Donnerstag, Mai 31, 2007

In Dreiheit Eins!



Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 16:12-15


12 Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.


13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird.


14 Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden.


15 Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.






Gepriesen sei der dreieinige Gott:
der Vater und sein eingeborener Sohn
und der Heilige Geist;
denn er hat uns sein Erbarmen geschenkt.


Dieser Eröffnungsvers zur hl. Messe bezeichnet den Inhalt des heutigen Hochfestes: Es möge ein Lobpreis sein des Dreifaltigen Gottes. Dieser Lobpreis möge vom Erbarmen angeregt werden, das der dreifaltige Gott uns schenkt.
Ein Fest des Herzens ist es, das dieses Erbarmen nicht fasst, und des Verstandes, der diesen Gott in seiner Dreieinheit nicht begreift. Denn es ist nicht die Unfassbarkeit und Unbegreiflichkeit, die uns die Festfreude trüben sondern das Begreifbare und das Erahnbare, das uns jubeln und feiern lässt im Hinblick freilich auch auf das, was über alles Begrenzte hinaus uns Gott an Erbarmen, Leben und Liebe schenken wird jetzt und dereinst.
Dieses Fest drückt die liebende Bereitschaft Gottes aus, sich uns Menschen mitzuteilen so, dass wir ihn erfahren können, und zugleich in einer Art, die jede Erfahrung übersteigt.


Jeder von uns hat ja auch verschiedene Weisen sich anderen mitzuteilen. Ich als Karmelit begegne Euch z. B. als Priester, als Beichtvater oder als Prediger. Aber bei keiner Weise kann ich verleugnen, dass ich Karmelit bin.
So ähnlich ist es auch bei Gott: Er begegnet uns als Vater, als Sohn oder als Hl. Geist.
Denn der Vater hat die Welt erschaffen und den Sohn gesandt – nicht etwa der Sohn oder der hl. Geist.
Und der Sohn ist am Kreuz gestorben und von den Toten auferstanden – nicht etwa der Vater oder der hl. Geist.
Und der hl. Geist verbindet uns mit Gott und miteinander zur Gemeinschaft der Kirche – und nicht etwa der Vater oder der Sohn.
Die Dreifaltigkeit ist kein göttlicher Einheitsbrei sondern eine Gemeinschaft in brennender Liebe bei aller Verschiedenheit.


Alle Religionen, in denen Gott Monarch ist, sind ein Nährboden für Intoleranz, Streit und Krieg.
Und es ist bei uns Christen genau auch diese Vorstellung eines nicht gemeinschaftsfähigen Gottes, der hinter den Kreuzzügen und hinter den Religionskriegen und hinter den Zwangsmissionierungen in Vergangenheit und Gegenwart steht.
Von diesem Zusammenhang her können wir verstehen, wie wichtig und wesentlich das Geheimnis des dreifaltigen Gottes ist für ein geschwisterliches Auskommen in der Kirche, zwischen den Religionen, in der Gesellschaft, zwischen den Völkern und Kontinenten.
Durch dieses Fest möchte Gott uns sagen, dass in seiner Liebe Einheit in Verschiedenheit möglich ist – ja, ER möchte uns sagen, dass in dieser Liebe, die Andersartigkeit und die Verschiedenheit nicht als notwendiges Übel ertragen sondern im Gegenteil als Besonderheit des Anderen geliebt wird.
Stellt Euch nur einmal vor, was der Grundgedanke des heutigen Festes bedeutet für das Zusammenleben in den Familien, in unseren Gemeinden, zwischen den Kulturen und den Schichten unserer Gesellschaft: er bedeutet einen Quell der Geschwisterlichkeit, des Entgegenkommens und des Friedens.


Ihr habt es schon bemerkt: Mit dem heutigen Fest will Gott nicht nur etwas von sich mitteilen; damit will er auch unser Leben beeinflussen und prägen.
So wie ER dreifaltige Gemeinschaft ist sollen auch wir dreifaltige Gemeinschaften werden: in unseren Familien, in unseren Gemeinden, in unserem Staat, auf der ganzen Welt. Ein Auftrag, an dem wir immer zu arbeiten haben werden. Aber mit dieser Arbeit bauen wir das Reich Gottes auf in dieser Welt.


In diesen Zusammenhang passt auch, wenn ich auf die Frage nach den verschiedenen Religionen der Erde die Antwort höre: Das ist eh alles der gleiche Gott!
Gibt so eine Antwort einer, der für den Gott seiner Religion Feuer und Flamme ist oder einer, der seine Ruhe haben will, der Verschiedenheit nur schwer aushalten kann und dem im Grunde Gott gleich gültig weil gleichgültig ist.
Zum dreifaltigen Christen gehört beides zusammen: Die feste Überzeugung, dass der Gott und Vater Jesu Christi der wahre Gott ist und die Achtung vor der religiösen Überzeugung Andersgläubiger.


