Samstag, Mai 30, 2009

Empfangt den Hl. Geist!


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 20: 19 – 23

19 Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!

20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.

21 Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

22 Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!

23 Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.



Es bedarf wohl zweier Darstellungen der Geistausgießung, um das Gewaltige und Unbegreifliche dieses Geschehens in Umrissen wenigstens verständlich zu machen. Mit Umrissen meine ich die Eckdaten dieses Ereignisses.

Da ist einmal die Erzählung, die wir eben im Evangelium gehört haben. Sie berichtet von der Begegnung mit dem Auferstandenen Herrn im Kreis seiner Jünger: Er kommt bei verschlossenen Türen zu ihnen; sie haben Angst vor ihren jüdischen Volksgenossen, die Jesus umgebracht haben. Sie befürchten ein ähnliches Schicksal.

In diese Stimmung hinein der zweimalige Friedensgruß des Herrn und die Freude der Jünger über den Herrn.

Und dann haucht Jesus sie an und spricht zu ihnen: Empfangt den Hl. Geist!

Dieses Anhauchen erinnert daran, dass zu Beginn bei der Schöpfung Gott dem Menschen den Lebensatem in die Nase blies, nachdem er ihn aus Erde vom Ackerboden geformt hatte. (vgl. Gen 2:7)

Das bedeutet: So wie Gott dem Menschen durch seinen Anhauch ins Leben rief gerade so schenkt Jesus seinen Jüngern durch das Anhauchen das Leben des Hl. Geistes. Was Gott wunderbar geschaffen hat er in Jesus noch wunderbarer erneuert. Zugleich ist das Verhalten Jesu ein Zeichen dafür, dass der hl. Geist nicht nur vom Vater ausgeht sondern auch von ihm.

Von nun an schenkt Gott seinen Geist durch Jesus, seinen geliebten Sohn. Der Geist Gottes wird vermittelt in der persönlichen Begegnung mit Jesus.

Was Jesus zu Beginn der Kirche an seinen Jüngern getan hat tut er seither andauernd an seiner Kirche: er haucht ihr den Hl. Geist ein – jenes Band, das ihn mit der Kirche verbindet; das die Kirche an ihn bindet und so einfügt in die Gemeinschaft des dreifaltigen Gottes; das die Kirche zu einer Gemeinschaft im Herrn zusammenbindet.

Bei jeder Begegnung mit dem Herrn in der Eucharistie, in den Sakramenten der Kirche, im Lesen der hl. Schriften, im Beten, in der Übung der Nächstenliebe – bei all diesen Begegnungen haucht der Herr nach wie vor die Glieder seiner Kirche an und sagt zu ihr: Empfanget den Hl. Geist! Es sind geistgewirkte, geistdurchformte Begegnungen!
So unspektakulär dies geschieht so wesentlich ist es; ebenso nach außen hin unscheinbar ist das, wozu sie den Hl. Geist empfangen: damit sie die Sünden vergeben können.
Und wie wesentlich ist die Vergebung für das Leben der Menschen mit Gott und miteinander!

Und dann das Brausen vom Himmel her und die Zungen wie von Feuer – der Hl. Geist eine Kraft, die sichtbar, hörbar, spürbar ergreift, formt, gestaltet und Neues schafft. Eine Neugestaltung des ganzen Menschen, innen und außen! Die Jünger werden zu neuen Menschen: Ihre Angst vergeht und vor denen sie sich eben noch fürchteten, denen verkünden sie nun die Großtaten, die Gott durch Jesus und an Jesus gewirkt hat.

Wie dieses Verkünden Jesus zum Inhalt hat so hat auch der Geist sie angetroffen ganz bei Jesus – indem sie taten, was er ihnen aufgetragen hatte: IHN, den Hl. Geist zu erwarten, den er ihnen vom Vater her verheißen hat. Die Jünger waren ganz offen und ganz empfänglich für diesen Geist; sie haben sehnsüchtig darauf gewartet; sie waren süchtig nach diesem Geist. Dieser Sucht haben sie sich ganz ergeben, weil Jesus ihnen diesen Geist verheißen hat. Jesus hat sie süchtig gemacht nach diesem Geist. Was muss ihnen doch die Verheißung bedeutet haben, dass er ihnen den Hl. Geist schicken werde, den Tröster und Beistand, der sie an alles erinnern werde, was ER ihnen gesagt hat. Ihnen wurde klar: Durch diesen Geist können sie ganz bei Jesus sein, können sie sein Herz schlagen hören!

