Samstag, Januar 30, 2010

Gott nach Maß


+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 4: 21 – 30


In jener Zeit

21begann Jesus in der Synagoge in Nazaret darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.


22Seine Rede fand bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete, und sagten: Ist das nicht der Sohn Josefs?


23Da entgegnete er ihnen: Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! Wenn du in Kafarnaum so große Dinge getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier in deiner Heimat!


24Und er setzte hinzu: Amen, das sage ich euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt.


25Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam.


26Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon.


27Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman.


28Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut.


29Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen.


30Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg.



Das Evangelium stellt im Zeitraffer den Verlauf von Jesu Leben dar: Anfängliche Begeisterung – zunehmende Ablehnung, die schließlich in seinen Tod am Kreuz mündet.


Wie konnte es nur zu diesem Stimmungswandel kommen?


Das hängt mit der Gotteserfahrung zusammen, die Jesus bei der Taufe am Jordan erfahren hat und die er dann in vierzig Wüstentagen verarbeitet hat, in denen er vom Teufel in Versuchung geführt wurde (vgl. Lk 4:2) Die Erfahrung am Jordan hat ihn eine unbeschreiblich tiefe Gottesnähe erleben lassen. Was das für sein Leben bedeutet – damit musste er selber einmal ins Klare kommen; und dass dieser Weg der Läuterung kein Spaziergang für ihn war – darauf weisen die drei Versuchungen durch den Teufel hin.


Sagen wir es so: Die Erfahrung seiner Nähe zu Gott hat ihn den Menschen entfremdet. Jesus machte gerade den Leuten seiner Heimat bewusst, dass ihr Gott Jahwe, den sie so gut zu kennen meinen und d er ihnen so vertraut ist, eigentlich ein befremdlicher Gott ist – rätselhaft, widersprüchlich, aufstörend; auf alle Fälle kein Gott, den man unbekümmert in der Tasche hat.


Jesus belegt das mit zwei Geschichten aus den hl. Schriften der Juden: Mit der des Propheten Elia und der Witwe von Sarepta und mit jener des Propheten Elischa und des Syrers Naaman. Ein befremdlicher Gott, der bei den Fremden ankommt. Die Propheten werden hineingezogen in die so unfassbare Andersheit Gottes. Und sie teilen das Schicksal dieses Gottes: sein „Nicht verstanden werden“, sein „Abgelehnt werden“, und oft genug sein „Getötet werden.“ Dennoch bleiben seine Propheten – wenn auch nicht selten mit Jammer und Klage – diesem Gott treu und verkünden – gelegen oder ungelegen – seine Botschaft; und das ist ein Hinweis auf ihre Echtheit und darauf, dass sie sich wirklich dem lebendigen Gott Jahwe verpflichtet wissen – und nicht jenen Kräften, die von ihm fortführen, von denen es zu allen Zeiten mehr als genug gibt und die damals wie heute Götzendienst heißen.


Jesus hat selber diesen so ganz anderen, scheinbar feindlich gesinnten Gott erfahren müssen – in seinen letzten Zügen am Kreuz: Dennoch bleibt er mit diesem Gott im Gespräch: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, und legt sterbend seinen Geist in dessen Hände (vgl. Lk 23:46)


Hüten wir uns, Gottes gewiss zu sein. Er will ein Gott für uns sein, der sich uns je neu schenken möchte. Er ist kein Gott der Schablonen. Und wenn Gott uns fremd und unannehmbar erscheint, dann deshalb, weil wir jene Jugendfrische und Lebendigkeit des Glaubens verloren haben, in der Gott in unserem Leben da sein durfte als der, der er ist. (vgl. Ex 3:14)


Das heißt nicht, dass wir Gott nicht mehr vertrauen könnten sondern nur, dass wir unser Vertrauen nicht vergeuden an ein Gottesbild, das unseres ist aber längst nicht mehr das Seine. Vielmehr werden wir zu einem Vertrauen herausgefordert an jenen Gott, der sich uns je neu mitteilen möchte – nach seinem Ermessen freilich und nicht nach unserem; das ist das Vertrauen, das Jesus von uns erwartet.


