Samstag, Juni 27, 2009

Dein Glaube hat dir geholfen!


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 5: 21 – 43

21 Jesus fuhr im Boot wieder ans andere Ufer hinüber, und eine große Menschenmenge versammelte sich um ihn. Während er noch am See war,

22 kam ein Synagogenvorsteher namens Jaïrus zu ihm. Als er Jesus sah, fiel er ihm zu Füßen

23 und flehte ihn um Hilfe an; er sagte: Meine Tochter liegt im Sterben. Komm und leg ihr die Hände auf, damit sie wieder gesund wird und am Leben bleibt.

24 Da ging Jesus mit ihm. Viele Menschen folgten ihm und drängten sich um ihn.

25 Darunter war eine Frau, die schon zwölf Jahre an Blutungen litt.

26 Sie war von vielen Ärzten behandelt worden und hatte dabei sehr zu leiden; ihr ganzes Vermögen hatte sie ausgegeben, aber es hatte ihr nichts genutzt, sondern ihr Zustand war immer schlimmer geworden.

27 Sie hatte von Jesus gehört. Nun drängte sie sich in der Menge von hinten an ihn heran und berührte sein Gewand.

28 Denn sie sagte sich: Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt.

29 Sofort hörte die Blutung auf, und sie spürte deutlich, dass sie von ihrem Leiden geheilt war.

30 Im selben Augenblick fühlte Jesus, dass eine Kraft von ihm ausströmte, und er wandte sich in dem Gedränge um und fragte: Wer hat mein Gewand berührt?

31 Seine Jünger sagten zu ihm: Du siehst doch, wie sich die Leute um dich drängen, und da fragst du: Wer hat mich berührt?

32 Er blickte umher, um zu sehen, wer es getan hatte.

33 Da kam die Frau, zitternd vor Furcht, weil sie wusste, was mit ihr geschehen war; sie fiel vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit.

34 Er aber sagte zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden! Du sollst von deinem Leiden geheilt sein.

35 Während Jesus noch redete, kamen Leute, die zum Haus des Synagogenvorstehers gehörten, und sagten (zu Jaïrus): Deine Tochter ist gestorben. Warum bemühst du den Meister noch länger?

36 Jesus, der diese Worte gehört hatte, sagte zu dem Synagogenvorsteher: Sei ohne Furcht; glaube nur!

37 Und er ließ keinen mitkommen außer Petrus, Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus.

38 Sie gingen zum Haus des Synagogenvorstehers. Als Jesus den Lärm bemerkte und hörte, wie die Leute laut weinten und jammerten,

39 trat er ein und sagte zu ihnen: Warum schreit und weint ihr? Das Kind ist nicht gestorben, es schläft nur.

40 Da lachten sie ihn aus. Er aber schickte alle hinaus und nahm außer seinen Begleitern nur die Eltern mit in den Raum, in dem das Kind lag.

41 Er fasste das Kind an der Hand und sagte zu ihm: Talita kum! das heißt übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf!

42 Sofort stand das Mädchen auf und ging umher. Es war zwölf Jahre alt. Die Leute gerieten außer sich vor Entsetzen.

43 Doch er schärfte ihnen ein, niemand dürfe etwas davon erfahren; dann sagte er, man solle dem Mädchen etwas zu essen geben.




Eine große Menschenmenge erwartet Jesus am Ufer. Zwei in der Menge warten besonders hart auf ihn. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein: Jairus, der Synagogenvorsteher! Sein Name Jairus bedeutet: „Er, Gott, wird erwecken!“ und ist im Hinblick auf die Geschichte eine Verheißung. Er ist bekannt und geachtet in der ganzen Stadt. Er kann als erster zu Jesus gelangen – wohl auch deshalb, weil die Leute ihm bereitwillig den Weg zu Jesus freigemacht haben. Sein Anliegen ist schwer: Die einzige Tochter – 12 Jahre alt – liegt im Sterben. Weiß Gott wie schwer ihm der Weg zu Jesus gefallen ist; muss er doch wissen, dass dieser Jesus beim Großteil seiner Freunde, den Schriftgelehrten und Pharisäern, gar nicht gut angeschrieben ist. Aber was nimmt ein Vater nicht alles auf sich, wenn es um das Leben seines einzigen Töchterleins geht – allein schon in diesem Ausdruck kommt die zärtliche Liebe des Vater zu seinem Kind berührend zum Vorschein! So ein Vater wirft sich diesem Jesus sogar zu Füßen – mögen da seine Kollegen denken, was sie wollen!

