Mittwoch, Oktober 31, 2007

Ich muss heut' in deinem Haus zu Gast sein!


Das Evangelium Lukas 19: 1 – 10

1 Dann kam er nach Jericho und ging durch die Stadt.
2 Dort wohnte ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war sehr reich.
3 Er wollte gern sehen, wer dieser Jesus sei, doch die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht; denn er war klein. 4 Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen musste.
5 Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.
6 Da stieg er schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf.
7 Als die Leute das sahen, empörten sie sich und sagten: Er ist bei einem Sünder eingekehrt.
8 Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück.
9 Da sagte Jesus zu ihm: Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist.
10 Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.


Wenn im Evangelium Jesus dem Zachäus begegnet, dann trifft er auf seinesgleichen; nicht dass Jesus ein Sünder gewesen wäre wie Zachäus, der durch sein Fehlverhalten Schuld auf sich geladen hätte. Nicht in diesem Sinn ist Jesus dem Zachäus gleich. Sondern in dem Sinn, dass er wie Zachäus ein Außenseiter ist: Von der führenden Schicht des Volkes abgelehnt und gehasst, von den Leuten um ihn herum und von seinen Jüngern nicht verstanden – eigentlich von niemandem geliebt; denn die Leute wollten Zeichen und Wunder von ihm sehen, die Jünger einen politisch mächtigen Messias. Ihn selber wollte eigentlich niemand – sie wollten alle nur etwas von ihm.

Wie sehr das stimmt, wird sich in Jerusalem erweisen, wohin er ja unterwegs ist, als er durch Jericho wandert. Dort in Jerusalem wird sich die schreckliche Einsamkeit erweisen durch sein Leiden und Sterben vor der Stadt auf einem Pfahl aus Holz, dem Kreuz, das so für uns zum Baum des Lebens wird. Schlimmer konnten sie Jesus nicht als Außenseiter hinhängen.
Die Jünger werden auch zu Außenseitern: sie werden sich nach dem Tod Jesu aus Angst vor den Juden hinter Türen einschließen; und erst als solche werden sie vom auferstandenen Jesus gefunden werden können; solange sie im Mainstream schwammen, waren sie für Jesus unerreichbar.

Nun, so ein Außenseiter ist auch Zachäus. Das kommt schon dadurch zum Ausdruck, dass er allein im Geäst eines Baumes hängt, um dort auf Jesus zu warten. Zachäus ist allerdings durch sein Benehmen als oberster Zollpächter ins Outside geraten. Er hatte die Zollrechte von Jericho gepachtet und ließ die Zölle durch Helfer von seinen Landsleuten einheben; dabei hat er sie arg geschröpft und ist damit reich geworden. Das hat ihm die Abneigung der Leute eingetragen und ihn zum Außenseiter gemacht, zu einem öffentlichen Sünder, der am Heil des Volkes Gottes keinen Anteil mehr hat.
Und doch ist allein schon in seinem Namen Hoffnung enthalten: Denn Zachäus ist eine Abwandlung von Zacharias und das bedeutet: Gott ist eingedenk!
Und dieses Eingedenksein Gottes wird nun in dem Augenblick Wirklichkeit, als Jesus aufblickt, ihn sieht, ihn beim Namen nennt und sich bei ihm einlädt. Dieser Moment wird zum Augenblick der Gnade und die Zuwendung Gottes trifft auf kein verschlossenes Herz.

Dieses Herz war nämlich schon vorbereitet auf diese Gnade durch den Wunsch, Jesus sehen zu wollen.
Stellt euch vor: Ein Mensch in großen Reichtum und dennoch die Sehnsucht in ihm, diesen Jesus sehen zu wollen. Der Reichtum allein hat den Zachäus nicht zufrieden gemacht; es blieb eine Tiefe des Herzens, die hat alles Geld nicht erreichen und ausfüllen können.

Diese unerfüllte Tiefe des Herzens war der Platz, der für die Begegnung mit Jesus reserviert blieb; darum wundert es nicht, dass Zachäus eiligst vom Baume stieg und Jesus freudig bei sich aufnahm.

