Sonntag, April 26, 2009

Ich bin es selbst!


Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 24: 35 – 48

35 Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.

36 Während sie noch darüber redeten, trat er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!

37 Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen.

38 Da sagte er zu ihnen: Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen solche Zweifel aufkommen?

39 Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an, und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht.

40 Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße.

41 Sie staunten, konnten es aber vor Freude immer noch nicht glauben. Da sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier?

42 Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch;

43 er nahm es und aß es vor ihren Augen.

44 Dann sprach er zu ihnen: Das sind die Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich gesagt ist.

45 Darauf öffnete er ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift.

46 Er sagte zu ihnen: So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen,

47 und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden.

48 Ihr seid Zeugen dafür.




Das heutige Evangelium schildert auf berührende Weise, wie sehr sich Jesus bemüht, seine Jünger zu überzeugen, dass er der auferstandene Herr ist, ihr Jesus, mit dem sie vor seinem Tod am Kreuz unterwegs waren in Galiläa und in Jerusalem.

Gehen wir den Etappen dieses Überzeugungsweges nach und lernen wir dabei für unseren österlichen Glauben.

Beim Berichten der Emmausjünger tritt Jesus selber in ihre Mitte und spricht ihnen seinen Frieden zu. Gleich erleben wir das erste „Wunder.“ Bisher waren wir nämlich von Jesus gewohnt, dass seine Worte bewirkten, was sie sagten: Sagte Jesus etwa zum Aussätzigen: „Ich will es, werde rein!“ so wurde der Aussätzige rein. Und als er zum Gelähmten sagte: „Steh auf, nimm deine Bahre und geh nach Hause!“ stand der Gelähmte auf, nahm seine Bahre und ging nach Hause. Oder erinnern wir uns an Lazarus: Jesus rief in die Grabhöhle hinein: „Lazarus, komm heraus!“ Und Lazarus kam heraus eingewickelt in das Leinen.

Und nun? Wie Jesus zu seinen Jüngern sagt. „Friede sei mit euch!“ Werden sie da etwa mit Frieden erfüllt? Keineswegs! Vielmehr vom Gegenteil! Denn wir hören: „Sie erschraken und hatten große Angst!“ Nicht Friede sondern Angst und Schrecken erfüllte sie auf das Friedenswort Jesu hin. Und warum? Weil sie meinten, einen Geist zu sehen!

Wir sehen: Die Osterbotschaft ist nicht eine Dampfwalze, die alles widerstandslos überrollt und von der man automatisch mit Frieden und Freude erfüllt wird. Auch diese Botschaft von Jesus braucht das gläubig liebende Herz, das offen und empfänglich ist dafür.

Jesus erkennt sogleich das Grundübel in den Jüngern: „Warum hegt ihr solche Zweifel?“ Es sind diese Zweifel, die die Jünger unempfänglich machen für Jesu Gegenwart und für sein Wort.

Doch lässt sich Jesus nicht davon beirren. Unverzüglich macht er sich daran, die Jünger zu bearbeiten, um sie von ihren Zweifeln zu befreien. Wie geht er dabei vor?

Er geht den Weg von außen nach innen. Über die Erfahrung ihrer Sinne will er die Erfahrung des Herzens ermöglichen. Deshalb hält er ihnen vorerst keinen Vortrag sondern zeigt ihnen seinen Leib und an seinem Leib die Hände und die Füße. Merkwürdiger weise nicht sein Gesicht, sondern Hände und Füße, weil diese Glieder von den Malen der Nägel gekennzeichnet waren: Die Jünger sollten mit den Sinnen mit Gewissheit erkennen und greifen um dann begreifen zu können, dass ER, der jetzt in ihrer Mitte steht, derselbe
Jesus ist, der am Kreuz gestorben ist.

Er geht den Weg, den er von Anfang an mit
seinen Jüngern gegangen ist: Über die Erfahrung der Zeichen und Wunder, die Jesus gewirkt hat, öffnete er ihr Herz für die Botschaft vom Reich Gottes.

So ist es auch hier: Indem Jesus sich mit Haut und Haar, mit Fleisch und Knochen gegenwärtig erweist öffnet er das Buch ihres Herzens um darin dann die Botschaft niederzuschreiben, die er ihnen jetzt mitteilt, wenn er sie an die Worte erinnert, die er zu ihnen gesprochen hat, als er bei ihnen war. Mit dieser Erinnerung öffnet er ihnen zugleich das Verständnis der Schriften des ersten Bundes und wie das Gesetz, die Propheten und die Psalmen von ihm erzählen: Die Botschaften all dieser Schriften läuft auf die eine Botschaft zu, die sie in den letzten Tagen so überaus leidvoll erlebt haben: Dass der Messias leiden wird! Aber das ist nur die traurige Seite der Botschaft. Die frohe Seite dürfen sie nun auch erleben: Dass er am dritten Tag von den Toten auferstehen wird.

