Samstag, Juni 28, 2008

In Jesu Liebe ein Herz und eine Seele!


Das Evangelium aus Matthäus 16:13 – 19

13 Als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für wen halten die Leute den Menschensohn?

14 Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten.

15 Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich?

16 Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!

17 Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.

18 Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.

19 Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.




Die Frage: Was hältst du von mir? Was bedeute ich dir? Steht in unserem menschlichen Zusammenleben immer am Beginn einer Beziehung. Jede Freundschaft, jede eheliche Beziehung aber auch jede Feindschaft lebt davon, was wir voneinander halten, wer wir füreinander sind.
Die Frage: Für wen hältst du mich? Was bedeute ich dir? Halte ich für einen ganz wichtigen und notwendigen Anlass, um meine freundschaftliche Beziehung zu meinem Partner zu prüfen. Mit dieser Frage an meinen Partner beginnt nicht nur die Freundschaft; mit ihr wird die Freundschaft auch am Leben erhalten und ganz bewusst in das Licht der Aufmerksamkeit gestellt. Wir sollten einander immer wieder diese Frage stellen; das bewahrt unser Zusammenleben vor Verflachung und Versteinerung und gibt ihm Tiefe und Lebendigkeit.
Diese Frage kann ich übrigens auch an mich selber stellen: Für wen halt ich mich selber? Was bedeute ich mir selber? Welche Wertvorstellung habe ich von mir selber?
Was nämlich mein Nächster und ich selber mir bedeuten, das gibt meinem Leben Richtung, Form, Ordnung. Das können wir täglich in unserem Leben beobachten.

Mit dieser Frage hat übrigens auch die Ordnung unserer Kirche begonnen. Jesus stellt sie im heutigen Evangelium seinen Jüngern: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ (Mt 16:15)

So, wie Jesus diese Frage stellt, erwartet er eine andere Antwort als von den Leuten, die ihn für Johannes den Täufer, für Elias oder sonst einen Propheten halten. Für diese Leute ist Jesus nur eine Kopie von großen Leuten der Vergangenheit; ein Abklatsch von Dagewesenem – um es grob zu sagen.

Von seinen Jüngern erwartet Jesus eine andere, eine besondere Antwort auf diese Frage, da sie ja auch in einer anderen, in einer besonderen Nähe zu ihm leben. Und Petrus gibt diese andere Antwort, indem er sagt: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.“ (Mt 16:16) Tina Turner würde diese Antwort mit ihrem Lied „The Best“ geben: „Du bist einfach der Beste,“ würde sie zu Jesus sagen, „besser als der Rest; besser als alle, denen ich bisher begegnet bin.“
Mit dieser Antwort hat die Kirche begonnen; denn diese Antwort hat den Simon zum Felsen – zu Petrus – gemacht; und auf diesen Felsen hat Jesus seine Kirche gebaut. Die Kirche hat mit dieser Antwort zu leben begonnen. Und diese Antwort ist es auch, die sie am Leben erhält.
Darum ist diese Antwort nach wie vor aktuell; und es ist nach wie vor aktuell, dass auch wir uns dieser Frage stellen, die Jesus an seine Jünger richtet: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Du aber, für wen hältst du mich?
Mit unserer Antwort steht und fällt unsere eigentliche Zugehörigkeit zu Kirche. Diese Antwort ist wichtiger als unser Kirchenbeitrag. Die Antwort auf diese Frage Jesu muss uns bewegen oder abhalten, den Gottesdienst besuchen. Wenn hinter meiner Religion nicht meine Antwort auf diese Frage steht – dann ist meine Religion nur mehr leere Tradition und lästige Pflichterfüllung. Meine Antwort auf diese Frage Jesu an mich ist der Lebensatem meines katholischen Glaubens und meiner christlichen Religion.