Das Evangelium von heute ist ein Weckruf an uns: Kleiden wir diesen Ruf in Worte eines Mannes, der in den dunklen Nächten seiner Läuterung diesen Gott zutiefst in seiner andersartigen Fremdheit erfahren hat – aber gerade auf diese Weg demselben Gott ganz nahe gekommen ist:

Wenn du bei etwas in Gott stehen bleibst,

unterlässt du es, dich ganz auf Gott zu werfen;

Um ganz zu Gott zu kommen,

musst du dich bei allem in Gott zurücknehmen;

Und wenn du dazu kommst, Gott ganz zu haben,

musst du ihn haben, ohne etwas zu wollen;

denn wenn du etwas in Gott willst

hast du nicht lauter in Gott deinen Schatz. (vgl. Johannes vom Kreuz 1S1,12)


Erst wenn wir bereit sind, Gott nicht mehr besitzen zu wollen und als unser Eigentum zu betrachten, können wir sein Eigentum sein, kann er uns ergreifen – und wir werden jene Freude und jenen Frieden erleben, ihm ganz gehören zu dürfen. Amen!

Sonntag, Januar 24, 2010

Erfüllt von der Kraft des Geistes


Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 4: 14 – 21

14Jesus kehrte, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend.


15Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen.


16So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Schrift vorzulesen,


17reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja. Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt:


18Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze


19und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.


20Dann schloss er das Buch, gab es dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.


21Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.




Wenn wir im Evangelium hören, dass Jesus aus der Wüste nach Galiläa zurückkehrt, dann nicht, weil ihm dort langweilig geworden wäre oder er sich dort gefürchtet hat. Die treibende Kraft ist vielmehr der hl. Geist: Erfüllt von der Kraft des Geistes kehrt Jesus nach Galiläa zurück.


Dieser Geist hat ihn in die Wüste geführt; in diesem Geist hat er dem Bösen erfolgreich Widerstand geleistet; dieser Geist führt ihn jetzt wieder zurück unter die Menschen.


Wozu bewegt ihn der hl. Geist in der menschlichen Gemeinschaft? Zum Beispiel dazu, dass er sich dem religiösen Brauchtum einfügt und wie gewohnt am Sabbat in den Gemeindegottesdienst geht.


Dieser Geist eröffnet ihm in der Folge den Zugang zur hl. Schrift. Denn er erlässt ihn erkennen, dass die Bibelstelle aus dem Propheten Jesaja ihn selber meint. In diesem hl. Geist ist Jesus ganz offen und berührbar für das Schriftwort, das er inmitten der Gemeinde vorliest. Er erkennt: Mit diesem Wort Gottes bin ich gemeint; dieses Wort spricht Gott direkt zu mir. Mit diesem Wort gibt Gott mir mein Lebensprogramm vor:

Auf mir ruht der Geist des Herrn;

mich hat der Herr gesalbt;

mich hat der Herr gesandt, den Armen eine gute Nachricht zu bringen; Gefangenen die Entlassung zu verkünden, Blinden das Augenlicht, Zerschlagene in Freiheit zu setzen.

Ich soll ein Gnadenjahr des Herrn ausrufen.


Was am Jordan in der Taufe an Jesus geschehen ist – das Herabkommen des hl. Geistes auf ihn in Gestalt einer Taube und die Stimme vom Himmel, die ihn geliebten Sohn nennt – beginnt sich nun in seinem Leben umzusetzen: In der Kraft dieses hl. Geistes erkennt er im Prophetenwort die Vaterstimme am Jordan wieder, er erfasst dieses Wort als Lebensauftrag von seinem Vater und nimmt diesen Auftrag an – so kann Jesus abschließend sagen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt. Diese Erfüllung meint, dass das Wort ganz bei Jesus angekommen ist, dass es ihn betrifft und erfüllt und dass es fortan sein Leben prägen wird. Und wie diese Lebensprägung dann genau aussieht – genau das wird Lukas in seinem Evangelium entfalten.


Auf dem Hintergrund des heutigen Evangeliums ist es durchaus begreiflich, dass wir unsere Bibelrunden und jeglichen Umgang mit dem Wort Gottes der Führung des hl. Geistes anvertrauen.


Wir erleben also, wie Jesus in der Kraft des hl. Geistes seine Beziehung zu Gott gestaltet über das Wort Gottes, das ihn aus dem Propheten Jesaja anspricht.


