Montag, Dezember 31, 2007

Und sie fanden Maria und Josef und das Kind


Das Evangelium Lukas 2: 16 – 21

16 So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.

17 Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war.

18 Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten.

19 Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.

20 Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.

21 Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoß seiner Mutter empfangen wurde.




Jedem Neubeginne liegt ein eig’ner Zauber inne! Es hat mit diesem Zauber zu tun, wenn wir einander alles Gute zum neuen Jahr wünschen! Das Neue, Unberührte eines Anfanges bewegt uns zur Hoffnung auf das Gute, das wir in jedem Neubeginn erahnen, und das sich enthüllen möge im Fortschreiten und im Entfalten des Begonnenen.

„Gutes sagen“ heißt im Lateinischen „bene dicere.“ Dies bedeutet dann vor allem „segnen.“ In der ersten Lesung hörten wir, wie Mose im Namen des Herrn Aaron und seine Söhne – also die Priester des Volkes Israel – anweist, das Volk zu segnen: Sie sollen den Leuten nicht einfach zurufen: Alles Gute!
Vielmehr sollen sie zu den Leuten sagen: „Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil. So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, und ich werde sie segnen.“ (Num 6:24-27)

Dadurch wird klar: Der eigentlich Segnende ist Gott selber; aller Segen kommt von IHM her; ER ist die Quelle allen Segens. Es geht nicht um ein unpersönliches „Alles Gute“ sondern es geht um den EINEN, der allein DER Gute schlechthin ist – es geht um Gott! (vgl. Mt 19:17) Das wollen wir sagen, wenn wir nicht nur ein „gutes“ neues Jahr wünschen, sondern ein „gesegnetes“ neues Jahr.

Dieser Gedanke ist deshalb auch wichtig, weil es zum Zauber eines Neujahrbeginnes dazu gehört, Vorsätze zu fassen. Damit diese nicht zu Pflastersteinen auf dem Weg zur Hölle sondern zu Meilensteinen auf den Weg zum Himmel werden müssen wir unsere Vorsätze mit dem Vor-Satz versehen: „So Gott will!“ Das heißt: wir beginnen nicht neu nach unserem Ermessen sondern wir lassen Gott mit uns beginnen, da er am besten weiß, was uns gut tut. Wir beginnen bei Gott und so können wir mit Gott beginnen; und dieser Anfang ist gut, weil er beim Ursprung alles Guten beginnt – bei GOTT!

Einen einzigartigen Anfang mit Gott setzt Maria, die wir heute als Gottesmutter ehren. Denn das Kind, das sie geboren hat, ist wahrer Gott! Und es wird den Namen Jesus bekommen, „denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen!“ (Mt 1:21)
Was die Hirten von diesem Kind erzählen bewahrt Maria im Herzen und denkt darüber nach. (vgl. Lk 2:19) Doch werden nicht nur ihr Herz und ihre Gedanken von dem Gehörten bewegt. Sie folgt ihrem Sohn von der Hochzeit zu Kana bis unter sein Kreuz auf Golgota. Im Leben und im Sterben ist sie ihm nahe. Und sie bleibt bei ihm, indem sie mit der Jüngergemeinde auf den verheißenen Geist wartet. Sie bleibt bei ihm, indem sie Mutter der Kirche wird.
Die Bewegung aus Liebe, die Gott in der Entäußerung seines Sohnes begonnen hat, ergreift Maria ganz in ihrem Leib, in ihrem Herzen, in ihrem Geist. Sie wird und bleibt eine von der Liebe Gottes Bewegte. So wird sie eine, zu der sich durch die Jahrhunderte hin zahllose Menschen auf den Weg machen, um sich von ihr einen Neubeginn mit ihrem Sohn schenken zu lassen um selber Bewegte zu werden von Gottes Liebe. So eilen wir am Beginn dieses neuen Jahres wie die Hirten und finden Josef, Maria und das Kind, das in der Krippe liegt (vgl. Lk 2:16). Nach Anbetung des Kindes und vertrautem Zwiegespräch mit seiner Mutter und mit Josef kehren wir wieder zurück in unsere Welt Gott rühmend und preisend für das, was wir gehört und gesehen haben. (vgl. Lk 2:20)

Was so in uns angestoßen wurde möge sich fortsetzen in Impulsen der Liebe. Als Gesegnete mögen wir zum Segen werden.
Ein Gebet des Pfarrers von St. Lamberti in Münster zum Jahreswechsel anno 1983 möge in unser konkretes Leben führen:
„Herr, setze dem Überfluss Grenzen und lasse die Grenzen überflüssig werden.
Lasse die Leute kein falsches Geld machen, aber auch das Geld keine falschen Leute.
Nimm den Ehefrauen das letzte Wort und erinnere die Ehemänner an ihr erstes.
Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit und der Wahrheit mehr Freunde.
Bessere solche Beamten, Geschäfts- und Arbeitsleute, die wohl tätig, aber nicht wohltätig sind.
Herr, sorge dafür, dass wir alle in den Himmel kommen – aber lass zuerst den Himmel zu uns kommen! Amen!

