Freitag, Mai 30, 2008

... denn es war auf Fels gebaut!


Das Evangelium nach Mt 7: 21 – 27

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

21 Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr! wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt.

22 Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, sind wir nicht in deinem Namen als Propheten aufgetreten, und haben wir nicht mit deinem Namen Dämonen ausgetrieben und mit deinem Namen viele Wunder vollbracht?

23 Dann werde ich ihnen antworten: Ich kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Übertreter des Gesetzes!

24 Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute.

25 Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es nicht ein; denn es war auf Fels gebaut.

26 Wer aber meine Worte hört und nicht danach handelt, ist wie ein unvernünftiger Mann, der sein Haus auf Sand baute.

27 Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es ein und wurde völlig zerstört.



Üblicherweise bekommt man mit jedem Gerät, das man sich besorgt, eine Gebrauchsanweisung mit, sei sie schriftlich oder mündlich. Und je komplexer das Gerät ist umso umfangreicher die Handreichung zur Verwendung. Und jede Firma, die was auf sich hält, gestaltet diese Einführung so umfangreich wie nötig und zugleich so einfach wie möglich.

Wenn nun schon beinahe jeder Waschlappen mit einer Anweisung versehen ist, wie er zu verwenden sei – darf man sich da wundern, dass der Herr im heutigen Evangelium seine Zuhörer aufklärt, wie in rechter Weise mit seinem Namen umgegangen werden soll?
Denn es fällt die Welt gewiss nicht zusammen, wenn man einen Waschlappen nicht richtig verwendet; beim Umgang mit dem Namen des Herrn geht es jedoch um das Eingehen in das Himmelreich. Man möge es mir nicht als Geschmacklosigkeit anrechnen, wenn ich es wage, einen Waschlappen neben den Namen des Herrn zu stellen – aber damit bin ich genau dort, wo der Herr auch ist; und ich lege meinen Finger genau auf das, was der Herr im heutigen Evangelium anspricht, wenn er sagt: „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr! wird in das Himmelreich kommen.“ (Mt 7:21)Denn die Leute, die der Herr mit diesen Worten anspricht, verwenden einen Waschlappen mit größerer Aufmerksamkeit als den Namen des Herrn! Was meine ich damit?

Nun, ich meine damit, dass der Herr im heutigen Evangelium ein tragisches Geschehen anspricht – das eben durch die genannte Unaufmerksamkeit dem Namen des Herrn gegenüber verursacht wird. Wenn wir nämlich die Worte des Herrn genau hören, bemerken wir, dass die Angesprochenen im Namen des Herrn als Propheten auftreten, dass sie im Namen des Herrn Dämonen austreiben, dass sie im Namen des Herrn Wunder tun – kurz und gut, dass sie im Namen des Herrn lauter Gutes tun. (Vgl. Mt 7:22) Dass sie dieses Gute aber anderen tun: wie vielen werden sie wohl durch ihr Prophezeien im Namen des Herrn zur Umkehr geholfen haben? Wie vielen werden sie wohl durch das Dämonen Austreiben eine neue Freiheit geschenkt haben? Wie viele werden sie wohl durch ihr Wunderwirken im Namen des Herrn angeregt haben, den Herrn zu lobpreisen. Wir können also wohl sagen: Sie haben im Namen des Herrn anderen viel Gutes getan! Sie selber aber kommen nicht ins Himmelreich! Ist das nicht in höchstem Maße tragisch? Das Heil, zu dem sie anderen verholfen haben bleibt ihnen selber verwehrt! Was ist da geschehen? Was haben sie mit dem Namen des Herrn gemacht, dass dies passieren konnte?
Nun, das konnte geschehen, weil sie den Willen von Jesu Vater im Himmel nicht erfüllt haben, wie Jesus selber sagt! (vgl. Mt 7:23)
Ja, war es denn nicht der Wille des Vaters, dass sie im Namen Jesu Gutes tun an den Menschen? Gewiss doch! Und das haben sie auch getan!
Aber es ist ebenso der Wille des Vaters, dass durch denselben Namen des Herrn auch ihnen selber Heil geschehe! Und genau das haben sie völlig vergessen! Sie haben es verabsäumt, sich selber dem Namen des Herrn zu unterstellen, den sie über anderen ausgerufen haben.
Wie ginge das?
Nun: Indem sie im Namen des Herrn anderen prophezeien, dass sie umkehren, hätten sie zugleich selber den brennenden Wunsch im Herzen tragen sollen: Herr, hilf auch mir zur Umkehr, denn ich bin womöglich ein noch größerer Sünder als jene, zu denen ich in deinem Namen rede!
Die Umkehr, die sie anderen predigen hätten sie noch vor diesen oder zumindest zugleich mit diesen auf sich nehmen sollen.
Oder wenn sie andere im Namen des Herrn von Dämonen befreit haben hätten sie im selben Augenblick den Herrn bitten sollen: Herr, schau auf mich und die Dämonen, die mich plagen; sie sind viel ärger, als jene, die ich gerade bei anderen austreibe! Wie du diese befreist so befreie auch mich!
Und die Wunder, die sie im Namen des Herrn gewirkt haben: Sollten sie selber nicht die allerersten sein, die sich dieser Wunder unwürdig wissen und sollten sie nicht als Allererste den Dank und den Lobpreis anstimmen und sich so als unwürdige Knechte äußern, die nur ihre Pflicht getan haben und völlig unverdient mit Wundergaben vom Herrn überhäuft wurden?

