Freitag, Januar 30, 2009

Schweig und verlass ihn!


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 1: 21 – 28

21 In Kafarnaum ging Jesus am Sabbat in die Synagoge und lehrte.

22 Und die Menschen waren sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der göttliche Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten.

23 In ihrer Synagoge saß ein Mann, der von einem unreinen Geist besessen war. Der begann zu schreien:

24 Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes.

25 Da befahl ihm Jesus: Schweig und verlass ihn!

26 Der unreine Geist zerrte den Mann hin und her und verließ ihn mit lautem Geschrei.

27 Da erschraken alle, und einer fragte den andern: Was hat das zu bedeuten? Hier wird mit Vollmacht eine ganz neue Lehre verkündet. Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl.

28 Und sein Ruf verbreitete sich rasch im ganzen Gebiet von Galiläa.



Es ist das erste Mal bei Markus, dass Jesus heute in der Synagoge predigt. Wir erfahren nichts über den Inhalt dieser Predigt. Wohl deshalb, weil wir Jesus schon letzten Sonntag beim Predigen zuhörten – damals allerdings open air. Und da sprach Jesus über ein Thema: Dass die Zeit erfüllt und das Reich Gottes nahe gekommen ist; und dass wir umkehren und an das Evangelium glauben sollen. (vgl. Mk 1:15).

Dass Markus heute nichts vom Inhalt der Jesuspredigt erzählt, will sagen, dass das Thema im Wesentlichen das gleiche wie letzten Sonntag ist: Nähe des Reiches Gottes und Umkehr. Markus weist uns so darauf hin, dass die Nähe des Reiches Gottes das Grundthema der gesamten Jesuspredigt ist. Jesus predigt nicht nach Laune heute mal dies und morgen was anderes.

Dafür haben wir letzten Sonntag nichts vom Eindruck gehört, den Jesu Predigt auf seine Zuhörer machte. Diesem Eindruck widmet Markus dafür heute seine ganze Aufmerksamkeit. Wie kam das Wort Jesu bei den Leuten an? „Die Menschen waren sehr betroffen von seiner Lehre.“ (Mk 1:22a) Sie erleben sich in ihrem Innersten angerührt, aufgerüttelt. Was ist es, das sie so berührt? Es ist die Vollmacht mit der Jesus predigt! Er findet Worte, die den Zuhörern zu Herzen gehen! Dies aber nicht deshalb, weil Jesus ein begnadeter Redner wäre sondern weil diese Worte aus seinem Herzen kommen. Die Worte Jesus kommen von Herzen und gehen zu Herzen. Und wie wir schon letzten Sonntag hörten: sein Herz ist voll der Nähe Gottes! Die Nähe des Reiches Gottes, die er verkündet, hat ihn selber völlig ergriffen. So können wir mit dem Evangelientext zu Recht von göttlicher Vollmacht sprechen, in der Jesus redet. Jesus verkündet nicht Angelerntes sondern erlebte, gelebte Beziehung zu Gott. Jesus predigt aus seinem Zusammenleben mit Gott. Oder wie es Johannes dann sagen wird: Er redet, was er seinen Vater sagen hört! (vgl. Joh 8:28)

Dass und wie die Vollmacht, mit der Jesus redet, erschüttert und wirkt, erzählt Markus in der Auflehnung des Besessenen. Die göttliche Vollmacht, die die Worte Jesu beseelt, fordert den Dämon des Besessenen heraus. Er empfindet die Übermacht, er erlebt sich akut bedroht – und lehnt sich dagegen auf! In einem Aufschrei stellt er jegliche Beziehung zu Jesus in Frage. Eine weitere Frage nimmt bereits vorweg, dass Jesus ihn vernichten wird. Mit dem Nennen seines Namens versucht er Macht über Jesus zu gewinnen. Dabei benennt er ihn als Menschen Jesus von Nazaret und als Gott, indem er ihn den Heiligen Gottes bezeichnet.