Freitag, Dezember 28, 2007

Liebe - das Band, das alles zusammenhält


Das Evangelium Matthäus 2: 13 – 15.19 – 23

13 Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten.


14 Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten.


15 Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.


19 Als Herodes gestorben war, erschien dem Josef in Ägypten ein Engel des Herrn im Traum


20 und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und zieh in das Land Israel; denn die Leute, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben, sind tot.


21 Da stand er auf und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel.


22 Als er aber hörte, dass in Judäa Archelaus an Stelle seines Vaters Herodes regierte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und weil er im Traum einen Befehl erhalten hatte, zog er in das Gebiet von Galiläa


23 und ließ sich in einer Stadt namens Nazaret nieder. Denn es sollte sich erfüllen, was durch die Propheten gesagt worden ist: Er wird Nazoräer genannt werden.



„Herr, unser Gott, in der Heiligen Familie hast Du uns ein leuchtendes Vorbild geschenkt...“ so haben wir vorhin gebetet. Wenn wir uns nun die hl. Familie anschauen, wie sie uns im Evangelium begegnet – worin könnte sie uns Vorbild sein?

Wir erleben im Evangelium die hl. Familie auf der Flucht vor dem tödlichen Zugriff des Herodes. Die Familie flieht, um das Kind zu schützen. Viele Familien sind auch in unseren Tagen auf der Flucht: Denken wir an die Krisengebiete unserer Erde oder an die Familien, die zu uns nach Österreich geflohen sind und hier eine sichere Bleibe suchen. Für alle diese Familien will die hl. Familie Solidarität und Trost sein. Uns will die hl. Familie auf der Flucht zum Gebet anregen und zu wirksamer Hilfe für die Familien, die heute auf der Flucht sind.

Zugleich will sie die Familien hinweisen darauf, dass es heute vieles gibt, was das Leben der Familie bedroht und was daher zu meiden und zu fliehen ist. Ich denke an die Fehlhaltungen des Egoismus und des Konsumismus, die bereits viele Familien zerstört haben und zahlreiche Familien bedrohen. Die Lesungen aus dem Buch Jesus Sirach (Sir 3: 2-6.12-14) und aus dem Kolosserbrief (Kol 3:12–21) weisen uns den Fluchtweg, den es zu beschreiten gilt: den Weg hin zu größerem Verständnis zwischen den Generationen; den Weg hin zu jener Liebe, die alles zusammenhält und vollkommen macht. Gerade für die immer gültigen Grundhaltungen des Miteinander und des Füreinander sind diese beiden Lesungen eine hilfreiche Gewissens- und Lebenserforschung. Folgen wir also der hl. Familie und fliehen wir mit ihr ins Leben!


Es ist auffallend wie die hl. Familie den Weg ins Leben findet: Jedes Mal wird dem Josef im Traum von einem Engel gesagt, was er zu tun hat. Und was noch erstaunlicher ist: Jedes Mal folgt Josef dem Hinweis des Engels im Traum. Die hl. Familie ist uns Vorbild in der Achtsamkeit auf jene Stimme, die den Weg zum Leben weist. Dabei ist anzufügen, dass dieser Weg auch schwierig – eben ein Fluchtweg – sein kann! Und also nicht die Beschwerlichkeit des Weges sondern die Stimme des Engels maßgeblich ist.

Wo aber sind für unsere Familien diese Engelsstimmen heute zu hören? Es wird wohl eher selten einem Vater oder einer Mutter ein Engel im Traum erscheinen und ihnen hilfreiche Tipps für drohende oder aktuelle Familienkrisen geben.

Doch meine ich, dass diese Engel in den Familienberatungsstellen sprechen, die etwa die Caritas anbietet; oder in den verschiedenen Selbsthilfegruppen; oder im Beichtgespräch; oder im Gebet; oder in der Hl. Schrift.

Der Lebensengel spricht nach wie vor! Öffnen wir ihm unser Ohr!


Wenn wir den Aspekt der Flucht etwas zurückstellen, können wir sagen: die hl. Familie ist eine Familie unterwegs. Damit will ich nicht nur an jene Familien erinnern, die gerade auch in diesen Ferientagen unterwegs sind und Urlaub machen.

