Sonntag, März 28, 2010

Zu Beginn der Karwoche


... der kommt im Namen des Herrn!


„Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe.“ (Lk 1:78) So lässt zu Beginn seines Evangeliums Lukas den Zacharias singen aus Freude darüber, dass er ihm in hohem Alter einen Sohn geschenkt hat.


Nirgends zeigt sich die lichtvolle Barmherzigkeit Gottes so deutlich wie auf dem pechschwarzen Hintergrund menschlicher Unbarmherzigkeit. Gehen wir den Leuchtspuren der göttlichen Barmherzigkeit nach, wie sie uns in Jesu Verhalten aufleuchtet.


Sie neigt sich über uns Menschen, wie die Palmzweige sich neigen, mit denen die Menschen Jesus als König zugejubelt haben, als er in Jerusalem eingezogen ist.


Die Barmherzigkeit Gottes klingt an, in der Sehnsucht, mit der Jesus sich wünschte, das Paschamahl mit seinen Jüngern zu essen – mit jenen Jüngern, von denen einer ihn verraten, ein weiterer ihn verleugnen wird und alle übrigen ihn schmählich verlassen werden.


Jesus singt das Lied der Barmherzigkeit Gottes weiter als er dann im Garten am Ölberg sich des Dieners des Hohenpriesters erbarmt, indem er ihm das abgehauene Ohr wieder anheilte – als ob es gerade nichts wichtigeres gäbe in dieser Stunde, in der es bei ihm selber um Leben und Tod ging.


Eine besonders innig berührende Strophe dieses Liedes dringt an unser Herz, wenn wir hören, wie Jesus mit dem Petrus umgeht, als dieser beim Krähen des Hahnes erkennen muss, wie feige er Jesus verleugnet hat: Es heißt da schlicht: Da wandte sich der Herr um und blickte Petrus an!


Von ferne mag dieses Lied wohl auch anklingen, wenn wir hören, dass durch das Hin- und Zurückschicken Jesu Pilatus und Herodes Freunde wurden – die zuvor doch miteinander verfeindet waren.


Göttlich stark und dennoch menschlich möglich tönt dieses Lied wie ein mächtiger Glockenschlag wenn Jesus für alle jene betet, die ihm Leid und Tod zufügen: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (Lk 23:34) Wie die Erbarmungslosigkeit und Grausamkeit der Menschen ihre Höhepunkt erreicht appelliert er mit diesen Worten an das Vaterherz Gottes und rührt damit an den tiefsten Ort der Barmherzigkeit Gottes.


Und schließlich die wenigen Worte an den Verbrecher an seiner Seite: „Amen, ich sage dir! Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein!“ (Lk 23:43) Wie zum Ausklang dieses Liedes der Barmherzigkeit Gottes zeigt Jesus sich bis zuletzt offen und empfänglich für die Gedenkbitte des Verbrechers, der neben ihm und mit ihm am Kreuz stirbt.


Lassen wir uns dieses Lied der barmherzigen Liebe Gottes zu Herzen gehen. Nehmen wir seine Melodie in unser Leben auf und lassen wir es zu, dass sein Klang unser Denken, Reden und Tun bestimmt – indem wir die Nähe dieses so sehr liebenden Herrn gerade in diesen Tagen aufsuchen und indem wir barmherziger werden zueinander. Amen!

Sonntag, März 21, 2010

Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 8: 1 – 11


In jener Zeit

1ging Jesus zum Ölberg.

2Am frühen Morgen begab er sich wieder in den Tempel. Alles Volk kam zu ihm. Er setzte sich und lehrte es.

3Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte

4und sagten zu ihm: Meister, diese Frau wurde beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt.

5Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen. Nun, was sagst du?

6Mit dieser Frage wollten sie ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, ihn zu verklagen. Jesus aber bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde.

7Als sie hartnäckig weiterfragten, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie.

8Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde.

9Als sie seine Antwort gehört hatten, ging einer nach dem anderen fort, zuerst die Ältesten. Jesus blieb allein zurück mit der Frau, die noch in der Mitte stand.

10Er richtete sich auf und sagte zu ihr: Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt?

11Sie antwortete: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!