Nachdenklich stimmt mich auch, dass Jesus den Simon zum Petrus – zum Felsen seiner Kirche macht – bloß auf Grund dieses Bekenntnisses. Da ist keine Rede davon, ob Petrus sich bisher korrekt und integer verhalten hat und ob er das wohl auch künftig hin tun werde. Und selbst nach seiner feigen Verleugnung (Mt 26:69-75) hat Jesus die Worte an Petrus im heutigen Evangelium nicht zurückgenommen: er hat ihn vielmehr in seinem Amt bestätigt (Joh 21:15-17), nachdem Petrus sein Verhalten bereut und beweint hat.

Bei Paulus kommt es noch dicker daher: Über den Christushasser und Christenverfolger Saulus sagt Jesus in einer Vision zu Hananias: „Dieser Mann ist mein auserwähltes Werkzeug: Er soll meinen Namen vor Völker und Könige und die Söhne Israels tragen. Ich werde ihm auch zeigen, wie viel er für meinen Namen leiden muss.“ (Apg 9:15f.) Und Paulus selber weiß ganz genau, dass er sich diese Berufung nicht verdient hat: „Ich danke dem, der mir Kraft gegeben hat: Christus Jesus, unserem Herrn. Er hat mich für treu gehalten und in seinen Dienst genommen, obwohl ich ihn früher lästerte, verfolgte und verhöhnte. Aber ich habe Erbarmen gefunden, denn ich wusste in meinem Unglauben nicht, was ich tat. So übergroß war die Gnade unseres Herrn, die mir in Christus Jesus den Glauben und die Liebe schenkte. Das Wort ist glaubwürdig und wert, dass man es beherzigt: Christus Jesus ist in die Welt gekommen, um die Sünder zu retten. Von ihnen bin ich der erste. Aber ich habe Erbarmen gefunden, damit Christus Jesus an mir als erstem seine ganze Langmut beweisen konnte, zum Vorbild für alle, die in Zukunft an ihn glauben, um das ewige Leben zu erlangen.“ (1Tim 1:12-16) Es ist wirklich nicht verwunderlich, was Jesus dem Paulus schließlich bedeutet: „Für mich ist Christus das Leben und Sterben Gewinn!“ (Phil 1:21)

Ich bin froh, dass Jesus in Petrus und Paulus keine perfekten Menschen zu Felsen seiner Kirche gemacht hat. Die Hirten, die die Kirche gerade heute braucht, müssen demütige Hirten sein;
Hirten, die sich von Jesus immer wieder fragen lassen, was er ihnen bedeutet und für wen sie ihn halten;
Hirten, die in Beantwortung dieser Frage ein Leben der Umkehr und der Erneuerung führen.
Solche Hirten sind nämlich erst in der Lage, ihre Schwestern und Brüder im Glauben zu stärken.
Beten für unsere Seelsorger und in diesen Tagen besonders für unsere Neupriester, damit sie Hirten nach dem Vorbild der beiden Apostel Petrus und Paulus werden. Amen!

Freitag, Juni 20, 2008

Fürchtet euch nicht vor den Menschen!


Das Evangelium nach Matthäus 10: 26 – 33

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln:

26 Fürchtet euch nicht vor den Menschen! Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird.

27 Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet am hellen Tag, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet von den Dächern.

28 Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.

29 Verkauft man nicht zwei Spatzen für ein paar Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters.

30 Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt.

31 Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.

32 Wer sich nun vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen.

33 Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.





„Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann“ (Mt 10,28).

