Mittwoch, April 30, 2008

... wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen


Lesung aus der Apostelgeschichte 1: 1 – 11

1 Im ersten Buch, lieber Theophilus, habe ich über alles berichtet, was Jesus getan und gelehrt hat,
2 bis zu dem Tag, an dem er (in den Himmel) aufgenommen wurde. Vorher hat er durch den Heiligen Geist den Aposteln, die er sich erwählt hatte, Anweisungen gegeben.
3 Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen.
4 Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt.
5 Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft.
6 Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn: Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her?
7 Er sagte zu ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat.
8 Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.
9 Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken.
10 Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen
11 und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.




Der heutige Tag ist ein markanter Einschnitt im Leben Jesu: Sein Dasein als Mensch hier auf Erden geht zu Ende. Er kehrt heim zum Vater. Er wird vom Vater in den Himmel auf den Platz zu seiner Rechten erhoben – auf jenen Platz, der dem Sohn gebührt.

Wenn wir den Ort bedenken, an dem dies geschieht, gewinnen wir ein noch tieferes Verständnis von diesem Ereignis: Es ist der Ölberg. Von hier aus ist Jesus in einem Triumphzug in das irdische Jerusalem eingezogen (vgl. Mt 21:1-11parr). Jetzt zieht er in das himmlische Jerusalem ein. Vor vierzig Tagen wurde zeichenhaft vorweggenommen was nun in Herrlichkeit vollendet wird. Die große Menschenmenge ist jetzt nicht mehr da; an ihre Stelle tritt die unermessliche Schar der Engel, die den Sohn des lebendigen Gottes jubelnd willkommen heißen. Die Jünger waren vor vierzig Tagen dabei und sie sind jetzt dabei.

Diese 40 Tage erinnern an jene 40 Tage und 40 Nächte, die Jesus in der Wüste verbrachte (vgl. Mt 4:1f parr). In diesen Wüstentagen war Jesus allein; er bereitete sich auf seine Mission vor: nämlich das Reich Gottes zu verkünden.
Auch in diesen 40 Tagen hat Jesus sich vorbereitet auf seine Heimkehr zum Vater. Aber wie hat er sich vorbereitet? Er war nicht allein sondern immer mit seinen Jüngern beisammen. Das hört sich in der Apostelgeschichte so an:
„Er hat durch den Heiligen Geist den Aposteln, die er sich erwählt hatte, Anweisungen gegeben.
Er hat ihnen nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt;
Er ist ihnen vierzig Tage hindurch erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen.
Er gebot ihnen beim gemeinsamen Mahl: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt. Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft.“ (Apg 1:2b-5)

Wir sehen: Jesus zieht sich nicht zu 40tägigen Exerzitien zurück, um sich möglichst gut auf seine Himmelfahrt vorzubereiten.
Er ist vielmehr die ganze Zeit mit seinen Jüngern beisammen: Er beweist ihnen, dass er lebt; er hält mit ihnen Mahl und spricht zu ihnen vom Reich Gottes. Er sagt, dass sie mit dem Heiligen Geist getauft werden.
Er bereitet sich auf seine Himmelfahrt vor, indem er seine Jünger vorbereitet auf die Zeit danach, auf die Zeit des Geistes, auf die Zeit, in der er Kraft dieses Geistes auf eine je neue Weise unter ihnen sein und so sein Wort im Evangelium verwirklichen wird: „Seid gewiss, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt!“ (Mt 28:20) Er macht sich gar keine Gedanken über seinen Himmel – gerade so als fände er seinen Himmel darin, sich um den Himmel seiner Jünger zu kümmern, dass die nicht als Waisen zurückbleiben (vgl. Joh 14:18) sondern sich bereiten und öffnen können für den Geist, den er ihnen schenken wird.

