Sonntag, Mai 30, 2010

Ineienander, miteinander, voneinander


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 16: 12 – 15


12Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.

13Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird.

14Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden.

15Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.





Wenn ein Theaterstück zu Ende und der Vorhang gefallen ist treten die Schauspieler vor und verneigen sich Hand in Hand vor dem applaudierenden Publikum.


Damit soll deutlich werden: Sie alle gehören zusammen, sind eine zusammen gespielte Gemeinschaft; was jeder Einzelne von sich gezeigt hat, war nur im Miteinander aller übrigen möglich.


Eine Möglichkeit, das heutige Fest des dreifaltigen Gottes nahe zu bringen: Das Drama unserer Erlösung hat mit dem Pfingstfest seine glückliche Vollendung erreicht: Der Sohn ist vom Vater gesandt in unser Menschsein; als Mensch ist er zu unserer Befreiung gestorben, von den Toten auferstanden und heimgekehrt in die Herrlichkeit des Vaters; im Hl. Geist ist er mit seiner göttlichen Lebensfülle immer bei uns. Der Vorhang ist gefallen – und wie die Leute im Theater gehen wir hinaus in unsere Welt, beschenkt mit der Freiheit der Kinder Gottes; erfüllt und umgeben mit der Gegenwart des lebendigen Gottes; berufen und gesendet, durch unser Leben von dieser Gegenwart Zeugnis abzulegen.


Aber zuvor treten die Akteure noch einmal Hand in Hand vor den Vorhang: Der Vater, der Sohn, der Geist! Sie bezeugen damit, dass sie zusammengehören; jeder hat wohl seinen Part gespielt – aber das wäre niemals ohne den anderen möglich gewesen; nur gemeinsam ist ihnen dieses Werk der Erlösung gelungen. So sind sie eine unlösbare Einheit. Das eben gehörte Evangelium gibt eine Ahnung von dieser Verbundenheit: Der Geist redet nicht aus sich sondern das, was er hört; er nimmt von dem, was Jesus gehört; und was Jesus gehört, das hat auch der Vater. Wir sehen: Ineinander, miteinander, voneinander! Das sind die Markenzeichen des heutigen Dreifaltigkeitsfestes.


Im Theater ist die Vorstellung vorbei, nachdem der Vorhang gefallen ist und die Schauspieler sich noch einmal gemeinsam präsentiert haben.


Und doch ist die Vorstellung nicht vorbei. Denn die Besucher sind beeindruckt. Dieser Eindruck bleibt in ihrem Herzen haften. In der Erinnerung beschäftigen sie sich damit. Ihr Empfinden und ihr Denken wird beeinflusst. Sie machen sich ihre Gedanken und sprechen davon. Schließlich wird in irgendeiner Form auch ihr Verhalten dadurch geprägt. Die Vorstellung ist zwar im Theater beendet im Herzen und im Leben der Besucher findet sie aber ihre Fortsetzung – und die hat in gewisser Weise kein Ende; denn sie wirkt im Leben der Besucher und geht über in das Leben jener, mit denen sie Kontakt haben und so weiter....


In der langen Nacht der Kirchen vorgestern haben nicht wenige von all dem eine lebendige Ahnung bekommen.


Das Besondere an der „Aufführung“ des dreifaltigen Gottes – Vater, Sohn und Geist – sie erwarten keine Gage, denn sie haben gerne – sprich: aus Liebe für uns – gespielt! Nicht in einer Liebe, in der sie sich selbst produzieren wollen sondern in einer Liebe, die rein zu unseren Gunsten, zu unserem Heil, zu unserem Guten wirkt. Um unsretwillen spielen sie dieses Spiel der Liebe. Und es ist eine Liebe ohne Grenzen, ohne Vorbehalte und mit dem vollen Einsatz ihrer selbst.


Und die Bühne, auf der sie spielen, ist auch nicht irgendwo entfernt von uns: Unser Leben, unser Herz ist diese Bühne – Tag für Tag, Augenblick für Augenblick. In uns läuft dieses Theater ab! Und jeder von uns spielt mit; er ist Hauptdarsteller – denn um sein Leben geht es in diesem Spiel: dass dieses Leben gelingt; dass es sich entfaltet; dass es fruchtbar ist; dass es zum Segen wird; dass es bewusst und entschlossen zur Bühne wird, auf der die DREI ihr Spiel entfalten, ihre Kunst aufblühen und ihre Liebe verschenken dürfen.


