Freitag, September 26, 2008

Geh und arbeite!


Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 21: 28 – 32

In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes:

28 Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg!

29 Er antwortete: Ja, Herr!, ging aber nicht.

30 Da wandte er sich an den zweiten Sohn und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn, und er ging doch.

31 Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der zweite. Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, das sage ich euch: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr.

32 Denn Johannes ist gekommen, um euch den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen, und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen, und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.



„Später reute es ihn und er ging doch!“ (Mt 21:30b)

Der Auftrag des Vaters an seine beiden Söhne lautete gleich und ist unmissverständlich: „Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg!“ Der erste Sohn sagt: „Ja!“

Nehmen wir dieses Ja als Zeichen seiner ernsten Bereitschaft, den Willen des Vaters zu erfüllen. Sehen wir es als den Anfang eines Weges, der enden sollte in der Erfüllung des väterlichen Willens. Wir sollten ihm nicht von Anfang an unterstellen, dass er heuchelte und nicht tun wollte, was er sagte. Er war mit seinem JA bereitwillig beim Vater, ist dann aber allmählich zu sich gekommen, hat in sich das Nein zum Vater entdeckt und ist diesem Nein erlegen.

Er gleicht Adam, dem ersten Menschen, der bei seiner Erschaffung reines Abbild und Gleichnis Gottes war; wir können sagen: er war ungetrübtes Ja zu Gott und zu dem, was er wollte. Doch hat er dann mit Hilfe des Bösen in Gestalt der Schlange das Nein zu Gott entdeckt, ließ sich von der vermeintlichen Köstlichkeit dieses Nein betören, ist ihm verfallen und setzte es in der Tat – zu seinem bitteren Erwachen!

Er gleicht weiters dem großen, weisen König Salomon, der sich zu Beginn seiner Regierung ein hörendes Herz von Gott erbeten hat – der dann aber am Ende seiner Jahre, beeinflusst von seinen zahlreichen heidnischen Frauen, sich vom wahren Gott abwandte und dem Götzendienst verfallen ist.

Wir sollten den 1. Sohn schließlich in uns selber sehen in Erinnerung an unsere erste Begeisterung im Glauben und an unsere erste Liebe. Wo ist sie geblieben? Brennt sie immer noch in unverminderter Heftigkeit und Hingabe? Oder müssen auch wir uns anhören, was dem Engel der Gemeinde in Ephesus gesagt wurde: „Aber ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast. Denke nun daran, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke!“ (Offb2:4f.)

Erinnern wir uns, wenn wir eben von der Beichte kommen: Die Kraft der Seele gestärkt durch das Sakrament der Versöhnung. Das Herz ganz bereit, den Willen unseres Vaters im Himmel zu erfüllen. Doch ach! Es gerät allmählich in Vergessenheit, was uns in der Beichte geschenkt wurde; das Bild des Vaters verblasst in uns; seine Gegenwart beeindruckt uns nicht mehr – und ehe wir uns versehen sind wir wieder einer unserer gewohnten Schwächen erlegen und handeln gegen des Willen des Vaters: Wir sagten „Ja“ und handeln „Nein“.

Schauen wir nun auf den anderen Sohn: Dem ist der Wille des Vaters gleich zuwider und er sagt das auch unverzüglich: “Ich will nicht!“ Doch dann heißt es von ihm: „Später reute es ihn aber und erging doch!“ Er hat sein Nein nicht versteckt hinter einem vorgetäuschten Ja, um vor dem Vater gut dazustehen sondern dem Vater gleich gesagt, dass er nicht will – auch wenn er ihn dadurch traurig machen sollte und er nicht das Gefallen des Vaters findet. Doch wie das Nein aus ihm heraußen ist, ist Platz frei geworden in ihm. Und in diesem freien Raum konnte sich das Nachsinnen entfalten und die Frage auftauchen: Ja, warum eigentlich nicht? Was wäre denn dabei, wenn ich im Weinberg arbeite? Er überlässt sich dem Prozess der Reue, der ihn zur Umkehr und in den Weinberg führt, um dort zu arbeiten. Er sagte „nein“ dann tut er aber „ja.“