Darum hat der Hl. Geist in den Jüngern einen fruchtbaren Acker vorgefunden, in dem seine Früchte üppig wachsen konnten: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung. (vgl. Gal 5:22)

Jesus schenke auch uns jene Liebe zu ihm, die uns für seinen Geist öffnet – und jene Liebe zum hl. Geist, die uns mit Jesus verbindet und zu Kindern Gottes macht! Amen!

Samstag, Mai 23, 2009

Bewahrt im Namen Gottes!


Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 17: 6a.11b - 19


6a Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast.


11b Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir.


12 Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet, und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt.


13 Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben.


14 Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin.


15 Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst.


16 Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin.


17 Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit.


18 Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt.


19 Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.




Im Evangelium erleben wir heute etwas Besonderes: Wir erleben Jesus live beim Beten. Dieses Wissen erfülle uns mit großer Ehrfurcht, denn es ist etwas Großes, wenn ein Mensch zu Gott betet – zumal dieser Mensch Gottes Sohn selber ist.

Jesus spricht nicht ein vor geformtes Gebet – etwa einen Psalm; er betet „frei“ mit eigenen Worten. Im Gebet wendet er sich an Gott und nennt ihn „Heiliger Vater.“ Im Beten öffnet Jesus sein Herz und teilt seinem Vater mit, was da drinnen ist und was ihn bewegt.

Menschen bewegen ihn – jene Menschen, die er von Gott als Gabe erhalten hat, damit er sie bewahre in seines, Gottes Namen. Nun kann er sie nicht mehr bewahren, denn er verlässt die Welt und geht heim zum Vater. Mit diesem Heimgang ist sein Sterben gemeint und seine anschließende Auferstehung und Himmelfahrt.

So gibt er diese Aufgabe dem zurück, von dem er sie gestellt bekam: seinem Vater: Bewahre sie in deinem Namen! Das ist die erste Bitte Jesus für seine Jünger. Was damit wohl gemeint ist? Es meint mit Jesu eigenen Worten ein Behütetsein, ein Bewahrtsein vor dem Verlorengehen. Der Name ist im Hebräischen nicht von der Person getrennt. Mit dem Namen ist die Person gemeint, die den Namen trägt. Bewahrtsein im Namen Gottes ist gleichzusetzen mit: Bewahrt sein in Gott!
Wie hat Jesus das gemacht? Indem er von diesem Gott erzählt hat in seiner Verkündigung und indem er dann auffordert, dieser Botschaft zu glauben. Keine Zwangsbeglückung! Sondern Eröffnung eines Weges hin zur Bewahrung vor dem Bösen und dem Übel in jeder Gestalt. Und dann Einladung, diesen Weg zu gehen. Von Seiten seiner Jünger geht es wesentlich um ein Geborgensein bei Gott aus ihrem gläubigen Vertrauen heraus. In diesem Sein bei Gott in Glaube und Vertrauen mögen sie eins sein. Das möge ihr gemeinsames, verbindendes, einendes Streben sein. Ihre aller Aufmerksamkeit sei ganz und allein auf diesen Gott ausgerichtet, den Jesus ihnen im Evangelium vorstellt. Dieses Einssein in Gott ist Quelle erfüllender Freude.
Der Gebetsbitte um Bewahrung im Namen Gottes entspricht das Gebet, das Jesus seine Jünger im „Vater unser“ lehrt. Dieses Gebet – gebetet und gelebt – ist für die Jünger der Weg in das Behütetsein im Namen Gottes. Es ist das Evangelium in Gebetsform. Gebetetes Evangelium.

So von Gott bewahrt braucht Jesus den Vater nicht zu bitten, die Jünger aus der Welt zu nehmen. Er kann ihn vielmehr bitten, sie vor dem Bösen zu bewahren. Das ist die zweite Bitte Jesu für seine Jünger. Mit dieser Bitte kommt der eigentliche Feind ins Visier: Der Böse und ausgehend von ihm das Böse in der Welt! Die Welt muss erlöst werden – durch den Sieg über den Bösen und das Böse. In der Bewahrung vor dem Bösen durch Gott soll dieser Sieg andauernd manifestiert werden.