Der heutige Sonntag ist eine großartige Hommage an den dreifaltigen Gott: dass er uns so gern hat; dass er sich die ganze Heilsgeschichte für uns angetan hat – und nicht aufhören will, sich das auch weiterhin für uns anzutun; dass er uns einlädt zu diesem Spiel des Lebens, der Gnade und der Liebe.


In der 1. Lesung hörten wir ja, dass es eine Freude für ihn ist, bei uns Menschen zu sein.


Möge es doch auch für uns eine Freude sein, bei ihm zu verweilen – jetzt und immer und in Ewigkeit! Amen!

Samstag, Mai 22, 2010

Der hl. Geist der Beistand


Aus dem Hl. Evangelium nach Johannes
14: 15 – 16.23b – 26

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
15 Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.
16 Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll.

23b Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.

24 Wer mich nicht liebt, hält an meinen Worten nicht fest. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat.

25 Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin.

26 Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.





Ich bin der „Ich bin da“ (Ex 3:14) So stellt Gott sich im brennenden Dornbusch dem Mose vor. Im heutigen Evangelium hören wir, wie Jesus diesen Anspruch Gottes aufrecht erhält. Nun da er seine Jünger verlässt wird er den Vater um einen anderen Beistand bitten, der dann für immer bei seinen Jüngern bleiben soll. Er nennt ihn Beistand, denn er wird seinen Jüngern beistehen, wie Jesus es getan hat, als er mit ihnen unterwegs war; und wie Gott seinem Volk beigestanden ist die Jahrhunderte hindurch.

Aus dem unerschöpflichen Quell seiner Liebe heraus hat Gott im Verlauf der Geschichte Immer wieder die Beziehung zu seinem Volk erneuert. Denken wir dabei an die markanten Gestalten an denen sich dieser unerschütterliche Wille, seine Liebe zu erneuern, gezeigt hat: Noach, Abraham, Mose, David. Dieses Bestreben Gottes in seiner Liebe treu zu bleiben erreicht seinen Höhepunkt in der Sendung seines Sohnes Jesus Christus. In der Sendung des Hl. Geistes erfolgt das letzte und endgültige Update seiner Liebe zu uns Menschen. Gott besiegelt so bis ans Ende der Zeit seine erlösende Liebe durch Jesus Christus und setzt durch das Wirken des Hl. Geistes diese Liebe und ihre erlösende Kraft für immer gegenwärtig. Die Kirche ist die sichtbare Gestalt dieser gegenwärtigen Liebe Gottes hier auf Erden.


Diese Besiegelung erleben wir in der Lesung aus der Apostelgeschichte. Wie Feuer und wie ein Sturm überkommt der Hl. Geist die wartende und betende Jüngergemeinde und sie erkennt das Heilswirken Gottes bisher und dass auch sie – die Jünger in diesen Heilsplan Gottes eingebunden sind; dass sie die Gemeinschaft der Kirche sind, in der Gott sein heil hier auf Erden weiter wirken möchte; dass sie der Leib Christi sind, der hier auf Erden weiterlebt und der Gottes große Taten verkünden soll. Und das tun sie denn sogleich, denn mit der Einsicht in diese Berufung bekamen sie die Kraft verliehen, diese Berufung auch zu leben: Sie treten offen vor das Volk und predigen in der Kraft des hl. Geistes die Erlösung im Namen Jesu. Und die wird sichtbar in den Vielen, die sich bekehren und sich der jungen Kirche anschließen. Sie wird sichtbar in Zeichen und Wundern, die durch die Apostel geschehen.

Wenn wir die Entfaltung der Kirche in der Apostelgeschichte verfolgen, können wir verstehen, warum Jesus den Hl. Geist „Beistand“ nennt: Er ist die Kraft, in der die Jünger auftreten, predigen und Zeichen und Wunder wirken. Warum können die Jünger so sehr in der Kraft des Hl. Geistes wirken?