Im Erzählen muss nun ähnliches geschehen sein, wie bei den beiden Emmausjüngern: Ihr Herz hat zu brennen begonnen! Kein direkter Hinweis; doch Jesus wird es ihren Augen abgelesen habe. Und was dieses Feuer bewirken wird sagt er nun mit Gewissheit, indem er die Zukunft vorwegnimmt: „ und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden.“ So wirkt sich das aus, zu dem sie durch die Begegnung mit Jesus geworden sind: zu seinen Zeugen! Amen!

Samstag, April 18, 2009

Mein Herr und mein Gott!


+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 20: 19 – 31

19 Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!

20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.

21 Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

22 Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!

23 Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.

24 Thomas, genannt Didymus (Zwilling), einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.

25 Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.

26 Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch!

27 Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!

28 Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott!

29 Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

30 Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan.

31 Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.






Das Ende der Osteroktav feiern wir heute mit dem Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit. In ihr sehen wir den Quell, dem das Heilsgeschehen der vergangenen Tage entspringt: Jesu Leiden, Sterben und glorreiches Auferstehen. Jesus hat uns auf diese Weise Kunde gebracht von der Liebe Gottes zu uns. Diese Liebe hüllt sich ganz in den Mantel der Barmherzigkeit.

Auch im heutigen Evangelium können wir der Barmherzigkeit Gottes nachspüren; sie liegt offensichtlich vor unseren Augen. Es ist ein Lehrbuch über die Barmherzigkeit Gottes. Sie wird im Handeln Jesu an seinen Jüngern deutlich. Er ist erneut der Träger der barmherzigen Liebe Gottes; jedoch kann er nur deshalb ihr Träger sein, weil er ganz von ihr getragen wird und sich von ihr tragen lässt.

Wie entfaltet sich also im heutigen Evangelium die Barmherzigkeit Gottes?

Indem Jesus zu den verschreckten und verängstigten Jüngern geht und durch seine Gegenwart ihre Angst in Freude wandelt. Die Brücke dabei ist der Friede, den er ihnen gleich zweimal zuspricht. So zeigt Jesus, dass er seinen Jüngern verzeiht und die Gemeinschaft mit ihnen wieder aufnimmt, die sie aus Angst gelöst haben. Er ist der Hirte, der seine zerstreute Herde sammelt.
Die so von Schuld befreiten Jünger lässt der Herr nun an der Sendung teilhaben, in die er von seinem Vater gestellt wurde – ein erneuter Akt der barmherzigen Liebe. Und welche Zumutung an die Jünger: eben noch ängstlich, feige und schwach sollen sie nun die Sendung Jesu fortsetzen.
Aber es wird gleich klar, dass Jesus dabei nicht auf die Stärke seiner Jünger baut sondern vielmehr auf jene Kraft, die von Gott kommt – auf den Hl. Geist, den er ihnen sogleich einhaucht: eine weitere Entfaltung der barmherzigen Liebe Gottes.
Und schließlich werden die Jünger ausdrücklich beauftragt, die vergebende Liebe des Herrn weiter zu geben: „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben!“ In diesem Auftrag besteht die Vollmacht, Sünden zu vergeben und die Barmherzigkeit Gottes im Sakrament der Buße zu vermitteln.
Jesus überschüttet seine Jünger mit den Erweisen der göttlichen Barmherzigkeit und macht sie selber zu Gefäßen dieser Barmherzigkeit, die unerschöpflich sind.

Die Schar der verschreckten Jünger erinnert an das Volk des alten Bundes, um das der Herr sich auch in überfließendem Maße gekümmert hat in der Befreiung aus der Knechtschaft Ägyptens und in der Rückführung aus der Gefangenschaft in Babylon.
Zudem ist die Jüngerschar ein Vorausbild für die Kirche zu allen Zeiten: Immer wieder wird die Kirche Zeiten und Zustände erleben, die Angst machen – immer aber wird der Herr dann in ihre Mitte treten, um ihr die Angst zu nehmen und ihr den Weg zu bahnen in die weitere Zukunft. Es ist nur immer wieder wichtig auf diesen Herrn in der Mitte zu blicken in ins Auge zu fassen und ins Herz zu schließen. Dann verblassen die Ängste und die Freude am Herrn kann zum Stärke werden.