Hätten sie so gehandelt, dann wäre der Wille des Vaters im Himmel auch an ihnen geschehen in ihrer eigenen Umkehr, in ihrer eigenen Heilung und Befreiung, in ihrem eigenen Lobpreis – und die Türe zum Himmelreich wäre auch ihnen sperrangelweit offen gestanden.
Warum konnten sie nur auf so fatale Weise sich selber vergessen? Weil sie, beeindruckt von dem Großen, das Gott durch sie im Namen Jesu wirkte, blind geworden sind für die eigene Armseligkeit, für die eigene Sünde, die eigene Besessenheit. Sie wurden überheblich, dachten, sie seien was besonderes, stünden über den anderen. Sie haben vergessen, dass sie verwundete Ärzte sind und der Barmherzigkeit des Herrn, der Kraft seines heiligen Namens oft mehr bedürfen als jene Menschen, zu denen sie im Namen des Herrn gesandt sind.

Was will der Herr uns damit sagen? Dass wir zum Herrn besonders für jene beten, die in seinem Namen unter uns und an uns wirken! Sie mögen die Ersten sein, die unter allen Mächten im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen und mit ihrer Zunge bekennen: Herr ist Jesus Christus in der Herrlichkeit Gottes des Vaters! (Phil 2:10f.) Sie sollen immer zusammen mit uns danken, dass wir durch den Namen Jesu gerettet sind. Und zusammen mit ihnen mögen wir schon in diesem Leben die Seligkeit verkosten, die aus diesem Namen kommt und einst im Vaterhaus Gottes die Fülle der Freuden empfangen, die dieser Name verheißt. Amen!

Sonntag, Mai 25, 2008

Lernt von den Lilien des Feldes!


Das Evangelium nach Matthäus 6:24 – 34

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

24 Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.

25 Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung?

26 Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?

27 Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern?

28 Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht.

29 Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen.

30 Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!

31 Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen?

32 Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht.

33 Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.

34 Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage.




Es ist ein Zeichen der Freundschaft, wenn man ganz nahe sein will. Diese Freundschaft ist voll Erbarmen und Mitleid. Wir sind dieser Freundschaft begegnet als Jahwe sein Volk Israel aus Ägypten herausgeführt hat. Am brennenden Dornbusch hat sich Gott selber vor Mose zu dieser Freundschaft bekannt, als er ihm sagte: „Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen, und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne ihr Leid.“ (Ex 3:7)

Das heutige Evangelium können wir vom Standpunkt dieser Freundschaft aus sehen: Wie das Volk Israel von den Ägyptern werden die Jünger Jesus von den täglichen Sorgen um das Essen, das Trinken und die Bekleidung geplagt. Jesus sieht dieses Elend; er hört das Klagen darüber; er kennt das Leid seiner Jünger. Wie der gute Hirt geht er dem verlorenen Schaf nach, löst es aus dem Dornengestrüpp, legt es um seine Schultern und trägt es zur Herde zurück (vgl. Lk 15:4f.)