Die andere Person kann erst später an Jesus herankommen: Eine Frau, ohne Namen, ein Niemand. Sie musste sich den Weg in die Nähe Jesu durch die Menge hindurch wohl mühsam erkämpfen; niemand wird ihr freiwillig den Vorrang gelassen haben; und das bei ihrem Zustand! An Blutfluss litt sie – schon 12 Jahre lang! Genau so lang wie Tochter des Jairus alt ist. Diese Frau hat seit 12 Jahren ständige Menstruationsblutungen. Das macht sie vom Gesetz her (Lev 15) unrein und schließt sie vom Tempelgottesdienst aus. Die Frau muss einmal begütert gewesen sein; doch hat die Krankheit ihr Vermögen aufgefressen; und ihr Zustand hat sich verschlimmert. 12 Jahre Zurückweisung durch die Gesellschaft hat die Frau geprägt. Sie verhält sich auch wie jemand, der an ständige, vorsichtige Zurückhaltung gewöhnt ist und scheut sich, mit ihrem Leiden offen an Jesus heranzutreten; vielmehr drängt sie sich von hinten an Jesus heran und hofft durch die Berührung seines Gewandes geheilt zu werden; und geheilt möchte sie sich dann wieder unbemerkt in die Anonymität der Menge zurückziehen.

So verschieden die beiden sein mögen – in ihrer Zuwendung an den Herrn treffen sie sich; ihr Glaube an den Herrn verbindet sie miteinander. Und Jesus hilft beiden.

Zuerst der Frau obwohl sie doch als Zweite um Hilfe angefragt hat; einmal mehr sind bei Jesus die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten! Mit „Tochter“ redet Jesus sie zärtlich an und bestätigt sie so als von Gott geliebtes Kind. Er bestätigt, dass ihr Glaube sie gerettet hat. Ein wichtiger Hinweis – gerade auch für Jairus, den diese Verzögerung durch die Frau wohl sehr bedrückt haben mag; und wie schließlich Leute von ihm mit der Nachricht kommen, seine Tochter sei gestorben und er möge Jesus nicht weiter belästigen – da wird sein Glaube wohl an der Kippe gestanden sein. Gerade jetzt braucht dieser Glaube Stärkung, die Jesus gibt, indem er den rettenden Glauben der Frau hervorhebt und indem er den Jairus direkt anspricht: „Sei ohne Furcht! Glaube nur!“ Jesus fordert ihn zur Bewährung seines Glaubens im Angesicht des Todes seiner Tochter heraus. Diesem Glauben wird der Tod zum Schlaf, aus dem der Herr erwecken kann!

Wir erleben, wie ein Wunder aus dem anderen herauswächst: Das Wunder der Heilung an der Frau führt über das Wunder der Erneuerung des Glaubens bei Jairus hin zum Wunder neuen Lebens, das dem Kind geschenkt wird – und mit dem Kind seinen Eltern. Fortan wird dieses Mädchen an dieses dreifache Wunder erinnern, das Jesus gewirkt hat. Und dies alles wäre irgendwie unausgereift, wenn es nicht schließlich dazu geführt hat, dass Jairus samt seinem Haus sich taufen hat lassen und ein Jünger Jesu geworden ist.

Beide Lebensgeschichten sind eine eindringlich Einladung für uns, mit unserem Leiden uns ganz nah an Jesus heranzudrängen – so nahe dass wir sein Gewand berühren können. Dabei rufe ich in Erinnerung, dass die Kirche das Pilgerkleid des Herrn ist und er selber in ihren Sakramenten wirkt. Das sind die Orte, an denen unser Leid Heilung erwartet. Dort geht der Herr uns entgegen – liebend allmächtig, barmherzig befreiend und erlösend! Amen!

