Samstag, Oktober 31, 2009

Selig, die arm sind vor Gott!


Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 5: 1 – 12a


1 Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm.

2 Dann begann er zu reden und lehrte sie.

3 Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.

4 Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.

5 Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.

6 Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.

7 Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.

8 Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.

9 Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.

10 Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.

11 Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.

12a Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.



Wir hören die Seligpreisungen und es weht der Geist der Heiligkeit. Sie sind der Stoff, aus dem die Heiligen gemacht sind. Sie sind die Brücke aus dieser Zeit in das Reich Gottes, in die Gegenwart Gottes, in den Himmel. Aus ewigen Steinen ist diese Brücke gebaut. Sie ist gebaut nach einem Plan der Liebe, die Gott seit jeher zu uns Menschen im Herzen trägt. Diese Liebe bewegte ihn, uns Menschen nach seinem Abbild zu schaffen und die Brücke der Seligpreisungen ist die immerwährende Verbindung zwischen IHM und uns, seinen geliebten Geschöpfen.


Jede der Seligpreisungen ist für jeden von uns in einer bestimmten Form relevant. Von keiner können wir sagen, sie eröffne uns nicht je und je neue Horizonte.


Insgesamt sprechen sie mich an in meiner dreifachen Bezogenheit: zu Gott, zum Mitmenschen und zu mir selber. Wie stelle ich mich diesem Anspruch? Die Heiligen haben sich ihm gestellt in vollem Umfang. Dabei haben auch sie mit der Angst gekämpft, dabei zu kurz zu kommen und zu verlieren. Doch haben sie diese Angst überwunden und sich davon nicht bestimmen lassen. Vielmehr hat sie das Vertrauen bewegt, dass der Gewinn im Verlust und das Leben im Sterben zu finden ist. Ihr großes Vorbild dabei war der Herr selber. Er ist den Weg in das Nichts in dieser Welt vorausgegangen und ist in das Alles des Lebens und der Liebe Gottes gelangt. Antrieb für diesen Weg war und ist die Liebe gewesen – die Liebe zu seinem Vater im Himmel und die Liebe zu uns Menschen. Diese Liebe war für ihn eine einzige und trieb ihn dem Vater zu gehorchen und dabei sein Leben für die Menschen hinzugeben.


Diese Lebenshingabe hat er aufgipfelnd in seinem Sterben am Kreuz gelebt. Aber bereits in seinem Leben zuvor hat er diese Hingabe auf vielfältige Weise gelebt und so die Seligpreisungen, die er auf dem Berg gepredigt hat, durch sein Leben verkündet. Mag es die verborgene Lebenszeit in Nazaret gewesen sein oder sein Wüstenaufenthalt, sein Predigen oder sein Heilswirken, sein Umgehen mit den Sündern und den Kindern, sein Beten zu Gott oder sein Streiten mit den Menschen – alles haucht den Geist der Seligpreisungen und wird seit jeher zum Vorbild, das durch Nachahmung in der Nachfolge zur Heiligkeit führt.


Naturgemäß ist dieser Geist der Seligpreisungen dem Geist der Welt fremd. Und sein Hauch lässt uns vorerst natürlich frösteln und spontan hüllen wir uns fester ein in das Kleid unserer allzu irdischen Lebensweise. Wir sind noch zu sehr Kinder dieser Welt als dass dieser Geist uns sogleich entflammen und begeistern könnte. Und doch können wir uns nicht ganz dem Hauch entziehen, den er mit sich bringt und der uns daran erinnert, dass unsere Heimat im Himmel ist und wir hier auf Erden nur Gastarbeiter sind. Wir sind bereits selig zu preisen, wenn wir diesen Hauch von Heimat im heutigen Evangelium wahrnehmen. Ein erster Schritt, der uns durch die Fürsprache und das Vorbild der Heiligen auf die Brücke führen möge, die die Seligpreisungen auch uns schlagen.