Menschenfurcht ist ein Übel, das wohl keinem von uns unbekannt ist. Sie rührt daher, dass wir auf unsere Mitmenschen fixiert sind und es uns sehr wichtig ist, was sie von uns empfinden, was sie über uns denken, wie sie von uns reden. Sie hilft mit, unser Bedürfnis nach Anerkennung, nach Harmonie, nach Liebe zu befriedigen. Sie ist verbunden mit einer Scheu vor allem, was diese Befriedigung verhindert. Diese Fixierung auf das Urteil anderer geht bisweilen so weit, dass wir auf uns selber vergessen und auf das, was wir selber eigentlich fühlen, denken, reden und tun möchten. Und was noch schlimmer ist: diese Fixierung auf unsere Mitmenschen lässt uns auch auf Gott vergessen und auf das, was er möchte, dass wir denken, reden und tun!
Wenn wir in unserem Leben beobachten, wie zwingend und beherrschend Menschenfurcht sein kann, dann werden wir uns gewiss nicht wundern, dass Jesus im heutigen Evangelium mit einem starken Geschütz dagegen auffährt. Er verschreibt als Medizin gegen die Menschenfurcht die Gottesfurcht: „Fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann!“ (Mt 10,28b)
Welch ein Heilmittel! Die Furcht vor Gott soll die Furcht vor den Menschen austreiben!? Spontan möchten wir meinen: Hier wird der Teufel durch den Teufel ausgetrieben. Und wir fragen uns: Ist Furcht vor Gott nicht ein viel schlimmeres Übel als Furcht vor den Menschen?
Wenn wir jedoch bedenken, aus wessen Mund dieses Wort über Gott kommt, dann sollte uns das nachdenklich machen. Der so spricht ist nämlich Jesus selber, der Sohn eben dieses Gottes, vor dem zu fürchten er uns nahe legt. Es ist derselbe, der an anderer Stelle im Evangelium sagen wird: „Niemand kennt den Vater nur der Sohn!“ (vgl. Mt 11:27) Wenn uns also Jesus selber zur Gottesfurcht rät, dann muss da was dran sein; dann sollten wir nicht voreilig darüber hinweggehen; dann sollten wir vielmehr darüber nachsinnen und uns fragen: Was ist denn mit dieser Gottesfurcht eigentlich gemeint? Erleuchten mag uns bei diesem Fragen und Suchen der Geist Gottes selber, der ja auch der Geist der Gottesfurcht ist. (vgl. Jes 11:2)

Wenn wir das Wort Jesu im Vorspruch genauer lesen, dann begreifen wir, dass Jesus da von der Möglichkeit spricht, dass Gott Seele und Leib ins Feuer der Hölle stürzen kann. Das heißt, Gott kann nicht nur ewiges Leben schenken, er kann auch zu ewigem Verderben verdammen. Gott ist nicht einer, der automatisch nur Gutes produziert. Er ist keine Maschine, aus der nur Gutes hervorkommt – egal, was man in sie hinein gibt. Erinnern wir uns an uns selber: Haben wir nicht die Wahl, uns für oder gegen Gott zu entscheiden? Und gehört diese Wahl nicht wesentlich zu unserer Freiheit? Und besteht nicht in dieser Freiheit der eigentliche Wert unseres Liebens?
Und Gott? Sollte er diese Wahl nicht haben dürfen? Sollte er sich nicht auch für oder gegen uns entscheiden dürfen? Sollte er nicht frei sein dürfen? Sollte er nicht echt lieben dürfen?
Wer sind wir denn eigentlich, dass wir Gott absprechen, was wir uns selbstverständlich zugestehen – nämlich die Freiheit zu lieben?
Haben wir uns eigentlich schon einmal mit dem Gedanken befasst, Gott könnte sich auch davor fürchten, dass wir uns gegen ihn entscheiden? Oder ist Gott bereits für uns ein dermaßen seelen-, herz-, und lebloses Wesen geworden, dass wir ihm nicht nur die Freiheit und das Lieben sondern auch jegliches Empfinden abgesprochen haben?
Wie aber sollte von einem solchen Gott dann noch jene Lebensfülle kommen können, die unser Herz mit unaussprechlichem Glück erfüllt!?
Womöglich wusste Jesus um diese Furcht Gottes vor unserer Ablehnung; womöglich wollte Jesus seinem Vater diese Furcht ersparen, so dass er völlig gehorsam ward gegenüber dem Willen seines Vaters. Weil er liebte, wusste er um diese Furcht; weil er liebte, wollte er seinem Vater diese Furcht ersparen – wenigstens in seinem Fall!
Und wie war denn das bei Jesu Sterben am Kreuz? Als er sich total von seinem Gott verlassen fühlte – war da nicht auch die Furcht dabei, von seinem Vater mit Leib und Seele in das Verderben der Hölle gestürzt zu werden? Denn was anderes sollte die Hölle sein, als das Verlassensein von Gott – zumal für Jesus?! (vgl. Mt 26:47; Ps 22:2)