Samstag, Juni 20, 2009

Schweig! Sei still!


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 4: 35 – 41

35 Am Abend dieses Tages sagte er zu ihnen: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren.

36 Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; einige andere Boote begleiteten ihn.

37 Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm, und die Wellen schlugen in das Boot, so dass es sich mit Wasser zu füllen begann.

38 Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?

39 Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich, und es trat völlige Stille ein.

40 Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?

41 Da ergriff sie große Furcht, und sie sagten zueinander: Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar der Wind und der See gehorchen?




Jesus hat den Tag über vom Boot aus gepredigt und in Gleichnissen zu den Menschen über das Reich Gottes gesprochen. Der Großteil seine Zuhörer stand oder saß am Ufer des Sees; seine engsten Freunde waren wohl mit ihm im Boot.

In eben diesem Boot sollen sie nun an das andere Ufer überfahren. Danach verstummt Jesus: Er liegt hinten im Boot auf einem Kissen und schläft, während seine Jünger das Boot aufs andere Ufer zusteuern.

Da erheben sich andere Stimmen: Das Heulen eines Wirbelsturms, der urplötzlich von den Bergen herunter auf den See fällt wühlt das Wasser auf. Die Situation muss sehr bedrohlich geworden sein, wenn sogar erfahrene Fischer, wie es die Jünger Jesu waren, es mit der Angst zu tun bekamen. Die Wellen sind in das Boot herein geschlagen und beginnen es mit Wasser zu füllen.

Natürlich nehmen sie zu Jesus Zuflucht! Zu wem denn sonst? Die Worte, mit denen sie ihn wecken und anschreien, klingen vorwurfsvoll: „Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?“ (Mk 4:38) Sie haben tatsächlich bereits gefürchtet, unterzugehen und zu ertrinken. Nach ihrem erfahrenen Empfinden standen sie am Rande eines Unterganges.

Der Gegensatz ist gewaltig: Hier die angstvoll erregten Jünger und dort der schlafende Jesus, der von allem nichts mitbekommt! Ich frage mich immer wieder: Welche innere Haltung mag ihm so einen begnadeten Schlaf beschert haben? Es muss gewiss mit der Gnade zu tun haben, die in einem unendlichen Vertrauen auf die Geborgenheit in Gott besteht.

Was bedeutet dies alles für die Jünger – und im Weiteren dann für jene, die sich Jesus anschließen?

Nun, Jesus hat bloß von einer Überfahrt aufs andere Ufer gesprochen. Er hat nichts gesagt darüber, wie diese Überfahrt sich gestalten wird. Gewiss haben seine Jünger mit einer friedlichen Bootsfahrt gerechnet und nie und nimmer an so einen heftigen Sturm gedacht. Will heißen: Mit Jesus unterwegs sein kann auch stürmisch sein. Ein glattes Unternehmen ist nicht garantiert.

Garantiert ist nur das eine: Dass sie das andere Ufer erreichen werden! Mit Jesus untergehen ist ausgeschlossen. Sie werden wohlbehalten an das Ziel ihrer Fahrt kommen! Wichtig ist nur, dass Jesus im Boot ist – mag er nun schlafen oder wachen!

Es ist gewiss anzunehmen: Wenn sie ihn nicht aufgeweckt hätten, wäre der Wind und der See durch ihr bedingungsloses Vertrauen auf den umfassenden Beistand auch des schlafenden Herrn zum Schweigen gebracht worden. So müssen sie sich den Vorwurf anhören, „noch keinen Glauben zu haben.“ (Mk 4:40) Nicht kleingläubig sondern gar keinen Glauben! So als hätte der Herr im Schlaf nicht dieselbe Macht, wie wenn er wach ist.

Auf jeden Fall dürfen die Jünger eindrucksvoll die Erfahrung machen, dass ihr Leben ein Geschenk ist. Diese Erfahrung wird sie von Angst und Furcht mehr und mehr zum Vertrauen und zur Dankbarkeit führen wie es im Psalm 106: 27-31 heißt: „Sie, die wie Trunkene wankten und schwankten, am Ende waren mit all ihrer Weisheit, die dann in ihrer Bedrängnis schrieen zum Herrn, die er ihren Ängsten entriss – er machte aus dem Sturm ein Säuseln, so dass die Wogen des Meeres schwiegen – die sich freuten, dass die Wogen sich legten und er sie zum ersehnten Hafen führte: sie alle sollen dem Herrn danken für seine Huld, für sein wunderbares Tun an den Menschen.“ Amen!