„Denn ich, ich kenne meine Pläne, die ich für euch habe - Spruch des Herrn -, Pläne des Heils und nicht des Unheils; denn ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben.“ (Jer 29:11)


Diese Worte aus dem Propheten Jeremia sind mir in den Sinn gekommen als ich über das Evangelium von der Ehebrecherin nachgedacht habe. Denn genau das haben sie der Ehebrecherin abgesprochen – die Zukunft und die Hoffnung! Dabei berufen sie sich auf das Gesetz, das eine Ehebrecherin steinigen lässt. Als ob Gott durch das Gesetz einen Menschen töten möchte!


Sie sind völlig auf die Vergangenheit fixiert; auf das, was die Ehebrecherin Unrechtes getan hat. Diese Fixierung verwehrt den Blick auf die Gegenwart und die Zukunft; eigentlich verwehrt es den Blick auf die Frau, auf den Menschen. Diese Fixierung macht unmenschlich. Sie werden zudem blind für sich selber und dafür, dass sie selber eine Vergangenheit haben – eine sündige zudem. Der Grund für diese Fixierung ist ihre Meinung, dass der Mensch für das Gesetz da. Das Gesetz lässt sie deshalb den Menschen vergessen – die Ehebrecherin und sich selber.

Sie brauchen dringend einen Augenarzt, der ihre Blindheit heilt!


In Jesus finden sie ihn: Er ist der Sehende: Er sieht freilich auch das Vergehen der Frau; aber er sieht auch die Frau selber; er sieht ihre Ankläger und deren dunkle Vergangenheit. Deswegen sind sich die Ausleger dieser Stelle seit jeher einig, dass Jesus die Sünden der Ankläger in den Sand schreibt und er sie wissen lässt, dass er in ihrem Leben liest und ihr Herz kennt.


Jesus sieht alles und er sieht gründlich. Er sieht den Menschen, dessen gegenwärtige Befindlichkeit und er sieht dessen Zukunftsfähigkeit. Und er schenkt Zukunft: der Ehebrecherin und ihren Anklägern. Jesus hat Pläne des Heiles und nicht des Unheiles; er schenkt Zukunft und Hoffnung. Jesus erweist so seine göttliche Art in der Auslegung und Erfüllung des Prophetenwortes.


Was liegt näher als die Nähe zu Jesus zu suchen? Und in der Begegnung mit ihm unser Herz und unser Leben zu weiten? Gerade die Zeit der Buße legt uns diese Begegnung mit Jesus im Beichtsakrament nahe. Auch uns möchte er wie der Ehebrecherin sagen, dass er uns nicht verurteilt und dass wir befreit und erlöst gehen und nicht mehr sündigen sollen.


Weiten möchte der Herr uns aber auch im Hinblick auf unsere Nächsten – besonders auf jene, an denen wir was auszusetzen haben; deren Fehler und deren Schuld uns beschäftigt und belastet. Das engt ein und lässt das Gute in diesen Menschen ins Dunkel der Geringachtung versinken. Dabei sollte es im Licht der Hochachtung stehen.


Weiten möchte uns der Herr schließlich hinsichtlich unseres eigenen Lebens und dabei gerade unserer eigenen Vergangenheit. Er möchte uns die Brille nehmen, die uns blind macht für eigene Fehler und uns glauben macht, wir seien makellos. Demütig möchte der Herr uns machen im Wissen um unsere eigen Anfälligkeit für weiß Gott welche Schwächen – demütig und barmherzig – mit uns und mit den anderen. Diese Barmherzigkeit leben wir derart, dass wir uns von Schwachheit und Sünde in welcher Form bei uns oder anderen auch immer nicht lähmen lassen sondern sie immer sogleich in das Licht der Barmherzigkeit Gottes stellen. Dort ist sie nämlich bestens aufgehoben; denn dort wird sie geheilt in einem Prozess, den Gott allein kennt.


Wir können den Apostel Paulus nun besser verstehen, wenn er in der 2. Lesung geschrieben hat: „ Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt.“ (Phil 3:13f.)


Und wir können auch im Hinblick auf seine eigene dunkle Vergangenheit die Wertschätzung besser begreifen, die er Jesus entgegenbringt: „ Ich sehe alles als Verlust an, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, alles übertrifft. Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen und in ihm zu sein.“ (Phil 3:8f.)


Christus ist so weit für uns! Werden wir doch auch weit durch ihn für ihn! Amen!

Freitag, März 19, 2010

Geht alle zu Josef!




Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus Mt 1:16.18-21.24a

16Jakob war der Vater von Josef, dem Mann Marias; von ihr wurde Jesus geboren, der der Christus (der Messias) genannt wird.

18Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete - durch das Wirken des Heiligen Geistes.

19Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen.

20Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.

21Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.

24aAls Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte.



Das Evangelium erzählt uns heute über den abenteuerlichen Weg, auf dem Gott dem hl. Josef seinen Sohn und dessen Mutter Maria anvertraut. Wir können sagen, dass Gott hier auf Erden einen Beschützer für seinen Sohn und dessen Mutter gesucht hat. Die Kindheitsgeschichte bei Matthäus und Lukas berichten uns sehr anschaulich, wie nötig dieser Beschützer war.

Auf seiner Suche nach diesem Beschützer hat Gott sich an das Wort der Schrift gehalten: „Geht zu Josef!“ (Gen 41:55) Dieses Wort finden wir im Buch Genesis. Dort sagt es der Pharao zu seinen Landsleuten, als sie zu ihm um Hilfe rufen, weil in Ägypten die sieben Hungerjahre angebrochen sind. Seine Leute sollen sich an Josef wenden, den Sohn Jakobs! Ihn hat er zum Verwalter über ganz Ägypten bestellt. Und Josef hat für diese Notzeit vorgesorgt, denn in den sieben Jahren des Überflusses hat er ausreichend Getreide für die Hungerjahre gesammelt. Das kann er nun verteilen.


Wie es nun aber die göttliche Fügung will lesen wir im Stammbaum Jesu bei Matthäus: „Jakob war der Vater von Josef, dem Mann Marias; von ihr wurde Jesus geboren, der der Christus (der Messias) genannt wird.“ (Mt 1:16)


Was ist dieser Josef, der Sohn Jakobs, nun für ein Mann, dass Gott bei ihm Zuflucht sucht und den ausreichenden Schutz für seinen Sohn erwartet? Wie der Pharao von Ägypten dem Josef sein Volk anvertraut so vertraut Gott dem Josef seinen Sohn an. Welche Vorzüge an Josef veranlassen ihn dazu?


Nun einmal, dass Josef auf die Stimme Gottes hören kann, die ihm ein Engel im Traum mitteilt. Dieses Hören besteht nicht nur im Vernehmen dieser Stimme sondern vor allem auch darin, dass er dieser Stimme mehr Gewicht zuteilt als seinem eigenen Entschluss – wie wir im Evangelium eben gehört haben. Josef ist nicht stur sondern flexibel im Sinne Gottes; er ist formbar nach den Plänen Gottes. Und er gehorcht nicht erst nach einigem Überlegen und Abwägen von Für und Wider sonder er gehorcht sogleich, unverzüglich. Er sieht in Gott nicht einen Konkurrenten für sein Leben sondern den, dem er sein Leben verdankt; er sieht in Gott den, der seinen Lebensweg von Anfang bis zum Ende besser kennt als er selber; darum sieht er in Gott den, dem er sich vorbehaltlos anvertrauen kann. In diesem Vertrauen ist er ein Kind Abrahams, dessen gläubiges Vertrauen Paulus in der 2. Lesung hervorhebt.


Gott hat in Josef dieses durch und durch gute Erbe Abrahams entdeckt; das hat ihn angezogen und erkennen lassen: dieser Josef ist der rechte Mann für Maria und der rechte Schutzvater für meinen Sohn.


Diese Art Gottes, bei Josef Zuflucht zu suchen und sich von ihm helfen zu lassen steht die Zeiten hindurch als lebendiges und anziehendes Vorbild da und hat die Kirche immer mehr zu diesem hl. Mann hingezogen. Immer ausdrücklicher hat sie den hl. Josef als ihren besonderen Schutzpatron erwählt.

Und ihre Hirten haben den auf Erden fortlebenden Christus, die Kirche, der Sorge des hl. Josef anvertraut.


Genau das wollen auch wir heute tun im Blick auf die Krise, in die unsere Kirche in jüngster Zeit geraten ist: Wir vertrauen uns als Kirche mit ganzer Hingabe dem Schutz und der Fürsprache des hl. Josef an. Wir sind dabei gewiss, dass unser Vertrauen von ihm nicht missbraucht wird sondern dass seine väterliche Autorität uns hinordnet auf Jesus, auf den ja sein ganzes eigenes Leben hingeordnet ist.