In meinem Kalender lese ich zum heutigen Hochfest einen Gedanken von Frère John aus Taizé: „Heiligkeit besteht darin, vom Feuer des Heiligen Geistes das eigen Leben umgestalten zu lassen, damit es immer durchlässiger wird für sein Licht und seine Wärme. So wird unser gemeinsames Leben zu einem ‚brennenden Dornbusch,’ der eine Welt, die nach Wahrheit und Liebe dürstet, faszinieren wird.“


Die Welt, die nach Liebe und Wahrheit dürstet, das ist unsere Welt. Wir selber dürsten nach Liebe und Wahrheit und können davon nicht genug bekommen – wie die Heiligen, deren wir heute gedenken. Sie haben diesen Durst gestillt, indem sie in der Wahrheit gelebt und die Liebe geübt haben; dadurch wurde dieser Durst jedoch verschärft – ein Paradox, das sich aus einem heiligen Leben ergibt und zu einem heiligen Leben antreibt.


Die Heiligen haben Liebe und Wahrheit eingeatmet so wie frische, klare Luft, wenn man aus einem muffigen Raum ins Freie hinaustritt. Treten auch wir in das Freie der Gegenwart Gottes, legen wir unsere Flachatmigkeit ab und saugen wir den Atem Gottes in die Lungen unseres Lebens. Dann wird sich auch in unserem Leben das Gebet des hl. Augustinus erfüllen:


"Atme in mir, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges denke,


Treibe mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges tue,


Locke mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges liebe,


Stärke mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges hüte. 


Hüte mich, du Heiliger Geist, dass ich das Heilige nimmer verliere."

Donnerstag, Oktober 29, 2009

Jesus, hab Erbarmen mit mir!



Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 10: 46 – 52


46 Sie kamen nach Jericho. Als er mit seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge Jericho wieder verließ, saß an der Straße ein blinder Bettler, Bartimäus, der Sohn des Timäus.


47 Sobald er hörte, dass es Jesus von Nazaret war, rief er laut: Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir!


48 Viele wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!


49 Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich.


50 Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu.


51 Und Jesus fragte ihn: Was soll ich dir tun? Der Blinde antwortete: Rabbuni, ich möchte wieder sehen können.


52 Da sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dir geholfen. Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen, und er folgte Jesus auf seinem Weg.




Eine äußerst lebendige Geschichte! Die damit anfängt, dass der binde Bettler Bartimäus sich nicht mit seiner Blindheit abfinden will. Wir wissen nicht, was er schon alles unternommen hat, um von seinem Übel loszukommen. Jedenfalls ergreift er in Jesus die nächste Gelegenheit, von seiner Blindheit befreit zu werden. Es wird deutlich, dass Jesus für Bartimäus kein Unbekannter ist. Zumindest hat er schon von ihm gehört und vor allem von seinem wunderbaren Wirken. Ansonsten wäre es nicht begreiflich, dass er sogleich nach diesem Jesus ruft! Nun ruft er aber nicht den Namen, den er hört: Jesus von Nazaret! Nein, er gibt dem Namen Jesus von sich aus einen besonderen Zusatz, einen Ehrentitel: Sohn Davids! Diesen Ehrentitel stellt er dem Namen Jesus voran. Dieser besondere Zusatz zum Namen Jesu drückt seine besonderen Erwartungen aus, die er von Jesus hat. Indem er Jesus Sohn Davids nennt gibt er Jesus einen Titel, der dem Messias vorbehalten ist. Mit anderen Worten: Bartimäus hält Jesus für den Messias – und erwartet nun freilich auch von ihm, dass dieser messianisch an ihm wirkt. Denn eine der Taten des Messias soll ja sein, dass er Blinde sehend macht.


Dass er Jesus indirekt den Messias nennt ist bestimmt der Hauptgrund, dass viele ärgerlich wurden und ihm befahlen zu schweigen. Warum sollte man sich denn sonst etwas aus dem Geschrei eines Bettlers am Wegrand machen!?


Beides ist gleichermaßen bestechend: dass Bartimäus selber eine so hohe Meinung von Jesus hat – die höchste eigentlich, die man damals von einem Menschen haben konnte und dass er mit dieser Meinung nicht hinter dem Berg hält sondern sie vielmehr lauthals alle Welt wissen lässt.


Dabei ist natürlich gleich anzufügen: Bartimäus ging es nicht darum, die Leute seine Meinung über Jesus wissen zu lassen; er wollte eigentlich nur von Jesus gehört werden. Es ging ihm um die Aufmerksamkeit Jesu. Er wollte erreichen, dass Jesus ihn hört; dass Jesus bemerkt: Da ist einer, der will was von mir; der braucht meine Hilfe; der benötigt mein Erbarmen!


