Donnerstag, Dezember 30, 2010

... und hat unter uns gezeltet





Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 1: 1 – 5.9 – 14

1Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
2Im Anfang war es bei Gott.
3Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.
4In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
5Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.
9Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.
10Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.
11Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
12Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben,
13die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
14Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.






„Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.“ (Joh 1:14) So wurde uns eben verkündet, wie das Wort sich bei uns aufhalten will; wie Gott in seinem Sohn unter uns sein möchte.
Ein einfaches, allgemeines Sein unter uns ist ihm zu wenig. Nein, er will unter uns wohnen. Allein schon diese „wohnen“ legt nahe, dass er uns nahe sein und mit uns leben möchte. Aber auch in der Art, unter uns zu wohnen, gibt es Unterschiede.

Da gibt es die Möglichkeit, dass Gott unter uns in der Weise wohnt, dass er ein Haus bezieht – dass er also unter uns haust im wortwörtlichen Sinn. Das könnte ein Haus sein mit einer bestimmten Hausnummer oder es könnte das Haus des Tempels sein. Wenn dem so wäre, dann hätte der Evangelist im Griechischen für den Begriff „wohnen“ das Wort οκέω gewält. Das hat er aber nicht. Er drückt das Wohnen Gottes bei uns Menschen mit einem anderen Wort aus: σκηνόω Dieser Begriff heißt wörtlich übertragen: zelten! Also hieße es eigentlich: Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gezeltet.

Dass Gott in einem Zelt bei uns Menschen wohnt, hatten wir schon einmal: Im Ersten Bund ist das Volk unter der Führung des Mose aus Ägypten ausgezogen und 40 Jahre durch die Wüste gewandert ehe es das verheißene Land erobern konnte. Während all dieser Jahre hat Gott sein Volk in einem Zelt begleitet. Und auch noch in der Zeit der Richter bis hin zu König Salomon hat Gott unter seinem Volk gezeltet.

Bereits David schon wollte dem Herrn ein Haus bauen, denn er bekam ein schlechtes Gewissen, als er wahrnahm, dass er, David, in einem Zedernpalast wohnt und der Herr in einem Zelt! Also wollte David dem Herrn ein Haus bauen. Aber dem Herrn war das gar nicht recht (vgl. 2Sam 7:5ff)! Und wir können die Gefühlslage des Herrn wohl verstehen: denn wenn einer sein Volk so sehr liebt wie der Herr, ist er ihm alle mal lieber nahe in einem Zelt als fern in einem Tempel. Im Zelt kann er seinem Volk hautnah sein – nur die Haut des Zeltes trennt ihn von den Menschen. Im Tempel hingegen wäre er von seinem Volk hinter ehernen Türen und steinernen Mauern geradezu «weggesperrt»! Ich kann es dem Herrn wirklich icht verübeln, dass er lieber im Zelt seinem Volk so nahe wie möglich bleiben wollte.

Und in der Tat ist ihm schon zu Lebzeiten Salomons kalt geworden in den Gemäuern des Tempels, denn die Israeliten haben andere Götter verehrt und beim Gottesdienst im Tempel war ihr Herz weit weg vom Herrn (vgl. Is 29:13)! So hat sich der Herr aus diesem ungastlichen Haus zurückgezogen (vgl. Ez 10) und es der Verwüstung preisgegeben.

Am Ende der Zeiten nun ist Gott zu seiner ersten Liebe zurückgekehrt: er wollte wieder unter uns Menschen zelten – allerdings nicht in einem Zelt aus Tierhäuten sondern in einem Menschen mit Haut und Haaren – in Jesus von Nazareth, dem menschgewordenen Wort Gottes!

Dem entsprechend sieht das Leben Jesu aus: Er verbringt es mitten unter den Leuten: unter Armen und Reichen, unter Kindern und Erwachsenen, unter Sündern und Gerechten, unter Laien und Priestern, unter Freunden und Feinden; jeder von diesen hatte freien Zugang zum Herrn. Das erinnert sehr an das Zelten Gottes unter seinem Volk in der Wüste: So mobil, so einfach – einander so nahe!

Diese Nähe Gottes zu seinem Volk hat auch das II. Vaticanum betont und deshalb das Bild vom Gottesvolk zum Leitbild erklärt.

Und damit diese Nähe zu seinem Volk künftig erhalten bleibt, hat sie der Herr nicht mehr an einen Tempel gebunden sondern an seine Jünger, die in seinem Namen in alle Welt hinausgehen, so dass seine Gegenwart in jenen weiterlebt, die in seinem Namen leben. In diesen Christen kann der Herr nun selber immer ganz nahe bei seinem Volk bleiben; in diesen Christen zeltet er erneut unter uns.

Das Zelten Gottes unter uns ist zudem für eine weitere Bedeutung offen: Dass Gott nicht nur unter uns sondern auch in uns wohnt – und auch auf dieser geistlichen Ebene bleibt es ein Zelten. Dabei wird die Haut des Zeltes zum Hinweis, dass wir in unserem geistlichen Leben Gott ganz, ganz nahe kommen dürfen; wir dürfen IHM ganz ähnlich werden – nur eben die Zelthaut trennt uns noch von ihm – Sprich: wir werden zwar Gott ähnlich aber nie Gott selber sein. Die Unterscheidung von Schöpfer und Geschöpf bleibt in aller Nähe erhalten.

Wir sollten nie vergessen, dass der Herr unter uns sein Zelt aufgeschlagen hat, weil er Sehnsucht und Freude daran hat, uns Menschen ganz nahe zu sein (vgl. Spr 8:31). Unsere Antwort kann nur die sein, dass wir diese Sehnsucht des Herrn beantworten mit unserer Sehnsucht, ihm möglichst nahe zu sein. Amen!

Mittwoch, Dezember 29, 2010

An der Hand der Mutter





Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 2: 16 – 21

16So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.
17Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war.
18Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten.
19Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.
20Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.
21Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoß seiner Mutter empfangen wurde.






Oktav von Weihnachten – Hochfest der Gottesmutter Maria – Neujahr – das ist viel für einen Tag, nicht wahr?

Wenn wir jedoch bedenken, dass heute ein neues Jahr beginnt und dass es in diesem Jahr erneut um unser Leben geht – als Einzelne, als Gemeinschaft, als Volk, als Menschheit;

wenn wir uns zudem besinnen, dass es nicht nur um unser leibliches Wohlbefinden geht – und dies nicht einmal erstrangig; dass es vielmehr um unser seelisches Wohlergehen geht – also um unser Leben in der Gnade Gottes, um unser Leben in SEINER Liebe, um unser Leben in SEINEM Geist – dann, ja dann können wir nicht genug Kraft bekommen – gerade in einer Zeitstimmung, die dieses Leben aus der Gnade Gottes notorisch ignoriert; und dabei völlig übersieht, dass gerade dieses Leben aus der Gnade Gottes der Überlebensgarant ist für uns als Einzelne und als Gesamtheit.

