Samstag, November 29, 2008

Seid wachsam!


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 13: 33 – 37



In jener Zeit, sprach Jesus zu seinen Jüngern:



33 Seht euch also vor, und bleibt wach! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.



34 Es ist wie mit einem Mann, der sein Haus verließ, um auf Reisen zu gehen: Er übertrug alle Verantwortung seinen Dienern, jedem eine bestimmte Aufgabe; dem Türhüter befahl er, wachsam zu sein.



35 Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt, ob am Abend oder um Mitternacht, ob beim Hahnenschrei oder erst am Morgen.



36 Er soll euch, wenn er plötzlich kommt, nicht schlafend antreffen.



37 Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Seid wachsam!



„Seid wachsam!“ (Mk 13:37) Eindringlich mahnend dringt dieser Ruf im Evangelium an unser Ohr. Als ob wir Gefahr laufen einzuschlafen und nicht wach zu sein, wenn der Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommt.
Mit diesem Einschlafen ist nicht ein Schlaf zu verstehen, aus dem man ohne weiteres geweckt werden könnte.
Dieses Schlafen ist die Unfähigkeit, den Herrn einzulassen, willkommen zu heißen und aufzunehmen, wenn er kommt.
Dieses Schlafen ist eine Verschlossenheit und eine Blindheit für den Herrn, die man tragischerweise überhaupt nicht als solche erkennt. Es ist kein gesunder Schlaf zu erneuertem Leben sondern ein krankhafter Schlaf zum Tode.
Von diesem Schlaf sind die 5 törichten Jungfrauen befangen, die für die Begegnung mit dem Bräutigam zwar ihre Lampen mitgenommen haben aber kein Öl (vgl. Mt 25:3).
Oder jener Pharisäer, der mit trauriger Betroffenheit erkennen muss, dass er wohl kein Betrüger, kein Räuber und kein Ehebrecher ist; dass er zudem „zweimal in der Woche fastet und dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens gibt“ – und dennoch nicht als Gerechter vom Gebet im Tempel nach Hause zurückkehrt (Lk 18:9-14).