Der Freundschaftsdienst Jesu ist ein Dienst der Befreiung aus der unheilvollen Umklammerung durch die Sorgen des Alltags. Das Land der Verheißung, in das Gott seine Jünger, einem neuen Mose gleich, führen will ist nun aber nicht ein Land irgendwo auf Erden.
Dieses Land ist das Vertrauen auf den himmlischen Vater. Dieses Vertrauen ist immer und überall lebbar. Der Weg in dieses Land führt nicht über abstrakte Überlegungen sondern über erlebbare Bilder aus der natürlichen Umgebung; er führt über die Vögel des Himmels und über die Lilien auf dem Feld. Über diese Bilder möchte Jesus das Vertrauen auf ihren himmlischen Vater begründen, erneuern, vertiefen. Es ist nicht irgendein Vater; es nicht nur der Vater der Vögel und der Blumen; es ist nicht nur der Vater Jesu; es ist auch ihr Vater! Deswegen ist es nicht nur ein Vater, von dem alles Leben kommt; es ist der Vater, von dem auch ihr Leben kommt, weil dieser ihr himmlischer Vater weiß, dass sie das alles brauchen. Auf ihn sollen sie ihre Sorgen werfen, denn er kümmert sich um sie. (vgl. 1Petr 5:7)
So führt der Weg des Vertrauens die Jünger in das Reich dieses Vaters. Dabei geht ihnen auf, dass es wohl wichtig ist, sich um die täglichen Bedürfnisse für sich und andere zu sorgen – aber dieses Sorgen wird geprägt vom Vertrauen auf den immerwährenden, treu liebenden Beistand des Herrn. Das Sorgen wächst so aus dem Vertrauen heraus und kann sich in seiner eigentlichen Qualität – in der Liebe - entfalten.
Außerhalb dieses Vertrauens war die Sorge bewegt von der Angst.
In diesem Vertrauen kann die Liebe die Angst vertreiben (vgl. 1 Joh 4:18) und dem Frieden Raum geben, der nur dem Vertrauenden möglich ist. Das Vertrauen ist nicht mehr Alternative zur Sorge in Angst sondern Voraussetzung zum Sorgen aus Liebe.

Es ist dieses Sorgen aus Liebe, das Jesus das lebendige Wasser seines Evangeliums hineinfließen lässt in die alleralltäglichsten Sorgen unseres Lebens; und genau dort möchte er seine Jünger abholen, indem er sie im Vertrauen öffnet für das, was ihrer Sorge vor allem anderen Wert und Ziel sein möchte – für das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit: „ Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.“ (Mt 6:33)

Wann aber geht es uns um Gottes Reich und seine Gerechtigkeit? Hören wir eine Antwort aus dem Mund des hl. Johannes Chrysostomus, eines Vaters der Ostkirche: „Wer also glaubt, dass er durch die Vorsehung Gottes geleitet wird, der soll die Sorge um Essen, Trinken und Kleidung in die Hand Gottes legen. Er soll aber nachdenken über das Gute und das Böse. Wenn er sich darum nicht bemüht, wird er weder das Böse meiden noch das Gute erstreben. [...] Das Reich Gottes ist die Belohnung für gute Werke. Seine Gerechtigkeit aber ist der Weg der Frömmigkeit, auf dem man zu seinem Reiche kommt. [...] Wir werden aber nicht darüber Rechenschaft ablegen müssen, ob wir arm oder reich sind, sondern ob wir gut oder schlecht gehandelt haben, was ja in unserer Macht liegt. Schenke uns der Herr in seiner liebenden Vorsehung immer seinen Hl. Geist, dass wir diese unsere Macht nützen zu seiner Ehre und zu unserem Heil! Amen!

Dienstag, Mai 20, 2008

Engelspeis' auf Pilgerreis'


Das Evangelium Johannes 6: 51 – 58

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge:

51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt.

52 Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?

53 Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.

54 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag.

55 Denn mein Fleisch ist wirklich Speise, und mein Blut ist wirklich Trank.

56 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm.

57 Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.

58 Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die Väter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.



Dieses Brot sollst du erheben, / welches lebt und gibt das Leben, / das man heut‘ den Christen weist.