Im Aushalten des Unterschiedes, im Erleiden der Differenz und im Bleiben in der Liebe zeigt ein Christ, dass sein Gott der dreifaltige Gott der Bibel ist, der ja auch in Jesus Christus unsere menschliche Andersartigkeit, die ja geradezu eine Widerartigkeit zu Gott ist, aushält, in Liebe annimmt und sie in Liebe umformt in seine göttliche Art.
Das Fest des dreifaltigen Gottes ist ein Zeugnis für die Bereitschaft Gottes, die Überfülle seines Lebens in unsere Gemeinschaftsformen einströmen zu lassen, um sie zu dreifaltigen Gemeinschaften zu machen.


So beten wir: Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, im Neuen Bund berufst du aus allen Völkern dein Volk und führst es zusammen im Heiligen Geist. Gib, dass deine Kirche ihrer Sendung treu bleibt, dass sie ein Sauerteig ist für die Menschheit,
die du in Christus erneuern und zu deiner Familie umgestalten willst. So bitten wir durch Christus, unsern Herrn. Amen!

Samstag, Mai 26, 2007

Hl. Philipp Neri - ein Narr in Christo!



Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 20:19-23

19 Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.
21 Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
22 Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
23 Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.



„Jesus hauchte sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!“ (Joh 20:22) Diese Worte des Evangeliums machen die schönste Aussage über den Heiligen Geist: Er kommt von Jesus!
Noch ehe er Feuerzunge und Sturmesbrausen ist, ist er ein Geschenk Jesu.
Noch ehe er von Paulus in seinem Reichtum entdeckt wird in der Vielzahl seiner Gaben, ist er eine Gabe Jesu!
Darum wird uns der heilige Geist immer an Jesus erinnern, an das, was er getan und gesagt hat. (Joh 14:26) Er wird uns Freude an dem schenken, was uns zu Jesus hinführt: An der hl. Messe, an der Anbetung, an der Beichte, an jedem Sakrament unserer Kirche, an der Gemeinschaft der Kirche selber, am Gebet, an der Schriftlesung, an der Begegnung mit Menschen, die Jesu Freunde sind.
Dieser Geist will uns mehr und mehr zu Menschen machen, die durch ihr ganzes Denken, Reden und Tun bekennen: „Jesus ist der Herr!“ (1Kor 12:3b) Und er wird uns erkennen und meiden lassen, wo Jesus das Herrsein streitig gemacht wird. Dieser Geist wird uns meiden lassen, was nichts mit Jesus zu tun hat, was nicht zu ihm hinführt, was ihn verschämt verschweigt und eigenherrlich verleugnet.
Dieser Geist wird die Haltungen in uns fördern, die an Jesus erinnern: „Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.“ (Gal 5:22-23)
Darum ist es selbstverständlich, dass die Geisterfüllten unserer Kirche durchwegs Christusnarren waren. Denn wer den hl. Geist im Nacken hat, der trägt Jesus in seinem Herzen und auf seinen Lippen. Sein Bekenntnis zu Jesus ist der Erweis jenes Geistes, dessen Herabkunft wir heute feiern.
Da wir gestern eben einen solchen Narren in Christo gefeiert haben möchte ich an einzelnen Episoden in seinem Leben aufzeigen, was ich meine: Wir gedachten gestern des hl. Philipp Neri, des Apostels von Rom.

1515 – 1595 lebte Philipp Neri; mit 18 Jahren kam er nach Rom. dort war er 16 Jahre lang als Erzieher in einer Familie tätig. Er studierte Theologie und Philosophie, und kümmerte sich um Arme und Kranke.
Noch während des Studiums verkaufte er alle seine Bücher außer der Bibel, gab den Erlös den Armen und widmete sich der religiösen Unterweisung des Volkes auf der Straße. Entsprechend seinem sonnigen Naturell führte er heitere, witzige und schlagfertige Gespräche mit Straßenjungen und einfachen Leuten, aber auch mit Kaufleuten und Künstlern, was ihm den Beinamen "der lachende Heilige" eintrug. Ohne Unterlass betete er, manchmal schlief er in einer Kirche, um auch im Schlaf Gott nahe zu sein.
1548 gründete Filippo gemeinsam mit seinem Beichtvater die "Bruderschaft der Heiligsten Dreieinigkeit", eine Gesellschaft von Laien zur Betreuung von bedürftigen Rompilgern, Kranken und Armen. 1551 empfing Filippo auf Drängen seines Beichtvaters hin die Priesterweihe und schloss sich bald darauf der Kirchengemeinde von San Girolamo della Carità in Rom an. Seine Versammlungen und Gottesdienste mit Lobliedern und Gebeten in der Volkssprache wurden so beliebt, dass über dem Kirchenschiff ein zusätzlicher Raum eingerichtet werden musste, um die wachsende Zuhörerschaft unterzubringen. In diesem Raum, dem "Oratorium", entstand eine Wohngemeinschaft Gleichgesinnter, innerlich zusammengehalten von gemeinsamem Glaubensgespräch, von Beten und Bibelbetrachtung. Das Oratorium wurde zum Mittelpunkt der Tätigkeit Filippo Neris.