Wie wahr seine Einsicht in Jesu gottmenschliches Wesen auch ist – Jesus möchte bei der Verkündigung seiner Person in keiner Weise auf dämonische Hilfe angewiesen sein und weist sogleich den Machtanspruch des Dämons kurz und energisch zurück: „Schweig und verlass ihn!“ Der Dämon muss sich fügen: Mit lautem Geschrei verlässt er den Mann.

Die Menschen erkennen das Neue in der Lehre Jesu: Sie spüren die Macht seiner Worte im eigenen Herzen und an den Dämonen. Sie erfahren, dass das Böse vor diesem Jesus weicht; dass die Kranken an ihm gesunden; Sie können nur fragen: Was hat das zu bedeuten? Wenn sie Jesus weiterhin begleiten und in seiner Nähe bleiben, werden seine Worte und seine Taten ihnen helfen eine Antwort auf diese Frage zu finden.

Für uns ist dieses Evangelium eine erneute Ermutigung, dass wir uns der Kraft aussetzen, die von ihm ausgeht. Es ist eine heilende Kraft, die auch unseren Krankheiten abhelfen möchte. Wir dürfen, vom Hl. Geist erleuchtet, im Glauben leben, dass Jesus der Sohn Gottes ist, der um unseres Heiles willen Mensch geworden und zu uns gekommen ist. Lassen wir dieses Entgegenkommen Gottes nicht unbeantwortet und suchen wir beharrlich die Nähe Jesu auf in den Sakramenten der Kirche, im treuen Gebet, im Lesen der hl. Schrift, in der Übung herzlicher Nächstenliebe. Auf all diesen Wegen möchte auch uns die Kraft Jesu zufließen, die uns zur Gesundheit, zur Freiheit und zur Freude der Kinder Gottes führt. Danken wir Jesus immer, dass er auch unser Heiland ist. Amen!

Freitag, Januar 23, 2009

Die Zeit ist erfüllt!


Aus dem hl. Evangelium nach Markus 1: 14 – 20

Aus dem hl. Evangelium nach Markus 1: 14 – 20

14 Nachdem man Johannes den Täufer ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes

15 und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!

16 Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon, die auf dem See ihr Netz auswarfen; sie waren nämlich Fischer.

17 Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.

18 Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.

19 Als er ein Stück weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren im Boot und richteten ihre Netze her.

20 Sofort rief er sie, und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück und folgten Jesus nach.




„Die Zeit ist erfüllt“ hörten wir Jesus eben rufen.
„Die Zeit ist kurz“ haben wir vorher noch vom hl. Paulus gelesen. Dem seine Bekehrung feiern wir heute am 25. Jänner.
Warum er sich bekehrt hat? Nun, weil er eben diese erfüllte Zeit am eigenen Leib erlebt hat vor den Toren von Damaskus. Womit war sie erfüllt? Mit der Gegenwart Jesu, den er bis dahin in dessen Gemeinden verfolgt hat – ohne sich dessen bewusst zu sein.

Nun nennt Jesus aber die Fülle der Zeit „Königsherrschaft Gottes“ – die ist nahe gekommen, das erfüllt die Zeit. Die Königsherrschaft Gottes ist in diesem Jesus nahe gekommen. Und Paulus kann nicht anders als tun, was Jesus als Konsequenz auf diese Nähe Gottes fordert: Kehrt um und glaubt an das Evangelium! Genau diesen Schritt der Umkehr im Glauben hat Paulus vor Damaskus vollzogen. Und es war der erste Schritt eines Weges, den er glaubend weiter gehen wird. Dieser Weg ist zugleich ein Weg in der Nachfolge Jesu, den er fortan verkündet: Wie er in Jesus die Königsherrschaft Gottes umwerfend und erneuernd nahe erfahren hat so wird nun in seiner Verkündigung dieser Jesus sein Inhalt. Königsherrschaft Gottes und Jesus sind für Paulus identisch – so hat er es erfahren und so verkündigt er es.

