Dienstag, Dezember 30, 2008

Sie fanden Maria, Josef und das Kind


Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 2: 16 – 21

16 So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.

17 Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war.

18 Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten.

19 Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.

20 Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.

21 Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoß seiner Mutter empfangen wurde.





Zu Beginn dieses neuen Jahres führt uns das Evangelium zusammen mit den Hirten nach Bethlehem zu Maria und Josef und dem Kind, das in der Krippe liegt. Wir fangen dieses neue Jahr an der Krippe eines neugeborenen Kindes an: von diesem Kind heißt es, in ihm ist uns der Retter geboren, er ist der Messias, der Herr!

Diese Umstände laden uns ein,
das neue Jahr mit diesem neuen Kind zu beginnen.
Neu ist dieses Kind nicht nur, weil es eben geboren wurde;
neu ist dieses Kind wegen seiner Namen: Retter, Messias, Herr!
Diese Bezeichnungen bündeln sich in jenem Namen, den das Kind dann bei der Beschneidung erhält: Jesus! Und dieser Name bedeutet Gott rettet!
Das neue Jahr mit diesem neuen Kind zu beginnen heißt also: Dieses Jahr unter dem Schutz Gottes zu beginnen; dieses Jahr ganz der Obhut Gottes anzuvertrauen. Bereits die Anfänge dieses Jahres von Gott segnen zu lassen durch das Kind Jesus.
Das neue Jahr mit dem Kind Jesus zu beginnen heißt es mit Gott zu beginnen, denn dieses Kind Jesus verehren wir gläubig als den Sohn Gottes.

Das neue Jahr wird wachsen, das Kind Jesus wird wachsen, wir werden in diesem Jahr wachsen! Indem wir dieses kommende Jahr schon in seinen Anfängen dem Segen des Herrn unterstellen drücken wir unsere Hoffnung aus,
dass wir im Guten wachsen mögen;
dass dieses kommende Jahr ein Jahr des Heiles werden möge – für uns, für unsere Angehörigen, für unser Land, für die ganze Welt!
In unserem Glauben an dieses göttliche Kind Jesus,
in unserer Hoffnung auf es,
in unserer Liebe zu ihm öffnen wir uns und ermöglichen wir es, dass dieses Wachsen nicht unberührt nebeneinander geschieht. Vielmehr wird es ein Wachsen sein ineinander: Jesus wird in uns wachsen, wir werden in Jesus wachsen, zusammen werden wir in diesem kommenden Jahr wachsen und uns im Guten entfalten, sodass wir zu einem Segen werden für die Menschen mit uns und ums uns. Wir werden lebendig erfahren was es heißt: Jesus ist der Retter, der Herr!
Darum bitten wir dieses Kind:
In diesem kommenden Jahr werden wir viel Freude erleben; so hilf uns, dass wir uns immer in dir freuen!
Wir werden zahlreiche Beziehungen zu Menschen knüpfen und pflegen; so hilf uns, dass dadurch unsere Freundschaft mit dir wächst.
Es werden Leiden über uns kommen; so hilf uns, dass wir mit dir leiden!
Wir werden Versuchungen ausgesetzt sein; so hilf uns, dass wir deiner Kraft vertrauen.
Wir werden Dunkelheiten erfahren; so hilf uns auf dein Licht zu warten. Wir werden Schuld auf uns laden; so hilf uns, dass wir uns deiner barmherzigen Liebe in die Arme werfen.
Wir werden dem Tod begegnen; so lass uns glauben, dass du ihn überwunden hast, weil du von Gott her unser ewiges Leben bist!

Nun hören wir, dass das Kind nicht allein ist. Es ist Josef bei ihm und Maria, seine Mutter!
Von ihr vernehmen wir, dass sie alles, was geschehen war, in ihrem Herzen bewahrte und darüber nachdachte. Wir sehen in ihr eine Frau, die ihre mütterlichen Pflichten nicht nur in jener äußeren Sorge erfüllt, deren neugeborene Kinder so sehr bedürfen; sie nimmt auch mit dem Herzen und dem Verstand ganz Anteil an dem, was da geschieht. Es geschieht nicht nur vor ihren Augen und unter ihren Händen etwas; es ist dies zugleich auch ein Geschehen in ihr und ein Geschehen aus ihr! Sie ist ganz in dieses Geschehen eingebunden – und sie lässt das auch zu und fördert dieses Eingebunden werden mit Herz und Sinn!
Wir können sagen, sie ist gleich von Beginn an ein Herz und eine Seele mit ihrem Sohn. Und wir wissen auch von der Begegnung mit dem Engel Gabriel, woher das kommt: Sie ist voll der Gnade und so zuinnerst verbunden mit dem, der voll Gnade und Wahrheit ist!
Maria wird also dem Wachsen ihres Sohnes an der Seite stehen; sie wird es äußerlich fördern und es innerlich begleiten – es im Herzen bewahrend und darüber nachdenkend! Was bedeutet dies alles nun für uns?
Dass wir uns auch Maria nahen, indem wir zu ihrem Sohn kommen;
und dass sie mit umso größerer Freude erfüllt wird je tiefer, je herzlicher, je umfassender wir uns mit ihrem Kind zusammenschließen.
Denn auf diese Weise tun wir genau das was sie tut: die Verbundenheit mit ihrem Sohn anstreben, vertiefen, feiern, leben!