Ich möchte vielmehr noch tiefer sehen und Familie als eine Gemeinschaft unterwegs im Sinne einer lebendigen Gemeinschaft sehen: Die einzelnen Mitglieder der Familie ändern sich: aus Eltern werden Großeltern und aus Kindern Erwachsene, die selber wieder Kinder zeugen. Dieses lebendige Unterwegssein gilt es bei jedem einzelnen Mitglied der Familie zu beachten und jedem einzelnen Mitglied muss es zugestanden werden. Das heißt für jedes Mitglied der Familie ein immer neues Weggehen und Ankommen, ein Annehmen und Loslassen. Es meint ein stetiges Bemühen um die angemessene Einstellung zur aktuellen Situation meines Familienpartners. Daraus folgen Aufmerksamkeit, Spannung, Konflikt – aber auch neue, tiefere, reifere Beziehung; neues Glück, neuer Friede, neue Freude – kurz und gut: Neues Leben in Fülle!

So dürfen Kinder Erwachsene werden – die Eltern können sie freilassen in ihre eigene Verantwortung.

Und Eltern haben einen Anspruch auf besondere Sorge, wenn sie alt und gebrechlich werden.

Auf welcher Grundlage aber ist diese lebendige und liebende Aufmerksamkeit möglich? Die Grundlage ist, dass wir von Gott geliebt sind!
Ich wiederhole noch einmal Paulus im Kolosserbrief: „Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen. Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld! Ertragt euch gegenseitig, und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht.“ (Kol 3:12 – 14)

So wollen wir beten: Lebendiger Gott! Junge und alte Menschen, Mütter, Väter und Kinder sind heute hier zusammengekommen als deine Familie. In jedem einzelnen von uns bist du gegenwärtig. Lass uns immer daran denken! Erhalte in uns gegenseitigen Respekt und die Achtung vor dem anderen. Stärke das Vertrauen, das wir einander entgegenbringen und erhalte in uns die Liebe, die uns untereinander und mit dir verbindet. Denn du bist unser Gott, heute, alle Tage und in Ewigkeit.

Montag, Dezember 24, 2007

In Ihm war das Leben


Das Evangelium Johannes 1: 1 – 18

1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.

2 Im Anfang war es bei Gott.

3 Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.

4 In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

5 Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.

6 Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes.

7 Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.

8 Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.

9 Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.

10 Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.

11 Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.

12 Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben,

13 die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.

14 Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.

15 Johannes legte Zeugnis für ihn ab und rief: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war.

16 Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade.

17 Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus.

18 Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.



Das Kind in der Krippe, die familiäre, warme und intime Atmosphäre, die Stille der Nacht – nachdem dies alles durch die Botschaft der Engel den Hirten bekannt wurde und in das Licht des Himmels getaucht wurde, (vgl. Lk 2:8 – 14) da ahnten wir schon: das kann es und das wird es wohl nicht gewesen sein! Und die Frage steht im Raum: Was wird aus diesem Kind wohl werden?

Nun, die Lesungen des heutigen Christtages beantworten uns diese Frage: Da wird das armselige Kindlein von heute Nacht auf einmal das Wort genannt, das bei Gott ist und das selber Gott ist und dass alles durch dieses Wort geworden ist. (vgl. Joh 1: 1 – 3)
Der Hebräerbrief legt noch ein Schäufchen nach und spricht vom Sohn, den Gott zum Erben des Alls eingesetzt und durch den er auch die Welt erschaffen hat; er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Abbild seines Wesens; er trägt das All durch sein machtvolles Wort. (vgl. Hebr 1: 2f.)
Dann ist von demselben Kind als vom Licht die Rede, das in der Finsternis leuchtet, vom wahren Licht, das in die Welt kam und jeden Menschen erleuchtet. (vgl. Joh 1:5.9)
Kurz und gut: Dieses Kind in der Krippe hat eine himmlische, eine göttliche Karriere durchgemacht.

Menschen haben – angeregt durch das Leben Jesus und durch den heiligen Geist – tief hineingeschaut und hineingehorcht in das unergründliche geheimnisvolle Wesen dieses Kindes und konnten schließlich mit Johannes im heutigen Evangelium sagen: „Wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.“ (Joh1:14)
Und von dieser Herrlichkeit versuchen sie zu berichten: Johannes in seinem Evangelium und in seinen Briefen ebenso wie der Verfasser des Hebräerbriefes.

Was will uns damit gesagt sein?
In diesem Kind ist Gott, der Herr der ganzen Welt, zu uns gekommen.
Weil nun also Gott in diesem Kind zu uns gekommen ist,
muss dieses Kind jeden einzelnen von uns zuinnerst betreffen; müssen wir ihm mit aller Tieffrömmigkeit unseres Herzens begegnen;
muss es in unserem Herzen wohnen.
Dieses Kind ist eine Gabe für uns.