Gerade aber in der Auferstehung Jesu wird deutlich, dass die Entscheidung Gottes für das Leben fällt und gegen den Tod, für unser Heil und gegen unser Verderben, für den Himmel und gegen die Hölle.
Jesus hat aber auch gezeigt, dass er an diese Entscheidung Gottes glaubt, dass er diesem Gott des Lebens bedingungslos vertraut. Und diesen Glauben, dieses Vertrauen hat er durch sein Leben bestätigt. Denken wir nur an seine Versuchung in der Wüste, denken wir an die Bedrängnis durch seine Feinde, denken wir an die Mühseligkeit mit seinen Jüngern denken wir an sein Leiden und Sterben – viele Male hätte er zu diesem Gott nein sagen können – und er hat Ja gesagt, Ja bis zum letzten Atemzug.
Die Gottesfurcht lässt Gott seine Freiheit und bedenkt die Möglichkeit der eigenen Verdammnis; sie vertraut aber darauf, dass die Güte Gottes ohne Grenzen ist; sie nützt diese grenzenlose Liebe Gottes nicht aus sondern müht sich, ihr zu entsprechen durch ein Leben, das diese Liebe beantwortet im Lobpreis, im Dank und im Bestreben, diese Liebe weiter zu schenken an die Mitmenschen.
Die Gottesfurcht zittert vor der Allmacht Gottes und weiß sich doch zugleich ganz geborgen in der Allgüte des himmlischen Vaters, der die Haare auf unserem Kopf alle zählt, dem wir mehr wert sind als viele Spatzen (vgl. Mt 10:30f.) und der uns so sehr liebt, dass er seinen einzigen Sohn für uns dahingibt, damit wir durch ihn Leben haben – Leben in Fülle! (vgl. Joh 10:10)

Freitag, Juni 13, 2008

Arbeiter für seine Ernte


Das Evangelium nach Matthäus 9:36 – 10:8

In jener Zeit,

36 als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben.

37 Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter.

38 Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.

1 Dann rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen.

2 Die Namen der zwölf Apostel sind: an erster Stelle Simon, genannt Petrus, und sein Bruder Andreas, dann Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und sein Bruder Johannes,

3 Philippus und Bartholomäus, Thomas und Matthäus, der Zöllner, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Thaddäus,

4 Simon Kananäus und Judas Iskariot, der ihn später verraten hat.

5 Diese Zwölf sandte Jesus aus und gebot ihnen: Geht nicht zu den Heiden, und betretet keine Stadt der Samariter,

6 sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.

7 geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe.

8 Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.



Jesus sieht, wie die Menschen müde und erschöpft sind. Hätte er nicht kurzerhand diesen Missständen abhelfen können durch sein machtvolles Wirken? Das Mitleid mit diesen Menschen bewegt ihn "bloß" dazu, seine Jünger auf dieses Elend aufmerksam zu machen, auch sie sollen es sehen und – beten: „Bittet den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden!“ (Mt 9:38) Das erscheint ein bisschen dürftig angesichts der tristen Situation.
Wenn wir zudem die Erschöpfung und die Müdigkeit unzähliger Menschen heute bedenken, dann könnte man geradezu versucht sein, energisch zu fordern: Beten ist hier zu wenig! Hier muss etwas getan werden!
Nichtsdestoweniger glaube ich, dass Jesus im heutigen Evangelium nicht nur die Müdigkeit und Erschöpfung der Menschen gesehen hat, die damals um ihn herum waren; ihn hat das Elend aller Menschen zu allen Zeiten im Herzen bewegt. Und ich bin gewiss, dass er heute auch uns auffordern würde: Bittet den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden!
Dieses Bittgebet hat nämlich einen tiefen Sinn. Es soll uns klar machen, dass nicht wir die Letztverantwortlichen sind für all diese Menschen, sondern der Herr der Ernte, nämlich Gott! Und dass darum auch nicht wir allein dieser Not abhelfen müssen! Ein derartiges Beten ist für uns ein befreiendes, ein entlastendes Gebet und zudem ein Beten, das uns einfügt in das umfassende Heilswirken Gottes an den Müden und Erschöpften dieser Welt.