Das Bekenntnis des Bartimäus vor den übrigen Menschen ist Nebenprodukt seines Interesses am Herrn. Weil er bei Jesus sein möchte, kommt er nicht umhin, sich zu äußern und wissen zu lassen, was er von diesem Jesus hält. Seine Äußerungen sind Ausdruck seiner Ausrichtung auf Jesus.


Dies erweist sich sogleich in seiner Reaktion auf die Einsprüche jener, die wollen, dass er schweigt. Hätte er sich was aus diesen Einwänden gemacht, wäre er sogleich verstummt. Da es ihm aber gar nicht um die Leute ging und was sie von ihm denken bewirkt der ärgerliche Einspruch der Umstehenden das genaue Gegenteil: er schreit noch lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Da Bartimäus von vornherein schon auf Jesus hingerichtet war, hat der Widerstand der Leute ihn in der Ausrichtung auf Jesus bestärkt. Die Entschlossenheit für Jesus wurde durch den Widerstand der Leute zu einer entschlossenen Entschlossenheit.


Jesus verweigert sich nicht. Er lässt Bartimäus rufen. Das ändert die Situation: die Stimmen, die ihn zum Verstummen bringen wollen verstummen selber und auf einmal sind Leute da, die ihm Mut machen: „Hab nur Mut. Steh auf. Er ruft dich!“ Auch mit diesen Leuten lässt er sich auf kein Gespräch ein. Er tut nur, was sie ihm nahe legen: Er wirft seinen Mantel ab, steht auf und läuft auf Jesus zu. Man möchte nicht meinen, dass dieser Mann blind ist: Es ist nichts zu bemerken von Unsicherheit und vom zögerlichen Vorantasten eines Blinden; dieser Bartimäus läuft wie ein Sehender! Ist es die Ahnung, knapp vor dem Ziel seines Lebens zu sein, die ihm diese Sicherheit schenkt? Ist es das Vertrauen, dass dieser Jesus keine halben Sachen macht und dass er den Bartimäus nicht ruft, um ihn dann in seiner Blindheit zu belassen und gleichsam ein Spiel mit ihm zu treiben?

Und dann das Gespräch zwischen Jesus und Bartimäus. Jesus eröffnet: „Was soll ich dir tun?“ Er könnte mit ziemlicher Sicherheit vermuten, was Bartimäus will – nämlich wieder sehend werden. Doch will er das ausdrücklich von ihm selber hören: „Rabbuni, ich möchte wieder sehen können!“ Diese Bitte und sein vorauf gehendes unbeirrtes Rufen nach ihm ist Jesus genug Erweis, dass Bartimäus an ihn glaubt. Darum dann auch das Wort des Herrn: „Geh! Dein Glaube hat dir geholfen!“ Und im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen!


Wohin wird Bartimäus nun wohl mit seinem erlangten Sehvermögen gehen? Wird er sich endlich einmal die Welt in ihrer Schönheit anschauen, die er überhaupt noch nie oder schon lange nicht mehr gesehen hat? Oder wird er sich seine Freunde und Verwandten näher unter die Lupe nehmen, die er bisher nur vom Hören gekannt hat? Oder die wunderbaren Sachen auf dem Markt? Oder den Tempel in seiner Pracht? Die Feier eines Gottesdienstes mit allen Sinnen mitverfolgen können? Was gibt es da nicht alles an wunderbarem zu bewundern? Nichts von all dem! Es heißt vielmehr in aller Schlichtheit: „und er folgte Jesus auf seinem Weg.“


Ist das nicht wunderbar: Da hat ihm Jesus das Augenlicht geschenkt und damit zugleich die ganze Welt in ihrer Schönheit. Und dann sagt Jesus auch noch „Geh’“ zu ihm. Eine Einladung geradezu, sich auf Entdeckungsreise durch diese Welt zu machen. Aber Bartimäus macht sich auf eine ganz andere Reise: er folgt Jesus auf seinem Weg! Das ist seine Reise! Jesus hat ihm zur Auswahl die gleichsam die ganze Welt zu Füßen gelegt – aber Bartimäus entscheidet sich nicht für diese Gaben; er entscheidet sich für den Geber, für Jesus selber. Jesus hat ihm offensichtlich nicht nur die Augen des Leibes für die Schönheit dieser Welt geöffnet sondern vielmehr noch die Augen des Herzens für die Schönheit des Lebens in seiner Nachfolge.