Das Evangelium gibt Antwort. Dort erfahren wir nun von Jesus selber über die eigentlichen Aufgabe des Beistandes. Sein Beistehen besteht darin, dass er lehrt und an alles erinnert, was Jesus ihnen gesagt hat. Er wird also bewirken, dass Jesus nicht in Vergessenheit gerät: Er wird ihnen seine Worte und seine Taten in Erinnerung rufen – aber nicht in nostalgischer Märchenform: „das war einmal“ sondern in der lebendigen Gegenwartsform: „Das ist jetzt!“ Mit den Worten und Taten Jesu wird Jesus selber gegenwärtig und sein erlösendes Wirken kann fließen: Es fließt wie Feuer vom Himmel und entzündet; es strahlt auf wie das Licht und erleuchtet; es weht wie der Wind, der im Sturm ergreift und in Bewegung setzt; es strömt wie das Wasser auf trockenes Erdreich.


Ich muss dabei an mein Heimatdorf denken: Dort zweigen vom Bach, der durch das Dorf fließt, Gräben ab, die in die anliegenden Felder führen. Durch Schieber wird der Wasserzufluss in diese Gräben geregelt. Durch Umkehr und Taufe werden die Schieber geöffnet und die Wasser des Heiles können ungehindert fließen und den trockenen Graben ausfüllen.


Bei der wartenden Jüngerschar wurde der Schieber geöffnet durch ihr beharrliches, einmütiges Gebet.


Der Hl. Geist öffnet sowohl die Schieber, denn er bewegt zur Umkehr, er führt zur Taufe, er lässt beharrlich beten; er ist aber auch das erfrischende Wasser, das in vielfältiger Form neues Leben schenkt. Er ist der Lebens- und Liebesodem, der von Jesus ausgeht und der uns jenes Leben schenkt, das uns als seine Jünger auszeichnet.


Er gibt dem Volk, das ihm vertraut, das auf seine Hilfe baut, seine Gaben zum Geleit.


Er lässt es in der Zeit bestehn, seines Heils Vollendung sehn und der Freuden Ewigkeit. Amen! Halleluja!

Dienstag, Mai 18, 2010

Einssein - In-sein


Aus dem heiligen Evangelium nach

Johannes 17: 20 – 26


20Aber ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben.

21Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.

22Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind,

23ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich.

24Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt.

25Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt, und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast.

26Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.



In der Erwartung des Hl. Geistes hören wir heute im Evangelium Jesus zu seinem Vater beten. Es ist kein wortloses Beten und Jesus betet nicht in der Abgeschiedenheit. Er betet vor seinen Jüngern und drückt das im Gebt zum Vater aus, was ihm für seine Jünger vor allem am Herzen liegt.


Dass dieses Gebet auch uns betrifft, sagt er gleich ausdrücklich zu Beginn des Gebetes: „Ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben.“ (Joh 17:20) So können wir also mit Recht sagen: Jesus betet heute auch für uns. Und was er seinen Jüngern erbittet, das erbittet er auch für uns. Im Blick auf jene, die durch das Wort seiner Jünger an ihn glauben richtet er seine Augen bereits auf die Kirche aller Zeiten.


Worum bittet Jesus nun? Um Einheit vor allem: Alle sollen eins sein! Das Gebet ist eine einzige Bitte um Einheit.

Wenn wir jedoch die Uneinigkeit gerade auch in unserer Kirche und zwischen den einzelnen Konfessionen erleben dann verstehen wir, warum Jesus so sehr und so eindringlich um Einheit gebeten hat.


Der Bedeutsamkeit der Einheit, ihrer Gefährdung und der schieren Unmöglichkeit, sie wieder zu erringen entspricht auch das Vorbild für Einheit, das Jesus uns vor Augen hält: Es ist die Einheit, die Jesus mit seinem Vater lebt – nicht mehr und nicht weniger!

Welche Haltung streicht Jesus nun aber an diesem Einssein zwischen ihm und dem Vater besonders hervor, damit wir sie uns abschauen und sie nachahmen? Die Toleranz, das Verständnis, die Geduld, die Flexibilität? Nein!


Er spricht bloß vom Ineinandersein: „Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin!“ Das begründet ihre Einheit. Es ist ein uneingeschränktes Raumgeben ineinander und ein uneingeschränktes Raumnehmen. Dies ist jedoch kein Ineinanderaufgehen, in dem jeder seine Eigenheit verliert: Der Vater bleibt der Vater und der Sohn bleibt der Sohn. Der Vater ist im Sohn und lässt ihn Sohn sein; der Sohn ist im Vater und lässt ihn Vater sein.


Nun gibt Jesus dem Gebet eine bemerkenswerte Fortsetzung: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin – jetzt würden wir erwarten: so sollen auch sie ineinander sein! – aber Jesus betet anders: sollen auch sie in uns sein.