Es ist bemerkenswert, wie Jesu erste Bitte mit der ersten Bitte im Vater unser übereinstimmt: Dein Name werde geheiligt und wie seine zweite Bitte praktisch mit der letzten Vaterunserbitte identisch ist: sondern erlöse uns von dem Bösen!

Zwischen diesen beiden Bitten spannt sich jenes Gebet des Herrn aus, das allen christlichen Bekenntnissen eigen ist und das so zu einem Grundstein wird auf dem alle stehen, die sich zu Christus Jesus bekennen. Dieses Gebet ist ein vorzügliches Band der Einheit.

Das gelebte Vaterunser weist uns als solche aus, die zwar in dieser Welt sind aber nicht von dieser Welt. Es immunisiert gegen den Geist dieser Welt und macht bereit für die dritte Bitte Jesu für uns: Heilige sie in der Wahrheit! Das Gebet des Herrn ist Wort Gottes und damit Ort der Wahrheit – zugleich Ort der Heiligung; denn dieser Ort bedeutet Läuterung, Befreiung, Heilung, Vereinigung mit Gott – schließlich jene Vollendung, die Christus in der Herrlichkeit Gottes schon besitzt. Amen!

Mittwoch, Mai 20, 2009

In den Himmel aufgenommen


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 16: 15 – 20

15 Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!

16 Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.

17 Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden;

18 wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.

19 Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.

20 Sie aber zogen aus und predigten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ.




Womit beschäftigt sich Jesus in den letzten Augenblicken vor seiner Aufnahme in den Himmel? Nicht mit sich selber! Sondern mit seinen Jüngern!
Um sich selber macht Jesus sich keine Sorgen! Sein Weg ist klar, wie er es von Anfang an war: Auf zum Vater im Himmel!

Es ist jedoch kein kopfloses und überstürztes Heimgehen! Vielmehr lässt Jesus seinen Haushalt geordnet zurück.
Zu dieser Ordnung gehört das, was er seinen Jüngern sagt: Was sie zu tun haben: In alle Welt zu gehen, das Evangelium zu verkünden und jene zu taufen, die zum Glauben gekommen sind.

Zu dieser Ordnung gehört der Hinweis auf die Grundhaltung des Glaubens, in dem sie selber leben und zu dem sie ihre Zuhörer und Zuseher führen sollen.

In diesem Glauben haben sie Macht über die Dämonen, bleiben sie bewahrt vor Unheil, haben sie die Kraft zu heilen.

Er weist den Jüngern und allen, die sich ihnen anschließen werden, den Weg des Heils. Es ist der Weg, den er selber vorausgegangen ist und der für ihn nun in den Himmel mündet – im Sitzen zur Rechten Gottes.

Es ist ein Weg des Vertrauens und der Hingabe.

Diesen Weg in den Himmel gibt er seinen Jüngern als Verheißung: dort wird auch ihr Weg münden, wenn sie hier auf Erden auf jenem Weg bleiben, den er ihnen vorgegeben hat.

Die Himmelfahrt Jesu ist eine Vorausfahrt! Seine Jünger, alle, die zu ihm gehören, werden ihm nachfahren.

Wenn Jesus nun also in den Himmel zur Rechten Gottes aufgenommen wurde so heißt dies nicht, dass er seine Jünger völlig verlässt. Er bleibt ihnen nahe durch das, was er ihnen als Wort und Weisung hinterlassen hat.

So hören wir, dass die Jünger sich auf den Weg machen: sie zogen aus und predigten überall. Und der Herr wirkte zusammen mit ihnen und bekräftigte ihre Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ.

Durch die Himmelfahrt ändert Jesus die Weise, wie er bei seinen Jüngern ist.
Es ist bemerkenswert, wie Markus dieses neue Beisammensein Jesu mit seinen Jüngern nach dessen Himmelfahrt ganz einfach ausdrückt: Die Jünger bleiben mit dem Herrn verbunden, indem sie tun, was er ihnen aufgetragen hat und Jesus bleibt mit ihnen verbunden durch sein einfaches Beistehen. Wir können uns das auch recht einfach vorstellen als ein Stehen Jesu bei seinen Jüngern: Der Herr ist bei ihnen – was sie auch tun; wo sie auch sind. Sie führen ein Leben in der Gegenwart des Herrn.