Möge diese Geschichte unsere Beziehung zu Jesus auf den Prüfstand stellen und uns erkennen lassen, wie sehr wir mit Jesus verbunden sind; wie sehr wir uns in seiner Nachfolge von Negativem oder Positivem beirren lassen und wen wir eigentlich suchen – die Gaben oder jenen, der sie uns gibt! Amen!

Freitag, Oktober 16, 2009

Dienst und Hingabe


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 10:35 – 45


35Da traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst.

36Er antwortete: Was soll ich für euch tun?

37Sie sagten zu ihm: Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen.

38Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?

39Sie antworteten: Wir können es. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde.

40Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die diese Plätze bestimmt sind.

41Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Johannes.

42Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen.

43Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein,

44und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.

45Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.



„Yes, we can!“ – Ja, wir können es, antworten Jakobus und Johannes auf die Frage Jesu, ob sie, wie er, den Kelch trinken und die Taufe auf sich nehmen können.

Kelch und Taufe sind ein Sinnbild für das Leiden und den Tod, die Jesus auf sich nehmen wird.


Und Jesus bestätigt ihnen, dass sie beides auf sich nehmen werden; doch mit der Platzvergabe zu seiner Rechten und zu seiner Linken hat er nichts zu tun; die liegt in den Händen Gottes.


Damit ist die Sache für die beiden Jünger eigentlich gelaufen; denn sie haben sich den Kelch und die Taufe als Mittel zum Zweck, als Durchlaufstadium für die Ehrenplätze neben Jesus gedacht.


Mittel zum Zweck ist übrigens auch Jesus selber: denn die unmittelbare Nähe zu ihm suchen sie ja nicht aus Liebe zu ihm sondern aus Liebe zu sich selber. Sie wollen neben dem Herrn brillieren und so möglichst viel vom Glanz ihres Herrn abbekommen; sie wollen Macht ausüben und so möglichst den Dunstkreis ihres Herrn ausnützen. Einmal mehr sollte der Herr zugunsten seiner Gaben zurücktreten.


Es ist gewiss bestechend, wie genau sie wissen, was sie wollen; aber es ist Dienst an ihrer eigenen Karriere. Sie sind äußerst zielstrebig. Sie haben nicht einmal Bedenken, die anderen Jünger könnten sie als macht- oder ehrsüchtig kritisieren. Ohne Rücksicht auf Verluste streben sie die Plätze links und rechts neben Jesus an. So segensreich diese Strategie sich im Streben nach Tugend erweist so verderblich ist sie, wenn Eigensucht die Triebfeder ist.


Und diese Ichbezogenheit erkennt Jesus sofort – und zieht ihr sogleich die Grenze: „zu meiner Rechten und Linken werden die sitzen, für die diese Plätze von Gott bestimmt sind“: er ist im Reich Gottes der Platzzuweiser und niemand sonst!


Da der Ärger der übrigen 10 Jünger verrät, dass sie alle im Grunde genau das gleiche wollen wie Jakobus und Johannes ruft Jesus seine Jünger zu sich, um ihnen die Augen zu öffnen über die wahre Größe in seinem Reich.


In paradoxen Formulierungen führt er sie in die Größenordnung seines Reiches ein: „Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.“ Also mit anderen Worten: Im Reich Gottes ist der Größte der Kleinste und der Erste der Letzte!

Das ist der Größenordnung dieser Welt entgegengesetzt, wo der Größte der Größte ist und der Erste der Erste!


Jesus nennt nun aber den Kleinsten „Diener“ und den Letzten „Sklaven“. Dies sind dienende Berufe; Berufe für die anderen. Somit setzt Jesus der Ichbezogenheit seiner Jünger in der Bedürftigkeit der Mitmenschen eine weitere Grenze. Die beiden gezogenen Grenzen brechen den Egoismus der Jünger auf – hin auf die Verherrlichung Gottes und auf das Heil der Mitmenschen. Im Dienst an Gott und an den Menschen verwirklicht sich die Größe, die im Reich Gottes zählt.

Hingabe in diesem zweifachen Dienst bedeutet Bereitschaft für das Reich Gottes und den Platz, den Gott darin zuweisen möchte.


