Donnerstag, Februar 26, 2009

Der Geist trieb Jesus in die Wüste


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 1: 12 – 15

In jener Zeit

12 trieb der Geist Jesus in die Wüste.

13 Dort blieb Jesus vierzig Tage lang und wurde vom Satan in Versuchung geführt. Er lebte bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm.

14 Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes

15 und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!





Was ist das für ein Geist, der Jesus in die Wüste treibt? Es ist jener Geist, der eben vorhin bei seiner Taufe durch Johannes in Gestalt einer Taube in ihn hinein gekommen ist. Diese Hineinkunft des Geistes ist mit der Stimme verbunden, die zu Jesus sagt: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.“ (Mk 1:11)
Beseelt von diesem Geist möchte Jesus nun wissen, was es für ihn bedeutet, von Gott „geliebter Sohn zu sein.“ Diese Lebensfrage sucht nach einer Antwort. Um diese Antwort zu finden, führt der Geist ihn nicht zu anderen Menschen, damit er sich mit ihnen darüber unterhalte. Nein, dieser Geist treibt ihn in die Wüste hinaus und das heißt weg von Menschen in die Einsamkeit, in das Alleinsein, in die Unwirtlichkeit; damit aber zugleich in die Stille und in eine größtmögliche Unmittelbarkeit zu Gott.
Wenn es nun heißt, der Geist treibt ihn in die Wüste, dann bedeutet das, dass der Geist mit ihm in die Wüste geht und diese Wüstentage von diesem Geist geprägt und gestaltet sind. Der Geist treibt ihn nicht nur in die Wüste – er trägt ihn durch diese Wüstentage und alles, was er in diesen Tagen erlebt und besteht, erlebt und beseht er in der Kraft dieses Geistes.

Was erlebt Jesus nun in diesen 40 Tagen?

* „Er wird vom Satan in Versuchung geführt:“ Satan bedeutet Feind, Widersacher. Er macht die Erfahrung der Versuchung, der Möglichkeit, sich gegen Gott zu stellen. Diese Versuchbarkeit weist ihn als wahren Menschen aus. Jedoch erliegt er der Versuchung nicht. Er bleibt mit Gott in ungetrübter Harmonie.
* „Er lebt bei den wilden Tieren.“ Diese Harmonie strahlt aus und ermöglicht ein problemloses und friedliches Zusammenleben mit den wilden Tieren der Wüste. Sie sind ihm nicht Feind und schaden ihm nicht.
* „Und die Engel dienten ihm.“ Die Harmonie mit Gott, aus der er durch den Widersacher in der Versuchung nicht herausgerissen werden kann, ist eine himmlische. Sie ermöglicht die Gemeinschaft nicht nur mit den wilden Tieren sondern auch mit den Engeln, die ihm dienen; das heißt, als deren Herr sich Jesus erlebt.

Was ist es doch Großes um die Harmonie mit Gott, die ein Leben nach seinen Geboten ermöglicht!
Jesus erinnert durch sein Erleben lebhaft an die Stammeltern im Paradies: Sie haben dem Widersacher nachgegeben und sind seinen Einflüsterungen gefolgt. Damit sind sie aus der Liebes- und Lebensgemeinschaft mit Gott heraus gefallen. Zugleich wurde ihre Harmonie mit der Schöpfung zerstört, mit der sie fortan im Zeichen des Kampes leben mussten. Schließlich wurden sie aus dem Paradies verjagt und der Engel mit dem Feuerschwert wehrte der Rückkehr.

Innerhalb dieser 40 Tage entdeckte Jesus so seine Berufung: Zu heilen was an den Ureltern verwundet worden war. Er entdeckte seine Berufung als Heiland!
Was bewirkt diese Entdeckung für sein weiteres Leben? Dass er die Einsamkeit wieder verlässt und zu predigen beginnt: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1:15)
Er weiß: Heiland kann er nur sein, wenn er die Einsamkeit immer wieder verlässt und zu den Leuten geht. Ihnen soll er schenken, was Gott ihm gegeben hat: die Fülle des Reiches Gottes! In ihm ist diese Fülle da; und sie ist da für uns Menschen, damit wir wieder zu jener Harmonie mit Gott zurückfinden, zu der wir ursprünglich bestimmt waren. Jesus eröffnet uns den Weg zu unserer ursprünglichen Berufung, als Gottes Kinder ganz Gott zu gehören! Er eröffnet diesen Weg vorerst durch sein Predigen, weiters dann durch sein Wirken und endgültig schließlich durch sein Sterben am Kreuz und durch sein Auferstehen.

