Samstag, Juni 30, 2007

Der Menschensohn aber hat keinen Ort....


 
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 9:51 – 62

51 Als die Zeit herankam, in der er (in den Himmel) aufgenommen werden sollte, entschloss sich Jesus, nach Jerusalem zu gehen.
52 Und er schickte Boten vor sich her. Diese kamen in ein samaritisches Dorf und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen.
53 Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war.
54 Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet?
55 Da wandte er sich um und wies sie zurecht.
56 Und sie gingen zusammen in ein anderes Dorf.
57 Als sie auf ihrem Weg weiter zogen, redete ein Mann Jesus an und sagte: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst.
58 Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.
59 Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben.
60 Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes!
61 Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich von meiner Familie Abschied nehmen. 62 Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.





Im Evangelium hörten wir, dass Jesus sich entschlossen hat, nach Jerusalem zu gehen. Im griechischen Urtext steht für dieses Sich Entschließen: Er machte sein Angesicht fest auf Jerusalem hin. Zu diesem Entschluss bewogen hat ihn, dass die Tage seiner Aufnahme in den Himmel sich erfüllten. Das heißt: Er nahm war, dass die Zeit dafür reif wird. Und dass jetzt seine Zustimmung dazu erforderlich ist; und die gibt er, indem er sein Angesicht fest macht und nach Jerusalem aufbricht.
Unser Tiroler Volksheld Andreas Hofer würde den Seinen zurufen: „Mander, s’isch Zeit!“ – „Männer, es ist Zeit!“ Zeit nämlich für die Heimat Tirol zu kämpfen gegen die bayrische und französische Besatzung.
Zeichen für diese Entschlossenheit ist, dass er Boten vor sich her schickt. Sie sollen ihm seinen Weg nach Jerusalem gestalten helfen.
Auch unsere Mutter Teresa fordert eine entschlossene Entschlossenheit im einfachen, freundschaftlichen, betenden Sein beim Herrn.
Das Verhalten Jesu fordert uns überall dort heraus, wo wir noch kein klares Ziel vor Augen haben, dem wir entschieden zustreben;
es fordert uns auch dort, wo wir uns vor einer uns gestellten Aufgabe drücken und davonlaufen wollen;
es fordert uns dort, wo uns gegebene Aufgaben und Pflichten unerträglich scheinen und wir einer vermeintlich größeren Freiheit nachjagen.
Jesus möchte, dass wir mit ihm unser Jerusalem neu ins Auge fassen und ins Herz schließen, weil wir erkennen, dass gerade dort und nirgendwo anders unsere Erfüllung zu finden ist – freilich durch Leid, Kreuz und Tod hindurch.
Dieses Jerusalem ist ihm und uns nicht von einem blinden Schicksal verfügt sondern vom liebenden Vater im Himmel geschenkt. Und der gibt zuletzt auch die Kraft, diesem Jerusalem zuzustreben und dort vollendet zu werden.
Der Grundtenor einer entschiedenen Ausrichtung trägt auch die Worte Jesu darüber, wie ihm zu folgen sei.
So sagt Jesus zu einem, der ihm wohin immer auch folgen möchte: „Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.“ (Lk 9:58) Wer in der Nachfolge Jesu Nestwärme sucht und ein gemütliches, bequemes zu Hause, sucht sich selber aber nicht den Herrn. Auf den Spuren Jesus ist vielmehr die Entschlossenheit erforderlich, die Einsamkeit, die Verlassenheit, die Mühsal, das Leiden, das Kreuz und den Tod des Herrn zu suchen, um dies alles mit ihm zu teilen. Darin erweist sich wahre Nachfolge Jesu und aus dieser Nachfolge erwächst wahre Freundschaft mit dem Herrn.

Zu einem der vorerst seinen Vater begraben will, sagt der Herr: „Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes!“ (Lk 9:60) Mit diesem radikalen Wort fordert Jesus entschiedene Loslösung aus jeglichem traditionellen und kulturellen Kontext um seinetwillen. Er ist es wert, dies alles sein zu lassen; Leben ist allein bei ihm; fern von ihm ist jeder ein Toter.

Und zu dem, der sich vorerst von seiner Familie verabschieden will, sagt er: “Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.“ (Lk 9:62) Damit fordert Jesus das entschlossene Kappen jeglicher familiärer Bindung als Voraussetzung für eine Nachfolge auf seinen Spuren, was Jesus gleichsetzt mit der Arbeit im Reich Gottes.