Es geht also nicht nur oberflächlich um einen mehr oder weniger gelungenen Rutsch in ein neues Jahr mit mehr oder weniger ernsten Vorsätzen. Es geht um einen bewussten Schritt in einen neuen Zeitraum – im Herzen den tief verwurzelten Wunsch nach einem gangbaren Weg, nach einem sicheren Grund, der uns trägt, nach einer starken Hand, die uns stützt und führt.

Den Wunsch nach dieser führenden Hand lenkt die heutige Liturgie auf Maria, indem sie bewusst ihre Gottesmutterschaft in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stellt. Die Kirche feiert heute den Muttertag Mariens. An diesem Tag hält uns Maria ihre Mutterhand hin.

Zwei Gründe mögen uns bewegen, dass wir sie ergreifen.

Der erste Grund ist der, dass an der Hand Mariens Jesus herangewachsen ist. An ihrer Hand ist der groß geworden, den wir als den Sohn Gottes verehren, den König der Könige und den Herrn der Herren, den Heiland und Erlöser von uns allen. Den hat Gott der Hand dieser Frau anvertraut – und wie sehr war das Vertrauen berechtigt, das Gott in diese Frau gesetzt hat? Wie sehr ist an ihrer Hand Jesus zu jenem Sohn Gottes geworden, der in Wort und Tat den Willen seines Vaters im Himmel vollkommen erfüllt und uns Menschen erlöst hat? So hat er seinen Vater vollkommen verherrlicht.

Und der Hand dieser Frau sollten wir uns nicht anvertrauen? Unser selber, unsere Angehörigen, das ganze kommende Jahr mit allem was es bringt an Licht und Schatten, an Frohem und Traurigem?

Der zweite Grund, der uns liebend gern die Hand Mariens ergreifen lässt ist der, dass sie unsere Hand nicht für sich festhalten will. Es sind warme, trockene Hände. Ihre Hände sind nicht feucht aus Angst vor dem Loslassen.

Sie hat nämlich von Anfang an gelernt, die Hände ihres Sohnes loszulassen: Angefangen beim 12jährigen im Tempel, über die Hochzeit in Kana und jene Begebenheit, in der Jesus all jene seine Mutter nennt, die den Willen des Vaters im Himmel erfüllen bis hin unter das Kreuz, da Jesus ihr gleichsam seine Sohnschaft nahm um ihr dafür die unsere zu geben. Maria hat sehr intensiv und gründlich gelernt, die Hand ihres Sohnes loszulassen.

Seht ihr, und das lässt uns zuversichtlich unsere Hand in ihre legen: denn sie wird unsere Hand sehr wohl halten – sicher, entschlossen und fest; aber sie wird sie nicht behalten sondern in die Hand ihres Sohnes legen!

Genau dafür hat sie es gelernt, ihren Sohn loszulassen und herzugeben, damit Jesus uns ihr anvertrauen kann und sie uns verlässlich und treu zu ihm hinführt.

Und in der Tat – bei ihr allein wären wir bei nichts und bei niemandem; aber bei ihr als Mutter Jesu und unserer Mutter sind wir bei allem, was uns gewiss Jesus nahebringt – mögen dabei unsere Wege noch so mühsam, noch so dunkel und noch so verschlungen sein. Werde wir nur nicht müde, uns ihrer Hand anzuvertrauen und bereiten wir ihr heute zu ihrem Muttertag die größte Freude nach jener Freude, Mutter Jesu zu sein: Dass sie uns ihrem Sohn zuführen kann! Es gibt für sie im Hinblick auf uns nichts Schöneres, als wenn wir in der Gemeinschaft mit ihrem Sohn alles vergessen und wir Jesus allein unsere Aufmerksamkeit schenken. In unserer Gemeinschaft mit ihrem Sohn kommt ihre Mutterschaft zur Vollendung. Für so eine Mutter können wir nur danken und ihren Sohn bitten, dass alle Menschen ihre Kinder werden mögen! Amen!

Montag, Dezember 27, 2010

Josef nahm das Kind und dessen Mutter




Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 2:13-15.19-23

13Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten.
14Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten.
15Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.
19Als Herodes gestorben war, erschien dem Josef in Ägypten ein Engel des Herrn im Traum
20und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und zieh in das Land Israel; denn die Leute, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben, sind tot.
21Da stand er auf und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel.
22Als er aber hörte, dass in Judäa Archelaus an Stelle seines Vaters Herodes regierte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und weil er im Traum einen Befehl erhalten hatte, zog er in das Gebiet von Galiläa
23und ließ sich in einer Stadt namens Nazaret nieder. Denn es sollte sich erfüllen, was durch die Propheten gesagt worden ist: Er wird Nazoräer genannt werden.







Das Kind, das wir eben erst vorgestern abends und gestern als unseren Erlöser gefeiert und verehrt haben, erleben wir heute auf besondere Weise geborgen bei seinen Eltern: Es ist die Geborgenheit, die schützt vor der Gefährdung durch Menschen, die das Kind töten wollen. Familie zeigt sich als Schutzraum für das Kind.

Dieses Thema jederzeit aktuell; denn die Bedrohungen für das Kind vom Zeitpunkt seiner Empfängnis an sind auch heute vielfältig und intensiv. Ich denke dabei an die Abtreibung, der ein werdendes Baby ausgesetzt ist, wenn es nicht den Schutzraum einer Familie hat. Oder die unguten Einflüsse, die durch die zahlreiche Medien über das Kind hereinbrechen – wenn da nicht der Schutzschild einer Familie da ist, unter dem das Kind liebende Annahme findet und einen Raum, in dem es gut bewältigen kann, was ihm Ungutes widerfährt.

Die Bedrohungen, die ich hier erwähne, sind gewiss nicht harmloser als jene, die von Herodes für Jesus ausgegangen ist.

Das heutige Evangelium zeigt zudem, dass die hl. Familie nicht aus sich heraus diesen Schutzraum gewähren kann. Sie befindet sich vielmehr selber in einem Schutzraum. In den Träumen des Josef wird deutlich: Gott ist die schützende Macht, die das Kind und seine Eltern vor dem Bösen bewahrt! Und Josef und Maria können nur deshalb das Kind beschützen, weil sie der Schutzmacht Gottes vertrauen. Von Gott geführt können sie jene Maßnahmen treffen, die das Kind effektiv schützen.

Ihr Glaube an den Gott Israels schenkt Maria und Josef das Vertrauen auf Gottes Schutz. Dieses Vertrauen macht sie hörend und empfänglich für die Weisung Gottes.