Damit macht Jesus deutlich: Die Einheit, um die er für uns bittet und die er von uns erwartet können wir auf uns gestellt nicht verwirklichen. Da werden wir allemal versagen.

Das Einssein miteinander können wir nur verwirklichen, indem wir in Gott sind. Mit anderen Worten: Die Quelle des Einsseins unter uns Christen ist die Verbundenheit mit Gott. Je verbundener mit Gott desto mehr eins miteinander. Oder umgekehrt: Je weniger eins miteinander desto weniger verbunden mit Gott!


Je mehr ich das bedenke desto klarer wird mir, warum dieses Evangelium ausgerechnet in der Novene auf Pfingsten hin verkündet wird: weil wir ohne den Hl. Geist dieses Einssein nie und nimmer erreichen geschweige denn halten werden können. Denn es ist der Hl. Geist, in dem der Vater im Sohn ist und der Sohn im Vater. Und im Hl. Geist sind wir in Gott.


Was bedeutet das nun näher hin?

Dass wir Eins miteinander niemals ohne den Hl. Geist sein können.

Dass wir eins miteinander nur durch unser Einssein mit Gott werden können.

Dass im Einssein mit Gott unser Eigensinn zerstört und unsere Identität vollkommen wird.


Der Eigensinn ist es, der uns verschließt vor Gott und voreinander; er verschließt uns auch vor uns selber, denn er lässt uns nicht in Gott unsere wahre Mitte erkennen; er lässt uns einsam mit uns allein. Ihn aufzubrechen ist ein Werk des hl. Geistes.

In diesem Aufbruch entdecken wir vor zu unsere wahre Identität, die darin besteht, dass wir von Gott geschaffen und von ihm geliebt sind und dass wir in ihm das Ziel unseres Lebens finden. Wir erfahren uns von Gott zuerst geliebt – und dies mit einer Eindringlichkeit, die uns dazu drängt, einander zu lieben. Diese Liebe ermöglicht das Einssein, das Jesus meint. Hl. Geist, der Einheit schafft, erfülle uns mit deiner Kraft! Amen!

Himmelfahrt - Heimgang


Aus dem heiligen Evangelium nach

Lukas 24: 46 – 53


46Er sagte zu ihnen: So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen,

47und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden.

48Ihr seid Zeugen dafür.

49Und ich werde die Gabe, die mein Vater verheißen hat, zu euch herab senden. Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet.

50Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie.

51Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben;

52sie aber fielen vor ihm nieder. Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück.

53Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott.




Welch ein Unterschied im Verhalten der Jünger! Welch eine Veränderung! Nachdem Jesus sie im heutigen Evangelium verlässt und zum Himmel emporgehoben wurde kehren sie in großer Freude nach Jerusalem zurück und sie waren nun immer im Tempel und riesen Gott.


Es ist noch nicht lange her, da hat er sie schon einmal verlassen; auch damals wurde er emporgehoben – allerdings angenagelt an einem Kreuz am ende eines Leidensweges. Damals reagierten die Jünger auch ganz anders: Sie flohen und liefen auseinander; sie hatten Angst vor den Juden und sperrten sich zu Hause ein.


Heute aber sind sie in großer Freude; sie bleiben beisammen und zwar in aller Öffentlichkeit: Im Tempel halten sie sich auf und preisen Gott.

An diesen gewandelten Jüngern ist beispielhaft das erlösende Wirken Jesu erlebbar. Sie sind so geworden durch seinen Tod, seine Auferstehung und dadurch, dass er sie erneut um sich versammelt hat – um die Gabe der Erlösung mit ihnen zu teilen.


Für Jesus war das Verlassen der Jünger ein Gehen zum Vater; und dieses Gehen war ein Heimgehen. Das gibt dem Prozess der Loslösung Jesu von den Jüngern einen sehr persönlichen und warmen – irgendwie heimeligen Charakter – zumal Jesus ja auch seine Jünger zu sich und zum Vater heimholen wird. Der Heimgang Jesu ist von vornherein ausgerichtet auf den Heimgang seiner Jünger und damit zugleich auf den Heimgang seiner Kirche.


Dieses Heimgehen versteht Jesus nicht nur von seiner Himmelfahrt sondern auch von seinem Leidensweg in den Tod hinein. Und es stirbt sich anders, wenn dieser Prozess ein Heimgehen ist. Das konnten wir bereits selber womöglich am Sterben von Angehörigen erleben.