Die Feier des Messopfers versetzt ihn in Ekstase. Er weiß kaum, wohin er schreitet, er taumelt auf dem Wege und vor dem Altare. Hebt er die Hostie in die Höhe, so kann er die Arme nicht wieder herunterbringen; es scheint, als zöge ihn eine unsichtbare Kraft empor. Beim Eingießen des Weins zittert und schaudert er. Und wenn er nach vollendeter Wandlung dieser geheimnisvollen Gaben genießen soll, erzeigt er sich auf eine wunderliche, nicht auszusprechende schwelgerische Weise. Vor Leidenschaft beißt er in den Kelch, indes er ahnungsvoll das Blut zu schlürfen glaubt des kurz vorher gleichsam gierig verschlungenen Leibes. Ist aber die Messfeier vorüber, so finden wir zwar immer einen leidenschaftlich wundersamen, aber immer höchst verständig praktischen Mann.“

Im Mittelpunkt von Filippos Frömmigkeit standen das Pfingstwunder und besonders die Verehrung der Gottesmutter.
An einem sehr heißen Sommertag macht er mit einer Pilgergruppe eine Wallfahrt zu den 7 Hauptkirchen Roms; es war so heiß, dass vor Erschöpfung fast niemand mitbetete; da nahm er sein Birett, warf es in die Luft, sprang hinterher, fing es auf und rief: "Paradiso, paradiso!". Alle lachten und klatschten in die Hände, dann ging Gebet und Wallfahrt fröhlich weiter.

Einmal soll er im Auftrag des Papstes eine Nonne prüfen, die sich durch Wunder hervortut: Übel zugerichtet durch die Reise lässt er die Nonne rufen und reicht ihr statt des Grußes den Stiefel hin, damit sie ihn ausziehe. Zornig erwidert sie, für wen er sie denn halte? Sie sei die Magd des Herrn – aber nicht eines jeden, der daherkomme, um knechtische Dienste von ihr zu verlangen. Phillip erhob sich, kehrte zum Papst zurück und sagte ihm: diese Nonne tut kein wunder, denn es fehlt ihr an der ersten christlichen Tugend, an der Demut.

Einer seiner Leitsprüche war eine Weisung des hl. Bernhard: Verachte die Welt, verachte niemanden, verachte dich selbst, verachte es verachtet zu werden!

Wir wollen beten: O Gott! Erfülle die ganze Welt mit den Gaben des Heiligen Geistes, und was deine Liebe am Anfang der Kirche und im Leben des hl. Philipp Neri gewirkt hat, das wirke sie auch heute in den Herzen aller, die an dich glauben. Amen!

Donnerstag, Mai 17, 2007

Alle sollen eins sein!


 
Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 17:20-26

20 Aber ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben.
21 Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.
22 Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind,
23 ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich.
24 Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt.
25 Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt, und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast.
26 Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.




 

Wir dürfen im heutigen Evangelium einem Gebet beiwohnen, das Jesus an seinen Vater im Himmel richtet: „Heiliger Vater, ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein!“ (Joh 17:20f) Jesus betet um Einheit, und zwar um Einheit all jener, die an ihn, Jesus, glauben. Das Thema dieses Jesusgebetes ist ausdrücklich die Einheit unter den Christen; und nicht etwa die Einheit der Christen mit den Gläubigen anderer Religionen der Welt.

Jesus spricht dieses Gebet bei seinem Abschied von den Jüngern im Abendmahlssaal. Dieses Gebet um Einheit fließt aus der Einheit Jesu mit seinem Vater. Im Beten verwirklicht er diese Einheit. Jesus lebt diese Einheit mit dem Vater angesichts der Zerrissenheit und Uneinigkeit seiner Jünger: Er wusste darum und sagte es ihnen voraus: Judas wird ihn verraten; Petrus wird ihn verleugnen; alle Jünger werden ihn verlassen!