Dieses Leben in der Gegenwart seiner Jünger immer und überall wird ermöglicht durch seine Himmelfahrt. Das erscheint paradox!
Aber Himmelfahrt bedeutet für Jesus Sitzen zur Rechten Gottes und das heißt ganz bei Gott sein. Nun ist das aber jener Gott, der sich bereits dem Mose im brennenden Dornbusch geoffenbart hat als der ICH BIN DA – unbegrenzt in Raum und Zeit; überall und immer!

Die Gemeinschaft der Jünger wird getragen vom Willen des Herrn, das zu bleiben, was er von Anfang an für seine Jünger war: Ihr Meister und ihr Diener – und auf diese Weise ihr Herr! Dieses füreinander Dasein von Jesus und seinen Jüngern, dieses miteinander Wirken ereignet sich in einer Atmosphäre, die Markus noch namenlos belässt. Die inspirierten Autoren, die nach ihm über Jesus schreiben werden dieser Atmosphäre einen Namen geben: Hl. Geist!

Wir spüren diesen Geist schon walten. Es ist wie die Morgenfrühe eines neuen Tages. Die Verheißung einer neuen Zeit, die aus dem Zusammenwirken Jesu mit seinen Jüngern herauswächst: die Zeit des Geistes, die Zeit der Kirche.

Wir sind schon Teil dieser neuen Zeit und dürfen uns dennoch erfreuen an der Reinheit und an der großen Zukunft ihres Anfanges.
Reinheit und Zukunft dieses Anfanges sind zusammengefasst in Jesu Himmelfahrt: Wo Jesus ist werden auch alle sein, die zu ihm gehören! Amen!

Freitag, Mai 15, 2009

Liebt einander wie ich euch geliebt!


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 15: 9 – 17

9 Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!

10 Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.

11 Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.

12 Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.

13 Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.

14 Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage.

15 Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.

16 Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet.

17 Dies trage ich euch auf: Liebt einander!




Wir hören Jesus von der Liebe sprechen.
Wenn wir seiner Rede folgen, können wir diese Liebe vor zu entdecken.

Am Anfang steht nicht „ich liebe“ sondern „ich bin geliebt!“ Äußerst bemerkenswert: Jedes Lieben hat seinen Ursprung in der Liebe eines anderen! Darum ist es für mein Lieben so wichtig zuerst zu fragen: von wem werde ich geliebt! Das hat auch Jesus getan und er beginnt seine Rede: „Wie mich der Vater geliebt hat...“ Die Liebe geht aus von seinem Vater und betrifft zuerst einmal ihn selber; jedoch sie bleibt nicht bei ihm sondern geht weiter zu jenen, die Jesus liebt.

Jesus macht seinen Jüngern begreiflich: da ist etwas Verbindendes zwischen ihm und dem Vater – Jesus nennt es „Liebe.“ Er erzählt seinen Jüngern davon, damit sie wissen: dieses Verbindende ist nicht etwas Ausschließendes; es ist vielmehr etwas Offnes – offen für sie, die Jünger.

Die Liebe ist wie ein Raum, in dem sie bleiben und wohnen können.

Dieses Bleiben im Raum der Liebe ist nichts Abstraktes; es ereignet sich dadurch, dass sie seine Gebote halten.

Das Halten seiner Gebote ist uneingeschränkt – es können kleine sein oder große; es kann im Verborgenen sein oder öffentlich; es kann zu jeder Zeit und an jedem Ort geschehen; nur das eine ist wichtig: SEINE Gebote müssen es sein! Zum Bleiben in diesem Raum der Liebe genügt schlicht das Tun seiner Gebote. Das ist die Reinform. Um diese reine Form herum kann es bestimmte Empfindungen und Gefühle geben; aber die sind Nebensache – so sehr, dass Jesus sie mit keinem Wort erwähnt.

Wie wichtig ihm diese Tun ist unterstreicht er durch sein eigenes Tun: Auch er bleibt und wohnt in der Liebe seines Vaters, indem er die Gebote seines Vaters hält.

Seine Jünger sollen begreifen: Nicht Gefühle, nicht Gedanken, nicht Worte sondern einzig das Tun seiner Gebote führt hinein in dieses Zelt der Liebe, das ausgespannt ist zwischen Jesus und seinem Vater.