In Jesus selber haben die Jünger ein machtvolles Leben in dieser Hingabe: „Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“


Wollen sie also die Worte Jesu verstehen müssen sie auf sein Leben schauen. Wollen sie gar nach diesen Worten leben müssen sie ihm nachfolgen. Deswegen möchte Jesus, dass wir seine Nähe aufsuchen und uns um die Plätze neben ihm bemühen: dass wir von ihm lernen, Gott und den Menschen zu dienen und in diesem Dienst ihm immer ähnlicher zu werden.


So wird dann der angestrebte Platz neben ihm zum ersehnten Platz neben dem nächsten Mitmenschen der unserer Hilfe bedarf, denn „was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“


Die Dienstbereitschaft ist das Wasserzeichen jeden kirchlichen Machtanspruches.


So wollen wir Jesus bitten: Mach unseren Willen bereit, deinen Weisungen zu folgen, und gib uns ein Herz, das dir aufrichtig dient. Amen!

Sonntag, Oktober 11, 2009

Hl. Damian de Veuster


+ Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 10:17 – 27


17Als sich Jesus wieder auf den Weg machte, lief ein Mann auf ihn zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?


18Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott, dem Einen.


19Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen, du sollst keinen Raub begehen; ehre deinen Vater und deine Mutter!


20Er erwiderte ihm: Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt.


21Da sah ihn Jesus an, und weil er ihn liebte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!


22Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen.


23Da sah Jesus seine Jünger an und sagte zu ihnen: Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen!


24Die Jünger waren über seine Worte bestürzt. Jesus aber sagte noch einmal zu ihnen: Meine Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen!


25Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.


26Sie aber erschraken noch mehr und sagten zueinander: Wer kann dann noch gerettet werden?


27Jesus sah sie an und sagte: Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich.




Ein Mann möchte das ewige Leben gewinnen. Das Erfüllen der Gebote ist ihm zu wenig. Er möchte mehr. Jesus bietet ihm dieses Mehr in seiner Nachfolge. Dieses „Mehr“ schließt jedoch ein „Weniger“ mit ein: „Verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen und du wirst einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!“


Aber so war es dann von dem Manne doch nicht gemeint; die Forderung Jesu war zu viel für ihn; er war überfordert und ist betrübt von Jesus weggegangen. Sein Vermögen war zu sehr Grundlage seines Lebens, als dass er sie hätte völlig verlassen und sein Leben allein auf Jesus bauen können.


Es muss aber nicht immer nur materieller Besitz ein Hindernis sein für die Nachfolge Jesu. An der eigenen Gesundheit kann man auch mächtig hängen. Anders gesagt: Jesus kann in seiner Nachfolge auch die massive Gefährdung der eigenen Gesundheit fordern.


Gerade dies können wir am Leben von Damian de Veuster ablesen. Dieser Mann wurde heute in Rom von Papst Benedikt XVI. heilig gesprochen.


Schon in der Volksschule habe ich von diesem Missionar gelesen. Wilhelm Hünermann hat ein fesselndes Buch über den neuen Heiligen geschrieben. "Priester der Verbannten" heißt der Titel. Ich habe dieses Buch verschlungen.


Um 1870 forderte die Lepra zahlreiche Tote auf den Hawaii – Inseln. Aus Ohnmacht dieser tödlichen Seuche gegenüber hat die Regierung alle Leprakranken auf eine Landzunge der Insel Molokai deportiert. Von dort konnten sie nicht entkommen und wurden einfach ihrem schrecklichen Schicksal überlassen.


Die Missionsgemeinschaft vom heiligsten Herzen Jesu und Mariens sorgte sich sehr um diese Menschen. Bei einer Besprechung fragte der Bischof, wer sich zur Seelsorge an diesen Menschen aus freien Stücken bereit erklärt. Vier Patres meldeten sich spontan, die Leprakranken abwechselnd zu besuchen und ihnen als Seelsorger beizustehen. Damian ging als Erster und blieb auf eigenen Wunsch für immer auf Molokai.


Nach den ersten Berührungsängsten begann Damian sich um die Ausgesetzten zu kümmern. Er pflegte ihre Wunden, sorgt für Kleidung und Medikamente, legte Äcker und Gärten an und ersetzte die alten Grashütten durch neue Holzhäuser. Er scheute sich nicht, die Kranken zu berühren und mit ihnen zu essen. Er baute eine Kirche und feierte täglich die hl. Messe.