Diese Einheit mit seinem Vater im Gebet hat er auch in anderen kritischen Situationen seines Lebens gelebt: etwa als er vom Teufel versucht wurde – da war er durch die Worte der Schrift betend mit seinem Vater vereint, was ihm schließlich den Sieg über den Versucher ermöglicht hat. (vgl. Mt 4:1-11 parr.)

Oder erinnern wir uns an den Ölberg – auch dort finden wir Jesus im Gebet mit dem Vater vereint. (vgl. Mk 14:32-41 parr.) Ebenso in seinen letzten Zügen am Kreuz! (vgl. Lk 23:34; 23:46 u.ä.)

In all diesen Situationen der Spaltung, der Trennung, der Zerrissenheit aufgrund der Sünde lebt Jesus durchgehend sein Einssein mit dem Vater und drückt dies durch sein Gebet auch aus. So will Jesus uns Mut machen, in den Uneinigkeiten unseres Lebens im Gebet das Einssein mit dem Vater zu suchen und zu leben. So wie wir lernen, das Dunkel der Uneinigkeiten betend auszuhalten, zu bestehen und durchzustehen sind wir beim Vater und nichts wird uns schaden können. (vgl. Lk 10:19) So leben wir wie Jesus Einheit in Zerrissenheit; so heilen wir, wie er, Zerrissenheit durch Einheit. Nicht umsonst mahnt uns der Apostel: „Betet ohne Unterlass!“ (1 Thess 5:17) Betend überwinden wir Uneinigkeit auf Einheit hin.

Das Thema des Gebetes ist die Einheit der Christen. Bereits die Apostelbriefe und die Apostelgeschichte, erst recht aber die Kirchengeschichte seither zeigen, dass das Einssein seiner Jünger zu Recht ein besonderes Sorgenkind Jesu ist. Jesus will mit seinem Gebet die Einheit unter uns Christen auch uns wärmstens ans Herz legen. Diese Sorge Jesus möge auch unsere Sorge sein; so wie er um Einheit betet mögen auch wir zum Vater um Einheit beten. Machen wir uns diese besondere Sorge Jesu zu Eigen! Er macht sie ja zur Chefsache, indem er mit seinem Vater darüber spricht. Er macht sie zur Angelegenheit Gottes! So wichtig ist ihm unser Einssein. Auch uns soll es so wichtig sein; auch uns soll es Chefsache sein!
Damit uns das gelingt, will er uns den Heiligen Geist senden,
den einen Geist, der die vielen Gnadengaben schenkt,
die in den vielen Diensten wirken, die auf den einen Herrn verweisen, durch den wir zum einen Gott gelangen, der in den verschiedenen Kräften alles in allem wirkt. (vgl. 1 Kor 12:4-6)

Schließlich noch die Frage, warum Jesus „nur“ um die Einheit jener gebetet hat, die an ihn glauben und nicht etwa um die Einheit aller Religionen:
Weil uns Jesus seine Einheit mit dem Vater nicht nur als Beispiel sondern als absolut nötigen Lebensgrund für die Einheit von uns Christen vor Augen stellt. Man kann das Streben nach dieser Einheit nicht von Menschen fordern, die nicht an Gott glauben.

Und dennoch betet Jesus indirekt auch für jene, die noch nicht an ihn glauben können. Denn er fährt in seinem Gebet fort: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. (Joh 17:21) Jesus möchte also, dass die Menschen zum Glauben an ihn kommen durch das Zeugnis der Einheit, das wir Christen ablegen. Das Zeugnis unserer Einheit und das Streben nach dieser Einheit ist ein eminentes Werkzeug für die Ausbreitung unseres Glaubens.

Und zwar deshalb, weil in der Einheit der Christen, gelebt nach dem Vorbild der Einheit Jesu mit dem Vater, gerade jene Liebe zum Leuchten kommt, die für uns heute überlebenswichtig ist: Die Liebe, die im Zumuten des Eigenen und im Annehmen des Anderen Wirklichkeit wird. Schauen wir nur in die Krisenherde unserer Welt und wir erkennen dort genau das Fehlen dieser Liebe als Ursache für Zerrissenheit, Uneinigkeit, Hass, Krieg, Terror und für unsägliches Leid. Der Blick darauf zusammen mit der Liebe zum Herrn muss uns dazu bewegen, die von Jesus so sehr erwünschte und erbetene Einheit anzustreben und zu verwirklichen, wo immer dies möglich ist. Amen!

Dienstag, Mai 15, 2007

Emporhebung Jesu



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 24: 46 – 53

46 Er sagte zu ihnen: So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen,
47 und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden.
48 Ihr seid Zeugen dafür.
49 Und ich werde die Gabe, die mein Vater verheißen hat, zu euch herab senden. Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet.
50 Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie.
51 Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben;
52 sie aber fielen vor ihm nieder. Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück.
53 Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott.




