Dienstag, Februar 26, 2008

Christus wird dein Licht sein!


Das Evangelium Johannes 9: 1 – 41

1 In jener Zeit sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war.

2 Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Ober haben seine Eltern gesündigt, so dass er blind geboren wurde?

3 Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden.

4 Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann.

5 Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.

6 Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen

7 und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.

8 Die Nachbarn und andere, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte?

9 Einige sagten: Er ist es. Andere meinten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es.

10 Da fragten sie ihn: Wie sind deine Augen geöffnet worden?

11 Er antwortete: Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig, bestrich damit meine Augen und sagte zu mir: Geh zum Schiloach, und wasch dich! Ich ging hin, wusch mich und konnte wieder sehen.

12 Sie fragten ihn: Wo ist er? Er sagte: Ich weiß es nicht.

13 Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern.

14 Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte.

15 Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Der Mann antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen; dann wusch ich mich, und jetzt kann ich sehen.

16 Einige der Pharisäer meinten: Dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein Sünder solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen.

17 Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann antwortete: Er ist ein Prophet.

18 Die Juden aber wollten nicht glauben, dass er blind gewesen und sehend geworden war. Daher riefen sie die Eltern des Geheilten

19 und fragten sie: Ist das euer Sohn, von dem ihr behauptet, dass er blind geboren wurde? Wie kommt es, dass er jetzt sehen kann?

20 Seine Eltern antworteten: Wir wissen, dass er unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde.

21 Wie es kommt, dass er jetzt sehen kann, das wissen wir nicht. Und wer seine Augen geöffnet hat, das wissen wir auch nicht. Fragt doch ihn selbst, er ist alt genug und kann selbst für sich sprechen.

22 Das sagten seine Eltern, weil sie sich vor den Juden fürchteten; denn die Juden hatten schon beschlossen, jeden, der ihn als den Messias bekenne, aus der Synagoge auszustoßen.

23 Deswegen sagten seine Eltern: Er ist alt genug, fragt doch ihn selbst.

24 Da riefen die Pharisäer den Mann, der blind gewesen war, zum zweiten Mal und sagten zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist.

25 Er antwortete: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Nur das eine weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehen kann.

26 Sie fragten ihn: Was hat er mit dir gemacht? Wie hat er deine Augen geöffnet?

27 Er antwortete ihnen: Ich habe es euch bereits gesagt, aber ihr habt nicht gehört. Warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt auch ihr seine Jünger werden?

28 Da beschimpften sie ihn: Du bist ein Jünger dieses Menschen; wir aber sind Jünger des Mose.

29 Wir wissen, dass zu Mose Gott gesprochen hat; aber von dem da wissen wir nicht, woher er kommt.

30 Der Mann antwortete ihnen: Darin liegt ja das Erstaunliche, dass ihr nicht wisst, woher er kommt; dabei hat er doch meine Augen geöffnet.

31 Wir wissen, dass Gott einen Sünder nicht erhört; wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er.

32 Noch nie hat man gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat.

33 Wenn dieser Mensch nicht von Gott wäre, dann hätte er gewiss nichts ausrichten können.

34 Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren, und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus.

35 Jesus hörte, dass sie ihn hinaus gestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn?

36 Der Mann antwortete: Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube.

37 Jesus sagte zu ihm: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir redet, ist es.

38 Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder.

39 Da sprach Jesus: Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen: damit die Blinden sehend und die Sehenden blind werden.

40 Einige Pharisäer, die bei ihm waren, hörten dies. Und sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind?

41 Jesus antwortete ihnen: Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.



Ein Blindgeborener kann sehen. Einer, der die Schöpfung noch nie in seinem Leben gesehen, kann auf einmal sehen. Eine völlig neue Welt eröffnet sich diesem Menschen.
Das Evangelium berichtet nichts von den Empfindungen dieses Menschen; es erzählt nichts davon, was und wen er nun alles sieht, ob und wie er sich darüber freut.
Dies ist dem Evangelisten Nebensächlich.
Statt dem muss er immer wieder erzählen, wie es denn gekommen ist, dass er sehen kann.
Erst am Ende der Geschichte erzählt der Evangelist vom bewussten Sehen des Blingeborenen: „Jesus fragt ihn: Glaubst du an den Menschensohn?
Er antwortet: Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube.
Jesus sagt zu ihm: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir redet, ist es.
Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder!“ (Joh 9:35-38)

