Samstag, September 26, 2009

... in meinem Namen...



Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 9:38 – 48

38Da sagte Johannes zu ihm: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb; und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er uns nicht nachfolgt.


39Jesus erwiderte: Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden.


40Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.


41Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört - amen, ich sage euch: er wird nicht um seinen Lohn kommen.


42Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde.


43Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das nie erlöschende Feuer.


44/45Und wenn dich dein Fuß zum Bösen verführt, dann hau ihn ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Füßen in die Hölle geworfen zu werden.


46/47Und wenn dich dein Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus; es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes zu kommen, als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden,


48wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.



Ein Fußballer wird beim Spielen seine Aufmerksamkeit vor allem auf den Fußball richten. Die anderen Mitspieler wird er nur beachten, insofern er ihnen den Ball weiterspielen will oder einen Pass erwartet non einem Mitspieler.


Im heutigen Evangelium geht es zwar nicht um Fußball sondern um die Nachfolge Jesu; aber auch hier um die Frage: W en muss ich dabei vor allem im Auge haben?


Johannes versucht eine Antwort auf diese Frage: „Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb; und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er uns nicht nachfolgt.“ (Mk 9:38) Er findet es wichtig, darauf zu achten, wie andere Jesus nachfolgen.

Jesus korrigiert ihn: „Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden.“ (Mk 9:39)

Indirekt stellt er somit diesen „außerordentlichen“ Wundertäter als Vorbild hin indem er auf das Wesentliche hinweist: „In seinem Namen Wunder tun.“

Das zählt: in Jesu Namen sein. In Jesu Namen wirken. In Jesu Namen leben. Das ist das Wesen der Nachfolge Jesu.


Darum ist es auch so schlimm, von diesem Namen Jesu wegzukommen – sei es, dass man von anderen weggeführt wird; sei es, dass man selber vom Namen Jesu abkommt. Jesus setzt hier das Verführt werden zum Bösen gleich mit dem Herausfallen aus dem Leben in seinem Namen.


Entsprechend schwer setzt Jesus auch die Ahndung dieses Vergehens an: „Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde.“ (Mk 9:42) Die Strafe, im Meer ertränkt zu werden, war bei den Juden verpönt, weil der im Meer Ertränkte eines Begräbnisses beraubt wurde.

Und entsprechend entschlossen ist im eigenen Leben vorzugehen, wenn Böses droht von Jesus zu trennen. Es gilt, sich von allem radikal zu trennen, was zum Bösen und das heißt von Jesus weg führt. Natürlich sind die Worte Jesu vom abtrennen einzelner Glieder des Leibes nicht wortwörtlich zu nehmen; ansonsten wäre die Kirche eine einzige große Invalidenanstalt.

Da Jesus ja selber vor kurzem erst gesagt hat, dass das Böse aus dem Herzen des Menschen kommt, ist klar, was Jesus mit den Worten des heutigen Evangeliums meint: Es geht ihm nicht um eine Verstümmelung des Körpers sondern darum , dass die Neigungen des Herzens zum Bösen radikal geheilt werden und das geschieht dadurch, dass sie zu dem Arzt gebracht werden, der allein sie heilen kann, zu Jesus. Und dieses Hinbringen unserer kranken Neigungen zu IHM ist bereits ein Leben in seinem Namen. Diese Hinbringen muss mit aller nur möglichen Entschlossenheit geschehen; da darf es keine Halbheiten, keine Kompromisse geben.


Jesus beantwortet also die eingangs gestellte Frage etwa mit folgenden Worten: „In meiner Nachfolge gilt es vor allem anderen auf mich zu achten und das bedeutet auf ein Leben in meinem Namen. Was die anderen und einen selber betrifft, so gilt es, alles daran zu setzen, dass ein Leben in meinem Namen gefördert und gesichert wird.“


Ein außerordentliches Beispiel für ein Leben im Namen Jesu gibt der Heilige des heutigen Tages, Vinzenz von Paul. Denn er ordnete sein Leben mehr und mehr auf das Vorbild Jesu hin, indem er zahllosen geistlich und materiell Armen seiner Zeit wirksam und nachhaltig geholfen hat.

Ein Wort von ihm mag das heutige Evangelium abschließend nacherzählen: „Kein Mensch ist im Guten stetiger und unbeirrbarer als der Milde und Gütige. Ewig wankend sind sie alle, die sich vom Zorn und von der unersättlichen Gier der Leidenschaften fortreißen lassen. Sie handeln schrullenhaft und unbeherrscht – wie Sturzbäche sind sie, deren Kraft und Ungestüm nur im Überborden besteht. So wie sie verfließen, trocknen sie aus.