Das Evangelium berichtet uns, wie Jesus die Jünger verlässt und in den Himmel emporgehoben wird. Sie kehren darauf voll Freude nach Jerusalem zurück! Bisher waren sie immer verzagt und betrübt, wenn Jesus von seinem Heimgang zum Vater gesprochen hat.
Woher nun dieser Stimmungswechsel? Woher die Freude? Nun, Jesus verschwindet nicht einfach sang- und klanglos. Vielmehr hat er ihnen gesagt, was sie jetzt weiter tun sollen: „Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet.“ (Lk 24:49b) Mit dieser Anweisung hat er ihnen gleichsam als Abschiedsgeschenk so was wie eine Schatzkarte in die Hand gegeben; denn diese Kraft aus der Höhe ist eine Gabe, die sein Vater herab senden wird.
So folgen sie sehr treu diese Anweisung ihres Herrn und „waren nun immer im Tempel und priesen Gott.“ (Lk 24:53) Sie zeigen durch ihr treues Verhalten, dass sie sich ganz bereiten und öffnen wollen für diese Gabe des Vaters.
Über diese Gabe zu sprechen ist Aufgabe einer Pfingstpredigt.

Für heute gilt es nicht vorzugreifen sondern bei der Freude stehen zu bleiben, die die Jünger erfüllt angesichts der Empornahme ihres Herrn in den Himmel und angesichts der Verheißung jener Gabe des Vaters, der Kraft aus der Höhe.
Diese Freude hängt mit dem Vertrauen zusammen, das der Herr in ihnen erneuert hat: Denn er ist als der von den Toten auferstandene Herr zu ihnen gekommen; hat erneut die Gemeinschaft mit ihnen gesucht, hat sie erneut um sich versammelt. Er hat so in seinem Tod und seiner Auferstehung erfüllt, was er bereits angekündigt hatte, als er noch mit ihnen in Galiläa unterwegs war, und was sie damals nicht verstanden und nicht geglaubt haben.
Aber nicht nur das: Auch zu den hl. Schriften hat er ihnen einen neuen Zugang erschlossen, indem er sie als Wege deutet, die alle zu ihm hinführen und in ihm ihre Erfüllung finden. Dass Jesus nun von ihnen weg und in den Himmel aufgenommen wurde können sie als Teil dieser Erfüllung der hl. Schriften erkennen. Die Jünger freuen sich im Rückblick deshalb, weil der Weg Jesu nicht in den Tod geführt hat sondern durch den Tod hindurch zu einem neuen unzerstörbaren Leben beim Vater.

Die Freude der Jünger ist also eine Frucht des Vertrauens, das der Herr in ihnen erneuert hat. Dieses neue Vertrauen sagt ihnen: "Was der Herr verheißt, das trifft ein! Und es trifft in Überfülle ein! Und so können wir uns in dieser Gabe des Vaters von oben auf ein Geschenk der absoluten Extraklasse freuen!"
Die Jünger freuen sich also auch im Hinblick auf die Zukunft. Dabei lässt sie diese Freude nicht halb ängstlich halb neugierig fragen, was da mit diesem Geschenk wohl auf sie zukommen mag. Vielmehr ist es eine gelassene, weil vertrauende Freude, die in dieser kraftvollen Gabe aus der Höhe nur Gutes und Heilvolles erwartet. Diese Freude befähigt sie deshalb zum unablässigen Aufenthalt im Tempel und zum Lobpreis Gottes – wohlgemerkt des Gottes Jesu Christi, der zugleich der Gott ihrer Väter Abraham, Isaak und Jakob ist.

Und somit entdecken wir eine dritte Ursache ihrer Freude: Der Lobpreis Gottes zeigt an, dass ihre Beziehung zum Gott ihrer Väter durch Jesu Wirken erneuert wurde. Und der Tempel ist ja die Wohnung dieses Gottes. Sie sind nicht deshalb in den Tempel gegangen, weil sie nicht wussten, wohin sie sonst gehen sollten sondern weil sie durch Jesus beim Gott ihrer Väter ein neues Zuhause gewonnen haben. Dieser Gott hat wie eine aufstrahlende Sonne seinen ungeahnten und unergründlichen Reichtum erkennen lassen in der Auferweckung Jesu aus dem Tod, in der Aufnahme Jesu in seine göttliche Herrlichkeit und – wie sie mit Vertrauen erwarten – in der Kraftgabe aus der Höhe. Vielleicht konnten sie es noch nicht theologisch klar ausdrücken; aber geahnt haben sie es gewiss: In diesem Jesus ist in der Aufnahme in den Himmel nicht nur der Sohn des Vaters sondern ein Mensch in die Herrlichkeit Gottes eingetreten – ein Mensch wie die Jünger! Diese Beheimatung eines Menschen in der Herrlichkeit Gottes hat sie auch im Tempel eine neue Heimat beim Gott ihrer Väter finden lassen.