Noch ein letzter Gedanke über die Barmherzigkeit Gottes. Thomas legt ihn nahe. Jesus erscheint eine Woche später noch einmal extra um des Thomas willen, um ihn von seinem Zweifel zu befreien und ihn auf den Weg des selig machenden Glaubens zu schicken. Wir können da Jesus entdecken als den Hirten, der dem einen verlorenen Schaf nachgeht und sich um es genau so kümmert wie um die ganze Herde.
Damit will uns gesagt sein: Die Barmherzigkeit Gottes umfängt die ganze Gemeinschaft genau so wie jeden einzelnen. Jeder ist ganz in das Herz Gottes eingeschrieben; für jeden hat Jesus jenes Maß an Barmherzigkeit, das er braucht um gerettet zu werden; um im Frieden und in der Freude leben zu können. Welch Ermutigung für jeden von uns! Welch ein Anlass zum grenzenlosen Vertrauen auf Jesu Barmherzigkeit, die gepriesen sei in alle Ewigkeit! Amen!

Sonntag, April 12, 2009

Brannte uns nicht das Herz?


Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 24: 13 – 35

13 Am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist.

14 Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte.

15 Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen.

16 Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, so dass sie ihn nicht erkannten.

17 Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander
redet? Da blieben sie traurig stehen,

18 und der eine von ihnen - er hieß Kleopas - antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als Einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?

19 Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Wort und Tat vor Gott und dem ganzen Volk.

20 Doch unsere Hohenpriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen.

21 Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist.

22 Aber nicht nur das: Auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab,

23 fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe.

24 Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht.

25 Da sagte er zu ihnen: Begreift ihr denn nicht? Wie schwer fällt es euch, alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben.

26 Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?

27 Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.

28 So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen,

29 aber sie drängten ihn und sagten: Bleib doch bei uns; denn es wird bald Abend, der Tag hat sich schon geneigt. Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.

30 Und als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen.

31 Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr.

32 Und sie sagten zueinander: Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?

33 Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück, und sie fanden die Elf und die anderen Jünger versammelt.

34 Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.

35 Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.




Es ist mir jedes Jahr erneut eine österliche Wohltat, mitzuerleben, wie Jesus mit den beiden Emmausjüngern umgeht.

Wie er nämlich bemerkt, dass sie ihn nicht erkennen, da sie mit Blindheit geschlagen waren, geht er nicht einfach her und sagt zu ihnen: Ja, erkennt ihr mich denn nicht? Ich bin’s doch – Jesus!

Jesus hat überhaupt keinen Osterstress, indem er sich etwas sagte: Ich muss noch so vielen erscheinen und zudem wichtigeren Leuten als diesen beiden – zum Beispiel dem Petrus und den anderen Jüngern. Ich kann mich mit diesen beiden wirklich nicht zu lange aufhalten.

Nichts von all dem. Vielmehr verbringt er einen Gutteil des Nachmittags bis in den Abend hinein mit ihnen.

Und was tut er dabei?

Nun – er hört ihnen einfach einmal zu. In aller Ruhe können sie ihr Herz ausschütten und ihm sagen, was sie bekümmert, beschäftigt, bedrückt.

Und dann? Was macht Jesus dann? Öffnet er ihnen jetzt die Augen, indem er ihnen sagt, dass er Jesus sei? Nein.
Vielmehr beginnt nun er zu erzählen – aus der hl. Schrift, das heißt aus dem Alten Testament. Er erklärt ihnen die vielen Hinweise auf ihn bei Mose, den Propheten, in den Psalmen. Er erklärt ihnen, dass sie alle eigentlich von ihm erzählen auf ihn hinweisen, zu ihm hinführen. Was gäbe ich dafür, bei dieser Bibelkatechese dabei gewesen zu sein! Jesus hat das so lebendig und ergreifend gemacht, dass das Herz der beiden zu brennen begann.

Das ist auch kein Wunder, denn recht eigentlich hat Jesus ihnen nun sein Herz ausgeschüttet, indem er von den hl. Schriften erzählte, die sein Herz ja ganz und gar ausfüllten – ist es doch das Wort seines Vaters im Himmel, von dem er ihnen da erzählt.