Diese Liebe ist etwas, an dem Jesus sich freut. Durch seine Rede will er diese Freude mit den Jüngern teilen und ihre Freude vollkommen machen. Die Liebe ist eine Freudenquelle, die unablässig fließt. Wer von uns hätte das nicht schon selber erfahren!

Welches sind nun eigentlich seine Gebote? Jesus gibt Antwort: Dies ist mein Gebot! Merkwürdig: Nun redet Jesus nur mehr von einem Gebot – eben noch waren es mehrere. Tatsächlich geht es Jesus nicht um viele Einzelgebote sondern im Grunde um ein Gebot: Liebt einander so wie ich euch geliebt habe! Dieses Gebot ist die Wurzel aller anderen Gebote. Es geht um ein Lieben nach dem Vorbild Jesu! Wollen wir dieses Lieben kennen lernen müssen wir Jesus selber kennen lernen; wollen wir Jesus kennen lernen müssen wir im Evangelium nachlesen – und zur Vertiefung der so gewonnenen Kenntnis von Jesus auch die anderen Schriften des Neuen Testamentes und dazu die Schriften des 1. Bundes. Alle diese Schriften hängen zusammen und bringen als ihren Mittelpunkt Jesus zum Vorschein – und die Liebe, die ihn beseelt. Ohne die Hl. Schrift können wir Jesus und sein Lieben nicht kennen lernen.

Ein weiteres Kennzeichen dieser Liebe Jesu: sie gibt – nicht irgendetwas sondern sich selbst, ihr Leben für die Freunde. Jesus nennt dies die größte Form des Liebens.

Diese Liebe begründet Freundschaft; das Wesen dieser Freundschaft besteht im gemeinsamen Wissen um das, was uns vom Vater her durch Christus verbindet: Es ist die Botschaft des Evangeliums, die sich dann in den Glaubenswahrheiten unserer christlichen Religion entfaltet. Hingabe seines Lebens und uneingeschränkte Weitergabe dessen, was der Vater ihm zum Weitergeben anvertraut hat, fallen zusammen: Seine Lebenshingabe verkündet die Botschaft von der Liebe des Vaters zu uns und diese Botschaft drängt Jesus unweigerlich zur Hingabe seines Lebens. Dieser Freundschaftsdienst Jesus an uns ist sein Heilsdienst zu unserer Erlösung. Wir können ihm nur angemessen entsprechen, indem wir uns dieser Hingabe öffnen. Wir öffnen uns dafür im immerwährenden Hören dieser Botschaft, im unablässigen Betrachten seiner Hingabe, im dankbaren Staunen, dass dies für uns geschieht – dadurch lassen wir zu, dass dieser Freundschaftsdienst auch an uns geschieht. Dieses Geschehen an uns wandelt uns zu erlösten Menschen, zu Kindern Gottes, zu wahren Freunden Jesu. Lassen wir Jesus durch das Ostergeschehen unser ganzes Leben wandeln und prägen! Amen!

Samstag, Mai 09, 2009

Ich bin der Weinstock ihr die Reben!


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 15: 1 – 8

1 Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer.

2 Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab, und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt.

3 Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe.

4 Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt.

5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.

6 Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.

7 Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten.

8 Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.





Wir haben eben Jesus vom Weinstock, den Rebzweigen und dem Winzer reden hören. Er beschreibt mit diesem Bild, wie er sich die Gemeinschaft mit seinen Jüngern vorstellt; mehr noch: wie er diese Gemeinschaft haben möchten. Das Gleichnis vom Weinstock gibt eine Form ab, in die sich die Gemeinschaft mit seinen Jüngern hineinwandeln soll.

In den beiden Lesungen des heutigen Sonntages haben wir lebendige Beispiele aus der Urkirche, wie der Weinstock im Gemeindealltag ausschaut und wie er sich im Gemeindeleben entwickelt. Betrachten wir diese Beispiele näher und lernen wir davon für unser Verbundensein mit dem Weinstock, der Jesus auch für uns sein will.