Samstag, Juni 13, 2009

Samen auf dem Acker


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 4:26 – 34

26 Er sagte: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät;

27 dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst, und der Mann weiß nicht, wie.

28 Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre.

29 Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da.

30 Er sagte: Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben?

31 Es gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät.

32 Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, so dass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.

33 Durch viele solche Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort, so wie sie es aufnehmen konnten.

34 Er redete nur in Gleichnissen zu ihnen; seinen Jüngern aber erklärte er alles, wenn er mit ihnen allein war.




Wie sehr müssen wir dankbar sein, dass Jesus in der Verkündigung des Reiches Gottes verständliche Bilder wählt. Das ist ein besonderes Zeichen des Entgegenkommens und ein Hinweis darauf, dass er sich mit seinem Reden nicht selber in Szene setzen sondern uns etwas mitteilen will, das wir verstehen können, über das wir nachdenken können.

So setzt Jesus von seiner Seite alles daran, dass sein Wort in uns eindringen, uns erfassen und bewegen kann, IHM zu folgen und IHM zu gehören.

So tut Jesus, was er im ersten Gleichnis des heutigen Evangeliums erzählt: Er sät Samen auf seinen Acker: Damals ebenso wie heute, hier in diesem Gottesdienst! Die Menschen damals und wir heute sind Sein Acker – schon Paulus hat seiner Gemeinde in Korinth zugerufen: „Ihr seid Gottes Ackerfeld!“ (1Cor 3:9)

Der Sämann macht sich weiter keine Sorgen um das ausgesäte Korn: der Samen keimt und wächst – und der Mann weiß nicht wie. Er kann sich hinlegen und wieder aufstehen; er kann es Nacht werden lassen und wieder Tag: Die Erde bringt von selbst ihre Frucht.

Diese Unbekümmertheit Jesu um den ausgesäten Samen seines Wortes beschreibt Markus anschaulich bei Jesu erstem Auftreten in Kafarnaum (Mk 1:21 – 39a): Nachdem er mit seiner Predigt und durch seine Heilungen die Leute in Entsetzen und Staunen versetzte blieb er nicht in diesem Ort, um akribisch zu verfolgen, wie sich sein Reden und Tun weiter entwickeln und auswirken werde; vielmehr sagte er nach den durchbeteten Morgenstunden des nächsten Tages zu seinen Jüngern, die unbedingt wollten, dass er bleibe: „Lasst uns anderswo hingehen, in die nächsten Städte, dass ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen. Und er kam und predigte in ihren Synagogen in ganz Galiläa.“

Woher nimmt Jesus wohl die Gelassenheit im Umgang mit dem Wort, das er verkündet? Er nimmt sie aus seinem Vertrauen auf die Kraft, die dem Samen seines Wortes innewohnt. Denn es ist sein Wort – aber nicht nur seines sondern zugleich auch das Wort dessen, der ihn gesandt hat. Es ist das Wort des lebendigen Gottes, das er im Verkünden einem Samen gleich ausstreut. Denn Jesus redet das, was er bei seinem Vater gehört hat (vgl. Joh 8:38) Er verkündet das, was er von seinem Vater gehört hat (Joh 15:15) Und er weiß, dass er dazu gekommen ist und dass der Vater ihn dazu gesandt hat. Jesus teilt das Vertrauen Gottes in sein Wort, das er uns durch den Propheten Jesaja 55:11 mitteilt: „So ist es mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe.“

Was gibt Jesus uns doch für ein gutes Beispiel in der Treue zum Auftrag, den er von seinem Vater bekommen hat! Dieses Beispiel nachzuahmen ist der Inhalt unserer Jesusnachfolge: Seinen Samen auszustreuen – nicht den unseren!
Sein Wort zu verkünden – nicht das unsere!
Sein Reich auszubreiten – nicht das unsere!

