Dienstag, Dezember 30, 2008

Sie fanden Maria, Josef und das Kind


Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 2: 16 – 21

16 So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.

17 Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war.

18 Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten.

19 Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.

20 Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.

21 Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoß seiner Mutter empfangen wurde.





Zu Beginn dieses neuen Jahres führt uns das Evangelium zusammen mit den Hirten nach Bethlehem zu Maria und Josef und dem Kind, das in der Krippe liegt. Wir fangen dieses neue Jahr an der Krippe eines neugeborenen Kindes an: von diesem Kind heißt es, in ihm ist uns der Retter geboren, er ist der Messias, der Herr!

Diese Umstände laden uns ein,
das neue Jahr mit diesem neuen Kind zu beginnen.
Neu ist dieses Kind nicht nur, weil es eben geboren wurde;
neu ist dieses Kind wegen seiner Namen: Retter, Messias, Herr!
Diese Bezeichnungen bündeln sich in jenem Namen, den das Kind dann bei der Beschneidung erhält: Jesus! Und dieser Name bedeutet Gott rettet!
Das neue Jahr mit diesem neuen Kind zu beginnen heißt also: Dieses Jahr unter dem Schutz Gottes zu beginnen; dieses Jahr ganz der Obhut Gottes anzuvertrauen. Bereits die Anfänge dieses Jahres von Gott segnen zu lassen durch das Kind Jesus.
Das neue Jahr mit dem Kind Jesus zu beginnen heißt es mit Gott zu beginnen, denn dieses Kind Jesus verehren wir gläubig als den Sohn Gottes.

Das neue Jahr wird wachsen, das Kind Jesus wird wachsen, wir werden in diesem Jahr wachsen! Indem wir dieses kommende Jahr schon in seinen Anfängen dem Segen des Herrn unterstellen drücken wir unsere Hoffnung aus,
dass wir im Guten wachsen mögen;
dass dieses kommende Jahr ein Jahr des Heiles werden möge – für uns, für unsere Angehörigen, für unser Land, für die ganze Welt!
In unserem Glauben an dieses göttliche Kind Jesus,
in unserer Hoffnung auf es,
in unserer Liebe zu ihm öffnen wir uns und ermöglichen wir es, dass dieses Wachsen nicht unberührt nebeneinander geschieht. Vielmehr wird es ein Wachsen sein ineinander: Jesus wird in uns wachsen, wir werden in Jesus wachsen, zusammen werden wir in diesem kommenden Jahr wachsen und uns im Guten entfalten, sodass wir zu einem Segen werden für die Menschen mit uns und ums uns. Wir werden lebendig erfahren was es heißt: Jesus ist der Retter, der Herr!
Darum bitten wir dieses Kind:
In diesem kommenden Jahr werden wir viel Freude erleben; so hilf uns, dass wir uns immer in dir freuen!
Wir werden zahlreiche Beziehungen zu Menschen knüpfen und pflegen; so hilf uns, dass dadurch unsere Freundschaft mit dir wächst.
Es werden Leiden über uns kommen; so hilf uns, dass wir mit dir leiden!
Wir werden Versuchungen ausgesetzt sein; so hilf uns, dass wir deiner Kraft vertrauen.
Wir werden Dunkelheiten erfahren; so hilf uns auf dein Licht zu warten. Wir werden Schuld auf uns laden; so hilf uns, dass wir uns deiner barmherzigen Liebe in die Arme werfen.
Wir werden dem Tod begegnen; so lass uns glauben, dass du ihn überwunden hast, weil du von Gott her unser ewiges Leben bist!

Nun hören wir, dass das Kind nicht allein ist. Es ist Josef bei ihm und Maria, seine Mutter!
Von ihr vernehmen wir, dass sie alles, was geschehen war, in ihrem Herzen bewahrte und darüber nachdachte. Wir sehen in ihr eine Frau, die ihre mütterlichen Pflichten nicht nur in jener äußeren Sorge erfüllt, deren neugeborene Kinder so sehr bedürfen; sie nimmt auch mit dem Herzen und dem Verstand ganz Anteil an dem, was da geschieht. Es geschieht nicht nur vor ihren Augen und unter ihren Händen etwas; es ist dies zugleich auch ein Geschehen in ihr und ein Geschehen aus ihr! Sie ist ganz in dieses Geschehen eingebunden – und sie lässt das auch zu und fördert dieses Eingebunden werden mit Herz und Sinn!
Wir können sagen, sie ist gleich von Beginn an ein Herz und eine Seele mit ihrem Sohn. Und wir wissen auch von der Begegnung mit dem Engel Gabriel, woher das kommt: Sie ist voll der Gnade und so zuinnerst verbunden mit dem, der voll Gnade und Wahrheit ist!
Maria wird also dem Wachsen ihres Sohnes an der Seite stehen; sie wird es äußerlich fördern und es innerlich begleiten – es im Herzen bewahrend und darüber nachdenkend! Was bedeutet dies alles nun für uns?
Dass wir uns auch Maria nahen, indem wir zu ihrem Sohn kommen;
und dass sie mit umso größerer Freude erfüllt wird je tiefer, je herzlicher, je umfassender wir uns mit ihrem Kind zusammenschließen.
Denn auf diese Weise tun wir genau das was sie tut: die Verbundenheit mit ihrem Sohn anstreben, vertiefen, feiern, leben!

Unser Neubeginn in diesem Jahr ist nicht nur ein neuer Start mit Jesus; es ist zugleich ein Neunanfang mit Maria, seiner Mutter.
Denn nichts wünscht sie sehnlicher, als dass wir mit ihrem Sohn leben;
nichts kann ihr Herz mehr bewegen,
nichts ihre Gedanken mehr beschäftigen!
Nichts begleitet sie mit ihrem Segen mehr als unser Zusammenleben mit Jesus.
Darum steht auch der Neubeginn dieses Jahres hier an der Krippe unter dem ganz besonderen mütterlichen Segen Mariens.
Deswegen feiert die Kirche am Neujahrstag die Gottesmutterschaft Mariens.
Darum wollen wir diesen Jahresanfang jener Frau ans Herz legen, in der Gott die Geschichte unseres Heiles neu anfangen hat lassen.
Wir wollen allen Dank, allen Lobpreis, alle Bitten, alle Sorgen, die unser Leben eben jetzt bewegen, in diese Frau hineinlegen, aus der heraus uns geboren wurde Jesus Christus, der Herr, der uns neues, unvergängliches Leben schenken wird.
Maria, wir sehen, wie du um dein Kind sorgst;
wie du es ins Herz geschlossen hast;
wie deine Gedanken um es kreisen.
Du hast dieses Kind geboren; aber es bleibt auch in dir lebendig: in deinem Herzen; in deinen Gedanken!
Du sagst uns damit, dass es nicht genügt, Jesus auf den Armen zu tragen und in den Händen zu halten; ihm die Brust zu reichen und ihn in Windeln zu wickeln.
Jesus will in unserem Herzen getragen werden und in die Windeln unserer Gedanken gewickelt werden;
er will in unseren Worten reden und in unseren Taten leben.
Durch das Beispiel, wie du mit Jesus umgehst bist du uns in besonderer Weise Mutter:
lass uns von dir lernen;
lass uns sein wie du;
lass uns wirklich deine Kinder sein,
indem wir deinem Sohn Mütter und Schwestern und Brüder werden mit unserem ganzen Leben. Amen!

Samstag, Dezember 27, 2008

Segen durch Hingabe


Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 2: 22.39 – 40

22 Es kam für die Eltern Jesu der Tag der vom Gesetz des Moses vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen.

39 Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück.

40 Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit, und seine Gnade ruhte auf ihm.



Aus der Ehegemeinschaft von Josef und Maria ist durch die Geburt Jesu eine Familie geworden. Es liegt nahe, die Familiengemeinschaft dieser drei besonders anzuschauen, zu würdigen und zu verehren.
Gewiss – es sind drei individuelle, einmalige Persönlichkeiten, die unter besonderen geschichtlichen Umständen eine einmalige Familiengemeinschaft bilden. Gibt es bei aller Besonderheit, die trennt, nicht auch ein verbindendes Gemeinsames mit uns, das wir leben können wie sie; das Familien heute leben können wie sie es damals gelebt haben?
Ich meine, ja!
Es ist ein Leben in Frömmigkeit und Eintracht. Wodurch zeichnet sich dieses Leben in Frömmigkeit und Eintracht bei der hl. Familie aus? Wie äußerte sich ihre Frömmigkeit? Und wie ihre Eintracht?

Einen ersten Hinweis auf ihre Frömmigkeit finden wir gleich zu Beginn des heutigen Evangeliums: „Es kam für die Eltern Jesu der Tag der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen.“ (Lk 2:22)
Reinigung der Mutter und Weihe des Kindes.
Nach jüdischem Gesetz galt eine Mutter nach der Geburt eines Knaben vierzig Tage für unrein. Während dieser Zeit musste die Mutter im Haus bleiben, durfte den Tempel nicht betreten und keine Opferspeisen anrühren. Nach dieser Wartezeit sollte sie zur gesetzlichen Reinigung ein Brand- und Sündopfer im Tempel darbringen – für die Armen ein paar Tauben: die eine Taube für das Brand- und die andere für das Sündopfer.

Zudem schrieb bei der Geburt des Erstgeborenen das Gesetz die „Heiligung“ des Kindes vor. Die erstgeborenen Söhne waren nämlich Jahwe geheilig; d.h. sie waren zu Gottes Eigentum und Dienst geweiht. Als nun die Leviten anstelle der Erstgeborenen zum Dienst im Heiligtum bestimmt wurden, trat das Gesetz in Kraft, dass die Erstgeborenen loszukaufen seien – zurzeit Jesu um den Preis von 5 Schekel - heute wären das eta 700 Euro. Die Heiligung des Kindes wurde „Darstellung“ genannt und deutete an, dass das Kind dem Herrn geweiht und zum Dienst am Tempel übergeben worden sei.

Die Eltern Jesu erkennen ihr Kind als Gabe Gottes an. Sie nehmen diese Gabe an, indem sie es im Tempel Gott weihen. Obwohl ihnen Gott dieses Kind geschenkt hat nehmen sie es ganz als Eigentum Gottes an. Es gehört bleibend Gott. Gott hat ihnen dieses Kind anvertraut, dass sie es als sein Eigentum behandeln. Dass sie mit diesem Kind umgehen sollen und wollen im Wissen, dass es Gott gehört. Dass sie also nach dem Willen Gottes dieses Kind erziehen. Den Willen Gottes nehmen sie im Gesetz des Moses an.
Und dass sie dieses Wissen dann dem Kind auch weitergeben.
Es soll sich bewusst werden, dass es vor allen anderen – auch vor den Eltern selber – Gott gehört.
Dass Jesus als 12jähriger dann bei einer Wallfahrt im Tempel zurückbleibt können wir als Frucht dieser Erziehung sehen. Andererseits scheinen seine Eltern die Konsequenzen ihres gottgefälligen Erziehens nicht völlig durchdacht zu haben.

Auf jeden Fall ist eines klar: Frömmigkeit bedeutet für die Eltern Jesu, durch diesen Akt der Hingabe ihres Kindes an Gott ihre Familie von Anfang an auf eben diesen Gott zu gründen. Sie ahmen so Abraham nach, der auch bereit war, seinen Sohn Isaak Gott im Schlachtopfer zu geben.
Zugleich verhalten sie sich wie der kluge Mann im Gleichnis Jesu, der sein Haus auf Fels baute.
Nun liegt es wohl auf der Hand, dass dieses Zeichen der Verbundenheit mit Gott nicht das einzige geblieben sein wird. Diese Hingabe werden sie im verborgenen Alltag Nazareths weitergelebt haben; sonst wäre das Verhalten des 12jährigen Jesu nicht denkbar.
Zudem erfließt die Heiligung ihres Kindes im Tempel aus ihrer eigenen Lebenshingabe an Gott, die sich in den biblischen Erzählungen bei Matthäus und Lukas bereits vor der Geburt ihres Kindes überdeutlich manifestiert.
Sie konnten ihr Kind deshalb Gott geben weil sie sich selber Gott gegeben haben.

Das, was wir eben aus dem Leben der hl. Familie gehört haben regt uns als Eltern, als Vater und Mutter an zu fragen, wie sich denn unsere Gottverbundenheit manifestiert; wie ernst wir es damit meinen; welche Zeichen wir dafür setzen; welche Kontinuität sie in unserem Leben hat. Wo sie sich in herausragenden Zeichenhandlungen niederschlägt und wo sie in alltäglichen Gesten aufleuchtet.