Wenn wir zu Beginn der 40tägigen Bußzeit dieses Evangelium hören, so deshalb, weil Jesus uns hinweisen möchte auf den Geist, den wir bei Taufe und Firmung empfangen haben. Es ist derselbe Geist, der ihn in die Wüste getrieben hat. Auch uns möchte dieser Geist in die Wüste der kommenden Bußzeit hinauswerfen. Und dieser Geist wird uns 40 Tage hindurch begleiten und stärken, damit wir den Widersacher und Versucher besiegen; er wird uns zu einer neuen Harmonie mit Gott, unseren Mitmenschen und der Schöpfung führen. Er wird uns erkennen lassen, dass im Reich Gottes alle Mächte des Himmels aufgeboten sind zu unserem Heil, zu unserer Befreiung und unserer Erlösung: sie stehen uns zu Diensten.

Bitten wir jeden Tag um diesen Geist! Vertrauen wir uns ihm jeden Tag von neuem an! Dann werde wir Schritt für Schritt den Weg gehen können, den Jesus uns in seiner Predigt vorzeichnet: den Weg der Umkehr und des Glaubens an Jesu Frohbotschaft; den Weg hinein in die Fülle der Zeit, in das nahe gekommene Reich Gottes, in die Gemeinschaft mit unserem Herrn Jesus Christus, der gepriesen sei mit dem Vater und dem Hl. Geist jetzt und in Ewigkeit! Amen!

Samstag, Februar 21, 2009

Jesus heilt von Innen


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 2: 1 – 12

1 Als Jesus nach Kafarnaum zurückkam, wurde bekannt, dass er wieder zu Hause war.

2 Und es versammelten sich so viele Menschen, dass nicht einmal mehr vor der Tür Platz war; und er verkündete ihnen das Wort.

3 Da brachte man einen Gelähmten zu ihm; er wurde von vier Männern getragen.

4 Weil sie ihn aber wegen der vielen Leute nicht bis zu Jesus bringen konnten, deckten sie dort, wo Jesus war, das Dach ab, schlugen die Decke durch und ließen den Gelähmten auf seiner Tragbahre durch die Öffnung hinab.

5 Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!

6 Einige Schriftgelehrte aber, die dort saßen, dachten im Stillen:

7 Wie kann dieser Mensch so reden? Er lästert Gott. Wer kann Sünden vergeben außer dem einen Gott?

8 Jesus erkannte sofort, was sie dachten, und sagte zu ihnen: Was für Gedanken habt ihr im Herzen?

9 Ist es leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh umher?

10 Ihr sollt aber erkennen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Sünden zu vergeben. Und er sagte zu dem Gelähmten:

11 Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh nach Hause!

12 Der Mann stand sofort auf, nahm seine Tragbahre und ging vor aller Augen weg. Da gerieten alle außer sich; sie priesen Gott und sagten: So etwas haben wir noch nie gesehen.



„Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!“ (Mk 2:5)
Damit hatte niemand gerechnet. Alle waren darauf eingestellt, Jesus werde den Mann von seiner Lähmung heilen. Deswegen haben sich auch die vier Freunde des Gelähmten alle Mühe gegeben und sich einiges einfallen lassen – damit Jesus ihn von seiner Lähmung befreie.
Ich kann mir gut vorstellen, dass die vier Träger fürs erste ziemlich verblüfft und ratlos waren und sich fragten: Ja und? War’s das schon? Und die Lähmung? „Zufrieden“ werden sie mit Jesus wohl kaum gewesen sein! Keiner von ihnen wird auch nur im Entferndsten an Sünde gedacht haben. Hätten sie das, wären sie mit dem Gelähmten nicht zu Jesus gekommen sondern hätten für ihn im Tempel ein Sündopfer dargebracht. Sie hätten Jesus dafür nicht kompetent gesehen.