Das Heimgehen Jesus ist ein Zurückkehren an seinen Ursprung. Dieses Heimgehen Jesu klingt in seinem ganzen Leben hier auf Erden immer wieder in verschiedener Weise an:

Es ist da, wenn Jesus als 12jährigre zu seinen Eltern sagt: wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört? (Lk 2:49)

Es ist da, wenn Jesus beim Gebt ist – allein oder mit den Leuten; in der Einöde oder im Tempel.

Es ist da, wenn er beim letzten Abendmahl beim Segnen von Brot und Wein die Augen zum Himmel erhebt.

Jesus lebt sein ganzes Leben als ein Heimgehen; in der Himmelfahrt wird dies wie mit einer Unterschrift bestätigt und zugleich vollendet.


Bedenken wir jedoch, wie dieses Heimgehen geschieht: Jesus kommt als ein anderer Zurück als der er vom Vater ausgegangen ist. Er kommt zurück, geprägt und gekennzeichnet von der Menschheit, die er bei seiner Geburt angenommen hat. Sein Heimgehen ist ein Durchgehen durch unser Menschsein und durch unsere Welt. Im Durchgehen geschieht nun aber unlösbare Verbindung. Was er sich im Durchgehen verbunden hat, das bleibt ihm; da nimmt er an; das nimmt er mit. Durch dieses Annehmen und Mitnehmen von uns Menschen wird Erlösung dessen möglich, was noch nicht erlöst ist. Wenn Jesus zum Vater nach Hause kommt, dann nicht mit „leeren Händen“ – er bringt dem Vater als Geschenk die erlöste Menschheit mit – nicht als anonyme Masse sondern jeden Einzelnen einzeln im Gesamt jener, die zu ihm gehören.


Jesu Himmelfahrt als Heimfahrt – nicht nur als Vollendung seines Weges und als Eröffnung unseres Weges zum Vater sondern als Vorgabe für uns: Auch wir sollen unser Leben als Himmelfahrt, als Heimfahrt leben und erleben und damit als Rückkehr zu unserem Ursprung. Jeder Atemzug kann uns davon erzählen; jedes Zurückkehren in die Nacht, die wir morgens wieder in den Tag hinein verlassen. Und auch wir sind im Kommen anders als im Gehen. Auch wir kommen als Beladene und Gewandelte.


Himmelfahrt: Was es für Jesus war und ist das möge es für uns werden! Zeichen dafür sind die Freude und die Dankbarkeit über die Gewissheit, dass Jesu Herrlichkeit auch unsere Heimat beim Vater ist. Amen!

Samstag, Mai 15, 2010

Festhalten am Wort Jesu


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 14: 23 – 29


In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

23Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.

24Wer mich nicht liebt, hält an meinen Worten nicht fest. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat.

25Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin.

26Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

27Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.

28Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch zurück. Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich.

29Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.





Jesus bestellt seinen Hof und regelt seine Hinterlassenschaft. Er selber geht zum Vater. Nicht dass er das nahende Leiden und Sterben verdrängt und ausblendet. Er sieht nur weiter als bis zu seinem Tod: Er sieht darüber hinaus; er blickt durch den Tod hindurch. Er sieht den, der jenseits des Todes seiner wartet: er sieht auf den Vater.


Jesus hält an seinem Vater fest. Schon die ganze Rede hindurch kommt der Vater ausdrücklich durch Jesu Mund zur Sprache: die Liebe zu Jesus erweckt die Liebe des Vaters; der Vater wird zusammen mit Jesus kommen und wohnen bei dem, der Jesus liebt. Die Worte, das seine Jünger hören, sind des Vaters Worte. Schließlich wird der Vater im Namen Jesu den Hl. Geist als Beistand zu ihnen senden.


Auch darin, dass Jesus seinen Vater so umfassend in seiner Sprache zum Ausdruck bringt, hält Jesus an seinem Vater fest.

Dieses Festhalten Jesus an seinem Vater weckt so kurz vor Jesu Leiden und Sterben die Frage auf: Wird der Vater auch an seinem Sohn Jesus festhalten? Er wird! In der Auferstehung hat es sich erwiesen. Dieses Festhalten aneinander ist Ausdruck einer unerschütterlich treuen Liebe zueinander.