So wagen wir am Ende dieser Predigt den Schluss: Wollen wir Jünger Jesu sein benötigen wir eine entschlossene Entschlossenheit: für das Jerusalem, das Gott uns zum Sinn und Ziel unseres Lebens gesetzt hat. Und dieses Jerusalem ist zuinnerst Jesus Christus selbst. IHN müssen wir mit möglichster Entschlossenheit in allem, was wir tun und lassen, suchen und finden. Und mag das kosten was es wolle! Nichts darf uns dabei zu teuer, zu lieb, zu kostbar sein als dass wir es nicht um Jesu willen loslassen. Zu dieser Freiheit hat uns Christus befreit! Lassen wir uns von nichts und niemanden mehr unterjochen – es sei denn von der Liebe um Jesu willen!

Samstag, Juni 23, 2007

Er muss wachsen, ich abnehmen



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 1:57-66.80

57 Für Elisabet kam die Zeit der Niederkunft, und sie brachte einen Sohn zur Welt.
58 Ihre Nachbarn und Verwandten hörten, welch großes Erbarmen der Herr ihr erwiesen hatte, und freuten sich mit ihr.
59 Am achten Tag kamen sie zur Beschneidung des Kindes und wollten ihm den Namen seines Vaters Zacharias geben.
60 Seine Mutter aber widersprach ihnen und sagte: Nein, er soll Johannes heißen.
61 Sie antworteten ihr: Es gibt doch niemand in deiner Verwandtschaft, der so heißt.
62 Da fragten sie seinen Vater durch Zeichen, welchen Namen das Kind haben solle.
63 Er verlangte ein Schreibtäfelchen und schrieb zum Erstaunen aller darauf: Sein Name ist Johannes.
64 Im gleichen Augenblick konnte er Mund und Zunge wieder gebrauchen, und er redete und pries Gott.
65 Und alle, die in jener Gegend wohnten, erschraken, und man sprach von all diesen Dingen im ganzen Bergland von Judäa.
66 Alle, die davon hörten, machten sich Gedanken darüber und sagten: Was wird wohl aus diesem Kind werden? Denn es war deutlich, dass die Hand des Herrn mit ihm war.
80 Das Kind wuchs heran, und sein Geist wurde stark. Und Johannes lebte in der Wüste bis zu dem Tag, an dem er den Auftrag erhielt, in Israel aufzutreten.



Wenn ich den Namen Johannes des Täufers höre, dann taucht zuerst die Wüstengestalt auf, gehüllt in ein Gewand aus Kamelhaaren mit einem ledernen Gürtel um seine Hüften, dessen Nahrung wilder Honig und Heuschrecken. (vgl. Mt 3:4 par.) Und dann als dazupassende akustische Untermahlung seine polternde Predigt: „Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt?“ (Mt 3:7)

Oder es tritt der große Ratgeber vor mein Auge, der den Leuten mit seiner Weisung hilft, ihr Leben nach dem Willen Gottes zu ordnen. (vgl. Lk 3:10-14)

Und schließlich der unübersehbare Fingerzeig: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt. Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war.“ (Joh 1:29-30)

Aber – man möchte es kaum glauben: Nicht dieses Gewaltige, Beeindruckende, Erschütternde an der Gestalt des Johannes ist heute die Mitte des Festtages: es ist seine Geburt! Gerade so als wollte der Herr sagen, er habe „keine Freude an der Kraft des Pferdes, kein Gefallen am schnellen Lauf des Mannes.“ (Ps 147:10) sondern „aus dem Mund der Kinder und Säuglinge wolle er sich Lob schaffen.“ (Ps 8:3)
Und tatsächlich, bereits vor seiner Geburt geschieht dieses Wort des Herrn, als beim Gruß Mariens das Kind im Leib der Elisabet vor Freude hüpft (vgl. Lk 1:41) Und freilich ruft er auch bei seiner Geburt Freude hervor in seinen Eltern und in deren Nachbarn und Verwandten (vgl. Lk 1:58)

Doch kehren wir zurück zur Freude des Johannes selber, denn sie findet ihre Fortsetzung: „Wer die Braut hat, ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der dabeisteht und ihn hört, freut sich über die Stimme des Bräutigams. Diese Freude ist nun für mich Wirklichkeit geworden.“ (Joh 3:29) Das ist zugleich ihre Vollendung, denn in der Braut hat Johannes dem Jesus jene Israeliten zugeführt, die auf seine Stimme gehört haben und die fortan Jesus folgen werden (vgl. Joh 1:35-37), der seine Aufgabe übernehmen und weiterführen wird in der Verkündigung des Reiches Gottes. Und Johannes kann einen großen Schlusspunkt setzen hinter seine große Laufbahn als Vorläufer des Herrn indem er spricht: „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden.“ (Joh 3:30)