Wo diese Gottverbundenheit nicht da ist dürfen wir uns nicht wundern, dass die Gottlosigkeit sich einstellt mit allen Konsequenzen, die ein gottloses Leben hervorbringt. Ein schlechter Baum bringt tatsächlich nur schlechte Früchte – das hat schon Jesus erkannt – und vielleicht hat er dabei an die religiöse Erziehung seiner Eltern gedacht.
Wir können an der hl. Familie ablesen, dass Frömmigkeit Eintracht mit Gott bedeutet. Diese Eintracht mit Gott ist aber unbedingt nötig für die Eintracht untereinander. Frömmigkeit und Eintracht hängen notwendig zusammen und bedingen einander. Wo eines fehlt, fehlt auch das andere!

Christliches Familienleben ist berufen, ein Strom der Frömmigkeit und der Eintracht zu sein. Dieser Strom entspringt bei Gott und fließt wieder zu ihm hin. Beten und leben wir so, dass unsere Familien sich wieder mehr und mehr von diesem Strom mitreißen lassen! Amen!

Mittwoch, Dezember 24, 2008

In Ihm war das Leben!


Aus dem hl. Evangelium nach Johannes Joh 1:1-5.9-14

1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.

2 Im Anfang war es bei Gott.

3 Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.

4 In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

5 Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.

9 Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.

10 Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.

11 Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.

12 Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben,

13 die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.

14 Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.


„Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt!“

In der Nacht vernahmen wir es in lieblicher Erzählung; jetzt hören wir es in wortgewaltiger Sprache: Gott ist Mensch geworden!
In der Nacht wird uns von der Geburt Jesu erzählt und heute wird uns im Evangelium die Identitätskarte nachgereicht, die uns sagt, wer dieser Jesus eigentlich ist: Er ist im Anfang das Wort, das bei Gott war, und das Gott war und
durch das alles geworden ist. (vgl. Joh 1:1-3). Dadurch sprengt das Ereignis in Bethlehem den lokalen Rahmen und zeigt sich in seiner universalen Bedeutung. Die Geburt des Kindes Jesus erweist sich als die Zeitenwende, die für jeden von uns eine Wende sein will.

Das Wort ist Fleisch geworden – das erzählt etwas von dem, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht.
Es erzählt eine Geschichte aus dem Herzen des Vaters; eine Geschichte über die Liebe, die in diesem väterlichen Herzen schlägt.
Es erzählt von einer Liebe, die entschlossen ihren Weg weitergeht und nicht auf halbem Weg stehen bleibt;
von einer Liebe, die sich verantwortlich weiß für das, was sie geschaffen hat;
von einer Liebe, die am Leben erhalten will, was sie ins Leben gerufen hat; die noch wunderbarer erlösen will, was sie wunderbar geschaffen hat.
Es erzählt von einer Liebe, die zurückschaut auf ihre bisherige Geschichte mit den Menschen: Was und wie sie geschaffen hat, wie sie geliebt hat durch Führung und Weisung, durch Mahnung, Zorn und Bestrafung, durch Erbarmen, Verzeihen und Erneuerung der Liebe.
Es erzählt von einer Liebe, die sich bei diesem Rückblick fragt: Ja und nun? Wie soll es weitergehen? Und die angesichts menschlicher Not und menschlichen Elendes nicht mehr an sich halten kann, die austritt – aus sich heraustritt und das wird, was sie liebt: Mensch.

Schwestern und Brüder: die Botschaft ist nicht zu überhören: In der Menschwerdung Gottes feiern wir jene Liebe, die ihren Weg bis ans Ende geht; und dieses Ende ist die Vollendung bei Gott: die Vollendung dieser Liebe in der Vollendung des Menschen bei Gott! Wie geht Gott dabei vor? Er macht den Raum seines Zeltes weit, er spannt seine Zelttücher aus, ohne zu sparen. Er macht die Stricke lang und die Pflöcke fest! (vgl. Jes 54:2). Er tut dies indem er wird, wen er liebt: Mensch! In der Menschwerdung gibt er dem Menschen Raum bei sich, gibt ihm Wohnung in seinem heiligen Zelt. Seit der Menschwerdung Gottes ist klar: Des Menschen Zuhause ist bei Gott – für immer!

Diese Liebe Gottes zu uns ist eine Kraft zum Lieben in uns: Sie ist eine überwältigende Einladung, dass auch wir das Zelt unseres Lebens so geräumig machen wie möglich und die Wohnung unseres Herzens öffnen so weit es geht. Wenn wir uns vertiefen in die Liebe, die Gott uns erweist, indem er Mensch wird wie wir, werden wir die Maßlosigkeit dieser Liebe erkennen und zugleich von dieser Maßlosigkeit ergriffen werden – und auch unser Lieben wird sich weiten,
in den Schritten der Versöhnung auf unsere vermeintlichen oder tatsächlichen Gegner zu;
auf den Wegen eines tieferen Verstehens jener, für die wir bisher kein Verständnis hatten;
auf den Pfaden eines mutigeren Ertragens jener, die wir bisher nur widerwillig oder gar nicht annehmen konnten.

Von einer Wende unseres Lebens sprach ich oben und meinte damit eine Wende in unserem Lieben!
Es versteht sich von selbst, dass diese Wende in unserem persönlichen Leben nicht loszulösen ist aus dem sozialen und politischen Rahmen, indem wir uns befinden. Diese Wende trägt einen unüberhörbaren Auftrag und eine unaufhaltsame Kraft in sich: das Persönliche, Individuelle zu sprengen und überzugreifen auf das Öffentliche, das Politische: Die Menschwerdung Gottes muss Leitbild und Maßstab werden für politisches Handeln und für den Umgang der Staaten miteinander. So wird etwa Europa den christlichen Wurzeln seiner Existenz gerecht und wird den Weg beschreiten, der Leben bedeutet. Nur so wird es bezeugen können, dass es ein Kind des Christentums ist und nicht eine Ausgeburt des Kapitalismus.

So werden wir die Macht der Kinder Gottes haben dürfen, die der Herr denen gab, die ihn aufnehmen. Er kommt zu uns, denn wir sind sein Eigentum; leben wir auch so, dass die Menschen sehen, dass wir zu ihm gehören! Amen!

Freitag, Dezember 19, 2008

Gottes Entgegenkommen


+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 1:26 – 38



26 Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret

27 zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.

28 Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.

29 Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.

30 Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.

31 Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.

32 Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.

33 Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.

34 Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?

35 Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.

36 Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat.

37 Denn für Gott ist nichts unmöglich.

38 Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.



„Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.“ (Lk 1:31)

Mit dieser Botschaft des Engels aus dem heutigen Evangelium beginnt etwas Neues. Die Zeit des Advents wird um eine Dimension erweitert.
Bisher wurden wir gefordert:
Wir wurden ermahnt, wachsam zu sein, damit der Herr uns bei seinem Kommen nicht schlafend findet.
Wir wurden aufgefordert, dem Herrn den Weg zu bereiten und ihm die Straßen zu ebnen.
Wir wurden eingeladen: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit. Bereitet Euer Herz zum Tempel.
So haben wir uns denn auf den Weg gemacht nach Bethlehem;
sei es der Weg zur Rorate in der Morgenfrühe, oder der Weg an das Krankenbett eines Verwandten oder Bekannten, oder der Weg von Geschäft zu Geschäft auf der Suche nach einem ganz bestimmten Geschenk für einen bestimmten Menschen.
Sei es der Weg zur stillen Runde um den Adventkranz.
So suchten wir in diesen Tagen den Herausforderungen des Evangeliums zu entsprechen.

Heute nun treten wir mit dem 4. Adventsonntag in eine zweite, intensivere Phase des Advents ein; beim Blindekuhspiel wird es wärmer und wärmer – ehe es zu Weihnachten ganz heiß wird, indem wir das Kind in Krippe ertasten.
Und im Evangelium wird diese wärmere Phase dadurch ausgedrückt, dass sich nun auch Gott von der Stelle rührt.

Es mag bisher den Eindruck erweckt haben, als seien nur wir auf dem Weg zu einem Gott, der uns gemütlich in seinem Thronsessel erwartet.
Im Gegenteil: Wir gehen einem Gott entgegen, der seinerseits uns entgegenkommt! Und nicht nur in der Weise, dass er uns seine Engel schickt, wie es das Evangelium anfangs nahe legen könnte; nein – er macht sich selber auf den Weg nach Bethlehem, indem er in den Schoß einer Jungfrau herabsteigt, und dort Mensch wird.
Das ist die große Botschaft der schlichten Geschichte des heutigen Evangeliums, das ist die strahlende Mitte unserer christlichen Religion, das sie von allen anderen Religionen unterscheidet und sie alle in den Schatten stellt: Dass Gott uns als Mensch entgegenkommen, dass er uns im Menschen Jesus von Nazaret begegnen möchte.

Gott ist zwar immer schon ein entgegenkommender Gott gewesen; ja, indem er den Menschen aus Nichts geschaffen hat, ist er grundsätzlich ein Gott, der dem Menschen entgegen kommt, indem er ihm das Leben schenkt und ihn im Leben erhält.
Auch in der Geschichte seines Volkes ist Gott dieser seiner Art treu geblieben. Denken wir an das Ereignis auf dem Berg Sinai: Das Volk kam zu diesem heiligen Berg und Gott stieg auf den Berg herab;
oder an den Tempel, den Salomon in Jerusalem erbaut hat: auch da ließ sich die Herrlichkeit Gottes auf diesen Ort nieder und heiligte ihn.

In beiden Ereignissen des Ersten Bundes können wir so Vorausbilder sehen für das, was jetzt im Advent geschieht und sich zu Weihnachten vollendet: Gott und Mensch auf dem Weg zueinander um sich zu begegnen!

Das will uns Mut machen! Denn es wird klar: Nicht nur uns liegt an der Begegnung mit Gott; noch viel mehr liegt Gott an der Begegnung mit uns! Und wie sehr ihm daran liegt erkennen wir daran, dass er Propheten gerufen hat, damit sie sein Volk hinführen zu ihm und es vorbereiten auf den Herrn: Immer wieder hat er den Menschen seinen Bund angeboten und sie durch die Propheten gelehrt, das Heil zu erwarten (vgl. IV. Hochgebet): Jesaja und Johannes der Täufer, zwei von ihnen, haben uns besonders intensiv durch diesen Advent geführt. An diesen Männern wird deutlich, wie sehr Gott uns gleichsam von allen Seiten umschließt, damit wir ihn ja nicht verfehlen und er uns mit seinen Gaben beschenken kann (vgl. Ps 139: 5)

Beim Propheten Jesaja ruft Gott gar aus: „Hört auf mich, ihr vom Haus Jakob, und ihr alle, die vom Haus Israel noch übrig sind, die mir aufgebürdet sind vom Mutterleib an, die von mir getragen wurden, seit sie den Schoß ihrer Mutter verließen. Ich bleibe derselbe, so alt ihr auch werdet, bis ihr grau werdet, will ich euch tragen. Ich habe es getan und ich werde euch weiterhin tragen, ich werde euch schleppen und retten. Mit wem wollt ihr mich vergleichen, neben wen mich stellen? An wem wollt ihr mich messen, um zu sehen, ob wir uns gleichen?“ (Jes 46:3-5) Es gibt tatsächlich keinen Gott, der sich so sehr um sein Volk kümmert, wie Jahwe um Israel. Und diese Sorge Gottes um sein Volk weitet sich im 2. Bund dann aus auf alle Menschen.

Wahrlich – an Gott kann es nicht liegen, wenn die Begegnung mit ihm nicht stattfindet!

Wie sehr diese Begegnung gelingen kann, wird uns in der Jungfrau Maria gezeigt. Voll der Gnade ist sie bereit, Gott ihren Leib zu schenken, dass er davon nehme und Mensch werde. Bedenken wir dieses „Voll der Gnade!“
Es heißt bereit, offen, wach sein für die Begegnung mit dem Herrn: In der Stunde, die er sich aussucht und an dem Ort, den er sich erwählt.
Es heißt im Gespräch mit ihm seinen Willen zu ergründen, soweit das Menschen möglich ist – nicht aus Skepsis, misstrauisch und widerwillig sondern voll Vertrauen und begierig, mit um so größerer Hingabe seinen Willen zu tun, je mehr er uns davon verstehen lässt.
Voll der Gnade sein heißt schließlich, sich ganz dem Herrn zur Verfügung zu stellen: Mit Leib und Seele, mit Haut und Haar, in Zeit und Ewigkeit. Amen!

Samstag, Dezember 13, 2008

Freut euch im Herrn zu jeder Zeit!


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 1:6-8.19-28



6 Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes.

7 Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.

8 Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.

19 Dies ist das Zeugnis des Johannes: Als die Juden von Jerusalem aus Priester und Leviten zu ihm sandten mit der Frage: Wer bist du?

