Sonntag, März 29, 2009

... werde ich alle zu mir ziehen!


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 12: 20 – 33

In jener Zeit

20 traten einige Griechen, die beim Osterfest in Jerusalem Gott anbeten wollten,

21 an Philippus heran, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und sagten zu ihm: Herr, wir möchten Jesus sehen.

22 Philippus ging und sagte es Andreas; Andreas und Philippus gingen und sagten es Jesus.

23 Jesus aber antwortete ihnen: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird.

24 Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht auf die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.

25 Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben.

26 Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren.

27 Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen.

28 Vater, verherrliche deinen Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn schon verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen.

29 Die Menge, die dabeistand und das hörte, sagte: Es hat gedonnert. Andere sagten: Ein Engel hat zu ihm geredet.

30 Jesus antwortete und sagte: Nicht mir galt diese Stimme, sondern euch.

31 Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt; jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden.

32 Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.

33 Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde.



Da interessieren sich Griechen für Jesus. Was hat sie wohl neugierig gemacht? Womöglich der unmittelbar vorauf gehende Einzug Jesu in Jerusalem. Die heutige Episode aus dem Evangelium ist jedenfalls eine anschauliche Schilderung, dass die ganze Welt ihm nachläuft, wie die Pharisäer beklagten (Joh 12:19)

Ob auch wir zu jenen gehören, die Jesus nachlaufen, die neugierig sind auf ihn, die ihn sehen wollen? Und was hat unsere Neugierde geweckt?

Oder sind wir gar nicht mehr neugierig auf Jesus, weil wir ihn ja schon lange genug kennen; weil wir ja so vertraut sind mit ihm, die wir ja wöchentlich oder gar noch öfter zur Messe kommen. Hat uns der häufige Messbesuch abgestumpft oder kommen wir deshalb unablässig zu Jesus, weil er uns immer wieder überrascht und sein Wort an uns immer wieder Neues von ihm mitteilt?
Die Bußzeit ist uns gegeben, auf diese Fragen Antwort zu finden.

Jedoch brauchen wir nicht lange zu warten und wir werden erleben, wie alle ihn wieder verlassen und er allein bleibt. Es ist nur ein oberflächliches Nachlaufen, bei dem das Herz nicht mitläuft.

Wir müssen deshalb die Klage der Feinde Jesus, dass alle Welt ihm nachläuft für unser geistliches Leben tiefer sehen in der Form, dass wir sagen: Die gesamte Welt, in der wir leben, muss Jesus nachlaufen; unsere gesamte Lebenswelt muss ausgerichtet sein auf Jesus. Alles in unserem Leben ist auf Jesus hingeordnet. Mir fällt in diesem Zusammenhang ein immer wieder faszinierender Versuch aus dem Physikunterricht ein: Ein Haufen ungeordneter Eisenspäne wir vollkommen durch einen Magneten geordnet. Dieses innere Hingeordnet sein auf Jesus muss uns bewegen, Jesus nachzulaufen. Dann werden wir nicht umkehren und ihn nicht verlassen, wenn sein Kreuzweg beginnt. Vielmehr werden wir mit seiner Mutter Maria, mit Magdalena und seinem Lieblingsjünger Johannes unter Jesu Kreuz stehen können.

Die Zeit der Buße ist genau dazu da: dass wir unser christliches Leben bewusst und gezielt auf Jesus ausrichten. Denken wir nur an den Sturm auf dem See Gennesaret: Solange Petrus mit seiner Aufmerksamkeit völlig auf Jesus ausgerichtet war, konnte er über dem Wasser auf ihn zugehen. Sowie er sich aber vom tiefen Wasser und der Heftigkeit des Sturmes hat beeindrucken lassen, begann er unterzugehen.

Auch wir werden in den geistlichen und wirtschaftlichen Stürmen unserer Tage nicht bestehen können, wenn wir uns nicht unablässig bemühen, unsere ganze Aufmerksamkeit auf Jesus ausrichten.