Ihr habt es schon bemerkt, die Freude der Jünger entströmt dem dreifaltigen Gott! Und ich bin überzeugt, die beste Vorbereitung auf die Kraftgabe Gottes zu Pfingsten ist es auch für uns, wenn wir uns in diese Freude einstimmen und mit den Jüngern Gott preisen – im Vertrauen auf Jesu Verheißung jener Kraft aus der Höhe, mit der er auch uns erfüllt wissen möchte.

Freitag, Mai 11, 2007

Muttertag



Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 14:23-29

23 Jesus antwortete Judas: Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.
24 Wer mich nicht liebt, hält an meinen Worten nicht fest. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat.
25 Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin.
26 Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
27 Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.
28 Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch zurück. Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich.
29 Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.



Jeder von uns kennt seine eigene Vergesslichkeit – und ist froh, wenn jemand da ist, der ihn gelegentlich erinnert. Offenbar rechnet Jesus im heutigen Evangelium auch damit, dass seine Jünger vergessen könnten, was er ihnen gesagt hat: „Der Beistand aber der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, er wird euch alles lehren, und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ (Joh 14:26)

O glückliche Vergesslichkeit, die so eine wunderbare Stütze erwirkt hat. Der Heilige Geist – unsere Eselsbrücke zu Jesus, der göttliche Knoten im Taschentuch unseres Lebens. Wie sehr nimmt doch Jesus Rücksicht auf die Schwachheit unserer menschlichen Natur. Er will es nicht zulassen, dass durch sie auch nur eines seiner Worte verloren geht – eines jener Worte, die für uns Geist und Leben sein wollen. (vgl. Joh 6:63)

Wenn Jesus uns seinen Geist als Gedächtnishilfe gibt, dann sollen wir nicht nur an unser kurzes und schwaches Gedächtnis erinnert werden sondern auch an den unermesslichen und lebensnotwendigen Wert seiner Worte an uns und seiner Taten für uns.
Wenn Jesus aber diesen „Geist der Erinnerung“ seinen Jüngern schenkt, jenen Menschen, die unmittelbar mit ihm gelebt haben, dann will der Herr uns damit zurufen: „Leute, Christen zu aller Zeit, was diese Jünger euch überliefert und was sie aufgeschrieben haben in den Schriften des Neuen Testamentes – das ist die Wahrheit, das kommt von Gott, das ist wirklich Wort Gottes!“
Garant für die Echtheit und Wahrheit der Heiligen Schriften ist dieser Heilige Geist; er ist der Geist Gottes, der Geist des Vaters, der Geist des Sohnes!
Gott selber steht ein für die Wahrheit der Heiligen Schriften.
Gott selber sorgt dafür, dass er in seinem Wort bei uns bleiben kann.
Gott selber ruft sich kraft seines Geistes durch sein Wort unablässig in Erinnerung.

Aber wen von uns kümmern diese Worte Jesu? Wem von uns gehen sie zu Herzen? Haben wir nicht alle Hände voll zu tun, uns von allen möglichen Einflüssen aus der Vergangenheit frei zu machen und uns zugleich aller möglichen Eindrücke aus der Zukunft zu erwehren – in demselben Augenblick, in dem der Herr diese Worte an uns richtet? Bleibt nicht bloß minimaler Raum in uns für das Wort des Herrn – wenn überhaupt!? Und liegt der Grund dafür nicht darin, dass wir nicht mehr in der Situation der Jünger sind, zu denen der Herr spricht?
Die Situation der Jünger ist die, dass sich ihr Jesus verabschiedet; er will zu seinem Vater gehen und sie verlassen, so dass er nicht mehr in der sichtbaren, spürbaren und greifbaren Form wie bisher unter ihnen ist. Die Jünger denken bestürzt: „Oh Gott! Unser Jesus geht von uns weg! Er verlässt uns! Was soll denn jetzt aus uns werden!?“ In dieser Spannung sind sie gleichsam wie dürres aufgerissenes Wüstenland, wie ein staubtrockener Schwamm – sie warten auf Wasser, um sich damit voll saugen zu können; in seiner Geistverheißung gibt Jesus ihnen dieses Wasser. Wir können uns vorstellen, wie sie dieses Wort des Herrn verschlungen haben!