20 bekannte er und leugnete nicht; er bekannte: Ich bin nicht der Messias.

21 Sie fragten ihn: Was bist du dann? Bist du Elija? Und er sagte: Ich bin es nicht. Bist du der Prophet? Er antwortete: Nein.

22 Da fragten sie ihn: Wer bist du? Wir müssen denen, die uns gesandt haben, Auskunft geben. Was sagst du über dich selbst?

23 Er sagte: Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für den Herrn! wie der Prophet Jesaja gesagt hat.

24 Unter den Abgesandten waren auch Pharisäer.

25 Sie fragten Johannes: Warum taufst du dann, wenn du nicht der Messias bist, nicht Elija und nicht der Prophet?

26 Er antwortete ihnen: Ich taufe mit Wasser. Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt

27 und der nach mir kommt; ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren.

28 Dies geschah in Betanien, auf der anderen Seite des Jordan, wo Johannes taufte.



Der heutige 3. Adventsonntag trägt den Namen „Gaudete“ – Freut euch! Es ist der Freudensonntag in der Adventszeit.
Die lila Kerze auf manchen Adventkränzen und das lila Messgewand, das der Priester an manchen Orten trägt, weisen hin auf die Freude, die den heutigen Adventsonntag besonders prägen soll.
Und Johannes, von dem wir eben gehört haben, hat in dieser Freude gelebt. Die Klarheit nämlich mit der er Zeugnis ablegt und die Festigkeit mit der er den Fragenden Antwort gibt, lässt keinen anderen Schluss zu, als dass er seine Aufgabe mit Freude erfüllt hat.

Die Sicherheit und Überzeugung, mit der Johannes auftritt, kommt daher, dass er weiß, woher er kommt und wozu er da ist.
Er weiß um seine Aufgabe und um den, der ihm diese Aufgabe gestellt hat: „ Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für den Herrn!“ (Joh 1:23)
Er kennt den Mund, aus dem er als Stimme hervorgegangen ist;
er weiß, was er zu reden hat und auf wen er durch seine Worte hinweisen soll.
Johannes erlebt sich eingefügt in eine Ordnung, die Gott errichtet hat und die die Menschen mit dem zusammenbringen soll, der nach ihm kommt und dessen Schuhe aufzuschnüren er nicht wert ist. (vgl. Joh 1:37) Johannes weiß sich eingefügt in eine Heilsordnung, die von Gott begründet ist.
Das gibt ihm Sicherheit im Auftreten;
das gibt ihm Festigkeit im Zeugnis;
das gibt ihm Freude an seinem Dienst!
Wenn nun also Johannes der erste ist, der der Aufforderung des Apostels zur Freude nachkommt, dann können wir die nächsten sein – allein schon dadurch, dass wir uns am Zeugnisgeben des Täufers erbauen, dass wir uns an seiner Festigkeit aufrichten und uns am Inhalt seines Zeugnisses erfreuen. Dies umso mehr, da es auch heute genauso wie damals selten ist, Menschen zu erleben, die uns durch ihr klares, mutiges und frohes Zeugnis erbauen und Freude bereiten.

Die Art wie Johannes Zeugnis ablegt ist also an sich schon anziehend, ja geradezu faszinierend. Zugleich regt sie an, nach dem Ursprung und dem Ziel dieses Zeugnisgebens zu suchen; denn es erwacht der Wunsch, dass man selber auch zu so einer johanneischen Sicherheit kommt im eigenen Leben und man die Grundfragen des Lebens auch mit johanneischer Gewissheit beantworten kann: Wer bin ich? Woher komme ich? Wozu bin ich hier!
Die ersten Worte des heutigen Evangeliums lassen uns finden, was wir suchen: „Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.“ (Joh 1:6-8)
Wir hören: Johannes ist von Gott gesandt; dieser ist sein Auftraggeber, sein Hintermann, sein Rückhalt. Mit dem Psalmisten kann Johannes beten: „Meine Stärke, an dich will ich mich halten, denn du, Gott, bist meine Burg.“ (Ps 59:10) „Er hat die Weisung seines Gottes im Herzen, seine Schritte wanken nicht.“ (Ps 37,31) Mit diesem Gott im Rücken und mit seiner Weisung im Herzen ist gut dastehen; da stehst du auf Felsen und nichts kann dich erschüttern. Auf Johannes wird der Geist geruht sein, von dem wir in der 1. Lesung gehört haben. (vgl. Jes 61:1-2a)

Das hilft uns entdecken, was uns fehlt:
Wir vergessen unser Gegründetsein in Gott; unser Kindsein vor Gott; unser Gesendetsein von Gott, das uns in der Taufe geschenkt wurde.
Wir haben den Grund vergessen auf dem wir stehen.
Zur Freude werden wir finden, wenn wir erneut entdecken,
dass Gott uns in die Welt geschickt hat und
dass er jedem von uns einen Auftrag gegeben hat;
dass er jeden von uns berufen hat vor ihm zu stehen und ihm zu dienen. Wir sind seinem Gedanken entsprungen; wir kommen aus seinem Herzen; wir sind nach seinem Wunsch gebildet; seine Hände haben uns gemacht und geformt (vgl. Ps 119:73) Wenn das kein Grund zur Freude ist!?

Und dann die Aufgabe des Johannes: Zeugnis abzulegen für das Licht! Hinzuweisen auf dieses Licht! Die Leute aufmerksam zu machen auf dieses Licht! Sie hinzuführen zu diesem Licht!
Mit diesem Licht ist Jesus gemeint, der sich selber das Licht der Welt nennt. (Joh 8:12)
Auch unsere Lebensaufgabe hat seit der Taufe grundsätzlich mit Christus zu tun; Christus ist unser Auftrag; unser Leben soll mit IHM zu tun haben; es soll IHN verlebendigen, IHN aufleuchten lassen; IHN sichtbar werden lassen; IHN den Menschen zeigen; sie mit IHM bekannt machen; sie zu IHM hinführen!

Gerade die Zeit des Advent erinnert uns schmerzlich daran, dass dem nicht so ist: Wie nämlich der Weihnachtsrummel das Weihnachtsfest vergessen lässt so lässt auch unser Lebensrummel auf Christus in unserem Leben vergessen – uns und andere; der Inhalt unseres Christennamens deckt sich oft kaum mehr mit dem Inhalt unseres Christenlebens; dabei sollte beides deckungsgleich sein: Wie unser Name Christ so unser Leben Christus! Wie weit sind wir aber davon entfernt!? Und das ausgerechnet in der Adventzeit!

Dabei hat Gott in der Taufe unser Leben ausgespannt von Gott zu Gott! Mit der einen Hand werden wir gleichsam vom Vater gehalten um die andere Hand dem Sohn zu reichen. So wäre unser Leben eigentlich weit offen für den Geist Gottes, damit der auf uns ruhe. Was soll ich sagen? Wir sind eingehüllt von Gott wie in den „Mantel der Gerechtigkeit,“ wie in „das Gewand des Heils.“ Mit „göttlichem Geschmeide“ sind wir geziert. Genau das will uns Gott zu Weihnachten schenken: Seinen Sohn als Zierde unseres Lebens, dass wir ihn als königliches Kleid anziehen (vgl. Röm 13:14); dass wir ihn als die Berufung unseres Lebens erkennen – wer immer, wo immer und wie immer wir sind. Wie sich das zeigt? Der Apostel sagt es in der 2. Lesung: „Freut euch zu jeder Zeit! Betet ohne Unterlass! Dankt für alles; denn das will Gott von euch, die ihr Christus Jesus gehört!“ (1 Thess 5:16-18). Das soll unser Zeugnis für Christus sein. Amen!

Sonntag, Dezember 07, 2008

Maria durch ein Dornwald ging!


Wie ein Leuchtturm steht das heutige Fest mitten im Advent und sein Lichtglanz überstrahlt die anderen Feste in dieser Zeit, um erst vor jenem Licht zu verblassen, das von der weihnachtlichen Krippe ausgeht; oder besser gesagt, um in das Licht von Weihnachten einzumünden, in diesem Licht seine Vollendung zu finden und ganz mit ihm zu verschmelzen.

Dabei wird die weihnachtliche Sonne durch sie entzündet, in dem sie ihr Kind gebiert und so der Welt den Heiland bringt. Das Licht Mariens kehrt zu seinem Ursprung zurück, von dem es seinen Ausgang genommen hat; denn um ihres Sohnes willen wurde Maria vom leisesten Schatten der Sünde von allem Anfang an frei gehalten.

Ehe Gott uns seinen Sohn zeigt zeigt er uns heute dessen Mutter Maria. Damit will er uns etwas sagen: wir sollen uns in dieser adventlichen Zeit vor allen anderen an ihr orientieren. Sie ist der adventliche Mensch! Wie sie sollen wir den Herrn in uns tragen – nicht als unser Privateigentum sondern um ihn zur Welt zu bringen als ein Geschenk, das Gott uns allen macht.
Wie sie sollen wir den Herrn in uns tragen – das heißt in möglichst inniger Verbundenheit mit ihm leben: im Wissen, dass ER in uns lebt; im Wissen, dass ER in uns heranreift und Gestalt annimmt; im wissen, dass ER durch uns wirken möchte.
Wie sie sollen wir in einer neuen, tiefen Achtsamkeit auf Jesus leben. Unser ganzes Tun und Lassen möge mehr und mehr verursacht, begleitet und geprägt sein von der Gewissheit, dass ER da ist und immer mehr da sein möchte, immer mehr Wirklichkeit und Gegenwart werden möchte.
Wie sie sollen wir mehr und mehr von der Erfahrung des hl. Paulus erfüllt werden, dass Christus in uns lebt und unser Leben ein Ort seiner Gegenwart ist.

In Maria lässt Gott uns heute am herrlichen Kachelofen Platz nehmen, der das ganze Haus der Kirche erwärmt. Seine Wärme kommt von der Glut her, die zu Weihnachten im Stall von Bethlehem entfacht wird. Es ist die Glut der Liebe Gottes, die immer schon unvermindert brannte – die aber im weihnachtlichen Geheimnis die Gestalt des Menschen Jesus angenommen hat.

Nehmen wir also auf der Ofenbank Platz und lassen wir uns die durchfrorenen Glieder erwärmen, lassen wir uns auftauen und zu Menschen machen, die diese Wärme weitergeben. Im Hinblick auf den Herrn etwa dadurch, dass wir in seinen Händen weich werden wie formbares Wachs, so dass er mit Leichtigkeit unserem Leben jene Form einprägen kann, die er uns von Anfang an zugedacht hat.

Unseren Mitmenschen gegenüber mögen wir werde wie köstliche Bratäpfel: vorzüglich im Geschmack, knackig in der Haut und nicht so heiß, dass sich die Leute beim Essen den Mund verbrennen.

Blicken wir also am heutigen Tag auf Maria, diesen Leuchtturm des Glaubens; stellen wir uns auf diesen Felsen unerschütterlicher Hoffnung und setzen wir uns an diesen Ofen, dessen Feuer nicht ausgeht und dessen Wärme nicht abkühlt. Eignen wir uns so gut als möglich diese Eigenschaften der Mutter Jesu an und werden auch wir in dieser Hinsicht ihre Kinder. So möge diese Zeit des Advents in uns reiche Frucht bringen indem sie uns zu einer Frucht der Liebe Gottes macht, die allen mundet, die davon essen.

Freitag, Dezember 05, 2008

Bereitet dem Herrn den Weg!


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 1: 1 - 8

1 Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes:

2 Es begann, wie es bei dem Propheten Jesaja steht: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen.

3 Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!

4 So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündigte Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden.

5 Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen.

6 Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften, und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig.

7 Er verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren.

8 Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.




Wir haben es eben gehört – 2mal: „Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!“ Wenn wir diesen Ruf in unser Herz dringen lassen, dann könnte uns ungemütlich werden; denn wir werden aufgefordert etwas zu tun – gerade in der Zeit des Advent, wo wir uns ohnedies überfordert fühlen mit so vielem, was uns im Hinblick auf Weihnachten beschäftigt. Dieses Gefühl der Bedrängnis wächst, wenn wir uns die Version in der Lesung anhören: „Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unsern Gott!“ Und nicht genug damit, dass durch die erschwerenden Lokalitäten der Steppe und der Wüste diese Arbeit noch verschärft dargestellt wird – es wird in der Lesung dieses Straßenbauen und Wegeebnen noch ausführlicher dargestellt: „Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist soll gerade werden, und was hügelig ist, werde eben.“ Das ist nun wahrlich Schwerarbeit. Und dabei würden wir uns gerade aus dem Wort Gottes heraus für diese Zeit des Advents eine Einladung zur Stille und zur Besinnlichkeit erwarten. Wenn wir nur auf diese Arbeit starren lässt und dieses Wort der Schrift ziemlich ratlos und ausgesprochen unbefriedigt zurück.
Wir haben bei diesem Aufruf den Akzent bisher auf das Arbeiten gelegt: Bereitet die Straßen! Ebnet den Weg!

