Samstag, Juli 26, 2008

... und kaufte den Acker


Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 13: 44 – 52

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge:

44 Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker.

45 Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte.

46 Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie.

47 Weiter ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Netz, das man ins Meer warf, um Fische aller Art zu fangen.

48 Als es voll war, zogen es die Fischer ans Ufer; sie setzten sich, lasen die guten Fische aus und legten sie in Körbe, die schlechten aber warfen sie weg.

49 So wird es auch am Ende der Welt sein: Die Engel werden kommen und die Bösen von den Gerechten trennen

50 und in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen.

51 Habt ihr das alles verstanden? Sie antworteten: Ja.

52 Da sagte er zu ihnen: Jeder Schriftgelehrte also, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, gleicht einem Hausherrn, der aus seinem reichen Vorrat Neues und Altes hervorholt.




Wenn Jesus vom Himmelreich redet, dann spricht er von einer unergründlichen Wirklichkeit, die wir nur teilweise erfassen können. Deshalb kann Jesus sich auch nicht mit nur einem Gleichnis vom Himmelreich begnügen sondern er erzählt deren mehrere; heute sind es drei Bilder, in denen er uns das Himmelreich nahe bringen möchte: Der Schatz im Acker; die kostbare Perle; das Fischernetz.

Bei allen drei Gleichnissen heißt es zudem nicht: Das Himmelreich ist der Schatz im Acker oder die kostbare Perle oder das Netz voller Fische. Jesus setzt das Himmelreich nicht einer fixen Größe gleich.
Vielmehr sagt Jesus: Mit dem Himmelreich ist es wie ... und dann erzählt er eine Kurzgeschichte, in der ein Prozess abläuft.

So gehört zum ersten Gleichnis vom Himmelreich nicht nur der Schatz dazu sondern auch der Acker, in dem der Schatz verborgen ist. Es gehören zudem der Finder dazu und sein Umgehen mit dem glücklichen Fund.
Himmelreich ist also nicht nur das Finden eines unermesslichen Schatzes sondern auch das Aneignen dieses Schatzes – und zwar ein rechtmäßiges Aneignen, so dass der Schatz wirklich ganz dem Finder zu eigen ist und er ihn gleichsam mit gutem Gewissen genießen kann: das bedeutet, dass er nicht den Schatz sondern den Acker kauft, in dem er den Schatz gefunden hat.
Und last but not least gehört zum Himmelreich dazu, dass beim rechtmäßigen Erwerben des Schatzes der glückliche Finder alles verkauft, was er besaß.
Jedes Gleichnis enthält eine Schule des Himmelreiches, in der wir lernen können, was das Himmelreich für uns bedeuten und wie wir in rechter Weise mit ihm umgehen bzw. wie das Himmelreich recht mit uns umgehen kann.
So ist das Himmelreich etwas unermesslich Wertvolles, das in etwas verborgen ist, was ihm scheinbar widerspricht und wir gar nicht mit „Himmelreich“ verbinden – in unserem Fall der Acker.
Nun können wir den Schatz des Himmelreiches aber nur im „Unschatz“ des Ackers erwerben. „Acker“ bedeutet Mühe, Plage, Arbeit, Leiden, Kreuz, Sterben. In all dem Schweren entdecke ich nun einen Schatz – der für mich aber erst zugänglich wird, indem ich mir den „Acker“ ganz aneigne; Jesus würde sagen, indem ich „täglich mein Kreuz auf mich nehme – und ihm so folge“ (Lk 9:23) Dies bedeutet: In den Acker eindringen, in den Alltag und seine Mühen, seine Verletzungen – und dort den Schatz zu finden und zu genießen, nämlich die Gemeinschaft mit Jesus, die Nähe zu ihm, die Freundschaft mit ihm. Es gilt den Acker zu schätzen um des Schatzes willen, den er birgt.

Genau das hat Marthe Robin gemacht: Sie lebte von 1902-1981, war eine Bäuerin, die seit dem Alter von 18 Jahren bis zu ihrem Tod mit 78 Jahren, bettlägerig war. 1929 empfing sie die Stigmata, und lebte viele Jahrzehnte nur von der Kommunion. Sie gründete die „Foyers,“ was soviel wie „Feuerherde der Liebe“ bedeutet. „Foyers“ sind Gemeinschaften von Priestern und Laien, die durch ihr Leben des Gebetes und der Arbeit Zeugnis geben. Marthe Robin hat in ihrem Bauernhof mehr als 100.000 Personen empfangen und einige der bedeutendsten Persönlichkeiten ihrer Zeit gekannt. Durch ihren Rat, ihre Tröstungen und Ermutigungen, hat sie das Leben von Hunderten von Menschen verändert. Die Gründer einiger neuer geistlicher Bewegungen in der katholischen Kirche kannten sie, und holten bei ihr Rat.