Was will Jesus damit sagen?
Nun, dass es Ärgeres gibt als die Krankheit des Leibes – nämlich die Krankheit der Seele: die Sünde. Und dass Sünde eine Lähmung des Herzens ist – schlimmer als die Lähmung des Körpers. Und wohl auch, dass Sünde Ursache für körperliches Übel sein kann.
So tief hat keiner von ihnen gesehen. Sie erwarteten eine Symptombehandlung. Jesus hingegen nahm sogleich eine Wurzelbehandlung vor.
Uns ergeht es bisweilen ähnlich: wir bitten Jesus um etwas und sind dann enttäuscht, dass Jesus unsere Bitte nicht erfüllt. Über unserer Enttäuschung vergessen wir jedoch völlig, dass Jesus uns womöglich auf ganz andere Weise hilft – auf eine Weise, an die wir gar nicht dachten und für die wir blind waren, weil wir uns auf die eine und einzige Weise eingeschworen haben, die wir uns vorstellen können. Wir sollten bei unserem Bittgebet möglichst alle Scheuklappen ablegen. Das tun wir, indem wir um die Begrenztheit unseres Bittens wissen und so als Bittende vor den Herrn treten. Sagen wir ihm, dass er uns besser kennt, als wir selber; dass er tiefer blickt als wir. Dass er genau weiß, was für uns das Beste ist und dass wir die Erfüllung unserer Bitte ganz in seine Hände legen und wir ihm da keinerlei Vorschriften machen wollen. So befreien wir uns selber von dem Druck, Jesus könne und müsse uns nur auf dem Weg erhören, den wir uns vorstellen können. Wir werden frei für andere Möglichkeiten, auf denen der Herr uns beschenken kann und unser Beten erhören wird.

Sie bringen einen kranken Leib aber Jesus heilt die kranke Seele: die Hauptsache ist geschehen; das Wesentliche geheilt! Der immer noch Gelähmte und im Herzen Genesene bleibt dem Leser vorerst verborgen:
Wir hören nicht, welchen Eindruck Jesu Tun auf ihn macht;
welchen Frieden ihm die Vergebung seiner Sünden schenkt;
welche Umkehr und welche Neuordnung in ihm erfolgt.
Jeder, der ernsthaft gebeichtet und Vergebung seiner Schuld erfahren hat, wird sich in den Gelähmten hineinfühlen können. Dabei geht es noch um einiges tiefer, wenn Schuld vergeben wird, die zuvor nicht bewusst war.
Womöglich hat der Gelähmte geweint und wäre gern allein gewesen und der Evangelist lenkt einfühlsam die Aufmerksamkeit auf die Schriftgelehrten, die das Verhalten Jesu insgeheim als Gotteslästerung kritisieren.
Jesus sieht jedoch nicht nur den Glauben im Herzen der Träger und des Gelähmten er sieht auch die Kritik im Herzen der Schriftgelehrten. Und er erwidert diese Kritik souverän, indem er seine Autorität, Sünden zu vergeben, „beweist“ durch die äußere Heilung des Gelähmten, der „dank“ der Enge der Schriftgelehrten zum Drüberstreuen mit der Gesundheit seines Leibes beschenkt wird. Er darf Jesus als den erfahren, der ihn an Seele und Leib völlig gesund macht und seine Heilung in jeder Hinsicht bewirkt.

Lassen wir uns durch diese Geschichte ermutigen, uns in jeder Hinsicht an Jesus zu wenden und einfach alles, wirklich alles von Jesus zu erbitten und zu erwarten.
Darum wollen wir nicht nur unsere eigene Krankheit der Seele und des Leibes auf der Bahre zu Jesus, dem universalen Heiland, hintragen sondern auch die Krankheiten unserer Kirche und die unserer Wirtschaft. Alle müssen durch Jesus von Innen geheilt werden. Amen!

Samstag, Februar 14, 2009

Ich will es - werde rein!