In der Kraft des hl. Geistes wird aber nicht nur Jesu Beziehung zu Gott geformt sondern auch sein Verhältnis zu den Menschen. Denn durch das totale Betroffensein vom Schriftwort wird sein Leben auf die Menschen hingeordnet und zwar so, dass sein Leben zu einem Segen wird für die Armen, die Gefangenen, die Blinden, die Zerschlagenen.


Erfüllt von der Kraft des Geistes wird Jesus

zum Reichtum für die Armen,

zum Licht für die Blinden,

zum Heil für die Kranken,

zur Vergebung für die Sünder,

zum Trost für die Trauernden,

zum Leben für die Toten.


In der Kraft dieses Geistes erkennt Jesus, was Gott ihm für die Menschen gegeben hat und in der Kraft dieses Geistes ist er bereit, es den Menschen zu geben.


Es beginnt sich der eine Leib Christi mit den vielen Gliedern abzuzeichnen, von dem wir in der Lesung aus dem 1. Korintherbrief gehört haben. Und gerade dieser Geist Jesu ist es, in dem der eine Leib Christi gestaltet wird. Dieser Geist ist das Leben des Leibes Christi.


Darum ist es wichtig, erfüllt von der Kraft des Geistes zurückzukehren – aus den Zeiten der Einsamkeit in die Gemeinschaft und umgekehrt; aus dem Gebet in den Dienst an den Geschwistern und umgekehrt; aus diesem Gottesdienst nach Hause und umgekehrt.


Denn es ist genau dieser Geist, in dem wir erkennen können, was Jesus für uns bedeuten möchte; erkennen und annehmen.


Es ist genau dieser Geist, in dem auch uns das Wort Gottes treffen, prägen und bewegen möchte; in genau diesem Geist möchte Gott auch unser Denken, Reden und Tun lenken – so, dass der eine Leib Christi immer lebendiger und wirklicher werde und dieser Leib jene Gestalt annehme, die er im Sinne hatte, als Jesus Christus, sein geliebter Sohn in der Kraft des Geistes nach Galiläa zurückkam, um allen Armen eine gute Nachricht zu bringen und ein Gnadenjahr des Herrn auszurufen. Amen!

Samstag, Januar 16, 2010

Wasser, das zu Wein geworden war


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 2: 1 – 11


1Am dritten Tag fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt, und die Mutter Jesu war dabei.


2Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen.


3Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.


4Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.


5Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut!


6Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, wie es der Reinigungsvorschrift der Juden entsprach; jeder fasste ungefähr hundert Liter.


7Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis zum Rand.


8Er sagte zu ihnen: Schöpft jetzt, und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist. Sie brachten es ihm.


9Er kostete das Wasser, das zu Wein geworden war. Er wusste nicht, woher der Wein kam; die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es. Da ließ er den Bräutigam rufen


10und sagte zu ihm: Jeder setzt zuerst den guten Wein vor und erst, wenn die Gäste zu viel getrunken haben, den weniger guten. Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.


11So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn.





Die Hochzeit von Kana zählt neben der Taufe im Jordan und der Huldigung durch die Sterndeuter zur dritten weihnachtlichen Offenbarung Jesu.


Mir kommt dieses Ereignis vor wie eine Nachlese von Weihnachten: Zusammenfassend wird deutlich, was zu Weihnachten geschehen ist: Wie sich bei der Hochzeit zu Kana zwei Menschen miteinander verbinden so haben sich in der Weihnacht Gott und Mensch miteinander verbunden. Das Brautmotiv steht dabei im Vordergrund: Der Himmel hat sich mit der Erde vermählt; Gott mit dem Menschen. In Christus hat Gott sich unsere Menschheit unauflöslich angeeignet; zugleich hat sich in Christus ganz ein Mensch für Gott entschieden. Ein gegenseitiger Bund, wie er inniger, hingebungsvoller und segensreicher nicht sein könnte. Maria hat durch ihr bedingungsloses Ja zum Willen Gottes diese Verbindung ermöglicht und vorbereitet.