Diese Erfahrung machen auch die vier ersten Jünger im Evangelium: Gottes Königsherrschaft wird in ihrem Leben in der Weise wirksam, dass sie die Worte hören, die Jesus ihnen zuruft, dass sie lassen, was sie bisher hatten und taten und dass sie diesem Jesus nachlaufen. Durch Jesus hat sich Gottes Herrschaft so mächtig in ihrem Leben erwiesen, dass sie aus ihren Familien und aus ihrem Beruf von einem Augenblick auf den anderen entwurzelt und herausgerissen und in die Gemeinschaft mit Jesus eingepflanzt wurden. „Christus ist mein Leben“ – und nicht mehr meine Familie, nicht mehr mein Beruf oder sonst was! Diese Erfahrung machen sie – und diese Erfahrung macht sie zu seinen Zeugen, zu seinen Jüngern, zu den Hirten und zum Fundament seiner Kirche.

„Die Zeit ist erfüllt“ – „Die Zeit ist kurz“ zwei Dimensionen der Zeit kommen zum Ausdruck: Ihr Inhalt und ihre Dauer. Beides hängt zusammen.
Nun ist es gewiss so, dass Paulus zusammen mit den übrigen Christen seiner Zeit das baldige Kommen des Herrn erwartet hat und die Zeit deshalb kurz ist.
Jedoch hängt auch diese Naherwartung des Herrn damit zusammen, dass Paulus völlig von Christus erfüllt war. Christus war für ihn nicht nur Fülle der Zeit, ER war auch Fülle seines Herzens, seines Denkens und Fühlens – er war christusvoll. Und nun wissen wir ja aus eigener Erfahrung, dass bei einer interessanten, fesselnden Tätigkeit die Zeit rasend schnell vergeht.

Und so ist es auch dem Paulus ergangen: Erfüllt von Christus ist ihm die Zeit zu kurz geworden; sie ist ihm gleichsam unter den Fingern zerronnen: unablässig wollte er für Christus wirken und andauernd war er für den Herrn unterwegs und hat dabei schier übermenschliches auf sich genommen. Die Liebe Christi hat ihn wahrhaftig gedrängt und ihn zur schmerzlichen Erkenntnis geführt, dass die Zeit viel zu kurz ist für das, was er noch alles für den Herrn tun möchte. Und er hat schmerzlich klar die Gefahr erkannt, die von der vergänglichen Welt ausgeht, dass wir mit ihr nämlich die kostbare Zeit vergeuden, die wir eigentlich dem unvergänglichen und immer gegenwärtigen Herrn schenken sollten. Deshalb seine eindringliche Bitte in der Lesung, für die Welt in ihren verschiedenen Hinsichten nicht mehr Zeit aufzuwenden als unbedingt nötig. Die vergängliche Welt möge doch dem unvergänglichen Herrn nicht im Wege stehen. Die Zeit, schon erfüllt mit des Herren Gegenwart möge man doch nicht zu füllen versuchen mit den vergänglichen Gütern dieser Erde.

Möge der Herr uns beides schenken: Dass die Zeit erfüllt ist von Seiner Gegenwart! Und dass sie uns zu kurz ist für das, was wir aus Liebe zu IHM noch alles tun möchten. Amen!

Freitag, Januar 16, 2009

Wir haben den Messias gefunden!


Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 1: 35 – 42

In jener Zeit

35 stand Johannes am Jordan, wo er taufte, und zwei seiner Jünger standen bei ihm.

36 Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes!

37 Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus.

38 Jesus aber wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, fragte er sie: Was wollt ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi - das heißt übersetzt: Meister -, wo wohnst du?

39 Er antwortete: Kommt und seht! Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war um die zehnte Stunde.

40 Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren.

41 Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm: Wir haben den Messias gefunden. Messias heißt übersetzt: der Gesalbte - Christus.