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 1: 40 – 45

40
In jener Zeit kam ein Aussätziger zu Jesus und bat ihn um Hilfe; er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde.

41 Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es - werde rein!

42 Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz, und der Mann war rein.

43 Jesus schickte ihn weg und schärfte ihm ein:

44 Nimm dich in Acht! Erzähl niemand etwas davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Reinigungsopfer dar, das Mose angeordnet hat. Das soll für sie ein Beweis meiner Gesetzestreue sein.

45 Der Mann aber ging weg und erzählte bei jeder Gelegenheit, was geschehen war; er verbreitete die ganze Geschichte, so dass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte; er hielt sich nur noch außerhalb der Städte an einsamen Orten auf. Dennoch kamen die Leute von überallher zu ihm.




„Wer wagt, gewinnt!“ Eine treffende Überschrift zum Evangelium vorhin. Denken wir an die 1. Lesung: „Ein Aussätziger soll eingerissene Kleider tragen und das Kopfhaar ungepflegt lassen; er soll den Schnurrbart verhüllen und ausrufen: Unrein! Unrein! Solange das Übel besteht, bleibt er unrein; er ist unrein. Er soll abgesondert wohnen, außerhalb des Lagers soll er sich aufhalten.“ (Lev 13:45f.)

Der Aussätzige war sehr mutig, indem er die Vorschriften des Gesetzes übertritt und sich Jesus nähert. Was hat ihn denn so mutig gemacht? Er sagt es selber, wenn er Jesus anspricht: „Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde!“ (Mk 1:40) Es ist der Glaube, dass Jesus heilen kann und es ist das Vertrauen, dass er auch ihn heilen will. Dieser Glaube und dieses Vertrauen lassen ihn die Fesseln des mosaischen Gebotes abwerfen und auf Jesus zugehen. Damit drückt er aus, dass er Jesus Göttliches zutraut; denn Aussatz war für Menschen unheilbar. Nur Gott konnte davon befreien. Diese innere Einstellung unterstreicht er durch sein äußeres Verhalten: Er wirft sich vor Jesus auf die Knie – als Geste der Anbetung und der demütigen Bitte in einem!

Dieser Aussätzige glaubt nicht nur allgemein, dass Jesus heilen kann; er vertraut – und das ist bedeutsam! – dass Jesus jetzt auch ihn von seiner Krankheit befreien kann! Den Glauben, dass Jesus ganz speziell auch für mich heilend und befreiend da ist – diesen Glauben können wir vom Aussätzigen lernen. Welche Kraft besitzt dieser Glaube! Er überwindet die Angst, von den Leuten verjagt zu werden; er überwindet den nagenden Zweifel, ob Jesus ihn wohl beachten wird. Er ist beseelt vom brennenden Wunsch gesund zu werden und vom unerschütterlichen Vertrauen, dass dieser Jesus ihm dazu verhelfen wird.

Und wie sehr wurde er in seinem Vertrauen bestätigt! Denn Jesus „streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es – werde rein!“ Jesus berührt den Unberührbaren und heilt den Unheilbaren! Wie großartig!
Noch einmal: Der Aussätzige zweifelt nicht am Können Jesu. In Frage steht bloß, ob Jesus sein Können auch in seinem Fall einsetzen will. Und genau das bestätigt ihm Jesus: Ich will es – werde rein! Woher kommt dieser Wille bei Jesus? Aus dem Herzen! Denn wir hören: Jesus hatte Mitleid mit ihm!

Dieses Mitleid hat Jesus Mut gemacht; denn es war auch Gesunden verboten, Aussätzige zu berühren. Sie machten sich selber dadurch unrein. Und Jesus hätte ihn nicht berühren müssen. Er hätte ihn allein durch sein Wort heilen können. Aber Jesus hat ihn berührt! Was will er mit dieser Geste ausdrücken?