Weil nun aber Gott, der Herr der ganzen Welt in diesem Kind ist, muss dieses Kind seinen Platz in der Welt haben; ist es lebensnotwendig für die Welt. Dieses Kind ist eine Gabe für die ganze Welt, für alle Völker dieser Erde.
Deswegen feiern wir die Geburt dieses Kindes auch nicht nur in trauter Privatheit sondern künden dieses Ereignis aller Welt.
Deswegen hebt der Papst in seiner Weihnachtsansprache das Jesuskind aus der Krippe heraus und legt es mitten in die aktuellen Probleme unserer Zeit
Deswegen wünscht der Papst heuer in vielen Sprachen den Völkern der Welt gesegnete Weihnachten.
Deswegen dürfen wir unseren Glauben an dieses Kind nicht als Privatsache ansehen sondern müssen ihn vor unseren Mitmenschen bezeugen als eine Angelegenheit, die sehr wohl auch sie meint und betreffen will.

Unser Glaube gehört nicht uns allein sondern allen Menschen.
Dass Gott sich uns zuinnerst ganz persönlich gibt enthält den zwingenden missionarischen Impuls, dass wir ihn durch unser wörtliches und tätiges Glaubenszeugnis den Menschen um uns weitergeben – und dies so sehr, dass Gott nicht in uns ist, wenn wir nicht bereit sind unseren Glauben öffentlich zu bekennen und weiterzugeben. Wir müssen tun, was Jesus getan hat. Von ihm hören wir am Ende des Evangeliums: „Der einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht!“ (Joh 1:18) Jesus hat Kunde gebracht – so müssen auch wir als seine Nachfolger Kunde bringen!
Dann erst ist und dann erst wird Weihnachten wenn wir es machen wie Jesus: Wenn wir die Kunde, die wir zu Weihnachten vom Kind in der Krippe, vom Herzstück des Vaters, hören, wenn wir diese Kunde zu den Menschen bringen. Erst dann, wenn wir diese Kunde bringen, wird Christus in uns geboren. In den Gedanken, Worten und Taten unseres christlich katholischen Glaubens bringen wir Jesus Christus, unsern Herrn und Gott zur Welt.
Unsere heutige Welt zeigt mit aller Dringlichkeit, dass sie diesen Gott braucht, um erlöst zu werden.
Bringen wir nach dem Vorbild Mariens Christus zu den Menschen unserer Welt. Amen!

Freitag, Dezember 21, 2007

Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht!


Das Evangelium Matthäus 1: 18 – 24

18 Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete - durch das Wirken des Heiligen Geistes.
19 Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen.
20 Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.
21 Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.
22 Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat:
23 Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns.
24 Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.



Die Lebensplanung des Josef wird im heutigen Evangelium gehörig auf den Kopf gestellt; es geht alles durcheinander: Seine Verlobte Maria bekommt ein Kind – aber nicht von ihm. Da ist wohl eine Welt zusammengebrochen für diesen Mann: Das Leben, das er sich mit Maria vorgestellt hat: Hochzeit, Kinder, ein ruhiges Familienleben, schließlich die Übergabe seiner Werkstatt an seinen Sohn und dann der Lebensabend.

Das alles kann sich Josef jetzt in den Wind schreiben. Es ist schon erstaunlich, dass Josef nicht empört ist. Er macht vielmehr einen sehr beherrschten, gefassten Eindruck: Er schimpft nicht und ist nicht grob zu Maria; er denkt nur darüber nach und beschließt, sich in aller Stille von Maria zu trennen. Dieses Verhalten wird als „gerecht“ (Mt 1:19) bezeichnet. Josef verhält sich vorbildlich. Er will Maria nicht bloßstellen; er will nicht, dass ihr Zustand allgemein bekannt wird und dass alle mit dem Finger auf sie zeigen. Er ist rücksichtsvoll zu Maria: Ein deutliches Zeichen, dass er Maria trotzdem liebt und ihr den Weg zum Vater des Kindes möglichst ebnet.

Ich meine, dieses einfühlende und liebevolle Verhalten des Josef ist eine wesentliche Voraussetzung für alles Folgende: Es ermöglicht nämlich seine Offenheit für das Verständnis dessen, was wirklich mit Maria geschehen ist. Und damit ist Josef auch offen für den Plan, den Gott mit ihm hat. Man stelle sich vor, Josef hätte gewütet und getobt, er hätte seine Verlobte beschimpft, geschlagen und dann an den Pranger gestellt: Er hätte sich in seiner wütenden Eifersucht total verschlossen für das, was da an und in Maria geschehen ist.

In seiner Gerechtigkeit ist Josef aber bereit, in ein tiefes Geheimnis im Leben seiner Verlobten und in seinem eigenen Leben eingeweiht zu werden: Im Traum sagt ihm ein Engel, dass im Leben der Maria der Geist Gottes am Werk ist. (vgl. Mt 1:20-23) In der Unordnung, die da auf einmal in seinem Leben entstanden ist will sich eine neue Ordnung durchsetzen – die Ordnung Gottes.