So möchte ich in scheinbarem Widerspruch zum eingangs gezeichneten Bild vom Täufer diesen einen Mann der Freude nennen – und zwar der Freude am Herrn! Auf Johannes treffen die Worte Jesajas zu 9:2: „Du erregst lauten Jubel und schenkst große Freude. Man freut sich in deiner Nähe, wie man sich freut bei der Ernte, wie man jubelt, wenn Beute verteilt wird.“ „Die Freude am Herrn war seine Stärke“ (Neh 8:10) Dieses Nahverhältnis zum Herrn kommt bereits durch seine Aufgabe als Vorläufer zum Ausdruck. Einen Dienst der Freude, den Johannes da erfüllt.

Was die klaren Worte seiner Predigt keineswegs ausschließt sondern vielmehr begründet. Denn durch sein Leben in der Freude am Herrn sieht er klar, dass dies wohl seine besondere Berufung ist aber allein für das Ziel, andere aufmerksam zu machen, dass eben diese seine Berufung auch die ihre sei! Und die Dringlichkeit dieses Berufung für jeden sowie die klare Einsicht in die Barrieren für diesen Weg lassen ihn deutliche und drastische Worte finden, die er seinen Zuhörern in der Predigt dann um die Ohren haut, damit ihr Herz aufgerüttelt werde!

So reicht er dem Apostel Paulus die Hand; denn dieser schreibt aus dem Gefängnis seiner Gemeinde in Philippi: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!“ (4:4) Das Wesentliche seiner Berufung als Vorläufer des Herrn ist Sammlung auf den Herrn hin – Sammlung in Freude! Sammlung seiner Person, seiner Fähigkeiten, seines ganzen Lebens. Sammlung aber auch seiner Zeitgenossen: Er ist ja nicht nur Vorläufer, dem der Herr folgt; er ist auch Vorläufer, dem seine Zeitgenossen nachlaufen mögen: Im Tagesgebet hörten wir ja, dass Johannes das Volk des Alten Bundes Christus, seinem Erlöser, entgegenführen soll.

So sind wir denn schließlich bei uns angelangt, denen der Herr über seinen Apostel Johannes ausrichten lässt, dass er, Jesus, zu uns gesprochen habe, damit seine Freude in uns ist und damit unsere Freude vollkommen sei. (vgl. Joh 15:11) und was hat Jesus im Grunde gesprochen? „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.“ (Joh 15:9-10)

Lassen wir Johannes auch unseren Vorläufer sein; denn wenn wir ihm nachlaufen, laufen wir geradewegs Jesus in die Arme, der allein unsere wahre Freude ist – jetzt und in Ewigkeit. Amen!

Freitag, Juni 15, 2007

...weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat!


 
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 7:36 – 50

36 Jesus ging in das Haus eines Pharisäers, der ihn zum Essen eingeladen hatte, und legte sich zu Tisch.
37 Als nun eine Sünderin, die in der Stadt lebte, erfuhr, dass er im Haus des Pharisäers bei Tisch war, kam sie mit einem Alabastergefäß voll wohlriechendem Öl
38 und trat von hinten an ihn heran. Dabei weinte sie, und ihre Tränen fielen auf seine Füße. Sie trocknete seine Füße mit ihrem Haar, küsste sie und salbte sie mit dem Öl.
39 Als der Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, das sah, dachte er: Wenn er wirklich ein Prophet wäre, müsste er wissen, was das für eine Frau ist, von der er sich berühren lässt; er wüsste, dass sie eine Sünderin ist.
40 Da wandte sich Jesus an ihn und sagte: Simon, ich möchte dir etwas sagen. Er erwiderte: Sprich, Meister!
41 (Jesus sagte:) Ein Geldverleiher hatte zwei Schuldner; der eine war ihm fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig.
42 Als sie ihre Schulden nicht bezahlen konnten, erließ er sie beiden. Wer von ihnen wird ihn nun mehr lieben?
43 Simon antwortete: Ich nehme an, der, dem er mehr erlassen hat. Jesus sagte zu ihm: Du hast recht.
44 Dann wandte er sich der Frau zu und sagte zu Simon: Siehst du diese Frau? Als ich in dein Haus kam, hast du mir kein Wasser zum Waschen der Füße gegeben; sie aber hat ihre Tränen über meinen Füßen vergossen und sie mit ihrem Haar abgetrocknet.
45 Du hast mir (zur Begrüßung) keinen Kuss gegeben; sie aber hat mir, seit ich hier bin, unaufhörlich die Füße geküsst.
46 Du hast mir nicht das Haar mit Öl gesalbt; sie aber hat mir mit ihrem wohlriechenden Öl die Füße gesalbt.
47 Deshalb sage ich dir: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie (mir) so viel Liebe gezeigt hat. Wem aber nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe.
48 Dann sagte er zu ihr: Deine Sünden sind dir vergeben.
49 Da dachten die anderen Gäste: Wer ist das, dass er sogar Sünden vergibt?
50 Er aber sagte zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden!



