude besteht nämlich darin, zu erkennen, dass der Herr bei uns bleibt, als unser treuer Weggefährte. Die Eucharistie lässt uns entdecken, dass sich der gestorbene und auferstandene Christus im Mysterium der Kirche, seinem Leib, als unser Zeitgenosse erweist.“ (Mysterium caritatis 97)

Gehen wir mit dem auferstandenen Herrn und in ihm mit unseren Schwestern und Brüdern. Amen!

Freitag, April 06, 2007

Frau, siehe dein Sohn! ... Siehe, deine Mutter!



„Deinen Tod, o Herr, verkünden wir!“ So haben wir gestern nach der Wandlung in der Akklamation gerufen!
Was wir bei der Abendmahlfeier gesagt haben tun wir heute auf besondere Weise: Wir verkünden das Leiden und den Tod unseres Herrn Jesus Christus.
Wir begegnen der alttestamentlichen Gestalt des Gottesknechtes (Jes 52:13 – 53:12) und finden ihre Entsprechung in unserem leidenden und sterbenden Herrn Jesus. (Joh 18:1 - 19:42)
Im herzlichen Mitgehen mit dem Herrn auf seinem Leidensweg dürfen wir tiefer eindringen in das Geheimnis seines scheinbar sinnlosen Leidens und Sterbens.

„Jesus wusste alles, was mit ihm geschehen sollte.“ (Joh 18:4)
Jesu wusste, dass Pilatus keine Macht über ihn hätte wenn es ihm nicht von oben gegeben wäre. (vgl. Joh 19:11)
Schließlich wusste Jesus, dass nun alles vollbracht war und er gab seinen Geist auf mit den Worten: „Es ist vollbracht!“ (Joh 19:30)
Dieses Wissen Jesu reichte über seine Nasenspitze hinaus in die Tiefen Gottes hinein.
Darum verwendet Jesus sein Wissen nicht, um Strategien zu entwickeln, wie er sein Leiden verhindern und seinen Tod hinausschieben könnte.
Dieses Wissen gibt ihm vielmehr die Kraft, sein Leiden anzunehmen, entschlossen den Kreuzweg zu gehen und den Tod zu erdulden wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird. (vgl. Jes 53:7)
Sein Wissen wird genährt aus der Kenntnis der Schriften und da heute besonders der 1. Lesung über den Gottesknecht.
Sein Wissen ist begründet in seinem Gebet.
Beides lässt ihn erkennen und annehmen, dass sein Leiden und Sterben von Gott verfügt ist, von jenem Gott, den er zärtlich Abba, Vater, zu nennen pflegt. In der Annahme seines Leidens und Sterbens erfüllt er den Willen Gottes aus Liebe zu ihm.
Beides lässt ihn aber auch erkennen und annehmen, warum ihm Leiden und Tod widerfahren: „Der Herr lud nämlich auf ihn die Schuld von uns allen.“ (Jes 53:6) „Er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, von ihm getroffen und gebeugt. Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt.“ (Jes 53,4f.) In der Annahme seines Leidens und Sterbens handelt er zu unserem Heil aus Liebe zu uns.

Sein Umherziehen, sein Gutes Tun und dass er alle Krankheiten und Leiden im Volk heilte (vgl. Apg 10:38; Mt 4:23) – das alles erreicht seinen Höhepunkt in seinem Leiden und Sterben am Kreuz, seine Glieder angenagelt am Marterpfahl.
Sein wissendes Leiden und Sterben wollen uns sagen, dass er aus Liebe zu Gott und zu uns Menschen leidet und stirbt.
Es will uns sagen, dass nicht die brutale Gewalt der Menschen und der eisernen Nägel seine Arme am Kreuz ausgebreitet hält sondern seine bezwingende Macht der Liebe, mit der er alle zu sich ziehen wird (vgl. Joh 12:32) O möge uns doch seine Liebe und alles, was sie erduldet, wahre Zerknirschung des Herzens bereiten, damit wir in diese geöffneten Arme des Herrn laufen, bereit, sein Geschenk der Erlösung anzunehmen um dadurch gewandelt als neue Menschen in dieser Welt zu leben – als Menschen seines Wohlgefallens. (vgl Lk 2:14)

„Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn!
Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter!“ (Joh 19:26f)
Seine wissende Liebe lässt ihn bis zuletzt aufmerksam sein. So vertraut er in seinem Lieblingsjünger uns alle seiner Mutter an, das heißt jener Frau, deren Herz nach dem seinen am meisten gelitten hat und sich so als wahres Mutterherz erweist. Diesem Herzen vertraut sich der Herr erneut an – diesmal allerdings stellvertretend durch seinen Lieblingsjünger im Leib seiner Kirche. Im Leib der Kirche möge Maria ihren Sohn lieben. Durch diese Liebe möge Maria uns helfen, in den Händen ihres Sohnes unsere Heimat zu finden, indem wir uns so wie sie dem Herrn zu Verfügung stellen: Sein Wille möge wie in ihrem so auch in unserem Leben geschehen (vgl Lk 1:38). Sein Wort möge wie in ihrem so auch in unserem Herzen Raum finden, dass wir es dort bewegen, darüber nachdenken (Lk 2:19) und danach leben. (vgl. Lk 11:28; Mt 7:24f.)