Jesus hat dem Blindgeborenen das Augenlicht geschenkt, damit er ihn, Jesus, sehen kann. Dieses Sehen bedeutet aber mehr als bloß mit den Augen zu schauen. Es bedeutet in dem Menschen Jesus den Menschensohn zu erkennen und an ihn zu glauben. Es geht um jenes Sehen, das nicht an der äußeren Gestalt hängen bleibt.
Es geht um ein Sehen wie Gott: Wir hörten von diesem göttlichen Sehen in der 1. Lesung: „Der Herr sagte zu Samuel: Sieh nicht auf sein Aussehen und seine stattliche Gestalt; Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.“ (1Sam 16:7)
Zu diesem Sehen will Jesus auch uns die Augen öffnen. Wir sollen in Jesus nicht nur den Menschen sehen, der vor unseren Augen ist; wir sollen in sein Herz sehen und in ihm den Menschensohn erkennen, den Messias, den Sohn Gottes, unseren Herrn und Erlöser.

Diesen Blick in das Herz Jesu können wir nur im Glauben tun.
Und wie uns das Verhalten der Pharisäer und der Angehörigen des Blindgeborenen im Evangelium zeigt, ist dieser Blick keine Selbstverständlichkeit. Er ist ein Geschenk des Herrn.
Und es wird auch deutlich, dass die Erkenntnis Jesu nicht von Anfang an in voller Klarheit da ist; wir könne dies am Blindgeborenen selber erkennen: Zuerst ist Jesus bloß „der Mann, der Jesus heißt“ (Joh 9:11) dann nennt er Jesus einen Propheten (vgl. Joh 9:17) und schließlich kann er in Jesus gläubig den Menschensohn erkennen, den Herrn, den Kyrios, vor dem er sich anbetend niederwirft. (vgl. Joh 9:38)

Wir können feststellen: Das Sehen, das Jesus schenkt, wandelt den Menschen von einem, der Jesus nicht gesehen und nicht gekannt hat zu einem, der Jesus als den Herrn bekennt!
Diese Wandlung beschreibt der Epheserbrief in der 2. Lesung: „Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr durch den Herrn Licht geworden.“ (Eph 5:8)
Finsternis in der Ferne und in der Unkenntnis von Jesus;
Licht in der Nähe und in der Erkenntnis Jesu Christi.
Diese Verwandlung zu Licht gewordenen Menschen kann nicht ohne Auswirkungen bleiben: Darum fährt der Apostel in der Lesung fort: „Lebt als Kinder des Lichts! Das Licht bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor. Prüft, was dem Herrn gefällt, und habt nichts gemein mit den Werken der Finsternis, die keine Frucht bringen, sondern deckt sie auf!“ (Eph 5:8-11)
Die Frucht des Lichtes, das der Blingeborene hervorbringt, ist sein Bekenntnis zu Jesus als dem Menschensohn und seine Verehrung Jesu als des Herrn.
Jesus hat dem Blindgeborenen die Augen geöffnet, damit er ihn, Jesus, als das Licht der Welt erkennt und von diesem Licht erleuchtet wird und so erleuchtet als Kind des Lichtes lebt.

Wie wäre es denn, wenn wir diese Bußzeit als Zeit sehen, in der Jesus auch uns auffordert: „Geht und wascht euch, geh und wasch dich im Teich Schiloach!“ (Joh 9:7)
Immer wenn wir das Weihwasser beim Kommen oder Verlassen der Kirche oder bei uns zu Hause nehmen können wir dies als Einladung Jesu hören, unsere Augen abzuwaschen von den Verkrustungen, die uns blind machen für ihn; die uns in Jesus noch nicht den Sohn Gottes und unseren Erlöser sehen lassen.
Und eignen wir uns die Bitte des Blingeborenen an: „Wer bist du Herr! Sag es mir, damit ich an dich glaube!“ (vgl. Joh 9:36)
So wollen wir uns in diesen Tagen vom Herrn aus der Finsternis ins Licht führen lassen und mehr und mehr leben als Kinder des Lichtes.

Es soll der Ruf des Apostels lebendige Wirklichkeit werden: „Wach auf, du Schläfer, und steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein.“ (Eph 5:14) Amen!

Dienstag, Februar 19, 2008

Herr, gib mir zu trinken!