So wurde auch dem Zachäus das Heil geschenkt; und dass dies keine abstrakte, ideelle Größe war sondern zutiefst wirksam im Herzen des Zachäus, wird durch sein Verhalten deutlich: Die Hälfte seines Besitzes an die Armen und den Betrogenen das Vierfache zurück!
So zeigt sich bei Zachäus die Echtheit seiner Umkehr und seiner Buße.

Wenn in dieser Feier Jesus in seinem Wort und in seinem Brot zu uns kommt, uns beim Namen nennt und sich bei uns einlädt – haben wir dann im Herzen jenen Raum, der es auch uns erlaubt, ihn freudig bei uns aufzunehmen?

Haben wir bei all unserem Reichtum auch jene Sehnsucht nach Jesus, die uns jenen Baum ersteigen lässt, der uns aus dem Mainstream heraushebt und uns kennzeichnet als jene, die wirklich auf Jesus selber neugierig sind und nicht bloß auf etwas von ihm?

Dienstag, Oktober 30, 2007

Euer Lohn im Himmel wird groß sein!


Das Evangelium Matthäus 5: 1 – 12a

1 Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm.
2 Dann begann er zu reden und lehrte sie.
3 Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
4 Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
5 Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.
6 Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.
7 Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
8 Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.
9 Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
10 Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.
11 Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.
12 Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.



Bei der Vorbereitung auf diese Predigt hörte ich den Stundenschlag der nahen Kirchenglocke. Im Nachhören des Glockenklanges kam mir in den Sinn, dass die Heiligen wie solche Glocken sind: Zu bestimmter Zeit schicken sie ihre klingende Botschaft über die Dächer; sie sagen die Zeit an oder rufen zum Gottesdienst oder erinnern an sonst ein bedeutsames Ereignis.

So macht es der Herr ja auch: Zu bestimmten Zeiten läutet er in unserer Kirche die Glocken; das heißt, er erweckt Menschen, dass sie durch ihr Leben eine bestimmte Botschaft verkünden. Diese Botschaft ist eine Verlebendigung des Evangeliums. Die Heiligen leben in besonderer Weise eine Wahrheit aus dem Evangelium und geben damit Antwort auf eine Frage und auf eine Not in unserer Zeit.

Wenn wir so eine Glocke näher anschauen ist der Klöppel in ihr der Heilige und der Glockenmantel die Kirche und die Zeit in der er lebt. Der schöne Klang kommt nun dadurch zustande, dass der Klöppel zum einen fest in der Glocke hängt und mit ihr verbunden ist: So ist auch jeder Heilige in der Kirche und in der Zeit, in der er lebt, fest verankert; diese Verankerung können wir auch eine liebende Verbundenheit nennen.

Auf der anderen Seite hängt der Klöppel aber nicht unbeweglich in der Glocke drinnen; die Glocke kann erst klingen, wenn der Klöppel sich in der Glocke bewegen kann. So sind auch die Heiligen rührige Menschen in der Kirche und in ihrer Zeit.

Das ganze Zusammenspiel von Glocke und Klöppel wird aber erst dadurch zum Glockenspiel, weil es einen Balken gibt, an dem die Glocke hängt und einen Motor, der diesen Balken in Bewegung setzt. So können wir im Gebälk und im Motor Gott erkennen, der Kirche und Welt sicher in seiner Hand hält und sie nach seinem Zeitplan bewegt.
So sind die Heiligen wie der Klöppel in der Glocke fest in Kirche und Welt eingebunden, wissen sich zuletzt aber von Gott gehalten und bewegt.

Diese gläubige Gehaltensein von Gott lässt sie frei in der Glocke schwingen ganz nach dem Rhythmus, in dem Gott die Glocke bewegt. Sie fürchten nicht den Zusammenprall mit dem Erz der Glocke – vielmehr kommt durch diesen Zusammenprall erst der schöne Klang zustande.