Wir können sagen, Marthe Robin hat täglich den Acker gekauft und so den Schatz erworben, der darin vergraben war. Sie hat den Schatz für sich und die Vielen erworben, die zu ihr kamen um Beistand, Kraft und Rat für die Wege ihres Lebens.
Erleuchtet und gestärkt vom Wort des Herrn und vom Beispiel der Marthe Robin wollen auch wir den unermesslichen Schatz entdecken, der im Acker unseres Lebens verborgen ist. Unverzüglich, mutig und entschlossen wollen wir alles geben, um den Acker zu kaufen, der den Schatz des Himmelreiches enthält, die Freundschaft mit unserem Herrn Jesus Christus, der gelobt sei in alle Ewigkeit! Amen!

Montag, Juli 21, 2008

Lasst beides wachsen bis zur Ernte!


Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 13: 24 – 30

In jener Zeit

24 erzählte Jesus der Menge das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte.

25 Während nun die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging wieder weg.

26 Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein.

27 Da gingen die Knechte zum Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Weizen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut?

28 Er antwortete: Das hat ein Feind von mir getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen?

29 Er entgegnete: Nein, sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus.

30 Lasst beides wachsen bis zur Ernte. Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, werde ich zu den Arbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündeln, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune.


Unkraut im Acker oder im Garten! Wen hat das nicht schon beschäftigt, der Anbau betreibt im Kleinen oder im Großen? Wer et was hält auf seinen Garten ist hin und hin beschäftigt, Unkraut auszujäten, sobald es sich zeigt. Undenkbar, dass er wartet bis zur Erntezeit. Das Unkraut würde ja dem guten Gewächs die Kraft nehmen; darum muss es heraus – so schnell wie möglich. Wer heute also einen Garten beim Haus hat, wird sich gewiss in den Reihen jener Knechte wieder finden, die das Unkraut sogleich ausreißen gehen wollen.

Der Herr im Gleichnis sagt jedoch: Nein!
Nicht weil er zu faul zum Jäten wäre – diese Arbeit würden sowieso seine Knechte machen;
auch nicht weil man das Unkraut nicht von der Saat unterscheiden könnte und man deshalb versehentlich Weizen für Unkraut und umgekehrt halten könnte;
sondern aus Rücksicht auf den Weizen: Sie könnten zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen ausreißen! Der Weizen soll ganz ausreifen können bis zur Ernte! Lasst beides wachsen bis zur Ernte!
Diese Geduld ist nicht Schwäche, die sich des Bösen nicht erwehren kann; die um das Böse gar nicht weiß. Der Herr im Gleichnis weiß um das Unkraut und woher es kommt.
Diese Geduld kommt von der Liebe zum Guten. Das Gute soll in keiner Weise beeinträchtigt werden – auch nicht durch den Eifer, der das Böse vorzeitig ausrotten will.

Das Gleichnis des heutigen Evangeliums hat mit unserem Leben mehrfach zu tun. Es will uns sagen, dass das Reich Gottes nicht nur mit Weizen sondern auch mit Unkraut zu tun hat.
Unsere Kirche ist auf das Reich Gottes hingeordnet und auch sie hat mit guter Saat zu tun und auch mit Unkraut. Mit Unkraut plagen wir uns etwa wenn in unserer Pfarre oder in unserer Kirche etwas geschieht, das unserem religiösen Empfinden zuwiderläuft. Unkraut wird uns aber auch über die Medien zum Teil sogar genüsslich dargeboten, wenn von Konflikten und von Fehlhaltungen in unserer Kirche des Langen und Breiten berichtet wird. - Nun, wie umgehen damit?
Unkraut darf beim Namen genannt werden. Doch mit dem Ausreißen Vorsicht! Es könnte Gutes zu Schaden kommen. Dieses Gute übersehen wir bisweilen im Übereifer.
Wir vergessen, dass unsere erste Aufgabe nicht die ist, das Unkraut auszurotten.
Unsere erste Aufgabe ist es, das Gute zu sehen, zu fördern, zu bewahren.
Nicht unsere Abneigung gegen das Ungute soll zuerst wachsen, sondern unsere Zuneigung zum Guten. Das will uns der Herr im Gleichnis durch sein Verhalten sagen.