Mit den Worten der 2. Lesung (Eph 1:17-23) kümmert sich Jesus als das Haupt um seinen Leib, die Kirche. Er will die Herzensaugen der Jünger erleuchten, damit sie verstehen, zu welcher Hoffnung sie durch ihn berufen sind, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes ihnen schenkt und wie überragend groß seine Macht sich an ihnen, den Gläubigen, erweist durch das Wirken seiner Kraft und Stärke. Er hat sie an Christus erwiesen, den er von den Toten auferweckt und im Himmel auf den Platz zu seiner Rechten erhoben hat.
Jesus gibt seinen Jüngern wie schon bei der Fußwaschung (Joh 13:1-17) erneut ein Beispiel, damit sie lieben wie er liebt.

So sagt er ihnen denn auch wie ihr Weg in den Himmel ausschauen soll; wie sich gleichsam ihre Himmelfahrt gestalten soll: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samárien und bis an die Grenzen der Erde.“ (Apg 1:8)
Oder mit den Worten des Evangeliums: „Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28:19f)

Wir wollen die Himmelfahrt Jesu mit großer Freude feiern darüber, dass er zum Vater heimgekehrt ist.
Wir wollen dieses Fest mit großer Dankbarkeit feiern, denn die Verheißung aus der 2. Lesung gilt auch uns und Jesus hat heute auch uns den Weg in den Himmel gewiesen als einen Weg zum Vater, bei dem er uns allen eine Wohnung bereitet hat. (vgl. Joh 14:2f)

Wir wollen dieses Fest als einen großen Aufbruch hin zu den Menschen feiern, denen wir die Frohbotschaft vom Reich Gottes verkünden sollen; denn es ist unser Himmel, dem wir zustreben. Meinen Himmel an den anderen vorbei gibt es nicht. Dieser Himmel wäre die Hölle.
Die Himmelfahrt Jesu können wir nur feiern als Glieder seines Leibes, der die Kirche ist. Und wir dürfen sie im festen Vertrauen feiern, dass auch wir zu der Herrlichkeit gerufen sind, in die Christus uns vorausgegangen ist. Amen!

Donnerstag, April 24, 2008

Ich bin im Vater - ich bin in euch!


Das Evangelium Johannes 14: 15 – 21

15 Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.

16 Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll.

17 Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.

18 Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch.

19 Nur noch kurze Zeit, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet.

20 An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch.

21 Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.



Auf einem Computer können wir nur in einem Programm arbeiten. Dieses müssen wir verlassen, wenn wir in einem anderen arbeiten wollen.

Bei Jesus ist das anders, wenn er heute sagt: „Ich bin in meinem Vater..... und ich bin in euch.“ (Joh 14:20) Jesus kann beides gleichzeitig: in seinem Vater sein und in uns sein! Er braucht den Vater unseretwegen nicht zu verlassen und uns braucht er wegen seines Vaters nicht zu verlassen. Warum kann Jesus das? Nun, einfach geantwortet: Weil Jesus keine Maschine ist! Noch einfacher: Weil er liebt – seinen Vater und uns Menschen! Und wir wissen ja aus eigener Erfahrung: wo ein Mensch liebt dort ist er! Wo sein Schatz ist, da ist auch sein Herz. (vgl. Mt 6:21) Sein Herz gehört ganz Gott und es gehört ganz den Menschen; es ist ganz offen für Gott und es ist ganz offen für uns Menschen. Weil es ganz offen ist für Gott, kann es ganz offen sein für uns; und weil es ganz offen ist für uns, ist es auch ganz offen für Gott. Das kommt daher, weil der Mensch das Programm Gottes ist und Gott das Programm des Menschen. Gott hat Jesus ja zu uns gesandt, um Mensch zu werden und uns so zu erlösen. Er erfüllt so das Programm, den Plan, den Willen Gottes. Gott ist aber auch das Programm des Menschen: Er ist das Ziel seiner Sehnsucht; die Vollendung seines Lebens, auf das alle seine Kräfte hinstreben. Wenn er dieses Ziel aus den Augen verliert, steigt der Mensch aus seinem Lebensprogramm aus und in ein Programm des Todes ein.

Jesus zeigt uns, wie die Welt Gottes und die Welt von uns Menschen in seinem Herzen Platz haben, weil sie aufeinander zugeordnet sind – und weil er einen besonderen Beistand hat, der sein Herz grenzenlos weit macht – für Gott und für uns Menschen.