Wie sehr wünsche ich doch auch den Eltern unserer Zeit diesen Glauben. Was dieser Glaube den Eltern von heute sagen würde? Das, was Paulus im Kolosserbrief schreibt: „Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen!“ Dieses Wissen aus dem Glauben würde sie dann zu dem befähigen, was der Apostel weiter schreibt: „Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Milde, Demut, Geduld! Ertragt euch gegenseitig, und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht“ (Kol 3:12-14)

Es ist das Band der Liebe, das die hl. Familie mit Gott und miteinander verbindet. Diese Liebe schenkt ihnen Freiheit; die Freiheit Mobilität; die Mobilität Fügsamkeit für den Plan Gottes. In der Tat erleben wir die hl. Familie als Familie unterwegs. Nicht aus Reiselust sondern aus Sorge um ihr Kind; nicht nach eigenen Überlegungen sondern nach einem Reiseplan Gottes, der so beginnt, dieses Kind von Bethlehem als seinen geliebten Sohn zu offenbaren: Der Schriftverweis, dass Gott seinen Sohn aus Ägypten rufen werde (vgl Hos 11:1) und dass er Nazoräer genannt werde, machen das deutlich.

Die Freiheit von Josef kommt besonders bei seinem Aufbrechen zum Vorschein: Er stand auf, nahm das Kind und dessen Mutter und floh nach Ägypten und später dann zog er nach Israel zurück. Da gibt es sonst nichts zum Packen – nur eben das Kind und seine Mutter. Freiheit als Losgelöstheit von jeglicher Bindung an irdische Güter. Armut zugunsten einer uneingeschränkten Verfügbarkeit nach dem Willen Gottes und zum Wohl des Kindes und dessen Mutter. Es ist hier nicht einmal von einem Esel die Rede – dabei wird die hl. Familie auf der Flucht und auf ihrer Rückkehr nach Israel in der Malerei zumeist mit einem Esel dargestellt.

Diese Freiheit von Anhänglichkeit an materielle Güter darf freilich kein staatliche Freibrief sein, die finanzielle Unterstützung der Familien auf ein Mindestmaß herunterzufahren. Dies zeigt vielmehr, wie blind die Politiker für das gewaltige Zukunftspotential sind, das für unser Volk in den Familien enthalten ist.

Und doch müssen wir auch sagen, dass das rein materielle und wirtschaftliche Denken die Familien nicht nur von außen würgt sondern auch von innen her austrocknet und entkräftet. In beiden Dimensionen muss dem Menschlichen zum Vorrang verholfen werden – und das kann wirklich nur in der Liebe zu Gott und zueinander geschehen, die als Band alles zusammenhält und vollkommen macht. Amen!

Freitag, Dezember 24, 2010

Das Fleisch ist Wort geworden!






Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 1: 1 – 18


1Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
2Im Anfang war es bei Gott.
3Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.
4In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
5Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.
6Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes.
7Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.
8Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.
9Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.
10Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.
11Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
12Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben,
13die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
14Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.
15Johannes legte Zeugnis für ihn ab und rief: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war.
16Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade.
17Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus.
18Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.







Wir hörten eben die Botschaft von einem Wort. Sie trifft uns in einer Zeit vieler leerer und unnützer Worte. Denken wir an das, was in den Medien und im Showbusiness alles geredet, beredet und zerredet wird. Denken wir an den Smalltalk, dem keiner von uns sich völlig entziehen kann.

Zugleich denken wir an die Sprachlosigkeit der Menschen, die sich nichts mehr zu sagen haben, weil sie einander fremd geworden oder geblieben sind; oder die sich nicht mehr auskennen und wegen ihrer Ziellosigkeit oder ihrer Sinnlosigkeit verstummen und nicht mehr reden wollen; oder an jene Menschen, die von Leid und Kummer erdrückt, verstummen und nicht mehr reden können.

Ihnen allen steht das Wort gegenüber, das uns eben verkündet wurde: Es kommt ganz von Gott her! Sein Ursprung ist Gott; sein Inhalt ist Gott – aber sein Ziel sind wir, wir Menschen – vorerst, denn das Wort will uns ergreifen und prägen und mit nehmen zu Gott; dorthin wird das Wort letztlich zurückkehren – zusammen mit uns.

Im Hebräerbrief kommt dieses Wort vor im Rahmen eines Gespräches, das Gott durch die Propheten mit den Vätern Israels geführt hat. In diesem Gespräch bildet das Wort, das Gott durch seinen Sohn spricht, das Schlusswort: Mehr und Größeres als durch Christus hat Gott uns Menschen nicht mehr zu sagen. Durch Christus spricht Gott also dermaßen zu uns, dass Christus selber das Wort Gottes ist.

Das Wort Gottes hat Gestalt angenommen – es ist nicht bloßer Laut geblieben; es wurde Mensch wie wir. In einer Zeit wie der unseren, in der es in vieler Hinsicht zum aus der Haut fahren ist, in dieser unserer Zeit ist das Wort von Gott her in unsere Haut hinein gefahren!

Die Botschaft ist klar: Unsere Haut ist Gott teuer! Es ist für ihn keine arme Haut! Sie ist ihm eine unendlich teure und kostbare Haut – so kostbar, dass er damit sein Wort bekleidet und es in Jesus Christus Mensch werden lässt.

Unsere Haut ist Gott deswegen so teuer, weil sie sein Geschöpf ist und weil alles, was er geschaffen hat, gut – ja, sehr gut ist.

Durch sein Leben in unserer Mitte sagt Jesus, dass unser Menschsein nicht zum Davonlaufen ist sondern zum Annehmen, zum Ertragen, zum Erleiden und schließlich zum Erlöst werden.

Aus all dem können wir erkennen: Wir Menschen sind Gott sehr wohl der Rede wert!
Gegen jedes Verstummen beginnt er ein neues Gespräch in seinem Sohn Jesus Christus, im fleischgewordenen Wort!

Gegen jedes leere, sinnlose und oberflächliche Gerede spricht Gott das Wort, das Seiner voll ist: voll des Lebens, voll des Lichtes, voll der Wahrheit, voll der Liebe!

Weil Gott zu uns spricht ist die Stille nicht mehr tot; sie ist erfüllte Stille geworden, die uns zu Lauschenden werden lässt, zu Hoffenden, sich Öffnenden, und sich Ausstreckenden nach der Fülle diese Wortes, damit wir Gnade über Gnade empfangen können – und aus der Nacht wird Licht; aus der Leere Fülle; Schwäche wird zur Kraft und Tod wandelt sich in Leben.