Unser Neubeginn in diesem Jahr ist nicht nur ein neuer Start mit Jesus; es ist zugleich ein Neunanfang mit Maria, seiner Mutter.
Denn nichts wünscht sie sehnlicher, als dass wir mit ihrem Sohn leben;
nichts kann ihr Herz mehr bewegen,
nichts ihre Gedanken mehr beschäftigen!
Nichts begleitet sie mit ihrem Segen mehr als unser Zusammenleben mit Jesus.
Darum steht auch der Neubeginn dieses Jahres hier an der Krippe unter dem ganz besonderen mütterlichen Segen Mariens.
Deswegen feiert die Kirche am Neujahrstag die Gottesmutterschaft Mariens.
Darum wollen wir diesen Jahresanfang jener Frau ans Herz legen, in der Gott die Geschichte unseres Heiles neu anfangen hat lassen.
Wir wollen allen Dank, allen Lobpreis, alle Bitten, alle Sorgen, die unser Leben eben jetzt bewegen, in diese Frau hineinlegen, aus der heraus uns geboren wurde Jesus Christus, der Herr, der uns neues, unvergängliches Leben schenken wird.
Maria, wir sehen, wie du um dein Kind sorgst;
wie du es ins Herz geschlossen hast;
wie deine Gedanken um es kreisen.
Du hast dieses Kind geboren; aber es bleibt auch in dir lebendig: in deinem Herzen; in deinen Gedanken!
Du sagst uns damit, dass es nicht genügt, Jesus auf den Armen zu tragen und in den Händen zu halten; ihm die Brust zu reichen und ihn in Windeln zu wickeln.
Jesus will in unserem Herzen getragen werden und in die Windeln unserer Gedanken gewickelt werden;
er will in unseren Worten reden und in unseren Taten leben.
Durch das Beispiel, wie du mit Jesus umgehst bist du uns in besonderer Weise Mutter:
lass uns von dir lernen;
lass uns sein wie du;
lass uns wirklich deine Kinder sein,
indem wir deinem Sohn Mütter und Schwestern und Brüder werden mit unserem ganzen Leben. Amen!

Samstag, Dezember 27, 2008

Segen durch Hingabe


Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 2: 22.39 – 40

22 Es kam für die Eltern Jesu der Tag der vom Gesetz des Moses vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen.

39 Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück.

40 Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit, und seine Gnade ruhte auf ihm.



Aus der Ehegemeinschaft von Josef und Maria ist durch die Geburt Jesu eine Familie geworden. Es liegt nahe, die Familiengemeinschaft dieser drei besonders anzuschauen, zu würdigen und zu verehren.
Gewiss – es sind drei individuelle, einmalige Persönlichkeiten, die unter besonderen geschichtlichen Umständen eine einmalige Familiengemeinschaft bilden. Gibt es bei aller Besonderheit, die trennt, nicht auch ein verbindendes Gemeinsames mit uns, das wir leben können wie sie; das Familien heute leben können wie sie es damals gelebt haben?
Ich meine, ja!
Es ist ein Leben in Frömmigkeit und Eintracht. Wodurch zeichnet sich dieses Leben in Frömmigkeit und Eintracht bei der hl. Familie aus? Wie äußerte sich ihre Frömmigkeit? Und wie ihre Eintracht?

Einen ersten Hinweis auf ihre Frömmigkeit finden wir gleich zu Beginn des heutigen Evangeliums: „Es kam für die Eltern Jesu der Tag der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen.“ (Lk 2:22)
Reinigung der Mutter und Weihe des Kindes.
Nach jüdischem Gesetz galt eine Mutter nach der Geburt eines Knaben vierzig Tage für unrein. Während dieser Zeit musste die Mutter im Haus bleiben, durfte den Tempel nicht betreten und keine Opferspeisen anrühren. Nach dieser Wartezeit sollte sie zur gesetzlichen Reinigung ein Brand- und Sündopfer im Tempel darbringen – für die Armen ein paar Tauben: die eine Taube für das Brand- und die andere für das Sündopfer.

Zudem schrieb bei der Geburt des Erstgeborenen das Gesetz die „Heiligung“ des Kindes vor. Die erstgeborenen Söhne waren nämlich Jahwe geheilig; d.h. sie waren zu Gottes Eigentum und Dienst geweiht. Als nun die Leviten anstelle der Erstgeborenen zum Dienst im Heiligtum bestimmt wurden, trat das Gesetz in Kraft, dass die Erstgeborenen loszukaufen seien – zurzeit Jesu um den Preis von 5 Schekel - heute wären das eta 700 Euro. Die Heiligung des Kindes wurde „Darstellung“ genannt und deutete an, dass das Kind dem Herrn geweiht und zum Dienst am Tempel übergeben worden sei.

Die Eltern Jesu erkennen ihr Kind als Gabe Gottes an. Sie nehmen diese Gabe an, indem sie es im Tempel Gott weihen. Obwohl ihnen Gott dieses Kind geschenkt hat nehmen sie es ganz als Eigentum Gottes an. Es gehört bleibend Gott. Gott hat ihnen dieses Kind anvertraut, dass sie es als sein Eigentum behandeln. Dass sie mit diesem Kind umgehen sollen und wollen im Wissen, dass es Gott gehört. Dass sie also nach dem Willen Gottes dieses Kind erziehen. Den Willen Gottes nehmen sie im Gesetz des Moses an.
Und dass sie dieses Wissen dann dem Kind auch weitergeben.
Es soll sich bewusst werden, dass es vor allen anderen – auch vor den Eltern selber – Gott gehört.
Dass Jesus als 12jähriger dann bei einer Wallfahrt im Tempel zurückbleibt können wir als Frucht dieser Erziehung sehen. Andererseits scheinen seine Eltern die Konsequenzen ihres gottgefälligen Erziehens nicht völlig durchdacht zu haben.