Durch diese Hinordnung führt er uns zum Quell göttlichen Erbarmens, der aus Jesus fließt zu unserer Reinigung und Befreiung; zu unserer Reifung und Stärkung; zu unserer Begründung in Glaube, Hoffnung und Liebe.


Hl. Josef! Lehre uns durch Dein Leben, dass auch wir uns diesem Quellwasser Gottes in Jesus öffnen und lass uns so von neuem erfahren die Vatergüte Gottes, die Menschenfreundlichkeit Jesu und die liebevolle Führung durch den Hl. Geist. Amen!

Sonntag, März 14, 2010

... und lebt wieder!


Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 15: 1 – 3.11 – 32


In jener Zeit

1kamen alle Zöllner und Sünder zu Jesus, um ihn zu hören.

2Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen.

3Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte:

11Weiter sagte Jesus: Ein Mann hatte zwei Söhne.

12Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf.

13Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen.

14Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über das Land, und es ging ihm sehr schlecht.

15Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten.

16Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon.

17Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen, und ich komme hier vor Hunger um.

18Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt.

19Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner.

20Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.

21Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein.

22Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand, und zieht ihm Schuhe an.

23Bringt das Mastkalb her, und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein.

24Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern.

25Sein älterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz.

26Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle.

27Der Knecht antwortete: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat.

28Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu.

29Doch er erwiderte dem Vater: So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte.

30Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet.

31Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein.

32Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden.





Wir hörten eben das Evangelium vom barmherzigen Vater. Zugleich gedenken wir in diesem Jahr unserer Priester aus Anlass des 150. Todestages des hl. Pfarrers von Ars. Er hat durch sein priesterliches Wirken in besonderer Weise den barmherzigen Vater verkörpert und so den Menschen seiner Zeit die barmherzige Liebe Gottes vermittelt. Gerade durch das Sakrament der Buße hat er das getan; er war ein begnadeter Beichtvater und zahllos sind die verlorenen Kinder Gottes, die durch seine Vermittlung umgekehrt sind, den Weg zum Vater zurückkehrten und sich mit Gott und der Kirche versöhnt haben.


Der Pfarrer von Ars verstand es als vornehmliche Berufung des Priesters, Gott als den barmherzigen Vater zu vermitteln – insbesondere den Sündern.


Darum ist es eine tragische Fügung, dass unsere Kirche gerade in diesem Jahr der Priester Menschen begegnet, die in ihrer Kindheit und Jugend von Priestern sexuell missbraucht und gewalttätig behandelt worden sind. Diese Menschen sind ihre eigenen Mitglieder. In der Zeit menschlicher Entwicklung und Reifung wäre ihnen in besonderer Weise Gott als der barmherzige und gütige Vater zugedacht gewesen. Doch wurde ihnen diese heilvolle und liebevolle Gabe verwehrt.


Statt ihr Bewusstsein zu wecken für ihre Würde als Kinder dieses barmherzigen Vaters wurden sie in eben dieser Würde tief verletzt. Der barmherzige Vater diente bloß als Vorwand; er diente als Schafspelz unter dem sich unausgereiftes und irregeleitetes menschliches Begehren Befriedigung verschaffte. Nicht nur Kinder und Jugendliche wurden auf diese Weise missbraucht sondern auch der barmherzige Vater. Er wurde missbraucht von Priestern und Seelsorgern, die ihm von ihrer Berufung her besonders nahe stehen sollten und ihm zu Beginn ihres seelsorglichen Lebens womöglich auch tatsächlich nahe gestanden sind; die dann jedoch, dem jüngeren Sohne gleich, ihr Erbteil einforderten und in ein fernes Land zogen – weit weg vom Vater, um dort dann ihr unheilvolles Unwesen zu treiben.


Heute ist eigentlich Lätare angesagt; das heißt: freut euch! Aber die Freude hat heute keinen rechten Platz – es sei denn in der Hoffnung auf Heilung und Wiedergutmachung und Umkehr; denn Gott bleibt der barmherzige Vater aller, die an diesem unheilvollen Geschehen als Opfer und Täter beteiligt sind.


Als Zeichen dieser treuen und immerwährenden Vaterschaft Gottes dürfen wir das Hirtenwort betrachten, das der Bischof heute an uns richtet:


Liebe katholische Christen unserer Diözese!