Anders die Ströme, die wie gütige Menschen sind – ohne Geräusch und voller Ruhe ziehen sie dahin, ohne je zu versiegen.“

Freitag, September 18, 2009

Erster ... Diener aller!



Aus dem hl. Evangelium: Markus 9: 30–37



30Sie gingen von dort weg und zogen durch Galiläa. Er wollte aber nicht, dass jemand davon erfuhr;


31denn er wollte seine Jünger über etwas belehren. Er sagte zu ihnen: Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert, und sie werden ihn töten; doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen.


32Aber sie verstanden den Sinn seiner Worte nicht, scheuten sich jedoch, ihn zu fragen.


33Sie kamen nach Kafarnaum. Als er dann im Haus war, fragte er sie: Worüber habt ihr unterwegs gesprochen?


34Sie schwiegen, denn sie hatten unterwegs miteinander darüber gesprochen, wer (von ihnen) der Größte sei.


35Da setzte er sich, rief die Zwölf und sagte zu ihnen: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.


36Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen:


37Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.




Im Evangelium wird uns ein Bild der besonderen Nähe zwischen Jesus und seinen Jüngern vermittelt, wenn es heißt, dass sie gemeinsam unterwegs sind und Jesus nicht will, dass jemand anderer davon erfährt. Er will offenbar mit ihnen allein sein. Der Grund dafür ist, dass er ihnen etwas Wichtiges mitteilen wollte: was nämlich mit ihm in Jerusalem passieren werde. Er teilte ihnen von seiner Auslieferung an die Menschen mit und von seinem Tod und seiner Auferstehung. Das ist eine Mitteilung, die für Jesus ganz wesentlich ist.


Bei den Jüngern merken wir aber nichts von einem Interesse, das dieser außerordentlichen Mitteilung entsprochen hätte. Sie verstehen seine Worte nicht; und ihr Interesse ist nicht einmal so groß, dass sie nachfragen, um ihr Unverständnis zu überwinden.

So sehr also das Verhalten Jesu Nähe signalisiert so sehr weist das Verhalten der Jünger auf Distanz hin.


Unterwegs sein mit Jesus bedeutet also nicht automatisch, ihm auch nahe zu sein. Es gibt offenbar ein äußerliches Beisammensein und doch ist man sich im Inneren eigentlich fern und fremd.


Wo kommt bei den Jüngern diese innere Distanz zu Jesus wohl her?


Der Verlauf des Evangelium gibt Antwort auf diese Frage: Die Jünger haben sich darüber unterhalten, wer von ihnen der Größte sei. Sie waren also völlig auf sich konzentriert, sind um sich selber gekreist. Das hat sie für Jesus, für seine Nähe und für seine Mitteilung verschlossen. Darum konnten sie nicht verstehen, was er sagte und konnten ihn auch nicht fragen.


Wir können es vielleicht so sagen: Auf dem Weg nach Jerusalem ist Jesus auf den Weg zum letzten Platz, an dem er für alle zum Diener wird, der allen Leben schenkt;


die Jünger sind hingegen in ihrem Bestreben, in ihren Gedanken und Träumen auf dem Weg zum ersten Platz: Jeder von ihnen will der Erste und der Größte sein. Kein Wunder, das das nicht zusammengeht und eine innere Gemeinschaft des Herzens nicht möglich ist.


Das Verhalten der Jünger zeigt in dieser Situation einen abgrundtiefen Abstand zwischen Jesus und seinen Jüngern.


Was macht Jesus? Er zeigt seinen Jüngern den Weg aus der Distanz in seine Nähe. Nachdem er ihnen ihre Situation bewusst gemacht hat setzt er sich und signalisiert ihnen damit, dass er ihnen jetzt als Lehrer und Meister etwas Wichtiges zu sagen hat: „Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.“ (Mk 9:35) Diese Ermahnung der Leitenden zum Dienen kommt bei den Evangelisten insgesamt siebenmal vor. Das zeigt, wie wichtig diese Mahnung für das Leben der Gemeinde ist und wie sehr Amtsträger jeder Art gefährdet sind, ihre mit dem Amt verbundene Macht zu missbrauchen.