Ähnlich schreibt Augustinus: „Wie soll das verwunderlich sein, dass der Herr in jenes Haus zur Hochzeit ging, der zur Hochzeit in diese Welt kam? Er hat nämlich eine Braut, die er mit seinem Blut erlöste, der er den Heiligen Geist zum Unterpfand gab, und die er mit sich im Schoß der Jungfrau vereinte. Denn das Wort ist der Bräutigam, und die Braut ist das menschliche Fleisch. Und sie beide sind der eine Sohn Gottes und zugleich der Menschensohn. Jener Schoß der Jungfrau Maria ist sein Brautgemach, aus dem er hervorging wie der Bräutigam aus seinem Brautgemach (Ps 19, 6)“


Jesus offenbart bei der Hochzeit seine Herrlichkeit nicht durch eine religiöse Zeremonie sondern indem er sorgt, dass die Leute genug Wein zu trinken bekommen. Er schaut, dass ein Mangel durch Überfluss behoben wird. Damit bringt er das weihnachtliche Geschehen auf den Punkt und beantwortet die Frage nach dem Warum dieses Geschehens:

Damit dem erlösungsbedürftigen Menschen Erlösung geschenkt werde;

damit der göttliche Reichtum der menschlichen Armut abhelfe;

damit dem Menschen, der nach Liebe und Lebensfülle dürstet eben diese Liebe und diese Lebensüberfülle geschenkt werde.

Dafür soll die Wandlung des Wassers in Wein ein Zeichen sein.


Jesus setzt dieses Zeichen, weil er den Leuten etwas zeigen will: Dass nämlich mit ihm eine neue Zeit beginnt, in der eine neue Fülle geschenkt wird, die einen neuen Menschen erfordert, der sich dieser Fülle von neuem öffnen kann. Jesus will einen neuen Wein verteilen und benötigt dazu neue Schläuche, die den neuen Wein auch aufnehmen können.


Und so begierig wie die Hochzeiter den neuen Wein trinken, in den Jesus das Wasser gewandelt hat genauso begierig sollen sie auch den Wein seiner Worte und seiner Lehre trinken und ihre Seele damit erfreuen.


Die Köstlichkeit des Weines für den Leib ist als Zeichen gedacht für die noch viel intensivere Köstlichkeit seines Wortes für die Seele.


Der köstliche Wein und der Leib werden vergehen aber das, worauf der Wein hinweist – nämlich auf sein Wort, und der Mensch, der es aufnimmt, werden ewig bleiben.


Mit der Wandlung des Wassers in köstlichen Wein will Jesus zu einer Wandlung in den Herzen der Menschen führen: Dass sie nämlich ihrerseits dem Herrn den kostbaren Wein eines lebendigen Glaubens an ihn zu trinken geben – wie es die Jünger getan habe, wenn es von ihnen heißt, dass sie an ihn glauben.


Bei dem ganzen Geschehen spielt Maria, die Mutter Jesu, eine zentrale Rolle: Sie macht Jesus auf den Mangel aufmerksam, unter dem die Hochzeit leidet und sie sagt den Dienern, wie sie sich verhalten sollen. Beides ist wesentlich für den Verlauf der Ereignisse. Maria erscheint als jene, die zu Jesus hinführt und auf ihn hinweist: Sie bringt die aktuelle Not zu Jesus hin, indem sie ihn darauf aufmerksam macht und sie lenkt die Aufmerksamkeit der Diener auf Jesus hin. So sind die Voraussetzungen geschaffen für das Wirken Jesu: Alles Weitere liegt nun in seinem Ermessen.


Was macht Maria da? Sie stellt Jesus in die Mitte! Sie führt ihn in den Mittelpunkt des Geschehens – so wie sie ihn in diese Welt geführt hat. Wie er bisher der Mittelpunkt ihres Lebens war wird Jesus jetzt zum Mittelpunkt im Leben anderer: Im Leben der Diener, der Hochzeiter, der Jünger! Maria – die Wegbereiterin für ihren Sohn in zweifachem Sinn: Sie bereitet ihm den Weg in die Welt und sie bereitet den Weg der Welt zu ihm. Ihr großes Anliegen: Dass die Welt und ihr Sohn zusammenkommen – auf dass die Welt gerettet werde. So ist Maria auch unsere Mutter! Vertrauen wir uns ihrer Führung an; das Ziel dieses Weges ist Jesus Christus, ihr Sohn! Amen!