In der Geschichte, die wir eben gehört haben, stellt Lukas auf sehr berührende Weise dar, wie verschieden die Liebe sein kann die Jesus erwiesen wird.

Die Sünderin, die ihm so viel Liebe gezeigt hat auf der einen und Simon, der ihm nur wenig Liebe gezeigt hat, auf der anderen Seite. Dabei ist es nicht so sehr die äußere Form der Liebe als vielmehr die Intensität, die bei der Sünderin zum Ausdruck kommt und bei Simon fehlt.

Dabei lässt Lukas keinen Zweifel, woher die überschwänglichen Liebeserweise bei der Frau kommen: Von ihrem Glauben, dass ihr durch Jesus ihre vielen Sünden vergeben worden sind.
Demgegenüber ist sich Simon offenbar keiner besonderen Schuld bewusst, die der Herr ihm vergeben könnte. Dem entsprechend kühl und dürftig behandelt er auch Jesus. Diese Dürftigkeit wäre allerdings nie so aufgefallen, wenn eben nicht diese Frau dahergekommen wäre und Jesus mit ihren Liebeserweisen überschüttet hätte. Ohne das Verhalten dieser Frau wäre der Umgang des Simon mit Jesus im Üblichen, Gewöhnlichen verblieben.

Aber nicht nur Simon wird durch diese Frau hinterfragt in seiner Beziehung zu Jesus. Auch uns allen stellt sich die Frage: Wie sehr liebe ich den Herrn?
Wie sehr zeige ich diese Liebe zum Herrn? Bin ich bald einmal zufrieden damit oder kann ich nicht genug tun, um meine Liebe dem Herrn zu erweisen und ihm zu zeigen, ihn spüren zu lassen, wie gerne ich ihn habe? Und kommt meine maßvoll – mäßige Liebe dem Herrn gegenüber nicht auch davon her, weil ich das Besondere, das Außerordentliche, das Maßlose seiner Liebe zu mir nicht mehr wahrnehmen, weil nicht mehr glauben kann?

Ich weiß, diese Fragen sind unangenehme, denn sie stellen unsere Zufriedenheit in Frage und regen an zu mehr, sie regen an zu jenem „so sehr“ in der Liebe der Sünderin im heutigen Evangelium. Dieser Frage auszuweichen befriedigt nicht. Es ist vielmehr eindeutig jener Weg zu wählen, den die Heiligen unserer und vergangener Tage gehen und gegangen sind: den Weg hinein in dieses „so sehr“ der Liebe Gottes: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“ (Joh 3:16)

Dieser Weg ist vor allem ein Weg des Gebetes. Jenes Gebetes, das bedenkt, wie groß doch der Herrn in seiner Liebe ist, wie mächtig und wie grenzenlos großzügig.
Jenes Gebetes, das weiter bedenkt, wie armselig wir sind auf uns allein gestellt, wie abhängig und gefangen von vielem, wie sehr wir es brauchen, dass dieser große Gott und Herr uns liebt und erlöst und befreit.

Diesen Weg ist die Frau im heutigen Evangelium gegangen, vorausgegangen und zahllose Menschen sind ihr auf diesem Weg gefolgt: es ist ein Weg in die unmittelbare Nähe des Herrn, so dass ich ihn berühren und mit den Händen greifen, dass ich seine Stimme hören und ihn mit meinen Augen sehen kann.

Unverkennbar ist dies heute für uns der Weg zum Wort des Herrn in unseren hl. Schriften beim Gottesdienst und beim persönlichen Lesen daheim oder in Gruppen; es ist der Weg zur Eucharistie, zum Mahl und zum Brot des Lebens; es ist der Weg zum Nächsten, den ich gerade in seiner Hilfsbedürftigkeit erlebe.

Die Frau im Evangelium ist diesen Weg zudem gegangen unter Berücksichtigung ihrer konkreten Umstände: Etwa ihrer finanziellen Mittel, so dass sie sich ein kostbares Öl leisten konnte, das sie dann über die Füße Jesu ausgegossen hat; oder aber ihrer langen Haare, mit denen sie die Füße des Herrn getrocknet hat.