Es ist nämlich bezeichnend, dass er dieselben Jünger, die er zuvor zum Bittgebet auffordert, dann auch zu sich ruft, um sie mit jener Kraft zu beschenken, die der Not der Menschen abhilft: „Und Jesus gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen.“ (Mt 10:1)
Das bedeutet für uns: Das Bittgebet um Arbeiter für die Ernte des Herrn muss verbunden sein mit unserer Bereitschaft, sich vom Herrn rufen zu lassen, damit der uns dann ausstatten und befähigen kann für die Arbeit in seiner Ernte. Wir können wohl sagen: Dieses Bittgebet muss uns die Einsicht eröffnen in jene Vollmacht, die der Herr uns gegeben hat, damit wir als Arbeiter in seiner Ernte jener Not begegnen können, die wir als solche entdeckt habe. Ich meine, Jesus möchte uns sein Mitleid schenken; und dieses Mitleid bewegt nicht nur den Mund zum Gebet sondern auch die Hände zum Helfen.

Der Ruf zur Arbeit für die Ernte des Herrn ergeht nicht allgemein sondern an ganz konkrete Personen, an Leute, die einen Namen haben, an Menschen wie du und ich. Wir müssen also fest damit rechnen, persönlich angesprochen zu werden für diesen Dienst und niemand darf sich wundern, wenn er sich so beim Namen gerufen erlebt. So gezielt wie der Ruf so gezielt ist auch die Sendung: es ist eine Sendung zu den Verlorenen. Die sollen merken, dass da jemand für sie da ist, sich um sie kümmert – nicht, um sie noch mehr in die Verlorenheit zu stoßen sondern um sie daraus zu befreien.

Und dann erneut der Auftrag des Herrn an seine bevollmächtigten Jünger zum Reden und zum Handeln: „Verkündet: Das Himmelreich ist nahe.“ (Mt 10:7) Und dann auf dem Fuße: „Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus!“ (Mt 10:8) Wort und Tat sind immer beisammen . Niemals darf die Umsetzung des Wortes in das Leben fehlen; niemals auch die Erklärung der Tat durch das Wort. Beides zusammen in gegenseitiger Ergänzung und Erklärung ist ein Kennzeichen für Jesu Wirken und folglich auch für das Wirken seiner Jünger. In diesem Auftrag wird auch klar, was Jesus mit dem Himmelreich meint: es bedeutet Heil an Leib und Seele bereits hier auf Erden. Vertröstungen auf ein besseres Jenseits sind hier nicht gemeint sondern dass die Menschen aus ihrer jeweiligen Erschöpfung und Müdigkeit herausgeführt werden - dadurch beginnt sich das Himmelreich, das Jesus meint, abzuzeichnen.