Diese Worte aus der Fronleichnamsequenz beschreiben sehr treffend den Inhalt des heutigen Festes: Wir erheben das Brot, zu dem Jesus gesagt hat: Das ist mein Leib! Wir erheben die Eucharistie. Mit diesem Erheben ist ein Hochhalten gemeint, damit es allen sichtbar werde. Dieses Hochhalten ist eine Einladung zur erneuten Wertschätzung, zur erneuten Verehrung dieses Brotes. Gerade unsere Zeit braucht dieses Erheben, weil sie gar so schnelllebig ist und auch Allerheiligstes in Gefahr gerät, zu selbstverständlich und in seinem wahren Wert verkannt und übergangen zu werden.
Das Erheben dieses Brotes geschieht gegen die Erhebung des Trivialen und Nebensächlichen, des Banalen und Oberflächlichen wie sie in unserer Zeit in einem bisher noch nie da gewesenen Ausmaß geschieht. Diese Erhebung des Nebensächlichen gibt vor zu antworten auf die Frage des Menschen nach dem einen Notwendigen. Sie gibt vor den Wunsch des Menschen nach Leben zu erfüllen – und kann es nicht! Sie verspricht in dem, was sie anbietet eine Fülle, die sie nicht geben kann, weil sie dieses Leben in Fülle nicht hat. Auf diese Lebensfülle könnte sie höchstens hinweisen; dann müsste sie das, was sie anbietet relativieren; aber das tut sie nicht; und so betrügt sie uns Menschen mit dem Irdischen um das Überirdische. Mit dieser Lüge treibt sie uns Menschen in eine Unersättlichkeit, die uns friedlos macht und uns Leben raubt. Denn sie bedeckt uns mit dem Irdischen, so dass wir das Himmlische nicht mehr sehen können und wir dem Irrtum verfallen, unsere Sehnsucht werde gestillt, je mehr wir vom den Dingen dieser Welt haben.
Das Erheben dieses Brotes ist ein völlig gewaltloses Aufstehen gegen diese Machenschaften des Trivialen. In seiner Schlichtheit, in seiner Einfachheit, in seiner Friedfertigkeit ruft es uns zu: Mensch, hier ist das, von dem du lebst! Hier ist Himmel in Erde! Hier ist Gott, der Herr im Brot! Hier geschieht das, was jedes Geschöpfliche eigentlich tun sollte: Dich mit dem Schöpfer zu verbinden und nicht, dich von ihm abzuhalten und von ihm zu entfernen.
Dabei wird nicht nur für den Körper die natürliche Ernährung durch das Brot in Erinnerung gerufen als ein Sinnbild für jegliche Nahrung.
Wir werden vielmehr eingeladen, den übernatürlichen Nährwert zu bedenken, mit dem Jesus dieses Brot ausgestattet hat. Dieser übernatürliche Nährwert wird durch den Glauben für uns greifbar und wirksam.
So heißt es dann in der Sequenz: Treu dem heiligen Befehle / wandeln wir zum Heil der Seele / in sein Opfer Brot und Wein.
Doch wie uns der Glaube kündet, / der Gestalten Wesen schwindet, / Fleisch und Blut wird Brot und Wein.
Was das Auge nicht kann sehen, / der Verstand nicht kann verstehen, / sieht der feste Glaube ein.
Unter beiderlei Gestalten / hohe Dinge sind enthalten, / in den Zeichen tief verhüllt.

Es kommt in diesem Geschehen ein bestimmtes Bestreben Gottes zum Ausdruck, das sich schon recht deutlich in der 1. Lesung ausdrückt: Das Streben, uns Menschen von der alleinigen Sättigung durch das Irdische zu lösen. Dadurch will der Herr uns sagen: Mensch, du bist zu groß, um allein mit Erde ausgefüllt zu werden; du hast eine Fassungskraft für mehr, für viel mehr; du bist des Himmels fähig. Dies wird allein schon dadurch ausgedrückt, dass der Mensch nicht wie die Tiere auf allen Vieren herumkriechen muss sondern dass er des aufrechten Ganges mächtig ist.
So haben wir in der Lesung gehört: „Durch Hunger hat er dich gefügig gemacht und hat dich dann mit dem Manna gespeist, das du nicht kanntest und das auch deine Väter nicht kannten. Er wollte dich erkennen lassen, dass der Mensch nicht nur von Brot lebt, sondern dass der Mensch von jedem Wort lebt, das aus dem Mund des Herrn hervorgeht.“ (Ex 8:3)
Verstehen wir nun die Erhebung dieses eucharistischen Brotes besser? Es ist die Erhebung unseres Herrn Jesus, der in dieser Gestalt uns ganz nahe sein will zu allen Zeiten an allen Orten; er möchte auf diese Weise immer und überall die Speise für uns sein, die uns göttliches Leben schenkt – ein Leben, wie es die Welt nicht geben kann. Indem wir den Herrn aber so erheben erlauben wir es ihm, dass er auch uns erheben kann, damit wir gemäß unserer Berufung als Menschen und als Christen uns dem Himmel öffnen können.
In diesem Sinne wollen wir die Sequenz zu Ende beten mit der Absicht, sie auch zu Ende zu leben: Seht das Brot, die Engelspeise! / Auf des Lebens Pilgerreise / nehmt es nach der Kinder Weise, / nicht den Hunden werft es hin!
Lang im Bild war‘s vorbereitet: / Isaak, der zum Opfer schreitet; / Osterlamm, zum Mahl bereitet; / Manna nach der Väter Sinn.
Guter Hirt, du wahre Speise, / Jesus, gnädig dich erweise! / Nähre uns auf deinen Auen, / lass uns deine Wonnen schauen / in des Lebens ewigem Reich!
Du, der alles weiß und leitet, / uns im Tal des Todes weidet, / lass an deinem Tisch uns weilen, / deine Herrlichkeit uns teilen. / Deinen Seligen mach uns gleich! Amen!