Samstag, Januar 09, 2010

Du bist mein geliebter Sohn!


Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 3:15 – 16.21 – 22


15Das Volk war voll Erwartung, und alle überlegten im Stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei.


16Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.


21Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen. Und während er betete, öffnete sich der Himmel,


22und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.





Bei jedem Geschäft gibt der Letztverantwortliche oder dessen Stellvertreter seinen Segen. Je gewichtiger das Geschäft, um so hochkarätiger die Stellvertretung. Und die wichtigsten Abmachungen sind ohnedies Chefsache.


So ist es auch beim Weihnachtsgeschäft. Nun werden wohl einige besorgt fragen: Wo kommt er denn jetzt wieder hin beim Predigen? Aber keine Sorge! Ich habe nicht im Sinn, über das heurige Weihnachtsgeschäft zu sprechen, indem ich darüber Bilanz ziehe und prozentuelle Zu- oder Abnahmen aufliste.


Nicht der rollende Rubel lässt mich an ein Geschäft denken sondern jene Präfation III zu Weihnachten, in der wir singen: „Allmächtiger Vater, einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen: dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch und wir sterbliche Menschen empfangen in Christus dein göttliches Leben“ Wer käme bei diesem wunderbaren Tausch nicht auf den Gedanken an ein Geschäft?


Was hat nun aber das heutige Fest der Taufe des Herrn mit dem „Weihnachtsgeschäft“ zu tun? Ganz einfach: es bringt dieses Geschäft zum Abschluss, in dem der Chef höchstpersönlich seinen Sanctus gibt!

Zu Bethlehem haben nämlich die Engel den Hirten verkündet: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr!“ (Lk 2:11)


Und der Stern, den die Weisen aus dem Osten aufleuchten haben sehen, lässt sie fragen: „Wo ist der neugeborene König der Juden?“ (Mt 2:2) Zwei hohe und höchste Repräsentanten, die von der göttlichen Art des Sohnes der Maria von Nazaret sprechen – ohne diese göttliche Art jedoch näher zu bestimmen.


Heute nun bei der Taufe Jesu meldet sich Gott selber in der Stimme aus dem Himmel zu Wort und macht definitiv klar, wer dieser Jesus ist: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden!“ (Lk 3:22)


Damit bestätigt er die Botschaft der Engel und des Sterns und besiegelt bei der Taufe Jesu mit seinem Wort – einer Unterschrift gleich – das „Weihnachtsgeschäft“, das wir in den vergangenen zwei Wochen gefeiert haben.


Die Umstände, unter denen die Besiegelung geschieht, sprechen für sich: Sie geschieht im Jordan bei der Taufe Jesu durch Johannes. Und sie geschieht unter den vielen anderen Menschen, die sich vor und nach Jesus taufen lassen.


Dieses Beisammensein Jesu mit den Menschen, die Johannes tauft, weist hin auf seine Solidarität mit den Menschen und will sagen, dass dieser Jesus wohl der geliebte Sohn Gottes ist; dass er zugleich aber Mensch unter Menschen ist. Will sagen: Jesus ist wahrer Gott und wahrer Mensch. Dass er Gottes geliebter Sohn ist mindert keineswegs sein Menschsein. Und sein Verweilen unter den Menschen seiner Zeit schmälert nicht seine Gottessohnschaft.


Gott erklärt Jesus als seinen geliebten Sohn während der Taufe. Es ist dies ein Akt, bei dem die Täuflinge von ihren Sünden rein gewaschen und so für Gott befreit werden.

Wenn Gott also ausgerechnet bei diesem Heilsgeschehen Jesus als seinen geliebten Sohn bestätigt, dann ist dies ein unmissverständlicher Hinweis darauf, warum er das tut: Zum Heil für uns Menschen, zur Befreiung von unserer Schuld, damit wir Kinder Gottes werden können. Dies geschieht fortan dadurch, dass das Taufwasser gewandelt wird in Christus: Bei der Taufe taucht der Täufling in Christus ein, indem er im Wasser untertaucht. Und dieses Eintauchen in den Erlöser erlöst ihn von aller Gottfremde; dieses eintauchen in den Sohn macht ihn zum Sohn und zur Tochter Gottes.