Und auch diesen Sohn entdecken wir in uns immer dann, wenn wir nach einer Auflehnung gegen den Herrn durch Umkehr und Buße hinfinden zum Tun seines Willens: Wir sind darin dem Petrus vergleichbar, der Jesus verrät und mit den anderen Jüngern verlässt, dann aber durch Umkehr sich erneut von Jesus in die Nachfolge rufen lässt. (vgl. Joh 21:15-19)

Oder erinnern wir uns an Saulus, der in der Verfolgung der Jünger Jesu ein äußerst heftiges Nein zum Herrn sagte und dann durch die Begegnung mit Jesus und durch Umkehr zu einem leidenschaftlichen Ja zum Herrn geworden ist. Der, der die Christen einst verfolgte, verkündigt dann den Glauben, den er einst zu vernichten suchte; und sie verherrlichten Gott um seinetwillen. (vgl. Gal 1:23f)

Eines ist gewiss: Es geht dem Vater darum, dass sein Wille erfüllt wird; was seine Söhne vorher sagen ist zweitrangig – was zählt ist, ob sein Wille geschieht oder nicht. Es geht ihm ums Tun nicht ums Reden; um Taten nicht um Worte.

In der Anwendung auf das Verhalten der Hohenpriester und der Ältesten des Volkes sagt Jesus, was mit der Arbeit im Weinberg näher gemeint ist: den Weg der Gerechtigkeit gehen. Johannes hat ihnen diesen Weg gezeigt: Am Jordan hat er ihnen zugerufen: „Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt!“ (Mt 3:8) Und dann erklärt er, was er unter dieser Frucht versteht: „Wer zwei Unterkleider hat, teile dem mit, der keins hat; und wer Speise hat, tue ebenso!“ (Lk 3:11)
Die schönste und herrlichste Frucht dieser Umkehr zeigt er ihnen aber in der Nachfolge Jesu, auf den er hinweist: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt.“ (Joh 1:29)
Diese Frucht haben die Zöllner und Dirnen erbracht. Sie haben dem Johannes geglaubt und die Gemeinschaft mit Jesus gesucht. Darum kommen sie eher in das Reich Gottes als die Hohenpriester und Ältesten des Volkes.
Auch wir wollen uns von Johannes den Weg zum Herrn weisen lassen und diesen Weg entschlossen gehen. Wir wollen seine Gemeinschaft aufsuchen, wo immer sie sich bietet: Im Gottesdienst, im Gebet, in den Sakramenten, im geschwisterlichen Dienst, in Jubel und Dank über das Große, das Gott an uns tut in Schöpfung und Geschichte. Wir wissen, mit ihm wird unser Weg hier auf Erden zum Lauf, der sich in der Herrlichkeit des Himmels vollendet (vgl. Tagesgebet). Er ist es, der den ersten Sohn in uns in den zweiten umwandelt und uns vom Reden zum Tun führt; der uns aus Menschen vieler Worte zu Menschen der Tat macht, zu Menschen, deren Speise es ist, den Willen des Vaters im Himmel zu tun. (vgl. Joh 4:34) Amen!

Freitag, September 19, 2008

... und jeder erhielt einen Denar




Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 20:1-16a

In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis:

1 Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen sein Haus verließ, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben.

2 Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg.

3 Um die dritte Stunde ging er wieder auf den Markt und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten.

4 Er sagte zu ihnen: geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist.

5 Und sie gingen. Um die sechste Stunde und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder auf den Markt und machte es ebenso.

6 Als er um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf er wieder einige, dir dort herumstanden. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum?

7 Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!

8 Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen von den letzten, bis hin zu den ersten.

9 Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar.

10 Als dann die ersten an der Reihe waren, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur einen Denar.

11 Da begannen sie, über den Gutsherrn zu murren,

12 und sagten: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen.

13 Da erwiderte er einem von ihnen: Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart?

14 Nimm dein Geld und geh! Ich will dem letzten ebenso viel geben wie dir.

15 Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin?

16a So werden die Letzten die Ersten sein.