Auf jeden Fall ist eines klar: Frömmigkeit bedeutet für die Eltern Jesu, durch diesen Akt der Hingabe ihres Kindes an Gott ihre Familie von Anfang an auf eben diesen Gott zu gründen. Sie ahmen so Abraham nach, der auch bereit war, seinen Sohn Isaak Gott im Schlachtopfer zu geben.
Zugleich verhalten sie sich wie der kluge Mann im Gleichnis Jesu, der sein Haus auf Fels baute.
Nun liegt es wohl auf der Hand, dass dieses Zeichen der Verbundenheit mit Gott nicht das einzige geblieben sein wird. Diese Hingabe werden sie im verborgenen Alltag Nazareths weitergelebt haben; sonst wäre das Verhalten des 12jährigen Jesu nicht denkbar.
Zudem erfließt die Heiligung ihres Kindes im Tempel aus ihrer eigenen Lebenshingabe an Gott, die sich in den biblischen Erzählungen bei Matthäus und Lukas bereits vor der Geburt ihres Kindes überdeutlich manifestiert.
Sie konnten ihr Kind deshalb Gott geben weil sie sich selber Gott gegeben haben.

Das, was wir eben aus dem Leben der hl. Familie gehört haben regt uns als Eltern, als Vater und Mutter an zu fragen, wie sich denn unsere Gottverbundenheit manifestiert; wie ernst wir es damit meinen; welche Zeichen wir dafür setzen; welche Kontinuität sie in unserem Leben hat. Wo sie sich in herausragenden Zeichenhandlungen niederschlägt und wo sie in alltäglichen Gesten aufleuchtet.

Wo diese Gottverbundenheit nicht da ist dürfen wir uns nicht wundern, dass die Gottlosigkeit sich einstellt mit allen Konsequenzen, die ein gottloses Leben hervorbringt. Ein schlechter Baum bringt tatsächlich nur schlechte Früchte – das hat schon Jesus erkannt – und vielleicht hat er dabei an die religiöse Erziehung seiner Eltern gedacht.
Wir können an der hl. Familie ablesen, dass Frömmigkeit Eintracht mit Gott bedeutet. Diese Eintracht mit Gott ist aber unbedingt nötig für die Eintracht untereinander. Frömmigkeit und Eintracht hängen notwendig zusammen und bedingen einander. Wo eines fehlt, fehlt auch das andere!

Christliches Familienleben ist berufen, ein Strom der Frömmigkeit und der Eintracht zu sein. Dieser Strom entspringt bei Gott und fließt wieder zu ihm hin. Beten und leben wir so, dass unsere Familien sich wieder mehr und mehr von diesem Strom mitreißen lassen! Amen!

Mittwoch, Dezember 24, 2008

In Ihm war das Leben!


Aus dem hl. Evangelium nach Johannes Joh 1:1-5.9-14

1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.

2 Im Anfang war es bei Gott.

3 Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.

4 In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

5 Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.

9 Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.

10 Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.

11 Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.

12 Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben,

13 die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.

14 Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.


„Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt!“

In der Nacht vernahmen wir es in lieblicher Erzählung; jetzt hören wir es in wortgewaltiger Sprache: Gott ist Mensch geworden!
In der Nacht wird uns von der Geburt Jesu erzählt und heute wird uns im Evangelium die Identitätskarte nachgereicht, die uns sagt, wer dieser Jesus eigentlich ist: Er ist im Anfang das Wort, das bei Gott war, und das Gott war und
durch das alles geworden ist. (vgl. Joh 1:1-3). Dadurch sprengt das Ereignis in Bethlehem den lokalen Rahmen und zeigt sich in seiner universalen Bedeutung. Die Geburt des Kindes Jesus erweist sich als die Zeitenwende, die für jeden von uns eine Wende sein will.

Das Wort ist Fleisch geworden – das erzählt etwas von dem, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht.
Es erzählt eine Geschichte aus dem Herzen des Vaters; eine Geschichte über die Liebe, die in diesem väterlichen Herzen schlägt.
Es erzählt von einer Liebe, die entschlossen ihren Weg weitergeht und nicht auf halbem Weg stehen bleibt;
von einer Liebe, die sich verantwortlich weiß für das, was sie geschaffen hat;
von einer Liebe, die am Leben erhalten will, was sie ins Leben gerufen hat; die noch wunderbarer erlösen will, was sie wunderbar geschaffen hat.
Es erzählt von einer Liebe, die zurückschaut auf ihre bisherige Geschichte mit den Menschen: Was und wie sie geschaffen hat, wie sie geliebt hat durch Führung und Weisung, durch Mahnung, Zorn und Bestrafung, durch Erbarmen, Verzeihen und Erneuerung der Liebe.
Es erzählt von einer Liebe, die sich bei diesem Rückblick fragt: Ja und nun? Wie soll es weitergehen? Und die angesichts menschlicher Not und menschlichen Elendes nicht mehr an sich halten kann, die austritt – aus sich heraustritt und das wird, was sie liebt: Mensch.