Montag, Mai 12, 2008

Gott ist dreifaltige Liebe


Das Evangelium Johannes 3: 16 - 18

16 Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass es seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.

17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.

18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.



Gepriesen sei der dreieinige Gott:
der Vater und sein eingeborener Sohn
und der Heilige Geist;
denn er hat uns sein Erbarmen geschenkt. (Eröffnungsvers zur Hl. Messe)

Mit diesen Worten wird der Gottesdienst am heutigen Hochfest eröffnet. Es ist ein Lobpreis, der Gott dargebracht wird, weil er uns sein Erbarmen geschenkt hat. Das Erbarmen kommt aus seinem Schoß, das heißt aus seinem Herzen, aus seinem Innersten. Dieses Erbarmen ist keine ideelle Regung Gottes sondern eine Kraft, eine Macht, die aus seinem Innersten herausdrängt auf uns Menschen zu, um Gestalt anzunehmen – eine Gestalt, die uns Menschen entspricht, die wir verstehen, begreifen, erleben, ertragen können; eine Gestalt, bei deren Ereleben es uns gut geht. Eine Gestalt, deren Wesen und deren Ausstrahlung Liebe ist – in all ihrer Leben begründenden und Leben erhaltenden Auswirkung. Das meint Gott, wenn er von sich selber in der Lesung spricht: „Jahwe ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue.“ (Ex 34:6) So beschreibt Gott sich selber. Und Moses nimmt diese Selbstdefinition Gottes ernst und bittet, dass sie Gestalt annehme: „Wenn ich deine Gnade gefunden habe, mein Herr, dann ziehe doch mein Herr mit uns. Es ist zwar ein störrisches Volk, doch vergib uns unsere Schuld und Sünde, und lass uns dein Eigentum sein!“ (Ex 34:9) Das Erbarmen des Herrn möge in der Weise Gestalt annehmen, dass ER mit seinem Volk ziehe und dass Israel sein Eigentum sein dürfe!
Ist das nicht wunderbar: Das Innerste Gottes entfaltet sich nach außen hin und erweckt in Mose das Bedürfnis nach der Nähe Gottes. Nicht wir haben Gott geliebt sondern Gott uns zuerst geliebt! (vgl. 1 Joh 4:10; 19) Er hat die Liebe zu ihm in uns geweckt; durch seine Sehnsucht nach uns Menschen hat er unsere Sehsucht nach ihm, dem lebendigen Gott zum Leben erweckt.

Es liegt in der glückseligen Logik dieses Prozesses, dass das Erbarmen Gottes mit uns Menschen so sehr nach Gestaltwerdung drängt, dass es selber Mensch wird und in diesem Menschen die Sehnsucht Gottes nach uns Menschen und die Sehnsucht von uns Menschen nach Gott seine unüberbietbare Verbindung und zugleich ihre Vollendung findet.
Das ist in Jesus Christus geschehen, der wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Davon redet das Evangelium: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass es seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.“ (Joh 3:16f.)
Die Atmosphäre dieses liebenden, erbarmenden Heilsgeschehens ist dermaßen dicht und menschlich unfassbar, dass sie in einer eigenen Gestalt Form annimmt – in der Gestalt des hl. Geistes: Von ihm ist die Rede bei der Empfängnis durch Maria, bei der Taufe im Jordan, bei seinem Wüstenaufenthalt, bei seinem Sterben am Kreuz.

Das ist es, was den Gott Abrahams, Jakobs und Isaaks, den Gott unseres Herrn Jesus Christus, den Gott, der uns seinen Geist schenkt, auszeichnet – und die Götter sämtlicher anderer Religionen, einschließlich der Religionen der Heutzeit als das bloßstellt, was sie wirklich sind: als Götzen, die den Menschen nicht Freiheit sondern Sklaverei, nicht Licht sondern Finsternis, nicht Heil sondern Krankheit, nicht Leben sondern Tod bringen.
Es ist sein unbedingter Wille nach Gemeinschaft in Liebe mit uns Menschen. Es ist seine unermüdliche Treue, diese Gemeinschaft durch alle menschliche Untreue hindurch immer wieder neu zu suchen und zu finden. Diese Treue ist wie Wasser, das immer wieder seinen Weg findet durch die Schlammlawinen der Untreue, mit der wir Menschen uns diesem Wasser der Liebe und des Lebens entziehen wollen. Diese Botschaft von Gottes liebender Gemeinschaft ist genau die erlösende Antwort auf die schreckliche Einsamkeit, in die zahllose Menschen durch ihren Götzendienst geraten sind. Diese Botschaft offenbart einen Gott, der aus der majestätischen Distanz, wie die jüdische Religion sie empfindet, heraustritt, um uns Menschen zu unserer Erlösung ganz nahe zu kommen und der sich nicht wieder nach dem Glauben des Islam in die erhabene und kühle Ferne zurückzieht – gerade so, als bereute er das Abenteuer mit uns Menschen, weil er sich vielleicht die Hände dabei verbrannt hätte!