Das Wort das Gott zu uns spricht ist ein Vor-Wort: Ein Wort, das einlädt zum Nachsprechen: Wir tun dies, indem wir Jesu Einladung in seine Nachfolge annehmen und auf seinen Spuren ein „anderer Christus“ hier auf Erden werden. Dadurch wird unser Leben eine Ant-Wort auf Gottes Wort an uns. Auf diese Weise tun wir , was Jesus tut, was Paulus im Hebräerbrief, Johannes im Evangelium tun und was die Hirten heute in der Nacht getan haben: sie sagen das Wort weiter, das Gott ihnen gesagt hat.

Mein Reden wird ein anderes, wenn ich weiß um das Wort, das mir geschenkt ist, wenn ich weiß um den, der mich zum Reden beauftragt, wenn ich um den weiß, an den ich meine Rede richten soll.

Das Wort ist Fleisch geworden damit das Fleisch Wort werde: Gott ist Mensch geworden, damit der Mensch Gott werde. Damit aber der Mensch nicht überheblich und stolz sondern segensvoll Gott werde ist Gott in Jesus Mensch geworden. Er allein zeigt den rechten Weg zur Gottwerdung des Menschen. Werden wir wie Jesus werden wir wie Gott. Um Jesus Christus dreht sich alles. Er ist der Angelpunkt unseres Heiles jetzt und in Ewigkeit! Amen!

Samstag, Dezember 18, 2010

Tun, was der Engel des Herrn befiehlt





Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 1: 18 – 24

18Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete - durch das Wirken des Heiligen Geistes.
19Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen.
20Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.
21Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.
22Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat:
23Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns.
24Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.





Wir erinnern uns des 1. Advent: Jesus hat eindringlich zur Wachsamkeit aufgerufen.

Am 2. Advent hörten wir, wie viele Menschen in ihrer Wachsamkeit auf Johannes den Täufer aufmerksam wurden. Doch der lenkte ihre Aufmerksamkeit weiter auf den, der nach ihm kommen werde, der stärker sei als er und der mit Feuer und mit hl. Geist taufen werde.

Am vergangenen 3. Advent gibt dieser Johannes selber ein berührendes Beispiel seiner Wachsamkeit für Jesus. Denn im Gefängnis bewegt ihn nicht etwa sein eigenes Schicksal und ob und wie er wohl mit seinem Leben noch einmal davon kommen werde. Ihn bewegt vielmehr dieser Jesus, und ob er es ist, der da kommen soll – nämlich der Messias – oder ob sie auf einen anderen warten müssen. Johannes hat die Aufmerksamkeit auf Jesus nicht nur gepredigt er hat sie auch gelebt. Er hat seine eigene Predigt in die Tat umgesetzt.

Und heute am 4. Advent tritt eine weitere Gestalt in unser Blickfeld, die mit dem Charisma der Wachsamkeit und Aufmerksamkeit begnadet ist: Josef, der Verlobte Marias, der Mutter Jesu!

Wir können bei ihm deutlich ein dreifache Wachsamkeit wahrnehmen: er ist wachsam sich selbst gegenüber, Maria gegenüber und Gott gegenüber.

Schauen wir uns die Dreigestalt seiner Aufmerksamkeit an wie sie der Reihe nach im Evangelium daherkommt.

Ich sagte, Josef ist wachsam gegenüber sich selber. Dies äußert sich, wie er damit umgeht, dass er erkennen muss, dass seine Verlobte von einem anderen schwanger ist. Womöglich sind wir vertraut mit dem Phänomen der Eifersucht. In dieser Haltung vertragen wir es nicht, dass von uns geliebte Menschen auch von anderen geliebt werden. Wir möchten den geliebten Menschen ganz für uns haben. Wir behandeln ihn wie einen Besitz, der nur uns gehört. So beraubt die Eifersucht den geliebten Menschen seiner Freiheit und macht mich selber zu seinem Sklaven. Ich mache mich abhängig von der geliebten Person. Die Eifersucht macht deutlich, dass ich in der geliebten Person eigentlich mich selber liebe. Die geliebte Person wird ein Mittel zum Zweck meiner Selbstliebe.

Nun, die Wahrnehmung, dass Maria von jemandem anderen schwanger ist, wird für Josef nicht zum Anlass, enttäuscht zu sein und diese Enttäuschung auf unschöne Weisen auszuleben.

Diese Wahrnehmung lässt ihn vielmehr unverzüglich schauen, wie er Maria einen möglichst guten Weg in die Zukunft ermöglichen kann. Er denkt nicht zuerst an sich sondern an Maria und an das Kind in ihr. In dieser inneren Freiheit von jeder Ichsüchtigkeit zeigt sich seine lautere Liebe und besteht seine Gerechtigkeit.

In der Wachsamkeit auf sich selber kann er Maria einen unglaublichen Freiraum schenken, in dem sie vor Josef als Frau und Mensch bestehen kann.

Und nun ereignet sich was Stilles, Verborgenes, Wunderbares: In dem Freiraum, den Josef Maria gewähren kann, hat nicht nur Maria Platz sondern viel mehr: In diesem Freiraum hat auch das Kind in ihr Platz – und wie der Verlauf zeigt: in diesem Freiraum kann sich Gott selber entfalten. Und er nimmt diese Möglichkeit zur Entfaltung ausgiebig wahr bis hinein in den letzten Winkel dieses Freiraumes – wie er es ja schon bei Maria getan hat. Auch sie hat ihm diesen Freiraum eröffnet mit dem Wort: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort“. (Lk 1:38)

Bei Josef füllt Gott den gewährten Freiraum anders aus – indem er durch seinen Engel gegenwärtig ist und dem Josef wissen lässt, was er zum Guten für das Kind und dessen Mutter zu tun hat.

Auf diese Weise „packt“ Gott den Josef von seiner besten Seite – in seiner Wachsamkeit und Aufmerksamkeit; und auch auf dieser Ebene kooperiert Josef in vollem Umfang mit Gott.

Wir können nun besser erkennen, wie wesentlich die Wachsamkeit zu unserem christlichen Leben und wie sehr sie zum „menschlichen Fundament“ der Menschwerdung Gottes gehört.

Was jedoch die Wachsamkeit Josefs und Marias in besonderem Glanz aufleuchten lässt ist, dass sie ein Spiegelbild der Wachsamkeit Gottes auf uns Menschen ist. Die liebende, wachsame Wahrnehmung von uns Menschen ist gleichsam das „göttliche Fundament“ seiner Menschwerdung.

Sie wird in den Namen ausgedrückt, die dem Sohn Mariens im Evangelium heute gegeben werden: Immanuel – Gott ist mit uns und Jesus, denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen! Amen!

Montag, Dezember 13, 2010

Hl. Johannes vom Kreuz







Den Advent 1577 – also vor 433 Jahren – hat Johannes vom Kreuz im Gefängnis von Toledo verbracht – besser gesagt: durchlitten! Diese Zeit ist für ihn wie eine dunkle Nacht. Die Schrecklichkeit dieser Nacht wird ihm bereitet durch die Lieblosigkeit, Ungerechtigkeit und Brutalität seiner Mitbrüder, die ihn in einem finsteren, engen Verließ einsperren und der bitteren Kälte jener Tage aussetzen.

