Sonntag, April 25, 2010

Ich kenne sie


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 10: 27 – 30


27Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir.

28Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie meiner Hand entreißen.

29Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle, und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen.

30Ich und der Vater sind eins.


„Hören – kennen – folgen“


Mit diesen Begriffen umschreibt Jesus die Beziehung zu jenen, die zu ihm gehören. Dabei benützt er das Bild vom Hirten und seinen Schafen – ein Bild, das damals den Leuten bekannt und vertraut war.


Sie hören auf meine Stimme

Hören bedeutet eine Offenheit für Welten außerhalb der Meinen. Im Hören öffne ich mein Leben, so dass Anderes einfließen kann. Vo diesem Anderen erwarte ich eine Bereicherung meines Lebens eine Ergänzung meiner Welt. Angesichts meiner eigenen Armut und der Bruchstückhaftigkeit meiner Welt öffne ich mich im Hören dem, der mich bereichert und ganz macht. Im Hören kommt die Sehnsucht zum Ausdruck, aus meinem Unheil ins Heil zu treten; aus meinem Dunkel ins Licht; aus meinem Tod ins Leben – oder wie immer wir es nennen wollen.


Im Hören setze ich einen Akt des Vertrauens und des Hoffens auf den, der zu mir spricht: ich hoffe und vertraue, dass mir gut tut, was er mir sagt; dass es Worte des Lebens sind, die ich von ihm höre.


Im Bild vom Hirt und den Schafen kommt zudem ein Element dazu, das wir in unserer Selbstbezogenheit nicht gern mögen und nur schwer nachvollziehen können, nämlich das Element des blinden Vertrauens. Das ist mehr als Vertrauen, das aus dem erwächst, was wir bisher schon an Gutem erfahren haben von diesem Hirten.


Dieses blinde Vertrauen erfordert ein Vergessen, was hinter mir liegt und ein Ausstrecken nach dem, was vor mir liegt; und vor mir liegt die Welt, die mir der Hirt erschließt. Das ist für mich eine immer wieder neue Welt, wie ich sie vorher noch nie erlebt habe. Es ist die Welt, die der Hirt kennt, weil er in dieser Welt lebt; weil er von dieser Welt lebt und weil er überzeugt ist, dass diese seine Welt auch eine Welt für mich ist – Lebenswelt für ihn und für mich. Der Hirt einer, der in zwei Welten daheim ist: in der meinen und in der seinen. Der Hirt einer, der sich in meiner Welt beheimatet hat um mich Schritt für Schritt in seine Welt zu führen. Das Hören auf seine Stimme ist also unser Anteil.


Ich kenne sie

Dieses Kennen des Hirten drückt seine Vertrautheit mit uns aus: er kennt uns; er weiß um uns; unsere Bedürfnisse sind ihm nicht fremd; dieses Kennen des Hirten kommt daher, dass er sich in unserer Welt beheimatet hat; er ist ein Schaf geworden wie wir.


Johannes der Täufer weist darauf hin, wenn er von Jesus sagt: Seht das Lamm Gottes! (Joh 1:36) Der Prophet spricht davon in der Karwoche: Wie ein Schaf wird er zur Schlachtbank geführt und tut seinen Mund nicht auf. (Jes 53:7; Apg 8:32; Röm 8:36)


Der Hirt kennt das Leben seiner Schafe von innen heraus; er war selber wie ein Schaf, als er durch die finstere Schlucht des Leidens und des Todes hindurchging – sich dabei festhaltend einzig und allein am Stab und Stock seines Hirten, nämlich seines Vaters im Himmel. (vgl. Ps 23:4)


Weil der Hirt also seine Schafe durch und durch kennt – jedes einzelne von ihnen, weiß er, was er ihnen zu sagen hat; kennt er den Weg, den er sie führen muss und die Weide, die sie gerade brauchen.


Das blinde Vertrauen kommt also wesentlich daher, dass wir uns dessen gewiss sind, dass der Hirt seine Schafe besser kennt, als sie selber sich kennen. Nur so können die Schafe von ihrer Eigenart lassen und der Art des Hirten vertrauen.