An seinen Bruder schrieb er: „Wenn ich predige, sage ich ‚wir Aussätzige’. Hoffentlich kann ich auch alle für Christus gewinnen wie der hl. Paulus.“


Pater Damian sollte 16 Jahre unter den Aussätzigen in Molokai leben und für sie der „Mann mit 36 Handwerken“ sein, wie ein amerikanischer Besucher ihn beschrieb. Er ist Gärtner, Wasser-Ingenieur, Tischler, Verwalter und Vertreter der Abgeschobenen bei der Inselregierung. Mit Hilfe der Presse und zahlreicher Freunde wirbt er um Unterstützung in Europa und Amerika. Er baut ein Waisenhaus, gründet ein Orchester und zimmert selbst die Särge für die Verstorebenen. Vor allem aber ist er Seelsorgerund Priester. Durch sein Wirken wurde aus der „Insel der Verdammten“ eine menschliche Siedlung, in der die Würde der Ausgestoßenen geachtet wurde.


1884 wurde festgestellt, dass auch Damian sich an der Lepra angesteckt hatte. Ohne es zu merken hatte ein Kind seine Pfeife in den Mund genommen. Er wurde selbst aussätzig und äußerlich aufs Schlimmste von der Krankheit entstellt. Dennoch arbeitete er weiter bis seine Kräfte nachlassen. A Montag der Karwoche, den 15.4.1889 starb P. Damian im Alter von 49 Jahren.


Wie kommt er dazu, zu den Aussätzigen zu gehen, das Risiko der Ansteckung einzugehen und sich damit dem sicheren Tod auszuliefern? Gandhi sagte einmal über ihn: „Die Mühe lohnt sich, nach der Quelle zu suchen, aus der so viel Heldentum kommt.“


Es ist das Bewusstsein im Dienst an „seinen Aussätzigen“ Jesus zu dienen und ihm nahe zu sein, der sein Leben für die Armen hingab.


Als der fleißige Arbeiter selbst krank wird und den eigenen Tod vor Augen sieht, spürt er tiefes Glück, weil er sich mit dem verbunden weiß, dem er in den Ordensgelübden sein Leben geweiht hat. 1886 schreibt er: „Die schreckliche Krankheit, die der allmächtige Gott jetzt bei mir ausbrechen lässt, hab ich seit meiner ersten Ankunft in diesem Aussätzigenheim vor 13 Jahren erwartet und von vornherein angenommen, und ich hoffe, dass mithilfe des Gebetes vieler Menschen unser Herr mir die nötige Gnade geben wird, mein Kreuz zu tragen.“


Seht ihr, zu Damian hat Jesus gesagt: Wenn du das ewige Leben gewinnen willst, dann gehe nach Molokai und dort folge mir nach.


Möge uns die Gnade des Herrn immer begleiten, damit wir nicht betrübt weggehen, wenn er uns ruft sondern bereit sind, sein Wort im Herzen zu bewahren und das Gute zu tun. Amen!

Freitag, Oktober 02, 2009

Verschlusssache Menschenherz



Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 10:2 – 16


2Da kamen Pharisäer zu ihm und fragten: Darf ein Mann seine Frau aus der Ehe entlassen? Damit wollten sie ihm eine Falle stellen.


3Er antwortete ihnen: Was hat euch Mose vorgeschrieben?


4Sie sagten: Mose hat erlaubt, eine Scheidungsurkunde auszustellen und

(die Frau) aus der Ehe zu entlassen.


5Jesus entgegnete ihnen: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben.


6Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen.


7Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen,


8und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins.


9Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.


10Zu Hause befragten ihn die Jünger noch einmal darüber.


11Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch.


12Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet.


13Da brachte man Kinder zu ihm, damit er ihnen die Hände auflegte. Die Jünger aber wiesen die Leute schroff ab.


14Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sagte zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes.


15Amen, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.


16Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie.



„Weil ihr so hartherzig seid!“

Unmissverständlich prangert Jesus die Hartherzigkeit seiner Landsleute an und nennt sie als Ursache für die Praxis der Ehescheidung.


Es ist das harte Herz, das den Ehepartner entlässt. Das Herz erweist seine Härte darin, dass es nicht bereit ist, den Nächsten zu ertragen. Ein Missfallen aus welchem Grund auch immer genügt dem Herzen, in der Lieblosigkeit der Entlassung seine Härte zu erweisen.