Zugleich deckt Jesus auf diese Weise die Wurzeln auf, aus denen sein Leben und sein Schicksal herausgewachsen sind.
Aber nicht nur seine eigenen Wurzeln deckt Jesus so auf – auch die Wurzeln der beiden Jünger legt er bloß; denn auch ihr Leben ist aus diesem Quellgrund des Wortes Gottes gespeist. Denn ihnen ist das Wort Gottes zugesprochen zur Freude, zum Trost, zur Ermahnung, zur Strafe, zur Umkehr, zur Erneuerung. Sie versuchten dieses Wort zu hören und ihr Leben danach zu gestalten.
Mit dem Wort Gottes öffnete Jesus ihnen den Raum, in dem das Herz von ihnen dreien zu Hause war. Er ließ sie durch sein Erzählen insgeheim den Pulsschlag seines Herzens hören und hat dadurch in eins ihr Herz erwärmt und belebt, indem er es in seine eigentliche und wahre Heimat zurückführte.
Sie redeten von Mund zu Mund und zugleich von Herz zu Herz! Welches Herz würde da nicht zu brennen beginnen!

Und immer noch nicht offenbart Jesus seine Identität, obwohl das Herz bereits lebendig verspürte, was dem Verstand noch verborgen war.

Vielmehr schreitet Jesus nun zur Tat: Er nahm das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen. Jesus warf dieses Tun wie einen Samen in den Acker des brennenden Herzens, den er durch sein Wort bereitet hatte; und sogleich geht der Same auf und bringt die Frucht hervor in der Erkenntnis Jesu. Diese Erkenntnis genügt – sie bedarf nicht mehr des Sehens mit den Augen des Leibes. Das Herz sieht endlich – das ist entscheidend, das genügt!

Und neues Leben ist da, ein neues Ziel, ein neuer Weg: Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück, und sie fanden die Elf und die anderen Jünger versammelt.

Jesus der Urtyp des österlichen Menschen hat aus diesen zwei Jüngern österliche Menschen gemacht, indem er durch Mitgehen und Zuhören sein Herz öffnete, sie im Erzählen des Wortes Gottes seinen Herzschlag hören ließ, ihr Herz brennen machte in der Beheimatung in eben diesem Wort Gottes und sie so zu neuem Leben führte.

Möge auf dem Emmausgang unseres Lebens auch uns diese österliche Gnade zuteil werden. Amen!

Er ist auferstanden!


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 16: 1 – 7

1 Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um damit zum Grab zu gehen und Jesus zu salben.


2 Am ersten Tag der Woche kamen sie in aller Frühe zum Grab, als eben die Sonne aufging.


3 Sie sagten zueinander: Wer könnte uns den Stein vom Eingang wegwälzen?

4 Doch als sie hinblickten, sahen sie, dass der Stein schon weggewälzt war; er war sehr groß.


5 Sie gingen in das Grab hinein und sahen auf der rechten Seite einen jungen Mann sitzen, der mit einem weißen Gewand bekleidet war; da erschraken sie sehr.


6 Er aber sagte zu ihnen: Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte.


7 Nun aber geht und sagt seinen Jüngern, vor allem Petrus: Er geht euch voraus nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat.





Die drei Frauen haben den Sabbat gehalten. Oder besser gesagt: der Sabbat hat sie gehalten – zu Hause, in ihren Familien. Dort haben sie ihre Pflichten wahrgenommen, die dieser Tag ihnen vorschreibt. Waren sie nun also körperlich zu Hause anwesend so werden ihre Gedanken immer wieder zu Jesus gewandert sein, hin zum Grab im Garten, wo sie gesehen haben, wie er dort begraben wurde. Ihr Herz wird dort gewesen sein, wo ihr Schatz ist – bei Jesus. Das Sabbatgebot konnte wohl ihren Leib zügeln und beherrschen aber nicht ihr Herz, ihre Sehsucht, ihre Gedanken. So dass also ihr Fleisch wohl willig ihr Geist aber schwach war.

Nachdem sie dem jüdischen Gesetz genüge getan hatten konnten sie, als der Sabbat vergangen war, dem Gesetz ihres Herzens folgen – und sie taten dies ehest möglich: am folgenden Tag, dem ersten der Woche, sehr früh, als eben erst die Sonne aufging. Zuvor haben sie wohlriechende Öle gekauft um dem Leib ihres geliebten Herrn in der Salbung jenen letzten Dienst zu erweisen, den sie am Vorabend des Sabbats ob des eiligen Begräbnisses unterlassen mussten.

Nur eine Frage blieb: Wer wird den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen? Denn der war sehr groß! Zwei von den dreien haben gesehen, wie das Grab mit dem Rollstein verschlossen wurde. Warum haben sie nicht eher daran gedacht? Warum haben sie niemanden mitgenommen, der ihnen dabei hätte helfen können?
Vielleicht spielt da die Dritte eine Rolle – Salome? In diesem Namen ist Shalom drinnen, Friede. Salome die Friedvolle- womöglich auch in dem Sinn beruhigend, dass sie sagte: Es wird schon irgendwie gehen!