Zentral eingebettet in unser Tun – nämlich in unser Hören und in unser Nachfolgen – ist, dass ER uns kennt. Darum muss auch das Bedenken dieser Tatsache ein tragender Grund unserer Beziehung zum Hirten sein. Denn nur von diesem Grund her ist ein Hören möglich, das zum Nachfolgen bewegt.


Wenn es nicht in mir lebt, dass der Hirt mich kennt, werde ich niemals so hören, dass ich zur Nachfolge bewegt werde. Dieses Hören wird äußerlich bleiben und das Herz nie erreichen und es nie bewegen. Ich werde den eigenen Vorstellungen von mir verhaftet bleiben, jene Wege gehen, die mir gefallen und jene Weiden aufsuchen, bei denen ich mich vorerst wohlfühle. Mir bleibt somit verwehrt, was Jesus dann anfügt:


Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen.


Der Weg aus aller Not zur ewigen Freude führt nur über Jesus. Es ist der Weg, den er vorausgeht und den er uns führt. Amen!

Freitag, April 16, 2010

Ich habe euch erwählt


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 21: 1 – 19


1Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.

2Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus (Zwilling), Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen.

3Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.

4Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.

5Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.

6Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.

7Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See.

8Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot - sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen - und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.

9Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot.

10Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt.

11Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.

12Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.

13Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.

14Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.

15Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer!

16Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!

17Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er gab ihm zu Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!

18Amen, amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst.

19Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!





Wir begegnen zu Beginn des Evangeliums einer Jüngerschar ohne Jesus. Einem Körper ohne Seele; einer Gemeinschaft ohne Mitte. Das Leben muss weitergehen – auch ohne Jesus! Also machen sie das, was sie gemachten haben, ehe Jesus ihnen begegnet ist: Sie gehen fischen. Petrus macht den Vorschlag und gibt die Richtung vor; sechs weitere von den ehemaligen Jüngern Jesu schließen sich ihm an.


Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.


Mit Nacht ist hier nicht nur die Zeit im Gegenüber zum Tag gemeint sondern auch die Nacht, in der sie sich emotional erleben: ihre Traurigkeit, ihre Enttäuschung, ihre Hoffnungslosigkeit, ihre Ziellosigkeit – das alles kommt in dieser Nacht zum Ausdruck und in der Erfolglosigkeit ihres Fischfanges.


Sie erleben es am eigenen Leib: ein Leben ohne Jesus ist ein fruchtloses Leben!


Jesus erbarmt sich dieses armseligen Zustandes einer Jünger. Wie könnte er auch anders – ER, der Lebendige, der seine Jünger liebt bis zur Vollendung? Wie könnte er es aushalten, seine Jünger in dieser Agonie zu belassen? Vielmehr drängt es ihn, mit ihnen sein Leben zu teilen. Er, der auferweckt wurde zu neuem, ewigen Leben möchte nun auch seine Jünger auferwecken und aus dem Grab ihrer Resignation herausführen.


Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer: Jesus steht für den Anfang eines neuen Tages. Er ist die Scheide zwischen der Nacht, als einem Leben ohne ihn und dem Tag, als einem Leben mit ihm und durch ihn und in ihm.


Dabei fällt Jesus nicht mit der Tür ins Haus und ruft: Hallo, ich bin Jesus! Kennt ihr mich denn nicht?


So sollen sie Jesus nicht erkennen. Sie sollen ihn durch das erkennen, was sie erleben: Durch das, was sie auf sein Wort hin erleben. Dazu gehört auch die bewusste Erfahrung ihrer Armut, die durch die Frage Jesu nach Essbarem aufgedeckt und durch ein schroffes Nein bestätigt wurde. Dann aber der Reichtum, der durch sein Wort in ihr armes, leeres Leben einfließt. So erleben sie, dass durch ihn ihr armes Leben reich wird; ihr totes Leben lebendig; dass durch Jesus der Tag kommt, der ihre Nacht beendet! Dass Jesus die Nahrung ist, die den Hunger stillt.