Diesen Beistand will er vom Vater auch uns erbitten. Er nennt ihn den „Geist der Wahrheit“ (Joh 14:17); welcher Wahrheit? Dass Gott uns so sehr liebt, dass er seinen Sohn für uns hingegeben hat. (vgl. Joh 3:16) Der Wahrheit, dass unsere Seele unruhig ist bis sie Ruhe findet in Gott. (vgl. Augustinus, Confessiones 1) Der Wahrheit, dass wir in der Liebe zueinander das Gebot des Herrn erfüllen: „Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. (Joh 13:34)
Dieser Geist der Wahrheit steht uns gerade heute bei, damit wir als Bürger zweier Welten leben können – der himmlischen und der irdischen Welt. Die Gefahr ist groß, dass wir heute beide Welten verlieren und in eine tödliche Einsamkeit geraten. Geblendet vom Egoismus und verdorben vom Konsumismus sind wir nicht mehr fähig, Gott und die Menschen – einschließlich unser selbst – wahrzunehmen. Darum brauchen wir ja diesen Geist der Wahrheit so sehr, damit er uns beistehe, wenn wir eine Antwort suchen auf die Grundfragen: Woher kommt der Mensch? Wohin geht er? Wozu lebt er?

Auf diese Fragen geben die beiden Lesungen Antwort: Philippus verkündete in Samaria Christus und tat Wunder in der Befreiung Besessener und in der Heilung Kranker – er war mit dem Herrn und den Menschen in Berührung: er ist in Christus, indem er ihn verkündet; er ist in den Menschen, sodass er sie befreien und heilen kann. Die Liebe drängt ihn zu beidem! (vgl. Apg 8:5-7)

Oder Petrus und Johannes, die von Jerusalem nach Samaria kamen um sich am Werk zu freuen, das der Herr durch Philippus gewirkt hat und die nun dieses Werk durch die Firmung krönten; wir lesen von ihnen: Sie legten ihnen die Hände auf – sie sind in den Menschen – und beteten für sie – sie sind in Gott. Und Gott hört auf die Jünger und schenkt seinen Geist. (vgl. Apg 8:14-17)

Und dann in der 2. Lesung aus dem 1. Petrusbrief: Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn heilig – im Herrn sein – und seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt – in den Mensche sein. (vgl. 1 Petr 3:15)

Seht ihr, wie auch die Jünger die Worte Jesu mit Recht in den Mund nehmen können: Wir sind im Vater und wir sind in euch! Durch diese Jünger kam große Freude zu den Menschen; durch diese Jünger hat der Herr seinen Geist geschenkt.

Solche Menschen brauch die heutige Zeit: Menschen, die in Gott sind und die in ihren Mitmenschen sind; Menschen die Gott und ihre Mitmenschen lieben gerade so wie Jesus sie geliebt hat. Menschen, die offen sind auf beide Seiten hin – auf Gott und die Menschen, so dass durch sie Göttliches zu den Menschen und Menschliches zu Gott gebracht werden kann. Das sind jene Propheten, die den Menschen zum einen ihre Gottvergessenheit klar vor Augen halten und andererseits ihnen ihre Sehnsucht nach eben diesem Gott entdecken helfen. Diese Menschen beider Welten sind Mitarbeiter des Herrn an der Rettung dieser einen Welt, auf der wir alle leben. Amen!

Glaubt an Gott und glaubt an mich!


Das Evangelium Johannes 14: 1 – 12

1 Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich!
2 Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?
3 Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.
4 Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr.
5 Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin die gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?
6 Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.
7 Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.
8 Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.
9 Jesus antwortete ihm: Schon so lange bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater?
10 Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke.
11 Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenigstens aufgrund der Werke!
12 Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater.