Mit dem Öl in den Händen und dem Rollstein im Sinn und vor allem mit dem toten Jesus im Herzen kommen sie ans Grab. Und in der Tat: Es ging irgendwie mit dem Stein; wie, ist nicht mehr wichtig, denn Hauptsache, er ist weg vom Eingang des Grabes!


Halten wir hier inne und bedenken wir, dass diese drei Frauen mit Leib und Seele beim Herrn geblieben sind: Sie haben Jesus von Galiläa herauf begleitet, (vgl. Mk 15:41) und verfolgen von ferne seine Kreuzigung und sein Sterben mit. (Mk 15:40) Schließlich sehen sie noch, wie Jesus begraben wird (Mk 15:47). Was diese Frauen am Bleiben bei Jesus gehindert hat – zumindest dem Leibe nach – war die Beobachtung der Sabbatruhe. Ein göttliches Gesetz hat sie abgehalten, dem Sohne Gottes gleich nach seinem Tod jenes Begräbnis zu bereiten, das ihm ihre Liebe bereiten wollte und das ihm mehr als gebührte! Welche Blindheit, die in Jesus nicht denselben Gott erkennen kann, der dieses Gesetz gegeben hat und der nun kommt, um es zu erfüllen! Welche Tragik!
Und nun blicken wir auf uns mit der Frage, wie treu wir denn Jesus in seinem Leiden und Sterben begleitet haben? Wie sehr sind wir bei Jesus geblieben? Hat es auch bei uns – in uns – ein Gesetz gegeben, dass uns vom Herrn fern gehalten hat? Etwa ein Gesetz der Anhänglichkeit in irgendeiner Form? Welches Gesetz hat uns abgehalten davon, aus ganzem Herzen mit Jesus zu leiden und um ihn zu trauern? Welches Gesetz hat uns nicht den Schlaf fliehen lassen, so dass wir unablässig wachend und betend seiner Auferstehung entgegengeharrt hätten? Dieses Wachen und Beten ist das wohlriechende Öl, mit dem wir heute unterwegs sein können zu seinem Grab. Welches Gesetz hat auch uns wie den Jüngern in Getsemani die Augen schwer werden lassen? (vgl. Mk 14:40) Es ist jenes Gesetz, das es dem Geist des Mitleids und des Gebetes nicht erlaubt, ganz von unserem Herzen Besitz zu ergreifen. (vgl. Sach 12:10f.)
Diese Fragen mögen uns vor Augen halten wie klein wir sind angesichts des Großen, das da am Herrn und durch den Herrn geschehen ist. Zugleich möchten diese Fragen uns einprägen, wie sehr wir Beschenkte sind von dem, was nun zusammen mit den drei Frauen auch uns widerfährt.


Sie betraten die Vorkammer des Grabes und sahen – nicht den toten Jesus sondern auf der rechten Seite einen Jüngling in langem, weißem Gewand. Und dieser Jüngling weiß, dass sie Jesus von Nazareth suchen, den Gekreuzigten. Und dann das Ungeheuerliche: Er ist auferstanden! Er ist nicht hier! Sie können nur mehr den Platz sehen, wo sie ihn hingelegt haben. Nur die Liebe, die den toten Jesus suchte kann das Erschrecken begreifen, das sie nun erfasste.


Wohl hatte Jesus gesagt, er werde auferstehen; doch vermochten diese Worte nichts auszurichten angesichts des machtvollen Eindruckes von seinem Leiden und Sterben. Nun deuten eben diese Worte Jesu im Mund des Jünglings das Faktum des leeren Grabes.


Das leere Grab ist leere Hülle: es sagt: der Herr ist nicht mehr hier; er ist anderswo! Darum der Auftrag des Jünglings, zu den Jüngern zu gehen und ihnen, vor allem dem Petrus, eine Botschaft zu sagen, die Jesus ihnen auch schon einmal gesagt hat: (Mk 14:28) Dass er nach seiner Auferstehung ihnen nach Galiläa vorausgehen werde. Dort werden sie ihn sehen.

Die Reaktion der Frauen auf diese Botschaft können wir kaum begreifen: Zitternd und voll Entsetzen fliehen sie vom Grab, denn sie fürchteten sich.