So erkennen wir, wer eigentlich der Samen ist, den Jesus ausstreut und den wir zusammen mit ihm ausstreuen dürfen: Es ist im Grunde Jesus selber! „ER, Christus, muss wachsen!“ Das hat schon Johannes der Täufer erkannt und seinen Jüngern zugerufen. (Joh 3:30)
Dem Paulus ist es gerades so ergangen: Er wurde von Jesus als dessen auserwähltes Werkzeug bestimmt, seinen Namen vor Völker und Könige und die Söhne Israels zu tragen. (vgl. Apg 9:15) Auf diese Weise wurde Paulus selber zum Samen, den der Herr unablässig ausstreute. Dieses Ausgestreut Werden ist ein beständiges Hingegeben Werden. Paulus wurde ausgestreut, um den Namen des Herrn auszustreuen; unablässig bracht er durch sein Wirken den Namen des Herrn gleichsam als Frucht hervor und teilte diese Frucht mit seinen Zuhörern. Auf diese Weise musste Jesus in ihm wachsen und in ihm so lebendig werden.

Von dieser Lebendigkeit Jesu im Leben Pauli erzählt die zweite Lesung sehr beredt. Sie erweckt in ihm die Sehnsucht, ganz bei Jesus zu sein und das Verweilen im Leibe als Ferne zum Herrn zu empfinden. Sie lässt ihn immer wieder aus seinem Leibe auswandern, um daheim beim Herrn zu sein.

Worin besteht dieses Auswandern? In der beständigen Bereitschaft Samen in den Händen des Herrn zu sein, den er aussäen kann, wo immer ER möchte. Dieses Auswandern aus dem Leib besteht in der völligen Verfügbarkeit für den Herrn: In der Verkündigung seines Namens; in der Ausbreitung seines Reiches; in der Hingabe an seine Gemeinden, in denen er den Leib Christi sieht – so sehr lebt Jesus in ihm! In all diesen Formen des Auswanderns aus seinem Leib ist er zugleich ganz bei seinem Herrn daheim; denn auch Jesus ist ausgestreuter Same; denn auch Jesus hat das Wort Gottes verkündet; denn auch Jesus hat sich für seine Kirche hingegeben. Paulus ist ein anderer Christus geworden.

Evangelium und Lesung, Jesus und Paulus wollen uns Geduld und Zuversicht schenken, dass das Samenkorn Jesus in unserem Leben wachsen und Frucht bringen und das Wort Jesus sich erfüllen wird: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt, und ich hab euch dazu bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt.“ (Joh 15:6) Amen!

Mittwoch, Juni 10, 2009

Das ist mein Leib; das ist mein Blut!


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 14: 22 – 25

22 Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib.

23 Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern, und sie tranken alle daraus.

24 Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.

25 Amen, ich sage euch: Ich werde nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken bis zu dem Tag, an dem ich von neuem davon trinke im Reich Gottes.



„Nehmt, das ist mein Leib! Das ist mein Blut!“ (vgl. Mk 14:22.23). So spricht Jesus über Brot und Wein. Er gibt diesen beiden Nahrungsmitteln einen Inhalt, den sie zuvor nicht hatten. Brot und Wein werden zu materiellen Gestalten, die Jesus selber enthalten. Indem Jesus so spricht und so tut, ermöglicht er, dass seine Worte: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt!“ (Mt 28:20b) in besonderer Weise Wirklichkeit werden und eine Wirklichkeit bleiben. Die Jünger sollen sich dieser Wirklichkeit so gewiss sein wie die Gestalten von Brot und Wein Gewissheit sind!

Von den Wundern Jesu her wissen wir, dass seine Worte bewirken, was sie sagen! Selbiges gilt hier: Jesus sagt von Brot und Wein, sie seien sein Leib und sein Blut – und sie sind es tatsächlich! So ist es möglich, dass wir durch Brot und Wein an Jesus erinnert werden: Dass er für uns Mensch geworden ist; dass er wie wir als Mensch gelebt hat; dass er für uns gestorben und auferstanden ist; dass er in den Himmel aufgefahren ist und nun ganz bei Gott ist; dass er schließlich wiederkommen wird in Herrlichkeit, um die Welt zu richten und uns jenen Platz zu schenken, den er beim Vater für uns bereitet hat. In all dem begegnet er uns mit seinem Leib und seinem Blut – genauso wie in den Gestalten von Brot und Wein!