Schwestern und Brüder: die Botschaft ist nicht zu überhören: In der Menschwerdung Gottes feiern wir jene Liebe, die ihren Weg bis ans Ende geht; und dieses Ende ist die Vollendung bei Gott: die Vollendung dieser Liebe in der Vollendung des Menschen bei Gott! Wie geht Gott dabei vor? Er macht den Raum seines Zeltes weit, er spannt seine Zelttücher aus, ohne zu sparen. Er macht die Stricke lang und die Pflöcke fest! (vgl. Jes 54:2). Er tut dies indem er wird, wen er liebt: Mensch! In der Menschwerdung gibt er dem Menschen Raum bei sich, gibt ihm Wohnung in seinem heiligen Zelt. Seit der Menschwerdung Gottes ist klar: Des Menschen Zuhause ist bei Gott – für immer!

Diese Liebe Gottes zu uns ist eine Kraft zum Lieben in uns: Sie ist eine überwältigende Einladung, dass auch wir das Zelt unseres Lebens so geräumig machen wie möglich und die Wohnung unseres Herzens öffnen so weit es geht. Wenn wir uns vertiefen in die Liebe, die Gott uns erweist, indem er Mensch wird wie wir, werden wir die Maßlosigkeit dieser Liebe erkennen und zugleich von dieser Maßlosigkeit ergriffen werden – und auch unser Lieben wird sich weiten,
in den Schritten der Versöhnung auf unsere vermeintlichen oder tatsächlichen Gegner zu;
auf den Wegen eines tieferen Verstehens jener, für die wir bisher kein Verständnis hatten;
auf den Pfaden eines mutigeren Ertragens jener, die wir bisher nur widerwillig oder gar nicht annehmen konnten.

Von einer Wende unseres Lebens sprach ich oben und meinte damit eine Wende in unserem Lieben!
Es versteht sich von selbst, dass diese Wende in unserem persönlichen Leben nicht loszulösen ist aus dem sozialen und politischen Rahmen, indem wir uns befinden. Diese Wende trägt einen unüberhörbaren Auftrag und eine unaufhaltsame Kraft in sich: das Persönliche, Individuelle zu sprengen und überzugreifen auf das Öffentliche, das Politische: Die Menschwerdung Gottes muss Leitbild und Maßstab werden für politisches Handeln und für den Umgang der Staaten miteinander. So wird etwa Europa den christlichen Wurzeln seiner Existenz gerecht und wird den Weg beschreiten, der Leben bedeutet. Nur so wird es bezeugen können, dass es ein Kind des Christentums ist und nicht eine Ausgeburt des Kapitalismus.

So werden wir die Macht der Kinder Gottes haben dürfen, die der Herr denen gab, die ihn aufnehmen. Er kommt zu uns, denn wir sind sein Eigentum; leben wir auch so, dass die Menschen sehen, dass wir zu ihm gehören! Amen!

Freitag, Dezember 19, 2008

Gottes Entgegenkommen


+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 1:26 – 38



26 Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret

27 zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.

28 Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.

29 Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.

30 Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.

31 Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.

32 Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.

33 Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.

34 Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?

35 Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.

36 Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat.

37 Denn für Gott ist nichts unmöglich.

38 Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.



„Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.“ (Lk 1:31)

Mit dieser Botschaft des Engels aus dem heutigen Evangelium beginnt etwas Neues. Die Zeit des Advents wird um eine Dimension erweitert.
Bisher wurden wir gefordert:
Wir wurden ermahnt, wachsam zu sein, damit der Herr uns bei seinem Kommen nicht schlafend findet.
Wir wurden aufgefordert, dem Herrn den Weg zu bereiten und ihm die Straßen zu ebnen.
Wir wurden eingeladen: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit. Bereitet Euer Herz zum Tempel.
So haben wir uns denn auf den Weg gemacht nach Bethlehem;
sei es der Weg zur Rorate in der Morgenfrühe, oder der Weg an das Krankenbett eines Verwandten oder Bekannten, oder der Weg von Geschäft zu Geschäft auf der Suche nach einem ganz bestimmten Geschenk für einen bestimmten Menschen.
Sei es der Weg zur stillen Runde um den Adventkranz.
So suchten wir in diesen Tagen den Herausforderungen des Evangeliums zu entsprechen.

Heute nun treten wir mit dem 4. Adventsonntag in eine zweite, intensivere Phase des Advents ein; beim Blindekuhspiel wird es wärmer und wärmer – ehe es zu Weihnachten ganz heiß wird, indem wir das Kind in Krippe ertasten.
Und im Evangelium wird diese wärmere Phase dadurch ausgedrückt, dass sich nun auch Gott von der Stelle rührt.

Es mag bisher den Eindruck erweckt haben, als seien nur wir auf dem Weg zu einem Gott, der uns gemütlich in seinem Thronsessel erwartet.
Im Gegenteil: Wir gehen einem Gott entgegen, der seinerseits uns entgegenkommt! Und nicht nur in der Weise, dass er uns seine Engel schickt, wie es das Evangelium anfangs nahe legen könnte; nein – er macht sich selber auf den Weg nach Bethlehem, indem er in den Schoß einer Jungfrau herabsteigt, und dort Mensch wird.
Das ist die große Botschaft der schlichten Geschichte des heutigen Evangeliums, das ist die strahlende Mitte unserer christlichen Religion, das sie von allen anderen Religionen unterscheidet und sie alle in den Schatten stellt: Dass Gott uns als Mensch entgegenkommen, dass er uns im Menschen Jesus von Nazaret begegnen möchte.