So lehrt uns die Glocke, was Heiligkeit bedeutet: Auseinadersetzung mit Kirche und Welt in liebender Verwurzelung in beiden dabei aber gläubig gehalten von Gott und frei bewegt durch seinen Heiligen Geist.

Glocken klingen zumeist aus der Ferne schön – es sei denn die Hausglocke oder eine Kuhglocke, die klingen auch aus nächster Nähe schön.
Steht man beim Läuten im Turm neben einer Glocke so ist das nicht angenehm und man kann das Gehör dabei verlieren. So sind auch Heilige nicht immer angenehme Leute, wenn man mit ihnen zusammenlebt. Allzu oft sind sie eine Überforderung, weil sie eine Nähe zu Gott leben, die ihre Zeitgenossen oft nur schwer aushalten können. Erst aus zeitlicher und räumlicher Distanz werden sie erträglicher; allerdings kann dabei auch die Schärfe ihrer Herausforderung verloren gehen, die sie im Namen Gottes leben sollen.

Gott sei Dank gibt es neben den mächtigen Kirchenglocken die Sterbeglocken, die Haus- und Kuhglocken, das Glockenspiel an manchen öffentlichen Plätzen und schließlich die Glöckchen zu St. Nikolaus und zu Weihnachten – ganz abgesehen einmal von den Glockenblumen mit ihrem stillen Klang auf den Feldern.

Welche Glocke aus dieser großen Auswahl mag wohl ich sein? Welchen Klang soll wohl ich in die Welt hinaus senden? Auch wir sind berufen, im Glockenspiel der Liebe heilig zu werden und zu leben in einer von Gottes Liebe gehaltenen Freiheit.

Freitag, Oktober 26, 2007

Gott, sei mir Sünder gnädig!


 
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 18: 9 – 14

9 In jener Zeit erzählte Jesus einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten, dieses Beispiel:

10 Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.

11 Der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet: Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort.

12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens.

13 Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig!

14 Ich sage euch: Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.


Zwei betende Menschen begegnen uns im Evangelium: Der
Pharisäer und der Zöllner.
Beide verrichten sie ihr Gebet im Tempel, im Haus Gottes.
Beide beginnen ihr Gebet damit, dass sie Gott ansprechen.
Damit finden die Gemeinsamkeiten auch schon ein Ende!

Vertiefen wir uns in das Gebet dieser beiden Menschen.
Es fällt sogleich auf, dass der Pharisäer mehr spricht in seinem Gebet. Der Zöllner ist im Vergleich dazu einsilbig.
Der Pharisäer beginnt wie selbstverständlich mit seinem Gebet. Beim Zöllner hören wir von der Gestimmtheit seines Herzens, von seiner inneren Haltung; sie drückt sich aus in seiner Haltung:
Er bleibt ganz hinten stehen.
Er wagt nicht seine Augen zum Himmel zu erheben.
Er schlägt sich an die Brust – dann erst beginnt er zu beten!
Der Zöllner ist ehrfürchtig; er ist ergriffen von der Größe Gottes; er weiß um seine eigene Armseligkeit. Es ist für ihn alles andere als eine Selbstverständlichkeit, im Tempel zu stehen und zu beten.

Wenn wir den Gebetsverlauf beim Pharisäer verfolgen bemerken wir, dass er wohl mit Gott beginnt – dann aber sogleich das „Ich“ folgt:
Ich danke dir;
ich bin nicht wie die anderen;
ich faste und gebe dem Tempel meinen Beitrag.

Auch der Zöllner beginnt mit Gott: Doch er bleibt bei Gott, indem er fortfährt: Sei du gnädig! Der Zöllner spricht Gott an. Er nimmt Gott als Gesprächspartner ganz ernst.

Beim Pharisäer wird „Gott“ als Einstieg verwendet in eine ausgiebige Betrachtung und Darstellung seiner selbst. Von Gott nennt er nur den Namen sagt weiters aber nichts von ihm sonder spricht gleich von sich selber.
Der Zöllner hingegen nennt den Namen Gottes und spricht auch von ihm – nicht irgendetwas sondern Wesentliches: Sei gnädig! Das ist Wichtig für ihn selber und für jeden Menschen. Von sich selber sagt er nichts – außer dass er ein Sünder ist!