Jesus gibt uns neben der eindringlichen Mahnung zur Wachsamkeit auch Mittel zum Wachbleiben. Arznei gegen das Einschlafen! Muntermacher!
Zuerst einmal, indem er uns den vor Augen hält, den wir wachend erwarten sollen oder der uns wachend antreffen möchte, wenn er kommt: „Den Menschensohn“ – mit dem Jesus im Evangelium sich selber meint!
Es ist zweifelsohne leichter wach zu bleiben, wenn ich weiß, wen ich zu erwarten habe und wer mich wachend antreffen möchte bei seinem Kommen.
Und es ist das Wachbleiben doppelt leicht, wenn ich zu dem Erwarteten eine positive, liebende Beziehung habe. Wenn ich mir von der Begegnung mit ihm Gutes, Beglückendes, Positives für mein Leben erwarte.
Das Warten wird zudem spannend gemacht, da der Zeitpunkt für das Kommen des Herrn in „großer Macht und Herrlichkeit“ unbekannt ist. Es kann jederzeit sein; darum ist auch eine jederzeitige Wachsamkeit angesagt.
Das wachsame Erwarten ist kein bloße Passivität; der Hausherr hat seinen Dienern nämlich „alle Verantwortung übertragen; jedem gibt er eine bestimmte Aufgabe;“ (Mk 13:34) Dieses Wachsein ist alles andere als bloß ein untätiges „Die Hände in den Schoß legen.“
Dieses Wachsein ist vor allem anderen ein wachendes Beten; wobei gerade dieses Beten je und je ein Aufwachen ist; ein „Aufgeweckt werden“ zu einem verschärften Wahrnehmen des kommenden Herrn!
Im Wahrnehmen der anvertrauten Verantwortung und der übertragenen Aufgabe gleicht das Wachsein einem strebenden Suchen nach dem Herrn. Wachsamkeit bedeutet, dem Herrn aufmerksam suchend entgegenzugehen.
Der Advent ein Aufeinanderzugehen von Gott und Mensch. Der Herr, der Sehnsucht hat nach dem IHN wachend erwartenden Menschen und der Mensch, der Sehnsucht hat nach dem ihm entgegenkommenden Gott!
In der ersten Lesung kommt diese Sehnsucht des Menschen nach Gott ja so deutlich zum Ausdruck: „Kehre zurück um deiner Knechte willen, um der Stämme willen, die dein Eigentum sind.
Reiß doch den Himmel auf und komm herab, sodass die Berge zittern vor dir. Seit Menschengedenken hat man noch nie vernommen, kein Ohr hat gehört, kein Auge gesehen, dass es einen Gott gibt außer dir, der denen Gutes tut, die auf ihn hoffen.“ (Jes 63:17.19b;64:3)
Um Gott so erwarten zu können bedarf es einer Begabung, von der Paulus in der 2. Lesung schreibt, wenn er von der Gnade Gottes spricht, „ die euch in Christus Jesus geschenkt wurde, dass ihr an allem reich geworden seid in ihm, an aller Rede und aller Erkenntnis.“ (1 Kor 1:4f.) „es fehlt euch keine Gnadengabe, während ihr auf die Offenbarung Jesu Christi, unseres Herrn, wartet.“ (1 Kor 1:7)
Zu diesen Gnadengaben gehört zweifellos alles, was uns an geistlichen und materiellen Gaben geschenkt ist; diese Gaben werden durch die Dankbarkeit zu einer starken Verbundenheit mit dem Herrn.
Es gehört zu diesen Gnadengaben und zu dieser Erkenntnis aber auch die Einsicht in unsere Schuld, in unser Versagen, in unsere Verweigerung dem Herrn gegenüber. Darum das Eingeständnis in der 1. Lesung: „Wir haben gegen dich gesündigt, von Urzeit an sind wir treulos geworden. Wie unreine Menschen sind wir alle geworden, unsere ganze Gerechtigkeit ist wie ein schmutziges Kleid. Wie Laub sind wir alle verwelkt, unsere Schuld trägt uns fort wie der Wind. Niemand ruft deinen Namen an, keiner rafft sich dazu auf, fest zu halten an dir.“ (Jes 64:4ff.)
Die Wachsamkeit für den kommenden Herrn hat eine bestimmte Gestalt: Sie bedeutet Achtsamkeit auf die uns anvertraute Verantwortung in sozialer, ökonomischer und ökologischer Hinsicht – darin sind wir dem Herrn ähnlich und so für ihn wach und offen.
Sie bedeutet Achtsamkeit auf die Gaben Gottes an uns, damit uns die Dankbarkeit dafür öffne und hinwende zum Herrn.
Sie bedeutet Achtsamkeit auf unsere Armseligkeit und unsere Schuld, damit wir uns in ihr öffnen und ausstrecken hin zum Herrn!
„Seid wachsam!“ können wir also übersetzen mit: „Nehmt eure Verantwortung wahr! Erfüllt eure Aufgaben! Seid dankbar! Lasst euch erlösen!“ Es ist eine Haltung, die uns mitten in Licht und Dunkel des Lebens auf den Herrn ausrichtet! Amen!

Freitag, November 21, 2008

Hirte sein, wie es recht ist ...


Lesung aus dem Buch Ezechiel 34:11-12.15-17


11 So spricht Gott, der Herr: Jetzt will ich meine Schafe selber suchen und mich selber um sie kümmern.

12 Wie ein Hirt sich um die Tiere seiner Herde kümmert an dem Tag, an dem er mitten unter den Schafen ist, die sich verirrt haben, so kümmere ich mich um meine Schafe und hole sie zurück von all den Orten, wohin sie sich am dunklen, düsteren Tag zerstreut haben.

15 Ich werde meine Schafe auf die Weide führen, ich werde sie ruhen lassen - Spruch Gottes, des Herrn.

16 Die verloren gegangenen Tiere will ich suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen, die fetten und starken behüten. Ich will ihr Hirt sein und für sie sorgen, wie es recht ist.

17 Ihr aber, meine Herde - so spricht Gott, der Herr -, ich sorge für Recht zwischen Schafen und Schafen, zwischen Widdern und Böcken.



„Israel soll sich über seinen Schöpfer freuen, die Kinder Zions über ihren König jauchzen. Seinen Namen sollen sie loben beim Reigentanz, ihm spielen auf Pauken und Harfen.“ (Ps 149: 2-3)

Wenn sich Könige in der Öffentlichkeit zeigen, ist dies mit einem großen Auflauf verbunden. Die Leute wollen ihren König sehen; sie erfreuen sich an der Pracht, die dabei entfaltet wird. Sie sind in der Regel stolz auf ihren König. Die Medien sind zahlreich vertreten und übermitteln dieses Ereignis in alle Welt. Der König muss dabei gar nichts Besonderes tun: Einfach da sein, sich würdevoll geben und den Leuten freundlich zuwinken – das genügt schon!