Gott ist zwar immer schon ein entgegenkommender Gott gewesen; ja, indem er den Menschen aus Nichts geschaffen hat, ist er grundsätzlich ein Gott, der dem Menschen entgegen kommt, indem er ihm das Leben schenkt und ihn im Leben erhält.
Auch in der Geschichte seines Volkes ist Gott dieser seiner Art treu geblieben. Denken wir an das Ereignis auf dem Berg Sinai: Das Volk kam zu diesem heiligen Berg und Gott stieg auf den Berg herab;
oder an den Tempel, den Salomon in Jerusalem erbaut hat: auch da ließ sich die Herrlichkeit Gottes auf diesen Ort nieder und heiligte ihn.

In beiden Ereignissen des Ersten Bundes können wir so Vorausbilder sehen für das, was jetzt im Advent geschieht und sich zu Weihnachten vollendet: Gott und Mensch auf dem Weg zueinander um sich zu begegnen!

Das will uns Mut machen! Denn es wird klar: Nicht nur uns liegt an der Begegnung mit Gott; noch viel mehr liegt Gott an der Begegnung mit uns! Und wie sehr ihm daran liegt erkennen wir daran, dass er Propheten gerufen hat, damit sie sein Volk hinführen zu ihm und es vorbereiten auf den Herrn: Immer wieder hat er den Menschen seinen Bund angeboten und sie durch die Propheten gelehrt, das Heil zu erwarten (vgl. IV. Hochgebet): Jesaja und Johannes der Täufer, zwei von ihnen, haben uns besonders intensiv durch diesen Advent geführt. An diesen Männern wird deutlich, wie sehr Gott uns gleichsam von allen Seiten umschließt, damit wir ihn ja nicht verfehlen und er uns mit seinen Gaben beschenken kann (vgl. Ps 139: 5)

Beim Propheten Jesaja ruft Gott gar aus: „Hört auf mich, ihr vom Haus Jakob, und ihr alle, die vom Haus Israel noch übrig sind, die mir aufgebürdet sind vom Mutterleib an, die von mir getragen wurden, seit sie den Schoß ihrer Mutter verließen. Ich bleibe derselbe, so alt ihr auch werdet, bis ihr grau werdet, will ich euch tragen. Ich habe es getan und ich werde euch weiterhin tragen, ich werde euch schleppen und retten. Mit wem wollt ihr mich vergleichen, neben wen mich stellen? An wem wollt ihr mich messen, um zu sehen, ob wir uns gleichen?“ (Jes 46:3-5) Es gibt tatsächlich keinen Gott, der sich so sehr um sein Volk kümmert, wie Jahwe um Israel. Und diese Sorge Gottes um sein Volk weitet sich im 2. Bund dann aus auf alle Menschen.

Wahrlich – an Gott kann es nicht liegen, wenn die Begegnung mit ihm nicht stattfindet!

Wie sehr diese Begegnung gelingen kann, wird uns in der Jungfrau Maria gezeigt. Voll der Gnade ist sie bereit, Gott ihren Leib zu schenken, dass er davon nehme und Mensch werde. Bedenken wir dieses „Voll der Gnade!“
Es heißt bereit, offen, wach sein für die Begegnung mit dem Herrn: In der Stunde, die er sich aussucht und an dem Ort, den er sich erwählt.
Es heißt im Gespräch mit ihm seinen Willen zu ergründen, soweit das Menschen möglich ist – nicht aus Skepsis, misstrauisch und widerwillig sondern voll Vertrauen und begierig, mit um so größerer Hingabe seinen Willen zu tun, je mehr er uns davon verstehen lässt.
Voll der Gnade sein heißt schließlich, sich ganz dem Herrn zur Verfügung zu stellen: Mit Leib und Seele, mit Haut und Haar, in Zeit und Ewigkeit. Amen!

Samstag, Dezember 13, 2008

Freut euch im Herrn zu jeder Zeit!


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 1:6-8.19-28



6 Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes.

7 Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.

8 Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.

19 Dies ist das Zeugnis des Johannes: Als die Juden von Jerusalem aus Priester und Leviten zu ihm sandten mit der Frage: Wer bist du?

20 bekannte er und leugnete nicht; er bekannte: Ich bin nicht der Messias.

21 Sie fragten ihn: Was bist du dann? Bist du Elija? Und er sagte: Ich bin es nicht. Bist du der Prophet? Er antwortete: Nein.

22 Da fragten sie ihn: Wer bist du? Wir müssen denen, die uns gesandt haben, Auskunft geben. Was sagst du über dich selbst?

23 Er sagte: Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für den Herrn! wie der Prophet Jesaja gesagt hat.

24 Unter den Abgesandten waren auch Pharisäer.

25 Sie fragten Johannes: Warum taufst du dann, wenn du nicht der Messias bist, nicht Elija und nicht der Prophet?

26 Er antwortete ihnen: Ich taufe mit Wasser. Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt

27 und der nach mir kommt; ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren.

28 Dies geschah in Betanien, auf der anderen Seite des Jordan, wo Johannes taufte.



Der heutige 3. Adventsonntag trägt den Namen „Gaudete“ – Freut euch! Es ist der Freudensonntag in der Adventszeit.
Die lila Kerze auf manchen Adventkränzen und das lila Messgewand, das der Priester an manchen Orten trägt, weisen hin auf die Freude, die den heutigen Adventsonntag besonders prägen soll.
Und Johannes, von dem wir eben gehört haben, hat in dieser Freude gelebt. Die Klarheit nämlich mit der er Zeugnis ablegt und die Festigkeit mit der er den Fragenden Antwort gibt, lässt keinen anderen Schluss zu, als dass er seine Aufgabe mit Freude erfüllt hat.