Jesus gibt uns selber Beispiel: In seiner Erschütterung, wenn er als Weizenkorn in die Erde fällt und stirbt, denkt er an seinen Vater. Jesus weiß sich von ihm gesendet, Jesus weiß sich von hm gehalten: Gestützt auf diesen Vater und von ihm getragen geht Jesus seinen Weg als Weizenkorn in die Erde, als Verurteilter auf das Kreuz und in den Tod. Auf diesem gesamten Weg bis zum letzten Atemzug bleibt Jesus ausgerichtet auf seinen Vater – selbst dann noch, als er sich von seinem Vater völlig verlassen fühlt: Sein letztes Wort ist ein Wort an seinen Vater; ein Wort der Ausrichtung; ein Wort der Hingabe: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist!“ (Lk 23:46) Durch die unbedingte Verbundenheit mit seinem Vater im Himmel überwindet Jesus den Tod in seiner Auferstehung – und er erringt diesen Sieg für uns alle. Das meint Jesus, wenn er am Ende des Evangeliums sagt: „Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle zu mir ziehen!“ (Joh 12:22) Kein Wunder also, dass alle ihm nachlaufen – wenn er doch alle an sich zieht: Er ist der Magnet, dem keiner widerstehen kann.

Und wir kommen zu einer letzten Bestimmung dieser Bußzeit: Sie ist ein bewusstes und beharrliches Sich Aussetzen dieser Anziehungskraft des Herrn! Diese Kraft trägt den Namen Liebe.
Wie haben wir im Tagesgebet zu Gott gesprochen: „Lass uns in seiner Liebe bleiben und mit deiner Gnade aus ihr leben.“ Amen!

Samstag, März 21, 2009

Der überfließende Reichtum seiner Gnade


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 3: 14 – 21

In jener Zeit sprach Jesus zu Nikodemus:

14 Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden,

15 damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben hat.

16 Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hergab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.

17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.

18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.

19 Denn mit dem Gericht verhält es sich so: Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse.

20 Jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden.

21 Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, dass seine Taten in Gott vollbracht sind.




Johannes erinnert zu Beginn des heutigen Evangeliums an eine Geschichte, die dem Volk Israel auf seinem Weg durch die Wüste widerfahren ist: Aufgrund seiner Auflehnung wurde das Volk von giftigen Schlangen befallen. Als Hilfe für das Volk sollte Mose eine Kupferschlange an einer Stange aufhängen. Wer gebissen wird und auf diese erhöhte Kupferschlange blickt bleibt am Leben.
Die Israeliten brauchten sonst nichts zu tun: nichts zu beten, keine Opfer zu bringen oder sonst was zu leisten – der bloße Aufblick zur Schlange genügte! Womöglich stand hinter dieser einfachen Forderung die Tatsache, dass die von Schlangen Gebissenen so geschwächt waren und nicht mehr tun konnten als eben aufzublicken.

Jesus vergleicht mit dieser Kupferschlange nun sich selber und mit ihrem Aufhängen an der Stange seine Kreuzigung. Und auch Jesus will so zum Lebenszeichen werden. Wie soll dieses Zeichen nun aber wirken auf jene, die es anschauen? Auch so ähnlich wie in der Wüstengeschichte: Durch einfachen Aufblick allerdings diesmal ausdrücklich im Glauben: „damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben hat“ (Joh 3:15) Kein Tun! Selbst der Aufblick wird reduziert auf einen Akt des Glaubens – auf den allein kommt es an! Er allein genügt, um gerettet zu werden!

Mitten in der Fastenzeit, mitten auf unserem Weg der Erneuerung, der Buße und der Umkehr, auf halben Weg hin zu Ostern werden wir auf die absolute Notwendigkeit des Glaubens für unsere Erlösung hingewiesen. Nicht um uns an der Nase herumzuführen und unser ehrliches Streben zunichte zu machen; vielmehr soll unser Mühen auf den rechten Grund gestellt werden: auf den Grund unseres Glaubens. Was wir tun und lassen geschehe nicht, weil wir uns damit was von Gott erkaufen und einhandeln wollen. Es geschehe vielmehr, weil wir glauben, dass Christus unser Erlöser ist – aus freien Stücken und aus großer Liebe zu uns; eine Liebe, die er uns schenkt. Unsere Erlösung ist nicht Ergebnis unserer Leistung sondern Geschenk aus dem überfließenden Reichtum seiner Gnade. (vgl. Eph 2:7).

