Samstag, Juni 26, 2010

Unterkunft für Jesus


+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 9: 51 – 62


51Als die Zeit herankam, in der er (in den Himmel) aufgenommen werden sollte, entschloss sich Jesus, nach Jerusalem zu gehen.

52Und er schickte Boten vor sich her. Diese kamen in ein samaritisches Dorf und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen.

53Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war.

54Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet?

55Da wandte er sich um und wies sie zurecht.

56Und sie gingen zusammen in ein anderes Dorf.

57Als sie auf ihrem Weg weiterzogen, redete ein Mann Jesus an und sagte: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst.

58Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.

59Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben.

60Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes!

61Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich von meiner Familie Abschied nehmen.

62Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.





So verschieden die einzelnen Teile des heutigen Evangeliums sein mögen – ein Thema haben sie gemein: das Beisammensein mit Jesus und wie es gelingen kann oder verhindert wird.


Jesus ist entschlossen unterwegs nach Jerusalem. Unterwegs will er in einem Dorf der Samariter Rast machen. Doch die weisen ihn ab, weil er unterwegs nach Jerusalem ist und die Samariter sich mit den Juden nicht vertragen – Frucht einer Bruderfeindschaft seit der Spaltung des Königreiches in ein Nordreich und ein Südreich unter dem Nachfolger von König Salomon.


Diese Samariter waren geprägt von ihrer Tradition; wir können sie sogar als Gefangene ihrer Geschichte nennen. Sie konnten sich mit den Worten der 2. Lesung nicht vom Geist leiten lassen. In diesem Geist hätte der Herr sie befreit vom schlechten Einfluss ihrer Tradition. Sie hätten ihren Nächsten – in unserem Falle Jesus – lieben können wie sich selbst.


Jesus selber ist ihnen hierin Vorbild: Denn er sagt seinen Jüngern nicht: Wenn ihr mir eine Unterkunft besorgt, dann bloß nicht in einem Dorf der Samariter! Mit diesen Leuten möchte ich nämlich nichts zu tun haben.


Jesus möchte vielmehr mit allen Menschen zu tun haben und vor niemandem schreckt er zurück; niemanden weist er zurück. Vielmehr sagt er selber: Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle, ausnahmslos alle, an mich ziehen (vgl. Joh 12:32)


Zudem gab es schon damals samaritische Gemeinden, die sich von dieser üblen Tradition frei waren: Etwa jene Gemeinde, der die Frau angehörte, mit der Jesus mittags am Sycharbrunnen ins Gespräch kam. Von diesen Leuten hieß es: „Als die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb dort zwei Tage.“ (Joh 4:40)


Dieses Ereignis erinnert uns zudem daran, dass Jesus auch heute unterwegs ist hinauf nach Jerusalem und er auch heute seine Boten vorausschickt, dass sie ihm eine Unterkunft besorgen. „In seiner Kirche Pilgerkleid wandert er durch die Zeit“ – wie es in einem Kirchenlied heißt. Dieses Kleid ist bunt wie die Kirche auch. Er kommt im Kleid der Priester. Der Priester ist ein „anderer Christus“! Und wie sehr auch der Priesterstand durch die aufgedeckten Missbrauchsfälle in Misskredit geraten ist – gerade die Herbergsuche Jesu im heutigen Evangelium will uns daran erinnern, dass das Kleid makellos rein ist, in dem der Priester Stellvertreter des Herrn ist. Im Blick auf dieses Christuskleid wird der Priester seiner Würde gewiss und er wird seine Berufung erneut hochschätzen und lieben. Und die Gläubigen werden den Priesterstand erneut hoch zu schätzen wissen.


Nicht minder rein ist das Kleid der Armen, in dem der Herr um Aufnahme bittet.


Und wie erst kann ich hoch genug sprechen vom Kleid der Eucharistie oder vom Kleid des Wortes?

Möge der Herr uns durch seinen Geist befreien, dass wir den Herrn in den vielen Kleidern, in denen er uns begegnen möchte, wieder erkennen und aufnehmen sobald er kommt und bei uns Unterkunft sucht.


Es ist dabei mehr als hilfreich an seine Mutter Maria zu denken: Als er in der Menschwerdung hier auf Erden Unterkunft suchte hat ihm Maria großzügig ihr Herz, ihren Geist und ihren Leib geöffnet mit den Worten: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn! Mir geschehe nach deinem Wort!“ (Lk 1:38)

Der Geist, der Maria führte möge auch uns führen!


Es ging bei dem bisher Gesagten um das Beisammensein mit Jesus unter dem Vorzeichen der Aufnahme!

Nun blicken wir auf das Beisammensein mit Jesus von einem anderen Blickwinkel – von dem der Nachfolge. Davon erzählt uns der zweite Teil des heutigen Evangeliums.


Es geht da einerseits um Leute, die wolle Jesus nachfolgen. Das heißt, sie wollen mit ihm unterwegs sein; sie wollen beständig in seiner Nähe sein; sie wollen mit ihm leben. Das hat eigentlich auch mit Aufnahme zu tun. Nur ist diesmal Jesus der Aufnehmende. Die Bitte, ihm zu folgen können wir auch so formulieren: Jesus, willst Du mich aufnehmen in Deine Nähe, in Deine Gegenwart, in Dein Leben.