Dabei gilt aber auch, was er den Menschen, die er geheilt hat, immer wieder gesagt hat: „Dein Glaube hat dir geholfen!“ (vgl. Mk 10:25 parr.) Auch uns muss der Glaube helfen, dass Jesus selber uns im Brot und Wein greifbar und erlebbar wird. Es ist der Glaube, der uns vor den schlichten Gestalten des Brotes und des Weines das Knie beugen lässt: Diese Gestalten, berührt vom Wort des Herrn, sind ihrerseits nun in der Lage unser gläubiges Herz zu berühren und es zur Freude zu führen darüber, dass Jesus den Weg über Brot und Wein gewählt hat, um uns so ganz nahe sein zu können.

Auf SEIN Wort hin erfüllt von IHM SELBER vermögen Brot und Wein uns nun auf einmalige Weise mit seiner Gegenwart zu erfüllen.

„Vehicula sacra“ sind diese Lebensmittel geworden: Sie sind im tiefsten zu dem geworden, was ihr Name sagt: Mittel zum Leben – zum Leben in Fülle! (vgl. Joh 10:10).

Der Herr in Brot und Wein will uns nie vergessen lassen, dass er unser nie vergisst. Er will uns daran erinnern, dass er sich unser ständig erinnert. So will uns unermüdlich zur Erinnerung an IHN ermutigen. Dieses Erinnern ist die Tür zum Leben in SEINER Gegenwart!

Der Herr ist in den Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig als wahrer Gott und Mensch. Er will in diesen Gestalten verehrt werden – zum Zeichen unserer Anerkennung seiner Liebe zu uns und unserer Dankbarkeit dafür.

Er will von uns in diesen Zeichen verzehrt werden zum Zeichen dafür, dass wir es IHM erlauben, ganz in unser Leben einzutreten; es ganz mit IHM zu erfüllen; es ganz von IHM ernähren zu lassen; es ganz von IHM nach SEINEM Willen gestalten zu lassen – umgestalten, neu gestalten!

Brot und Wein von IHM gewandelt in Seinen Leib und Sein Blut ist der vorzügliche Ort für das Rendezvous mit dem Herrn, an dem Leben ausgetauscht wird: Wir geben ihm unseres und ER gibt uns Seines! Dieser Lebensaustausch ist lebensnotwendig – wie die Dialyse. Wie wichtig ist dieser Austausch gerade auch heute! Wenn wir bei der hl. Messe zur Kommunion gehen oder in Anbetung des Allerheiligsten verweilen, dann erweisen wir uns bereit für diesen Lebensaustausch.

Und wenn wir gerade heute den Herrn in der Eucharistie durch die Straßen unserer Stadt tragen, dann halten wir unseren Alltag in den Lebensstrom, der von IHM ausgeht; denn wir wissen gläubig:

Er ist Lebensbrot nicht nur für uns sondern für alle;

er ist Lebensquell nicht nur für heute sondern für jeden Tag!

Er ist Leben für Zeit und Ewigkeit! Amen!

Donnerstag, Juni 04, 2009

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Hl. Geistes


Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 28: 16 – 20

16 Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte.

17 Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel.

18 Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde.

19 Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,

20 und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.




Wohin führt uns das Evangelium des heutigen Sonntags? In einen Hörsaal zu einer theologischen Vorlesung über die Dreifaltigkeit? Nein!

Sondern auf einen Berg in die Gemeinschaft des auferstandenen Herrn mit seinen Jüngern. Wir dürfen das Geheimnis des heutigen Tages erleben. Wir dürfen am Verhalten Jesu erkennen, was Dreifaltigkeit bedeutet.

Die Jünger sind nicht von sich aus auf diesen Berg gestiegen und schon gar nicht haben sie Jesus dort zufällig getroffen.