Was wir also tun, tun wir aus Dankbarkeit für die erbarmende Liebe Gottes zu uns. Durch unser Tun wollen wir nicht uns selber erhöhen sondern ein Lobpreis der herrlichen und barmherzigen Liebe Gottes sein.

Der Frühling, der eben in unser Land kommt, bringt uns zahllose Beispiele in der Natur: die Schneeglöckchen, die Krokus und Himmelschlüssel, die Forsythien – sie alle beginnen um die Wette zu blühen – und geben damit Antwort auf die Wärme der Sonne, die sie hervorlockt aus dem kalten Winterboden.

Oder die Billion Dollar, mit der Amerika den Finanzmarkt überschwemmen will. Bei aller Zweischneidigkeit dieser Aktion dürfen wir doch auch darin ein Bild vom überfließenden Reichtum seiner Gnade sehen, die uns anregt, barmherzig zu sein, zu teilen, Gutes zu tun in Gedanken, Worten und Werken – nicht, um etwas zu leisten sondern aus Dankbarkeit für die Liebe Gottes zu uns und weil wir der Liebe Gottes nacheifern wollen; wir wollen mit den Worten Jesu „barmherzig sein wie es auch unser Vater ist.“ (Lk 6:36)
Durch unsere Güte wollen wir nicht zeigen, wie gut wir sind sondern wie gütig Gott ist.

Es ist beinahe so wie beim Einkaufen: Wir nehmen, was in den Regalen griffbereit daliegt. So ungefähr ist das zu verstehen, was Paulus am Ende der 2. Lesung schreibt: „Sein Geschöpfe sind wir, in Christus Jesus dazu geschaffen, in unserem Leben die guten Werke zu tun, die Gott für uns im Voraus bereitet hat.“ (Eph 2:10)

Was zögern wir: Eilen wir in den Supershop der guten Werke und holen wir uns, was dort für uns bereit liegt. Zahlen brauche wir nichts – nicht etwa, weil es so billig ist sondern weil es unbezahlbar ist, was uns dort aus Liebe geschenkt wird, um unsere Liebe zu entfachen. Amen!

Samstag, März 14, 2009

Eifer für Gottes Haus


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 2: 13 – 25

13 Das Paschafest der Juden war nahe, und Jesus zog nach Jerusalem hinauf.

14 Im Tempel fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler, die dort saßen.

15 Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus, dazu die Schafe und Rinder; das Geld der Wechsler schüttete er aus, und ihre Tische stieß er um.

16 Zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!

17 Seine Jünger erinnerten sich an das Wort der Schrift: Der Eifer für dein Haus verzehrt mich.

18 Da stellten ihn die Juden zur Rede: Welches Zeichen lässt du uns sehen als Beweis, dass du dies tun darfst?

19 Jesus antwortete ihnen: Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten.

20 Da sagten die Juden: Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut, und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten?

21 Er aber meinte den Tempel seines Leibes.

22 Als er von den Toten auferstanden war, erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.

23 Während er zum Paschafest in Jerusalem war, kamen viele zum Glauben an seinen Namen, als sie die Zeichen sahen, die er tat.

24 Jesus aber vertraute sich ihnen nicht an, denn er kannte sie alle

25 und brauchte von keinem ein Zeugnis über den Menschen; denn er wusste, was im Menschen ist.






Johannes erzählt uns heute vom ersten Besuch Jesu im Tempel zu Jerusalem. Wie verläuft dieser Tempelbesuch? Betet Jesus Psalmen? Bringt er Opfer dar? Tut er sonst was ausgesprochen Religiöses und Frommes? Man hätte dies an sich gerade von ihm erwartet! Aber nichts von all dem! Er legt sich mit den Händlern an, die dort Kühe, Schafe und Tauben für das Opfer verkaufen und mit den Geldwechslern, die die verschiedenen Währungen in die Münze einwechseln, mit der dann die Tempelsteuer bezahlt wird.