Wenn Jesus im Jordan getauft wird, so nicht weil er Sünder wäre wie alle anderen – sondern damit er das Taufwasser heiligt und wandelt in ein Gleichnis für ihn. Und dieses Eintauchen in Christus bedeutet Eintauchen in seinen Tod und Auferstehen mit IHM zum neuen Leben in der Gnade der Gotteskindschaft.

Mit der Taufe Jesu im Jordan bekommt das Taufgeschehen eine wesentliche christliche Erweiterung: es ist nicht mehr nur Reinigung von Schuld sondern zugleich ein Bekleidetwerden mit Christus.


Nun ist die Taufe Jesu der Beginn seines öffentlichen Wirkens. Vom Jordan weg wird Jesus vorerst in die Wüste und dann zu den Leuten gehen – um ihnen Gelegenheit geben zu können, einzutauchen in IHN – indem sie ihm nachfolgen, wie die Jünger, indem sie ihm zuhören, indem sie sich von ihm heilen und befreien lassen. Die Menschen brauchen nicht mehr zum Jordan – der Jordan kommt zu ihnen: in Jesus Christus ist der Jordan wie jeher die Trennung von Wüste und fruchtbarem Land; so ist auch Jesus der neue Jordan, über den wir Menschen aus wüster Gottferne in fruchtbare Gottnähe gelangen.


Durchschreiten wir Tag für Tag den Jordan, diesen Fluss des Heiles, der uns unablässig fließt in Jesus Christus, dem geliebten Sohn Gottes, des Vaters! Amen!

Mittwoch, Januar 06, 2010

Und sie huldigten ihm


Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 2: 1 - 12

1 Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Bethlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem

2 und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.


3 Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem.


4 Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle.

5 Sie antworteten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten:


6 Du, Bethlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel.

7 Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war.


8 Dann schickte er sie nach Bethlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige.


9 Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.

10 Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.


11 Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.


12 Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.



Den Sterndeutern ging es wie den Hirten auf den Feldern Bethlehems: Sie vernahmen die Botschaft: Ein König ist uns geboren!.

Den Hirten wurde diese Nachricht durch Engel überbracht; den Sterndeutern aus dem Osten - gemäß ihrem Beruf - durch einen Stern, den sie haben aufleuchten sehen. Für sie ein Hinweis auf die Geburt eines Königs. Wir bemerken, wie Gott sich den Gegebenheiten und Umständen seiner Adressaten anpasst und so zu ihnen spricht, dass sie seine Botschaft verstehen können.


Passen wir also auf und werden wir aufmerksam, denn Gott könnte womöglich auch uns ansprechen und uns „auf Augenhöhe“ mitteilen wolen, was uns gut tut. Dabei brauchen wir gar nicht wundersüchtig weiß Gott nach welchen Erscheinungen und besonderen Ereignissen suchen und dabei gar unsere Aufgaben vernachlässigen.


Machen wir es vielmehr wie die Hirten zu Bethlehem und wie die Sterndeuter im Osten: Mit Hingabe und ganzem Herzen das zu tun, was uns aufgetragen ist: Unsere Aufgaben, unsere Pflichten, unseren Beruf, unsere Berufung.


Dass Gott die Hirten und die Sterndeuter mit seiner Botschaft erreichen konnte hatte zur Voraussetzung, dass die Hirten bei ihren Herden waren und nicht etwa in den Kneipen Bethlehems und die Sterndeuter gesammelt in den Himmel geschaut haben und nicht sonst wohin. Wir dürfen vielmehr annehmen, dass die Hirten und die Sterndeuter mit Freude und Hingabe ihren Dienst getan haben, dass womöglich dieser Dienst ihr Hobby, ihre Lieblingsbeschäftigung war. In diesem Falle tut Gott durch die Botschaft der Engel und des Sterns das Seine, um diese Freude zu topen, sie zu erhöhen und zu krönen.