In der 1. Lesung hängen die Rebzweige bereits am Weinstock: Sowohl Paulus als auch die Jünger in Jerusalem leben in inniger Verbundenheit mit dem Herrn Jesus. Aber die Reben müssen gereinigt werden! Was muss herausgeschnitten werden? Es ist die Angst: Die Jünger fürchteten sich vor Paulus und konnten nicht glauben, dass er ein Jünger war. Wollen also die Rebedn der Jerusalemer Gemeinde mehr Frucht bringen, müssen sie von dieser Furcht, dieser Angst, diesem Misstrauen gereinigt werden.

Wie reinigt der Winzer nun die Reben? Auf direkte Weise, indem er dem Barnabas diese Angst nimmt: Barnabas nahm sich des Paulus an und brachte ihn zu den Aposteln. Und auf indirekte Weise, indem durch das Beispiel des Barnabas auch die übrigen Jünger ihre Angst ablegen und Paulus fortan bei den Jüngern in Jerusalem ein und ausgehen konnte.

Die so gereinigten Reben vermögen mehr Frucht zu bringen im Frieden, der nun in der Gemeinde deutlich spürbar wird. sie bringen aber auch mehr Frucht im unerschrockenen Auftreten des Paulus im Namen Jesu. Zu diesem Auftreten wurde Paulus gestärkt durch den gewonnenen Frieden. Eine weitere Frucht ist die Sorge der Jünger um Paulus: sie schicken ihn nach Cäsarea sobald sie merken, dass die Hellenisten ihm nach dem Leben trachten.
Wir können zusammenfassend sagen: Die Reinigung der Reben bringt mehr Frucht im Frieden, in der Verkündigung in der Sorge umeinander.

Hören wir nun in die 2. Lesung hinein:

Die Reben bringen Frucht in der Liebe mit Wort und Zunge. Doch die Beschränkung darauf ist zu wenig; davon müssen sie befreit werden. Wie macht das der Winzer? Durch den Hinweis des Apostels auf die Liebe in Tat und Wahrheit. Dieser Hinweis ist eine Einladung zu neuen Horizonten, eine Entschränkung des Lebens vom Wort hin auf die Tat. Eine Ermutigung und Befähigung mehr Frucht zu bringen im Tun des Wortes.

Ein weiteres, von dem die Reben befreit werden müssen: von der Verurteilung des eigenen Herzens. Das entmutigt und fesselt die Kräfte. Der Winzer reinigt die Reben, indem er die Aufmerksamkeit des Herzens auf die Größe Gottes lenkt. Dies bedeutet zugleich ein Hineinführen in Seine Gegenwart. Und auch hier gleich das Mehr an Früchten im Frieden, in der Zuversicht, in der kraftvollen Bereitschaft, sein Gebot zu halten, an Jesus zu glauben und einander zu lieben und so in Gott zu bleiben und Gott bleiben zu lassen.

Wir sehen hier sehr deutlich wie durch die Reinigung der Reben ein je und je Größeres möglich wird an Gemeinschaft mit Gott und miteinander. Und auch das eine Frucht: dass diese Gemeinschaft gekennzeichnet ist durch Jesus Christus.

Auch wird in dieser Lesung die stufenweise Entfaltung sehr deutlich von der Frucht zu mehr Frucht und zu reicher Frucht. Diese Entfaltung ist nur möglich durch die Reinigung.

Danken wir, dass Jesus auch unser Weinstock ist; dass wir an ihm hängen dürfen; dass Sein Saft auch uns ganz durchströmt und dass wir durch ihn fruchtbar sein können.

Bitten wir auch unablässig um Reinigung von uns Reben, damit wir mehr Frucht bringen können und in der Vertiefung unserer Verbundenheit mit dem Herrn wir schließlich fähig werden, reiche Frucht zu bringen. Amen!

Samstag, Mai 02, 2009

ich bin der gute Hirt!


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 10: 11 – 18

11 Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.

12 Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht,

13 weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt.

14 Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich,

15 wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe.

16 Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen, und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten.

17 Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen.

18 Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.




Wenn wir auf Jesus schauen, wie er als Auferstandener seinen Jüngern begegnet – wie er ihnen nachgeht und mit ihnen umgeht, wie er ihnen die Angst nimmt durch seinen Frieden und ihre Traurigkeit in Freude wandelt; wie er zudem ihre Einsicht in die Hl. Schriften vertieft; wie sie des weiteren aus einer zunehmenden Vereinzelung in die Gemeinschaft mit den anderen zurückgeführt werden.