Wie also wird das Unkraut vernichtet?
Indem die gute Saat über alles geliebt wird. In dieser Liebe zum Guten hat das Böse dann nicht mehr die Spur einer Chance. Denn das Böse und sein Einfluss leben alleweil von der Aufmerksamkeit, die ihm geschenkt wird. Durch unsere Aufmerksamkeit auf das Gute wird das Böse machtlos.

In der vorrangigen Aufmerksamkeit auf die gute Saat werden wir auch jenen Zeitpunkt erwarten, den der Herr als Ernte bestimmt hat und das ist dann die Stunde der Klarheit darüber, was nun guter Weizen und was Unkraut ist.

Die Haltung des Herrn im heutigen Gleichnis können wir wohl noch besser mitvollziehen, wenn wir uns selber, unser Herz, unser Leben als jenen Acker anschauen, in den sowohl der Herr gute Saat wie auch sein Feind Unkraut gesät hat. Denn in der Tat ist auch bei uns Weizen neben Unkraut vorzufinden und beides wächst und beides ist auch bei uns nur zu oft untrennbar verbunden. Denn bei wem ist es noch nie geschehen, dass sich seinem besten Wollen auf einmal zweifelhafte und dunkle Absichten beimengen – oft ohne, dass er dies bemerkt? Später erst wird ihm das Unkraut bewusst, das sich auf einmal unter seinem Weizen befindet.
Und auch hier: Geduld, wachsen lassen bis zur Ernte – aus Liebe zur guten Saat. Dieses Zuwarten bietet uns selber und anderen die Chance, dass das Böse durch das Gute besiegt wird.

So wollen wir beten:
Heiliger Gott du allein bist der Richter über Gut und Böse. Hilf uns, dass wir nicht über andere urteilen und gib uns die Kraft, uns für das Gute zu entscheiden. Durch Christus, unseren Herrn. – Amen!

Und der Samen fiel ...


Das Evangelium nach Matthäus 13: 1 – 9

1 An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees.

2 Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich; die Leute aber standen am Ufer.

3 Und er sprach lange zu ihnen in Form von Gleichnissen. Er sagte: Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen.

4 Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg, und die Vögel kamen und fraßen sie.

5Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war;

6 als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte.

7 Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen, und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat.

8 Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach.

9 Wer Ohren hat, der höre!



Jesus erzählt gern Geschichten. In diesen Geschichten gelingt es ihm, seine Botschaft den Menschen nahe zu bringen. Die Anschaulichkeit einer Geschichte hilft uns ihre Botschaft zu verstehen.

Mit der heutigen Geschichte will Jesus uns sagen, dass die Worte, die Gott zu uns spricht, nicht selbstverständlich bei uns ankommen. Der Weg des Wortes Gottes zu uns ist ein abenteuerlicher und gefährlicher Weg. Jesus hat sich diesen Weg zu uns von einem Sämann seiner Zeit abgeschaut. Er hat bemerkt, dass nicht jedes Samenkorn in fruchtbare Erde fällt.

Was die Worte, die Gott zu uns spricht angeht, betreffen übrigens auch die Worte, die wir einander zusprechen; auch da ist es oft alles andere als von vorn herein ausgemacht, dass unsere Worte nach unseren Vorstellungen ihr Ziel erreichen. Oft genug werde sie nicht gehört; und wenn gehört, dann falsch verstanden. So dass im schlimmsten Fall das Gegenteil von dem geschieht, was wir durch unser Wort beabsichtigten.

Doch kehren wir zum Wort Gottes an uns zurück und zu dem Weg, den es geht, bis es zu uns kommt.

Es gibt da zwei hauptsächliche Möglichkeiten: Entweder es kommt bei uns an oder es kommt nicht bei uns an. Das Ankommen bedeutet das Gelangen in den tiefen, fruchtbaren Erdboden. Dort entfaltet es sich und bringt Frucht.

Das Ankommen kann aber auch verhindert werden. Der Böse bewirkt dies; denn er ist der große Feind und Gegner Gottes, der jede Kommunikation zwischen Gott und uns Menschen auf jede nur mögliche Weise stören möchte.
Dabei ist es möglich, dass er das Wort direkt dem wegnimmt, dem es Gott zugesprochen hat. Oder er nimmt es dem Adressaten indirekt weg durch Oberflächlichkeit, mit der das Wort Gottes aufgenommen wird oder indem es die Sorgen und der trügerische Reichtum dieser Welt ersticken.