Das Evangelium Johannes 4

5 In jener Zeit kam Jesus zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte.

6 Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde.

7 Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken!

8 Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen.

9 Die samaritische Frau sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.

10 Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken! dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.

11 Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser?

12 Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?

13 Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen;

14 wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.

15 Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierher kommen muss, um Wasser zu schöpfen.

19b Ich sehe, dass du ein Prophet bist.

20 Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss.

21 Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.

22 Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden.

23 Aber die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden.

24 Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.

25 Die Frau sagte zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, das ist: der Gesalbte - Christus. Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden.

26 Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, ich, der mit dir spricht.

39a Viele Samariter aus jenem Ort kamen zum Glauben an Jesus.

40 Als die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb dort zwei Tage.

41 Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn aufgrund seiner eigenen Worte.

42 Und zu der Frau sagten sie: Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben und nun wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt.



Sehr eindrücklich erzählen die Lesungen uns heute vom Wasser und wie wichtig es ist für das Leben der Menschen: das dürstende Volk Israel in der Wüste (Ex 17:3-7), Jesus und die Samariterin zu mittäglicher Hitze am Jakobsbrunnen (Joh 4:5-15) – sie sind auf der Suche nach Wasser.
Dabei wird in beiden Lesungen deutlich, dass es nicht um natürliches Wasser allein geht, nicht nur um das Stillen leiblichen Durstes.

Schon die Lesung aus dem ersten Testament macht deutlich, dass Wasser eine Gabe Gottes ist und dass zuerst das Vertrauen auf Gott fließen muss ehe die Quellen zu fließen beginnen, die den Durst des Leibes stillen. Darum sagt Gott zu Moses: „Geh am Volk vorbei, und nimm einige von den Ältesten Israels mit; nimm auch den Stab in die Hand, mit dem du auf den Nil geschlagen hast, und geh! Dort drüben auf dem Felsen am Horeb werde ich vor dir stehen. Dann schlag an den Felsen! Es wird Wasser herauskommen, und das Volk kann trinken. Das tat Mose vor den Augen der Ältesten Israels.“ (Ex 17:5f)
Das Volk erfährt, dass der Herr für es sorgt und dass ihm nichts fehlen wird, wenn es auf ihn vertraut. Sich beim Ärger über den Durst aufzuhalten bringt nichts; sehr wohl aber die inständige Bitte an Gott um Hilfe und die Bereitschaft, zu tun, was er sagt (vgl. Joh 2:5).

Auch im Evangelium bemerken wir Eigenartiges. Sitzen die beiden am Brunnen – Jesus und die Samariterin um 12 Uhr mittags bei einer Affenhitze. Man möchte doch meinen, sie würden gleich aus dem Brunnen schöpfen, um den ärgsten Durst zu löschen und dass die beiden anschließend sich dann unterhalten. Nichts davon!
Jesus verwickelt die Frau in ein Gespräch, bei dem der Durst des Leibes auf einmal weg ist; gerade so, als ob es wichtigeres gäbe, als diesen Durst; als ob es einen Durst gibt, der heftiger quält als jener des Leibes: einen Durst, unter dem die Seele leidet.
Und tatsächlich wird dieser Durst angesprochen von der Samariterin: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?“ Und erklärend fügt der Evangelist an: „Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.“ (Joh 4:9) Es ist der Durst der Verachtung, der Diskriminierung, den Jesus löscht, indem er als Jude eine Samariterin und als Mann eine Frau anspricht und zudem noch von ihr einen Gefallen erbittet. Er löscht diesen Durst, indem er diese Frau als Menschen behandelt, ihr menschlich begegnet von Angesicht zu Angesicht, von Herz zu Herz.
Es ist das Wasser respektvoller, unvoreingenommener – eben großzügiger Liebe, das Jesus der Samariterin von Anfang an zu trinken gibt. Was Wunder, dass sie dabei völlig auf den Durst ihres Leibes vergisst!

Es ist das Wasser der Liebe Gottes zu uns Menschen, das Jesus der Samariterin und allen Menschen zu trinken geben möchte.
Dieses Wasser fließt nicht nur damals am Jakobsbrunnen. Es fließt überall dort, wo der Herr uns begegnen will: Hier im Gottesdienst, bei der Beichte, wenn wir uns im Gebet an ihn wenden; vor allem aber, wo wir caritativ tätig sind.