Und wenn Jesus dann ein Kind in die Mitte stellt und in seine Arme nimmt, dann gibt er durch diese Zeichenhandlung zu verstehen, dass seine Zuwendung in besonderem Maße den Kleinen und Geringen gebührt.


Was Jesus die Jünger in Worten lehrt, lehrt er sie auch durch sein Leben: Denn sein Weg nach Jerusalem ist ein Weg in den äußersten und niedrigsten Dienst für alle.


Und indem er das Kind in der Mitte umarmt, umarmt er zugleich die Haltung des Kindseins, die er in der Mitte seines Herzens lebt gegenüber Gott seinem Vater.


Kindsein und Dienen gehören für Jesus wesentlich zusammen. Beide Haltungen prägen seine Beziehung zu Gott und den Menschen.


Und es ist bezeichnend, dass es im Aramäischen und im Griechischen einen Begriff gibt sowohl für Kind als auch für Diener. Wollen wir uns als Frucht für unser Leben die Grundhaltung vor Augen halten, die den Diener und das Kind beseelt. Es ist die Ausrichtung: Das Kind ist ausgerichtet auf seine Eltern; der Diener ist ausgerichtet auf seinen Herrn und auf seinen Dienst.


Und es ist genau auch diese Haltung des Kindseins und des Dienens der Weg, der uns zu Jesus führt und jene Distanz überwindet, in der womöglich auch wir uns zusammen mit den Jüngern befinden. Ich spreche hier von der Liebe zu Gott und den Menschen, um die wir im Tagesgebet Gott gebeten haben. Amen!

Samstag, September 12, 2009

... nehme sein Kreuz auf sich ...


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 8: 27 – 35

27 Jesus ging mit seinen Jüngern in die Dörfer bei Cäsarea Philippi. Unterwegs fragte er die Jünger: Für wen halten mich die Menschen?

28 Sie sagten zu ihm: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für sonst einen von den Propheten.

29 Da fragte er sie: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der Messias!

30 Doch er verbot ihnen, mit jemand über ihn zu sprechen.

31 Dann begann er, sie darüber zu belehren, der Menschensohn müsse vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er werde getötet, aber nach drei Tagen werde er auferstehen.

32 Und er redete ganz offen darüber. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe.

33 Jesus wandte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus mit den Worten zurecht: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.

34 Er rief die Volksmenge und seine Jünger zu sich und sagte: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.

35 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.



Jesu offenes Reden über sein Leiden und Sterben in Jerusalem ist bei seinen Jüngern gar nicht gut angekommen. Gleich meldet sich Petrus stellvertretend für die übrigen Jünger zu Wort und protestiert dagegen.

Wenn wir durch die Worte Jesu seine Bereitschaft erkennen können, sein Leiden und Sterben in Jerusalem anzunehmen dann können wir dem Verhalten des Petrus ablesen, dass die Jünger von diesem Leiden und Sterben Jesu nichts wissen wollen. Sie wollen die Krone ohne das Kreuz. Jesus qualifiziert dies gleich als Wollen der Menschen und nicht als Wollen Gottes. Und indem er Petrus Satan nennt, gibt er diesen als eigentlichen Ursprung derartiger Gedanken an. Der Gedanke Gottes hingegen ist, dass Jesus die Krone durch das Kreuz hindurch erringt. Bei seinen Jüngern wird ein gravierendes Defizit dem Leiden gegenüber deutlich und Jesus geht sofort daran dieses Defizit zu beheben indem er ihnen klipp und klar sagt, was er von ihnen als Jünger in seiner Nachfolge erwartet: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Er verlangt von ihnen, dass sie sich dem Leiden gegenüber gleich verhalten wie er: dass sie es annehmen und tragen! Jesus verlangt von seinen Jüngern da eine radikale Änderung ihrer Gesinnung, eine Wende um 180 Grad!

In den weiteren Worten deckt Jesus dann auf, was der Leidensscheu der Jünger zugrunde liegt: Die Angst um ihr Leben! Sie befürchten die Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität und haben Angst davor, ihr Leben zu verlieren. Diese Angst ist durchaus verständlich – allerdings nur für Menschen, die auf das Leben hier auf Erden fixiert sind und keine anderen Horizonte haben.