Ist es wohl erlaubt zu fragen, ob und wie das Wort Gottes bei uns ankommt?
Um Antwort auf diese Frage bekommen zu können müssen wir genau zusehen und uns fragen: Bin ich am Wort Gottes überhaupt interessiert? Ist es mir überhaupt ein Anliegen, dass Gott mit mir Kontakt aufnimmt, dass er zu mir spricht? Bin ich grundsätzlich offen und bereit, dass Gottes Wort in meinem Leben Frucht bringt? Oder habe ich da meine Vorbehalte, meine Bedingungen, meine Reserven, meine Rücksichten?

Es ist nicht zu übersehen: Was Jesus mit den Körnern auf dem Weg und den Vögeln, die sie aufpicken, mit dem felsigen Boden und den Disteln meint, sind Befindlichkeiten in meinem Leben. Was machen die mit mir? Was mache ich mit ihnen?

Wohin der Samen des Wortes Gottes fällt hängt davon ab, wozu ich mich entscheide: zu Gleichgültigkeit und Ablehnung; zu Oberflächlichkeit und Wankelmut; zu Geringschätzung.

Oder zu freudiger Annahme, zur Auseinandersetzung und zum Abenteuer mit ihm; zu neuen Wegen, die es mich weist; zu neuen Quellen, die es mir erschließt; zu neuem Leben, mit dem er mich erfüllt.

Beten wir zum Herrn immer wieder um den Mut, aufrichtig und ernst wie folgt zu sprechen: „Jesus, du hast gesagt: Nicht nur vom Brot lebt der Mensch, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.

Darum bitten wir: Gott, unser Vater. Verwirrt vom Geschwätz dieser Tage, erschöpft von Arbeit und Sorgen suchen wir dich und rufen: Komm uns entgegen. Rede uns an. Gib uns ein Wort, das uns ändert und heilt, das uns nährt und befreit. Das gewähre uns durch Christus, unsern Herrn.“ – Amen!

Freitag, Juli 04, 2008

Niemand kennt den Vater, nur der Sohn ...


Das Evangelium nach Matthäus 11:25 – 30

25 In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.

26 Ja, Vater, so hat es dir gefallen.

27 Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.

28 Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.

29 Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.

30 Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.



Niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will!

Mit diesen Worten spricht Jesus eine wichtige Frage an – die Frage nach Gott. Wie kann ich Gott kennen lernen? Wie kann ich Gott erkennen, erfahren, erleben? Wo und wie soll ich Gott suchen?

Vielleicht denken sich manche: Diese Frage ist nicht mehr aktuell! Diese Frage ist ein alter Hut, den heute niemand mehr aufsetzen will! Ich antworte darauf: Die Frage ist heute aktuell wie eh und je und mehr denn je! Denn jeglicher Götzendienst, der gerade auch heute betrieben wird, lebt von dieser Frage. Allein schon das Wort „Götze“ verrät dies Streben: Götze ist ein Abgott, ein Irrgott! Ein Gott, der uns auf Irrwege, auf Abwege führt. Es ist ein Gott, den wir auf falsche Weise, auf falschen Wegen, an falschen Orten suchen – aber es ist im Grunde Gott selber, den wir dabei suchen, ohne uns dessen bewusst zu sein. Jeglicher Götzendienst offenbart eine Unruhe unseres Herzens – die jedoch allein bei Gott zur Ruhe findet.

Die Frage nach Gott, das Suchen nach Gott ist uns als Geschöpf von unserem Schöpfer in die Wiege gelegt; unser Fragen und Suchen nach Gott ist ein Fragen und Suchen nach unserem Ursprung. Es stellt die Frage: Woher komme ich?
Es spricht nun für das Erbarmen Gottes, dass er uns diese Frage ins Leben eingeschrieben hat und uns damit nicht allein lässt; er überlässt uns mit dieser Frage nicht einem ziel- und planlosen Suchen, er schickt uns mit dieser Frage nicht auf zahllose Irrwege.
Nein, er hat uns gerade im heutigen Evangelium den Weg gezeigt, auf dem wir die Antwort auf diese Frage finden können. Dieser Weg führt nicht über die Weisheit und Klugheit dieser Welt sondern dieser Weg führt mit den Worten unseres Vorspruches zu Jesus: „Niemand kennt den Vater nur der Sohn!“ Zudem hat Gott uns auch mit jener Haltung ausgerüstet, mit der wir von Jesus diese Antwort bekommen können: Es ist die Haltung des gläubigen Bittens: „Herr, zeig uns den Vater!“ (Joh 14,8f) Und es ist die Haltung des gläubigen Gehorsams, die uns die Antwort Jesu auch annehmen lässt!