Ein merkwürdige Art zu beten und Gottesdienst zu feiern! Und doch ein „Gottesdienst,“ der genau jetzt in dieser Form für Jesus fällig war. Warum?

Weil es sich im Tempel um das Haus seines Vaters im Himmel handelt! Und weil in diesem Haus seines Vaters eben sein Vater im Mittelpunkt stehen muss. Und das trifft bei den Händlern und Geldwechslern bei weitem nicht zu. Denen ging’s schlicht ums Geschäft. Sie machten den Tempel zu einem Kaufhaus. Sie missachteten, dass der Tempel ein Haus des Gebets sein muss. Und das kann Jesus nicht ertragen, da er seinen Vater über alles liebt.

Der Ort, an dem sich dieser ganze Geschäftsbetrieb abspielte, war der so genannte Vorhof der Heiden. An diesem Ort sollten jene, die noch nicht zum jüdischen Volk gehören, Gott verehren können; an ihm sollten sie die Großtaten des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs erzählen hören. An ihm sollten sie vom Gesetz hören, das Gott seinem Volk gegeben hat und von der Botschaft, die die Propheten verkündet haben: Stattdessen das Muhen der Rinder, das Blöken der Schafe, das Gurren der Tauben und das Klimpern der Münzen! Ganz abgesehen davon, dass sie sich mit diesen Tieren auf eine Stufe gestellt erleben!

Dieser beweinenswerte Zustand zeugt bei den Verantwortlichen von äußerst geringem Feingefühl für die Heiden, die nach Jerusalem in den Tempel kommen, um hier Gott anzubeten und ihm nahe zu sein. Zudem lässt dieser Zustand jeglichen Eifer vermissen dafür, dass Jahwe den Heiden bekannt werde, dass das Volk Jahwes sich mehre und so die Herrlichkeit und das Erbarmen Jahwes von immer mehr Menschen gepriesen werde.

Auf diese Weise wurde die gute Absicht völlig pervertiert, die diesen Zuständen ursprünglich zugrunde lag: dass nämlich den Juden beim Gottesdienst im Tempel geholfen werde, indem ihnen die entsprechenden Tiere und das dazu nötige Geld zur Verfügung gestellt werde.

Die Wurzel all dieser Übel ist die Habsucht (vgl. 1 Tit 6:10) Man schätzt nämlich den jährlichen Eingang an Steuern im Tempel auf ein bis zwei Millionen Denare, das macht umgerechnet etwa 35 – 70 Millionen Euro! Das Ausmaß dieser Summe, die der Hohepriester zu verwalten hatte, lässt sich auch daraus ermessen, dass nach der Plünderung des Tempels 70 n. Chr. der Goldpreis in Syrien um 50% gesunken ist! Es ist außerdem begreiflich, dass der Schatzmeister stets aus der Familie des regierenden Hohenpriesters genommen wurde.

Traurig müssen wir feststellen, dass bei den Verantwortlichen für den Tempelbetrieb das religiöse Empfinden durch die Habgier völlig verdorben war.

Wenn wir nun die radikal entgegengesetzte ungetrübte Reinheit im religiösen Empfinden Jesu bedenken, dann erscheint sein Auftreten im Tempel geradezu harmlos! Religiöse Eiferer heutigen Zuschnittes würden sich mitten in diesem Getümmel selbst in die Luft sprengen und dabei zig Menschen mit in den Tod reißen. Indem Jesus diese tödliche Überspanntheit vermeidet sammelt er die ganze Aufmerksamkeit auf seine Zeichenhandlung – und deren Deutung.