42 Er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du sollst Kephas heißen. Kephas bedeutet: Fels - Petrus.



Das Evangelium berichtet, wie die ersten Jünger zu Jesus kommen: ein herausragender Moment – in gewisser Weise der Geburtstag der Kirche; wir wollen ihn mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgen. Warum? Das Folgende gibt Antwort!

„In jene Zeit“ – so beginnt es. Was war das für eine Zeit: es war der nächste Tag; am Tag vorher war Johannes bereits Jesus begegnet und bezeugte ihn wie heute als das Lamm Gottes. In drei Tagen wird die Hochzeit von Kana sein, die bei den Juden traditionell an einem Mittwoch stattfindet. Das heutige Evangelium ereignet sich an einem Sabbat. Der Tag, an dem Israel die Zuneigung Gottes zu seinem Volk feiert – gibt es einen schöneren Geburtstag für die Kirche, die wir in der Nachfolge Christi die Leib gewordene Liebe Gottes zu allen Menschen nennen können?

Die zwei Jünger, die bei Johannes stehen, sein Zeugnis hören und Jesus folgen sind Andreas und wahrscheinlich der Evangelist selber. Der Täufer ist glücklich, dass seine Jünger ihn verlassen um Jesus zu folgen. Sein Dienst ist ja von Anfang an auf Jesus ausgerichtet und er weiß: Jesus muss zunehmen er selber aber muss abnehmen (Joh 3:30)

Als Jesus die beiden Jünger fragt. Was sucht ihr? Zwingt er sie über die Gründe und die Absicht ihres Verhaltens nachzudenken. Suchen sie einen Führer gegen die Römer? Dann sollen sie sich besser den Zeloten anschließen. Andreas und Johannes haben an diesem Tag wohl nicht so recht mitbekommen, wie sich ihr Leben durch den Sohn Gottes ändern wird.

„Wo wohnst du?“ Das könnte auch heißen: Wenn du zu beschäftigt bist, besuchen wir dich ein andermal. Aber Jesus lädt sie ein, den Tag mit ihm zu verbringen – es ist 10 Uhr vormittags – und zweifellos erzählte er ihnen von seiner Mission, öffnete er ihnen ihr eigenes Herz, beantwortete er ihre Fragen. Beide waren so beeindruckt, dass sie ihre Brüder suchten und sie zu Jesus brachten: Andreas brachte Simon und Johannes Jakobus. Sie waren wirklich Hüter ihrer Brüder (vgl. Gen 4:9)

Wann immer Andreas im Johannesevangelium auftaucht bringt er jemanden zu Jesus: seinen Bruder; den Buben mit den Broten und den Fischen (Joh 6:8) und die Griechen, die Jesus sehen möchten (Joh 12:20f). Von Andreas sind keine Worte überliefert aber er hat großartig gepredigt durch seine Aktionen, in denen er Menschen für Jesus gewinnt.

„Wir haben den Messias gefunden!“ bezeugte Andreas seinem Bruder Simon. „Messias“ ist ein hebräisches Wort und bedeutet „gesalbt;“ dem entspricht im Griechischen „Christus.“ Für die Juden war der Messias identisch mit dem Sohn Gottes. Im Alten Testament wurden Propheten, Priester und Könige gesalbt und so für einen besonderen Dienst ausgesondert. Besonders die Könige wurden „Gesalbte Gottes“ genannt. Wenn die Juden von ihrem Messias sprechen, denken sie an den König, der kommen wird, um sie zu befreien und sein Königreich aufzurichten. Dabei musste Jesus auch seinen Jüngern klarmachen, dass das Kreuz vor der Krone kommt und dass er leiden muss ehe er in seine Herrlichkeit gelangt.