Dies alles erkennt zuerst der Jünger, den Jesus liebt. Auch hier erneut der Beginn bei Jesus: die Erkenntnis Jesu ist ein Geschenk seiner Liebe! Jesus können wir nicht aus uns selbst heraus ausdenken. Er flößt uns mit seiner Liebe die Fähigkeit ein, ihn zu erkennen.


Und er schenkt uns die Erkenntnis seiner selbst nicht nur damit wir sie für uns behalten sondern damit wir sie weitersagen. Und das tut denn der Jünger auch sogleich, indem er dem Petrus seine Erkenntnis mitteilt. Und diese Erkenntnis bewegt, setzt in Brand – jeden auf seine Weise: den Jünger, den Jesus liebt, so dass er davon erzählt und die Herzen anderer brennen macht; den Petrus so, dass er sich sein Gewand überwirft, in den See springt und den übrigen auf Jesus zu im seichten Gewässer vorauswatet.


Jesus lässt sich von uns erkennen, damit wir es weitersagen und auch andere ihn erkennen. Er schenkt uns seine Nähe, damit wir davon Zeugnis geben und dadurch andere ihm näherkommen. Jesus gibt die Initialzündung zu einer Gemeinschaft, die sich in Gedanken, Worten und Werken auf ihn hin ordnet und zu ihm hin strebt.


„Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt.“ (Joh 15:16) Die Erwählung durch Jesus ist die Grundmelodie im heutigen Evangelium. Wie im morgendlichen Fischfang wird sie dann auch in der Einladung zum Mahl ausgedrückt und schließlich darin, dass Jesus den Petrus zum Hirten bestellt und ihm seine Schafe anvertraut. Er erwählt ihn zu seinem Nachfolger im Hirtenamt.


Wir dürfen uns heute besonders freuen, dass Jesus auch uns erwählt hat zu seiner Herde, zu seiner Kirche zu gehören. Das Bewusstwerden dieser Erwählung ist immer ein Weg aus dem Dunkel ins Licht, aus dem Tod ins Leben, aus der Jesusferne in seine Nähe. Amen!

Sonntag, April 11, 2010

Nicht sehen - doch glauben


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 20: 19 – 31


19Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!

20Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.

21Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

22Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!

23Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.

24Thomas, genannt Didymus (Zwilling), einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.

25Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.

26Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch!

27Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!

28Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott!

29Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

30Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan.

31Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.


Beim Lesen des heutigen Evangeliums ist mir das Wort Jesu eingefallen: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“ (Joh 3:16)


Die Hingabe seines einzigen Sohnes geschieht nicht nur im Kreuzestod. Auch seinen auferstandenen Sohn gibt Gott hin, indem er ihn erneut zu den Menschen schickt – zu den Jüngern, die in Angst vor den Juden versammelt sind. Gott ist in seiner Liebe unermüdlich und in seiner Hingabe treu. Und es ist diese treue Hingabe Gottes, die dem Ostersieg Jesu auch im Leben seiner Jünger zum Durchbruch hilft. Hätte Jesus nur auf sich selbst geschaut und sich nach seiner Auferstehung nicht mehr um seine Jünger gekümmert, wäre er für uns Menschen umsonst gestorben – und was wäre das auch für eine Liebe gewesen! Eine halbe Sache wäre es gewesen; auf halbem Weg wäre Jesus stehen geblieben.


Gott tut vielmehr das Gegenteil: Er schickt Jesus erneut zu seinen Jüngern und Jesus nimmt diese Sendung an, kommt in ihre Mitte und legt noch nach, denn er haucht sie an und sagt zu ihnen: „Empfangt den Heiligen Geist!“ Anstatt sie wegen ihrer Treulosigkeit zu tadeln beschenkt er sie mit dem Hl. Geist. So besiegelt er ihre Versöhnung mit Gott. Und macht sie fähig, den Dienst der Versöhnung hier in der Welt auszuüben: „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.“ (Joh 20:23)


Damit sind die Jünger in die Sendung Jesu mit hineingenommen: „Wie mich der Vater gesandt hat so sende ich euch!“ Die Angst lähmt sie; die Enttäuschung raubt ihnen jeglichen Antrieb. Das Leben steht in ihnen still; es ist erstarrt.