„Als dann die ersten an der Reihe waren, glaubten sie mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur einen Denar.“ (Mt 20:10)
Sie bekamen, was sie mit dem Gutsbesitzer vereinbart hatten: einen Denar für die Arbeit tagsüber. (vgl. Mt 20:2)
Jenen, die zur dritten, sechsten und neunten Stunde angeheuert wurden, wollte er „geben, was recht ist.“ (vgl. Mt 20:4f)
Bloß mit jenen in der elften Stunde hatte der Gutsbesitzer nichts vereinbart. Zu ihnen sagt er nur: „Geht auch ihr in meinen Weinberg“ (Mt 20:7)

Es steht nichts davon, was die Arbeiter der elften Stunde als Lohn zu erwarten hatten. Vielleicht dachten sie: „Etwas werden wir schon bekommen! Viel wird es für diese eine Stunde nicht sein. Aber immer noch besser als gar nichts.“
Oder sie haben sich gedacht: „Hilft’s nicht so schadet’s nicht! Ob wir jetzt hier auf dem Markt noch die letzte Stunde des Tages herumstehen oder im Weinberg arbeiten ist einerlei.“
Sie mussten auch damit rechnen, gar nichts zu bekommen. Dabei hätten sie gerne den ganzen Tag über gearbeitet aber „niemand hat sie angeworben.“ (Mt 20:7a)

Es wird uns nicht berichtet, wie groß die Überraschung und die Freude dieser Arbeiter der letzten Stunde gewesen ist, als sie für diese eine Stunde den Arbeitslohn des ganzen Tages erhalten haben. Vielmehr wird uns nur erzählt, wie die Arbeiter der ersten Stunde über den Gutsbesitzer murren, weil sie sich ungerecht behandelt fühlen. Und genau an die Arbeiter der ersten Stunde war dieses Gleichnis auch gerichtet.
Wen meinte Jesus damit?
Er meinte seine jüdischen Volksgenossen, die sich beim Kommen des Messias einen hervorragenden Lohn erhofften, da sie immer schon zu seinem auserwählten Volk Israel gehörten.
Jesus hingegen meint, die Heiden, die erst in jüngster Zeit durch seine Nachfolge zum Volk Gottes dazu gestoßen sind, bekommen genau den gleichen Lohn.

Fragen wir uns woher die Missstimmung der Arbeiter der ersten Stunde kommt, dann müssen wir sagen: Sie kommt von ihrer falschen Erwartung, die ihnen eine falsche Hoffnung einflößt. Sie bedachten nicht den Spruch des Herrn aus der ersten Lesung: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege. So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken.“ (Jes 55:8f) Sie dachten, Gott denke und handle wie sie; aber er denkt und handelt ganz anders als sie: Gütiger, offener, großzügiger, unbegreiflich. Das ist die eine Lehre, die Jesus erteilt.

Die andere ist die, dass alles Gnadengeschenk ist: Das Arbeiten können im Weinberg, das Arbeiten dürfen im Weinberg und freilich auch der Lohn für die Arbeit im Weinberg.
Sie waren von Anfang an Beschenkte – und nahmen das gar nicht wahr; sie glaubten fordern zu dürfen und meinten mehr zu bekommen als ausgemacht.
Sie sind mit ihren eigenen, selbstgerechten und selbst gebastelten Erwartungen vor dem Gutsbesitzer gestanden. Und wurden enttäuscht!

Ähnlich erging es dem älteren Bruder des verlorenen Sohnes: Als er sah, wie herzlich und feierlich sein Vater den zurückgekehrten Bruder aufnahm, wurde er neidisch und eifersüchtig und er konnte seinen Anteil, seinen „Denar“ nicht mehr erkennen: Dass er immer bei seinem Vater ist und dass alles, was seinem Vater gehört auch ihm gehört. (vgl. Lk 15:31)

Ist nicht auch uns diese Haltung vertraut: Dass wir uns im Hinblick auf andere von Gott nicht gerecht behandelt fühlen? Dass wir meinen, wir kommen zu kurz und uns würde eigentlich etwas anderes, größeres, besseres zustehen?
Es ist bezeichnend, dass dies bei uns wie im Evangelium damit verbunden ist, dass wir auf andere schielen: Wie viel bekommen die? Was haben die? Wie geht es denen? Und dass wir uns dann mit ihnen vergleichen.
Das führt zum inneren Unfrieden, zur Auflehnung, zum Murren.