Wir sind für ihn keine heiße Kartoffel sondern „wir sind (s)ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit wir die großen Taten dessen verkündet, der uns aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat“ (1 Petr 2,9). Wir können wie das jüdische Volk sprechen – freilich durch Christus unendlich begründeter: Welche große Nation hätte Götter, die ihr so nah sind, wie Jahwe, unser Gott, uns durch Christus nah ist, wo immer wir ihn anrufen? (vgl. Dtn 4,7) Näher kann Gott uns Menschen nicht mehr kommen als durch die Menschwerdung seines Sohnes.
Diesem Gott gehört die Zukunft, weil ihm auch die Vergangenheit und die Gegenwart gehört. Der Glaube an ihn ist das Lebenselixier für das Menschengeschlecht. Und die Gemeinschaft, die auf diesen Glauben baut; die Gott durch Jesus Christus gegründet hat – die Gemeinschaft der Kirche – ist die wirkliche Heimat aller Völker, aller Menschen, der sie im Grunde ihres Herzens zustreben. Nur ist vielen Menschen dieser Herzensgrund noch verhüllt, verschüttet, verbaut. Beten, lieben und wirken wir, dass sie ihn so bald wie möglich entdecken; seinen wir dankbar, jetzt schon zu dieser Gemeinschaft zu gehören und hören wir nicht auf in dieser Gemeinschaft den dreifaltigen Gott zu loben und zu preisen – den Vater mit seinem eingeborenen Sohn und dem heiligen Geist, denn er hat uns wirklich Erbarmen geschenkt für Zeit und Ewigkeit. Amen!

Donnerstag, Mai 08, 2008

Empfangt den Heiligen Geist!


Lesung aus der Apostelgeschichte 2: 1 – 11

1 Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort.

2 Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.

3 Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.

4 Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.

5 In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.

6 Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden.

7 Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden?

8 Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören:

9 Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien,

10 von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten,

11 Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.


Das Evangelium aus Joh 20: 19 – 23


19 Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!

20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.

21 Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

22 Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!

23 Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.




Es ist in den Lesungen nicht zu übersehen, dass von ein und demselben Ereignis, das wir heute feiern, in verschiedener Weise berichtet wird: Die Mitteilung des Hl. Geistes an die Jünger wird in der 1. Lesung als eine Ausgießung in Feuer und Sturm beschrieben (Apg 2:1-11) während sie im Evangelium als eine Eingießung in der persönlichen Begegnung mit Jesus erfolgt. (Joh 20:19-23) Hier geschieht dieses Ereignis im Rahmen einer intimen Begegnung mit dem Herrn in der verborgenen, stillen Abgeschiedenheit eines verschlossenen Raumes dort im Rahmen eines effektvollen, gewaltigen Events, der die Massen anzieht. Bei diesen zwei so verschiedenen, ja scheinbar gegensätzlichen Ereignissen ist doch der eine und selbe Geist am Werk und es sind bei beiden Ereignissen auch dieselben Jünger, die von diesem Geist erfüllt werden.

Diese unterschiedliche Erzählung vom Ereignis der Geistgabe an die Jünger wird uns nicht überliefert, um uns zu verwirren. Vielmehr will sie uns über die Art und das Wesen dieses Geistes aufklären.

Was nämlich in der einen Geschichte als ganz persönliche Gabe, als Herzgabe Jesu, dargestellt wird, erscheint in der anderen Geschichte vermittelt durch Feuer und Sturm als Gabe des Gottes Israel, der sich seinem Volk am Berg Sinai durch Feuer und Sturm in den 10 Geboten mitteilte.
Von diesem Geist bekennen wir deshalb im großen Glaubensbekenntnis: „Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht.“ Der Heilige Geist kommt aus dem Herzen Jesu gleichermaßen wie aus dem Innersten des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs. In der Gabe dieses Geistes an uns sind sich der Sohn und der Vater eins; sie sind dabei ein Herz und eine Seele!
So bezeichnet Jesus diesen Geist einmal als Gabe des Vaters: „Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“ (Joh 14, 26). Und an anderer Stelle nennt er ihn eine Gabe, die er, Jesus, senden wolle: „Wenn aber der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis für mich ablegen.“ (Joh 15,26)