Dabei hat Gott gerade in der Schöpfung sein weiches, sprich liebendes, Herz erwiesen als er es nicht ertragen konnte, den Menschen in seinem Alleinsein zu belassen sondern sich alle Mühe machte, ihm schließlich in der Frau jene Gefährtin zu schaffen, die ihm entspricht und zu ihm passt.


Das liebende Herz Gottes führt die Menschen zusammen aus dem Alleinsein in das Beisammensein; das harte Herz des Menschen stößt den Mitmenschen aus dem Beisammensein in das Alleinsein.


Das harte, lieblose Herz des Menschen sucht eine Legitimierung für sein Tun gegenüber dem Ehepartner. Es spürt zuinnerst den Widerspruch zum weichen, liebenden Herzen Gottes. Wo findet es diese Legitimierung? Bei Gott? Ausgeschlossen! Also bei Menschen: Mose hat erlaubt, eine Scheidungsurkunde auszustellen und aus der Ehe zu entlassen. Ein klassisches Beispiel sein Leben nicht nach dem Gebot Gottes zu bilden sondern das Gebot Gottes nach seinem Leben zu bilden – nach einem Leben, das dominiert wird von einem harten Herzen!


Das harte Herz wird sich immer dem Gebot Gottes widersetzen. Wegen seiner Härte ist es unbeweglich und kann sich von Gott nicht formen lassen. Dafür wird es alles einsetzen, um sich das Gebot Gottes nach Belieben zurechtzubiegen mit Hilfe menschlicher Gesetze, die es dann bereitwillig ausgibt als Gottes Gesetz.


Wenn Gott so mit seinem Gebot umspringen lässt, sollten wir darin keine Schwäche sondern ein Wunder seines Herzens sehen, das aufgrund seiner Weichheit nicht über den Menschen hinweg fährt sondern ihm Freiraum lässt, sich zu entscheiden – für oder gegen ihn, den Herrn und damit eigentlich auch für oder gegen den Mitmenschen. Denn ein Herz, das sich Gott verschließt, ist auch für den Mitmenschen nicht offen. Und das harte Herz gegenüber dem Mitmenschen hat man auch Gott gegenüber.

Ein hartes Herz ist ein Herz unter Verschluss! Verschlusssache Menschenherz!


Das heutige Evangelium bleibt dem harten Menschenherz auf der Spur, wir auch!


Es zeigt sich im Verhalten der Jünger den Müttern gegenüber, die ihre Kinder zu Jesus bringen wollen: Sie weisen die Mütter schroff ab!


Hier erweist sich das harte Herz der Jünger darin, dass sie nicht erspüren können, welche Bande die Kinder mit Jesus verbindet. Sie erspüren nicht die Herzensverwandtschaft; denn auch Jesus hat ein Kinderherz, das sich wie Wachs dem Sigel des väterlichen Willens fügen kann. Die Härte der Jüngerherzen erweist sich in ihrer Gefühllosigkeit; wir können auch sagen in ihrer Herzenskälte.


Sogleich weist Jesus unwillig seine Jünger zurecht und macht ihnen folgendes klar: Zum Einen, dass sie mit den Müttern eigentlich die Kinder zurückweisen; dass zum anderen gerade diese Kinder vor allen Anwesenden ein Recht darauf haben, ganz bei ihm sein zu dürfen denn, drittens, Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich.


Damit wird klar: das harte Herz ist kein Kinderherz! Kinder haben kein verschlossenes und hartes Herz. Ihr Herz ist offen und darum empfänglich für das Reich Gottes: Und in diesem Reich Gottes ist sein Wille, sein Name, sein Licht, sein Leben und seine Liebe enthalten. Und weil das Kinderherz dermaßen beschaffen ist, gehört jenen Menschen das Reich Gottes, die wie Kinder sind.


Um dieses formbar weiche und offene Kinderherz wollen wir den Herrn bitten: Allmächtiger Gott du gibst uns in deiner Güte mehr, als wir verdienen, und Größeres, als wir erbitten.


Nimm weg, was unser Gewissen belastet und unser Herz hart macht, und schenke uns jenen Frieden, der den Kindern eigen ist und den nur deine Barmherzigkeit geben kann. Amen!