Wo aber ist in uns jene Verbundenheit mit Jesus, die fürchtet, IHN zu verlieren, die ihn unbedingt halten möchte und die sich ausstreckt nach Mitteln, um diesem Jesus nahe zu bleiben. Unseren Jesus – wenn wir ihn je hatten!? Wo ist er geblieben? Wo haben wir ihn verloren? Werden wir ihn jemals wieder finden? Ihn jemals wieder umarmen und wie Maria Magdalena rufen: Rabbuni!? Meister!? Oder wie Thomas: Mein Herr und mein Gott!? Oder wie Petrus: Du weißt alles Herr, du weißt, dass ich Dich liebe!?

Ohne diese persönlich innig liebende Beziehung zu Jesus läuft die Absicht des Geistes, uns an Jesus zu erinnern, ins Leere und bleibt fruchtlos. Wir wollen erinnert werden an Menschen, die wir lieben; die uns lieb und teuer – eben „unvergesslich“ sind.

Mit der persönlichen Beziehung zu Jesus sind wir beim Herzstück unseres christlichen Lebens angelangt. Entweder ist unser Leben ein Leben um Jesu Willen und das heißt: ein Leben wie Jesus, oder: ein Leben in der Nachfolge Jesu – oder es ist schlicht und ergreifend kein christliches Leben.
Dieses Leben um Jesu Willen ist etwas anderes als ein Leben aus Gewohnheit;
es ist etwas anderes als ein Leben aus einem rationellen Humanismus heraus;
es ist etwas anderes als ein Leben für weiß Gott was oder wen.
Alles das sind Klischees von einem christlichen Leben, denen das Herz fehlt: das Leben um Jesu willen. Und genau dieses Fehlen macht das Christentum und das kirchliche Leben in unseren Breiten zu einer kühlen Angelegenheit, die kaum mehr berührt.

Vorbilder sind starke Impulse für die Erneuerung eines Lebens. So wollen wir uns so ein Vorbild für die Erneuerung unseres christlichen Lebens vor Augen führen: Es ist das Leben des Völkerapostels Paulus. Ein echt christliches Leben durch und durch. Wie konnte er so ein Leben führen? Weil, wie er selber so unübertrefflich schreibt, nicht mehr er lebt, sondern Christus in ihm! (vgl. Gal 2:20) Sein christliches Lebenszeugnis hat durch die Jahrhunderte Schule gemacht und zahllose Christen ermutigt und bestärkt, ein Leben um Jesu Willen anzustreben und zu verwirklichen. So wollen auch wir den Herrn suchen, solange er sich finden lässt und wollen Ausschau halten nach ihm, solange er nahe ist. (vgl. Jes 55:6)

Wir wollen an die Vorgaben denken, die uns in der Taufe und in der Firmung geschenkt wurden und die schon längst auf ihre Verwirklichung warten in einem intensiven und begeisterten Jesusleben. Dieses Jesusleben beginnt mit dem unerschütterlichen Entschluss zu einem persönlichen Beten je nach Stand und Möglichkeit; es findet seine Fortsetzung, den Gottesdienst zu besuchen aus dem einen und einzigen Grund: Jesus selber dort zu hören, ihn persönlich dort anzubeten, dort die Freundschaft mit ihm zu erneuern – damit so auch die Leuchte unseres Lebens das Lamm, Jesus, werde. (vgl. Offb 21:23) Er möge das Licht sein, das auf dem Leuchter steht und allen im Haus leuchtet. (vgl. Mt 5:15) Möge dieses Licht durch uns nicht gebrochen und verdunkelt werden!

Maria, die Mutter Jesus und unser aller Mutter im Glauben, möge uns dabei besonders helfen; durch ihr lichtvolles Leben und ihre Weisung ermuntert sie uns, zu tun, was Jesus sagt (vgl. Joh 2:5) ihn zu suchen, so wir ihn verloren haben (vgl. Lk 2:41-52) im Leiden nicht von seiner Seite zu weichen (vgl. Joh 19:25) und in der Gemeinschaft der Glaubenden seinen verheißenen Geist zu erwarten (vgl. Apg 1:14).

Auch unsere Mütter sind wie so ein Licht, das allen im Haus leuchtet; auch sie sind uns eine Erinnerung an Jesus. Danken wir heute am Muttertag dem Herrn, was er uns durch unsere Mütter – bei all ihrer Gebrochenheit – von seinem Licht leuchten und von seiner Liebe erfahren lässt. Amen!

Freitag, Mai 04, 2007

Die Wohnung Gottes unter den Menschen!



Wort Gottes aus der Offenbarung 21:1-5

1 Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr.
2 Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen; sie war bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat.
3 Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein.
4 Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen.
5 Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu.