Der verbalen Selbstdarstellung des Pharisäers steht die Anrufung des gnädigen Gottes beim Zöllner gegenüber.
Der Pharisäer vergisst ob seiner guten Taten auf Gott.
Der Zöllner weiß, dass er ob seiner Sünden der Gnade Gottes bedarf.

Es ist also kein Wunder, dass der Zöllner als Gerechter nach Hause geht!

Nun möchte man meinen, man dürfe sich nicht seiner guten Taten erfreuen. Mitnichten – wie uns die 2. Lesung zeigt.
Dort rühmt sich auch einer – Paulus selber, indem er schreibt: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten.“ (2Tim 4:7) Ist Paulus etwa auch der Gefahr des Pharisäers erlegen, über seinen Leistungen auf Gott zu vergessen? Keineswegs! Denn er fügt gleich an: „Aber der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft, damit durch mich die Verkündigung vollendet wird und alle Heiden sie hören; und so wurde ich dem Rachen des Löwen entrissen.“ (2Tim 4:17). Wir sehen also, Paulus weiß wem er seine guten Taten verdankt. Die Schilderung seines Wirkens mündet in eine Verkündigung des gütigen Beistandes des Herrn.

Das Gebet des Pharisäers versumpft in Selbstherrlichkeit.
Das Gebet des Zöllners führt aus seinem Sündersein das Gebet des Paulus aus seinem erfüllten Leben zum dankbaren Lobpreis der Güte Gottes.

Mögen auch wir bei unserem Beten nie vergessen, wem wir uns verdanken und dass wir dem Herrn gehören – ob wir nun leben oder sterben! Amen!

Samstag, Oktober 20, 2007

Allezeit beten!


 
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 18: 1 – 8

1 In jener Zeit sagte Jesus ihnen durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten:
2 In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm.
3 In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Feind!
4 Lange wollte er nichts davon wissen. Dann aber sagte er sich: Ich fürchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht;
5 trotzdem will ich dieser Witwe zu ihrem Recht verhelfen, denn sie lässt mich nicht in Ruhe. Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mich ins Gesicht.
6 Und der Herr fügte hinzu: Bedenkt, was der ungerechte Richter sagt.
7 Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern zögern?
8 Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben vorfinden?


Der Richter im Gleichnis fürchtet zwar Gott nicht und nimmt auf keinen Menschen Rücksicht. Dafür nimmt er auf sich selber umso mehr Rücksicht: Er will endlich Ruhe haben von einer lästigen Frau, die immer wieder zu ihm kommt und um seinen Rechtsbeistand bittet. Ja, Gott fürchtet er zwar nicht – aber diese Frau sehr wohl: sie könnte eines Tages kommen und ihm eine Ohrfeige geben!
Die Haltung dieser Frau will Jesus als Beispiel hervorheben: Ihr unablässiges, aufdringliches Bitten in einem bestimmten Anliegen sollen sich seine Jünger abschauen für ihr Beten zu Gott. Sie sollen allezeit beten, das heißt mit anderen Worten: im Beten nicht nachlassen!
Die Frau verfolgt mit ihrem beharrlichen Bitten die Befreiung von einer konkreten Not ihres alltäglichen Lebens.
Sie bittet im Richter einen Menschen, der sie nicht liebt, dem sie im Grunde egal ist. Und ihr lästiges Bitten hat Erfolg, weil auch der Richter an sich denkt und seine Ruhe haben will!

Wenn die Jünger hingegen zu Gott beten, dann ist dieser Gott einer, der sie in seiner Liebe auserwählt hat. Diese Auserwählung kommt dadurch zum Ausdruck, dass Gott ihnen seinen Sohn, den Menschensohn schickt, damit er ihnen gleichsam die übergroße Liebe Gottes bringe. Aber wird dieser Sohn Gottes Glauben finden auf Erden, wenn er kommt? Mit dieser Frage endet das Evangelium. Zugleich ist damit gesagt, worauf das unablässige Beten seiner Jünger gründet: Auf dem Glauben! Es ist also nicht die Not, die beten lehrt sondern der Glaube!