Schauen wir nun auf die Sterndeuter wie sie die Gestirne am Himmel beobachten. Auf einmal kommt da aus dem Dunkle des All ein Stern, den sie noch nie gesehen haben. Das Besondere an diesem Stern: Er bleibt nicht an derselben Stelle stehen; es ist kein Fixstern. Er bewegt sich, ist unterwegs auf ein Ziel hin. Geradeso als wollte er den Sterndeutern sagen: Rührt auch ihr euch! Macht euch auf den Weg, den ich euch zeigen werde. Und da es echte Sterndeuter sind, solche mit Leidenschaft, verstehen sie, was der Stern ihnen sagt, deuten seine Rede richtig, verlassen ihre Sternwarte und ihre Heimat und folgen dem Stern. Es sind mutige Sterndeuter, denn sie wissen nicht, wohin und wie weit der Stern sie führen wird. Sie gehen dem Stern einfach nach mit der Entschlossenheit, ihm so lang zu folgen, bis er sie ans Ziel geführt hat; und dieses Ziel vermuten sie im König, dem dieser Stern gehört.


Als sie dem Stern folgten, haben sie diesem König, den sie noch gar nicht kannten, bereits ihre Heimat geschenkt und ihren Arbeitsplatz hier auf Erden; der Arbeitsplatz am Himmel droben begleitete sie ja ständig; den konnten sie nicht verlieren - wohin sie auch gingen. Sie haben diesem König Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft geschenkt, indem sie seinem Stern folgten. Indem sie seinem Stern folgten folgten sie IHM. Und wie sie IHN dann finden, ihn und seine Mutter an dem Ort, wo der Stern dann stehen bleibt und zum Fixstern wird - da schenken sie ihm als Draufgabe Gold, Weihrauch und Myrrhe. Was wollen sie mit diesen Gaben dem Kind wohl sagen?


Mit dem Gold, dass aller Reichtum ihm gehört;
mit dem Weihrauch, dass ihm allein alle Verehrung gebührt;
mit der Myrrhe, dass er Herr ist über alles - selbst über den Tod!

Was sie mit ihren Gaben sagen drücken sie zuvor in ihrer Haltung aus, indem sie niederfallen und anbeten: Sie geben in dieser Geste der Anbetung sich selber und dann als Zeichen ihrer Hingabe und ihrer Anerkennung Gold, Weihrauch und Myrrhe.


Wie Gott da an diesen Sterndeutern gehandelt hat enthält eine deutliche Botschaft, die Paulus in der Lesung sehr gut verstanden und mitgeteilt hat: Dass nämlich Gott in diesem Kind nicht nur der Messias seines Lieblingsvolkes Israel sein will sondern dass er König, Hirte und Heiland für gar alle Menschen sein will. In diesem Kind in Bethlehem hat er alle Völker zu Völkern seiner Erwählung gemacht und alle Menschen zu seinen Kindern. Gott erweist sich in diesem Kind endgültig als ein Gott der entgrenzten Liebe, in der jedem Menschen Heimatrecht geschenkt ist.


Bitten wir den Herrn, dass er unsere Augen öffnet für den Stern, den er jedem von uns aufleuchten lässt; dass er unsere Aufmerksamkeit im alltäglichen Leben schärft und wir diesen Stern nicht übersehen; dass wir der Lichtverschmutzung hier auf Erden entfliehen, um überhaupt die Sterne am Himmel wieder sehen zu können; dass er uns Freiheit schenke vom Unten um frei zu werden fürs Oben; denn nur vom Oben her können wir das Unten bewältigen; und nur, wenn unser Herz durch einen Stern im Himmel verankert ist können wir unsere Welt hier auf Erden bestehen und in einen Stück Himmel wandeln. So haben es die Sterndeuter gemacht; so hat es Jesus gemacht; so sollen auch wir es tun. Amen!

Samstag, Januar 02, 2010

In IHM war das Leben


Aus dem heiligen Evangelium nach

Johannes 1: 1 – 5.9 – 14



1Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.


2Im Anfang war es bei Gott.


3Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.


4In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.


5Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.


9Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.


10Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.


11Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.


12Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben,


13die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.


14Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.





Der 1. Sonntag nach Weihnachten war der Hl. Familie Jesus, Maria und Josef gewidmet.

Der heutige 2. Sonntag nach Weihnachten ist auch einer Familie gewidmet – in einem tieferen, umfassenderen Sinn: der Familie, die in Gott ist; der Familie der heiligsten Dreifaltigkeit; und schließlich der Familie, in die jene aufgenommen werden, denen die Macht gegeben wurde, Kinder Gottes zu werden.