Das Gespräch des Simon mit Jesus verändert sein Leben. Er gibt ihm einen neuen Namen: „Petrus“ im Griechischen; „Kephas“ im Aramäischen – beides in der Bedeutung „Fels.“ Jesus hatte ziemlich zu arbeiten, um aus dem schwachen Simon einen Felsen zu formen – aber er schaffte es! „Du bist“ ... „du sollst heißen“ – das ist eine großartige Ermutigung für alle, die an Christus glauben: Er gibt uns wirklich die Macht zu werden – Kinder Gottes etwa (vgl. Joh 1:12) oder seine Jünger oder seine Kirche...

Es ist beachtenswert, dass Andreas und Johannes Christus vertrauten durch die Glaubenspredigt des Täufers. Petrus und Jakobus kommen zu Jesus durch den engagierten Einsatz ihrer Brüder. Später wird Jesus den Philippus persönlich gewinnen und der wird den Nathanael zu Jesus führen. Jede Erfahrung ist anders, denn Gott verwendet verschiedene Mittel, um Sünder zu ihrem Erlöser zu bringen. Wichtig ist, dass wir Jesus vertrauen und bestrebt sind, andere zu ihm zu bringen! Amen!

Sonntag, Januar 11, 2009

Du bist mein geliebter Sohn!


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 1: 7 – 11

7 Johannes der Täufer verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren.

8 Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.

9 In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen.

10 Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam.

11 Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.



Mit dem Fest der Taufe des Herrn beenden wir den weihnachtlichen Festkreis. Zugleich beginnt mit dem Tauffest Jesu die Zeit im Jahreskreis. Dieses Fest ist zugleich der letzte Sonntag in der Weihnachtszeit und der 1. Sonntag im Jahreskreis.

Im Markusevangelium, aus dem eben von der Taufe Jesu berichtet wurde, ist die Taufe Jesu sein erstes Auftreten in der Öffentlichkeit. Er tritt in das Licht der Öffentlichkeit. Wenn wir Jesu Taufe als seine Geburt aus dem Verborgenen in die Öffentlichkeit ansehen wollen, können wir Johannes den Täufer als Geburtshelfer bezeichnen.

Jesus hat von Johannes dem Täufer gehört und seinen Ruf zur Umkehr vernommen. Es war wohl die Begeisterung an diesem Mann, die ihn aus dem verborgenen Leben in Nazaret in Galiläa an das Ufer des Jordan zu Johannes lockte.

Da habe wir schon ein erstes Unterscheidendes: von allen anderen Besuchern wird berichtet, sie kommen aus dem ganzen Land Judäa und aus Jerusalem. (vgl. Mk 1:5) Wir können Judäa samt Jerusalem als das eigentliche hl. Land bezeichnen, in dem jener Teil des jüdischen Volkes lebte, das den Glauben an Gott, den Herrn, durch die Befolgung des mosaischen Gesetzes rein bewahrt hat. Von ihnen allen heißt es, dass sie von Johannes im Jordan getauft wurden und dabei ihre Sünden bekannten.

Jesus hingegen kommt aus Galiläa, das bereits nicht mehr in jener Glaubenstreue verwurzelt galt, wie Judäa und Jerusalem. Zudem aus der Stadt Nazaret, die damals keinen guten Ruf gehabt hat; fragte doch Nathanael, als ihm Philippus erzählt, sie hätten den gefunden, über den Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben hatten: Jesus aus Nazaret, den Sohn Josefs – aus Nazareth? Kann denn von dort etwas Gutes kommen? Aber gerade dieser Jesus, der aus diesem scheinbar üblen Ort kommt, bekennt bei der Taufe im Jordan nicht seine Sünden.

Ein bemerkenswerter Widerspruch: Die Sünder aus dem hl. Land und der hl. Stadt. Und der Heilige aus dem sündigen Dorf! Wie ist dieser Widerspruch zu deuten? Der weitere Verlauf der Taufe Jesu gibt Antwort auf diese Frage.