Wenn sich heute Christus als unseren König zeigt, dann haben wir Christen noch viel mehr Grund, dass wir uns in Freude und Dankbarkeit versammeln; dazu bewegen uns allerdings nicht prachtvolle Kleidung und höfischer Pomp. Hören wir auf die Lesungen des heutigen Tages; sie geben den Grund an für unsere Freude über Christus, den König; sie sagen uns nämlich in welcher Weise Christus König ist.

In der 1. Lesung begegnet uns Christus in der Gestalt des guten Hirten. In der 2. Lesung als der Sieger über den Tod und im Evangelium als der Richter am Ende der Zeit.

In allen drei Weisen gibt Christus uns eine Antwort auf das, was uns bewegt:
Als guter Hirt fängt er uns auf in jeder Not und gibt uns, was wir zum Leben brauchen.
Als Sieger über den Tod gibt er uns Anteil an seinem Sieg und nimmt uns die Angst vor dem Tod.
Als Richter am Ende der Zeit gibt er unserem Tun und Lassen hier auf Erden Richtung, Ziel und Ewigkeitswert. Wir erleben den Herrn als einen, der für Zeit und Ewigkeit um unser Heil besorgt ist – darin besteht sein königliches Wirken! Deshalb ist er unser König. Denn “der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“ (Mt 20:28) Er ist König zu unserem Heil – in diesem Sinne zutiefst: unser König! Denn die Macht, die er ausübt, dient unserer Befreiung, unserer Erlösung, unserer Heilung, unserer Heiligung.
Und Christus ist König zur Ehre Gottes des Vaters! „Darum übergibt er die Herrschaft Gott, dem Vater, wenn er jede Macht, Gewalt und Kraft vernichtet hat.“ (1 Kor 15:24) „Damit schließlich Gott herrscht über alles und in allem.“ (1 Kor 15:28)

Das Königsein Christi bedeutet ein Herrsein über alle Mächte und Gewalten. Wenn wir nun bedenken und am eigenen Leib erfahren, welche Mächte heute in unserer Welt und Zeit am Werk sind – dann können wir erahnen, was es heißt, dass es da in Christus einen gibt, der auch diese Gewalten samt und sonders bändigen und überwinden kann;
und was es heißt, dass gerade dieser Christus einer ist, der uns liebt und zu dem wir mit aller Unfreiheit, mit aller Unterdrückung, mit aller Krankheit kommen dürfen.
Er möchte, dass wir seine unbegrenzte Macht mit unbegrenztem Vertrauen beantworten. Dann brauchen wir in finsterer Schlucht kein Unheil zu fürchten; denn der Herr ist bei uns, sein Stock und sein Stab geben uns Zuversicht. (vgl. Ps 23:4) Das heutige Fest will uns dazu bewegen, dass wir erneut sämtlichen Herren und Mächten abschwören, um unser ganzes Vertrauen auf ihn zu werfen und uns ganz seiner göttlichen Macht anzuvertrauen. Mit Josua möchte ich euch heute zurufen: „Schafft also jetzt die fremden Götter ab, die noch bei euch sind, und neigt eure Herzen dem Herrn zu!“ (Jos 24:23)

Meine Freunde! Wie glücklich können wir uns doch preisen, so einen König zu haben; wie dankbar müssen wir Gott doch sein, dass er uns in Christus so einen Herren geschenkt hat. Unsere Dankbarkeit wird noch vertieft, wenn wir bedenken, dass Christus unser König bei uns bleibt und sein königliches Wirken fortsetzt in der Kirche hier auf Erden:

Die Seelsorger sind seine Stellvertreter,
das Evangelium ist sein Wort,
die Eucharistie ist sein Leib,
die hl. Messe ist Gedächtnis seines Sterbens und Auferstehens,
die Sakramente sind seine beschenkende, heilende, befreiende, machtvolle Gegenwart.

Die Kirche feiert heute in Christus ihren eigenen göttlichen, machtvollen Ursprung;
sie feiert den, der sie als ihr Haupt mit königlicher Würde ziert.
Sie feiert den, der sie nach seinem Vorbild zum königlichen Heilsdienst in der Welt beruft und befähigt.