So können wir uns Gottes nicht bemächtigen auf dem Weg der Weisen und Klugen; vielmehr möchte Gott sich unser bemächtigen, indem Jesus uns beschenkt mit der Offenbarung Gottes; dieses „Sich beschenken lassen“ ist die Haltung der Unmündigen.

Damit ihr besser verstehen könnt, was ich meine, möchte ich euch erzählen, wie es mir einmal bei der Vorbereitung einer Predigt ergangen ist: Ich kam spät abends nach Hause zurück. Auf dem Anschlagbrett konnte ich lesen, dass ich am nächsten Tag, einem Sonntag, für eine hl. Messe am Vormittag eingeteilt war. „Aha,“ dachte ich mir, „dann musst du jetzt noch gleich die Predigt machen.“ Nachdem ich also mein Reisegepäck verräumt hatte, setzte ich mich an den Laptop, und wollte die Predigt machen. Aber da kam nichts; ich war müde; der Kopf war leer, das Herz kalt! Ich konnte nichts schreiben. Nach einigem Überlegen kam ich so weit, dass ich mich mit meinem „Predigt-machen-wollen“ unter den Weisen und Klugen vorfand, von denen Jesus im Evangelium spricht. Und dann fragte ich mich: Wie müsste wohl die Haltung des Unmündigen ausschauen, dem Gott sich offenbart? Und mir wurde klar: Josef, du gehörst dann zu den Unmündigen, wenn du jetzt nicht mehr weiter über der Predigt herumkopfst, sondern zu Bett gehst in der einfachen Erwartung, dass der Herr es den Seinen im Schlafe gibt! (vgl. Ps 127,2)
So ging ich zu Bett und bin auch gleich eingeschlafen. In der Frühe erwachte ich eine Stunde früher als geplant. In dieser Stunde vor dem Aufstehen kamen die Gedanken, die ich euch eben darlege.
Beim Morgengebet dann und bei der anschließenden Stunde Betrachtung geriet ich erneut in Versuchung, ein Kluger und Weiser zu werden, indem mich Gedanken über die Predigt beim Beten ablenken wollten. Diesen Ablenkungsmanövern habe ich anhaltend Widerstand geleistet und bin ein Unmündiger geworden, indem ich mich wie Maria zu Füßen des Herrn gesetzt habe mit der Absicht, ihm diese Gebetszeit zweckfrei zu schenken und einfach bei IHM zu sein und offen zu bleiben für das, was er mir in dieser Stunde des Gebetes schenken möchte. (vgl. Lk 10, 38-42)

So ist es mir gelungen als Unmündiger mit der Last meines Predigtdienstes zum Herrn zu kommen, bei ihm zu bleiben und mich von ihm beschenken zu lassen mit der Botschaft von seinem Vater. Auf diese Weise habe ich von Jesus gelernt. Auf diese Weise habe ich Ruhe gefunden – für meine Seele und für die Nacht. Ich habe zudem entdeckt, dass das Joch, von dem Jesus spricht, das Joch wahrer Gotteserkenntnis ist und die Last die er meint, jene Erkenntnis meiner Unmündigkeit und Schwachheit ist, die mich stark sein lässt in IHM. (vgl. 2 Kor 12, 10) So hat der Herr in mir den Törichten erwählt, um den Weisen zu Schanden zu machen, und den Schwachen hat er in mir erwählt, um den Starken zu beschämen. (vgl. 1 Kor 1,27) Und ich habe in etwa erahnt, was Paulus meint, wenn er schreibt: „Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark!“ (2Kor 12,10)

Lassen wir uns abschließend das Joch und die Last, die Jesus uns auflegen möchte, vom Propheten Ezechiel beschreiben: „Ich gieße reines Wasser über euch aus, dann werdet ihr rein. Ich reinige euch von aller Unreinheit und von allen euren Götzen. Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch. Ich lege meinen Geist in euch und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Gebote achtet und sie erfüllt.“ (Ez 36, 25-27).

Der Herr mache uns dieser Last würdig; mit Freuden mögen wir unseren Nacken unter dieses Joch beugen – denn dieses Joch bedeutet unsere Erlösung, diese Last unsere Befreiung. Amen!