Wie Jesus nach der Taufe aus dem Wasser steigt sieht er den Himmel aufgerissen. Hinweis darauf, dass Jesus eine Gotteserfahrung macht: denn der Himmel reißt auf, damit von dort etwas herauskommen kann auf Jesus zu! Aber was? Wir haben es gehört: zum einen der hl. Geist in Gestalt einer Taube; zum anderen die Stimme, die Jesus direkt anspricht: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden!“ (Mk 1:11).

Dieses Erleben hebt Jesus aus allen umstehenden Menschen heraus und lässt ihn auch den Täufer weit überragen. Wir stellen fest, dass Jesus dies vom Himmel her zuteil wurde: Nicht er selber hebt sich hervor; nicht Auszeichnung durch Menschen – etwa durch Herkunft aus hl. Land oder aus der hl. Stadt Jerusalem. Diese Auszeichnung wird ihm von Gott geschenkt. Sie bezeichnet seine einmalige Beziehung zu Gott. Es ist eine Liebesbeziehung. Was diese Beziehung für ihn bedeutet, für seine Mitmenschen und schließlich für uns – darauf wird Markus durch die weitere Erzählung seines Evangeliums Antwort geben.

Mit dem heutigen Bericht von der Taufe Jesu will Markus die Aufmerksamkeit des Lesers auf Jesus richten und zugleich seine Neugierde am weiteren Werdegang dieses Jesus erwecken.

Zudem wird die Bedeutung der Taufe für die Zeit nach Jesus wesentlich erweitert: sie ist nicht nur ein Abwaschen von Sünde sondern ein bekleidet Werden mit dem Kindsein vor Gott. Die Taufe ist die Tür zur Gotteskindschaft – für Jesus und für uns! Amen!

Dienstag, Januar 06, 2009

Ein Licht, das die Heiden erleuchtet!


Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus Mt 2:1 – 12


1 Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem

2 und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.

3 Als König Herodes das hörte, erschraken er und mit ihm ganz Jerusalem.

4 Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle.

5 Sie antworteten ihm: In Betlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten:

6 Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel.

7 Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war.

8 Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige.

9 Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.

10 Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.

11 Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.

12 Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.




Die Magier aus dem Osten gehörten nicht zum auserwählten Volk Israel. Sie haben die Schriften der Propheten nicht gelesen und ihr Leben nicht danach gestaltet. Sie waren nicht beschnitten. Gott hat nicht zu ihren Vätern gesprochen.

Dennoch waren sie auserwählt, von der Geburt eines Königs der Juden zu hören. Sie vernahmen diese Botschaft über die Beobachtung der Sterne. Diesen Weg hat Gott gewählt, um sie von der Geburt seines Sohnes zu informieren.
Womöglich haben sie hinter diesen Zusammenhängen gar nicht das Walten des Gottes Israel bedacht.
Sehr wohl haben sie aber aus dem Aufleuchten des neuen Sternes am Himmel in der Zusammenschau mit den bereits bekannten Gestirnen herausgelesen, dass den Juden ein König geboren wurde.

Diese Botschaft haben sie nicht bloß als Wissenschaftler aufgenommen und mit einem entsprechenden Eintrag in ihre Sternkarte quittiert.
Vielmehr fühlten sie sich angesprochen und eingeladen, sich von diesem Stern zum neugeborenen König hinführen zu lassen.
Der neue Stern hat neues Leben in ihnen geweckt; ein neues Interesse, dem neugeborenen Kind ihre Aufwartung zu machen.
Der neue Stern hat eine neue Liebe zu diesem Königskind in ihnen erweckt; diese Liebe war so stark, dass sie es zu Hause nicht mehr ausgehalten haben; sie verließen ihre Sternwarte; sie verließen ihre Heimat und machten sich dem Stern nach auf den Weg zum Kind in Bethlehem.
Auf einmal war nur mehr dieser eine Stern wichtig. Alle anderen Sterne sind verblasst und haben ihre Bedeutung verloren. Er war ganz anders; er war hervorragend.
Er war so bedeutsam, weil er gleichsam mit Leben erfüllt war: mit dem Leben des neugeborenen Königs der Juden. Er war kein toter Planet, wie die übrigen Sterne – er pulsierte vor Leben! Und sie merkten sogleich: dieses Leben ist auch für sie relevant. Darum machte dieser Stern sie auch lebendig in der Form, dass sie sich auf den Weg machten hinter ihm her zum Kind nach Bethlehem.