Die Erde bebte nicht (vgl. Mt 28:2) – dennoch sind die Frauen zutiefst erschüttert. Sie sind zutiefst ergriffen von dem, was geschehen ist: Altes ist vergangen – Neues ist geworden! Nicht Neues ist aus Altem geworden sondern das Alte ist vergangen und das Neue ist nicht aus dem Alten geworden sondern aus Gott! Gottes neue Welt ist in ihr Leben eingebrochen durch Jesu Auferstehung vom Tod. Das Entsetzen dieser drei Frauen sind die Todeswehen ihrer alten Welt. Diese müssen sie durchstehen um zur österlichen Freude zu gelangen, die auf sie wartet in der Begegnung mit dem auferstandenen Herrn. Sie müssen mit dem hl. Paulus vergessen, was hinter ihnen liegt und sich ausstrecken nach dem, was vor ihnen ist – nämlich die Begegnung mit dem Herrn und das Leben mit ihm.


Sie sind in einen neuen Tag hineingegangen – nicht nur in den ersten der Woche, der vergeht und auf den dann der zweite folgt. Sie sind vielmehr in den achten Tag hineingegangen, in den Tag des Herrn, in den dies dominica, der ewig währt wie der Herr selber. Gehen wir mit diesen Frauen aus unserer alten Welt in das Galiläa unserer Tage, hinein in den neuen Tag, in dem wir nicht mehr uns selber gehören sondern dem Herrn und werden wir nicht müde die Botschaft des Jünglings weiterzusagen: Der Herr ist auferstanden! Amen! Halleluja!

Mittwoch, April 08, 2009

Fußwaschung


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 13: 1 – 15

1 Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung.

2 Es fand ein Mahl statt, und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern.

3 Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte,

4 stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch.

5 Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war.

6 Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen?

7 Jesus antwortete ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen.

8 Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir.

9 Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt.

10 Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle.

11 Er wusste nämlich, wer ihn verraten würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.

12 Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe?

13 Ihr sagt zu mir Meister und Herr, und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es.

14 Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.

15 Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.



Wir haben uns mit Jesus und seinen Jüngern versammelt zur Feier des letzten Mahles vor seinem Tod. Von Jesus hören wir, dass „er wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen.“ (Joh 13:1) Mit dieser Stunde meint Jesus sein Leiden, Sterben und Auferstehen. Diese Stunde prägt dieses Mahl. Jesus gestaltet das Mahl auf diese Stunde hin.

Schauen wir uns einzelne Elemente dieser Gestaltung an.

„Er legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch.“ (Joh 13:4b) Das ist die praktische Vorbereitung auf die Fußwaschung. Zugleich können wir in diesem Akt mehr sehen. Er weist darauf hin, dass Jesus das Königskleid abgelegt und das Gewand eines Sklaven angezogen hat. Wir werden daran erinnert, dass Jesus Gottes Sohn war, dass er dieses Gott gleich sein aber nicht wie einen Raub festgehalten sondern sich selbst entäußert hat und wie ein Sklave wurde und den Menschen gleich. (vgl. Phil 2:6f) Wir werden durch dieses Tun Jesu an seine Menschwerdung erinnert als Voraussetzung für die Erlösungstat, zu der er sich nun abschickt. Er weist darauf hin, dass er von Gott gekommen ist. Dieses Ausgehen von Gott sagt, dass er schon einen Weg hinter sich hat.

Er hat aber auch sein Kleid ausgezogen in einer anderen Hinsicht, die mit der eben erwähnten innig verbunden ist: er hat sich sein Kleid göttlicher Herrlichkeit ausgezogen und sich bekleidet mit dem Gewand des schlichten Brotes. Jesus hat einen weiteren Weg zurückgelegt, den in die Gestalt des eucharistischen Brotes: dies ist mein Leib; dies ist mein Blut. Die 2. Lesung erinnert an dieses Überkleidet werden mit den eucharistischen Gestalten von Brot und Wein.

Und schließlich klingt bereits das nahe bevorstehende Leiden und Sterben an: Er zieht aus das Gewand der Herrlichkeit und zieht das Kleid der Leiden und des bitteren Todes an. Dieser Weg steht ihm noch bevor.
Diese dreifache Umkleidung des Herrn in das Menschsein, in das Brotsein und in das Leiden könne wir auch als Weg sehen: Der Weg in das Menschsein, in das Brot, in das Leiden.
Mit diesen Weggedanken verbinden sich die Füße.