Durch sein Verhalten und seine deutenden Worte macht Jesus klar, dass diese Zustände nicht von Dauer sein können und zum Untergang bestimmt sind. Das Niederreißen des Tempels deutet zum einen auf die Zerstörung des Tempels bei der Eroberung Jerusalems durch die Römer im Jahre 70 n. Chr. hin. Zum anderen meint Jesus damit seine Ermordung, wie sie dann auch bei der Kreuzigung geschieht. Mit dem Aufrichten in drei Tagen deutet er seine Auferstehung an und zugleich, dass der neue Ort der Gegenwart Gottes nicht mehr ein Tempel aus Holz, Stein und Edelmetall sein wird sondern eben sein auferstandener Leib. Die Herrlichkeit Gottes wird diesen Tempel verlassen und sich in seinem Leib niederlassen. In der Auferstehung erfolgt diese Überführung der Herrlichkeit Gottes. Die Zerstörung des herodianischen Tempels ist eine für Christen „logische“ für das jüdische Volk äußerst schmerzhafte Bestätigung dieser Überführung.

„Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten.“ (Mt 5:13) Der Tempel hat jeden Geschmack nach Gott verloren. Er wurde von Gott verlassen und verworfen. Die Römer kamen und haben ihn zertreten.

Im 10. Kapitel hat der Prophet Ezechiel in einer Vision geschaut, wie die Herrlichkeit des Herrn den Tempel verlässt.

Was bedeutet dies alles für uns hier und heute? Die Fülle Gottes im Tempel des Leibes Christe bedeutet ebendiese Fülle auch im Leib Christi, der die Kirche ist (vgl. Kol 1:18) und im Leib Christi, wie er uns in der Eucharistie vorgestellt wird (vgl. Mk 14:22 parr). Und da wir alle als Getaufte Glieder an diesem Leib des Herrn sind, ist auch unser Leib berufen, Tempel des lebendigen Gottes zu sein, in dem der Geist Gottes wohnt (vgl. 1 Kor 3:16).

Das heutige Evangelium, diese Fastenzeit, wollen uns diese unsere Würde, diese unsere Berufung vor Augen halten und die Aufmerksamkeit vom Tempel in Jerusalem über den Tempel des Leibes Christi auf den Tempel Gottes richten, den unsere Kirche und unser Leib darstellt.

Dieser Blick ist notwendig – immer wieder und gerade im Hinblick auf die jüngste Krise unserer Kirche in Österreich. Und er ist notwendig im Hinblick auf unsere alltägliche Lebensführung: Ist unser Alltag ein Tempel, in dem Gott wohnt oder ist er eine Markthalle, in der Gott vergessen wird?

Gebe Gott, dass wir in diesen Tagen eine Antwort finden auf diese Frage – nötigenfalls über eine gründliche Tempelreinigung durch unseren Herrn Jesus, der wir uns demütig und entschlossen aussetzen wollen. Nur so werden diese Tage Tage des Heils und diese Zeit eine Zeit der Gnade (vgl. 2Kor 6:2) und Ostern ein Fest der Auferstehung, das wir mit reinem Herzen feiern können. Amen!

Donnerstag, März 05, 2009

Dieser ist mein geliebter Sohn! Hört auf ihn!


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 9: 2 – 10

In jener Zeit

2 nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt;

3 seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann.

4 Da erschien vor ihren Augen Elija und mit ihm Mose, und sie redeten mit Jesus.

5 Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.

6 Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte; denn sie waren vor Furcht ganz benommen.

7 Da kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.

8 Als sie dann um sich blickten, sahen sie auf einmal niemand mehr bei sich außer Jesus.

9 Während sie den Berg hinabstiegen, verbot er ihnen, irgendjemand zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei.