Johannes der Evangelist lädt ein, diese Familie zu betrachten. Er tut dies mit dem Prolog seines Evangeliums: Er gewährt darin einen besonderen Einblick in die Person des Herrn Jesus Christus – einen Einblick wie ihn nur der haben kann, von dem es heißt, dass der Herr ihn liebte. Es ist ein Einblick, wie nur die Liebe ihn gewähren – und das heißt: schenken – kann. Und es kann auch nur die Liebe sein, die verstehen lässt, was Johannes da schreibt. So bitten wir um jene Liebe, die uns Zugang gewährt zu dem, was aus dieser Liebe hervorgeht.


Der Ausgangspunkt für die Worte des Johannes ist nicht angestrengte, spekulative Gedankenarbeit sondern die Erfahrung, die er mit Jesus machte in der Zeit ihres Beisammenseins damals in Galiläa und Jerusalem. Diese Erfahrung hat begonnen mit seiner Berufung weg von den Fischerbooten seines Vaters Zebedäus hinein in die Nachfolge Jesu. Und diese Erfahrung hat nicht mehr aufgehört: sie ging hinaus über Jesu Tod und Auferstehung; sie setzte sich fort in der Geistausgießung und in all dem, was seither in der Kraft dieses Geistes geschehen ist. Es hat sich bewahrheitet, was Jesus versprochen hat als er sagte: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.


Dieser andauernden Präsenz des Herrn hat Johannes sich immer mehr, immer tiefer und inniger aussetzen und öffnen können. Und aus dieser Gegenwart des Herrn fließen ihm die Worte seines Evangeliums zu. Sie fließen durch ihn, seine Feder auf das Pergament, das er beschreibt. Und es sind wenige und einfache Worte, mit denen Johannes seinem Herrn auf den Grund geht und ihm dorthin zurückfolgt, woher Jesus gekommen ist – zu Gott! In einer Schlichtheit sonder gleichen führt Jesus seinen Lieblingsjünger in das innerste Geheimnis seiner Person, in die tiefste Kammer seines Herzens, an den Quellgrund seines Wesens. Durch die Verkündigung dieser Worte dürfen wir Anteil nehmen an dieser Reise in das Innerste Jesu.


Johannes führt zurück an den Anfang vor allem Gewordenen; damals war das Wort und Gott und die beiden waren beisammen. Wir erkennen den Vater in Gott, den Sohn im Wort, den Geist im Beisammensein von Vater und Sohn. Johannes stellt den dreifaltigen Gott an den Beginn von allem. Ein Widerspiegeln dessen, was Johannes bei Jesus erlebt hat: Wie der immer wieder zum Vater ging, zum Vater betete, beim Vater war und wie aus diesem Miteinander von Jesus und Vater in Wort und Tat die göttliche Lebensfülle sich in diese Welt ergoss: Wir denken an das Predigen Jesu, an die Wunder die er wirkte, an seine Auferstehung und die Ausgießung des hl. Geistes, die sich fortwährend ereignet in den Kindern Gottes.


Johannes entdeckt so einen Gott, der kein Einsiedler sondern Gemeinschaft ist und voll des Lebens, das von ihm ausströmt und durch das Wort alles, was ist, ins Dasein ruft; der dieses Dasein am Leben erhält und schließlich selber in dieses Dasein eintritt in seine höchste Form, in die Form menschlichen Daseins: Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.


Bedenken wir, wie radikal Johannes uns durch Jesus mit Gott verbindet auf Grund unseres Geschöpfseins und wie er diese Verbundenheit ins Unendliche vertieft dadurch, dass eben dieser Gott sich mit uns im Menschsein verbindet. In dieser Verbundenheit ruht die Macht jener, die an seinen Namen glauben, die deshalb aus Gott geboren und also Kinder Gottes sind.


Möchten wir doch begreifen, wie sehr wir dem Herrn gehören, ob wir leben oder ob wir sterben; wie sehr wir sein Eigentum sind.


Und möge aus diesem Begreifen die Sehnsucht wachsen, uns ganz nach dem Herrn hin auszustrecken und ihn aufzunehmen und ihm also zu geben, was ihm seit jeher gehört. Amen!