So sollen auch wir die Umstände bedenken, unter denen wir dem Herrn unsere Liebe erweisen können und die Mittel, die uns dabei dienlich sein können.
Und bedenken wir doch des Weiteren, wie sehr der Blick auf Jesus der Frau im heutigen Evangelium die Angst genommen hat vor der Männergesellschaft, in der Jesus sich aufgehalten hat. Von jeglicher Menschenfurcht hat sie der Blick auf Jesus befreit. Gefangene einzig von der großen Liebe Jesu zu ihr war sie frei von allen anderen Abhängigkeiten und Ängsten. Wir hören geradezu den Apostel Paulus schreiben: „Die Liebe Christ drängt uns!“ (2Kor 5:14) Und an anderer Stelle: „Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns!“ (Röm 8:31) Oder auch: „Wir überwinden alles durch den, der uns geliebt hat“ (Röm 8:37) und „ nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ (Röm 8:39)

So wollen auch wir uns vom Herrn durch die Frau des heutigen Evangeliums hinausführen lassen ins Weite – nämlich in die Weite unseres Herzens, dessen Fähigkeit zu lieben wir bei weitem
noch nicht ausgelotet haben.

Wir wollen bitten: Gott, du unsere Hoffnung und unsere Kraft, ohne dich vermögen wir nichts. Steh uns mit deiner Gnade bei, damit wir denken, reden und tun was dir gefällt. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen!

Donnerstag, Juni 14, 2007

Er geht dem Verlorenen nach bis er es findet


 
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 15: 3-7

3 Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte:

4 Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?

5 Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern,

6 und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wieder gefunden, das verloren war.

7 Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.





Das Herz Jesu Fest wird durch die Lesungen mit dem Bild des guten Hirten verbunden. Die Botschaft ist klar, die uns damit gesagt sein will: Das Herz Jesu ist das Herz eines guten Hirten.

Dieses Hirtenherz zeichnet sich aus durch unmittelbare Nähe zu seiner Herde; seine Schafe sind für ihn keine anonyme Masse sondern er kennt jedes seiner Schafe; er ist vertraut mit seiner Eigenart, seiner Besonderheit, seinen Vorzügen und seinen Schwächen. Weil der Hirt am Puls seiner Herde ist bemerkt er auch sofort, wenn eines der Schafe fehlt. Er braucht keinen Ombudsmann, der ihn darauf aufmerksam macht; er braucht keine Protestaktion, die ihn auf die anstehende Not hinweist. Der Hirt ist nicht irgendwo – abgehoben von seiner Herde sondern ganz nahe bei ihr, ganz auf Tuchfühlung mit ihr.
Jesus ist ein Hirte wie er im Buche steht. Über diesen Hirten hat Bischof Kamphaus sehr zeitnahe Worte gefunden:

„Es gibt heute,“ so schreibt er, „zwei Arten von Hirten: Die einen interessieren sich für die Wolle, die anderen interessieren sich für das Fleisch. Für die Schafe interessiert sich niemand.“ Ein hartes Wort. Es trifft unsere Zeit, unsere Situation. Hirten dieser Art gibt’s genug unter uns. Sie sind darauf aus, andere „auszunehmen.“ Sie sind im Wesentlichen damit beschäftigt, ihr eigenes „Schäfchen ins Trockene zu bringen.“

Es gibt auch andere. Es ist jemand da, der sich für die Schafe interessiert: Der gute Hirt, Jesus. Von ihm spricht das Evangelium (Joh 10,11-18). Ihm ging es nicht um Fleisch und Wolle. Er hat nicht die anderen ausgenommen. Er fragte nicht: Was habe ich davon? Es ging ihm nicht um sich, sondern um uns. Er wollte nicht verdienen, er diente. Er brach nicht den Stab über andere, er stärkte die Schwachen. Er heilte die Angeschlagenen und die Aussätzigen. Er ging den Sündern und Sünderinnen nach und den verlorenen Söhnen. Dem, der unter die Räuber gefallen war, half er wieder auf die Beine. Er tat das, ohne sich selbst zu schonen. Vielmehr riskierte er dabei alles. Er setzte das Letzte für die anderen ein, sich selbst. Er dachte eben nicht ans Scheren und Schlachten. Er ging nicht über Leichen, er opferte sich selbst. So hat er seine Herde zusammengeführt und geleitet. Das macht sein Leben aus. So ist er beides in einer Person geworden: der gute Hirt und das sich opfernde Lamm. Gerade als das sich opfernde Lamm ist er der gute Hirt, gerade deshalb ruht die Verheißung Gottes auf seinem Leben: „Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe“ (17).