Schwestern und Brüder! Wir können Christus nicht als unseren König feiern ohne dass wir uns zugleich unserer eigenen königlichen Würde besinnen, die der Herr uns in der Taufe geschenkt hat. Das heißt Besinnung auf unsere Freiheit;
Besinnung auf unsere Berufung;
Besinnung auf das Ziel unseres Lebens.

Das bedeutet:
dass wir Jesus folgen, da wir ihn den Weg nennen;
dass wir auf ihn schauen, da wir ihn das Licht nennen;
dass wir auf ihn hören, da wir ihn den Meister nennen;
dass wir ihm dienen, da wir ihn den Herrn nennen;
dass wir ihm glauben, da wir ihn die Wahrheit nennen;

Das ist ein königliches Leben, das Christus entspricht – den wir mit Recht als unseren König verehren. Er bewahre uns immer in der Freiheit zu einem solchen Leben zur Ehre Gottes des Vaters! Amen!

Freitag, November 14, 2008

"Weil ich Angst hatte...


Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 25: 14 – 30

In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis:

14 Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der auf Reisen ging: Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an.

15 Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann reiste er ab.

16 Sofort begann der Diener, der fünf Talente erhalten hatte, mit ihnen zu wirtschaften, und er gewann noch fünf dazu.

17 Ebenso gewann der, der zwei erhalten hatte, noch zwei dazu.

18 Der aber, der das eine Talent erhalten hatte, ging und grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld des Herrn.

19 Nach langer Zeit kehrte der Herr zurück, um von den Dienern Rechenschaft zu verlangen.

20 Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte, brachte fünf weitere und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir gegeben; sieh her, ich habe noch fünf dazu gewonnen.

21 Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!

22 Dann kam der Diener, der zwei Talente erhalten hatte, und sagte: Herr, du hast mir zwei Talente gegeben; sieh her, ich habe noch zwei dazu gewonnen.

23 Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!

24 Zuletzt kam auch der Diener, der das eine Talent erhalten hatte, und sagte: Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mann bist; du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast;

25 weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde versteckt. Hier hast du es wieder.

26 Sein Herr antwortete ihm: Du bist ein schlechter und fauler Diener! Du hast doch gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe.

27 Hättest du mein Geld wenigstens auf die Bank gebracht, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten.

28 Darum nehmt ihm das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat!

29 Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.

30 Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen.



Solange ihr das Evangelium wie eben aus meinem Munde oder von einem anderen verkündigen hört, ist jene „lange Zeit“ noch nicht vorbei, an deren Ende der Herr „zurückkommt, um von seinen Dienern Rechenschaft zu verlangen“ (Mt 25:19). Wir können aber wohl sagen, dass dieser Herr dennoch im heutigen Evangelium anwesend ist, um eine Zwischenbilanz zu verlangen; um einen Probelauf zu machen für jene Endabrechnung, in der sich dann entscheidet, ob wir als tüchtige und treue Diener in die Freude des Herrn eintreten dürfen oder als schlechte, faule und nichtsnutzige Knechte in die äußerste Finsternis geworfen werden. Da es bei dieser Endabrechnung um Leben und Tod für uns geht sollten wir auch die heutige Zwischenbilanz ernst nehmen. Zu diesem Ernstnehmen gehört dazu, dass wir in diesem Mann Gott erkennen und in seinen Dienern uns selber.

Einige Überlegungen mögen uns dabei hilfreich sein.

So lesen wir zu Beginn des Gleichnisses, dass dieser Mann sein Vermögen seinen Dienern anvertraut. Bei diesem Vermögen werden wir wohl vielleicht an das denken, was uns an materiellen Gütern gegeben ist; dann an unsere Begabungen und Fähigkeiten; schließlich an die Beziehungen zu anderen Menschen und auf den Einfluss, den wir auf sie ausüben. Kurz und gut auf all jenes, von dem wir üblicherweise behaupten, es sei unser. Aber es ist das Vermögen des Herrn! Das haben wir nur vergessen, weil wir über dem Wirtschaften mit diesen Gütern den Herrn selber vergessen haben. Sich das wieder bewusst zu machen ist bedeutsam, dass wir im Sinne des Herrn mit seinem Vermögen umgehen und nicht nach unseren eigenen Vorstellungen. Denn sonst könnte es uns passieren, dass wir zu den 5 Talenten Silbergeld nicht weitere 5 Talente Silbergeld dazu gewinnen sondern bloß 5 Kürbisse oder 5 Säcke Kartoffel oder sonst etwas weitaus weniger wertvolles.