Betonen wir nun aber diese Einladung anders: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen, so weitet sich der Horizont und es kommt der in den Blick, für den wir Wege bereiten und Straßen ebnen: Der Herr! Und damit wird der sichtbar, der uns Antrieb gibt; der uns Kraft, Freude und Phantasie gibt für unsere Arbeit. Nicht dass wir uns sein Kommen verdienen müssten; er ist vielmehr der Siegespreis, den zu gewinnen die Läufer im Stadion laufen; (vgl. 1 Kor 9:24) Um diesen Siegespreis Christus zu gewinnen, sieht Paulus alles als Verlust an, weil die Erkenntnis Christi Jesu, seines Herrn, alles übertrifft. Seinetwegen hat er alles aufgegeben und hält es für Unrat. (vgl. Phil 3:8) Es soll also deutlich werden, was mir der Herr wert ist; wie sehr mir die Begegnung mit ihm am Herzen liegt; wie sehr mich die Erwartung der Begegnung mit ihm erfüllt und mich in der Hoffnung darauf umtriebig macht. Und wir werden erfahren: Je mehr wir uns auf diese Arbeit für den Herrn einlassen und wir den Herrn ins Auge fassen und ins Herz schließen desto geringfügiger werden uns alle Mühen werden – mögen sie noch so groß sein!

Wenn wir uns nun dem Weg zuwenden, den wir bereiten und der Straße, die wir ebnen sollen, dann bemerken wir, dass dies ein Weg ist nicht nur für den Herrn sondern auch ein Weg für uns! Es ist nicht nur der Weg des Herrn, den wir bereiten! Es ist auch unser Weg! Es ist unser Lebensweg, den wir aufgefordert werden zu ebnen, zu bauen, begehbar zu machen. Der Aufruf: ‚Bereite den Weg!’ ‚Ebne die Straßen’ meint genau dies: Baue, arbeite an deinem Leben! Und tatsächlich: bei ehrlichem und aufmerksamem Zusehen werde wir erkennen: unser Leben ist noch eine Baustelle! Unsere Lebensstraße ist noch nicht fertig: Es gibt noch die mächtige Schlaglöcher unserer lästigen bis gefährlichen Abhängigkeiten, in denen wir immer wieder hängen bleiben; es gibt die mächtigen Brocken unserer Schuld, die wir nicht beseitigt haben; und haben wir auch die Rastplätze der Einkehr gedacht, auf denen wir uns erholen können? Ich meine damit die Gelegenheiten zur hl. Messe, zum Gebet, zur Beichte!
Wenn nun einige antworten: „Gar so schlimm wird es da bei mir nicht sein,“ dann fürchte ich, dass sie den Weg ihres Lebens mit zu geringer Wertschätzung gehen; dass sie nicht mehr recht wissen, was ihnen da von Gott geschenkt wurde im Weg ihres Lebens. Dass sie durch Gewöhnung blind geworden sind für die Schönheit und den Reichtum ihres Lebensweges; und dass sie sich abgefunden haben mit dem verwilderten Zustand ihres Weges. Sie finden nichts mehr an den Schlaglöchern und den Brocken auf ihrem Weg; sie können sich auch nicht mehr vorstellen, dass es ganz anders sein könnte! Sie vergessen auch, was der hl. Johannes vom Kreuz sagt: Ein Vogel wird gleichermaßen von einem dicken Seil wie von einem dünnen Faden daran gehindert, in Freiheit aufzufliegen (1S11, 4).

Mit meinen Worten möchte ich nicht euren Weihnachtsstress vermehren; vielmehr möchte ich eure Aufmerksamkeit und euer Mühen dorthin richten, wo der Einsatz lohnt und Ziel führend ist: Auf den Herrn, der euch auf eurem Lebensweg entgegenkommen möchte und dass ihr diesen Weg bereitet. Das heißt: dass ihr gerade in diesen Tagen an euren Beziehungen arbeitet: Zu Gott, zu den Mitmenschen, zu euch selber, zur Schöpfung! Damit euer Weg wirklich ein Lebensweg wird! Zu einem Weg, der Leben bringt euch und allen, die zu euch gehören. Das könnte gerade im Hinblick auf Weihnachten heißen, dass ihr Hilfe schenkt, wo Menschen wirklich in Not sind oder dass ihr Vergebung schenkt einem Menschen, dem ihr etwas weiß Gott wie lange schon nachtragt; oder dass ihr herzliche Zuwendung schenkt einem Menschen, der an Einsamkeit zu ersticken droht.

Vor allem: Schenkt nicht etwas sondern schenkt euch selber und bedenkt dabei immer das Wort des Herrn: Was ihr einem meiner Schwestern und Brüder geschenkt oder nicht geschenkt habt, das habt ihr mir geschenkt oder nicht geschenkt (vgl. Mt 25,40.45) In dieser Haltung lassen wir uns von Gottes Weisheit jenen Weg zeigen, der unweigerlich zum Kind von Bethlehem und damit in einen neuen Himmel und eine neue Erde führt. Amen!

Samstag, November 29, 2008

Seid wachsam!


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 13: 33 – 37



In jener Zeit, sprach Jesus zu seinen Jüngern:



33 Seht euch also vor, und bleibt wach! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.



34 Es ist wie mit einem Mann, der sein Haus verließ, um auf Reisen zu gehen: Er übertrug alle Verantwortung seinen Dienern, jedem eine bestimmte Aufgabe; dem Türhüter befahl er, wachsam zu sein.



35 Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt, ob am Abend oder um Mitternacht, ob beim Hahnenschrei oder erst am Morgen.



36 Er soll euch, wenn er plötzlich kommt, nicht schlafend antreffen.



37 Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Seid wachsam!



„Seid wachsam!“ (Mk 13:37) Eindringlich mahnend dringt dieser Ruf im Evangelium an unser Ohr. Als ob wir Gefahr laufen einzuschlafen und nicht wach zu sein, wenn der Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommt.
Mit diesem Einschlafen ist nicht ein Schlaf zu verstehen, aus dem man ohne weiteres geweckt werden könnte.
Dieses Schlafen ist die Unfähigkeit, den Herrn einzulassen, willkommen zu heißen und aufzunehmen, wenn er kommt.
Dieses Schlafen ist eine Verschlossenheit und eine Blindheit für den Herrn, die man tragischerweise überhaupt nicht als solche erkennt. Es ist kein gesunder Schlaf zu erneuertem Leben sondern ein krankhafter Schlaf zum Tode.
Von diesem Schlaf sind die 5 törichten Jungfrauen befangen, die für die Begegnung mit dem Bräutigam zwar ihre Lampen mitgenommen haben aber kein Öl (vgl. Mt 25:3).
Oder jener Pharisäer, der mit trauriger Betroffenheit erkennen muss, dass er wohl kein Betrüger, kein Räuber und kein Ehebrecher ist; dass er zudem „zweimal in der Woche fastet und dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens gibt“ – und dennoch nicht als Gerechter vom Gebet im Tempel nach Hause zurückkehrt (Lk 18:9-14).

Jesus gibt uns neben der eindringlichen Mahnung zur Wachsamkeit auch Mittel zum Wachbleiben. Arznei gegen das Einschlafen! Muntermacher!
Zuerst einmal, indem er uns den vor Augen hält, den wir wachend erwarten sollen oder der uns wachend antreffen möchte, wenn er kommt: „Den Menschensohn“ – mit dem Jesus im Evangelium sich selber meint!
Es ist zweifelsohne leichter wach zu bleiben, wenn ich weiß, wen ich zu erwarten habe und wer mich wachend antreffen möchte bei seinem Kommen.
Und es ist das Wachbleiben doppelt leicht, wenn ich zu dem Erwarteten eine positive, liebende Beziehung habe. Wenn ich mir von der Begegnung mit ihm Gutes, Beglückendes, Positives für mein Leben erwarte.
Das Warten wird zudem spannend gemacht, da der Zeitpunkt für das Kommen des Herrn in „großer Macht und Herrlichkeit“ unbekannt ist. Es kann jederzeit sein; darum ist auch eine jederzeitige Wachsamkeit angesagt.
Das wachsame Erwarten ist kein bloße Passivität; der Hausherr hat seinen Dienern nämlich „alle Verantwortung übertragen; jedem gibt er eine bestimmte Aufgabe;“ (Mk 13:34) Dieses Wachsein ist alles andere als bloß ein untätiges „Die Hände in den Schoß legen.“
Dieses Wachsein ist vor allem anderen ein wachendes Beten; wobei gerade dieses Beten je und je ein Aufwachen ist; ein „Aufgeweckt werden“ zu einem verschärften Wahrnehmen des kommenden Herrn!
Im Wahrnehmen der anvertrauten Verantwortung und der übertragenen Aufgabe gleicht das Wachsein einem strebenden Suchen nach dem Herrn. Wachsamkeit bedeutet, dem Herrn aufmerksam suchend entgegenzugehen.
Der Advent ein Aufeinanderzugehen von Gott und Mensch. Der Herr, der Sehnsucht hat nach dem IHN wachend erwartenden Menschen und der Mensch, der Sehnsucht hat nach dem ihm entgegenkommenden Gott!
In der ersten Lesung kommt diese Sehnsucht des Menschen nach Gott ja so deutlich zum Ausdruck: „Kehre zurück um deiner Knechte willen, um der Stämme willen, die dein Eigentum sind.
Reiß doch den Himmel auf und komm herab, sodass die Berge zittern vor dir. Seit Menschengedenken hat man noch nie vernommen, kein Ohr hat gehört, kein Auge gesehen, dass es einen Gott gibt außer dir, der denen Gutes tut, die auf ihn hoffen.“ (Jes 63:17.19b;64:3)
Um Gott so erwarten zu können bedarf es einer Begabung, von der Paulus in der 2. Lesung schreibt, wenn er von der Gnade Gottes spricht, „ die euch in Christus Jesus geschenkt wurde, dass ihr an allem reich geworden seid in ihm, an aller Rede und aller Erkenntnis.“ (1 Kor 1:4f.) „es fehlt euch keine Gnadengabe, während ihr auf die Offenbarung Jesu Christi, unseres Herrn, wartet.“ (1 Kor 1:7)
Zu diesen Gnadengaben gehört zweifellos alles, was uns an geistlichen und materiellen Gaben geschenkt ist; diese Gaben werden durch die Dankbarkeit zu einer starken Verbundenheit mit dem Herrn.
Es gehört zu diesen Gnadengaben und zu dieser Erkenntnis aber auch die Einsicht in unsere Schuld, in unser Versagen, in unsere Verweigerung dem Herrn gegenüber. Darum das Eingeständnis in der 1. Lesung: „Wir haben gegen dich gesündigt, von Urzeit an sind wir treulos geworden. Wie unreine Menschen sind wir alle geworden, unsere ganze Gerechtigkeit ist wie ein schmutziges Kleid. Wie Laub sind wir alle verwelkt, unsere Schuld trägt uns fort wie der Wind. Niemand ruft deinen Namen an, keiner rafft sich dazu auf, fest zu halten an dir.“ (Jes 64:4ff.)
Die Wachsamkeit für den kommenden Herrn hat eine bestimmte Gestalt: Sie bedeutet Achtsamkeit auf die uns anvertraute Verantwortung in sozialer, ökonomischer und ökologischer Hinsicht – darin sind wir dem Herrn ähnlich und so für ihn wach und offen.
Sie bedeutet Achtsamkeit auf die Gaben Gottes an uns, damit uns die Dankbarkeit dafür öffne und hinwende zum Herrn.
Sie bedeutet Achtsamkeit auf unsere Armseligkeit und unsere Schuld, damit wir uns in ihr öffnen und ausstrecken hin zum Herrn!
„Seid wachsam!“ können wir also übersetzen mit: „Nehmt eure Verantwortung wahr! Erfüllt eure Aufgaben! Seid dankbar! Lasst euch erlösen!“ Es ist eine Haltung, die uns mitten in Licht und Dunkel des Lebens auf den Herrn ausrichtet! Amen!

Freitag, November 21, 2008

Hirte sein, wie es recht ist ...