Genau dies erkannte auch unsere Mutter Teresa von Avila; deshalb ist das heutige Evangelium eine ihrer Lieblingsstellen aus der Frohbotschaft Jesu.
Und wie die Samariterin völlig auf ihre ursprüngliche Aufgabe, Wasser zu holen, vergisst, und in ihr Dorf eilt, um den Leuten von Jesus zu erzählen genau so macht sich auch Teresa bis an ihr Lebensende unermüdlich auf den Weg, um den Menschen von diesem lebendigen Wasser der Liebe Gottes zu erzählen und sie zu Jesus hinzuführen.

Meine lieben Freunde! Mit der Samariterin, mit unserer hl. Mutter Teresa wollen auch wir Jesus bitten: „Herr, gib mir dieses Wasser!“ (Joh 4:15)
Suchen wir in dieser Fastenzeit vermehrt jene Brunnen des Gottesdienstes, der Beichte, des Gebetes und der Nächstenliebe auf, aus denen wir dieses Wasser schöpfen können, wo es überreich für uns fließt.
Und lassen wir uns so von Jesus in Quellen wandeln, aus denen dieses lebendige Wasser der Liebe Gottes weiter fließen kann zu unseren Mitmenschen. (vgl. Joh 4:14) Amen!

Mittwoch, Februar 13, 2008

Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne


Das Evangelium Matthäus 17: 1 – 9

1 In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg.

2 Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht.

3 Da erschienen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elija und redeten mit Jesus.

4 Und Petrus sagte zu ihm: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.

5 Noch während er redete, warf eine leuchtende Wolke ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören.

6 Als die Jünger das hörten, bekamen sie große Angst und warfen sich mit dem Gesicht zu Boden.

7 Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: Steht auf, habt keine Angst!

8 Und als sie aufblickten, sahen sie nur noch Jesus.

9 Während sie den Berg hinab stiegen, gebot ihnen Jesus: Erzählt niemand von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.




Was geschieht im Evangelium mit Jesus? Was lässt sein Gesicht leuchten wie die Sonne? Was lässt sein Gewand strahlen wie das Licht? Ist er einer jener Strahlemänner wie sie uns in der Werbung begegnen? Wir wissen ja aus täglicher Erfahrung, wie uns die verschiedensten Waren mit strahlenden Gesichtern von Frauen und Männern angepriesen werden, damit wir sie kaufen. Wie werden diese Gesichter so schön, so strahlend? Diese Schönheit ist ein Ergebnis von Puder, Cremen, Salben, Sprays und Parfums. Es ist eine kosmetisch produzierte Schönheit. Es ist eine aufgetragene Schönheit, die gleichsam auf das Gesicht, auf den Körper dieser Menschen gelegt wird, damit „Unebenheiten,“ „Unregelmäßigkeiten“ zugedeckt werden. Es ist eine vorgetäuschte Schönheit.

War Jesus auch in einem Schönheitssalon, damit er so strahlen kann, wie im heutigen Evangelium? Wurde ihm auch ein Make up verpasst, das ihn so schön macht? Und will er vielleicht gar auch eine Ware anpreisen?

Nein und Ja!

Nein, denn das Evangelium sagt klar und deutlich, woher sein Leuchten kommt: Wir hören nämlich von der Stimme aus der Wolke: „Das ist mein geliebter Sohn an dem ich Gefallen gefunden habe!“ (Mt 17:5)
Das ist der Grund des Leuchtens Jesus: Dass er Gott, dem Vater gefällt!
Das ist die Ursache seiner Schönheit: Dass er in der Liebe des Vaters steht; dass er ganz erfüllt ist von dieser Liebe.
Jesu Schönheit ist keine von Außen aufgetragene, die einmal abbröckeln wird; sie ist eine in sein Herz eingetragene Schönheit, die aus seinem Innersten kommt und unvergänglich ist.