Die Sicherheit und Überzeugung, mit der Johannes auftritt, kommt daher, dass er weiß, woher er kommt und wozu er da ist.
Er weiß um seine Aufgabe und um den, der ihm diese Aufgabe gestellt hat: „ Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für den Herrn!“ (Joh 1:23)
Er kennt den Mund, aus dem er als Stimme hervorgegangen ist;
er weiß, was er zu reden hat und auf wen er durch seine Worte hinweisen soll.
Johannes erlebt sich eingefügt in eine Ordnung, die Gott errichtet hat und die die Menschen mit dem zusammenbringen soll, der nach ihm kommt und dessen Schuhe aufzuschnüren er nicht wert ist. (vgl. Joh 1:37) Johannes weiß sich eingefügt in eine Heilsordnung, die von Gott begründet ist.
Das gibt ihm Sicherheit im Auftreten;
das gibt ihm Festigkeit im Zeugnis;
das gibt ihm Freude an seinem Dienst!
Wenn nun also Johannes der erste ist, der der Aufforderung des Apostels zur Freude nachkommt, dann können wir die nächsten sein – allein schon dadurch, dass wir uns am Zeugnisgeben des Täufers erbauen, dass wir uns an seiner Festigkeit aufrichten und uns am Inhalt seines Zeugnisses erfreuen. Dies umso mehr, da es auch heute genauso wie damals selten ist, Menschen zu erleben, die uns durch ihr klares, mutiges und frohes Zeugnis erbauen und Freude bereiten.

Die Art wie Johannes Zeugnis ablegt ist also an sich schon anziehend, ja geradezu faszinierend. Zugleich regt sie an, nach dem Ursprung und dem Ziel dieses Zeugnisgebens zu suchen; denn es erwacht der Wunsch, dass man selber auch zu so einer johanneischen Sicherheit kommt im eigenen Leben und man die Grundfragen des Lebens auch mit johanneischer Gewissheit beantworten kann: Wer bin ich? Woher komme ich? Wozu bin ich hier!
Die ersten Worte des heutigen Evangeliums lassen uns finden, was wir suchen: „Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.“ (Joh 1:6-8)
Wir hören: Johannes ist von Gott gesandt; dieser ist sein Auftraggeber, sein Hintermann, sein Rückhalt. Mit dem Psalmisten kann Johannes beten: „Meine Stärke, an dich will ich mich halten, denn du, Gott, bist meine Burg.“ (Ps 59:10) „Er hat die Weisung seines Gottes im Herzen, seine Schritte wanken nicht.“ (Ps 37,31) Mit diesem Gott im Rücken und mit seiner Weisung im Herzen ist gut dastehen; da stehst du auf Felsen und nichts kann dich erschüttern. Auf Johannes wird der Geist geruht sein, von dem wir in der 1. Lesung gehört haben. (vgl. Jes 61:1-2a)

Das hilft uns entdecken, was uns fehlt:
Wir vergessen unser Gegründetsein in Gott; unser Kindsein vor Gott; unser Gesendetsein von Gott, das uns in der Taufe geschenkt wurde.
Wir haben den Grund vergessen auf dem wir stehen.
Zur Freude werden wir finden, wenn wir erneut entdecken,
dass Gott uns in die Welt geschickt hat und
dass er jedem von uns einen Auftrag gegeben hat;
dass er jeden von uns berufen hat vor ihm zu stehen und ihm zu dienen. Wir sind seinem Gedanken entsprungen; wir kommen aus seinem Herzen; wir sind nach seinem Wunsch gebildet; seine Hände haben uns gemacht und geformt (vgl. Ps 119:73) Wenn das kein Grund zur Freude ist!?

Und dann die Aufgabe des Johannes: Zeugnis abzulegen für das Licht! Hinzuweisen auf dieses Licht! Die Leute aufmerksam zu machen auf dieses Licht! Sie hinzuführen zu diesem Licht!
Mit diesem Licht ist Jesus gemeint, der sich selber das Licht der Welt nennt. (Joh 8:12)
Auch unsere Lebensaufgabe hat seit der Taufe grundsätzlich mit Christus zu tun; Christus ist unser Auftrag; unser Leben soll mit IHM zu tun haben; es soll IHN verlebendigen, IHN aufleuchten lassen; IHN sichtbar werden lassen; IHN den Menschen zeigen; sie mit IHM bekannt machen; sie zu IHM hinführen!

Gerade die Zeit des Advent erinnert uns schmerzlich daran, dass dem nicht so ist: Wie nämlich der Weihnachtsrummel das Weihnachtsfest vergessen lässt so lässt auch unser Lebensrummel auf Christus in unserem Leben vergessen – uns und andere; der Inhalt unseres Christennamens deckt sich oft kaum mehr mit dem Inhalt unseres Christenlebens; dabei sollte beides deckungsgleich sein: Wie unser Name Christ so unser Leben Christus! Wie weit sind wir aber davon entfernt!? Und das ausgerechnet in der Adventzeit!

Dabei hat Gott in der Taufe unser Leben ausgespannt von Gott zu Gott! Mit der einen Hand werden wir gleichsam vom Vater gehalten um die andere Hand dem Sohn zu reichen. So wäre unser Leben eigentlich weit offen für den Geist Gottes, damit der auf uns ruhe. Was soll ich sagen? Wir sind eingehüllt von Gott wie in den „Mantel der Gerechtigkeit,“ wie in „das Gewand des Heils.“ Mit „göttlichem Geschmeide“ sind wir geziert. Genau das will uns Gott zu Weihnachten schenken: Seinen Sohn als Zierde unseres Lebens, dass wir ihn als königliches Kleid anziehen (vgl. Röm 13:14); dass wir ihn als die Berufung unseres Lebens erkennen – wer immer, wo immer und wie immer wir sind. Wie sich das zeigt? Der Apostel sagt es in der 2. Lesung: „Freut euch zu jeder Zeit! Betet ohne Unterlass! Dankt für alles; denn das will Gott von euch, die ihr Christus Jesus gehört!“ (1 Thess 5:16-18). Das soll unser Zeugnis für Christus sein. Amen!