Und dann vernehmen wir mit Staunen, wozu die Jünger befähigt wurden: Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Ich möchte diese Fähigkeiten in keiner Weise abschwächen, indem ich sage, das ist unmöglich, dass ein Mensch das kann und ich dann diese Aussagen symbolisch deute. Damit soll uns schlicht und einfach gesagt sein: Gott teilt seine Macht mit uns Menschen, damit wir Gutes tun; Gott schenkt uns Anteil an seiner Machtfülle, die ein Segen ist für uns Menschen. Wir müssen erst einmal realisieren, was das für uns bedeutet, was uns da für Möglichkeiten in die Hand gegeben sind. Und es sage mir niemand: für so was bin ich zu minder, denn Jesus hat seine Jünger ausnahmslos mit diesen Fähigkeiten ausgerüstet – auch den Judas, der ihn später verraten hat.
Evangelien wie das heutige lassen mich betroffen bedenken, dass in uns Christen recht eigentlich ein Riese schlummert, der einzig durch unseren Kleinglauben zu einem Zwergendasein verurteilt wird. Wir hätten die Macht, das Himmelreich auf dieser Welt zu errichten und wir tun es nicht; es ist das eine Tragik der Sünde, die allein Gott lösen kann.
Diese Machtfülle braucht nun aber niemand überheblich zu machen; sie ist nämlich im Grunde eine Dienstfülle, bestimmt einzig und allein dazu, denen zu dienen, die in Not sind. Sie ist nicht da, um den Jüngern Macht, Ehre und Reichtum zu verschaffen, sie ist vielmehr da, dass die Müden und Erschöpften und Verlorenen erfahren dürfen: Wir haben einen Hirten, der wirklich für uns da ist. Tun auch wir das Unsere dazu, dass es von diesen Hirten immer genügend gibt. - Amen!

Freitag, Juni 06, 2008

Da stand Matthäus auf und folgte ihm!


Das Evangelium Matthäus 9: 9 – 13

In jener Zeit

9 sah Jesus einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Matthäus auf und folgte ihm.

10 Und als Jesus in seinem Haus beim Essen war, kamen viele Zöllner und Sünder und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern.

11 Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen?

12 Er hörte es und sagte: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.

13 Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.



Jedes Gefäß dient in der Regel dazu, damit es gefüllt wird. Nun gibt es für Christen keine wertvolleren Gefäße, als jene, die uns der Herr in seinem Evangelium reicht. Sei es, dass wir Kostbares daraus entnehmen sei es dass wir unseren Geist hinein gießen – beides gereicht uns zum Heil, hier auf Erden bereits und erst recht im Himmel!