Wenn wir also dieses Tun Jesu sehen und bedenken dann führt es uns hin zu jenem Bild, in dem Jesus uns im heutigen Evangelium begegnet: Im Bild des Guten Hirten!
Der auferstandene Herr geht wie ein guter Hirte den verlorenen Schafen nach und führt sie zur Herde zurück; die verwundeten verbindet er; die kranken heilt er; den hungernden gibt er kräftige Nahrung.
Wenn Jesus im Evangelium vom Guten Hirten sagt, er gebe sein Leben hin für seine Schafe – dann eröffnet er in seinem österlichen Wirken eine weitere Dimension seiner Lebenshingabe.

Die eine Dimension besteht in der Lebenshingabe durch sein Sterben am Kreuz. Da hat er dem reißenden Wolf des Todes sich selbst als Beute hingegeben und hat aus seinem Tod heraus den Tod besiegt in machtvoller Auferstehung.

Nunmehr eröffnet sich ihm eine weitere Dimension der Lebenshingabe, die sich entfaltet aus seinem Leiden und Sterben: Sie besteht in der Weitergabe seines göttlich-österlichen Lebens: In der Erneuerung der Gemeinschaft mit ihm und miteinander; in der Erneuerung des Friedens im Herzen der Jünger; in der Neugeburt der Freude in ihrem Herzen; schließlich als Krönung die Einhauchung seines Hl. Geistes.

Sein Wirken in Galiläa und Jerusalem, sein Leiden und Sterben, sein Dasein als der Auferstandene – sein gesamtes Leben steht unter dem Vorzeichen der Hingabe und ist die Darstellung eines guten Hirten ganz nach dem Herzen Gottes.

Dieses Lebensbild eines Guten Hirten ist zugleich Vorbild für die Hirten aller Zeit.
Dass dieses Vorbild leider auch verkannt und nicht nachgelebt wird möge eine Geschichte aus jüngster Vergangenheit erzählen.

Eines meiner Beichtkinder machte den Kurs eines sehr bekannten Exerzitienleiters mit. Im Verlauf der Exerzitien suchte es ihn auf, um bei ihm zu beichten. Nachdem es begonnen hatte zu beichten und ehe es sich entfalten konnte stoppte der Geistliche ihre Beichte, sagte ihr, dass er mit ihr kein Erbarmen habe und schickte sie weg.

Diese Person war tief betroffen und fühlte sich elendiglich.
Spontan wollte sie aufbrechen, doch legten ihr Begleiter nahe, zu bleiben und den Kurs zu beenden.

Als sie mir dann ihr Leid klagte erwiderte ich ihr, dass sie diesen Priester nicht ernst nehmen und bedenken solle, dass er in seiner Unbarmherzigkeit ganz gewiss nicht im Namen Jesu geredet habe.
Darauf hin erwidert sie mir fast erschrocken, dass dieser Priester die Seelenschau habe und man bei der Wandlung die Wundmale Jesu an seinen Händen sehen könne.

Daraufhin platzte mir der Kragen und ich zählte ihr auf, was nach dem Propheten Ezechiel (Ez 34) der Herr von seinen Hirten erwarte – nämlich: dass sie die zerstreuten Schafe sammeln, die verirrten suchen und zur Herde zurückbringen, die verwundeten heilen und die gesunden pflegen!
Des weiteren erinnerte ich daran, was auch Jesus Israels Hirten seiner Zeit zugerufen hat: Dass er Barmherzigkeit wolle und nicht Opfer. Und dass er gekommen sei, Sünder zu rufen und nicht Gerechte. (vgl. Mt 9:13)
Schließlich rief ich dieser Person das Hohe Lied der Liebe beim Apostel Paulus in Erinnerung, in dem er schreibt, ohne die Liebe sei alles nichts! (vgl. 1Kor 13)
Ich machte dieser Person ausdrücklich klar, dass die guten Hirten nach dem Herzen Gottes nicht gekennzeichnet seien durch das was sie sehen oder durch ihr Bluten sondern durch ihre barmherzige Liebe zu uns Sündern.

Der Herr verschone uns vor unbarmherzigen Hirten und lasse uns selber immer barmherzige Hirten sein so wie er barmherziger Hirte ist. (vgl. Lk 6:36) Amen!