Johannes wurde als religiös reifer Mensch in diese Nacht gestoßen. Wie sehr ihn die Schwere dieser Nacht menschlich auch bedrückte – er hatte das christliche Rüstzeug, sie segensreich zu bewältigen.

Dieses christliche Rüstzeug besteht im Wesentlichen in seiner Ausrichtung auf Gott. Dazu befähigte ihn sein Glaube. Der ließ ihn das erlebte Dunkel als Weg erkennen, der zu Gott hinführt – sicherer als jede Prachtstraße eines unangefochtenen, bequemen Lebens. „Das Tor, das zum Leben führt, ist eng und der Weg dahin ist schmal und nur wenige finden ihn.“ (Mt 7:14) In der graphischen Darstellung des Aufstieges zum Berg Karmel, die er dem gleichnamigen Werk voranstellt, skizziert er eben dieses Wort Jesu.

Die Ausrichtung auf Gott nahm bei Johannes die Gestalt der Kreuzesnachfolge Jesu an. Er suchte mit allen Kräften, das Wort Jesu zu leben: „ Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ (Mt 16:24)

Die christlich erlittene Gefängnisnacht macht diese für Johannes zu einer adventlichen Nacht. Eine Nacht, die nicht endlos dauert, sondern in das Licht mündet, das von Gott kommt.

Die herzliche Weise, in der er in seiner Gemeinschaft die Geburt Jesu feiert – inmitten seiner Brüder tanzt er, das Jesuskind in seinen Armen – hat eine seiner Hauptwurzeln gewiss im Erleben jenes dunklen Advent in Toledo. Genau darauf weisen auch die Romanzen hin, die er im Gefängnis gedichtet hat und die in das zentrale Geheimnis der Menschwerdung Gottes münden.

Dies alles fließt zusammen in der 5. Strophe seines Gedichtes, das er sowohl dem „Aufstieg zum Berg Karmel“ wie auch „Der Dunklen Nacht“ voranstellt. Er hat es geschrieben als mystische Frucht der Aufarbeitung jener schrecklichen toledanischen Nacht:

                  O Nacht, die führtest!
                  O Nacht, liebenswerter als das Morgengrauen!
                  O Nacht, die zusammenführtest
                  Geliebten mit Geliebter,
                  Geliebte in Geliebten überformtest!

Wandel der Nacht in einem doppelten Sinn wird hier erlebbar: Das Wandeln in der Nacht als ein mutiges Ausschreiten in der Liebe wird zu einer Wandlung in den Anderen – Gottes in den Menschen und des Menschen in Gott!

Johannes stimmt in dieser Liedstrophe geradezu einen Hymnus an auf jene Nacht und das Loblied der Engelchöre in der Nacht von Bethlehem klingt unüberhörbar mit: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade“ (Lk 2:14)

Es ist in der Tat die Übermacht der Gnade, die das Licht zur Mitte der Nacht macht: Christus wurde in der Nacht auf den Feldern Bethlehems geboren; er starb, „als eine Finsternis über das Land kam und die Sonne sich verdunkelte“ (vgl. Lk 23:44f); und frühmorgens, als eben erst die Sonne aufging, war er schon aus dem Grab erstanden.

Seitdem Gott dermaßen in Christus die Nacht leidend und sterbend aus Liebe durchschritten hat, ist ihr Schrecken gebrochen, denn ER hat den Tod besiegt und uns unvergängliches Leben gebracht. Und in der Kreuzesnachfolge Jesu dürfen wir an diesem Sieg über die Nacht teilhaben. Gewiss, auch uns wird das Leiden nicht erspart bleiben an dem, was in unserem Leben noch Nacht ist, weil es noch der Erlösung bedarf. Aber in Christus ist uns der Sieg gewiss. In IHM gehören wir nicht mehr der Nacht und nicht mehr der Finsternis. Wir alle sind Kinder des Lichts und Kinder des Tages (vgl. 1 Thess 5:5) Und Paulus fährt in 1 Thess dann fort: „Darum wollen wir nicht schlafen wie die anderen sondern wach und nüchtern sein.“ Diese Wachsamkeit hat Johannes uns gerade in der Nacht vorgelebt und in ihr wollen wir dem kommenden Herrn entgegengehen! Amen!

Samstag, Dezember 11, 2010

Johannes im Gefängnis





Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 11: 2 – 11

In jener Zeit
2hörte Johannes im Gefängnis von den Taten Christi. Da schickte er seine Jünger zu ihm
3und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?
4Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht:
5Blinde sehen wieder, und Lahme gehen; Aussätzige werden rein, und Taube hören; Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet.
6Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.
7Als sie gegangen waren, begann Jesus zu der Menge über Johannes zu reden; er sagte: Was habt ihr denn sehen wollen, als ihr in die Wüste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt?
8Oder was habt ihr sehen wollen, als ihr hinausgegangen seid? Einen Mann in feiner Kleidung? Leute, die fein gekleidet sind, findet man in den Palästen der Könige.
9Oder wozu seid ihr hinausgegangen? Um einen Propheten zu sehen? Ja, ich sage euch: Ihr habt sogar mehr gesehen als einen Propheten.
10Er ist der, von dem es in der Schrift heißt: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen.
11Amen, das sage ich euch: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er.






Johannes der Täufer im Gefängnis. Machtlos. Hilflos. Was beschäftigt ihn? Es ist dieser Jesus von Nazaret und was er von seinen Taten hört. Er kennt sich bei diesem Jesus nicht aus. Er ist sich unsicher, ob er der Messias ist; denn als den hat er ihn ja am vergangenen Sonntag vorgestellt; wir erinnern uns: „ Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Schon hält er die Schaufel in der Hand; er wird die Spreu vom Weizen trennen und den Weizen in seine Scheune bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.“ (Mt 3:11f)

Diese Ankündigung des Messias kann er jedoch in dem, was er von Jesus hört, nicht recht wiederfinden. Das macht ihn unsicher und lässt ihn nachfragen.

Johannes wendet sich in seinem Zweifel schließlich an Jesus selber; nachdem er zuvor mit seinen Jüngern über Jesus gesprochen hat sucht er nun das Gespräch mit Jesus selber. Dabei hätte er ihn bestimmt am liebsten selber gefragt; doch war ihm dies nicht möglich, weil er im Gefängnis war. So hat er seine Jünger mir dieser brennenden Frage zu Jesus geschickt. Er hat sich an vertraute Menschen gewandt, die in der Lage waren, mit Jesus zu sprechen.