Diese lebendig machende Botschaft an sie hat die Kirche von Anfang an verstanden und aus dieser Geschichte von den Sterndeutern aus dem Osten herausgelesen: dass nämlich die Geburt des Kindes von Bethlehem nicht ein Ereignis ist, das beschränkt bleibt auf das Volk Israel: Mit den Worten des greisen Simeon: Dieses Kind ist nicht nur Herrlichkeit für das Volk Israel; es ist auch ein Licht, das die Heiden erleuchtet (vgl. Lk 2:29-32).
Jesus ist nicht nur der Messias für Israel – er ist der Heiland für alle Menschen.

Uns bleibt das Staunen und der Lobpreis darüber, welche Wege Gott doch immer wieder findet, um sein Heil den Menschen bekannt zu machen, die schauend, suchend mit offenen Sinnen auf dem Weg sind.
Mögen auch heute Menschen neugierig und sehnsüchtig unterwegs sein – mit offenen Sinnen. Und möge Gott Wege zu ihnen finden, um sie zu berühren und hinzuführen zum Kind in der Krippe, in dem sie ihren Erlöser erkennen und die Erfüllung aller ihrer Wünsche.

Auch wollen wir den Sterndeutern danken für ihr Lebenszeugnis – sie waren die Bahnbrecher für das Evangelium; damit die frohe Botschaft vom neugeborenen König seinen Weg auch zu unseren Vorvätern gefunden hat und wir nun davon leben – sofern wir bereit und willens sind dafür.

Der Stern macht die Sterndeuter zum Stern für uns. Die Ausrichtung auf diesen Stern will auch uns zum Kind in Bethlehem führen; so werden wir zum Stern für andere. Der Herr erfülle uns immer mit seinem Licht, so dass es – gleich den Sterndeutern – vor den Menschen leuchte, damit sie unsere guten Werke sehen und den Vater im Himmel preisen. (vgl. Mt 5:16)

Donnerstag, Januar 01, 2009

Das Erbe der Heiligen


Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser 1:3-6.15-18

3 Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.

4 Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Erschaffung der Welt, damit wir heilig und untadelig leben vor Gott;

5 er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt, seine Söhne zu werden durch Jesus Christus und nach seinem gnädigen Willen zu ihm zu gelangen,

6 zum Lob seiner herrlichen Gnade. Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn;

15 Darum höre ich nicht auf, für euch zu danken, wenn ich in meinen Gebeten an euch denke; denn ich habe von eurem Glauben an Jesus, den Herrn, und von eurer Liebe zu allen Heiligen gehört.

17 Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt.

18 Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt



Der Apostel Paulus schreibt uns heute vom Reichtum, den die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt.
Diese Worte helfen uns, das Geschehen und die Gabe von Weihnachten unter einem weiteren Blickwinkel zu sehen: Mit diesem Erbe dürfen wir nämlich das Kind in der Krippe verstehen. Dieses Kind ist ein Erbe, das Gott uns gibt. Allerdings – um in dem armen Kind in der Krippe ein herrliches, ein überaus reiches Erbteil zu erkennen – dazu müssen die Augen unseres Herzens erleuchtet werden. Und diese Erleuchtung kann uns nur Gott schenken in der Kraft seines Geistes. (vgl. Eph 1:18)