In diesem Gleichnis sagt Jesus uns, dass zum einen das konkrete Alltagsleben mit seinen kleinen und großen Bedürfnissen Inhalt unseres Betens sein möge.

Zum anderen legt uns der Herr durch den Sonntag der Weltkirche nahe, dass auch Bedürfnisse anderer Inhalt unseres Betens sein dürfen und müssen: Ich meine das Bedürfnis aller Menschen nach der Liebe Gottes! Und dass ihnen dieses Bedürfnis gestillt werde durch die Verkündigung des Evangeliums in Wort und Tat. Auch Jesus selber hat dieses Bedürfnis und teilt es seinen Jüngern mit im Sendungsauftrag: „Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern, tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28, 19-20). Was liegt näher, als dass auch seine Jünger von diesem Bedürfnis erfüllt und getrieben werden?

Es ist die Liebe Jesu zu uns und unsere Liebe zu Jesus, die uns die Dringlichkeit dieses Auftrages erkennen und leben lässt. Es ist diese Liebe, die uns in diesem Anliegen allzeit beten lässt. Es ist die Liebe, die uns das Herz und die Augen öffnet für unseren Sendungsauftrag, das Evangelium in Tat und Wort zu verkünden, zu bezeugen, zu leben!

Diese Liebe möchte uns aufwecken für die Menschen, die von uns mit Recht die Frohbotschaft des Evangeliums erwarten können. Sie möchte uns ebenso aufwecken für die Mittel und Möglichkeiten, die wir haben, um das Evangelium zu den Menschen zu bringen. Diese Liebe möchte unsere Phantasie im Einsatz unserer Kräfte und Mittel in diesem Anliegen neu beleben.

Diese Liebe lässt uns auch großzügig die Gelegenheit wahrnehmen, für unsere Karmelmission einen finanziellen Beitrag zu leisten. Sowohl die Kollekte bei der hl. Messe als auch euer Beitrag in den rückwärtigen Opferstöcken kommt bestimmten Projekten in Indien, Sibirien und in Südamerika zugute. Um welche Projekte es sich dabei genau handelt lest bitte in den rückwärts aufliegenden Infoheftchen.

So beten wir: Gott, du willst, dass deine Kirche ein Zeichen des Heils unter den Völkern sei und das Werk Christi bis zum Ende der Zeiten fortführe. Erwecke in allen, die glauben, die wache Sorge für das Heil der Menschen, damit aus allen Völkern ein heiliges Volk wird. Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn! Amen!

Mittwoch, Oktober 03, 2007

Glaube, so klein wie ein Senfkorn


 
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 17: 5 – 10

5 In jener Zeit baten die Apostel den Herrn: Stärke unseren Glauben!
6 Der Herr erwiderte: Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn, würdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden, und verpflanz dich ins Meer! und er würde euch gehorchen.

7 Wenn einer von euch einen Sklaven hat, der pflügt oder das Vieh hütet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Nimm gleich Platz zum Essen?
8 Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, gürte dich, und bediene mich; wenn ich gegessen und getrunken habe, kannst auch du essen und trinken.
9 Bedankt er sich etwa bei dem Sklaven, weil er getan hat, was ihm befohlen wurde?
10 So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.





Wie gut können wir den Propheten Habakuk verstehen, wenn er klagt: „Warum lässt du mich die Macht des Bösen erleben und siehst der Unterdrückung zu?“ (Hab 1:3a) Wie sehr passt doch diese Klage auch in unsere Zeit. Wie sehr erleben nicht auch wir, wie das Böse in unserer Welt wuchert: „Wohin wir blicken, sehen wir Gewalt und Misshandlung, erhebt sich Zwietracht und Streit!“ (Hab 1:3b) Wenn wir in die nahen und fernen Krisenherde unserer Welt schauen; wenn wir in unsere Kirche blicken; wenn wir an unser Land, an unsere Politiker, an unsere Gemeinde, ja sogar an unsere eigenen Familien denken – können wir mit Recht diese Worte des Propheten Habakuk in unseren Mund nehmen.