Lesung aus dem Buch Ezechiel 34:11-12.15-17


11 So spricht Gott, der Herr: Jetzt will ich meine Schafe selber suchen und mich selber um sie kümmern.

12 Wie ein Hirt sich um die Tiere seiner Herde kümmert an dem Tag, an dem er mitten unter den Schafen ist, die sich verirrt haben, so kümmere ich mich um meine Schafe und hole sie zurück von all den Orten, wohin sie sich am dunklen, düsteren Tag zerstreut haben.

15 Ich werde meine Schafe auf die Weide führen, ich werde sie ruhen lassen - Spruch Gottes, des Herrn.

16 Die verloren gegangenen Tiere will ich suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen, die fetten und starken behüten. Ich will ihr Hirt sein und für sie sorgen, wie es recht ist.

17 Ihr aber, meine Herde - so spricht Gott, der Herr -, ich sorge für Recht zwischen Schafen und Schafen, zwischen Widdern und Böcken.



„Israel soll sich über seinen Schöpfer freuen, die Kinder Zions über ihren König jauchzen. Seinen Namen sollen sie loben beim Reigentanz, ihm spielen auf Pauken und Harfen.“ (Ps 149: 2-3)

Wenn sich Könige in der Öffentlichkeit zeigen, ist dies mit einem großen Auflauf verbunden. Die Leute wollen ihren König sehen; sie erfreuen sich an der Pracht, die dabei entfaltet wird. Sie sind in der Regel stolz auf ihren König. Die Medien sind zahlreich vertreten und übermitteln dieses Ereignis in alle Welt. Der König muss dabei gar nichts Besonderes tun: Einfach da sein, sich würdevoll geben und den Leuten freundlich zuwinken – das genügt schon!

Wenn sich heute Christus als unseren König zeigt, dann haben wir Christen noch viel mehr Grund, dass wir uns in Freude und Dankbarkeit versammeln; dazu bewegen uns allerdings nicht prachtvolle Kleidung und höfischer Pomp. Hören wir auf die Lesungen des heutigen Tages; sie geben den Grund an für unsere Freude über Christus, den König; sie sagen uns nämlich in welcher Weise Christus König ist.

In der 1. Lesung begegnet uns Christus in der Gestalt des guten Hirten. In der 2. Lesung als der Sieger über den Tod und im Evangelium als der Richter am Ende der Zeit.

In allen drei Weisen gibt Christus uns eine Antwort auf das, was uns bewegt:
Als guter Hirt fängt er uns auf in jeder Not und gibt uns, was wir zum Leben brauchen.
Als Sieger über den Tod gibt er uns Anteil an seinem Sieg und nimmt uns die Angst vor dem Tod.
Als Richter am Ende der Zeit gibt er unserem Tun und Lassen hier auf Erden Richtung, Ziel und Ewigkeitswert. Wir erleben den Herrn als einen, der für Zeit und Ewigkeit um unser Heil besorgt ist – darin besteht sein königliches Wirken! Deshalb ist er unser König. Denn “der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“ (Mt 20:28) Er ist König zu unserem Heil – in diesem Sinne zutiefst: unser König! Denn die Macht, die er ausübt, dient unserer Befreiung, unserer Erlösung, unserer Heilung, unserer Heiligung.
Und Christus ist König zur Ehre Gottes des Vaters! „Darum übergibt er die Herrschaft Gott, dem Vater, wenn er jede Macht, Gewalt und Kraft vernichtet hat.“ (1 Kor 15:24) „Damit schließlich Gott herrscht über alles und in allem.“ (1 Kor 15:28)

Das Königsein Christi bedeutet ein Herrsein über alle Mächte und Gewalten. Wenn wir nun bedenken und am eigenen Leib erfahren, welche Mächte heute in unserer Welt und Zeit am Werk sind – dann können wir erahnen, was es heißt, dass es da in Christus einen gibt, der auch diese Gewalten samt und sonders bändigen und überwinden kann;
und was es heißt, dass gerade dieser Christus einer ist, der uns liebt und zu dem wir mit aller Unfreiheit, mit aller Unterdrückung, mit aller Krankheit kommen dürfen.
Er möchte, dass wir seine unbegrenzte Macht mit unbegrenztem Vertrauen beantworten. Dann brauchen wir in finsterer Schlucht kein Unheil zu fürchten; denn der Herr ist bei uns, sein Stock und sein Stab geben uns Zuversicht. (vgl. Ps 23:4) Das heutige Fest will uns dazu bewegen, dass wir erneut sämtlichen Herren und Mächten abschwören, um unser ganzes Vertrauen auf ihn zu werfen und uns ganz seiner göttlichen Macht anzuvertrauen. Mit Josua möchte ich euch heute zurufen: „Schafft also jetzt die fremden Götter ab, die noch bei euch sind, und neigt eure Herzen dem Herrn zu!“ (Jos 24:23)

Meine Freunde! Wie glücklich können wir uns doch preisen, so einen König zu haben; wie dankbar müssen wir Gott doch sein, dass er uns in Christus so einen Herren geschenkt hat. Unsere Dankbarkeit wird noch vertieft, wenn wir bedenken, dass Christus unser König bei uns bleibt und sein königliches Wirken fortsetzt in der Kirche hier auf Erden:

Die Seelsorger sind seine Stellvertreter,
das Evangelium ist sein Wort,
die Eucharistie ist sein Leib,
die hl. Messe ist Gedächtnis seines Sterbens und Auferstehens,
die Sakramente sind seine beschenkende, heilende, befreiende, machtvolle Gegenwart.

Die Kirche feiert heute in Christus ihren eigenen göttlichen, machtvollen Ursprung;
sie feiert den, der sie als ihr Haupt mit königlicher Würde ziert.
Sie feiert den, der sie nach seinem Vorbild zum königlichen Heilsdienst in der Welt beruft und befähigt.

Schwestern und Brüder! Wir können Christus nicht als unseren König feiern ohne dass wir uns zugleich unserer eigenen königlichen Würde besinnen, die der Herr uns in der Taufe geschenkt hat. Das heißt Besinnung auf unsere Freiheit;
Besinnung auf unsere Berufung;
Besinnung auf das Ziel unseres Lebens.

Das bedeutet:
dass wir Jesus folgen, da wir ihn den Weg nennen;
dass wir auf ihn schauen, da wir ihn das Licht nennen;
dass wir auf ihn hören, da wir ihn den Meister nennen;
dass wir ihm dienen, da wir ihn den Herrn nennen;
dass wir ihm glauben, da wir ihn die Wahrheit nennen;

Das ist ein königliches Leben, das Christus entspricht – den wir mit Recht als unseren König verehren. Er bewahre uns immer in der Freiheit zu einem solchen Leben zur Ehre Gottes des Vaters! Amen!

Freitag, November 14, 2008

"Weil ich Angst hatte...


Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 25: 14 – 30

In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis:

14 Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der auf Reisen ging: Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an.

15 Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann reiste er ab.

16 Sofort begann der Diener, der fünf Talente erhalten hatte, mit ihnen zu wirtschaften, und er gewann noch fünf dazu.

17 Ebenso gewann der, der zwei erhalten hatte, noch zwei dazu.

18 Der aber, der das eine Talent erhalten hatte, ging und grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld des Herrn.

19 Nach langer Zeit kehrte der Herr zurück, um von den Dienern Rechenschaft zu verlangen.

20 Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte, brachte fünf weitere und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir gegeben; sieh her, ich habe noch fünf dazu gewonnen.

21 Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!

22 Dann kam der Diener, der zwei Talente erhalten hatte, und sagte: Herr, du hast mir zwei Talente gegeben; sieh her, ich habe noch zwei dazu gewonnen.

23 Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!

24 Zuletzt kam auch der Diener, der das eine Talent erhalten hatte, und sagte: Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mann bist; du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast;

25 weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde versteckt. Hier hast du es wieder.

26 Sein Herr antwortete ihm: Du bist ein schlechter und fauler Diener! Du hast doch gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe.

27 Hättest du mein Geld wenigstens auf die Bank gebracht, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten.

28 Darum nehmt ihm das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat!

29 Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.

30 Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen.



Solange ihr das Evangelium wie eben aus meinem Munde oder von einem anderen verkündigen hört, ist jene „lange Zeit“ noch nicht vorbei, an deren Ende der Herr „zurückkommt, um von seinen Dienern Rechenschaft zu verlangen“ (Mt 25:19). Wir können aber wohl sagen, dass dieser Herr dennoch im heutigen Evangelium anwesend ist, um eine Zwischenbilanz zu verlangen; um einen Probelauf zu machen für jene Endabrechnung, in der sich dann entscheidet, ob wir als tüchtige und treue Diener in die Freude des Herrn eintreten dürfen oder als schlechte, faule und nichtsnutzige Knechte in die äußerste Finsternis geworfen werden. Da es bei dieser Endabrechnung um Leben und Tod für uns geht sollten wir auch die heutige Zwischenbilanz ernst nehmen. Zu diesem Ernstnehmen gehört dazu, dass wir in diesem Mann Gott erkennen und in seinen Dienern uns selber.

Einige Überlegungen mögen uns dabei hilfreich sein.

So lesen wir zu Beginn des Gleichnisses, dass dieser Mann sein Vermögen seinen Dienern anvertraut. Bei diesem Vermögen werden wir wohl vielleicht an das denken, was uns an materiellen Gütern gegeben ist; dann an unsere Begabungen und Fähigkeiten; schließlich an die Beziehungen zu anderen Menschen und auf den Einfluss, den wir auf sie ausüben. Kurz und gut auf all jenes, von dem wir üblicherweise behaupten, es sei unser. Aber es ist das Vermögen des Herrn! Das haben wir nur vergessen, weil wir über dem Wirtschaften mit diesen Gütern den Herrn selber vergessen haben. Sich das wieder bewusst zu machen ist bedeutsam, dass wir im Sinne des Herrn mit seinem Vermögen umgehen und nicht nach unseren eigenen Vorstellungen. Denn sonst könnte es uns passieren, dass wir zu den 5 Talenten Silbergeld nicht weitere 5 Talente Silbergeld dazu gewinnen sondern bloß 5 Kürbisse oder 5 Säcke Kartoffel oder sonst etwas weitaus weniger wertvolles.

Wenn wir also bei dieser Art von Besitz nicht an das Vermögen des Herrn denken, weil wir es ausschließlich als das Unsere ansehen so denken wir bei etwas anderem nicht an das Vermögen des Herrn, weil wir es nicht als uns Anvertrautes erleben; ich meine damit die Güter des Glaubens und der Religion: Ich meine die Tatsache, dass wir glauben können; ich meine unser Gewissen; ich meine das Evangelium; ich meine die Sakramente unserer Kirche; ich meine schließlich unseren Herrn Jesus Christus – wie wirtschaften wir mit diesem Vermögen Gottes? Beginnen wir auch mit diesen Gütern „sofort“ zu wirtschaften und dazu zu gewinnen, wie die ersten beiden Diener des Herrn?

Dass das auch anders sein kann, zeigt uns der dritte Diener: er beginnt nicht sogleich mit seinem Talent zu wirtschaften sondern „ging und grub ein Loch in der Erde und versteckte das Geld seines Herrn!“ (Mt 25:25) Und warum hat er so gehandelt? Weil er Angst hatte! Wovor hatte er Angst? Durch Misswirtschaft sein Talent zu verlieren und zu versagen! Er dachte sich: bloß nicht daran rühren; bloß nichts riskieren, dann passiert dem Talent nichts – und mir auch nichts!
Auch wir machen die Erfahrung, dass Angst lähmt. Angst hängt mit Nichtwissen zusammen:
Nicht zu wissen, was mir anvertraut ist;
nicht zu wissen, wer mir was anvertraut hat;
nicht zu wissen um den Sinn und das Ziel des mir Anvertrauten.

Die vorzüglichste Waffe gegen die Angst ist die Wahrheit, die uns mit den Worten Henry Newmans folgendes sagt: „Sind wir schon geschaffen, dann, um Gott zu dienen; haben wir Seine Gaben, dann, um ihn zu verherrlichen; haben wir ein Gewissen, dann, um ihm zu gehorchen; haben wir die Aussicht auf den Himmel, dann, damit wir ihn uns vor Augen halten; haben wir Licht, dann, um ihm zu folgen; haben wir Gnade, dann, um uns mit ihrer Hilfe zu retten.
Es soll von uns nicht heißen, dass wir dahinsterben, ohne unsere Sendung erfüllt zu haben! Dass wir den Ruf hatten, heilig zu werden, und in Sünde gelebt haben; dass wir berufen waren, Christus zu verehren, und uns in diese flüchtige und ungläubige Welt gestürzt haben; dass wir berufen waren zu kämpfen und träge geblieben sind;
Es soll von uns nicht heißen, dass wir die Gnaden und Talente hatten und sie nicht gebraucht, sie falsch gebraucht oder sie gänzlich missbraucht haben; dass wir Reichtum hatten, ihn aber für uns selbst gebrauchten; dass wir Fähigkeiten hatten, sie aber für das Böse eingesetzt oder das Wahre lächerlich gemacht oder Zweifel ausgestreut haben gegen das Heilige; dass wir Muße hatten, sie aber in schlechter Gesellschaft vertan haben oder mit schlechten Büchern und törichten Unterhaltungen.
Es soll von uns nicht heißen, wir seien harmlos und, natürlich gesehen, ohne Tadel gewesen, während wir niemals versucht haben, unser Herz zu reinigen oder unter Gottes Augen zu leben!“ (J.H.Newman, Predigten 11, 140f.)