Johannes ist eine Erinnerung an unsere eigenen Zweifel an Jesus und an die Fragen, die wir an ihn haben. Dabei ist das Gespräch über ihn, das theologisch geistliche Gespräch eine große Hilfe sein. Die Qualität und die Güte dieses Gespräches erweist sich jedoch darin, dass es hinführt zum Gespräch mit Jesus selber im Gebet. So verläuft der Königsweg im Umgang mit unseren Glaubenszweifeln und theologischen Problemen!

Und wenn uns Gefangenschaft in irgend einer Form den Weg zu Jesus versperrt, dann holen wir doch andere zu Hilfe, die Zugang zu Jesus haben und die in unserem Namen mit ihm sprechen. Das fürbittende Gebet ist eine gute Möglichkeit, den Kontakt mit Jesus aufzunehmen und zu pflegen.

So gesehen sind mir die Jünger des Johannes eine lebendige Erinnerung an die Heiligen und Seligen, an die großen Beter und Fürbitter unserer Kirche.

Unserer Aufmerksamkeit entgeht nicht die Empfehlung, die uns Johannes indirekt für den Advent gibt:
Dass diese Zeit ein Raum ist, indem unsere Zweifel am Herrn und unsere Fragen an ihn Platz haben;

dass es eine Zeit des Gespräches ist über Jesus – einmündend schließlich in das Gespräch mit Jesus.

Der Advent eine Zeit des Suchen und Ringens um eine tiefere Einsicht in den Herrn durch Gespräch und Gebet. Im Gespräch und im Gebet erwarten wir, dass der Herr uns in tieferer Klarheit entgegenkommt.

In seiner Antwort auf den Täufer wählt Jesus dann die Form der Gegenwart: „Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder, und Lahme gehen; Aussätzige werden rein, und Taube hören; Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet. Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.“ (Mt 11:4-6)

Nicht nur, dass er damit die Verheißung des Propheten Jesaja aufgreift und bestätigt, die wir in der ersten Lesung (Jes 35:1-6a.10) gehört haben; vielmehr noch erinnert er an den Namen Gottes, in dem dieser sich dem Mose im brennenden Dornbusch geoffenbart hat: Ich bin der ICH BIN DA! (Ex 3:14) Im Wirken Jesu erweist sich der Gott Israels als der Gegenwärtige, der Lebendige, der Befreiende und Heilende.

Advent bedeutet für Johannes ein Weg vom Messias, den er verkündet hat zum Messias, der ihm verkündet wurde. Diesen Weg ist er demütig gegangen als Gefangener, als Hilfloser, als Armer. Dieser Weg führt ihn jedoch in einen unvorstellbaren inneren Reichtum, in eine überaus große innere Kraft; denn er führt ihn in die Gegenwart des lebendigen Gottes.

Wie wird das seine wankenden Knie fest und seine erschlafften Hände stark gemacht haben.

Er wird die Herrlichkeit des Herrn und die Pracht Gottes gesehen haben.

Wie der Bauer wird er sich gefühlt haben, der die kostbare Frucht der Erde erwarten konnte und diese Frucht nun genießt. Als ein im Herrn Gewandelter wird er seinen Weg in Gefangenschaft fortgesetzt und im Blutzeugnis vollendet haben.

Von dieser Erfahrung her können wir den Eröffnungsvers zum heutigen Sonntag mitvollziehen: Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Denn der Herr ist nahe. Amen!

Dienstag, Dezember 07, 2010

Maria - Begnadete!




Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 1: 26 – 38

26In jener Zeit wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret
27zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.
28Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.
29Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.
30Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.
31Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.
32Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
33Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.
34Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?
35Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.
36Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat.
37Denn für Gott ist nichts unmöglich.
38Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.






Wir haben eben die Geschichte von der Empfängnis des Herrn durch die Jungfrau Maria gehört. Im Verlauf der Begegnung mit dem Engel Gabriel ist sie Mutter Gottes geworden.

Jedoch ist das heutige Festgeheimnis Mariens eigene Empfängnis; in neun Monaten feiern wir demnach das Fest ihrer Geburt.

Wie hängen nun die beiden festlichen Ereignisse zusammen?

Im heutigen Evangelium wird hingewiesen darauf, dass Maria von jeher für die Aufgabe vorbereitet wurde, Mutter Gottes zu sein. Und dieses „von Jeher“ meint zum einen vom ersten Augenblick ihrer Empfängnis im Leib ihrer Mutter Anna.

Und zum anderen meint es, dass Gott sie von Ewigkeit her als Mutter seines Sohnes in seinen Heilsplan einbedacht hat.

Wo kommt dies im heutigen Evangelium zum Ausdruck? Im Wort des Engels: „Du Begnadete, der Herr ist mit dir!“ Der Engel sagt nicht: „Du warst begnadet“, oder: „Du bist jetzt begnadet“, oder: „Du wirst begnadet sein!“ Der Engel bezeichnet sie als Begnadete – ohne zeitliche Einschränkung! Das heißt, dass die Begnadung, die da der Engel von ihr aussagt, ihr ganzes Leben von Anfang bis zum Ende umfasst und darüber hinausreicht in die Ewigkeit vor und nach ihrem irdischen Leben.

Und er fügt gleich an, worin diese Begnadung besteht: „Der Herr ist mit Dir!“ Und auch hier wieder diese zeitliche Unbegrenztheit, die leider nur im Griechischen Urtext zum Ausdruck kommt: Dort heißt es wörtlich übertragen: „Der Herr mit Dir!“ Weder „war mit dir“, noch „ist jetzt mit dir“ noch „wird mit dir sein!“

„Der Herr mit Dir“ – das meint jene Gegenwart Gottes in ihrem ganzen Leben, die jeglichem Bösen grundsätzlich den Zugang verweigert. In ihrem Leben ist von Anfang bis zum Ende die reine, ungetrübte Güte Gottes da!

Wenn ich daher auf Maria schaue, dann blicke ich in die kristallklare Anwesenheit Gottes im Leben eines Menschen; ich finde nur Umschreibungen für diese Schönheit; und allesamt reichen sie nicht aus, um sie auch nur annähernd zu beschreiben. So bleibt zuletzt ein Verstummen und ein Staunen, das übergeht in ein Freuen und Danken und Loben. Da die Freude die angemessenste Reaktion auf dieses Handeln Gottes an ihr ist, fordert der Engel Gabriel sie gleich zu Beginn des Gespräches dazu auf: „Freue Dich!“ Durch diesen Freudengruß dürfen wir uns alle angesprochen und gegrüßt wissen und eingeladen, uns mit ihr zu freuen über, das Große, was Gott an ihr tut.