Diese Jünger haucht Jesus an und flößt ihnen so sein neues, göttliches, unvergängliches Leben ein; unvergänglich auch in dem Sinn, dass es nicht mehr stehen bleibt sondern fließt. Jesus nimmt sie hinein in die fließende Liebe Gottes. Das drückt die Gabe des Geistes aus und dass Jesus sie sendet; so kann die Liebe in ihnen und durch sie weiter fließen und zu einem Lebensstrom werden, der die Menschen und die Welt erfasst, reinigt, heilt und heiligt.


Mit Recht feiern wir heute also den Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit, denn er erzählt von der überfließenden, barmherzigen Liebe Gottes zu uns Menschen. Er erzählt von einer Liebe, die durch nichts besiegt werden kann und die nur dann wirkungslos bleibt, wenn wir sie nicht annehmen und sie nicht mehr durch uns fließen lassen; dann kann die Liebe Gottes in unserem Leben nicht wirksam werden.


Das wusste Thomas nicht: Was der Herr den anderen Jüngern geschenkt hat und wie er sie in die fließende Liebe Gottes hineingenommen hat; und wie dies auch ihm bestimmt ist. Darum ist mir bei der Erzählung vom Apostel Thomas ein weiteres Wort des Herrn eingefallen: „Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab; wer aber mich ablehnt, der lehnt den ab, der mich gesandt hat.“ (Lk 10:16) Damit drückt Jesus aus, was er heute an seinen Jüngern vollzieht: Sie sind Empfänger und Ausspender der barmherzigen Liebe Gottes. Das alles weiß Thomas nicht.


Darum konnte er seinen Freunden nicht glauben, als sie ihm erzählen, dass Jesus lebe. Er will das von Jesus selber hören. Er kennt nur die Unzuverlässigkeit und die Schwächen seiner Freunde. Das macht sie in seinen Augen unglaubwürdig. Was sie ihm da erzählen, sind für ihn erträumte Wunschvorstellungen und Phantasien; und auf die möchte Thomas sich nicht verlassen!


Und Jesus entspricht seinem Wunsch nach persönlicher Begegnung; er tut dies, um die Botschaft und die Sendung der Jünger zu bekräftigen. Thomas fügt sich in diese Sendung ein durch sein Bekenntnis Jesus gegenüber: „Mein Herr und mein Gott!“ Fortan werde die Jünger im Namen des Herrn reden und wirken; sie werden seine Großtaten verkünden und seine Barmherzigkeit bezeugen. Dieses Zeugnis bildet das Herz der Kirche.

Sonntag, April 04, 2010

Der Jünger, den Jesus liebte!


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 20: 1 – 9


1Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war.

2Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat.

3Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab;

4sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab.

5Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein.

6Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen

7und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.

8Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte.

9Denn sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste.



Der Stein vom Eingang des Grabes weggenommen! Für Maria von Magdala eine Verlängerung des Karfreitag: auch das noch: Jetzt haben sie den Herrn vom Grab weggenommen! Sie haben ihn umgebettet! Aber wohin? War es immer noch nicht genug des Leidens? Hört denn das niemals auf?

In ihrer Ratlosigkeit eilt sie zu Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte.

Unterwegs wird aus dem „Ich“ ein „Wir“: Wir wissen nicht...


Die beiden Jünger reagieren unverzüglich: Sie gehen hinaus zum Grab! Unterwegs wird aus dem Gehen wird ein Laufen! Maria hat sie mit ihrer Nachricht in Ungewissheit gestürzt im Hinblick auf Jesus. Das Bedürfnis nach Gewissheit macht ihnen Beine: Was ist mit dem Leichnam Jesu geschehen?


Sie schauen sich das Grab näher an, betreten die Grabkammer, sie ist leer, sie sehen die Leinenbinden liegen und daneben das Schweißtuch Jesu an einer besonderen Stelle.