Zum einen, dass er um seine göttliche Macht weiß, die sich bereits in der Predigt und in der Dämonenbefreiung in der Synagoge und in den Krankenheilungen seither erwiesen hat. Diese Macht ist heilig und deshalb auch heilend. Sie macht die Menschen gesund, die sich mit ihren Krankheiten voll vertrauen in ihren Bannkreis begeben. Sie kommt von Gott und darf sich deshalb über die für Menschen ansonsten sinnvollen Vorschriften des Mose hinwegsetzen. In Jesus ist der gekommen, der größer ist als Moses.

Zum anderen will Jesus damit andeuten, dass mit ihm eine neue Zeit angebrochen ist, in der die Menschen das ultimative Heil durch den Kontakt mit ihm erfahren – indem sie vorbehaltlos zu ihm kommen und er ihnen diese Heilsfülle schenken will.

Zum dritten die menschliche Komponente: Wie lange hat der Aussätzige jede menschliche Berührung entbehren müssen! Und jetzt die Berührung durch die Hände Jesu – durch jene Hände, aus denen er so viel erhofft und erwartet. Was wäre das auch für ein kaltes und unpersönliches Ereignis gewesen, hätte Jesus den Aussätzigen, der doch unmittelbar vor ihm steht, bloß durch sein Wort geheilt. Jesus ist einfühlsam: durch die Berührung mit der Hand rührt er an das Herz des Aussätzigen und durch sein Wort befreit er dessen Leib vom Aussatz. Seele und Leib werden ergriffen – der ganze Mensch wird heil und gesund. Jesus heilt ganz indem er ganz annimmt! Gepriesen sei er für diese Liebe in Ewigkeit! Amen!

Mittwoch, Februar 04, 2009

... an einen einsamen Ort, um zu beten.


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 1: 29 - 39

29 In jener Zeit ging Jesus zusammen mit Jakobus und Johannes in das Haus des Simon und Andreas.

30 Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen mit Jesus über sie,

31 und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr, und sie sorgte für sie.

32 Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus.

33 Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt,

34 und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus. Und er verbot den Dämonen zu reden; denn sie wussten, wer er war.

35 In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten.

36 Simon und seine Begleiter eilten ihm nach,

37 und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich.

38 Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen.

39 Und er zog durch ganz Galiläa, predigte in den Synagogen und trieb die Dämonen aus.




Jesus ist geladen! Wir hörten am letzten Sonntag wie: Durch das Predigen mit Vollmacht und durch das Austreiben eines Dämons.
Heute verlassen Jesus und seine vier ersten Jünger den hl. Raum der Synagoge und die Gottesdienstgemeinde. Sie verlassen den Ort, an dem sie Gott dienten durch Verkünden und Hören seines Wortes; an dem Jesus dem Besessenen diente, indem er ihn vom Dämon befreite.
Sie Verlassen der Synagoge. Verlässt Jesus nun auch die Dienstfähigkeit und die Dienstbereitschaft? Keineswegs! Er bleibt geladen!
Die Fünf betreten den Familienraum des Petrus. Es ist Sabbat nach dem Gottesdienst; es ist bereits abends; das Sabbatmahl steht an.

Doch niemand denkt vorerst ans Essen. Die Schwiegermutter ist krank; sie liegt mit starkem Fieber danieder; mit „brennendem“ Fieber – wie es wörtlich anschaulich heißt. Das ist das Thema, das ansteht; darüber sprechen sie sogleich. Jesus macht es ganz lieb – fast spielerisch: Er tritt hinzu, nimmt sie an der Hand und richtet sie auf – wie zärtlich! Sogleich verlässt sie das Fieber, sie steht auf und bereitet ihnen das Sabbatmahl. Wenn einen heftiges Fieber verlässt ist man vorerst erschöpft; nicht jedoch, wenn Jesus davon befreit. Er heilt unverzüglich und vollständig.

Ein Schelm, wer da denkt, Jesus hätte so rasch und so gründlich gehandelt, weil sie Hunger hatten und was essen wollten und zudem noch denkt, dass die Frau des Petrus nicht gerade die beste Hausfrau war.