Blicken wir nun von der Seite der Jünger die verschiedene Darstellung dieses einen Ereignisses an. Im Evangelium bekommen sie den Hl. Geist in einer persönlichen Begegnung mit Jesus geschenkt – im Gespräch mit ihm, in der Mahlfeier. Sie bekommen ihn, damit er ihr Herz mit Freude erfülle. Wir können die betende und Eucharistie feiernde Kirche in diesen Jüngern erkennen. Die Gemeinde, die sich in der Eucharistie und im Gebet um den Herrn versammelt um so seinen Wunsch zu erfüllen: Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch; denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun. (vgl. Joh 15:4.5)
In der Apostelgeschichte bekommen sie diesen Geist geschenkt als Gabe für andere, als Gabe, die sie nicht für sich behalten dürfen. Wir erkennen in dieser Jüngerschar die evangelisierende, missionarische, aktive Kirche. Jene Kirche, die bereit ist, den Auftrag des Herrn zu erfüllen: „Geht hinaus in alle Welt und verkündet allen Geschöpfen das Evangelium.“ (Mk 16:15)

Beides gehört wesentlich zusammen: Die betende und feiernde Kirche kann nicht anders – sie drängt hin zur Evangelisierung, zur Mission, zur Aktion. Und die Kirche in der Verkündigung, in der Auseinandersetzung mit den Sorgen und Nöten der Menschen kann dies nur fruchtbringend tun als betende und Eucharistie feiernde Kirche. Der Hl. Geist verwurzelt die Kirche untrennbar in Christus und durch Christus in Gott. Und derselbe Geist drängt die Kirche zur Verkündigung des Evangeliums um Jesu Willen. Darum ist es auch unmöglich, in dem Geist, den wir heute feiern, zu sagen: Jesus ja, Kirche nein! Wer so spricht und denkt, ist nicht vom Geist des Herrn erfüllt sondern von der menschlichen Seite der Kirche völlig in Beschlag genommen und verblendet. Wie kann man denn auch trennen, was Gott durch seinen Geist unlösbar verbunden hat!?

Abschließend noch ein letzter Gedanke: Beim Lesen der Geistausgießung in der Apostelgeschichte wird offenbar, dass der Geist des Herrn in aller Öffentlichkeit und machtvoll wirken will – durch die Menschen, die er innerlich ergreift und antreibt.

Derselbe Geist wirkt aber auch im Verborgenen, im Stillen, im Geheimen, im Unscheinbaren, im Alltäglichen. Darüber werden wir wohl erst erfahren wenn wir vor dem Angesicht des Herrn stehen und aus dem Buch des Lebens lesen.
Wir dürfen jedoch für das Leben hier auf Erden gewiss sein,
dass der Geist Gottes in seiner Machtfülle da ist in jedem kleinen Dienst, den wir tun und der von anderen womöglich noch verkannt wird;
dass dieser Geist in seiner Weisheit da ist, wenn wir uns für uns selber und für andere um die rechte Entscheidung und den rechten Weg in unserem Leben bemühen.
Dass dieser Geist da ist mit seinem ganzen Trost bei jedem stillen und einsamen Gebet, das wir vor dem Herrn aussprechen.

Dieser Geist gibt dem Volk, das ihm vertraut, das auf seine Hilfe baut, seine Gaben zum Geleit.
Er lässt es in der Zeit bestehn, seines Heils Vollendung sehn und der Freuden Ewigkeit. Amen! Halleluja!

Freitag, Mai 02, 2008

Sie verharrten einmütig im Gebet


Lesung aus der Apostelgeschichte 1: 12 – 14

12 Als Jesus in den Himmel aufgefahren war, kehrten die Apostel vom Ölberg, der nur einen Sabbatweg von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück.

13 Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben: Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, der Zelot, sowie Judas, der Sohn des Jakobus.

14 Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern.



Die Atmosphäre der ersten Lesung ist bemerkenswert. Alle Jünger, die Mutter Jesu und etliche andere Bekannte des Herrn versammeln sich in einem Obergemach zu beharrlichem Gebet. Im Vergleich zu den dramatischen Ereignissen vorher im Zusammenleben mit Jesus, und nachher durch die Geistausgießung und die darauf folgende Ausbreitung der Jesusgemeinde ist die Situation der heutigen Lesung einer Windstille, einer Flaute vergleichbar.