Nun redet Jesus aber zu Menschen, die seine Jünger sind, die ihm nachfolgen. Sie haben ihn zum Maß ihres Lebens genommen und wollen sich an ihm orientieren. Ihr Leben ist mit anderen Worten nicht mehr in dieser Welt und hier auf Erden zu finden sondern ihr Leben finden sie in ihm.
Und damit ist klar: Wer von seinen Jüngern das Leben im Sinne dieser Welt retten will, wird das Leben verlieren, das Jesus ihm schenken will; das heißt zugleich auch: er wird aus der Jüngerschaft herausfallen, denn zwei Herrn kann er nicht dienen!

Für seien Jünger kann es nur die Alternative geben: dass sie das Leben im Sinne dieser Welt verlieren um es von Jesus her zu gewinnen: Er ist es wert, seinetwillen alles Leben unter den Vorzeichen dieser Welt zu verlieren, es herzugeben und es mit Pauli Worten als Unrat zu erachten – um in IHM sein zu können und so jenes Leben zu gewinnen, das nur er geben kann und im Vergleich zu dem jedes andere Leben nur Tod ist. Jesus will von seinen Jüngern, dass sie ihre Hände leeren, damit er sie füllen kann.

Nun fügt Jesus noch hinzu: wer das Leben um des Evangeliums willen verliert. Warum dieses?
Das Evangelium ist Jesu Wort und Tat zum Heil der Menschen. Das Evangelium ist untrennbar mit ihm verbunden. Kein Jesus ohne Evangelium; kein Evangelium ohne Jesus!
Lebenshingabe für Jesus ist deshalb zugleich auch Lebenshingabe für die Menschen im Sinne des Evangeliums – also durch dessen Verkündigung in Wort und Tat.

Lebenshingabe für Jesus ist kein spirituell religiöser Egotrip nach dem Motto: Ich und Jesus und sonst niemand! Dies verhindert das Evangelium als Heilsdienst an den Menschen.
Zugleich verhindert die Lebenshingabe für Jesus ein jesusloses Aufgehen im Dienst an den Menschen – aus welchen Gründen auch immer.

Jesus stellt in kluger Voraussicht die Lebenshingabe seiner Jünger hinein in die unaufhebbare Spannung von Gebet und Aktion. Nur in dieser Spannung können sie in ihrer Lebenshingabe Jesus ähnlich werden und offen bleiben für jene Lebensfülle, die Jesus ihnen schenkt.

Möge der Herr uns Selbstverleugnung schenken, in der wir jene Beziehung zu uns selbst verlieren, die eine Annahme unseres täglichen Leidens und eine entschiedene Nachfolge Jesu verhindert: So möge auch unser Leben in Wort und Tat mehr und mehr bekennen: Jesus ist der Messias!


Mittwoch, September 09, 2009

Effata -Öffne dich!


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 7: 31 – 37

31 Jesus verließ das Gebiet von Tyrus wieder und kam über Sidon an den See von Galiläa, mitten in das Gebiet der Dekapolis.

32 Da brachte man einen Taubstummen zu Jesus und bat ihn, er möge ihn berühren.

33 Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel;

34 danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Taubstummen: Effata!, das heißt: Öffne dich!

35 Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit, und er konnte richtig reden.

36 Jesus verbot ihnen, jemand davon zu erzählen. Doch je mehr er es ihnen verbot, desto mehr machten sie es bekannt.

37 Außer sich vor Staunen sagten sie: Er hat alles gut gemacht; er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen.


Effata I

Nicht hören können – nicht sprechen können ist
eine starke Beeinträchtigung der Kommunikation.
Ein Hauch von Vorstellung von diesem Übel gewinnen wir Im Spiel Activity, wobei unter anderem einen Begriff allein durch Gestik und Mimik mitgeteilt werden muss.
Mit der Welt der Gehörlosen kommen wir auch in Kontakt, wenn Nachrichten im Fernsehen in der Gebärdensprache vermittelt werden.

Der Taubstumme im Evangelium hatte weder Activity gespielt noch beherrschten die Leute damals die Gebärdensprache. So war er auf seine Freunde angewiesen, dass sie ihn zu Jesus bringen. Das tun sie und bitten Jesus schlicht, er möge den Behinderten berühren; sie meinten damit, Jesus möge ihn segnen; damals war es üblich, einen Wanderrabbi, wie Jesus einer war, um seinen Segen zu bitten.

Sie bitten Jesus nicht, dass er den Taubstummen heile sondern nur, dass er ihn berühre. Sie schreiben Jesus nicht vor, was er zu machen hat. Sie bitten lediglich um eine segnende Berührung.