Vom Jünger, den Jesus liebte und der zuerst zum leeren Grab gekommen ist, hören wir: er sah und glaubte! – Dabei wusste er noch nicht aus der Schrift, dass Jesus auferstehen musste!


Woher kommt dieser Glaube? Nicht notwendig von dem, was er sieht: vom geöffneten und leeren Grab und den herumliegenden Leinenbinden. Daraus können auch andere Schlüsse gezogen werden, wie Magdalena dies getan hat.


Der diesen Glauben hat, ist jener Jünger, den Jesus liebt; der von Jesus geliebt wird. Dieser Glaube ist ein Geschenk aus dieser Liebe heraus! Ein Geschenk des liebenden Herrn! Wir stehen in dieser Liebe auf dem Grund von allem! Diese Liebe gewährt uns Zugang zu allem.

Acces denied – Zugriff verweigert! Heißt es, wenn wir für den Zugang zu einem digitalen Bereich ein Passwort brauchen! Das Passwort im heutigen Evangelium: Jesu Liebe?


Nicht von Magdalena, die Jesus so sehr liebt, dass sie alleine frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab kam, um vor dem Grab ihres geliebten Herrn zu weinen und zu trauern und

nicht von Petrus, den Jesus zum Felsen seiner Kirche und so zum Ersten der Apostel bestimmt hat, heißt es, dass sie glauben;

Sondern von jenem Jünger, der nicht einmal einen Namen hat und den es auszeichnet, dass Jesus ihn liebt – von diesem Namenlosen heißt es: er sah und glaubte!


Es ist diese Liebe des Herrn, in der sich die Liebe Gottes zeigt. Und sie zeigt sich zu Ostern als Leidenschaft für das Leben; sie kann vom Leben nicht lassen und überwindet in der Auferstehung den Tod hin auf ewiges, immerwährendes Leben.

Diese Liebe kann vom Menschen nicht lassen; sie bewegt Gott, Mensch zu werden, als Mensch den Tod zu erleiden und ihn in der Auferstehung zu überwinden.

In dieser Liebe erträgt es Gott nicht, das, was er auf wunderbare Weise geschaffen hat, dem Verfall im Tod preiszugeben; die Pläne seines liebenden Herzens sind ganz andere: Er will seinen Geschöpfen Anteil geben an seiner Lebensüberfülle.


Diese Liebe bewegt Jesus gerade in die Mitte seiner Jünger hinein aufzuerstehen – in die Mitte jener Menschen, die ob ihrer Treulosigkeit diese Liebe eigentlich gar nicht verdienen. Und es ist diese Liebe, die gerade ihrer Unverdientheit wegen, ihres gnadenhaften Geschenktseins wegen die Herzen der Jünger voll treffen und bewegen kann.


In dieser Liebe ist der Trost der Kirche zu jeder Zeit begründet. Gerade wenn sie sich besonders schmerzhaft als Gemeinschaft sündhafter Mitglieder erkennen muss – wie in diesen Tagen und Wochen – darf und muss sie entschlossen ihren Blick auf diese Liebe richten und auf Jesus; sie darf sich gewiss sein, dass der Herr sie liebt und ihr den Glauben daran schenkt, dass er auferstanden ist und dass er lebt. Sie darf gewiss sein, dass sie mit dem Herrn auferstehen und in dieser neuen Wirklichkeit leben wird. Amen!

Donnerstag, April 01, 2010

Ein Beispiel habe ich euch gegeben!


Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 13: 1 – 15


1Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung.

2Es fand ein Mahl statt, und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern.

3Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte,

4stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch.

5Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war.

6Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen?

7Jesus antwortete ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen.

8Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir.

9Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt.

10Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle.

11Er wusste nämlich, wer ihn verraten würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.

12Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe?

13Ihr sagt zu mir Meister und Herr, und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es.

14Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.

15Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.



„Nehmen“ und „Geben“ sind wesentliche Grundhaltungen unseres Lebens. In ihnen vollzieht sich unser Leben. In ihnen gelingt unser Leben.