Es ist die Stunde des Abschiedes von Jesus. Für die Jünger ein Anlass zu tiefer Sorge, zu Verwirrung, zu Panik. Es ist für sie nicht mehr vorstellbar, wie es ohne Jesus denn weitergehen soll. Ohne diesen Jesus, der sich durch seine Worte und seine Taten – also durch sein ganzes Leben so sehr in ihr Leben eingeprägt hat, dass sie sich dieses Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen können.
Jesus sieht diese Not seiner Jünger und er versteht sie. Darum bagatellisiert er ihre Ängste nicht, er nennt sie nicht Hasenfüße und Schlappschwänze und er weist sie auch nicht zurecht. Vielmehr fordert er sie zum Glauben auf – an ihn und an Gott! (vgl. Joh 14:1) Und um ihnen diesen Glauben zu erleichtern umschreibt er sein Scheiden durch Leid und Tod mit der Erzählung von seinem Heimgang zum Vater. Mit dieser Erzählung teilt er ihnen die tiefere Wahrheit mit, die sich mit dem Gewand des Leidens und des Sterbens am Kreuz umkleidet: Sein Kreuzweg und sein Sterben sind eigentlich eine Rückkehr, eine Heimkehr zu seinem Vater.
Des Weiteren fügt er an, dass dies für sie, für die Jünger geschieht, denn beim Vater wird er auch für sie eine Wohnung bereiten; (vgl. Joh 14:2) das Ziel seines Weges wird auch das Ziel ihres Weges sein: Auch sie sollen mit ihm beim Vater sein. Die Gemeinschaft, die sie jetzt noch haben wird erhöht beim Vater ihre Fortsetzung finden, um dann nicht mehr, nie mehr zu enden. Das Leiden und das Sterben, in das Jesus eingeht, kommen einer Läuterung ihrer Gemeinschaft mit Jesus gleich. Was soll aber bei den Jüngern geläutert werden? Nun, die Einsicht, dass die Gemeinschaft mit dem Herrn nicht von ihnen abhängt, nicht aus ihrer Kraft heraus ermöglicht wird. Sie müssen zur Erkenntnis gelangen, wie sehr sie allein von sich aus unfähig sind, bei Jesus zu bleiben: Judas durch seinen Verrat (vgl. Lk 22:48), Petrus durch sein Verleugnen (vgl. Mt 26:69-75), die Jünger, dass sie alle Jesus verlassen (vgl. Mt 26:56). Sie müssen zutiefst erfahren, dass das Beisammensein mit dem Herrn ein Geschenk seiner unergründlich liebenden Freundschaft ist.
Darum sagt er ja auch: „Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.“ (Joh 14:3) Durch sein Wiederkommen nach seiner Auferstehung werden diese Worte Wirklichkeit. Da gehen der Impuls und die Kraft und der Wille zur Gemeinschaft mit seinen Jüngern allein und einzig von ihm aus. Er ist es, der auf seine Jünger zugeht; er ist es, der sie erneut um sich versammelt, er stiftet erneut, was die Jünger für immer verloren glaubten: das Beisammensein mit ihrem Herrn! Er haucht ihnen seinen Geist ein, das beständige und ewige Band liebender Gemeinschaft mit ihm. (vgl. Joh 20:22)
Dass Jesus seine Jünger heimholt in die Wohnung, die er für sie beim Vater bereitet hat, geschieht also nicht erst am Ende ihres irdischen Lebens – gerade so, als wäre ihr Leben bis zum Zeitpunkt ihres Todes ein zielloses Umherirren auf Erden. Das Heimholen beginnt Jesus gleich nach seiner Auferstehung, indem er seine Jünger zur Gemeinschaft der Kirche um sich versammelt und sie mit seinem Geist beschenkt und erfüllt. In diesem Geist haben sie den Garant, den Weg zu den himmlischen Wohnungen nicht nur nicht zu verlieren sondern sie haben in diesem Geist jene Kraft, die sie das Sein beim Vater bereits in gläubiger Vorwegnahme feiernd und ergriffen erleben lässt. In der Kraft des Geistes sind sie auf Grund der Taufe und durch den Glauben bereits hier auf Erden Erben des Reiches Gottes und seine Hausgenossen. (vgl. Eph 2:19)
Seht ihr, und das dürfen auch wir nie vergessen!
Wir dürfen nie vergessen, dass auch unsere Gemeinschaft mit dem Herrn der leidvollen Reinigung bedarf. Auch wir werden immer wieder in Verwirrung, in Angst und in Panik geraten, weil wir glauben, der Herr wird oder hat uns verlassen. Solange wird dies der Fall sein als wir in unserm Wahn, alles machen zu können, ja, alles machen zu müssen, glauben, es hänge von uns ab, dass Gottesbegegnung gelinge: von unserer Zeit, von unserer Stimmung, von unserer Kraft, von unserer Gesundheit .... In dieser Haltung werden wir solange in Gottferne leben und unter ihr leiden, bis wir am Boden zerstört und am Ende unserer Kräfte den Herrn bitten: „O Gott, komm mir zu Hilfe! Herr, suche deine Magd, suche deinen Knecht. Komm und hilf mir, denn ohne dich kann ich nichts tun.“
Wenn wir so weit sind, sind wir reif dafür, dass der Herr uns als der Auferstandene wieder in seine Nähe ruft und Gemeinschaft mit uns stiftet; dass der Herr auch uns seinen Frieden schenken und uns mit seinem Geist erfüllen kann. Wir sind reif, mit der Herrengemeinschaft beschenkt zu werden.
Wir dürfen des Weiteren nicht vergessen, dass auch bei uns die Heimholung in die Wohnungen des Vaters durch Jesus seit unserer Taufe bereits voll im Gang ist. Und die schmerzliche Läuterung unserer Gemeinschaftsfähigkeit mit dem Herrn führt uns dazu, dass wir die Gelegenheiten, in denen Gott bei uns ist und wir bei Gott sind, in ihrem unermesslichen Wert immer tiefer erkennen und schätzen,
so dass es etwa undenkbar ist, die hl. Messe ganz zu versäumen oder auch nur eine Minute zu spät zu kommen;
dass es auch undenkbar ist, nicht unverzüglich alles liegen und stehen zu lassen, um zum Chorgebet, zur Betrachtung oder zum Rosenkranz zu eilen, sobald die Glocke ruft;
dass es undenkbar ist, bei der Beichte nicht wirklich alle Schuld zu bekennen und gerade das zu beichten, dessen man sich am meisten schämt.
Dass es schließlich undenkbar ist, die Begegnung mit dem Nächsten – gerade mit dem lästigen und unsympathischen – nicht als Begegnung mit dem Herrn zu feiern.

Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir. Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich fördert zu dir.
Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib dich ganz zu eigen dir, damit wir annehmen können, dass du uns durch deinen Sohn erlöst und als deine geliebten Kinder angenommen hast, denn du willst uns die wahre Freiheit und das ewige Erbe schenken. (vgl. Tagesgebet vom 5. Sonntag der Osterzeit) Amen!

Freitag, April 11, 2008

Die Stimme des guten Hirten


Das Evangelium Johannes 10: 1 – 10

1 In jener Zeit sprach Jesus:
Amen, amen, das sage ich euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber.

2 Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe.

3 Ihm öffnet der Türhüter, und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus.

4 Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus, und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme.

5 Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme des Fremden nicht kennen.

6 Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte.

7 Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen.

8 Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört.

9 Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.

10 Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.



„Die Schafe hören auf Stimme ihres Hirten; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus.
Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus, und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme.“ (Joh 10:3f)

Aus diesen Worten können wir erkennen, wie wichtig die Stimme des Hirten für die Schafe ist und wie notwendig, dass er mit seinen Schafen redet.

Schauen wir uns Beispiele an, in denen Jesus, der Hirte aller Hirten zu seinen Schafen redet und sie ruft.

1.) In der Apg 8:26-40 wird uns von Philippus erzählt, einem eben erst erwählten Diakon der Urkirche. Er wird auf eine Straße geschickt. Dort soll er sich einem begüterten Heiden anschließen, der gerade aus dem Propheten Jesaja liest aber das Gelesene nicht versteht. Philippus verkündet ihm nun ausgehend von diesem Prophetenwort das Evangelium von Jesus. An einer Wasserstelle halten sie und Philippus tauft den Heiden. Dann heißt es Apg 8:39: „Als sie aus dem Wasser stiegen, entführte der Geist des Herrn den Philippus. Der Kämmerer sah ihn nicht mehr, und er zog voll Freude weiter.“ Was ist hier geschehen? Der Neugetaufte sah den Philippus nicht mehr, weil er ganz von Jesus erfüllt war und nur mehr Augen für ihn hatte. Philippus hatte sein Werk erfüllt, indem er diesen Mann zu Jesus geführt hatte. Nun konnte er sich wieder zurücknehmen und anderswo das Evangelium verkünden. Jesus hat durch den Philippus den Heiden beim Namen und in seine Herde gerufen.