Einer jedenfalls ist unter uns, der nicht auf Fleisch und Wolle aus ist, sondern uns selbst meint. Er sammelt alle, die auf seine Stimme hören und ihm folgen. Er ist die „Bezugsperson.“ Nicht die Hürde, der Hirt bewahrt die Herde; der Hirt ist es, der ihre Einheit verbürgt (vgl. 16).

Diesem guten Hirten kann ich trauen. Ich muss keine Angst haben, dass er mich abhängig machen will und unmündig hält wie ein „dummes Schaf.“ Im Gegenteil: Er befreit mich von meiner Angst um mich selbst. Ich kann mich getrost ihm lassen: „Der Herr ist mein Hirte...“ Soweit Bischof Kamphaus.

So einem Hirten können wir uns nur anvertrauen gerade auch in unseren Schwächen, in unserer Verlorenheit und in unseren Abhängigkeiten. Denn er wird keinen Einsatz scheuen, um uns zu befreien. Lassen wir uns zu diesem Anvertrauen anregen durch eine Inschrift am Dom zu Lübeck:

Ihr nennet mich Licht so sehet mich doch.
Ihr nennet mich Weg so folget mir doch.
Ihr nennt mich Hirte so traut mir doch.
Ihr nennet mich Leben so suchet mich doch.
Ihr heißet mich schön so liebet mich doch.
Ihr heißet mich Liebe so folgt doch der Bahn,
denn wenn ihr mich liebt, habt ihr alles getan.

Hirten nach dem Vorbild Jesu können wir uns nur wünschen – in Kirche und Politik. Beten wir um solche Hirten. Beten wir, dass jene, die schon auf diesem Weg sind auch auf diesem Weg bleiben und dass jene, die es noch nicht sind, auf diesen Weg kommen. Beten wir um Hirten, die bereit sind, sich ihr Herz nach dem Herzen Jesu bilden zu lassen. Sie und wir alle mögen dankbar aus diesem Quell des Erbarmens trinken.

Das Herz Jesu sei gelobt und gepriesen in Ewigkeit. Amen!

Samstag, Juni 09, 2007

Und Jesus gab ihn seiner Mutter!


 
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 7:11 – 17

11 Einige Zeit später ging er in eine Stadt namens Naïn; seine Jünger und eine große Menschenmenge folgten ihm.
12 Als er in die Nähe des Stadttors kam, trug man gerade einen Toten heraus. Es war der einzige Sohn seiner Mutter, einer Witwe. Und viele Leute aus der Stadt begleiteten sie.
13 Als der Herr die Frau sah, hatte er Mitleid mit ihr und sagte zu ihr: Weine nicht!
14 Dann ging er zu der Bahre hin und fasste sie an. Die Träger blieben stehen, und er sagte: Ich befehle dir, junger Mann: Steh auf!
15 Da richtete sich der Tote auf und begann zu sprechen, und Jesus gab ihn seiner Mutter zurück.
16 Alle wurden von Furcht ergriffen; sie priesen Gott und sagten: Ein großer Prophet ist unter uns aufgetreten: Gott hat sich seines Volkes angenommen.
17 Und die Kunde davon verbreitete sich überall in Judäa und im ganzen Gebiet ringsum.




Niemand hat Jesus darum gebeten, es zu tun. Das Mitleid mit der Mutter hat ihn angetrieben. Der Verstorbene war ihr einziger Sohn und sie selbst war Witwe. Der Sohn ermöglichte der Frau das Leben. An ihm hatte sie Rechtsschutz, Lebensunterhalt, Trost. Ein soziales Netz, das bei uns in solchen Situationen auffängt, gab es damals nicht. Jesus wusste um die Not dieser Frau. Das Mitleid mit ihr veranlasst ihn zu handeln – unverzüglich und effektiv!
So fragt er nicht nach Glauben oder sonst einer Voraussetzung für die Gabe, die er geben möchte.
Er lässt den Trauerzug anhalten und befiehlt dem toten jungen Mann, aufzustehen! Sein Wort ist Tat und ist Macht: Der Tote richtet sich auf und beginnt zu sprechen.
Und dann hören wir, wie Jesus ihn seiner Mutter zurückgibt.
Die Menschen legen das Gewand ihrer Trauer ab und ziehen an das Kleid des Lobpreises. (vgl Est 4:17h; Jer 31:13) An Jesus brechen sich die Wogen des Todes. An seiner Macht zerschellt die Macht des Todes.