Dieses Festhalten Jesu an seinem Vater betrifft auch uns. Denn indem wir uns an Jesus halten, halten wir uns an seinem Vater. Und auch bei uns wird dieses Festhalten ein Ausdruck unserer Liebe sein: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr an meinem Wort festhalten!


So ein Wort des Herrn haben wir am heutigen Sonntag in besonderer Form vor uns: in der Gestalt unserer Mutter! Heute am Muttertag können wir in dieser Frau ein Wort sehen, in dem Gott uns seine besondere Liebe und Zuneigung ausspricht. In dieser Frau will nämlich die Mütterlichkeit Gottes in einmaliger Weise zu jedem ganz persönlich zum Ausdruck kommen. In der Feier dieses Tages halten wir an unserer Mutter fest. Wir danken ihr für die vielfältige Sorge um uns Zeit ihres Lebens und auch nach ihrem Tod als Fürsprecherin bei Gott. Möge die Feier dieses Tages eine herzliche Verbundenheit ausdrücken, die das ganze Jahr über die Beziehung zu unserer Mutter kennzeichnet.


Wie wir bei Jesu Beziehung zum Vater und bei unserer zur Mutter beobachten konnten kommt dieses Festhalten von der Liebe; sie gibt den Impuls und die Kraft zum Festhalten. Je größer und je treuer die Liebe umso entschlossener unser Festhalten. Wie wir Festhalten ist ein Kennzeichen unserer Liebe.


Und so stellt Jesus fest: Wenn ihr mich liebt werdet ihr an meinem Wort festhalten. Das Wort, das Jesus gesprochen hat und das uns im Evangelium überliefert ist, ist nicht von ihm zu trennen und wie wir mit diesem Wort umgehen gehen wir mit Jesus selber um. In seinem Wort ist Jesus selber da. Diese wesentliche und unlösbare Einheit möchte Jesus uns heute von neuem in das Bewusstsein rufen. Zugleich lenkt er unsere Aufmerksamkeit auf unseren Umgang mit seinem Wort; das heißt konkret: Mit dem Wort des Evangeliums, wie wir es bei der hl. Messe hören; mit dem Evangelium, das bei uns zu Hause im Regal steht; mit dem Evangelium, das im Kirchenblatt wöchentlich zu uns nach Hause kommt – so wir diese Zeitung abonniert haben.


Die Rolle also, die dieses Wort in unserem Leben spielt, genau diese Rolle spielt auch Jesus in unserem Leben – diese und keine andere!


Wie sollte es auch möglich sein, Jesus zu lieben und zugleich sein Wort gering zu achten! Das wäre völliger Unsinn!


Jesus wusste genau, warum er seine Person bindet an Sinnfälliges – wie es das Wort des Evangeliums ist; oder das eucharistische Brot; oder der bedürftige Nächste. Er tut dies, damit unsere Beziehung zu ihm sich grundsätzlich und ausschließlich über diese Sinnfälligkeiten gestalte. Damit bleibt unsere Beziehung zu Jesus zeit unseres Lebens gebunden an unsere Lebenszusammenhänge hier auf Erden. Oder andersherum: Auf diese Weise wird unser ganzes Leben eingebunden in unsere Beziehung zum Herrn. Und der Herr hat die Möglichkeit, seinen Geist, sein leben, seine Liebe durch uns einfließen zu lassen in die Lebenszusammenhänge, in denen wir stehen.


Wenn wir an seinem Wort festhalten hält dieses Wort uns fest bei ihm; zugleich hält es uns fest in unserer gelebten Wirklichkeit – auf dass alles Bestand habe in IHM und alles erlöst werde durch IHN. Amen!

Samstag, Mai 01, 2010

Liebt einander wie ich euch geliebt habe!


Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 13: 31 – 33a.34 – 35

31Als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist in ihm verherrlicht.

32Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen, und er wird ihn bald verherrlichen.

33aMeine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch.

34Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.

35Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.