Und genauso wie den Propheten können dann auch uns Zweifel befallen an der Allmacht Gottes und an seiner Liebe zu uns Menschen.

Die Klage des Propheten will uns anregen, unsere Klagen vor Gott auszusprechen. Nichts macht seinen Glauben an Gott deutlicher als dass er gerade in seinem Zweifeln und Fragen auf Gott hingewendet und mit ihm im Gespräch bleibt. Dieses Klagen bedeutet ein Ernstnehmen Gottes als Gegenüber inmitten aller Zweifel an eben diesem Gott.
Der Prophet kündigt angesichts des übermächtigen Bösen in der Welt seine Gemeinschaft mit Gott nicht auf. Er zieht sich nicht stillschweigend und resignierend aus dieser Gemeinschaft mit Gott zurück.

Habakuk möge uns durch sein Verhalten anregen, sensibel zu bleiben für das Böse und das Übel um uns. Wir sind ja versucht abzustumpfen dagegen weil es uns durch die Medien geradezu überschwemmt. Und wir tun das gewiss auch aus einem Bedürfnis des Selbstschutzes heraus.
Nur frage ich mich, ob da ein Weniger an Konsum des Negativen nicht besser wäre zugunsten eines Mehr an zumutbarer Sensibilität und Bereitschaft mit zu leiden. Da ist gewiss etwas zu ändern durch gezielten Umgang mit der Aufnahme von Nachrichten aus Fernsehen, Radio und Zeitung.

Habakuk will uns auch ermutigen, mit unserem Kummer nicht bei uns allein zu bleiben; uns nicht zu verschließen sondern diese Sorgen betend vor Gott hin zu tragen und so Gott teilhaben zu lassen am Leid unseres Lebens.
Wir tun das ja im Gespräch mit anderen Menschen: Wir lassen unserem Unmut über verschiedene Missstände unserer Zeit freien Lauf und schimpfen einmal so richtig über das, was uns ärgert und Leid bereitet. Und wer von uns fühlt sich dann nicht leichter und wohler ums Herz!?

Wenn das aber unter uns Menschen schon so gut tut, wie wohl muss das erst tun, wenn wir uns an Gott wenden und unser Herz vor ihm ausschütten?
Aber da fehlt uns oft jener Glaube, der uns Gott gegenüber treu sein lässt. Da ist uns Gott bei weitem nicht mehr so wirklich nahe, wie es die Menschen sind. Wir können die Spannung nicht aushalten zwischen einem guten, liebenden Schöpfer- und Erhaltergott und dem vielfältigen Bösen in unserer Welt. Wir weichen lieber aus in eine stille, uneingestandene Gottlosigkeit, ohne Spannung, scheinbar klar und eindeutig – aber einsam und allein gegenüber den Mächten des Bösen.
„Der Gerechte aber bleibt wegen seiner Treue am Leben,“ (Hab 2:4b) lässt Gott uns durch seinen Propheten ausrichten.

Den Weg zu diesem Leben weist uns der Apostel in
2 Tim 1:6f: „Entfache die Gnade Gottes wieder, ... die dir zuteil geworden ist. Gott hat uns nicht den Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Besonnenheit und der Liebe.“
Uns allen wurde die Gnade des Glaubens geschenkt als wir getauft wurden. Im Geist der Kraft, der Besonnenheit und der Liebe wollen wir aus dieser Glaubensgnade leben; sie mag zwar klein sein wie ein Senfkorn birgt aber jene Kraft, die die Welt verändert.

Wir wollen beten: Gott, im Vertrauen auf dich hat Jesus die Welt verändert. Lass uns wachsen im Glauben und im Vertrauen auf deinen Beistand. Durch Christus, unsern Herrn! Amen!