In gewisser Weise war, ja ist Jesus beständig in einem „Schönheitssalon:“ Dieser Salon ist die Liebe seines Vaters. Jesus lebt beständig in dieser Liebe, darum kann diese Liebe ihn auch beeinflussen, prägen – eben: schön machen! Im Johannesevangelium hören wir Jesus sehr oft von diesem Salon sprechen; etwa wenn er sagt: „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10:30); oder: Der Sohn tut, was er den Vater tun sieht (vgl. Joh 5:19f; oder: „Ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.“ (Joh 15:15) Ja selbst noch in seiner „hässlichsten“ Stunde, nämlich als er am Kreuz in größtem Schmerz und tiefster Einsamkeit stirbt, bleibt er in diesem „schönsten“ Raum, bleibt er bei seinem Vater, indem er spricht: „Vater in deine Hände lege ich meinen Geist!“ (Lk 23:46)

Und das ist, wenn ihr so wollt, auch die Ware, die er uns anpreist: Die Liebe Gottes, seines Vaters! Das gesamte Evangelium ist eine einzige Einladung hinein in diese Liebe des Vaters! So als sagte Jesus: „Was kümmert ihr euch so sehr um die Liebe dieser Welt, die doch vergeht und euch auf vielfältige Weise schadet! So wendet euch doch dieser Liebe Gottes zu!
Lasst euch von dieser Liebe lieben,
lasst euch von dieser Liebe das Leben erneuern, ein Leben in Fülle schenken, ein Leben, das euch selbst der Tod nicht rauben kann; lasst euch von dieser Liebe schön machen – so wie ich!
Lasst euch mit einer Schönheit beschenken, wie sie die Welt nicht geben kann.
Lasst euch von dieser Liebe mit einem Licht erleuchten, im Vergleich zu dem aller Glamour dieser Welt bloß Finsternis ist!“

Wie haben wir in der Lesung gehört: „Jesus hat dem Tod die Macht genommen
und uns das Licht des unvergänglichen Lebens gebracht
durch das Evangelium.“ (2Tim1:10)

Aber wie gelangen wir in diesen Schönheitssalon der Liebe Gottes: Die Türen, die dorthinein führen sind die Orte und Gelegenheiten, bei denen uns diese Liebe ungetrübt begegnet: Bei der hl. Messe, beim Lesen und Betrachten der hl. Schrift, im Sakrament der Vergebung, beim Beten, beim Dienst am Nächsten, beim Danken und beim Lobpreisen ob der Wunder der Schöpfung, beim Leiden mit Christus ...
Treten wir die Schwellen dieser Türen aus und lassen wir die ausgetrockneten Brunnen dieser Welt, die uns das Wasser des Lebens nicht geben können.

Hören wir auf Jesus!
Leben wir von seinem Wort!
Lassen wir uns die Augen unseres Geistes von ihm reinigen und werde wir so fähig, Gottes Herrlichkeit zu erkennen und in unserem Leben wider strahlen zu lassen, indem die Menschen unsere guten Werke sehen und den Vater im Himmel preisen. (vgl. Mt 5:16) Amen!

Donnerstag, Februar 07, 2008

Weg mit dir, Satan!


Das Evangelium Matthäus 4: 1- 11

1 In jener Zeit wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel in Versuchung geführt werden.

2 Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, bekam er Hunger.

3 Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.

4 Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.

5 Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel

6 und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich auf ihren Händen zu tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.

7 Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.

8 Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht

9 und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.

10 Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.

11 Darauf ließ der Teufel von ihm ab, und es kamen Engel und dienten ihm.




Begehen auf eigene Gefahr! Diese Warnung ist manchmal zu lesen, wenn ein gefährlicher Weg beginnt.
Auch wir haben am vergangenen Aschermittwoch den Weg der Fastenzeit begonnen: 40 Tage bis Ostern.
Von Jesus hören wir heute, er habe 40 Tage und 40 Nächte gefastet. Und dann von seiner Versuchung durch den Teufel.
Will dieses Evangelium eine Warnung für uns sein: Achtung, jetzt beginnt ein gefährlicher Weg? Begehen auf eigene Gefahr? Selbstverständlich nur unter der Voraussetzung, dass wir Christen und somit Jünger Jesu sind.
Sollten wir uns also überhaupt auf diesen Weg einlassen? Wir könnten ihn ja auch meiden.
Worauf könnten wir uns auf diesem Weg stützen? Was kann uns Mut machen, diesen Weg zu gehen?