Dieses Vergleichen ist ein Übel; es macht uns blind und lenkt unsere Aufmerksamkeit ab von dem, was wir sind und haben; es lässt uns den Wert des Unsrigen nicht mehr erkennen. Es verwehrt uns die Dankbarkeit für das, was wir bekommen haben.
So sind wir nicht mehr in der Lage, den Denar, den wir, wie ausgemacht, bekommen haben, wert zu schätzen. Wir bekommen den Denar wie alle ihn bekommen – mögen sie klein sein oder groß; arm oder reich; schon lange bei Jesus oder erst jüngst hinzugekommen.

Es ist dieses der Denar, von dem Jesus zu seinen Jüngern spricht, ehe er sie verlässt und zu seinem Vater in den Himmel fährt: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Zeit!“ (Mt28,20).
Es ist der Denar der immerwährenden, treuen Gegenwart des Herrn an unserer Seite. Wie dieser Herr uns nun gegenwärtig ist, wie wir seine Gegenwart erleben dürfen – das lassen wir seine Sache sein. Er weiß, was wir brauchen; er weiß, was uns gut tut: Ob mächtig hilfreich oder verborgen sich entziehend, ob als Friedensbringer und als Freude unseres Lebens, ob als Richter oder als Vergebender, ob als Weg oder als Ziel unseres Lebens – es ist lichtvoll oder im Dunkel immer der Denar seiner gnädigen Gegenwart, die jedem von uns zugesagt und geschenkt ist. Mit dem Haus Levi können wir alle sagen: „Unser Anteil ist der Herr!“ (Deut10:9)

Wir haben als Christen allen Anlass, mit dem Psalmisten zu beten:
„Du bist mein Herr; mein ganzes Glück bist du allein.

Du, Herr, gibst mir das Erbe und reichst mir den Becher;
du hältst mein Los in deinen Händen.
Auf schönem Land fiel mir mein Anteil zu. Ja, mein Erbe gefällt mir gut.

Ich habe den Herrn beständig vor Augen. Er steht mir zur Rechten, ich wanke nicht. Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Seele; auch mein Leib wird wohnen in Sicherheit. Denn du gibst mich nicht der Unterwelt preis; du lässt deinen Frommen das Grab nicht schauen. Du zeigst mir den Pfad zum Leben. Vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle, zu deiner Rechten Wonne für alle Zeit.“ (Ps16:2.5-6.8-11) Amen!

Mittwoch, September 10, 2008

Gott hat die Welt so sehr geliebt ...


Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 3: 13 – 17

13 Und niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn.

14 Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden,

15 damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat.

16 Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.

17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.



Gerade in diesen Tagen vor der Nationalratswahl begegnen uns in Diskussionen, in Wahlreden und auf den Plakaten zahlreiche Vorschläge, wie es den Leuten in unserem Land besser gehen soll. Freilich ist dabei nirgends von „Erlösung“ die Rede; aber es hat doch mit Erlösung zu tun, wenn die Lebensqualität steigt, indem etwa die Steuern sinken, die Arbeitslosigkeit abnimmt, die benachteiligten Menschen in unserem Land menschlich behandelt werden.

Keine Angst! Ich habe nicht vor, eine Wahlrede zu halten!

Wiewohl genau besehen eigentlich jede Predigt eine Wahlrede ist – eine Rede nämlich, die uns erleuchten und begeistern möchte, eine klare Wahl für unseren Herrn Jesus zu treffen. Ich komme also um eine „Wahlrede“ gar nicht herum!

Und wenn wir am 28. September wählen gehen, um einen Weg mitzubestimmen, auf dem es in unserem Land etwas erlöster zugehen möge, dann kann es zumal für einen Christen gewiss nur äußerst hilfreich sein, die Wahl zu betrachten, die Gott getroffen hat, um alle Menschen zu erlösen.

Diese Wahl, die Gott getroffen hat zur Erlösung aller Menschen wird durch das heutige Fest auf das Kreuz gerichtet. Diese Wahl Gottes wird durch Lesung und Evangelium gleichermaßen getroffen.

In der Lesung hörten wir, wie Jesus das Kreuz erwählt hat:
„Jesus war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.“ (Phil 2:6-8)
Und im Evangelium war zu lesen: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab ... damit die Welt durch ihn gerettet wird.“ (Joh 3:16f.)