In der ersten Lesung gibt auch einer den Sohn seiner Mutter zurück: Elias erweckt das tote Kind seiner Wohltäterin zum Leben. Doch gelingt ihm dies erst nach beträchtlichem Aufwand an Gebeten zu Gott und an sinnfälligen Handlungen. Der Unterschied zwischen ihm und Jesus ist der Unterschied zwischen Prophet und dem, den er ankündigt; zwischen Knecht und Herr; zwischen Mensch und Gott; bei Elias wird deutlich: Die Quelle des Lebens ist Gott; Elias kann die Gabe des Lebens nur von Gott her erbitten, vermitteln, weitergeben. Aus sich selbst ist Elias machtlos.
Ganz anders bei Jesus: Die Worte, die er spricht sind selber Leben; die Lebensmacht, die den Tod besiegt kommt aus ihm selber! Was nichts anderes heißt, als dass er selber Gott ist. Das haben die Leute im Evangelium offenbar nicht begriffen; denn wohl in Erinnerung an das Wirken des Elia nennen sie Jesus einen großen Propheten, der unter ihnen aufgetreten ist – freilich von Gott gesandt, den sie deshalb auch preisen. Der Gedanke, dass Jesus Gott sei, ist ihnen zu unbegreiflich.

Wenn wir in der ersten Lesung und im Evangelium hören, dass Elias bzw. Jesus den Sohn der Mutter zurückgeben dann erinnert das an eine Stelle beim Propheten Jesaja 9:5: „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens.“ Mit diesen Worten wird angekündigt, dass auch uns ein Sohn gegeben wird und dass in diesem Sohn der Messias zu uns kommen wird.
Wenn wir nun die 2. Lesung in diesem Zusammenhang lesen, dann geschieht dem Paulus genau das: Ihm wird von Gott dieser Sohn geschenkt. Er drückt dies aus wie folgt: „Als aber Gott, der mich schon im Mutterleib auserwählt und durch seine Gnade berufen hat, mir in seiner Güte seinen Sohn offenbarte, damit ich ihn unter den Heiden verkündige, da zog ich keinen Menschen zu Rate.“ (Gal 1:15-16)
Und wie hat diese Gabe den Saulus gewandelt: Er, der vorher ohne Christus tot war und zu einer Quelle des Todes ward (vgl. Apg 8:1a), wird nun in Christus zu einen neuen Menschen und zu einer Quelle des Lebens für viele; er kam durch diese Gabe des Sohnes vom Tod zum Leben; nämlich von einem Leben ohne und gegen Christus zu einem Leben im Herrn und für den Herrn!

Wunderbare Lehre der heutigen Lesungen:
* Jesus überwindet den Tod! Welch große Botschaft, die jene viel größere Botschaft ankündigt, dass Jesus in seiner Person den Tod endgültig besiegt in seiner Auferstehung zum ewigen Leben in Gottes Herrlichkeit.
* Das Leben eine Gabe zum Dienst an der Freude anderer; um es hinzugeben, damit andere dem Leben in Fülle näher kommen.
* Dass weniger der leibliche Tod zu fürchten ist als vielmehr der Tod, der in einem Leben ohne Christus besteht. Gott bewahre uns vor diesem Tod! Er gebe uns immer wieder seinen Sohn und lasse uns jene Orte und Gelegenheiten aufsuchen und dort verweilen, an denen er uns den Anführer des Lebens (vgl. Apg 3:15) geben will, unseren Herrn Jesus Christus, der gelobt und gepriesen sei in Ewigkeit! Amen!

Mittwoch, Juni 06, 2007

Und alle aßen und wurden satt!



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 9: 11 – 17


11b Jesus nahm die Leute freundlich auf, redete zu ihnen vom Reich Gottes und heilte alle, die seine Hilfe brauchten.
12 Als der Tag zur Neige ging, kamen die Zwölf zu ihm und sagten: Schick die Menschen weg, damit sie in die umliegenden Dörfer und Gehöfte gehen, dort Unterkunft finden und etwas zu essen bekommen; denn wir sind hier an einem abgelegenen Ort. 13 Er antwortete: Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten: Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische; wir müssten erst weggehen und für all diese Leute Essen kaufen.
14 Es waren etwa fünftausend Männer. Er erwiderte seinen Jüngern: Sagt ihnen, sie sollen sich in Gruppen zu ungefähr fünfzig zusammensetzen.
15 Die Jünger taten, was er ihnen sagte, und veranlassten, dass sich alle setzten.
16 Jesus aber nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, segnete sie und brach sie; dann gab er sie den Jüngern, damit sie diese an die Leute austeilten.
17 Und alle aßen und wurden satt. Als man die übrig gebliebenen Brotstücke einsammelte, waren es zwölf Körbe voll.