Die Antwort Jesu: Er nimmt den Kranken beiseite. Er macht es wie der Arzt mit den Patienten. Er behandelt sie nicht im Wartraum vor den Augen der übrigen Patienten sondern er holt sie in die Ordination, wo die Behandlung dann unter vier Augen geschieht.

Und Jesus berührt den Kranken tatsächlich wie gewünscht. Er begibt sich auf jene Ebene, auf der der Kranke ansprechbar ist: Auf die Ebene der Berührung und der Zeichenhaftigkeit.
• Jesus legt seine Finger in die Ohren des Taubstummen und
• Berührt dann dessen Zunge mit Speichel.

Aber Jesus tut noch mehr:
• Er blickt zum Himmel
• Er seufzt und spricht
• Effata! Öffne Dich!

Der Blick zum Himmel ist ein äußerlich sichtbarer Hinweis auf seine Verbundenheit mit dem Vater. Der Mann soll wissen: Er ist nicht allein und was er tut, tut er nicht aus sich selber sondern er tut es in der Kraft, die von seinem Vater im Himmel herkommt.

Das Seufzen Jesu ist nicht zu verstehen als Ausdruck seines Mühens um diesen Kranken. Vielmehr mag es ein Zeichen des Mitleides mit diesem armen Kerl sein – nicht nur wegen seines bisherigen Zustandes sondern wohl auch, weil er künftig die Mühe haben wird, mit der Gabe des Redens verantwortungsvoll umzugehen, um sich vor Sünden durch das Reden, den so genannten Zungensünden, frei zu halten.

Indem Jesus den Taubstummen heilt tut er mehr, als von ihm erbeten wurde. Ein Zeichen seiner Großzügigkeit und eine Einladung für uns, auch Großes von ihm zu erbitten.

Schließlich das Verbot, jemand davon zu erzählen; was die Leute jedoch missachten. Wer könnte so was schon bei sich behalten. Dennoch: Jesus verbietet die Verbreitung dieser Heilung.

Ein Zeichen, dass es ihm nicht darum geht, unbedingt bekannt und berühmt zu werden.
Vielmehr ein Ausdruck seiner Sorge, dass die Leute sein Tun noch nicht vollständig verstehen können. Denn auch diese Heilung ist völlig verständlich erst in einem Rahme, der noch nicht besteht: Der Rahmen seines Leidens, Sterbens und Auferstehens.

Erst unter diesen Umständen wird auch die heutige Heilung verständlich als ein Hinweis darauf, dass Jesus nicht nur das Hören auf die Stimmen dieser Welt wieder schenkt sondern tiefer noch das Hören auf die Stimme Gottes. Jesus weitet nicht nur den Horizont für die irdische Wirklichkeit sondern tiefer noch für die himmlische Wirklichkeit, die die irdische umfängt.
Mit anderen Worten: Die Leute hören noch nicht genug um angemessen erzählen zu können, was sie eben erlebt haben. Jesus möchte eine oberflächliche und „halbe“ Verkündigung seiner Taten vermeiden.

Das Reden hängt vom Hören ab: Wer schlecht oder gar nicht hört kann kaum oder gar nicht reden.

Darum werden bei der Taufe mit dem Herrenwort „Effata“ Ohren und Lippen des Täuflings berührt, damit er das Wort Gottes vernehme und seinen Glauben bekenne.

Nur von einem Hörenden ist eine rechte Rede zu erwarten! Und was einer redet lässt sein Verständnis erkennen.

Und dies möge der Herr uns allen schenken: Dass unser Hören aufmerksamer werde auf seine Stimme und auf die Stimme unserer Mitmenschen
und dass wir reden, was aufbaut und im Einklang steht mit Gottes Wort! Amen!




Effata II

Es kommt manchmal vor, dass ich mich in der Predigtvorbereitung wie der Taubstumme erlebe, den die Leute im Evangelium eben zu Jesus gebracht haben. Da sitze ich vor der Bibelstelle über die ich eine Predigt vorbereiten soll – und kann nicht hören was die biblische Geschichte mir sagen will.

Und glaube ich dann, etwas zu vernehmen, so fehlen mir die Worte, es auszudrücken. Zeitweise gehört das Taubstummsein zur Daseinsweise meines Predigtdienstes.