Angesichts dieser Wahl, die Gott getroffen und vor 2000 Jahren vollzogen hat ist es müßig zu fragen, hätte Gott uns nicht auch anders, sprich auf bequemere, erträglichere Weise erlösen können. Wer so fragt, vermag in der Torheit des Kreuzes Gottes Weisheit nicht zu erkennen. Diese Weisheit Gottes wird nur einsichtig im Glauben. Darum schreibt der hl. Paulus in 1 Kor 1:21-24: „Gott beschloss, alle, die glauben, durch die Torheit der Verkündigung zu retten. Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit. Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.“

So wollen wir uns die Augen nicht halten lassen vom tödlichen Schrecken des Kreuzes sondern das Licht der Liebe Gottes anschauen, aus dem es herausgewachsen ist. Diese Liebe in Verbindung mit dem Kreuz zeigt uns, dass Gott kein Weg zu weit und zu schwer, keine Hingabe zu unbegreiflich und zu tödlich ist, um uns Gutes zu tun – und zwar endgültig, vollkommen, überfließend Gutes; Jesus nennt es im Evangelium schlicht „Leben in Fülle“! (Joh 10:10)

So stehen wir im Kreuz vor einem Zeichen ursprünglich gegen die Liebe; das jedoch in vollkommener Liebe angenommen und durchlitten selber zu einem Zeichen der Liebe geworden ist.

Als Gott das Kreuz erwählte, war es eine Wahl zu unserem Heil. Nehmen wir im Blick auf unser Lebenskreuz diese Wahl Gottes mit liebender Aufmerksamkeit wahr und vollziehen wir sie mit möglichster Entschlossenheit nach. Dann wählen auch wir das Kreuz zu unserem Heil und zu Gottes Ehre.
Und was die kommenden Wahlen angeht: So bitten wir um die Weisheit Gottes, dass die Torheit dieser Welt nicht überhand gewinnt, denn ohne das Kreuz wird es auf keinen Fall abgehen. Der Herr sei auf jeden Fall gepriesen in Ewigkeit! Amen!

Freitag, September 05, 2008

Die Liebe schuldet ihr einander immer!


Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 18: 15 – 20

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

15 Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurück gewonnen.

16 Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei Männer mit, denn jede Sache muss durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden.

17 Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.

18 Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.

19 Weiter sage ich euch: Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten.

20 Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.



„Die Liebe aber schuldet ihr einander immer!“ Röm 13:8b) So hören wir den Apostel in der Lesung; und Jesus fährt im Evangelium fort: auch dann, gerade dann, besonders dann, wenn dein Bruder sündigt.
Und Jesus sagt dann, wie die geschuldete Liebe in diesem konkreten Fall ausschaut:
Wenn sie die Sünde des Bruders erkennt, dann schaut sie nicht weg sondern geht zu ihm hin. Sie erweckt die Sorge um diesen Bruder. Denn in der Sünde geht es um das Leben des Bruders.
Die erste Lesung sagt es uns einfach und eindringlich: „Der Schuldige wird seiner Sünde wegen sterben!“ (Ez 33:8)
Es geht der Liebe darum, den Bruder zurück zu gewinnen: Zurück in das Leben und das heißt zurück in die Gemeinschaft mit Gott und mit der Gemeinde.

Die Rede vom Bruder lässt an eine Familie denken und ruft in Erinnerung, dass sich die christliche Gemeinde als eine Familie verstanden hat, in der die einzelnen Mitglieder eng miteinander verbunden waren.
Das intensive Bemühen um den Bruder in Sünde lässt auf der einen Seite erkennen, dass Sünde als etwas Gefährliches, Tödliches erkannt wurde.
Auf der anderen Seite lässt es erahnen, wie hoch ein heiliges Leben nach der Weisung des Herrn und ein Leben in der Gemeinde geschätzt und angestrebt wurden.