Sonntag, Dezember 07, 2008

Maria durch ein Dornwald ging!


Wie ein Leuchtturm steht das heutige Fest mitten im Advent und sein Lichtglanz überstrahlt die anderen Feste in dieser Zeit, um erst vor jenem Licht zu verblassen, das von der weihnachtlichen Krippe ausgeht; oder besser gesagt, um in das Licht von Weihnachten einzumünden, in diesem Licht seine Vollendung zu finden und ganz mit ihm zu verschmelzen.

Dabei wird die weihnachtliche Sonne durch sie entzündet, in dem sie ihr Kind gebiert und so der Welt den Heiland bringt. Das Licht Mariens kehrt zu seinem Ursprung zurück, von dem es seinen Ausgang genommen hat; denn um ihres Sohnes willen wurde Maria vom leisesten Schatten der Sünde von allem Anfang an frei gehalten.

Ehe Gott uns seinen Sohn zeigt zeigt er uns heute dessen Mutter Maria. Damit will er uns etwas sagen: wir sollen uns in dieser adventlichen Zeit vor allen anderen an ihr orientieren. Sie ist der adventliche Mensch! Wie sie sollen wir den Herrn in uns tragen – nicht als unser Privateigentum sondern um ihn zur Welt zu bringen als ein Geschenk, das Gott uns allen macht.
Wie sie sollen wir den Herrn in uns tragen – das heißt in möglichst inniger Verbundenheit mit ihm leben: im Wissen, dass ER in uns lebt; im Wissen, dass ER in uns heranreift und Gestalt annimmt; im wissen, dass ER durch uns wirken möchte.
Wie sie sollen wir in einer neuen, tiefen Achtsamkeit auf Jesus leben. Unser ganzes Tun und Lassen möge mehr und mehr verursacht, begleitet und geprägt sein von der Gewissheit, dass ER da ist und immer mehr da sein möchte, immer mehr Wirklichkeit und Gegenwart werden möchte.
Wie sie sollen wir mehr und mehr von der Erfahrung des hl. Paulus erfüllt werden, dass Christus in uns lebt und unser Leben ein Ort seiner Gegenwart ist.

In Maria lässt Gott uns heute am herrlichen Kachelofen Platz nehmen, der das ganze Haus der Kirche erwärmt. Seine Wärme kommt von der Glut her, die zu Weihnachten im Stall von Bethlehem entfacht wird. Es ist die Glut der Liebe Gottes, die immer schon unvermindert brannte – die aber im weihnachtlichen Geheimnis die Gestalt des Menschen Jesus angenommen hat.

Nehmen wir also auf der Ofenbank Platz und lassen wir uns die durchfrorenen Glieder erwärmen, lassen wir uns auftauen und zu Menschen machen, die diese Wärme weitergeben. Im Hinblick auf den Herrn etwa dadurch, dass wir in seinen Händen weich werden wie formbares Wachs, so dass er mit Leichtigkeit unserem Leben jene Form einprägen kann, die er uns von Anfang an zugedacht hat.

Unseren Mitmenschen gegenüber mögen wir werde wie köstliche Bratäpfel: vorzüglich im Geschmack, knackig in der Haut und nicht so heiß, dass sich die Leute beim Essen den Mund verbrennen.

Blicken wir also am heutigen Tag auf Maria, diesen Leuchtturm des Glaubens; stellen wir uns auf diesen Felsen unerschütterlicher Hoffnung und setzen wir uns an diesen Ofen, dessen Feuer nicht ausgeht und dessen Wärme nicht abkühlt. Eignen wir uns so gut als möglich diese Eigenschaften der Mutter Jesu an und werden auch wir in dieser Hinsicht ihre Kinder. So möge diese Zeit des Advents in uns reiche Frucht bringen indem sie uns zu einer Frucht der Liebe Gottes macht, die allen mundet, die davon essen.

Freitag, Dezember 05, 2008

Bereitet dem Herrn den Weg!


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 1: 1 - 8

1 Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes:

2 Es begann, wie es bei dem Propheten Jesaja steht: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen.

3 Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!

4 So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündigte Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden.

5 Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen.

6 Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften, und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig.

7 Er verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren.

8 Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.




Wir haben es eben gehört – 2mal: „Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!“ Wenn wir diesen Ruf in unser Herz dringen lassen, dann könnte uns ungemütlich werden; denn wir werden aufgefordert etwas zu tun – gerade in der Zeit des Advent, wo wir uns ohnedies überfordert fühlen mit so vielem, was uns im Hinblick auf Weihnachten beschäftigt. Dieses Gefühl der Bedrängnis wächst, wenn wir uns die Version in der Lesung anhören: „Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unsern Gott!“ Und nicht genug damit, dass durch die erschwerenden Lokalitäten der Steppe und der Wüste diese Arbeit noch verschärft dargestellt wird – es wird in der Lesung dieses Straßenbauen und Wegeebnen noch ausführlicher dargestellt: „Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist soll gerade werden, und was hügelig ist, werde eben.“ Das ist nun wahrlich Schwerarbeit. Und dabei würden wir uns gerade aus dem Wort Gottes heraus für diese Zeit des Advents eine Einladung zur Stille und zur Besinnlichkeit erwarten. Wenn wir nur auf diese Arbeit starren lässt und dieses Wort der Schrift ziemlich ratlos und ausgesprochen unbefriedigt zurück.
Wir haben bei diesem Aufruf den Akzent bisher auf das Arbeiten gelegt: Bereitet die Straßen! Ebnet den Weg!