Doch hat diese stille Zeit ihren Sinn und ihre verborgene Kraft. Mündet doch in diese stille, zurückgezogene Zeit des gemeinsamen und beharrlichen Betens alles, was zuvor mit Jesus geschehen ist. Und aus dieser Verborgenheit und Zurückgezogenheit quillt dann das Folgende hervor wie eine Quelle aus dem verschwiegenen und geheimnisvollen Quellgrund. Ich meine, diese betende Gemeinschaft ist dabei, das Geschehene zu verdauen und sich auf das Kommende vorzubereiten. Sie tut dies, obwohl sie das Vergangene nicht in seiner ganzen Tiefe ergründen kann und obwohl sie nicht weiß, was auf sie zukommt. Sie kann den Worten ihres Herrn und Meisters nur entnehmen, dass etwas geschehen wird – aber was, das weiß sie nicht.

Uns passiert es doch auch immer wieder, dass Bewegendes in unserem Leben geschieht: eine große Freude etwa oder viel Leidvolles. Dann ist es gewiss auch in unserem Leben sinnvoller innezuhalten und zu schauen und zu hören, was da geschehen ist; diesem Geschehen in unserem Leben bewusst Raum geben; diese Ereignisse sich anzueignen; anzunehmen, dass sie nun zu mir gehören, dass sie Bestandteil meines Lebens sind. Dieses Innehalten zu unterlassen und gleich weiterzulaufen ist entweder Anzeichen von Angst, die davonläuft vor Unangenehmem oder es ist Anzeichen von Unfähigkeit, das Leben zu genießen. Dieses Innehalten, dieses Hören und Schauen, dieses „in die Tiefe Gehen,“ dieses begreifen und erfassen Wollen – das hat mit Beten zu tun, ob wir uns dessen nun bewusst sind oder nicht. Das Verhalten der ersten Jüngergemeinde gibt Anstoß dazu, dieses Verweilen nach Ereignissen in unserem Leben wieder neu zu üben. Und Übung wird es wohl bei den allermeisten von uns sein, weil wir dieses Verweilen so gar nicht gewohnt sind. Allein schon deswegen, weil der Rhythmus und das Tempo der heutigen Zeit immer mehr zur Eile drängen. Innehalten und Verweilen – das bedeutet nur Zeitverlust und ist daher unproduktiv.

Und weil wir heute gerade den Welttag der sozialen Kommunikationsmittel begehen – diese sozialen Kommunikationsmittel werden leider auch dazu missbraucht, eilige und daher oberflächliche Menschen aus uns zu machen, wobei das Soziale, das mit anderen Menschen Verbindende, natürlich auf der Strecke bleibt.

Dabei haben es diese Mittel durchaus auch in sich, Gemeinschaft zu bilden und zu fördern und sie können auch gut anregen zum Verweilen, zum Innehalten, zum Hören und zum Schauen. Es hängt im Umgang mit diesen Mitteln von uns ab, ob wir wirklich Hören und Schauen wollen, ob wir wirklich in die Tiefe dringen wollen – oder ob es uns nur darum geht, für kurze Zeit unseren Leidenschaften die Zügel schießen zu lassen und unsere Triebe zu befriedigen. In diesem Sinn werden die Kommunikationsmittel in unserem Herzen sozial oder unsozial, Leben fördernd oder tödlich.

Nun, die Jüngerschar in der ersten Lesung hat kein Fernsehen und kein Radio, das sie im Obergemach versammelt. Das tut bei ihnen die Erinnerung an den gemeinsamen Herrn und das Hören auf sein Wort, mit dem er sie zum Warten auffordert, bis er ihnen den Beistand, den Heiligen Geist senden werde. Der werde ihnen dann sagen, was weiter zu tun sei.

Und dieses Warten auf den Beistand, der ihnen sagen wird, was weiter zu tun sei, dieses Warten ist die zweite große Stärke jener stillen Verborgenheit, in die die Jüngerschar in der heutigen Lesung sich zurückgezogen hat. Dieses Warten ist ein erwarten Können, ein sich beschenken lassen Können; es zeugt von einer Haltung, die nicht gleich alles selber machen will, die eigenmächtig handelt; dieses Warten zeugt von Ehrfurcht vor der Zukunft, von Verantwortung für die Zukunft, von der Ahnung, dass ein Alleingang in die Zukunft ohne die Hilfe von Oben zu keinem guten Ende führt. Bedenken wir doch einmal, wie notwendig dieses warten Können etwa für uns ist im Hinblick auf die Zukunft unserer Schöpfung; wo zeigt sich da bei uns die Ehrfurcht und die Verantwortung?

Auf die Fürsprache der Gottesmutter und der Apostel schenke der Herr uns jene Liebe sowohl zu Vergangenem wie auch zu Künftigem, die uns innehalten, schauen und hören lässt, in der wir erwarten können, was auf uns zukommt und in der wir uns beschenken und helfen lassen durch den Heiligen Geist, mit dem der Herr auch uns erfüllen will. - Amen!