2.) Durch sein Verhalten erinnert Philippus an eine andere „Stimme,“ durch die Jesus seine Herde gerufen hat. Er erinnert an den, der sich selber die Stimme eines Rufenden in der Wüste nennt (vgl. Joh 1:23); er erinnert an Johannes den Täufer! Und auch ihm war es eine Ehre und eine Freude, Jesus Menschen zuzuführen; die Herde mit dem Hirten zusammenzuführen und vertraut zu machen. So hat er seine Jünger auf Jesus hingewiesen mit den Worten: „Seht das Lamm Gottes!“ Diese sind daraufhin Jesus gefolgt und dann bei ihm geblieben. (vgl. Joh 1:35-39) Und er hat auch die denkwürdigen Worte gesagt, als ihm erzählt wurde, welchen Zulauf Jesus hat: „Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der dabeisteht und ihm zuhört, freut sich über die Stimme des Bräutigams. Diese meine Freude ist nun erfüllt. Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ (vgl. Joh 3:23-36) Auch den Johannes zeichnet es aus, dass er bewusst Stimme ist, die auf Jesus hinweist und die zu Jesus hinführt, um dann zurückzutreten, zu verklingen und schließlich ganz zu verstummen.

Wie pervers sind doch nicht wenige, die ihren Auftrag, „Stimme des guten Hirten“ zu sein, missbrauchen und die Leute zu einer Fangemeinde um sich scharen und von sich abhängig machen – oft genug unter zu Hilfenahme fernöstlichen Gedankengutes und esoterischer Praktiken. Ein Jammer, mit ansehen zu müssen, wie diese Leute von Jesus weggeführt und von ihm fern gehalten werden. Auf diese Pseudohirten trifft das Wort Jesu zu: „Wehe euch! Ihr verschließt den Menschen das Himmelreich. Ihr selbst geht nicht hinein; aber ihr lasst auch die nicht hinein, die hineingehen wollen.“ (Mt 23:13)

3.) Dabei hat Jesus ja das allerbeste Beispiel gegeben! War er doch das Wort Gottes, das Mensch geworden ist und unter uns gewohnt hat (vgl. Joh 1:1-18) Seine Botschaft in Wort und Tat war ein einziger Hinweis, dass Gott sich wie ein guter Hirt seines Volkes angenommen hat (vgl. Lk 7:16) Was also antwortet Jesus seinen Jüngern als sie ihm frühmorgens an seinen Gebetsort nacheilen und ihn wissen lassen: „Alle suchen dich!“ Er antwortete ihnen: „Lasst uns anderswo hingehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen.“ (vgl. Mk 1:35-38)

So können wir abschließend sagen: Gute Hirten sind jene, die „Stimme des guten Hirten Jesu“ sind. Die mit ihren Worten nicht sich selber wichtig nehmen sondern einzig das Ziel haben, ihre Zuhörer mit Jesus bekannt zu machen, sich an der so geknüpften Freundschaft erfreuen und in dieser Freude ihre Erfüllung finden. So wollen wir denn allen, die im Namen Jesu gute Hirten sein wollen, die Worte des Apostels Petrus zurufen: „Sorgt als Hirten für die euch anvertraute Herde Gottes, nicht aus Zwang, sondern freiwillig, wie Gott es will; auch nicht aus Gewinnsucht, sondern aus Neigung; seid nicht Beherrscher eurer Gemeinden, sondern Vorbilder für die Herde! Wenn dann der oberste Hirt erscheint, werdet ihr den nie verwelkenden Kranz der Herrlichkeit empfangen.“ (1Petr 5:2-4) Amen!