Im Licht dieses Geistes erkennen wir die Hoffnung, die dieses göttliche Kind uns schenkt.
Wir erkennen zudem, wozu wir in diesem Kind bestimmt sind: nämlich Seine, Gottes, Kinder zu werden und zu Ihm zu gelangen. (vgl. Eph 1:5)
Wir erkennen, dass wir mit allem Segen seines Geistes gesegnet sind durch die Gemeinschaft, die Gott in diesem Kind mit uns Menschen gestiftet hat. (vgl. Eph 1:3)

Im göttlichen Menschenkind Jesus legt Gott offen, was er jedem von uns vor Erschaffung der Welt zugedacht hat und was er vor aller Zeit sich von uns gedacht hat: Gedanken der Liebe, Gedanken der immerwährenden Gemeinschaft mit IHM, dem lebendigen Gott.

Was macht dieses Erbe mit uns? Erschreckt es uns, dass da einer schon unser ganzes Leben in der Hand hält? Aber, was gibt es schöneres, als dass einer, der uns nur liebt, um uns weiß – von Anfang an bis über unseren Tod hinaus in die Ewigkeit? Was schenkt mehr Geborgenheit, mehr Zuversicht, mehr Hoffnung als dies?

Und was machen wir mit diesem Erbe? Was sollen wir mit ihm tun? Wir sollen, wir müssen dieses Erbe verschleudern!
Es ist keine positive Meldung, wenn einer sein Erbe verschleudert: Dann geht er undankbar, rücksichtslos und eigensüchtig mit dem Erbe seiner Väter um. Bei uns erntet er damit keine Lorbeeren! Und er selber wird in der Regel sehr bald in Armut enden!

Wie so ganz anders ist es jedoch im Reich Gottes: Da sollen und müssen wir mit dem Erbe, das Gott uns in seinem Sohn gibt, mehr als großzügig umgehen. Wir dürfen den Sohn Gottes verschleudern! Und je mehr wir das tun, umso reicher werden wir selber, umso mehr Segen wird dadurch um uns herum in dieser Welt. Und wir tun dies nicht aus Ichsucht sondern aus Jesussucht, aus Gottessucht.

Diese Verschwendungssucht ist eine Verschwendungsmacht. Johannes bezeichnet sie im Evangelium als Macht der Kinder Gottes (vgl. Joh 1:12). Diese Macht wird jedem von Gott gegeben, der das wahre Licht, seinen Sohn, aufnimmt. Dieses Licht wir dann in uns und durch uns leuchten. So sagt Jesus in der Bergpredigt: „So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Mt 5:16) Eine Aufforderung, mit dem Erbe, das Gott uns in Jesus gegeben hat, zu klotzen und zu prassen.

Meine lieben Freunde, wir dürfen nicht zu jener Welt gehören, die Jesus, das Licht der Welt, nicht erkennt und ihn nicht aufnimmt. Solche Leute gibt es leider mehr als genug.
Ich denke dabei an all jene, die in diesen Tagen Krieg schüren in den Krisenregionen unserer Erde.
Ich denke an all jene, die andere sozial und finanziell bis aufs Blut ausbeuten und nicht bereit sind nach dem Gesetz des Evangeliums Jesu ihren ungerechten Mammon zu teilen und der Armut und der sozialen Ungerechtigkeit im eigenen Land und weltweit abzuhelfen.

Wir wollen vielmehr zu jenen gehören, die ihn aufnehmen, wenn er in sein Eigentum kommt – etwa in den Sternsingern, die in diesen Tagen von Haus zu Haus gehen, um durch ihr Singen, Beten und Segnen Notleidenden zu helfen. So wollen wir das Erbe, das Gott uns in seinem Sohn schenkt dankbar und staunend annehmen. Wir wollen dieses Erbe verschleudern, indem wir in vollen Zügen davon leben und unsere Mitmenschen nah und ferne davon leben lassen. Denn mit dem Erbe, das Gott gibt, verhält es sich umgekehrt zum Erbe, das Menschen hier auf Erden einander bescheren: Das Erbe, das Gott gibt, vermehrt sich in dem Maß wir es verschleudern. Amen!