Sind diese Umstände in unseren christlichen Gemeinschaften noch gegeben?
Müssen wir nicht ehrlicherweise sagen, dass unsere christlichen Gemeinden keine Familien mehr sind, sondern vielmehr eine Versammlung von Individualisten, die sich möglichst nicht in die Privatangelegenheiten anderer einmischen wollen?
Sodass wir es also im Gegensatz zu Jesu Weisung als Liebe ansehen uns nicht in die Privatsphäre anderer einzumischen?
Und was die Gefährlichkeit der Sünde angeht – was ist eigentlich Sünde?
Und was wissen und leben wir noch vom tiefen Glück und vom hohen Wert eines mit Gott verbundenen Lebens?

Eines ist aus den Worten Jesu klar: Christliches Leben in seinem Sinn kümmert sich um die Schwester, den Bruder.
Es sagt sich nicht: Rette deine Seele! Sondern es sagt: Rette auch deinen Bruder! Es weiß sich mitverantwortlich für das Leben deines Bruders. Es geht dem Bruder in Sünde nach wie der Hirt dem verlorenen Schaf.
Es mobilisiert sogar die Gemeinde, um den Bruder zurück zu gewinnen.
Und erst wenn er auch auf die Gemeinde nicht mehr hören kann, muss er die Grenze, die der Bruder in Sünde zieht, akzeptieren und ihn aus der Gemeinschaft ziehen lassen. Der Bruder hat sich durch sein Verharren in der Sünde aus der Gemeinschaft ausgeschlossen.
Wir sehen hier, dass die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft Jesu nicht durch einen Taufschein gegeben war sondern durch das Verhalten, das den Weisungen entsprach, die Jesus dieser Gemeinschaft gegeben hat.
Noch etwas wird deutlich: Der Einzelne und die Gemeinde bemühen sich um den Bruder in Sünde. Sie bemühen sich um ihn im Gespräch, in der persönlichen Begegnung. Dennoch wird dieser Bruder nicht vergewaltigt: er kommt nicht in den Kerker und nicht auf den Scheiterhaufen; Seine Freiheit wird respektiert – die Gemeinde kann die Bindung mit ihm lösen – endgültig: sie ist auch im Himmel gelöst. Er kann die Gemeinde verlassen und er ist frei, als hätte er nie zu ihr gehört – wie ein Zöllner und Sünder.

Wie sollen wir mit der heutigen Botschaft Jesu umgehen?
Zu allererst möchte ich ein Wort Jesu, eine Verheißung ernst nehmen, die auch im heutigen Evangelium steht: „Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten.“ (Mt 18:19) Bitten wir den Herrn allein und in Gemeinschaft, dass er uns umkehren helfe, damit wir zu einer echten Familie im Herrn zusammenwachsen können; dass wir die Verantwortung füreinander erkennen und wahrnehmen können; dass wir im Sinne des Wächteramtes aus der 1. Lesung wach sind füreinander, wachsam wie gute Schutzengel.
In diesem Zusammenhang wollen wir auch sehr um den Geist des Herrn bitten, der allein uns in solch heiklen Situationen die rechte innere Haltung und das rechte Wort geben kann. In diesem Sinne dürfen wir die Aufforderung des Paulus im Galaterbrief verstehen: „Brüder, wenn einer bei einem Fehltritt angetroffen wird, so richtet als Geistbegabte einen solchen im Geist der Sanftmut auf. Dabei achte auf dich selbst, dass nicht auch du in Versuchung gerätst.“ (Gal 6:1)
Zugleich will Paulus unsere Konfliktscheu überwinden, uns an die Wirkkraft des Herrenwortes erinnern und uns Mut machen, im Wort des Herrn auf den Bruder in Sünde zuzugehen: „Verkünde das Wort! Tritt dafür ein, ob gelegen oder ungelegen, tadle, weise zurecht und ermahne in aller Geduld und Lehrweisheit.“ (2Tim 4, 2)
Und vergessen wir schließlich nicht den Lohn unseres Mühens, den Jakobus uns in Erinnerung ruft: „Meine Brüder, wenn einer unter euch von der Wahrheit abgeirrt ist und jemand bringt ihn zur Umkehr, soll er wissen: Wer einen Sünder von seinem Irrweg zurückbringt, der rettet seine Seele vom Tod und deckt eine Menge von Sünden zu.“ (Jak 5:19f.)
So soll gerade auch in diesen kritischen Situationen das Wort Jesu wahr werden: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Mt 18:20)