Wenn wir also bei dieser Art von Besitz nicht an das Vermögen des Herrn denken, weil wir es ausschließlich als das Unsere ansehen so denken wir bei etwas anderem nicht an das Vermögen des Herrn, weil wir es nicht als uns Anvertrautes erleben; ich meine damit die Güter des Glaubens und der Religion: Ich meine die Tatsache, dass wir glauben können; ich meine unser Gewissen; ich meine das Evangelium; ich meine die Sakramente unserer Kirche; ich meine schließlich unseren Herrn Jesus Christus – wie wirtschaften wir mit diesem Vermögen Gottes? Beginnen wir auch mit diesen Gütern „sofort“ zu wirtschaften und dazu zu gewinnen, wie die ersten beiden Diener des Herrn?

Dass das auch anders sein kann, zeigt uns der dritte Diener: er beginnt nicht sogleich mit seinem Talent zu wirtschaften sondern „ging und grub ein Loch in der Erde und versteckte das Geld seines Herrn!“ (Mt 25:25) Und warum hat er so gehandelt? Weil er Angst hatte! Wovor hatte er Angst? Durch Misswirtschaft sein Talent zu verlieren und zu versagen! Er dachte sich: bloß nicht daran rühren; bloß nichts riskieren, dann passiert dem Talent nichts – und mir auch nichts!
Auch wir machen die Erfahrung, dass Angst lähmt. Angst hängt mit Nichtwissen zusammen:
Nicht zu wissen, was mir anvertraut ist;
nicht zu wissen, wer mir was anvertraut hat;
nicht zu wissen um den Sinn und das Ziel des mir Anvertrauten.

Die vorzüglichste Waffe gegen die Angst ist die Wahrheit, die uns mit den Worten Henry Newmans folgendes sagt: „Sind wir schon geschaffen, dann, um Gott zu dienen; haben wir Seine Gaben, dann, um ihn zu verherrlichen; haben wir ein Gewissen, dann, um ihm zu gehorchen; haben wir die Aussicht auf den Himmel, dann, damit wir ihn uns vor Augen halten; haben wir Licht, dann, um ihm zu folgen; haben wir Gnade, dann, um uns mit ihrer Hilfe zu retten.
Es soll von uns nicht heißen, dass wir dahinsterben, ohne unsere Sendung erfüllt zu haben! Dass wir den Ruf hatten, heilig zu werden, und in Sünde gelebt haben; dass wir berufen waren, Christus zu verehren, und uns in diese flüchtige und ungläubige Welt gestürzt haben; dass wir berufen waren zu kämpfen und träge geblieben sind;
Es soll von uns nicht heißen, dass wir die Gnaden und Talente hatten und sie nicht gebraucht, sie falsch gebraucht oder sie gänzlich missbraucht haben; dass wir Reichtum hatten, ihn aber für uns selbst gebrauchten; dass wir Fähigkeiten hatten, sie aber für das Böse eingesetzt oder das Wahre lächerlich gemacht oder Zweifel ausgestreut haben gegen das Heilige; dass wir Muße hatten, sie aber in schlechter Gesellschaft vertan haben oder mit schlechten Büchern und törichten Unterhaltungen.
Es soll von uns nicht heißen, wir seien harmlos und, natürlich gesehen, ohne Tadel gewesen, während wir niemals versucht haben, unser Herz zu reinigen oder unter Gottes Augen zu leben!“ (J.H.Newman, Predigten 11, 140f.)

Vielmehr sollen die Worte Jesu an den Vater die unseren sein: „Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast.“ (Joh 17,4.6)

Und die Worte seines Apostels Paulus: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten. Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, aber nicht nur mir, sondern allen, die sehnsüchtig auf sein Erscheinen warten.“ (2Tim 4,7.8) Amen!

Samstag, November 08, 2008

Grundstein ist Christus Jesus!


Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther 3

9 Ihr seid Gottes Bau.

10 Der Gnade Gottes entsprechend, die mir geschenkt wurde, habe ich wie ein guter Baumeister den Grund gelegt; ein anderer baut darauf weiter. Aber jeder soll darauf achten, wie er weiterbaut.

11 Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus.

16 Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?

17 Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben. Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr.