Was er als Durcheinander in seinem Leben wahrnimmt ist tiefer besehen ein Weg, den Gott mit ihnen gehen möchte: Durch Maria möchte Gott seinen Sohn in diese Welt schicken – seinen Sohn, „der sein Volk von seinen Sünden erlösen wird.“ (Mt 1:21) Und Josef soll dabei behilflich sein.

Josef, der Maria trotzdem liebte, soll helfen, dass Gott seine Trotzdemliebe zu uns Menschen verwirklichen kann in der Menschwerdung seines Sohnes. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hingegeben hat (vgl. Joh 3:16a), damit dort, wo die Sünde mächtig geworden ist die Gnade übergroß werden konnte. (vgl. Röm 5:20b)
Und Josef konnte bei diesem Plan helfen: Denn in seiner Trotzdemliebe zu Maria war er geradezu prädestiniert dafür – ja in dieser Liebe zu Maria gehörte er gewissermaßen schon dieser Welt an, in der Gott lebt und die er in seinem Sohn Jesus allen Menschen eröffnen wollte.
So konnte Josef handeln, wie es im Evangelium heißt: „Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.“ (Mt 1:24) Als Gott in seinem Leben Platz nehmen wollte durch dieses Kind Jesus hat Josef sich nicht verweigert sondern sein Leben geöffnet für dieses Kind Jesus. In der konkreten Form der Nächstenliebe hat sich dieses Platzmachen geäußert, indem er Maria als seine Frau zu sich genommen hat.

Wenn unser Leben ohne unser besonderes Zutun in Unordnung geraten sollte, dann handeln wir wie Josef: Keine lieblosen Äußerungen, keine voreiligen Reaktionen. Sondern Bleiben in der Trotzdemliebe und offen dafür, dass Gott uns sagen kann, was er von uns will; dass Gott uns zeigen kann, wie er in unserem Leben Platz nehmen möchte.

In dieser Haltung des Josef besteht unsere beste Vorbereitung auf jedes Kommen Gottes in unser Leben – auch auf sein Kommen im Kind, das in heiliger Nacht uns allen geboren, uns allen geschenkt werden will. (vgl. Jes 9:5) Amen!

Sonntag, Dezember 16, 2007

Bist du es, der da kommen soll?


Das Evangelium Matthäus 11: 2 – 11

2 In jener Zeit hörte Johannes im Gefängnis von den Taten Christi. Da schickte er seine Jünger zu ihm

3 und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?

4 Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht:

5 Blinde sehen wieder, und Lahme gehen; Aussätzige werden rein, und Taube hören; Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet.

6 Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.

7 Als sie gegangen waren, begann Jesus zu der Menge über Johannes zu reden; er sagte: Was habt ihr denn sehen wollen, als ihr in die Wüste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt?

8 Oder was habt ihr sehen wollen, als ihr hinausgegangen seid? Einen Mann in feiner Kleidung? Leute, die fein gekleidet sind, findet man in den Palästen der Könige.

9 Oder wozu seid ihr hinausgegangen? Um einen Propheten zu sehen? Ja, ich sage euch: Ihr habt sogar mehr gesehen als einen Propheten.

10 Er ist der, von dem es in der Schrift heißt: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen.

11 Amen, das sage ich euch: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er.



„Johannes hörte im Gefängnis von den Taten Christi.“ (Mt11:2) Leute werden ihm davon erzählt haben, die entweder selber erlebten, was sie erzählten oder die es von anderen gehört hatten.
Das reichte Johannes nicht. Er wollte es von Jesus selber hören. Da es damals so was wie Handy oder Telefon nicht gab und Johannes im Gefängnis war, schickte er seine Jünger zu Jesus. Über seine Jünger sprach er indirekt mit Jesus über dessen Sendung: „Bist du der, der kommen soll oder müssen wir auf einen anderen warten?“ (Mt 11:3)
Daraufhin sagt Jesus den Jüngern des Johannes, was sie diesem antworten sollen: das was sie von seinem Tun und Reden hören und sehen!
Jesus autorisiert die Jünger des Johannes, von seinem Wirken zu berichten. Diese Autorisierung hatten die Leute nicht, die eingangs dem Johannes von Jesus erzählten.
Jetzt erst ist Johannes zufrieden; jetzt erst weiß er, dass in Jesus der Messias, der Heiland gekommen ist. Er hat seinen Auftrag erfüllt, indem er die Menschen auf ihn hingewiesen hat und seine Stimme verstummt.