Diese Freude bleibt nicht eine Freude von eigentlich Unbeteiligten – so als beträfe die gnadenhafte Gegenwart in ihrem Leben nur Maria alleine. Gewiss, es ist allein schon das ein Grund zur Freude, dass Gott so an einem Menschen handelt, wie er es an Maria getan hat.

Ich habe oben schon gesagt, dass Gott auf diese Weise Maria als Mutter seines Sohnes in seinen Heilsplan einbedacht hat. Darauf hin zielt die Begnadung durch Gottes Gegenwart, dass diese Gegenwart sich dermaßen verdichtet, dass sie im Schoß Mariens Mensch wird. „Gott ist nicht zu ihr gekommen, um ihr bloß einen Besuch abzustatten – sondern er ist auf neue geheimnisvolle Weise in sie hineingekommen, um aus ihr geboren zu werden. ... So ist Maria wirklich zu Mutter geworden für jene, die aus der Gnade leben“ (Petrus Chrysologus, Predigt 140) Doch dieses Geheimnis zu entfalten ist uns für das Weihnachtsfest vorbehalten.

Hören wir abschließend einen andern Kirchenvater, wie er das Geheimnis des heutigen Festtages bestaunt: „Andere empfangen Gnade stückweise; in Maria hat sich auf einmal die Fülle der Gnade selbst ergossen. Sie ist wirklich voll der Gnade durch den, der über jedes Geschöpf die Fülle des Hl. Geistes ausgegossen hat. Aber Der, Der den Engel zu Maria sandte, war zuvor schon bei der Jungfrau. Der Herr ist seinem Botschafter vorausgegangen, denn Der kann durch keinen Ort begrenzt werden, Der an allen Orten wohnt.“ (Pseudo-Hieronymus)

Verweilen wir beim Staunen über das heutige Festgeheimnis und freuen wir uns aus ganzem Herzen darüber, denn auch dies geschieht zu unserem Heil. Im staunenden Schauen und im frohen Danken tun wir das Beste zu unserer Vorbereitung auf das Kommen des Herrn in unserem Fleisch. Wir reinigen dadurch unsere Fleisch, damit es der Herr nehmen und zu seinem machen kann. Amen!

Sonntag, Dezember 05, 2010

Kehrt um! Das Himmelreich ist nahe!





Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 3: 1 – 12


1In jenen Tagen trat Johannes der Täufer auf und verkündete in der Wüste von Judäa:
2Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.
3Er war es, von dem der Prophet Jesaja gesagt hat: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!
4Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften; Heuschrecken und wilder Honig waren seine Nahrung.
5Die Leute von Jerusalem und ganz Judäa und aus der ganzen Jordangegend zogen zu ihm hinaus;
6sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen.
7Als Johannes sah, dass viele Pharisäer und Sadduzäer zur Taufe kamen, sagte er zu ihnen: Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt?
8Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt,
9und meint nicht, ihr könntet sagen: Wir haben ja Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Steinen Kinder Abrahams machen.
10Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.
11Ich taufe euch nur mit Wasser (zum Zeichen) der Umkehr. Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
12Schon hält er die Schaufel in der Hand; er wird die Spreu vom Weizen trennen und den Weizen in seine Scheune bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.




Letzten Sonntag haben wir den Advent betreten durch die Türe der Wachsamkeit. Die findet gleich Nahrung in der Gestalt des Täufers, die uns im heutigen Evangelium begegnet. Dabei richten wir unsere Aufmerksamkeit sowohl auf die Erscheinung dieses Mannes wie auch auf seine Botschaft. Sein Aussehen und seine Botschaft geben unseren wachsamen Sinnen reichlich Nahrung.

Die Hauptsache gleich zuerst: Seine Botschaft in Kurzformat: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe! Das ist kein Smalltalk sondern eine Verkündigung, eine Predigt! Das ist die Substanz seines Redens und seines Lebens! Wegen dieser Botschaft steht er dort in der Wüste am Jordan. Und wie er dort steht, im Gewand aus Kamelhaaren, mit einem Ledergürtel um die Hüften, bezeugt, dass er selber mitten in dieser Umkehr drinnen steht. Er predigt, was er selber vollzieht!

Und gleich fügt der Evangelist an, dass Johannes dies alles nicht in Eigenregie tut: Jemand steht hinter ihm! Der, dem er sich als Stimme zur Verfügung stellt! Der, dem ein Weg durch diese Stimme bereitet werden soll: DER HERR!

Johannes stellt sich dem Herrn als Stimme zu Verfügung: ER darf reden durch seine Botschaft und durch sein Lebenszeugnis. Darin ist er den Propheten des alten Bundes gleich, die sich in ihrem Wort und in ihrem Leben völlig dem Herrn verschrieben haben.
So konnte der Herr schon bei ihm ankommen und zeigen, was es heißt, dass das Himmelreich nahe gekommen ist.

So vernimmt unser wachsames Ohr bereits eine wichtige Botschaft für uns: Das nahe Himmelreich hat mit meiner Bereitschaft zu tun, mich dem Herrn zur Verfügung zu stellen, mich sein Wort sein zu lassen in Wort und in Tat. Der Herr möchte uns nicht nur zu Hörern seines Wortes machen sondern in der Folge auch zu Verkündern seines Wortes durch unser Reden und unser Tun! Sehen wir nun, wohin uns die Wachsamkeit führt: Sie führt uns zur Verfügbarkeit für den Herrn. Sie führt uns zur Durchlässigkeit für den Herrn! Und siehe da: Der Advent ist kein müßiges sondern ein bereitwilliges Warten!

In seiner Predigt nimmt der Täufer sich dann die Pharisäer und Sadduzäer vor, die glaubten, der Umkehr nicht zu bedürfen und die sich dabei auf ihren Stammvater Abraham berufen. Sie glaubten, die Verdienste Abrahams werde sie vor Gottes Gericht bewahren; darum könnten sie sich eine Umkehr ersparen! Sie möchten sich gar zu gerne ausruhen auf den Lorbeeren Abrahams. Aber diese Rückbesinnung auf den Stammvater bedeutet ein Leben in der Vergangenheit, das keinerlei Frucht für die Gegenwart bringt. Sie ist eine Flucht vor der in der Gegenwart erforderlichen Umkehr. Und diese Umkehr erweist sich in entsprechenden Früchten.

Unserer Wachsamkeit entgeht die Botschaft nicht: Es zählt das Jetzt! Die Gegenwart! Rückbesinnung auf wen auch immer ist nur Ziel führend, wenn sie uns in der Gegenwart verwurzelt und uns bereitet, die Gegenwart zu ertragen, zu meistern, zu gestalten! Nur als Gegenwärtige kann der Herr uns antreffen und wir den Herrn! Darum können wir ihn auch nur als Gegenwärtige sinnvoll erwarten. Denn er ist die Gegenwart in Person.