Am Kirchweihfest gedenken wir der Weihe jener Kirche, zu der wir als Mitglieder einer Pfarre oder einer religiösen Gemeinschaft gehören. Wir danken dabei für einen Kirchenbau, dessen Wert darin besteht, dass wir in diesem Raum die Geheimnisse unseres Glaubens feiern; dass wir in diesem Raum unserer besonderen Beziehung zu Gott und zueinander bewusst werden.
Wir sind mit diesem Bauwerk durch Jahre und Jahrzehnte hindurch verbunden, haben darin gebetet und gesungen, gebittet und gedankt, gesucht und gefunden. Es sind persönliche Bande, die uns mit der Kirche verbinden, deren Weihefest wir feiern.

Heute sollen wir aber das Weihefest der Lateranbasilika begehen – einer Kirche die sich an die 800 km von uns entfernt in Rom befindet; in der vielleicht erst wenige von uns drinnen waren. Ich habe diese Kirche auch noch nicht besucht. Zu der wohl niemand von uns eine persönliche Beziehung hat. Wo soll da die Festfreude herkommen, wo die Dankbarkeit?

Erschließt uns womöglich der Titel dieser Kirche einen Zugang zu herzlicher Festfreude? „Mutter und Haupt aller Kirchen Roms und des Erdkreises“ heißt sie. Können wir mit der Erhabenheit dieses Namens noch was anfangen? Was will dieser Titel uns heute sagen, dass wir in Freude erbeben und in Ehrfurcht erschauern?

Wenn wir „Mutter“ hören – sind wir etwa dann ihre Kinder? Aber in welcher Weise?
Und wenn wir „Haupt“ hören – sind wir dann etwa ihre Glieder? Aber in welcher Form?

Wenn ich nun anfüge, dass sie sozusagen die Hauskirche des Papstes ist, kommen wir dem Geheimnis des heutigen Festes schon näher. Der Papst ist ja der, dem die Sorge für die katholische Kirche weltweit auf besondere, hervorragende, einmalige Weise aufgetragen ist. In dieser Sorge ist es Nachfolger des Apostels Petrus und Stellvertreter Christi. Der Papst ist in dieser Hinsicht oberster Hirt der Kirche; er ist Diener der Diener Gottes. Mutter – Hirt – Diener: Diese Begriffe haben alle zu tun mit Leben: Leben gebären, Leben behüten, Leben fördern, Leben erhalten, Leben zur Vollendung führen.

Es geht hier um jenes Leben, das Jesus Christus durch sein Evangelium in diese Welt gebracht hat.

Es ist das Leben in der Gnade,
das Leben aus dem Glauben,
das Leben in der Nachfolge und in der Verbundenheit mit Jesus, der selber dieses Leben gibt und dieses Leben ist.

Dieses Leben hat die Kirche erbaut, deren Weihefest wir heute begehen; in diesem Leben wird auch die Lateranbasilika zu einem Symbol für die Kirche, die aus lebendigen Steinen besteht und die ganze Welt umfasst.
Jesus, den wir in den Gemäuern aus vielen verschiedenartigen Steinen feiern, will uns zu einem Haus aus lebendigen Steinen machen, dem er den Namen „Kirche“ gibt und von der es heißen soll: Ihr seid Gottes Bau; ihr seid Gottes Tempel; der Geist Gottes wohnt in euch.

Wir wissen jedoch, dass dies leider noch nicht vollkommene Wirklichkeit ist und dass der Herr auch bei uns immer wieder Tempelreinigung machen muss, weil in diesem Bau Gottes Dinge passieren, die mit Gott nichts zu tun haben.

So will die ferne Lateranbasilika unseren Horizont weiten und uns bewusst machen, dass wir katholische Kirche sind: das heißt weltweit, allumfassend, für alle offen.
Dass wir auf einem Grundstein stehen, der Jesus Christus ist.
Dass wir einen Hirten haben in demselben Jesus Christus – sichtbar dargestellt und vertreten im Bischof von Rom.
Dass wir eine Mitte haben in eben demselben Jesus Christus, von dem her wir lebendige Steine einer lebendigen Kirche sind; von dem her wir immer wieder Befreiung, Läuterung, Erleuchtung und Wegweisung finden – weil er unser Erlöser und Heiland ist, Weg Wahrheit und Leben in Ewigkeit!

Was gibt es Schöneres, als lebendiger Stein im Gefüge dieser Kirche sein zu dürfen, lebendiges Glied an diesem Leib, der immerfort geheiligt wird durch Christus? Gibt es einen tieferen Anlass zur Freude, einen tieferen Grund zur Dankbarkeit?