Denn Jesus beginnt nun den Jüngern die Füße zu waschen. Von allen Sklavendiensten hat er diesen ausgesucht. Auf Grund
der Wege, die wir eben nachsinnend gleichsam mit dem Herrn gegangen sind, können wir nun verstehen, dass Jesus den Jüngern die Füße wäscht und nicht etwa die Hände. Es geht um die Zurüstung der Füße; um die Bereitung der Füße für den Weg, der ihnen zu gehen bevorsteht. Es gilt für die Jünger unbedingt auf dem Weg zu bleiben; Jesus auf der Spur zu bleiben; in der Nachfolge auf seinem Weg mit ihm verbunden zu bleiben.
Es ist wie beim Tourengehen. Der erste in der Reihe muss spuren: Das heißt er muss eine Spur in den Schnee legen, in der die Nachfolgenden dann leichter gehen können. Das Spuren ist mit Mühe und Schweiß verbunden. Es ist Kräfte raubend. Jedoch haben die Nachfolgenden es nur leichter, wenn sie auch tatsächlich in der Spur bleiben, die ihnen gelegt wurde.
In seinem Leiden und Sterben hat Jesus seinen Jüngern und uns allen die Spur ins ewige Leben, in die Herrlichkeit des Vaters gelegt. Und nicht nur das: wir können sogar sagen: er ist selber die Spur, die in Wahrheit zum ewigen Leben führt. (vgl. Joh 14:6)
Jesus wäscht seinen Jüngern also deswegen die Füße, damit „sie Anteil an ihm haben.“ (Jo 13:8) Damit sie den Weg bedenken, den sie zu gehen haben. Damit sie nicht stehen bleiben sondern unterwegs bleiben.
Weil sich Petrus besonders hervortut, wollen wir an ihm betrachten, was das bedeutet.
Jesus wäscht dem Petrus die Füße, damit er nicht stehen bleibt im Vorhof des Pilatus, wo er Jesus verleugnet hat. Er möge vielmehr voll heilsamer und schmerzlicher Reue weitergehen. Dass er auch nicht stehen bleibt in den Räumen, in denen er sich mit den übrigen Jüngern angstvoll einschließt, sondern dass er hinauseile zum Grab des Herrn. Dass er auch dort nicht stehen bleibe sondern zurückkehre zu den übrigen Jüngern und mit ihnen nach Galiläa gehe, wo der Herr verheißen hat, dass sie ihn sehen werden. (vgl. Mk 16:7) Dass er schließlich auch dort nicht stehen bleibe sondern zurückkehre nach Jerusalem, um dort den Hl. Geist zu erwarten und zu empfangen. Dass er in diesem Geist nicht stehen bleibe sondern geführt von ihm gehe bis ans Ende der Welt, um das Evangelium zu verkünden und die Menschen zu Jesu Jüngern zu machen, indem er sie tauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. (vgl. Mt 28:19) Dass Petrus nicht stehen bleibt bis er schließlich den irdischen Weg wie sein Meister am Kreuz beendet. Und bezeichnender Weise will er verkehrt gekreuzigt werden mit den Füßen dort wo bei Jesus der Kopf war. Damit gibt er neben seiner Demut Zeugnis dafür, dass die Füße genauso wichtig sind wie der Kopf: denn was nützt es, wenn der rechte Weg erkannt aber nicht gegangen wird? Vor allem aber bezeugt Petrus so, dass das Wort des Herrn Licht auf seinem Weg war und Leuchte auf seinem Pfad. (vgl. Ps 119:105)
Wir können jetzt besser verstehen, warum Jesus den Jüngern die Füße wäscht: die äußere Waschung soll innerlich zum Einklang bereiten von Fleisch und Geist; denn Jesus weiß: „der Geist ist willig aber das Fleisch ist schwach.“ (Mk 14:38) Die Fußwaschung ist eine Ermutigung für den kommenden Weg. In der Waschung der Füße wird der Weg geweiht, den sie zu gehen haben; wird der Weg erleuchtet, der ihnen bevorsteht. Jesus will seinen Jüngern sagen: Folgt mir nach – ich geh voraus; geht mit mir, denn ich gehe mit euch. Vielleicht können wir gar so weit gehen und sagen: In der Fußwaschung hat Jesus den Jüngern seine Füße gegeben. Denn es ist sein Weg, den sie gehen; und sie gehen in der Kraft, die er gibt.
Und es schließt sich auf geheimnisvolle Weise der Kreis zum Brot, von dem Jesus sagt: das ist mein Leib! Denn es würde mich nicht wundern, wenn Jesus bei der Fußwaschung eines jeden seiner Jünger im Stillen gebetet hat: Das sind meine Füße! Die Fußwaschung eine Fußwandlung! Amen!

Sonntag, April 05, 2009

Hosanna!