Vielmehr war Jesus so effektiv hilfsbereit, weil er der Frau des Petrus helfen wollte, in dem er deren Mutter half. Denn zweifellos war die überfordert, wenn die eigene Mutter mit hohem Fieber im Bett liegt und auf einmal kommen unangemeldet fünf Männer und wollen ein Sabbatmahl, was ja aufwändiger zubereitet wird als sonst ein Abendmahl unter der Woche.

Wir merken den ausgeprägten Geist der Dienstbereitschaft bei Jesus in der Synagoge, im Haus des Petrus; in der machtvollen Verkündigung, in der Befreiung von Dämonen, in der Heilung von Krankheit; indem er sich einlässt in die Lebenswelt anderer; indem er andere zum Dienen befähigt. Er ist wirklich „nicht gekommen, um sich dienen zu lassen sondern um zu dienen.“ (Mt 20:28)

In diesem Zusammenhang weise ich auf den Dienst hin, den die fünf Jünger erweisen, indem sie Jesus von der Synagoge mit nach Hause nehmen. Auch wir haben so viele Male Gelegenheit, diesen Dienst an den Unseren auszuüben, indem auch wir Jesus mitnehmen, wenn wir vom Gottesdienst nach Hause gehen. Nützen wir sie! Lassen wir Jesus nicht in der Kirche zurück! Wir können keinen schöneren Dienst erweisen, als wenn wir Jesus mit nach Hause bringen in unsere Familien, in unsere Freundschaften, auf unsere Arbeitsplätze.

Im Verlauf des Mahles ist der Abend vorangeschritten und die Sonne untergegangen. Damit ist der Sabbat offiziell beendet. Draußen vor der Tür tut sich inzwischen allerhand: „Man brachte alle Kranken und Besessenen zu Jesus. Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt.“ (Mk 1:32bf) Ein riesen Auflauf! Wie reagiert Jesus? Verschreckt? Ablehnend? Überhaupt nicht! Sondern – ihr ahnt es schon: Hilfsbereit: Er heilte viele und trieb viele Dämonen aus! Er gibt auf diese Weise sein Leben hin für viele und bereitet schon hier seine umfassende Hingaben vor, die er dann am Kreuz für alle vollziehen wird.

Wer weiß, wie lange in die Nacht hinein das alles gedauert hat. Der Schlaf war gewiss wohlverdient und wohl auch bald zur Stelle. Aber er war kurz; denn er steht in aller Frühe, als es noch dunkel war, auf und geht vor die Stadt hinaus an einen einsamen Ort, um zu beten. Mit „aller Frühe“ ist die vierte und letzte Nachtwache gemeint, von 3 Uhr bis 6 Uhr. „Als es noch dunkel war“ meint den Beginn dieser Nachtwache – also ca. 3 Uhr. Jesus betet in bewusster Ausrichtung auf seinen Vater. Wir erfahren direkt nichts vom Inhalt dieses Betens, dürfen aber sein weiteres Verhalten als Frucht dieses Betens erkennen.

Worin besteht diese Frucht? In der Antwort auf das Ansinnen des Petrus und der anderen. Die wollen, dass Jesus bleibt, da alle auf ihn warten. Petrus wollte, was er später auf dem Berg der Verklärung auch tun möchte: Hütten bauen und bleiben und die Gunst der Stunde ausnützen.

Jesus hat jedoch die Gunst der Morgenstunden zum Gebet genützt und dabei seine Gunst der Stunde erkannt, die darin bestand, frei zu sein, das Evangelium vom Reich Gottes zu verkünden. Diese Freiheit zu nützen – je früher desto besser, denn wie lange wird er diese Freiheit haben? Er scheit zu ahnen, was wir im Nachhinein wissen: die Zeit, sein Werk zu tun, ist in der Tat kurz. Es drängt ihn diese kurze Zeit möglichst auszufüllen, das Reich Gottes in Wort und Tat zu verkünden. Eine heilige Unruhe hat den Heiligen Gottes erfasst.

Bedenken wir, dass diese hl. Unruhe eine bleibende Mitgift der Verbundenheit mit dem Herrn ist. Es ist ein anderer Name für Nachfolge Jesu, diese Unruhe in unserem Leben zu suchen, uns von ihr ergreifen zu lassen und ihr zu folgen. Amen!