Vielmehr sollen die Worte Jesu an den Vater die unseren sein: „Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast.“ (Joh 17,4.6)

Und die Worte seines Apostels Paulus: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten. Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, aber nicht nur mir, sondern allen, die sehnsüchtig auf sein Erscheinen warten.“ (2Tim 4,7.8) Amen!

Samstag, November 08, 2008

Grundstein ist Christus Jesus!


Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther 3

9 Ihr seid Gottes Bau.

10 Der Gnade Gottes entsprechend, die mir geschenkt wurde, habe ich wie ein guter Baumeister den Grund gelegt; ein anderer baut darauf weiter. Aber jeder soll darauf achten, wie er weiterbaut.

11 Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus.

16 Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?

17 Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben. Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr.



Am Kirchweihfest gedenken wir der Weihe jener Kirche, zu der wir als Mitglieder einer Pfarre oder einer religiösen Gemeinschaft gehören. Wir danken dabei für einen Kirchenbau, dessen Wert darin besteht, dass wir in diesem Raum die Geheimnisse unseres Glaubens feiern; dass wir in diesem Raum unserer besonderen Beziehung zu Gott und zueinander bewusst werden.
Wir sind mit diesem Bauwerk durch Jahre und Jahrzehnte hindurch verbunden, haben darin gebetet und gesungen, gebittet und gedankt, gesucht und gefunden. Es sind persönliche Bande, die uns mit der Kirche verbinden, deren Weihefest wir feiern.

Heute sollen wir aber das Weihefest der Lateranbasilika begehen – einer Kirche die sich an die 800 km von uns entfernt in Rom befindet; in der vielleicht erst wenige von uns drinnen waren. Ich habe diese Kirche auch noch nicht besucht. Zu der wohl niemand von uns eine persönliche Beziehung hat. Wo soll da die Festfreude herkommen, wo die Dankbarkeit?

Erschließt uns womöglich der Titel dieser Kirche einen Zugang zu herzlicher Festfreude? „Mutter und Haupt aller Kirchen Roms und des Erdkreises“ heißt sie. Können wir mit der Erhabenheit dieses Namens noch was anfangen? Was will dieser Titel uns heute sagen, dass wir in Freude erbeben und in Ehrfurcht erschauern?

Wenn wir „Mutter“ hören – sind wir etwa dann ihre Kinder? Aber in welcher Weise?
Und wenn wir „Haupt“ hören – sind wir dann etwa ihre Glieder? Aber in welcher Form?

Wenn ich nun anfüge, dass sie sozusagen die Hauskirche des Papstes ist, kommen wir dem Geheimnis des heutigen Festes schon näher. Der Papst ist ja der, dem die Sorge für die katholische Kirche weltweit auf besondere, hervorragende, einmalige Weise aufgetragen ist. In dieser Sorge ist es Nachfolger des Apostels Petrus und Stellvertreter Christi. Der Papst ist in dieser Hinsicht oberster Hirt der Kirche; er ist Diener der Diener Gottes. Mutter – Hirt – Diener: Diese Begriffe haben alle zu tun mit Leben: Leben gebären, Leben behüten, Leben fördern, Leben erhalten, Leben zur Vollendung führen.

Es geht hier um jenes Leben, das Jesus Christus durch sein Evangelium in diese Welt gebracht hat.

Es ist das Leben in der Gnade,
das Leben aus dem Glauben,
das Leben in der Nachfolge und in der Verbundenheit mit Jesus, der selber dieses Leben gibt und dieses Leben ist.

Dieses Leben hat die Kirche erbaut, deren Weihefest wir heute begehen; in diesem Leben wird auch die Lateranbasilika zu einem Symbol für die Kirche, die aus lebendigen Steinen besteht und die ganze Welt umfasst.
Jesus, den wir in den Gemäuern aus vielen verschiedenartigen Steinen feiern, will uns zu einem Haus aus lebendigen Steinen machen, dem er den Namen „Kirche“ gibt und von der es heißen soll: Ihr seid Gottes Bau; ihr seid Gottes Tempel; der Geist Gottes wohnt in euch.

Wir wissen jedoch, dass dies leider noch nicht vollkommene Wirklichkeit ist und dass der Herr auch bei uns immer wieder Tempelreinigung machen muss, weil in diesem Bau Gottes Dinge passieren, die mit Gott nichts zu tun haben.

So will die ferne Lateranbasilika unseren Horizont weiten und uns bewusst machen, dass wir katholische Kirche sind: das heißt weltweit, allumfassend, für alle offen.
Dass wir auf einem Grundstein stehen, der Jesus Christus ist.
Dass wir einen Hirten haben in demselben Jesus Christus – sichtbar dargestellt und vertreten im Bischof von Rom.
Dass wir eine Mitte haben in eben demselben Jesus Christus, von dem her wir lebendige Steine einer lebendigen Kirche sind; von dem her wir immer wieder Befreiung, Läuterung, Erleuchtung und Wegweisung finden – weil er unser Erlöser und Heiland ist, Weg Wahrheit und Leben in Ewigkeit!

Was gibt es Schöneres, als lebendiger Stein im Gefüge dieser Kirche sein zu dürfen, lebendiges Glied an diesem Leib, der immerfort geheiligt wird durch Christus? Gibt es einen tieferen Anlass zur Freude, einen tieferen Grund zur Dankbarkeit?

Donnerstag, Oktober 30, 2008

Die Verdienste aller deiner Heiligen


Lesung aus der Offenbarung des Johannes 7, 2-4.9-14

2 Dann sah ich vom Osten her einen anderen Engel emporsteigen; er hatte das Siegel des lebendigen Gottes und rief den vier Engeln, denen die Macht gegeben war, dem Land und dem Meer Schaden zuzufügen, mit lauter Stimme zu:

3 Fügt dem Land, dem Meer und den Bäumen keinen Schaden zu, bis wir den Knechten unseres Gottes das Siegel auf die Stirn gedrückt haben.

4 Und ich erfuhr die Zahl derer, die mit dem Siegel gekennzeichnet waren. Es waren hundertvierundvierzigtausend aus allen Stämmen der Söhne Israels, die das Siegel trugen:

9 Danach sah ich: eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen. Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen.

10 Sie riefen mit lauter Stimme: Die Rettung kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm.

11 Und alle Engel standen rings um den Thron, um die Ältesten und die vier Lebewesen. Sie warfen sich vor dem Thron nieder, beteten Gott an

12 und sprachen: Amen, Lob und Herrlichkeit, Weisheit und Dank, Ehre und Macht und Stärke unserem Gott in alle Ewigkeit. Amen.

13 Da fragte mich einer der Ältesten: Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen, und woher sind sie gekommen?

14 Ich erwiderte ihm: Mein Herr, das musst du wissen. Und er sagte zu mir: Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht.



Im Tagesgebet vorhin haben wir gesprochen: „Allmächtiger, ewiger Gott, du schenkst uns die Freude, am heutigen Fest die Verdienste aller deiner Heiligen zu feiern.“
Es ist eine Freude darüber,
dass die Heiligen das Ziel ihres Lebensweges bei Gott erreicht haben;
dass sie den Mühsalen und den Anfechtungen des Lebens hier auf Erden im Namen und in der Kraft des Herrn siegreich und glorreich entronnen sind;
dass sie durch ihren Sieg nicht auf uns vergessen haben – ja, dass sie siegten nicht nur zu ihrem sondern gerade auch zu unserem Heil; weil sie jene Liebe haben, von der Jesus sagt: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben hingibt für seine Freunde.“ (Joh 15:13). Sie haben es dem Herrn nach gemacht, den guten Kampf gekämpft – und den Sieg mit uns geteilt durch ihre Fürsprache und ihren Schutz. Ihrer ist der Kampf; der Sieg ist auch unser!

Ein noch tieferer Grund zu dieser Freude ist, dass sie mit uns teilhaben an den gemeinsamen heiligen Dingen: am Glauben, an den Sakramenten, besonders an der Eucharistie, an den Charismen und an den anderen geistlichen Gaben. An der Wurzel dieser Gemeinschaft ist die Liebe, die nicht „ihren Vorteil sucht“ (1Kor 13:5) sondern drängt, „alles gemeinsam“ zu haben (Apg 4:32).

Zutiefst rührt diese Freude jedoch daher, dass wir mit den Heiligen eine Gnadengemeinschaft bilden mit dem gestorbenen und auferstandenen Christus. Wir sind zutiefst und zuerst durch Christus geheiligte Heilige – wir, die wir noch unterwegs sind auf Erden und die anderen, die bereits unverhüllt die Herrlichkeit Gottes genießen und für uns eintreten.
Diese Freude soll uns besonders bewegen, wenn wir gleich anschließend unseren Glauben bekennen „an die Gemeinschaft der Heiligen.“ Sie will uns aber auch bewegen, ermutigt durch das Beispiel und die Fürsprache der Heiligen, „freudig dem Ziel unserer Verheißung entgegen zu gehen“ (Präfation), das sie bereits erreicht haben, indem sie „Gott sehen wie er ist“ (1Joh 3:2)

Der Blick auf die Heiligen und ihre Verdienste ist kein Blick empor in die kalten Tiefen des Weltalls zu den zahllosen Sternen des Himmels, die, entrückt von unserer belasteten Wirklichkeit, uns nicht Mut und Trost schenken können.
Der Blick auf die Heiligen ist ein Blick in die Tiefe unseres Herzens, wo seit unserem Anbeginn eingeschrieben steht: „Das ist Gottes Wille: Eure Heiligung!“ (1Thess 4:3) Denn als er am Anfang „den Menschen schuf nach seinem Gleichnis“ (Gen 1:27) und „in seine Nase den Lebensatem blies“ (Gen 2:7) da hat er dem Menschen diesen Willen, heilig zu werden, ins Herz gelegt als jene Ursehnsucht, die durch Christus ihre Erfüllung finden sollte.

Hören wir, wie Therese vom Kinde Jesus diesen Willen Gottes in ihrem Leben erspürte und wie sie damit umgegangen ist:

„Sie wissen, meine Mutter, ich habe immer danach verlangt, eine Heilige zu werden; aber ach! wenn ich mich mit den Heiligen verglich, stellte ich stets fest, dass zwischen ihnen und mir derselbe Unterschied besteht wie zwischen einem Berg, dessen Gipfel sich in die Himmel verliert, und dem unscheinbaren Sandkorn, über das die Füße der Leute achtlos hinweg schreiten; statt zu verzagen, sagte ich mir: Der Liebe Gott flößt keine unerfüllbaren Wünsche ein, ich darf also trotz meiner Kleinheit nach der Heiligkeit streben; mich größer machen ist unmöglich; ich muss mich ertragen, wie ich bin, mit all meinen Unvollkommenheiten; aber ich will das Mittel suchen, in den Himmel zu kommen, auf einem kleinen Weg, einem recht geraden, recht kurzen, einem ganz neuen kleinen Weg. Wir leben in einem Jahrhundert der Erfindungen, man nimmt sich jetzt die Mühe nicht mehr, die Stufen einer Treppe emporzusteigen, bei den Reichen ersetzt ein Fahrstuhl die Treppe aufs vorteilhafteste. Auch ich möchte einen Aufzug finden, der mich zu Jesus emporhebt, denn ich bin zu klein, um die beschwerliche Treppe der Vollkommenheit hinaufzusteigen. Ich suchte daher in den heiligen Büchern nach einem Hinweis auf den Fahrstuhl, den ich begehrte, und ich stieß auf die aus dem Munde der Ewigen Weisheit kommenden Worte: Ist jemand GANZ KLEIN, so komme er zu mir. So kam ich denn, ahnend, dass ich gefunden hatte, was ich suchte, und weil ich wissen wollte, o mein Gott! was du dem ganz Kleinen tätest, der deinem Ruf folgen würde, setzte ich meine Erkundungen fort, und schauen Sie, was ich fand: - Wie eine Mutter ihr Kind liebkost, so will ich euch trösten; an meiner Brust will ich euch tragen und auf meinen Knien euch wiegen! Ach! niemals sind zartere, lieblichere Worte erfreuend an meine Seele gedrungen; der Fahrstuhl, der mich bis zum Himmel emporheben soll, deine Arme sind es, o Jesus! Dazu brauche ich nicht zu wachsen, im Gegenteil, ich muss klein bleiben, ja, mehr und mehr es werden.“ (Manuskript C, 237f)

Was Therese und alle Heiligen uns sagen wollen durch ihr Vorbild ist, dass wir gerade so wie sie unseren Weg, heilig zu werden, in unserer Zeit, mit unseren Mitteln und mit unseren Grenzen suchen. Auf dieser Suche ist uns der Geist des Herrn gewiss, denn jede Heiligung im Herrn ist sein Werk. Dafür wollen wir mit dem Apostel Paulus danken: „Wir müssen Gott zu jeder Zeit euretwegen danken, vom Herrn geliebte Schwestern und Brüder, weil Gott euch als Erstlingsgabe dazu auserwählt hat, aufgrund der Heiligung durch den Geist und aufgrund eures Glaubens an die Wahrheit gerettet zu werden.“ (2Thess 2:13) Denn „Gott hat sein ganzes Volk gerettet und allen das Erbe und die Königsherrschaft und das Priestertum und die Heiligung verliehen.“ (2Makk 2:17) zum Lob und zur Ehre des dreifaltigen Gottes. Amen!