Unsere katholische Kirche ist in mehreren Ländern und nun auch in Österreich mit Verletzungen von Kindern und Jugendlichen durch sexuellen Missbrauch seitens kirchlicher Verantwortlicher und besonders Priestern konfrontiert. Auch unsere Diözese ist von diesen Problemen betroffen. In dieser Situation dürfen wir nicht wegschauen, sondern müssen uns alten und neuen Problemen ehrlich stellen. Unsere Sorge muss dabei vor allem den Opfern und der Verhinderung von weiterem Missbrauch gelten. Nur dann stehen wir wirklich in der Nachfolge Christi. Im Umgang mit Anschuldigungen haben wir als Kirche auch Fehler gemacht, es ist aber in Österreich daraus schon Wichtiges gelernt worden und wir werden weiterhin lernen müssen. Pauschalverdächtigungen und falschen Anschuldigungen gegenüber Priestern werden wir kompetent entgegentreten müssen.


Viel Vertrauen in die Kirche ist geschwächt oder zerstört worden. Dies verdeckt die Tatsache, dass unsere Kirche einen großen Teil der Gesellschaft in hohem Maße trägt und beseelt und dass unzählige katholische Frauen, Männer und Jugendliche und besonders auch viele Priester und Ordensleute treue und glaubwürdige Zeugen Jesu Christi und seines Evangeliums sind. Die jetzige Krise enthält auch eine Chance zur Erneuerung der Kirche, wenn wir Spaltungen vermeiden können und wirklich miteinander auf Christus schauen, der die Mitte der Kirche ist.


Bauen wir miteinander an einem Klima des Vertrauens und der Wahrhaftigkeit. Ich bitte Sie besonders auch um Ihr Gebet.


+Egon Kapellari, Diözesanbischof Graz-Seckau

Samstag, März 06, 2010

Bekehren - umgraben und düngen


Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 13: 1 – 9

1Zu jener Zeit kamen einige Leute zu Jesus und berichteten ihm von den Galiläern, die Pilatus beim Opfern umbringen ließ, so dass sich ihr Blut mit dem ihrer Opfertiere vermischte.

2Da sagte er zu ihnen: Meint ihr, dass nur diese Galiläer Sünder waren, weil das mit ihnen geschehen ist, alle anderen Galiläer aber nicht?

3Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt.

4Oder jene achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms von Schiloach erschlagen wurden - meint ihr, dass nur sie Schuld auf sich geladen hatten, alle anderen Einwohner von Jerusalem aber nicht?

5Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt.

6Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis: Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine.

7Da sagte er zu seinem Weingärtner: Jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen?

8Der Weingärtner erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen.

9Vielleicht trägt er doch noch Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen.







Ein Theologe unserer Zeit nennt das heutige Evangelium einen der härtesten Texte der Bibel. Wie kommt er zu diesem Urteil? Weil schmerzliche Wahrheiten klar angesprochen werden:


Dass das Unglück anderer nicht bedeutet, dass sie besondere Schuld auf sich geladen hätten und die übrigen schuldlos wären.


Dass vielmehr alle schuldig sind und ihr Weg ebenso in das Verderben führt – wenn sie nicht zuvor umkehren!


Das heutige Evangelium lesen wir bei Lukas – und nur bei ihm! Dabei wird aber gerade von diesem Evangelisten das Erbarmen Gottes betont wie bei keinem sonst: Nur bei Lukas hören wir die Geschichte vom barmherzigen Vater (Lk 15: 11 – 32) vom Oberzöllner Zachäus (Lk 19:1 – 9) und vom Verbrecher, dem Jesus sterbend das Paradies verheißt (Lk 23: 39 – 43). Wie verträgt sich beides miteinander: Die harte Rede des heutigen Evangeliums mit der unbegreiflichen Barmherzigkeit Gottes. Beides ist uns schwer erträglich!


Und doch hängt beides zusammen: Denn Gott, der wie keiner sonst um das Verderben des Menschen weiß, kennt auch das Mittel, das davor bewahrt: nämlich sein Erbarmen! Darum ist einerseits sein Erbarmen so grenzenlos und andererseits sein Wort so schmerzlich klar, mit dem er uns Menschen auf dem Weg in das Verderben zur Umkehr auffordert.