Da niemand da ist, der mich zu Jesus hinbringt, gehe ich halt selber zu ihm und bitte ihn, mich von diesem misslichen Zustand zu befreien, da ich doch diesen Dienst in seinem Namen ausüben möchte. Und ich kann doch nicht dastehen und Nichts sagen. Dieses Erleben der Taubstummheit lässt mich in etwa hineinfühlen in das Empfinden dieser Menschen. Es lässt mich diesen Menschen mit großer Achtsamkeit begegnen.

Mit diesem Gehen zu Jesus folge ich den Spuren jener Leute, die den Taubstummen zu Jesus gebracht haben. Der hat sich natürlich nicht allein zu Jesus getraut – konnte er ihm doch nicht sagen, was er von ihm wollte. Da haben sich andere – wohl seine Freunde oder Verwandten – bereit gefunden, Sprachrohr für ihn zu sein. Sie führen ihn also zu Jesus und bitten ihn, er möge ihm die Hände auflegen. Sie haben ihn nicht gebeten, er möge ihn heilen, sondern nur die Hände auflegen. Waren sie vorsichtig und wollten Jesus nicht kompromittieren, da sie ihm eine Heilung nicht zutrauten oder wollten sie Jesus einfach freie Hand lassen in seinem Umgang mit dem Taubstummen. Etwa in dem Sinn: Mach mit ihm, was du für richtig findest.

Es ist auch für uns ein Zeichen großen Vertrauens, wenn wir dem Herrn nicht vorschreiben, wie er uns oder anderen zu helfen habe; wenn wir ihm zutrauen, dass er weiß, was für uns gut ist und dass er das Beste für uns tun wird – auch wenn uns dies nicht gleich einsichtig ist und wir manchmal sogar den Eindruck haben, er hat gar nicht auf uns gehört oder dass es noch schlimmer geworden ist. Trotzdem bleiben wir ihm zugewandt, ihm verbunden, in seiner Nähe, auf seinen Spuren, in seinem Dienst.

Und was macht Jesus dann mit dem Taubstummen: Er nahm ihn beiseite von der Menge weg. Er macht es wie der Arzt, der den Patienten in die Ordination holt und ihn nicht im Warteraum behandelt vor allen Leuten. Welcher Patient hätte dies auch gern. Auch Jesus führt hier eine sehr feine Klinge im Umgang mit dem Taubstummen.

Und die Berührungen durch Jesus sind in der Tat sehr eindrücklich: Er legt ihm die Finger in die Ohren und berührt die Zunge des Mannes mit Speichel. Er berührt die kranken Stellen und zeigt damit, wie ernst er den Kranken nimmt.

Mit dem Aufblick zum Himmel kommt eine andere Größe in unser Blickfeld. Es ist sein Vater im Himmel. Jesus macht mit dieser Geste klar, dass er nicht aus Eigenem wirkt sondern in Verbundenheit mit seinem Vater im Himmel. Das wiederum bedeutet, was er wirkt, wirkt er aus göttlicher Kraft, die ihm von seinem Vater her zukommt.

An die Szene im heutigen Evangeliums werden wir bei der Taufe erinnert wenn der Täufling an Ohr und Mund berührt wird mit den Worten. Wie der Herr einst zu dem Taubstummen gesprochen hat: Effata – Öffne dich! So öffne er auch deine Ohren und deinen Mund, damit du seine Botschaft hörst und sie in rechter Weise verkündest.

Ähnlich auch wenn wir in unserer Klostergemeinschaft frühmorgens das Breviergebet beginnen: Herr, öffne meine Lippen! Und alle antworten: Damit mein Mund dein Lob verkünde!

Das wäre für jeden von uns ein guter Tipp. Morgens ihn zu bitten dass er unseren Mund löse aus der Stummheit des Schlafes und wir reden, was ihm zur Ehre und uns zum Guten ist. Und da gehört gerade auch dazu, dass wir jene Sprachlosigkeit überwinden, die sich zu unserem Nächsten hin bisweilen aufbaut.

Es ist bestimmt ein Herzenswunsch Jesu, dass wir zu ihm und zueinander hin hör- und sprechfähig sind. Und dass wir uns dieser Fähigkeit mit Freude und Dankbarkeit bewusst werden und sie zu einem Werkzeug unserer Liebe machen. Amen!