Und auf diese Person des Herrn richtet Johannes in der Folge seine Zuhörer dann aus, indem er von dem spricht, der nach ihm kommen wird: Ich zwar taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, dessen Sandalen zu tragen ich nicht würdig bin; er wird euch mit Heiligem Geist und Feuer taufen; seine Worfschaufel ist in seiner Hand, und er wird seine Tenne durch und durch reinigen und seinen Weizen in die Scheune sammeln, die Spreu aber wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen.“ (MT 3:11f)

Wir sind am Höhepunkt der Täuferpredigt angelangt: Der Sinn und Das Ziel seines Redens und Lebens ist es, hinzuweisen auf Jesus. In ihm kommt das Leben und Reden des Täufers zur Vollendung. In diesem Jesus ist das Himmelreich auf endgültige und nicht mehr zu überbietende Weise nahe gekommen. Auf diesen Jesus ordnet er sein ganzes Leben hin. Zu ihm will er seine Zuhörer hinführen; für ihn will er sie vorbereiten.

Und ich nehmen aufmerksam wahr, dass mein Leben dann ein Leben in der Erwartung des Herrn ist, wenn daran unmissverständlich ablesbar ist, dass der Herr stärker ist als ich. Amen!

Samstag, November 27, 2010

Seid wachsam!





Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 24: 37 – 44


In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
37Wie es in den Tagen des Noach war, so wird es bei der Ankunft des Menschensohnes sein.
38Wie die Menschen in den Tagen vor der Flut aßen und tranken und heirateten, bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging,
39und nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach und alle wegraffte, so wird es auch bei der Ankunft des Menschensohnes sein.
40Dann wird von zwei Männern, die auf dem Feld arbeiten, einer mitgenommen und einer zurückgelassen.
41Und von zwei Frauen, die mit derselben Mühle mahlen, wird eine mitgenommen und eine zurückgelassen.
42Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.
43Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht.
44Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.





Seid wachsam! Jeden Raum betreten wir durch eine Tür. Den Raum des Advent sollen wir durch die Türe der Wachsamkeit betreten. Das ist eine Haltung andauernder, gespannter Aufmerksamkeit. Worauf sind wir aufmerksam? Auf das, was uns neugierig macht; auf das, was wir unbedingt haben möchten; auf das, was wir unbedingt sein möchten; auf das, was wir lieben.

Jesus legt uns nicht nur die Haltung der Wachsamkeit eindringlich ans Herz! Er gibt dieser Haltung zugleich eine Richtung: Nicht ins Ungewisse hinein sollen wir wachsam sein! Wer brächte das auch zustande? Wer könnte so was nachvollziehen. Jesus weiß vielmehr, dass unsere Wachsamkeit ein Ziel braucht von dem her und auf das hin sie leben kann: Dieses Ziel ist die Ankunft des Menschensohnes. Und da haben wir auch schon den Haken: Denn wer ist dieser Menschensohn für uns? Was bedeutet er uns? Um unserer Wachsamkeit das Ziel noch klarer vor Augen zu stellen bestimmt er die Gestalt des Menschensohnes genau: Es geht um euren Herrn: „Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt!“ (Mt 24:42) Und dieser euer Herr ist kein anderer als Jesus selber!

Mit dieser Einsicht ist der Haken nun aber nicht geradegebogen – er wird vielmehr noch schmerzlicher, peinlicher; denn nun stellt sich die Frage: Wie sehr interessiert mich Jesus, wie sehr bin ich neugierig auf ihn, wie sehr liebe ich ihn – dass ich meine ganze Aufmerksamkeit auf den Zeitpunkt X hin sammle, an dm er kommt? Die Peinlichkeit dieses Hakens liegt darin, dass wir als Christen nach diesem Jesus benannt sind und dadurch ein Naheverhältnis angedeutet wird, das geradezu nach dieser Wachsamkeit verlangt, die Jesus von uns fordert.

Wären wir Muslime oder Anhänger einer Naturreligion, bräuchte uns das Wort Jesu nicht näher berühren! Nun aber heißen wir Christen! Und die Frage steht im Raum: Sind wir es auch?

Diese Frage wird beantwortet durch unsere Bereitschaft und unsere Fähigkeit, wachsam sein zu können für das Kommen Jesu.

Jesus gibt in seinem Weckruf Alternativen für unsere Wachsamkeit. Er zählt also auf, worauf wir sonst unsere Aufmerksamkeit lenken könnten. Er verwendet dazu die biblische Erzählung von Noach und seiner Arche. Er zählt auf, wie die Leute sich damals verhalten haben, ehe die Flut sie hinwegraffte: Sie aßen und tranken und heirateten und ahnten nichts.

Jesus zählt mit anderen Worten alltägliche, normale Tätigkeiten auf. Denen können wir aus unserem Leben noch andere hinzufügen. Dieses alltägliche Leben der Zeitgenossen des Noach war jedoch begleitet von einer völligen Ahnungslosigkeit. Die wäre aber überwindbar gewesen, indem die Leute dem Noach eben Aufmerksamkeit geschenkt und mit ihm geredet hätten. Sie haben ihn jedoch als Spinner abgetan.

Ich denke, Jesus beschreibt damit sehr genau auch das Leben eines jeden von uns: Wir interessieren uns für Essen und Trinken und Kleidung; dem können wir unser Auto anfügen und unser Hobby; vergessen wir nicht unsere Leidenschaften und Abhängigkeiten, von denen wir lieber nicht öffentlich reden. Und schließlich zur Beruhigung unseres schlechten Gewissens ein gutes Werk in irgendeiner Form.

Die Sache ist nun die, dass die Wachsamkeit, die Jesus meint, nicht etwas von uns fordert – sie fordert uns selber! Die Sehnsucht nach dem Herrn, die zur Wachsamkeit auf sein Kommen bewegt, können wir nur mit dem Einsatz unserer Person leben! Den Prozess des Aufwachens und der Wachsamkeit auf das Kommen das Herrn fasst Paulus in das Wort: „Legt als neues Gewand den Herrn Jesus Christus an!“ (Röm 13:14a)

Wie das geht beschreibt ein griechischer Kommentator zum heutigen Evangelium: Wachsam sein bedeutet nicht nur, die Zugänge zur Seele von Bösem frei zu halten; es heißt vielmehr, sie mit Gutem zu besetzten: dass also der Mund Heiliges spreche; die Ohren Heiliges hören; die Augen Heiliges sehen, das Herz Heiliges bedenke!

So gehen wir auf dem Weg der Heiligkeit dem Herrn entgegen;
So warten wir hellwach auf das Kommen unseres Herrn Jesus;
So bereiten wir uns durch Taten der Liebe auf seine Ankunft vor.
Der Herr schenke uns dazu im Advent das Wollen und das Vollbringen! Amen!