Auch das heutige Evangelium ist eine herrliche Frucht seiner Liebe zu uns Menschen.


Diese Liebe verwehrt es ihm, zu verwässern, zu beschwichtigen, zu verdrängen nach dem Motto etwa: „Die Leute sind eh alle so brav und der Herrgott so gut!“ Da kann nichts schiefgehen. Bei derartigen Umständen bräuchte Gott nicht barmherzig sein, denn es werde eh alle gerettet – gleichsam automatisch.


Diese Liebe drängt ihn vielmehr zu einer klaren, unmissverständlichen Sprache, die dem Menschen die unbedingte Notwendigkeit zur Umkehr eindringlich zusagt. Sie zwingt zur Frage: Wo muss ich umkehren, weil ich ansonsten ins Verderben laufe? Diese Fragen sind unangenehm und wir gehen ihnen lieber aus dem Weg.


Mit dem abschließenden Gleichnis will Jesus uns helfen, diese Fragen zu beantworten. Der Feigenbaum im Weingarten bringt drei Jahre keine Frucht; das entspricht nicht den Erwartungen des Besitzers; deswegen möchte er ihn umhauen lassen. Der Feigenbaum verdient das, weil er frucht- und nutzlos herumsteht und dem Boden umsonst die Kraft nimmt.


Das regt die Frage an: Wo bin ich nutzlos? Wo bringe ich nicht die erwarteten Früchte? Damit soll nicht Leistungsdenken gefördert werden. Vielmehr soll ich mich meiner Berufung stellen. Die Berufung des Feigenbaumes ist es, Feigen zu tragen. Welche Früchte zu bringen bin ich berufen? Worin besteht der Sinn meines Lebens? Wozu wurde ich geboren?


Der Besitzer des Weinberges geht ja auch seiner Berufung nach: nämlich nachzusehen, ob denn die einzelnen Gewächse denn auch Früchte tragen und ihre Entfernung zu veranlassen, wenn sie dies nicht tun.


Auch der Weingärtner geht seiner Berufung nach, für die Gewächse des Weinberges Sorge zu tragen; sich um sie zu kümmern und ihnen gegebenenfalls eine Spezialbehandlung zu verabreichen. Und das tut er denn auch, indem er beim Besitzer ein Jahr Aufschub erwirkt. In diesem Jahr wird er dem Feigenbaum besondere Zuwendung schenken und alles ihm mögliche zur Fruchtbarkeit des Feigenbaumes beitragen.


Wir dürfen wohl im Herrn des Weinberges Gott selber und im Weingärtner Jesus, seinen Sohn erkennen. Beide gehen sie im Geist des Einvernehmens mit dem Feigenbaum um: Der Besitzer gewährt die Gnadenfrist von einem Jahr; und der Weingärtner stimmt im Falle hartnäckiger Unfruchtbarkeit dem Fällen des Feigenbaumes zu.


Für uns bedeutet dies: Die Zeit, die uns noch zur Verfügung steht ist eine Gnadenfrist; Paulus nennt sie Zeit der Gnade und Tag unserer Rettung (2 Kor 6:2). Diese Zeit gilt es entschlossen und ernsthaft zu nützen: wieder der Apostel: Nützt die Zeit (Eph 5:16), die euch geschenkt ist!


Was für uns jedoch bedeutsamer ist: Wir sind im Mühen um ein gelingendes Leben nicht allein: Der Weingärtner unterstützt uns ganz wesentlich dabei: Er gräbt um und er düngt! Wir dürfen in diesem Tun erkennen, dass Jesus nicht gekommen ist, „um die Welt zu richten sondern um sie zu retten.“ (Joh 12:47)


Im Umgraben dürfen wir sein Heilswirken sehen, sein Sterben und Auferstehen für uns; seine Wirken kraft des Hl. Geistes.


Im Dünger dürfen wir sein Wort verstehen, das er zu uns spricht; sein Blut, das er für uns vergossen und seinen Leib, den er für uns hingegeben hat – beides uns gegenwärtig und zugänglich in der Eucharistie; wir dürfen darunter seine immerwährende Gegenwart in uns und um uns herum verstehen.


Wenn wir uns diesem Einsatz des Weingärtners aussetzen – wird es da wohl noch möglich sein, fruchtlos zu bleiben!? Amen!