Vom neuen Himmel und der neuen Erde hat uns die 2. Lesung vorgeschwärmt. Damit trifft sie einen aktuellen Trend: Das Interesse an Neuem: Neuigkeiten in den Medien, in der Mode, in der Technologie, im Showbusiness, halten die Neugierde von uns Menschen wach – und das Bestreben, wissen und haben zu wollen. Wir möchten möglichst auf dem neuesten Stand sein. Bescheidenheit und Zufriedenheit stehen da auf verlorenem Posten.
Allerdings ist von derartigen Neuigkeiten im neuen Himmel und in der neuen Erde nichts zu finden. Was aber ist dann das Neue? Dass Gott unter den Menschen wohnen wird; dass sie sein Volk und er ihr Gott sein wird; Dass er die Tränen von den Augen wischen wird; dass der Tod nicht mehr sein wird und damit auch keine Trauer mehr, keine Klage und keine Mühsal. (vgl. Offb 21:3f)
Diese Neuigkeiten meinen
nicht Befriedigung sondern Frieden;
nicht Sattheit sondern Trost;
nicht ein Nebeneinander sondern ein Miteinander;
nicht Singlegemeinschaft sondern Liebesgemeinschaft;
nicht Unterhaltung sondern Freude;
nicht den Bauch sondern das Herz.
Dieses Neue im neuen Himmel und in der neuen Erde berührt jedes Herz, das möchte eigentlich jeder, und das sucht im Grunde ja auch jeder auf der Jagd nach den Neuigkeiten dieser Welt. Die Sache ist nur: sie erreichen das Herz nicht, weil sie gar nicht abzielen auf das Herz. Und sie können das Herz gar nicht meinen, weil sie selber kein Herz haben; sie sind recht eigentlich herzlos! Deshalb auch die Unruhe, die uns nicht zu neuem Leben sondern in den Tod führt.

Unser Herz kann nur erreichen und berühren, was von Herzen kommt und was von jenem neuen Gebot getragen ist, das Jesus uns allen im Evangelium gibt: „Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben!“ (Joh 13:34)

„... wie ich euch geliebt habe!“ Die Evangelien erzählen uns, wie Jesus uns geliebt hat: Durch seine Worte, durch seine Wunder und Zeichen und schließlich durch sein Leiden, Sterben und Auferstehen. Diese Liebesspur Jesus hat sich unauslöschlich eingegraben in seine Kirche, in die Herzen seiner Jünger und seiner Heiligen, in die Geschichte dieser Welt. Diese Liebesspur ist wie die leuchtenden Sterne am dunklen Himmel und lassen den neuen Himmel und die neue Erde als eine Wirklichkeit erkennen, die im Anbrechen und im Kommen ist.

Auch wir können an diesem Kommen mitwirken, indem wir unser Leben durch das neue Liebesgebot Jesu gestalten und lieben, wie er geliebt hat.
Zu diesem Lieben wie Jesus geliebt hat gehört zu allererst dazu, dass wir uns das Lieben Jesu immer wieder vor Augen führen, indem wir regelmäßig die Evangelien lesen.
Als nächstes kommt dann, dass wir das Gelesene in Zeiten des Gebetes in den Grund unseres Herzens fallen lassen, damit wir es uns dort zu Eigen machen können
und dies führt schließlich dazu, dass wir aufmerksam werden auf die Gelegenheiten, in denen wir dieses Lieben Jesu im Umgang mit unserem Vater im Himmel und mit unseren Mitmenschen in die Tat umsetzen können.
Dieses neue Gebot Jesu lehrt uns das neue Lieben Jesu und ist der neue Weg zum neuen Himmel und zur neuen Erde.
Dieses Lieben Jesu macht uns zu neuen Menschen, zu den Bewohnern des neuen Jerusalem.

Diese neuen Menschen zeichnet ein neues Sehen aus. Sie können die Welt und die Menschen mit neuen Augen sehen und erkennen,
was wirklich frei macht,
was wirklich der Gerechtigkeit und dem Frieden dient,
was den Menschen wahrhaft zum Menschen macht nach dem Herzen Gottes.
Angesichts dieser Neuheit der Kinder Gottes schauen sämtliche Neuigkeiten dieser Welt auf einmal ganz fürchterlich alt aus, denn wie eine dämonische Fratze tritt ihr eigentliches Bestreben hervor, den Menschen abhängig zu machen, ihn zu unterdrücken, ihn herzlos und hektisch werden zu lassen bloß auf sich selber bedacht – Gott, Menschen und Schöpfung dabei vergessend, missachtend und zerstörend.

Unsere einzige Antwort darauf kann nur die definitive Hinwendung zu dem sein, der uns in der Lesung zuruft: „Seht, ich mache alles neu!“ (Offb 5:1a) Amen!