10 Dieses Wort beschäftigte sie, und sie fragten einander, was das sei: von den Toten auferstehen.



Was werden sich Petrus, Jakobus und Johannes wohl gedacht haben, als Jesus sie allein auf einen hohen Berg geführt hat? Was wird ihnen unterwegs durch Herz und Kopf gegangen sein? Warum nur sie allein und nicht auch die anderen?
Werden sie sich erinnert haben, was Jesus vor sechs Tagen gesagt hat: „Von denen, die hier stehen, werden einige den Tod nicht erleiden, bis sie gesehen haben, dass das Reich Gottes in Macht gekommen ist.“
Die drei folgen Jesus selbst verständlich auf den hohen Berg hinauf: ohne wenn und aber; ohne Fragen; ohne Zögern. Sie wollen dem begegnen, was ihnen dort oben widerfahren wird. Was sie dort oben erleben werden, haben sie sich nicht selber ausgesucht, das wurde ihnen geschenkt in der Gemeinschaft mit Jesus; es wurde ihnen vermittelt durch Jesus.

Und was erleben sie? Jesu Verwandlung! Er ist von Licht durchflutet unvergleichlich hell und weiß. Jesus wandelt sich nicht selber – er wird verwandelt aus der Kraft Gottes heraus. Es ist im tiefsten Sinn des Wortes ein Lichtblick, der den drei Jüngern geschenkt wird. Ein Blick auf jenes Licht, das im Innersten Jesu leuchtet und das in diesen Augenblicken seinen ganzen Leib durchstrahlt. Dieses Licht deutet auf eine besondere Beziehung Jesu zu Gott hin, auf eine einmalige und einzigartige Verbundenheit mit Gott. Diese besondere Verbundenheit bezeichnet dann die Stimme aus der Wolke: „Das ist mein geliebter Sohn!“

Doch um welchen Gott handelt es sich da, der Jesus seinen geliebten Sohn nennt und ihn durchstrahlt? Die Gemeinschaft, in der die Jünger Jesus auf einmal erleben, beantwortet diese Frage: es ist der Gott, der dem Mose auf dem Sinai Weisungen für das Volk Israel gegeben hat; Weisungen für ein Gott gefälliges und heiliges Leben.
Und es ist der Gott, vor dessen Angesicht der Prophet Elias gelebt hat. (vgl. 1Kg 17:1) Dessen Wort er verkündet hat, für dessen Ehre er machtvoll eingetreten ist, in dessen Herrlichkeit er am Ende seines Lebens in einem Feuerwagen aufgenommen wurde.
Dass die beiden, Elias und Moses, mit Jesus reden und die drei Jünger schließlich niemanden mehr bei sich sehen außer Jesus sagt ihnen, dass die Aufgabe und die Botschaft der beiden Großen des Volkes Israel in Jesus eingeflossen, auf ihn über gegangen ist: Was die beiden in Wort und Tat verkündet haben hat in Jesus seine Erfüllung gefunden. Darum dürfen und sollen die drei nun getrost auf Jesus, und auf ihn allein, hören.

Dass uns diese Geschichte mitten in der Fastenzeit erzählt wird will uns folgendes sagen:
Zum einen dürfen wir die gesamte Fastenzeit als einen mühsamen Aufstieg auf einen hohen Berg sehen; den machen wir jedoch nicht allein: Jesus geht mit; mehr noch: er geht voran. Er schwitzt wie wir; er müht sich wie wir. Nehmen wir die Mühsal dieses Weges immer wieder bereitwillig auf uns und suchen wir die Schönheit dieses Weges in der Gemeinschaft mit dem Herrn. Um dann am Ende dieses Aufstieges, oben auf dem hohen Berg Jesus zu erleben, der uns nun auch seine Herrlichkeit, sein Licht, seine göttliche Lebensfülle mitteilt.

Zum anderen will uns die Geschichte von der Verklärung Jesu helfen, dass wir die Bußzeit nicht nur als ein Abspulen von einem mehr oder weniger strengen Fastenprogramm sehen. Das wäre gar zu hart, gar zu unmenschlich. Vielmehr darf und soll es in dieser Zeit auch Lichtblicke geben, die uns vor allem auf eines aufmerksam machen wollen: dass der Sinn der Fastenzeit nicht darin besteht, dass wir etwas leisten sondern darin, dass wir bereit werden, uns von Jesus beschenken zu lassen – mit Licht oder dunkel; mit Frohem oder Schwerem; dass wir für seine Gegenwart empfänglich und für seinen Willen verfügbar werden. Darin uns einzuüben ist der tiefere Sinn und das eigentliche Ziel der Fastenzeit. Genau dahin müssen wir umkehren. Wir müssen für Jesu Ruf in die Nachfolge so bereit werden wie Abraham in der Lesung bereit war auf den Ruf Gottes einzugehen.

„Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija, und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar.“ (Gen 22:2)
Ein völlig unsinniger Auftrag Gottes: Denn dieses Kind hat Gott ihm doch verheißen. Dieses Kind hat Gott ihm geschenkt. Er ist nun bald an die 100 Jahre alt und auch Sara ist betagt. Und den Ismael, den ihm seine Magd Hagar geboren hat, hat er vor kurzem erst in die Wüste geschickt – auf nimmer Wiedersehen. Seine Frau Sara hat das gewollt und Gott hat dem zugestimmt.

Aber das alles sind unsere Einwände und unsere Fragen. Von Abraham hören wir keine Silbe davon. Wie reagiert er? „Frühmorgens“ hören wir „stand Abraham auf, sattelte seinen Esel, holte seine beiden Jungknechte und seinen Sohn Isaak, spaltete Holz zum Opfer und machte sich auf den Weg zu dem Ort, den ihm Gott genannt hatte.“ (Gen 22:3) Abraham klagt nicht und redet nicht und fragt nicht – er handelt, unverzüglich: Frühmorgens. Er gönnt sich keine Zeit zum trauern um seinen Sohn und sich von ihm zu verabschieden. Unverzüglich macht Abraham sich auf den Weg um zu tun, was Gott von ihm wollte. Und vergessen wir nicht: es handelt sich da um „seinen Sohn, seinen einzigen, den er liebt.“ Eltern können sich in Abraham ein bisschen hineinfühlen.
Abraham gehorcht bedingungslos. Uneingeschränkt bleibt er auf Gott hin ausgerichtet. Dessen Wille bleibt Maßstab seines Handelns.
Als sie beim Berg Morija ankommen lässt Abraham uns kurz in sein Herz blicken und zeigt uns, wie es da drinnen ausschaut. Beim Abschied von den Jungknechten sagt er: „ Bleibt mit dem Esel hier! Ich will mit dem Knaben hingehen und anbeten; dann kommen wir zu euch zurück.“ (Gen 22:5) Wohlgemerkt: Wir kommen zu euch zurück! Hätte er bereits alle Hoffnung verloren gehabt dann hätte er nicht in der Mehrzahl geredet. So aber lebten in Abrahams Seele zwei Haltungen: Seinen Sohn Gott entschlossen als Brandopfer darzubringen und gegen alle Hoffnung dennoch zu hoffen, dass Gott in eben diesem seinem Sohn die Verheißung erfüllen wird, die er ihm gemacht hat. Abraham hat unerschütterlich darauf vertraut, dass Gott seine Verheißungen erfüllen wird. Und dieser vertrauensvolle Gehorsam ist ihm zum überreichen Segen geworden.

Die Jünger, die Jesus auf den hohen Berg folgen um dort die Herrlichkeit Jesu zu sehen;
Abraham, der auf dem Berg Morija die Herrlichkeit Gottes erfährt im Segen, den er über sein Geschlecht ausgießt – diesen Gestalten wollen wir folgen, ihr Beispiel nachahmen und dem Herrn mit neuer Entschlossenheit nachfolgen und bei ihm bleiben auch wenn es auf den Berg Golgota hinaufgeht.

Dabei dürfen wir der Begleitung Mariens gewiss sein. Sie, die lauterste Tochter Abrahams und Mutter unseres Herrn Jesus, hat ihn auf seinem Leidensweg bis hin unter das Kreuz begleitet – und hat sich so als wahre Jüngerin erwiesen, die bei IHM bleibt – koste es, was es wolle. Sie hatte jene Liebe, die bereit war zu geben, was er von ihr wollte. Möge diese Liebe mehr und mehr auch die unsere werden jetzt und in Ewigkeit. Amen!