Betonen wir nun aber diese Einladung anders: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen, so weitet sich der Horizont und es kommt der in den Blick, für den wir Wege bereiten und Straßen ebnen: Der Herr! Und damit wird der sichtbar, der uns Antrieb gibt; der uns Kraft, Freude und Phantasie gibt für unsere Arbeit. Nicht dass wir uns sein Kommen verdienen müssten; er ist vielmehr der Siegespreis, den zu gewinnen die Läufer im Stadion laufen; (vgl. 1 Kor 9:24) Um diesen Siegespreis Christus zu gewinnen, sieht Paulus alles als Verlust an, weil die Erkenntnis Christi Jesu, seines Herrn, alles übertrifft. Seinetwegen hat er alles aufgegeben und hält es für Unrat. (vgl. Phil 3:8) Es soll also deutlich werden, was mir der Herr wert ist; wie sehr mir die Begegnung mit ihm am Herzen liegt; wie sehr mich die Erwartung der Begegnung mit ihm erfüllt und mich in der Hoffnung darauf umtriebig macht. Und wir werden erfahren: Je mehr wir uns auf diese Arbeit für den Herrn einlassen und wir den Herrn ins Auge fassen und ins Herz schließen desto geringfügiger werden uns alle Mühen werden – mögen sie noch so groß sein!

Wenn wir uns nun dem Weg zuwenden, den wir bereiten und der Straße, die wir ebnen sollen, dann bemerken wir, dass dies ein Weg ist nicht nur für den Herrn sondern auch ein Weg für uns! Es ist nicht nur der Weg des Herrn, den wir bereiten! Es ist auch unser Weg! Es ist unser Lebensweg, den wir aufgefordert werden zu ebnen, zu bauen, begehbar zu machen. Der Aufruf: ‚Bereite den Weg!’ ‚Ebne die Straßen’ meint genau dies: Baue, arbeite an deinem Leben! Und tatsächlich: bei ehrlichem und aufmerksamem Zusehen werde wir erkennen: unser Leben ist noch eine Baustelle! Unsere Lebensstraße ist noch nicht fertig: Es gibt noch die mächtige Schlaglöcher unserer lästigen bis gefährlichen Abhängigkeiten, in denen wir immer wieder hängen bleiben; es gibt die mächtigen Brocken unserer Schuld, die wir nicht beseitigt haben; und haben wir auch die Rastplätze der Einkehr gedacht, auf denen wir uns erholen können? Ich meine damit die Gelegenheiten zur hl. Messe, zum Gebet, zur Beichte!
Wenn nun einige antworten: „Gar so schlimm wird es da bei mir nicht sein,“ dann fürchte ich, dass sie den Weg ihres Lebens mit zu geringer Wertschätzung gehen; dass sie nicht mehr recht wissen, was ihnen da von Gott geschenkt wurde im Weg ihres Lebens. Dass sie durch Gewöhnung blind geworden sind für die Schönheit und den Reichtum ihres Lebensweges; und dass sie sich abgefunden haben mit dem verwilderten Zustand ihres Weges. Sie finden nichts mehr an den Schlaglöchern und den Brocken auf ihrem Weg; sie können sich auch nicht mehr vorstellen, dass es ganz anders sein könnte! Sie vergessen auch, was der hl. Johannes vom Kreuz sagt: Ein Vogel wird gleichermaßen von einem dicken Seil wie von einem dünnen Faden daran gehindert, in Freiheit aufzufliegen (1S11, 4).

Mit meinen Worten möchte ich nicht euren Weihnachtsstress vermehren; vielmehr möchte ich eure Aufmerksamkeit und euer Mühen dorthin richten, wo der Einsatz lohnt und Ziel führend ist: Auf den Herrn, der euch auf eurem Lebensweg entgegenkommen möchte und dass ihr diesen Weg bereitet. Das heißt: dass ihr gerade in diesen Tagen an euren Beziehungen arbeitet: Zu Gott, zu den Mitmenschen, zu euch selber, zur Schöpfung! Damit euer Weg wirklich ein Lebensweg wird! Zu einem Weg, der Leben bringt euch und allen, die zu euch gehören. Das könnte gerade im Hinblick auf Weihnachten heißen, dass ihr Hilfe schenkt, wo Menschen wirklich in Not sind oder dass ihr Vergebung schenkt einem Menschen, dem ihr etwas weiß Gott wie lange schon nachtragt; oder dass ihr herzliche Zuwendung schenkt einem Menschen, der an Einsamkeit zu ersticken droht.

Vor allem: Schenkt nicht etwas sondern schenkt euch selber und bedenkt dabei immer das Wort des Herrn: Was ihr einem meiner Schwestern und Brüder geschenkt oder nicht geschenkt habt, das habt ihr mir geschenkt oder nicht geschenkt (vgl. Mt 25,40.45) In dieser Haltung lassen wir uns von Gottes Weisheit jenen Weg zeigen, der unweigerlich zum Kind von Bethlehem und damit in einen neuen Himmel und eine neue Erde führt. Amen!