Dieses beiden Haltungen begegnen uns im Geschehen des heutigen Abends, wie er uns in Lesung und Evangelium entgegentritt.

So hören wir von Johannes, dass Jesus darum wusste, dass Gott alles in seine Hände gegeben hat und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrt.

Wir erleben Jesus in tiefster und bewusster Verbundenheit mit Gott. Wir erleben Jesus, wie er aus dem Vollen schöpfen kann.


Was nimmt Jesus nun von all dem, was Gott in seine Hände gegeben hat? Er nimmt ein Leinentuch! Mit dem umgürtet er sich. Dazu eine Schüssel mit Wasser. Zuvor legt er sein Obergewand ab. Jesus schickt sich an Sklavendienst zu tun, indem er den Jüngern die Füße wäscht. Er gibt den Lehrer und den Meister her und nimmt an deren Stelle den Sklaven.

Er tut erneut, was er schon in der Menschwerdung getan hat: Er gibt seine Gottgleichheit her und nimmt unser Menschsein an. Damit bekräftigt er den Schritt in unser Menschsein und richtet diesen Schritt hin auf sein Dienen zu unserer Erlösung.


Mit dem, was er also genommen hat gibt er etwas – nämlich ein Beispiel für seine Jünger. Ein Beispiel zum Leben. Sie sollen einander tun, wie er an ihnen getan hat.


Bereits in der Lesung hat Paulus von diesem Nehmen und Geben erzählt. Jesus nahm das Brot und gab es seinen Jüngern zum Essen; und dann nahm er den Wein und gab ihn ihnen zum Trinken. Zwischen Nehmen und Geben vollzieht sich Wandlung: Er gibt sich selber in diese Gaben hinein, damit seine Jünger in denselben Gaben ihn selber nehmen können zur Speise und zum Trank: seinen Leib im Brot und sein Blut im Wein!

Worin aber ist dieses Wandeln begründet? Wo wurzelt es? Woher bezieht es seine Kraft?


Wir finden eine Antwort auf diese Frage gleich zu Beginn des Evangeliums: „Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, liebte er sie bis zur Vollendung.“ (Joh 13:1)

Es ist der Nährboden der Liebe Jesu zu uns, aus dem das Verhalten Jesu herauswächst. Zugleich ist es auch der Liebesgrund Gottes, denn Jesus tut dies alles während er aus dieser Welt zum Vater geht. Sein Weg zum Vater besteht von Anbeginn darin, uns Menschen seine und damit das Vaters Liebe zu erweisen.


Und Jesus tut, was er den Vater tun sieht: Wie der Vater ihm alles in die Hände gegeben hat geradeso gibt Jesus auch uns alles in unsere Hände: Sein Beispiel, dass wir es leben; seinen Leib, dass wir ihn essen; sein Blut, dass wir es trinken.


Durch das, was Gott ihm gegeben hat, hat Jesus sich gewandelt von Gott in den Menschen, vom Herrn in den Sklaven, der dient und sich verzehren lässt.

Wir hören ausdrücklich davon, dass Jesus um all dies wusste. Damit drückt der Evangelist aus, dass Jesus seinen Weg verwandelnder Entäußerung zuinnerst mitvollzogen hat: Nicht nur der Vater wollte es so; Jesus wollte es gleichermaßen; denn er und der Vater sind eins.


Sind unsere Hände ganz offen für das, was Jesus hineinlegen möchte? Diese Offenheit wird sich erweisen in unserer Bereitschaft und Fähigkeit zur Wandlung im Geben und Nehmen. Sie erweist sich im Mut zur Dienstbereitschaft und in der Bereitwilligkeit, sich verzehren zu lassen. Sie erweist sich darin, dass Christi Leben in unserem Leben Gestalt gewinnt, so dass die Menschen an unserem Leben Christus riechen können.


In de Parfümerie der heutigen Lesungen bietet uns Jesus kein Eau de Cologne sondern ein Eau de Christ an. Amen!