Es geht hier um ein Reden von Jesus, das nicht im eigenen Ermessen liegt. Hinter dem Reden von Jesus steht der Auftrag Jesu selber. Die Jünger des Johannes werden von Jesus beauftragt: „Geht und berichtet dem Johannes!“ Und auch der Inhalt ihrer Botschaft wird ihnen von Jesus gegeben: „Berichtet, was ihr hört und seht!“ Der Inhalt ihrer Botschaft müssen Jesu Worte und Jesu Taten sein.
Und heute? Wie beauftragt Jesus heute, von ihm zu reden? Er tut dies heute durch die Hirten der Kirche, versammelt um den Papst. Dieses Hirtenkollegium gründet in der Gemeinschaft der Apostel, zu denen Jesus einmal gesagt hat: „Wer euch hört, der hört mich!“ (Lk 10:16) Der Inhalt ist heute der gleiche wie damals: Jesu Worte und Taten!

Gerade die Zeit des Advent als Zeit der Erwartung lebt von der Frage: „Wer ist es, den wir erwarten? Wer ist dieser Jesus? Ist er der wirkliche Heiland oder müssen wir den woanders suchen: im Konsum, in der Esoterik, im Genusstreben, in der Macht und wie die Götzen dieser Welt alle heißen mögen?“

Sichere, unverfälschte und unverkürzte Antwort kann da nicht einer geben, der sich selber ermächtigt, Jesus zu verkünden.
Das kann nur jener Mensch, der sich wohl auch dazu berufen fühlt; der aber auch von der Kirche dazu beauftragt ist und dessen Predigt im Wesentlichen die Worte und Taten Jesu beinhaltet.
Schauen wir uns nun die Botschaft näher an, welche die Jünger des Täufers sehen und hören: „Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören.“ (Mt 11:5a) Ebenso wird in der 1. Lesung (Jes 35:5-6a) das Heilswirken Gottes beschrieben wenn er selber kommt: Der Mensch wird in seiner körperlichen Gebrechlichkeit geheilt und ganz gemacht.
Doch bleibt Jesus beim leiblichen Heil nicht stehen sondern fährt fort: „Tote stehen auf und den Armen wird das Evangelium verkündet!“ (Mt11:5b) Das reicht über das Zeitliche hinaus ins Ewige; über das Körperliche hinaus ins Geistige; über das Menschliche hinaus ins Göttliche.
Oder sagen wir es adventlich/weihnachtlich: Das Ewige bricht ins Zeitliche herein; das Göttliche ins Menschliche! „Das Himmelreich ist nahe!“ (Mt 3:2; Mt 4:17)
Johannes und Jesus verkünden dem Wortlaut nach eine identische Botschaft.
Nur meint Johannes damit den kommenden Zorn Gottes, die Axt am Stamm der fruchtlosen Bäume, die Schaufel in der Hand, um Spreu vom Weizen zu trennen, das nie erlöschende Feuer, in dem sowohl das eine wie das andere verbrennt.

Jesus hingegen meint mit dem nahe gekommenen Reich Gottes das Heil der Menschen an Leib und Seele. Die Überwindung des Bösen durch das Gute. Das Erbarmen, welches größer ist als die Gerechtigkeit.

Es ist fürwahr nicht verwunderlich, dass Johannes es von Jesus selber wissen will, ob er es ist, der kommen soll oder ob man auf einen anderen warten muss.

Mittwoch, Dezember 05, 2007

Kehrt um!


Das Evangelium Matthäus 3: 1 – 12

1 In jenen Tagen trat Johannes der Täufer auf und verkündete in der Wüste von Judäa:

2 Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.

3 Er war es, von dem der Prophet Jesaja gesagt hat: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!

4 Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften; Heuschrecken und wilder Honig waren seine Nahrung.

5 Die Leute von Jerusalem und ganz Judäa und aus der ganzen Jordangegend zogen zu ihm hinaus;

6 sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen.

7 Als Johannes sah, dass viele Pharisäer und Sadduzäer zur Taufe kamen, sagte er zu ihnen: Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt?

8 Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt,

9 und meint nicht, ihr könntet sagen: Wir haben ja Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Steinen Kinder Abrahams machen.

10 Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.

11 Ich taufe euch nur mit Wasser (zum Zeichen) der Umkehr. Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.

12 Schon hält er die Schaufel in der Hand; er wird die Spreu vom Weizen trennen und den Weizen in seine Scheune bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.



„Alles, was einst geschrieben worden ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir durch Geduld und durch den Trost der Schrift Hoffnung haben.“ (Rom Röm 15:4)
So suchen wir denn, was uns zur trostreichen Belehrung im heutigen Evangelium geschrieben steht.