Donnerstag, Oktober 23, 2008

Gott aus ganzem Herzen, den Nächsten wie dich selbst!


Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 22: 34 – 40

34 Als die Pharisäer hörten, dass Jesus die Sadduzäer zum
Schweigen gebracht hatte, kamen sie (bei ihm) zusammen.

35 Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe
stellen und fragte ihn:

36 Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?

37 Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit
ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken.

38 Das ist das wichtigste und erste Gebot.

39 Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten
lieben wie dich selbst.

40 An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den
Propheten.




„Nur einer ist euer Lehrer, Christus.“ (Mt 23:10)

An das heutige Evangelium werde ich erinnert, wenn bei einem Abschied der Wunsch geäußert wird: ... „und gesund bleiben; das ist das Wichtigste!“ Ich denke mir dann: das ist wohl sehr wichtig; aber das Wichtigste ist, Gott zu lieben mit ganzem Herzen und den Nächsten wie dich selbst. Je nach Befindlichkeit meines Gesprächspartners mache ich dann eine Bemerkung in diese Richtung; denn man muss ja so aufpassen bei diesen Dingen, denn entweder meinen dann die Leute, man vergönne ihnen die Gesundheit nicht oder man halte sie für unfromm, unchristlich oder gar für gottlos.

Wenn ihr euch getraut, dann sagt nur einmal zu einem an Stelle von „Hauptsache: Gesund bleiben!“ „Hauptsache: Gott und den Nächsten lieben!“ Die Leute schauen euch an wie Wesen von einem anderen Stern! Als ob beides absolut nichts miteinander zu tun hätte. Und dabei ist beides doch so sehr miteinander verwoben!

Was ich damit meine wollen wir uns nun näher anschauen. Und wir wollen uns dabei von Jesus unterweisen lassen, denn nur einer ist unser Lehrer: Christus! Gerade in dieser wichtigen Frage wollen wir uns seine Lehre in Wort und Tat anschauen um unser Leben dann nach seinem bilden zu können.

Jesus wird also nach dem wichtigsten Gebot im Gesetzt befragt. Und er nennt als das größte und wichtigste Gebot: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken.“ (Mt 22:37). Dann fügt er jedoch ein anderes hinzu: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Mt 22:39b) und stellt dieses dem ersten Gebot gleich. Mit dieser Zweigestalt des wichtigsten Gebotes bringt Jesus sein Leben auf den Punkt; Denn sein Leben besteht dermaßen aus Gottesdienst und Dienst an den Menschen, dass wir nicht sagen können: Was hat nun eigentlich den Vorrang?

Denn nach den Evangelien sehen wir Jesus vor allem bei den Menschen: Er hat mit ihnen Gemeinschaft; er isst und trinkt mit ihnen; er spricht mit ihnen; er streitet mit ihnen; er erzählt ihnen Geschichten; er heilt Kranke, weckt Tote auf und wirkt Wunder, um den Menschen das Leben zu erleichtern, er leidet unter ihnen und wird schließlich von ihnen getötet. Von der Krippe bis zum Kreuz ist Jesus unter Menschen. Und selbst nach seiner Auferstehung ändert sich nichts an diesem Verhalten Jesu: Er sammelt seine verstreuten Jünger um sich und bereitet sie auf den Empfang des hl. Geistes vor.

Unablässig ist er um die Menschen bemüht, sei es um seine Jünger, sei es um die Leute, die zu ihm kommen mit ihren Krankheiten und Leiden; sei es um seine Gegner, die mit ihm streiten und ihn beseitigen wollen. Keinen lässt er links liegen, keinen übergeht oder übersieht er; jeden nimmt er ernst. Jesus gibt ein überwältigendes Zeugnis von seiner Liebe zu den Menschen. Deshalb ist es kein Wunder, dass das Gebot der Nächstenliebe für ihn zum wichtigsten Gebot dazu gehört.

Wir sind versucht zu sagen, Jesus habe das Gebot, Gott zu lieben, völlig vernachlässigt. Denn die Stellen, in denen Jesus als Betender geschildert wird sind vergleichsweise dünn gesät. War Jesus etwa gar nur ein äußerst ideal gesinnter Altruist?

Wir finden eine Antwort auf diese Frage im Überblick über das alte Testament, die Bibel Jesu. Da erscheint Gott durchgehend als der, der sich mit seinem Volk auseinandersetzt, der sich um sein Volk kümmert, ihm hilft, es beschützt, es bestraft und wieder begnadigt. Angefangen bei der Erschaffung des Adam bis hin zu den Makkabäern – der Herr ist für sein Volk da! Er verausgabt sich in der Liebe zu seinem Volk!

Und genau diesen Gott stellt Jesus dar als seinen über alles geliebten Vater; als den wahren Gott Israels, als den Gott, der sein Äußerstes für sein Volk gibt: sich selber in der Menschengestalt des Jesus von Nazaret. Jesus ist der vollkommene Sohn, der tut, was er seinen Vater tun sieht: „Der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur, wenn er den Vater etwas tun sieht. Was nämlich der Vater tut, das tut in gleicher Weise der Sohn.“ (Joh 5:19).

Wir können also sagen: Jesus erfüllt seine Liebe zu Gott in der Liebe zu den Menschen. Er liebt Gott mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit allen Gedanken indem er sein ganzes Herz, seine ganze Seele und alle seine Gedanken im Dienst an den Menschen einsetzt. Seinen Höhepunkt erreicht dieser Einsatz am Tiefpunkt seines Lebens: In seinem Leiden und Sterben am Kreuz. Dass er so das wichtigste Gebot im Gesetz erfüllt hat – die Bestätigung dafür gibt Gott durch die Auferweckung Jesu und durch dessen Aufnahme in die Herrlichkeit des Himmels auf den Thron zu seiner Rechten.

Die Nächstenliebe ist die einzig legitime Auslegung der Gottesliebe! „Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott! , aber seinen Bruder hasst, ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht.“ (1 Joh 4:20)

Seit Jesus ist das einzige Kriterium der Gottesliebe die Nächstenliebe. Das dürfen wir bei unserer praktisch christlichen Lebensgestaltung nicht vergessen. Und so wie Jesus in seiner Nächstenliebe seinen Vater im Himmel nachgeahmt hat sollen wir ihn nachahmen in der Liebe zu unseren Nächsten. In keiner Hinsicht möchte Jesus mehr unser Lehrer und Meister sein als in der Nächstenliebe. In keiner Hinsicht müssen wir mehr seine Schüler sein als in der Nächstenliebe.

Damit wir das schaffen ist die Verbundenheit mit ihm unablässig. Denn nur „wer in IHM bleibt und in wem ER bleibt, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von IHM können wir nichts vollbringen.“ (Joh 15:5) Diese Verbundenheit zu stärken geschieht im Gottesdienst und im Gebet. Und da wird uns dann klar, dass das Ziel unseres liturgischen und betenden Dienstes die Verherrlichung Gottes ist, die jedoch ihre Vollendung in der Nächstenliebe findet.

Jesu Vorbild befreit Gebet und Gottesdienst aus dem Gefängnis einer ichbezogenen Seelenkosmetik und befreit sie zur Vorbereitung auf die Nächstenliebe. Damit es auch in unserem Leben das wichtigste Gebot sei, den Herrn zu lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit allen Gedanken indem wir den Nächsten lieben, wie uns selbst.

Der Herr mache unser Lieben dem seinen immer ähnlicher! Amen!

Samstag, Oktober 18, 2008

Gebt Gott, was Gott gehört!


Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 22: 15 – 21

In jener Zeit

15 kamen die Pharisäer zusammen und beschlossen, Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen.

16 Sie veranlassten ihre Jünger, zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen und zu sagen: Meister, wir wissen, dass du immer die Wahrheit sagst und wirklich den Weg Gottes lehrst, ohne auf jemand Rücksicht zu nehmen; denn du siehst nicht auf die Person.

17 Sag uns also: Ist es nach deiner Meinung erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht?

18 Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum stellt ihr mir eine Falle?

19 Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Da hielten sie ihm einen Denar hin.

20 Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das?

21 Sie antworteten: Des Kaisers. Darauf sagte er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!



„Meister, wir wissen, dass du immer die Wahrheit sagst und wirklich den Weg Gottes lehrst, ohne auf jemand Rücksicht zu nehmen; denn du siehst nicht auf die Person.“ Ein Lob der Wahrhaftigkeit, des Gehorsams und der Unparteilichkeit Jesu – möchte man meinen. Doch wir wissen bereits: Die Leute, die so reden, wollen Jesus eine Falle stellen, sie möchten ihn in seinen Worten fangen. Ihr Mund redet Gutes, ihr Herz hingegen plant Böses. Auf ihren Lippen ist nicht das, was in ihren Herzen ist. Sie reden zwiespältig. Es sind gespaltene, zerrissne Menschen, die Jesus da anreden. Während ihre Lippen loben plant ihr Herz Übles. Es kommen einem die Worte des Evangelisten in den Sinn: „Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir.“ (Mt 15:8) Dieses Verhalten hören wir bereits im Psalm vorausgesagt: „Doch sie täuschten ihn mit falschen Worten und ihre Zunge belog ihn.“ (Ps 78:36)

Überhören wir nicht die Erinnerung an uns selber, die sich in diesem gespaltenen Verhalten äußert. Gewiss wird niemand von uns sich in der perfiden Haltung jener Leute im Evangelium dem Herrn nahen – doch ist auch uns der Unterschied zwischen dem Bekenntnis der Zunge und dem Empfinden des Herzens nicht fremd. Oder ist es noch nie passiert, dass wir beteten: „Dein Wille geschehe!“ – aber eigentlich unseren Willen meinten; oder: „Dein Name werde geheiligt!“ – aber unsere eigene Ehre anstrebten; oder: „Dein Reich komme!“ – aber eigentlich wünschten, dass unsere bequeme Welt nicht angerührt werde?
So wollen uns die Gesprächspartner Jesu im heutigen Evangelium gewiss nicht der absichtlichen Heuchelei dem Herrn gegenüber bezichtigen. Aber sie sind eine Einladung für uns, das Beten unserer Lippen mit dem Streben unseres Herzens in Einklang zu bringen.

Damit es uns nicht passiert, was der Prophet Jesaja angekündigt hat:„Weil dieses Volk sich mir nur mit Worten nähert und mich bloß mit den Lippen ehrt, sein Herz aber fern hält von mir, (weil seine Furcht vor mir nur auf einem angelernten menschlichen Gebot beruht,) darum will auch ich in Zukunft an diesem Volk seltsam handeln, so seltsam, wie es niemand erwartet. Dann wird die Weisheit seiner Weisen vergehen und die Klugheit seiner Klugen verschwinden.“ (Jes 29:13f.)

Und dieses seltsame Handeln des Herrn vollzieht sich im heutigen Evangelium vor unseren Augen: Denn keiner der Gegner Jesu hat mit seiner Reaktion gerechnet. Ihre Weisheit ist vergangen und ihre Klugheit ist verschwunden, denn „als sie hörten was Jesus sagte, wunderten sie sich, ließen von ihm ab und gingen davon.“ (Mt 22:22) „Und der Rest ist Schweigen,“ können wir mit Hamlet anfügen.