Die Initiative zu dieser Bergtour ging vielmehr von Jesus aus. Jesus hat ihnen diesen Berg genannt und damit seinen Wunsch ausgedrückt, dass er sie dort treffen möchte.

Jesus bleibt auch als der Auferstandene seinem Weg treu, den er vor seinem Leiden und Sterben gegangen ist: dem Weg der Gemeinschaft mit seinen Jüngern im Besonderen und mit uns Menschen im Allgemeinen.

Mit seiner Auferstehung und Himmelfahrt zieht er sich nicht in eine göttliche Einsamkeit zurück, indem er seine Jünger einsam zurücklässt. Sein Heilswirken ist durch sein Leiden und Sterben nicht abgeschlossen – es hat seinen Höhepunkt erreicht – um nun fortgesetzt zu werden über die Grenzen von Raum und Zeit hinaus; darum seine Verheißung: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt!“ (Mt 28:20b)

Und diese Fortsetzung ereignet sich in Gemeinschaft. Jesus ist ein Gemeinschaftswesen – aus seinem Wesen heraus; von seiner Herkunft.

Er ist der Sohn Gottes und hat am Herzen des Vaters geruht. Dieser Ausdruck weist hin auf innigste Herzens- und Gesinnungsgemeinschaft mit Gott. Der Wille und die Fähigkeit Gottes zur Gemeinschaft kommen schon bei der Schöpfung des Menschen zum Ausdruck, den er als sein Abbild formte. Sie setzen sich fort in der Erwählung Abrahams und in der Begleitung seines Volkes Israel durch die Jahrhunderte. Schwerpunkte dieser Begleitung sind die Weisungen am Berg Sinai und die Propheten. In ihnen weist er Israel unablässig den Weg in die Heilsgemeinschaft mit IHM, dem einen und wahren Gott im Himmel und auf Erden. (vgl. Dtn 4:39f.) In der gemeinsamen Geschichte mit seinem Volk Israel entfaltet sich der Wille Gottes zur Gemeinschaft mit uns Menschen immer deutlicher und machtvoller – bis hin zur Fülle der Zeit, in der dieser Wille Gottes menschliche Gestalt annimmt in seinem Sohn Jesus Christus. Genau davon legt Jesus Zeugnis ab, indem er in bleibender Gemeinschaft mit seinem Vater sich bleibend öffnet für die Gemeinschaft mit uns Menschen – zuerst mit den Jüngern und dann mit allen Menschen, die bereit sind im Glauben sich einzulassen auf ein gemeinsames Leben mit ihm.

Es ist der Herzenswunsch Gottes nach Gemeinschaft mit uns Menschen, aus dem heraus sich Gott zunehmend als Dreifaltiger zeigt. Wollen wir ihn als Dreifaltigen „verstehen“ müssen auch wir in der Sehnsucht nach der Gemeinschaft mit diesem Gott leben. Außerhalb dieser Sehnsucht, außerhalb dieser Gemeinschaft wird die Dreifaltigkeit immer ein unlösbares, mathematisches Rätsel bleiben.

„Dreifaltigkeit“ ist ein Wort der Liebe. Und nur in der Liebe können wir es recht verstehen, nachsprechen, nachleben. Diese Liebe ist die Kraft, die Jesus mit Gott, Gott mit uns und uns miteinander verbindet. Es ist jene Kraft, die in den Schriften Hl. Geist genannt wird. Es ist das Großartige an diesem Geist dass er das Eigene nicht mindert und zugleich das Gemeinsame nicht aufhebt.

Es trifft sich gut, dass am heutigen Tag das Europaparlament gewählt wird. Unter den Vorzeichen der Dreifaltigkeit ist jene Atmosphäre des Miteinanders möglich, in der allein ein Kontinent wie Europa lebensfähig ist.
Bitten wir also den dreifaltigen Gott, dass er den Glauben, das Gemüt, das Herz und den Verstand jener Menschen bewege, die heute wahlberechtigt sind und zu den Wahlurnen schreiten. Machen wir uns bewusst, dass wir durch diese Wahl das christliche Erbe weitergeben können, das uns anvertraut ist. So tragen wir dazu bei, das Abendland in Gottes Hand zu legen. Amen!