Jesus weiß um sein baldiges Ende. Was er seinen Jüngern noch zu sagen hat ist darum von besonderer Bedeutung: Es ist sein Testament, das er ihnen in seinen Worten vermacht. Es ist das, was er ihnen als Bleibendes vermitteln wollte durch sein Leben in ihrer Mitte. Sein Reden und Wirken mündet in dieses Testament. Es ist die Zusammenfassung seines Lebens hier auf Erden. Diese Zusammenfassung besteht im neuen Gebot. Dieses neue Gebot ist denkbar kurz: „Liebt einander!“

Auf ihre Liebe zueinander hat Jesus hingewirkt und hin gelebt. Nun lässt sie Jesus nicht mit dem Gebot allein stehen. Er fügt das Liebesbeispiel hinzu, an dem sie sich in ihrem Lieben orientieren sollen: „Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.“

Auf sich allein gestellt würde ihre Liebe sich allzu schnell verdünnen, verflüchtigen und in ihr Gegenteil verkehren. Ihre Liebe verlöre ihre Richtung aufeinander hin und würde sehr schnell verkümmern zu einer Liebe zu sich selbst.

Die Erinnerung an Jesu Liebe zu uns – gerade so wie sie uns im Evangelium begegnet – ist das immer gültige und immer wirksame Korrektiv unsrer Liebe zueinander. Die Liebe Jesus zu uns ist die Quelle, an der wir die Liebe zueinander immer wieder beleben müssen. Darum ist die Besinnung auf Jesu Lieb zu uns unablässig. Diese Besinnung geschieht immer dann, wenn wir uns dieser Liebe des Herrn aussetzen, wenn wir uns von Jesus lieben lassen.

Wo geschieht das mehr als in den Sakramenten, in denen er selber im hl. Zeichen uns begegnet?

Wo geschieht das mehr als in jenen Momenten, wo wir uns betend seiner hl. Gegenwart bewusst werden?

Jesus hat uns nicht nur die Liebe zu einander als Testament hinterlassen sondern auch seine Liebe zu uns.

Wie die Schöpfung aus dem Schlaf der Nacht oder des Winters zu neuem Leben erwacht, indem sie sich der Sonne aussetzt, die sie bescheint so erwachen auch wir zur Liebe zu einander, wenn wir uns von Jesu Liebessonne bescheinen lassen.

Wir haben in der zweiten Lesungen in gewaltiger Sprache vom neuen Himmel, von der neuen Erde und vom neuen Jerusalem gehört; das Blut, das durch die Adern dieser neuen Wirklichkeiten fließt ist das neue Gebot, einander zu lieben – so wie Jesus uns geliebt hat. Die Liebe Jesu zu uns – Wesensbild der Liebe Gottes zu uns Menschen – ist das Herz dieser neuen Welt. Es ist jene Welt, die in Christus erneuert ist.

Es ist etwas Großartiges um die Liebe Jesu zu uns. Er sagt ja: Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Er sagt nicht: Wie ich euch geliebt habe so sollt auch ihr mich lieben. Sondern: Wie ich euch geliebt habe so sollt auch ihr einander lieben. Verzichtet er auf unsere Liebe zu ihm zugunsten unserer Liebe zueinander?

Nein! Er möchte seine Liebe zu uns sehr wohl beantwortet haben. Was wäre denn das auch für eine Liebe, die auf keine Antwort wartet!? So eine Liebe ist unvorstellbar.

Jesus wartet sehr wohl auf unsere Liebesantwort. Aber ermöchte diese Antwort ausschließlich über die Liebe zu einander bekommen. Das heißt: Indem wir einander lieben und nur indem wir einander lieben möchte Jesus, dass wir seine Liebe zu uns beantworten. Er möchte keine Liebe von uns, die sich von der Liebe zueinander losgelöst hat. Entweder ist unsere Liebe zu ihm verbunden mit unserer Liebe zueinander oder er verzichtet auf unsere Liebe zu ihm. Die Liebe zueinander ist das Wasserzeichen unserer Liebe zu Jesus. Die Echtheit und Wahrhaftigkeit unserer Liebe zu ihm besteht in der Liebe zueinander. Und erstirbt die Liebe zueinander stirbt auch die Liebe zu ihm.

Dieser Weg der Liebe führt deshalb geradewegs zum Wort des Herrn: „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

Nehmen wir uns abschließend ein Liebeswort des hl. Augustinus zu Herzen: „Die Liebe ist das Einzige, was die Kinder Gottes von den Kindern des Teufels unterscheidet. Hörst du: das Einzige. Wer die Liebe hat, ist aus Gott geboren; wer sie nicht hat, ist nicht aus Gott geboren. Das ist das große Zeichen, der große Unterschied.“

Der Herr schenke uns unablässig diese Liebe; er erneuere diese Liebe in uns und lasse uns immer mehr Zeugen dieser Liebe sein in unserem Denken, Reden und Tun! Amen!