Da ist zuerst einmal die Rede davon, dass Johannes seine Botschaft in der Wüste verkündet. Die Wüste ist ein Ort, der mir die Frage stellt nach dem Wesentlichen für mein Leben. Wenn ich in die Wüste gehe, nehme ich nur das mit, was ich für mein Leben unbedingt brauche. Die Wüste fragt mich, was ich zum Leben, zum Überleben in ihr notwendig habe.
Wenn ich in die Wüste gehe, lasse ich deshalb alles Beiläufige, alles Nebensächliche zurück. Die Wüste lehrt mich, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden; mich vom Unwesentlichen zu trennen und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Genauso will der Advent eine Zeit sein, die mich an das Maßgebliche meines Lebens erinnern will; an das, von dem ich wirklich leben kann, was mir wirklich Lebensfülle schenkt. Zugleich entdecke ich dabei, was nur Beiwerk ist in meinem Leben, was mein Leben eigentlich nicht fördert sondern eher hindert.
Auf dieser adventlichen Entdeckungsreise durch die Güter meines Lebens werde ich dann auch an jenen Punkt kommen, wo ich mir sage: Dies und jenes ist mir zum Ballast geworden, von dem ich mich trennen muss – will ich wesentlicher leben, will ich eine größere Lebensqualität erreichen. Diese Station spricht Johannes dann mit seiner Botschaft an: „Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe!“ (Mt 3:2)
Der Advent will uns hinführen zu einem Quantensprung in unserer Lebensqualität; die Botschaft des Täufers will uns zu die-sem Sprung ermutigen.

Zum anderen ist da die Wortwahl des Johannes im Gespräch mit den Sadduzäern und Pharisäern: Was will die Schrift uns damit sagen; womit will sie uns auf diese Weise „trösten?“ Dass wir uns diesen Wortschatz aneignen im Umgang miteinander?
Johannes bedient sich nämlich sehr grober und starker Worte: „Schlangenbrut“ (Mt 3:7) nennt er sie – das ist geradezu ver-letzend! Jesus wird dieselben Leute übrigens keineswegs zärtlicher anreden: „Nattern“ (Mt 23:33) wird er sie später schimpfen; nicht weniger zärtlich!
Diese starken Worte entsprechen einem starken Verhalten der Pharisäer und Sadduzäer; es sind dies nämlich gerade jene Leute, die glauben, sie seinen perfekt, hätten keine Sünde, sei-en gerecht und gesetzestreu auf der ganzen Linie – und hätten darum keine Umkehr nötig; die kommen höchstens an den Jordan, um dieses Spektakel zu beobachten und sich eventuell pro forma unter die taufende Hand des Johannes zu beugen, um von den Leuten gesehen und gelobt zu werden. (vgl. Mt 6:2.5) Es fehlt ihnen jedoch völlig eine aufrichtige Bußgesinnung und die Bereitschaft zu einer ernsten Umkehr.
Ihr Verhalten ist eine Ohrfeige Gott und den Menschen gegenüber; dem entspricht die Ohrfeige, die ihnen Johannes mit seinen Worten versetzt.
Johannes sagt ihnen mit anderen Worten: So schlimm meine Worte zu euch sind so schlimm ist euer Verhalten Gott und den Menschen gegenüber. Die starken Worte sollen ein Hinweis sein auf ihr moralisches, soziales und politisches Verhalten – das wahrlich ein starkes Stück ist und das sie nicht verniedlichen sollten, gar etwa auch deshalb, weil sie es sich schon angewöhnt haben.
Johannes will durch seine Rede nicht beleidigen sondern er will aufrütteln, er will sie verletzen, damit sie gesunden. Der Arzt muss ja auch operieren, wenn er seinen Patienten von einem Tumor befreien will.
Stellen auch wir uns den starken Worten des Täufers und las-sen wir uns hinführen zur schmerzlichen Frage: Wo bin auch ich nur oberflächlich gut im Grunde jedoch ein gemeiner Egoist?
Wo sind in meinem Leben Früchte gefordert, die meine Umkehr zeigen?
Der Gürtel, den Johannes trägt, will uns den Weg zeigen:
„Denn wie sich der Gürtel den Hüften des Mannes anschmiegt, so wollte ich, dass sich das ganze Haus Juda mir anschmiegte - Spruch des Herrn – damit es mein Volk und mein Ruhm, mein Preis und mein Schmuck wäre.“ (Jer 13:11)
Der Advent – eine Zeit, uns an den Herrn zu schmiegen!

Voll der Gnade


Das Evangelium Lukas 1: 26 – 38

26 Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret
27 zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.
28 Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.
29 Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.
30 Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.
31 Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.
32 Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
33 Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.
34 Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?
35 Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt wer-den.
36 Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat.
37 Denn für Gott ist nichts unmöglich.
38 Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.