Aber schauen wir uns die Reaktion des Herrn näher an. Da hören wir, dass „Jesus ihre Bosheit merkte.“ Jesus zeigt sich als der, „der wusste, was im Menschen ist.“ (Joh 2:25b) „Er kennt die Gedanken der Menschen!“ (Ps 94:11) Er weiß um das Herz der Menschen, aus dem die bösen Gedanken kommen (vgl. Mk 7:21) Die Widersacher Jesu dachten sich mit den Worten des Psalmisten: „Der Herr sieht es ja nicht, der Gott Jakobs merkt es nicht.“ Doch im Verhalten Jesu fragt der Psalmist dann: „Begreift doch, ihr Toren im Volk! Ihr Unvernünftigen, wann werdet ihr klug? Sollte der nicht hören, der das Ohr gepflanzt hat, sollte der nicht sehen, der das Auge geformt hat?“ (Ps 94:7-9)
Dieser Herr kennt auch unser Herz bis auf den Grund; so wollen wir nicht lang Verstecken spielen sondern uns gleich mit den Psalmworten ihm anvertrauen: “Herr, du hast mich erforscht und du kennst mich. Ob ich sitze oder stehe du weißt von mir. Von fern erkennst du meine Gedanken. Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt; du bist vertraut mit all meinen Wegen. Noch liegt mir das Wort nicht auf der Zunge - du, Herr, kennst es bereits.“ (Ps 139:1-4). Wir wollen als Menschen vor dem Herrn stehen, die wissen, dass „der Weg eines jeden offen vor den Augen des Herrn liegt, der auf alle seine Pfade achtet.“ (Spr 5:21) Denn „vor ihm bleibt kein Geschöpf verborgen, sondern alles liegt nackt und bloß vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft schulden.“ (Hebr 4:13)

Wie der Herrn nun auf den Grund des Herzens seiner Gegner sieht, so geht er auch der Frage, die sie ihm stellen, auf den Grund. Er gibt keine schnelle und oberflächliche Antwort auf die Frage, „ob es recht sei, dem Kaiser Steuern zu zahlen oder nicht?“ (Mt 22:17) Er fragt nach einer Steuermünze und erkundigt sich nach Abbild und Aufschrift auf der Münze, die für Jesus Hinweis sind auf den Besitzer dieser Münze. Und diesem Besitzer sollen sie dann geben, was ihm gehört.

Dann geht Jesus aber einen Schritt weiter und fügt hinzu: „Und Gott gebt, was Gott gehört!“ (Mt 22:21d) Damit weitet Jesus den Horizont; er lenkt ihre Aufmerksamkeit vom Irdischen auf den Überirdischen; vom Geschöpf auf den Schöpfer. Er stellt ein rein weltliches Problem vor das Angesicht dessen, dem die Welt gehört. Das Licht Gottes fällt auf eine Situation, die sie bloß mit dem Licht ihres begrenzten und verdunkelten Verstandes angeschaut haben. Damit stürzt Jesus seine Bedränger in Bedrängnis; sie, die glaubten, alles im Griff zu haben, sehen sich nun vor die Frage gestellt: Was gehört Gott? Was ist Gott zu geben? Wo ist Gott abgebildet? Wo steht seine Aufschrift?
Die müssen sich auf einmal wie in einem anderen Film vorgekommen sein!
Jesus hat sie auf Gedanken gebracht, die sie bisher nicht hatten; er hat sie zum Umdenken bewegt; und ich möchte ihre Verwunderung auch positiv sehen als den Beginn einer Umkehr hin zu Gott.
Machen auch wir es wie Jesus: Beantworten wir alle Probleme und Fragen, die kleinen wie die großen, nicht im engen, rein weltlichen Horizont – stellen wir sie wie Jesus hin vor das Angesicht Gottes; eröffnen wir den Menschen neue Weiten; geben wir ihnen neue Gedanken – Gedanken an jenen Gott, der uns hinausführen will ins Weite und der unsere Finsternis aufhellt. (vgl. Ps 18:20) Helfen wir ihnen umzudenken und umzukehren.

Warum konnte Jesus so reden? Weil er selbst völlig in Gott verwurzelt war; er war selber voll des Lichtes Gottes. Er war Licht vom Licht. Er ist die Münze, die Gott abbildet und die Aufschrift trägt: Gott allein! Darum konnte er nicht anders als auch diese Steuerfrage im Lichte Gottes zu sehen. Und er gab uns Anteil an dieser lichtvollen Ansicht.

Wir haben einen königlichen Weg, uns in Gott zu verwurzeln und uns in sein Licht zu stellen: das Gebet. In ihm verwirklichen wir uns als Kinder des Lichtes. (vgl. 1Thess 5:5) In Gott verwurzelt brauchen wir uns keine Sorgen machen, wie und was wir reden sollen, wenn die Leute uns fragen; wir gewinnen das Vertrauen, dass uns in jener Stunde eingegeben wird, was wir sagen sollen. (vgl. Mt 10:19)
Das heutige Evangelium zeigt uns sehr anschaulich, wie Jesus das Gebet unserer hl. Mutter Teresa gelebt hat: Nichts soll dich ängstigen, nichts dich erschrecken. Alles vergeht; nur Gott bleibt derselbe; wer sich an Gott hält, dem fehlt nichts. Gott allein genügt! Amen!

Freitag, Oktober 10, 2008

Stark sein durch Jesus!


Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper 4:12-14.19-20

Brüder!

12 Ich weiß, Entbehrungen zu ertragen, ich kann im Überfluss leben. In jedes und alles bin ich eingeweiht: In Sattsein und Hungern, Überfluss und Entbehrung.

13 Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt.

14 Trotzdem habt ihr recht daran getan, an meiner Bedrängnis teilzunehmen.

19 Mein Gott aber wird euch durch Christus Jesus alles, was ihr nötig habt, aus dem Reichtum seiner Herrlichkeit schenken.

20 Unserem Gott und Vater sei die Ehre in alle Ewigkeit! Amen.



„Alles vermag ich durch den, der mir Kraft gibt!“ (Phil 4:13)
Das ist kein Werbeslogan von einem Kraftriegel oder einem Energydrink oder von einem SuperBigMac. Wer aufgepasst hat, weiß: das sind die Worte des Apostel Paulus aus der zweiten Lesung vorhin. Und mit diesen Worten will er uns ganz einfach sagen, wer ihm die Kraft gibt für seinen Dienst, für seine Arbeit, für sein Apostolat. Dabei ist seine Tätigkeit noch dürftig beschrieben, wenn er sagt: „In jedes und alles bin ich eingeweiht: In Sattsein und Hungern, Überfluss und Entbehrung!“ (Phil 4:12)

An anderer Stelle holt er weiter aus: „Ich ertrug Mühsal, war im Gefängnis, wurde geschlagen, war oft in Todesgefahr. Fünfmal erhielt ich von Juden die neununddreißig Hiebe; dreimal wurde ich ausgepeitscht, einmal gesteinigt, dreimal erlitt ich Schiffbruch, eine Nacht und einen Tag trieb ich auf hoher See. Ich war oft auf Reisen, gefährdet durch Flüsse, gefährdet durch Räuber, gefährdet durch das eigene Volk, gefährdet durch Heiden, gefährdet in der Stadt, gefährdet in der Wüste, gefährdet auf dem Meer, gefährdet durch falsche Brüder. Ich erduldete Mühsal und Plage, durchwachte viele Nächte, ertrug Hunger und Durst, häufiges Fasten, Kälte und Blöße. Um von allem andern zu schweigen, weise ich noch auf den täglichen Andrang zu mir und die Sorge für alle Gemeinden hin. Wer leidet unter seiner Schwachheit, ohne dass ich mit ihm leide? Wer kommt zu Fall, ohne dass ich von Sorge verzehrt werde?“ (2 Kor 11:23-29)
Nun verstehen wir schon, dass für solchen Einsatz der Bountyriegel oder das Isostar aus dem nächsten Supermarkt als Energiequelle zu wenig ist. Da konnte nur der die Kraft dazu geben, der ihn zu diesem Werk als erlesenes Werkzeug erwählt hat; (vgl. Apg 9:15) der, dem er vor den Toren von Damaskus begegnet ist: Jesus Christus! Im Namen Jesu hat Paulus das alles erlebt, das alles auf sich genommen, das alles überlebt.

Der Apostel lenkt durch sein Wort unsere Aufmerksamkeit auf die Energiequellen unseres Lebens; auf das, woraus wir Kraft schöpfen für die Bewältigung unseres Lebens.
Was wird uns da wohl alles in den Sinn kommen an Speisen, an Medikamenten, an Kursen, an Übungen, an Materialien aus Metallen, Steinen und Hölzern verschiedener Art?
Man möge mir verzeihen, aber ich muss an dieser Stelle an das goldene Kalb und an die Götzen denken, die sich das Volk Israel aus Metall und Steinen und Holz gemacht hat;
und weiter muss ich denken, wie sehr Gott sein Volk vor diesen Götzen, diesem Machwerk aus Menschenhand, gewarnt hat;
und schließlich muss ich daran denken, wie die Anhänglichkeit an diese Götzen das Volk in die Katastrophe der babylonischen Gefangenschaft geführt hat. Denn die Verehrung dieser Götzen bedeutete zugleich die Abkehr von Jahwe, dem einen und wahren Gott, der allein seinem Volk das Leben schenken und erhalten konnte – wie sich erwiesen hat in der Zeit seiner Väter: in der Zeit Abrahams, Jakobs und Isaaks;

Vor allem hat sich Gott als der wahre Kraftquell erwiesen in der Befreiung seines Volkes aus der Gefangenschaft Ägyptens, auf dem langen Weg durch die Wüste und indem er seinem Volk schließlich das verheißene Land schenkte mit großen und schönen Städte, die es nicht gebaut hatte, mit Gütern gefüllte Häuser, die es nicht gefüllt hatte, in den Felsen gehauene Zisternen, die es nicht gehauen hatte, Weinberge und Ölbäume, die es nicht gepflanzt hatte. (vgl. Deut 6:10f)
Aber kehren wir zurück zu unseren Kraftquellen – womöglich taucht da unter anderem auch einmal Jesus auf; und zu dem gehen wir dann jeden Sonntag Kraft tanken, denn man weiß ja nie: Hilft er nicht so schadet er nicht! Und wir sind ja heute so vif, dass wir alle sich bietenden Möglichkeiten ausnützen, um Kraft zu gewinnen und Energie zu schöpfen; der Markt bietet eine Überfülle davon an. Ein buntes Patchwork an wirklichen und vermeintlichen Energieträgern sammelt sich so an.
Wisst ihr, wie mir das vorkommt: Geradeso, als möchte man ein großes Mühlrad dadurch in Bewegung bringen, dass man einmal hier ein Wässerlein und einmal dort ein Wässerlein und an einer weiteren Stelle ein drittes Wässerlein auf das Rad fließen lässt und so weiter – und dann wundern wir uns, dass sich nichts rührt! Deppen sind wir!
Das Mühlrad wird sich nur dann bewegen, wenn wir einen Wasserstrahl gezielt auf die immer gleiche Stelle hin fließen lassen.

Nun hat aber Gott durch Jesus Christus seinen ganzen Gnadenstrom auf uns Menschen gerichtet, dass wir von ihm getroffen, von ihm durch und durch getränkt, von ihm zuinnerst bewegt neue Menschen würden – Menschen seiner Gnade, Menschen erfüllt von seinem Geist, Menschen, die Jesus nachfolgen – wie Paulus; und die so wie Paulus alles vermögen. Menschen, die erkannt haben, was Jesus bei Johannes sagt: „Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.“ (Joh 15:5)

Mein lieben Freunde: Das Festmahl, von dem Jesaja in der ersten Lesung spricht sehen wir vorausgebildet im verheißenen Land, in das Israel eingezogen ist, um es in Besitz zu nehmen;
Seine tiefste Erfüllung findet dieses Vorausbild und das Wort des Propheten jedoch im eucharistischen Mahl, bei dem uns jenes Brot gereicht wird, von dem der Herr selber sagt: „Mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben. ... Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.“ (Joh 6:32-35)

Wozu sollen wir noch die Äcker unserer Gottvergessenheit bestellen und was stehen wir noch in den Läden des Götzendienstes herum und geben uns ab mit billigem Ramsch dieser Welt? Wo doch der Herr auf uns wartet, der die Tränen von jedem Gesicht abwischt, der den Tod für immer beseitigt.
So begreifen wir doch endlich, dass wir seit unserer Taufe mit dem Hochzeitsgewand der Gotteskindschaft bekleidet sind und laufen wir doch endlich unserem Gott und Vater in die Arme, der uns einlädt zum Hochzeitsmahl seines Sohnes, der immer schon auf uns wartet und dem die Ehre sei in alle Ewigkeit! Amen!