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 11: 1 – 10

Es war einige Tage vor dem Osterfest

1 Als sie in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage und Betanien am Ölberg, schickte Jesus zwei seiner Jünger voraus.

2 Er sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor uns liegt; gleich wenn ihr hineinkommt, werdet ihr einen jungen Esel angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat. Bindet ihn los, und bringt ihn her!

3 Und wenn jemand zu euch sagt: Was tut ihr da?, dann antwortet: Der Herr braucht ihn; er lässt ihn bald wieder zurückbringen.

4 Da machten sie sich auf den Weg und fanden außen an einer Tür an der Straße einen jungen Esel angebunden, und sie banden ihn los.

5 Einige, die dabeistanden, sagten zu ihnen: Wie kommt ihr dazu, den Esel loszubinden?

6 Sie gaben ihnen zur Antwort, was Jesus gesagt hatte, und man ließ sie gewähren.

7 Sie brachten den jungen Esel zu Jesus, legten ihre Kleider auf das Tier, und er setzte sich darauf.

8 Und viele breiteten ihre Kleider auf der Straße aus; andere rissen auf den Feldern Zweigen von den Büschen ab und streuten sie auf den Weg.

9 Die Leute, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn!

10 Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommt. Hosanna in der Höhe!



Wenn wir nun die Leidensgeschichte hören begleiten wir den Herrn auf seinem Leidensweg. Es ist ein Gehen in den Tod. Die Botschaft vom Einzug in Jerusalem miteinbezogen, ist es ein Weg vom „Hosanna“ der jubelnden Menge bis zum Bekenntnis des römischen Hauptmannes: „Wahrhaft dieser Mensch war Gottes Sohn!“

Dieser Ruf enthüllt in seiner Bedeutung „So hilf doch, Herr!“ die Sehnsucht der Menschen nach Erlösung und Befreiung. Die Leute dachten dabei freilich an eine politisch, militärische Befreiung vom drückenden Joch der Römer. Niemand dachte daran, dass Gott an eine ganz andere Befreiung dachte – an eine Befreiung, die tiefer greift und umfassender ist. Es war für Gott viel zu wenig, bloß eine politische Freiheit im Sinn zu haben – die dann durch in eine andere Versklavung gemündet hätte. Es heißt von Gott klein denken, bloß eine solche Freiheit zu erwarten, in der im Grunde eine Knechtschaft einer anderen die Hand reicht.

Es geht Gott um unendlich mehr, weil er uns Menschen unendlich liebt: Es geht ihm um unsere Freiheit vom Tod und von allem was zum Tod führt, was auch nur nach Tod riecht! Es geht ihm um jene Freiheit, in der nichts mehr ihn trennt von seinen über allem geliebten Menschen. Und wie schenkt er uns diese Freiheit: Durch Jesus, seinen über alles geliebten Sohn! Der Hauptmann sieht den toten Menschen Jesus am Kreuz und erkennt glaubend in ihm den wahrhaftigen Sohn Gottes.

Begleiten wir Jesus auf diesem Weg – denn er geht ihn um unsretwillen. Er ist voraus gegangen – folgen wir ihm nach; er hat ihn für uns erlitten – versuchen wir mit ihm zu leiden. Er ist für uns gestorben – sterben wir mit ihm: Sterben wir dem Unglauben, damit wir leben können im Glauben des Hauptmannes! Dieser Glaube werde auch unser!

Erleben wir mit das Drama, das sich vor unseren Augen abspielt: Das Drama, in dem äußerste Ablehnung beantwortet wird durch äußerste Annahme! Vernichtendes Nein durch liebendes Ja – bis zum letzten Atemzug! Das Nein des Todes läuft sich zu Tode im Ja der Liebe! Und dieses Ja der Liebe ist das Ja, das aus Gottes Liebe kommt: Er hat es zuerst gesprochen, als er uns nach seinem Bilde schuf; ER hat es unzählige male wiederholt im Verlauf der Geschichte seines auserwählten Volkes – um ihm schließlich in Tod und Auferstehung seines Sohnes jene Endgültigkeit, die für uns ewiges Leben bedeutet – Leben in Fülle, an dem wir bereits hier auf Erden vorauskostend teilnehmen dürfen – im Glauben des Hauptmannes.

Versuchen wir, dieses JA Gottes zu uns zu erspüren in allem Schrecklichen, das Jesus widerfährt; lassen wir uns so zutiefst von diesem JA Gottes berühren und bekehren zu Menschen eines Wohlgefallens, die offen sind für seine überfließende Lebensfülle. Amen!