So wollen wir uns in dieser zweifachen Haltung des Gebens und Nehmens in das heutige Evangelium vertiefen, in dem Jesus ein Meisterstück gelungen ist. Ich meine damit die Berufung des Matthäus in seine Nachfolge. Bündig berichtet der Evangelist seine eigene Berufung: „Als Jesus weiterging, sah er einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Matthäus auf und folgte ihm.“ (Mt 9:9) Das klingt so einfach, wenn – ja, wenn da nicht diese andere Geschichte vom dem jungen Mann wäre, den Jesus auch eingeladen hat, ihm zu folgen – der dies aber nicht geschafft hat; er ging vielmehr traurig weg, denn er hatte ein großes Vermögen. Darauf sagt Jesus zu seinen Jüngern: „Amen, das sage ich euch: Ein Reicher wird nur schwer in das Himmelreich kommen. Nochmals sage ich euch: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ (Mt 19, 23f.)
Nun, Matthäus war gewiss kein Armer: Er hatte ein Haus, wie wir heute hören und konnte es sich leisten, zusammen mit Jesus, seinen Jüngern und mit vielen Zöllnern und Sündern ein Mahl zu halten. Kein Tagelöhner könnte sich so was leisten!
Warum war dem Matthäus anscheinend so leicht möglich, was der junge Mann nicht geschaff hat, nämlich sich von seinem Reichtum zu lösen und Jesus nachzufolgen?
Der junge Mann konnte wohl im Blick zurück auf sein Vermögen nicht erfassen, welchen Reichtum ihm die Nachfolge Jesu erschließt.
Wogegen es dem Matthäus im Blick voraus auf die Nachfolge Jesu ein Leichtes war, sein Vermögen hinter sich zu lassen. Ihm ist es gelungen, sich nach dem auszustrecken, was vor ihm lag und so das zu vergessen was hinter ihm liegt. (vgl. Phil 3,13)
Es ist in der Nachfolge Jesu immer der Blick auf den Herrn, der es ermöglicht, dass wir von IHM dermaßen ergriffen werden, dass uns nichts mehr von ihm fernhalten, nichts mehr von ihm scheiden kann. Denn im Blick auf Jesus können wir alles überwinden durch ihn, der uns liebt. Und mit Paulus und Matthäus können auch wir sagen: „Ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ (Röm 8, 37ff.)
Es ist dieser Blick auf Jesus, der den Matthäus erkennen hat lassen: Das ist der Schatz im Acker, der es wert ist, alles zu verkaufen um diesen Acker zu erwerben. (vgl. Mt 13, 44) Und so wird sich Matthäus gedacht haben: Was werd ich mich noch weiter mit dem Münzenkram der Leute plagen, wenn mir Jesus doch unvergleichlich wertvollere Schätze zu bieten hat.
Und tatsächlich scheint Jesus auch so gedacht zu haben, denn er hat Matthäus keineswegs mit der Verwaltung der Jüngerkassa betraut, wie wir an seiner Stelle synergetisch getan hätten. Die Jüngerkassa hatte ein anderer über, wie wir an einer anderen Stelle erfahren. (vgl. Joh 12:6; 13:29)
Jesus hat die Fähigkeit des Matthäus, zu sammeln und zu horten in eine ganz andere Richtung gelenkt: Die Schätze, die Matthäus sammelt sind die Worte und Taten Jesu, die er dann äußerst kunstvoll zu einem Evangelium komponiert. Daran können wir erkennen, dass Jesus in seiner Nachfolge die Fähigkeiten seiner Jünger keineswegs vernichtet. Was er vernichtet ist sehr wohl die verkehrte Ausrichtung unserer Begabungen; diese selber aber veredelt er, indem er sie auf ein wertvolles Ziel ausrichtet; und dieses Ziel kann bei Jesus freilich nur das Reich Gottes und das Heil von uns Menschen sein.

Es wird dem Matthäus wohl so ähnlich ergangen sein, wie dem lahmen Bettler, der an der Schönen Pforte des Tempels bettelte: Er erwartet von Jesus Geld zu bekommen. Aber Jesus sieht ihn an und sagt: Silber und Gold besitze ich nicht! Doch was ich habe, das gebe ich dir: Steh auf und folge mir nach! Das hat eingeschlagen: Jesus braucht ihn gar nicht mehr an der Hand zu nehmen, wie Petrus den Gelähmten! Von alleine stand Matthäus auf und folgte ihm! (vgl. Apg 3, 4-8)

In einer Zeit, wie unsere auf das Geld versessen, ist das heutige Evangelium wirklich eine befreiende Botschaft, die starke Hoffnung gibt. Die Hoffnung nämlich, dass der Herr auch heute Menschen mitten aus dem Geldsumpf herausrufen kann. Dass für Jesus keine Zeit so schlimm sein kann, ihm so fremd, dass Menschen nicht von seinem Blick getroffen, von seiner Stimme aufgeweckt und von seiner Nähe berührt werden könnten. Ja es sind gerade Zeiten, in denen die Sünde mächtig ist, besondere Zeiten des Herrn, Zeiten nämlich, in denen seine Gnade übermächtig wird! (vgl. Röm 5, 20)

Jesus hat einmal gesagt: Sorgt euch nicht um euer Leben! Ängstigt euch nicht! Euch soll es um das Reich Gottes gehen; dann wird euch das andere dazugegeben. (vgl. Mt 6, 31 – 34)

Darum beten wir: Gott. Wir fürchten, wenn wir uns auf dich einlassen, wird unser Leben noch schwerer; wenn wir uns für deine Sache mühen, kommen wir selber zu kurz. Mach uns frei von der Angst. Lass uns auf Jesus blicken, gib uns Freude an deinem Reich und lass uns erfahren, dass dir allein die Zukunft gehört. Das gewähre uns durch Crhistus, unsern Herrn! Amen!