Was war das für ein Abend damals? Jesus hat zum Volk geredet vom Reich Gottes; er hat alle geheilt, die seine Hilfe brauchten. Er hat den Leuten gesagt und sie erleben lassen, dass Gott ihnen nahe ist. So wird der Tag vorüber gegangen sein.
Als nun aber dieser Tag zur Neige ging, ging da nicht auch bei den Jüngern etwas zur Neige? Nämlich das Vertrauen, dass die 5000 Leute ihren Hunger bei Jesus stillen können? Sollte nicht dieses Vertrauen tagsüber gerade gewachsen sein? So dass sie sich also sagen hätten müssen: Jesus hat Kranke geheilt, jetzt wird er doch wohl auch dem Hunger der Leute abhelfen können?
Oder war das Heilen bereits so selbstverständlich, dass es für sie nichts mehr Besonderes war?
5000 Leuten aber mit praktisch Nichts etwas zu essen geben – das haben sie noch nicht erlebt und das trauen sie Jesus auch nicht zu; womöglich denken sie gar nicht daran, dass der Herr auch dafür zuständig sein könnte.
Sie haben bloß auf die 5000 Leute geschaut und auf die 5 Brote und die 2 Fische. Nach menschlichem Ermessen freilich eine Unmöglichkeit, die ihnen allerdings den Blick auf Jesus und seine Möglichkeiten nimmt.
So wollen sie also die Leute in ihrer Not von Jesus wegschicken, damit sie sich selber helfen und sich was zu Essen und eine Unterkunft besorgen.
Aber Jesus bemerkt, welch Inkonsequenz das wäre zu seinem vorauf gehenden Predigen und Handeln. Nein, wenn sein Reden und Handeln wirklich von Gott kommt, dann muss dieser Gott gerade auch jetzt in dieser menschlich aussichtslosen Situation den Leuten hilfreich nahe sein können.
Und so will er gerade jetzt den Leuten nahe bleiben und lässt es nicht zu, dass sie gerade jetzt von ihm weggeschickt werden.
Gerade jetzt will er erweisen, dass die Nähe Gottes hilft und dass sich diese Nähe Gottes in seinem Nahesein verwirklicht. Jesus heilt und Jesus hilft durch Nähe; denn in ihm ist Gott uns nahe gekommen.
So sind wir dem Geheimnis des heutigen Festtages ganz nahe gekommen: Jesus hat sich selber in die Gestalt des Brotes gegeben, um den Seinen die Jahrhunderte hindurch nahe sein und nahe bleiben zu können.


In folgendem Gebet kommt das so schön zum Ausdruck:
Herr Jesus, du bist uns ganz nahe. Aus der Zeitlosigkeit der Ewigkeit
bist du zu uns gekommen:
Ganz nahe unserem Leben, lebst du mit uns;
ganz nahe unserem Weg, gehst du mit uns;
ganz nahe unseren Kämpfen, kämpfst du mit uns;
ganz nahe unserem Schmerz, leidest du mit uns;
ganz nahe unserem Herzen, liebst du uns;
ganz nahe unserer Nacht, erleuchtest du uns;
ganz nah unserer Sündhaftigkeit, verzeihst du uns;
ganz nahe unserer Bosheit, läuterst du uns;
ganz nahe unserer Sehnsucht, erfüllst du uns;
ganz nahe unserer Hoffnung, verheißt du uns Zukunft.
Herr Jesus,
du bist uns ganz nahe
und bleibst uns immer nahe,
um uns dereinst ganz mit dir
zu vereinigen. (Verfasser-in unbekannt)


Wenn Jesus uns Menschen so nahe sein will – ist das nicht eine Einladung, dass auch wir die Nähe des Herrn suchen – nicht nur heute sondern jederzeit und auf jede Weise?
Fronleichnam soll nicht nur die Nähe des Herrn zu uns feiern sondern auch unsere Bereitschaft erneut ausdrücken, dem Herrn nahe sein und nahe zu bleiben. (vgl. Joh 15:1-7)


Schließlich ist das Verhalten des Herrn eine Herausforderung für uns, dass wir einander Gutes tun und lieben durch Nahesein und Nahebleiben und dass wir nicht voneinander davonlaufen, wenn es eng, schwer und scheinbar aussichtslos wird.
Jeder prüfe sich also, wie er das Gebot des Herrn erfüllt: „Liebt einander! wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben!“ (Joh 13:34)