Schauen wir auf Jesus! Es ist zwar kein Mensch bei ihm. Dennoch ist er nicht allein. Wir hörten es ja: Vom Geist wurde Jesus in die Wüste geführt. Wir müssen also diesen Geist Jesu bitten, dass er auch uns auf diesem Weg führe, uns durch diese Zeit hindurchführe. Wir müssen am Anfang dieses Weges energisch um diesen Geist bitten. Es ist derselbe Geist, der am Ende dieser österlichen Bußzeit auf die Jünger herabkommt. Diese ganze Zeit ist so von diesem Geist umschlossen. Vertrauen wir uns ihm an und bitten wir ihn: „Komm, Tröster, der die Herzen lenkt, du Beistand, den der Vater schenkt; aus dir strömt Leben, Licht und Glut, du gibst uns Schwachen Kraft und Mut!“ (Komm, Heilger Geist GL 241/2)
Kann denn ein Weg in die Irre gehen, auf dem dieser Geist uns lenkt?
Können wir einen Kampf verlieren, in dem dieser Geist uns Beistand ist?
Sollten wir den anstehenden Herausforderungen aus dem Weg gehen, wenn dieser Geist uns Kraft und Mut gibt?

Nicht nur der Geist ist bei Jesus. Er hat noch eine andere Stütze: Das Wort Gottes! Noch ehe er seine eigene Verkündigung beginnt, nimmt er das Wort Gottes in den Mund und begegnet jedes Mal genau damit den Versuchungen des Teufels.
Das Wort Gottes ist nicht eine weitere Waffe neben dem Geist. Vielmehr gibt ihm der Geist das Wort Gottes als Waffe gegen den Teufel in die Hand. Indem Jesus vom Wort lebt, das aus Gottes Mund kommt, wird deutlich, dass er vom Geist geführt ist.
Was will uns damit anderes gesagt sein, als dass wir uns auch um dieses Wort Gottes umsehen als Lebensmittel für diesen Weg.
Auf meinen zahlreichen Besuchen in meiner früheren Pfarre bekam ich immer wieder ein so genanntes „Bschoadpackel“ mit nach Hause: einen Kuchen, einen Brotlaib, Butter, Marmelade, Obst, oder ähnliches.
Mit dem heutigen Evangelium will der Herr uns das Wort Gottes als „Bschoadpackel“ für den Weg durch die Fastenzeit mitgeben. Es ist die Überlebensration für unser Christentum auf diesem Weg der Prüfung und der Versuchung und der Läuterung.
„Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade.“ (Ps 119:105)
„Wie lieb ist mir deine Weisung; ich sinne über sie nach den ganzen Tag. Dein Gebot macht mich weiser als all meine Feinde; denn immer ist es mir nahe.“ (Ps 119:97)
Diese Psalmenworte kannte Jesus und er wusste um die Kraft des Wortes Gottes, das er auf einmalige Weise als die Worte seines geliebten Vaters im Himmel erfahren durfte.
Leben auch wir von dem Wort, das aus Gottes Mund kommt: bei jedem Gottesdienst in Lesung und Evangelium, bei der privaten Lektüre der hl. Schrift und bei vielen anderen Gelegenheiten, wo dieses Wort Gottes uns ansprechen will.

So gestützt und gestärkt durch den Geist und das Wort Gottes können auch wir nach dem Vorbild Jesu die Begegnung mit dem Versucher wagen. Wir brauchen keine Angst vor ihm zu haben. Wir können uns gar auf ein Bibelgespräch mit ihm einlassen.
Was heißt das nun: Dem Versucher begegnen? Es heißt dem in unserem Leben zu begegnen, dorthin in unserem Leben zu schauen, wo wir versucht sind, dem Herrn nicht den ersten Platz, das erste Wort einzuräumen. Es heißt dem Unchristen oder dem Antichristen in uns zu begegnen – nicht zu einem gemütlichen Plausch, sondern um ihm den Garaus zu machen so wie Jesus ja auch dem Satan den Garaus gemacht hat, indem er ihm zurief: „Weg mit dir Satan!“ (Mt 4:10)
Es geht dabei um jene Punkte in unserem Leben, wo der Böse sich anklammert, um uns in seinen Bereich zu ziehen. Diese Anhaltspunkte des Bösen in uns müssen in diesen Tagen auf das Tapet; sie müssen zur Sprache kommen. Es geht nicht an, dass wir als Christen zwei Herren dienen: Gott und dem Bösen. (vgl. Mt 6:24) Als Christen gehören wir allein dem Herrn. (vgl. Röm 14:8) Deswegen kann das Ziel unseres Weges nur sein, dass uns nichts scheidet von der Liebe Gottes in Jesus Christus, unserm Herrn! (vgl. Röm 8:38f.) Amen!