Das Fest, das wir heute feiern, lässt mich an einen denken, der ganze Arbeit macht; der sein Werk von Anfang an plant und nichts dem Zufall überlässt. Er handelt so, weil er dieses Werk über alles liebt.

Mir fällt da ein, was Jesus an einer anderen Stelle im Evangelium im Hinblick auf die Nachfolge seiner Jünger sagt: er spricht im Gleichnis von einem, der sich hinsetzt und den Bau eines Turmes genau plant. Ansonsten könnte es nämlich passieren, dass er zwar das Fundament legt, dann aber nicht mehr weiterbauen kann. Und die Leute würden ihn dann auslachen und sagen: dieser da wollte ein Haus bauen und konnte den Bau nicht vollenden. (vgl. Lk 14:28-30)

Genau so hat Gott sein Werk geplant – sein Erlösungswerk an uns Menschen, das er durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes ausgeführt und vollendet hat. Zu diesem Plan gehört auch die Menschwerdung seines Sohnes dazu und dass dies durch Maria, die Mutter Jesu, geschieht.

Nun erweist sich die Gründlichkeit Gottes bei der Ausführung seines Planes darin, wie er seinem Sohn die Mutter bereitet; nämlich, indem er sie von Anfang ihres Daseins an aus jeder Verstrickung in Schuld und Sünde heraushält. Er hat seinem Sohn in Maria eine Wohnung bereitet und er hat ihm eine vollkommene Wohnung in dieser Frau bereitet.

Um die Gründlichkeit Gottes darzustellen fällt mir der Texaner Lance Armstrong ein, der sieben Mal in Folge die Tour de France gewonnen hat – so oft, wie keiner vor ihm. Das hat dieser Mann geschafft, weil er sich penibel auf dieses Ereignis – und nur auf dieses Ereignis vorbereitet hat. So ist er sonst bei keinem anderen Radrennen mitgefahren und richtete seine ganze Aufmerk-samkeit und sein ganzes Planen allein auf die Tour de France.

Diese umfassende Aufmerksamkeit beim Ausführen seines Erlösungswerkes an uns Menschen lässt Gott also gerade am heuti-gen Fest erkennen. Wir können diese ungeteilte Aufmerksamkeit auf seinen Sohn und damit auf uns Menschen aus seinem Umgehen mit Maria herauslesen.

In Worten finden wir diese ganze und volle Achtsamkeit Gottes ausgedrückt in dem, was der Engel Gabriel zu Maria sagt, wenn er sie anspricht: „Sei gegrüßt, du Begnadete!“ (Lk 1:28) Im Gebet „Gegrüßet seist du Maria“ nehmen wir diesen Gruß auf indem wir sprechen: Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade!
Dieses „voll der Gnade“ hat die Kirche im Verlauf der Zeit immer tiefer und umfassender verstanden. Sie erkannte, dass „voll der Gnade“ sich auch auf den zeitlichen Lebenslauf dieser Frau Maria erstreckt und dass dieses Wort auch meint, dass Maria von allem Anfang ihres Lebens an frei geblieben ist von jeglicher Verstrickung in Schuld und Sünde.

So war es mit der Zeit nur mehr denkbar, dass Jesus, der ganz Heilige, nur von einer ganz heiligen Mutter geboren werden konnte.
Derjenige, der gekommen ist, den Willen des Vaters ganz zu erfüllen (Heb 10:7.9), konnte nur von einer Frau geboren werden, die aus ganzem Herzen zum Engel sagen konnte: „Ich bin die Magd des Herrn! Mir geschehe wie du es gesagt hast!“ (Lk 1:38)
Je gläubiger wir die Worte im „Gloria“ beten können: „Denn du allein bist der Heilige, du allein der Herr, du allein der Höchste: Jesus Christus, mit dem Heiligen Geist, zur Ehre Gottes des Vaters. Amen!“ Je gläubiger wir so von Jesus beten können umso bereitwilliger werden wir das Glaubensgeheimnis von der unbefleckten Empfängnis Mariens annehmen können.
Und schließlich sehen wir im Umgehen Gottes mit Maria ein Vorausbild für sein Umgehen mit allen Menschen. So wird gerade dieses Fest ein Fest des Trostes für uns alle, die wir uns oft genug verstrickt erleben in unsere schuldhaften Abhängigkeiten.
Das heutige Fest will unseren Eifer anregen, jene Quellen aufzusuchen, an denen wir wieder jene Freiheit, jene Klarheit, jene Unbeflecktheit erlangen können, die Gott uns allen schenken möchte: Die Quellen des Gebetes, der Eucharistie, der Buße, der Nächstenliebe.
So danken wir am heutigen Tag Gott für seine Liebe, sein Erbarmen, für das Große, das er an Maria getan hat und das er an uns allen tun will – jetzt und in Ewigkeit. Amen!