Effata III

Am Übergang von den Ferien zum Schuljahr erinnert uns der Schutzengelsonntag an jene guten Geister in sichtbarer und unsichtbarer Gestalt, die uns einen unbeschwerten und erholsamen Urlaub beschert haben – durch Bewahrung vor Schaden oder indem sie unsere Urlaubswünsche teilweise oder
Im Rückblick werden euch einige dieser Geister gewiss wieder in Erinnerung kommen und jetzt bei diesem Gottesdienst eure Dankbarkeit bestimmen.

Zugleich regt dieser Sonntag uns an, für das kommende Schuljahr um jene Engel zu bitten, die uns durch das Jahr begleiten mögen zu unserem Schutz, zu unserer Orientierung, zu unserer Ermutigung, zu unserer Freude. Es versteht sich von selbst, dass diese Engel nicht immer Flügel haben müssen.

Wenn ich auf 25 Priesterjahre zurückschaue, dann sehe ich auch in meinem Leben viele solcher Engel, die mich in diese Berufung hineingeführt und mich seither begleitet haben.

Gerade gestern abends hat mir die Diaschau von Priesterweihe und Primiz zahlreiche solcher Engel in Erinnerung gerufen. Mögen sie noch leben oder schon zum Herrn vorausgegangen sein – sie haben mich seither im Stillen begleitet und den Segen mitgewirkt, zu dem ich für viele Menschen in diesen 25 Jahren geworden bin. Allen diesen Schutzengeln gegenüber empfinde ich eine große und bleibende Dankbarkeit.

Zugleich erinnern sie mich beständig an meine Berufung als Priester: Menschen zu begleiten, zu behüten und sie hinzuführen zu Jesus. In der Begegnung mit IHM mögen sie dann all das finden, was ihr Leben erfüllt und sie glücklich macht.

Gerade im heutige Evangelium finden wir diese Schutzengel: Es sind die ungenannten Leute, die den Taubstummen zu Jesus hinführen und diesen bitten, er möge ihn berühren. Gerade in dieser unscheinbaren Tätigkeit sehe ich eine wesentliche Aufgabe als Priester: Menschen zur Begegnung mit Jesus zu führen und mich dann zu erfreuen an dem, was Jesus mit diesen Menschen macht; was er in ihnen zum Leben erweckt; wozu er sie befähigt.
Ich bereichere unsere Gemeinschaft um die Gemeinschaft mit Jesus. Ich öffne unser menschliches Beisammensein auf Jesus hin und ermögliche so, dass Jesu Leben in unser Beisammensein einfließt, es erhebt und veredelt und zu jener Schönheit führt, für die unsere Gemeinschaft bestimmt ist.

Wo ich in diesem gemeinsamen Streben auf Jesus hin nicht behindert werde, finde ich Erfüllung in meinem Priestersein.

Von wegen Behinderung: Hier ist freilich daran zu erinnern, dass ich diesem hohen und edlen Ziel manchmal als Engel mit nur einem Flügel gedient habe – als flügellahmer Engel also. Ich erlebe mich in diesen Momenten wie der Taubstumme des heutigen Evangeliums: Unfähig zu hören und nicht in der Lage, mich angemessen zu äußern.

Und einmal mehr wird mir klar: Ich bin ein Schutzengel der der Schutzengel bedarf! Verwundete Heiler heißen solche Leute. Oder Menschen mit Licht und Schatten!

Und auch in mir lebt die Sehnsucht, Jesus möge meine Ohren und meine Lippen berühren und sie von ihrer Fessel befreien.

Einmal hat er das schon getan: Als ich den Ruf in seine Nachfolge hören und bejahen konnte. Aber dieses eine Mal ist bei mir offenbar nicht genug! Immer wieder bedurfte ich seiner Berührung um berühren zu können.

Und so wird es bleiben: Nur gebunden an ihn kann ich andere an ihn binden; nur befreit durch ihn kann ich andere für ihn befreien.

So erlebe ich mein Priestersein als ein Verwurzeltsein sowohl in Jesus als auch in den Menschen und in der Welt, in der wir leben. Ich erlebe es als einen Weg aus der Taubheit in die Hellhörigkeit für Jesu Wort und für die Sehnsucht der Menschen und als einen Weg aus der gebundenen Zunge in die klare Verkündigung von Jesus, der für uns alle gestorben und auferstanden ist; der uns alle erlöst hat; der uns alle mit seinem Hl. Geist erfüllt hat und uns alle in die Gemeinschaft mit Gott gerufen hat. Amen!