Andererseits drückt Jesus selber diesen Wunsch aus, dass Menschen ihm nachfolgen; das heißt er ist bereit, diese Leute bei sich aufzunehmen.


Dabei entdecken wir einen Zusammenhang mit der Geschichte vorhin: Die Bedingungen, die Jesus für eine gelingende Nachfolge aufstellt, haben allesamt mit Freiheit zu tun – mit jener Freiheit, die den Samaritern fehlt, die ihm Unterkunft verweigert haben.


Da sind zuerst die Höhlen der Füchse und die Nester der Vögel: Der Mensch, der Jesus nachfolgen will muss sich hüten, Höhlen zu graben oder Nester zu bauen. Er muss sich hüten davor, es sich zu richten, wie man so sagt; er muss sich hüten vor einem bequemen Leben, in dem die Annehmlichkeiten hier auf Erden unversehens die Oberhand gewinnen und den betreffenden Menschen erstarren lassen und den Kontakt mit Jesus still und heimlich abschneiden.


Und dann sind da die Toten, die ihre Toten begraben: Es geht da um die Freiheit von jeglicher verwandtschaftlicher Bindung, die die Bindung an den Herrn behindert. Um dem Herrn folgen zu wollen und folgen zu können braucht es Freiheit von jeglicher Bindung an die eigne Familie. Nachfolge Jesu sprengt die familiären Fesseln. Die Toten sind nicht nur die Verstorbenen sondern auch jene, die Jesus nicht nachfolgen.


Und schließlich der Blick zurück: es geht dabei um die Freiheit von jeglicher Vergangenheit. Paulus drückt diese Freiheit so wunderbar aus, wenn er schreibt: „Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist.“ (Phil 3:13) Was vor mir ist, das ist das Leben mit Christus; mit jenem Christus, der sagt: „Seht, ich mache alles neu“ (Offb 21:5). Das Alte ist vergangen und Neues ist geworden.


Es ist die innere Freiheit im Hl. Geist, die mich befähigt, Jesus aufzunehmen, der bei mir Unterkunft sucht.

Es ist die innere Freiheit im Hl. Geist, die mich befähigt, Jesus nachzufolgen.

Es ist die innere Freiheit im Hl. Geist, die mich tauglich macht für das Reich Gottes. Amen!

Freitag, Juni 18, 2010

Für wen haltet ihr mich?


Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 9: 18 – 24


18Jesus betete einmal in der Einsamkeit, und die Jünger waren bei ihm. Da fragte er sie: Für wen halten mich die Leute?

19Sie antworteten: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija; wieder andere sagen: Einer der alten Propheten ist auferstanden.

20Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Petrus antwortete: Für den Messias Gottes.

21Doch er verbot ihnen streng, es jemand weiterzusagen.

22Und er fügte hinzu: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er wird getötet werden, aber am dritten Tag wird er auferstehen.

23Zu allen sagte er: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.

24Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten.




Wir erleben Jesus allein im Gebet. Nur seine Jünger sind bei ihm. Eine Frucht dieses Gebetes ist die Frage Jesu an seine Jünger, für wen die Leute ihn halten und dann, für wen sie ihn halten.


Hat etwa die Anwesenheit der Jünger ihn abgelenkt?

Oder hat Jesus das Dasein seiner Jünger dermaßen in sein Gebet eingeflochten, dass es ihn zu dieser Frage führte?

Dass er sich in seinem Beten also nicht nur als den Sohn erlebt, der im Angesicht seines himmlischen Vaters dessen Willen erfüllt und dessen Reich verkündet?


Dass ihm zudem klar wird, dass zu diesem Auftrag auch das Interesse gehört, wie er denn bei den Leuten und bei seinen Jüngern ankommt.

Zu seiner Herkunft vom Vater kommt die Ankunft bei den Menschen in sein Blickfeld.

Zu dem, der ihn gesendet hat kommen die dazu, zu denen er gesendet ist.


Im Beten weitet sich der Blick seines Herzens vom Vater, den er liebt auf die Menschen, die seiner Liebe bedürfen.


Die Frage: Wofür halten die Leute ihn und wofür seine Jünger deutet darauf hin, dass Jesus in seine Berufung hineinwächst.


Wie beantworten die Jünger die Frage Jesu? Durchaus unterschiedlich!


Die Leute sehen in Jesus Johannes den Täufer, Elias oder einen der alten Propheten. Gestalten, die in der Vergangenheit gelebt haben. Nichts Neues. Jesus ein Aufguss von schon Dagewesenem.


Ganz anders die Antwort des Petrus: „Für den Messias Gottes!“ Der war noch nicht da! Der muss erst kommen! Den erwarten das jüdische Volk mit großer Sehnsucht! Und es erwartet ihn mit großer Macht und Herrlichkeit. Er wird jeglicher Not ein Ende bereiten und das Volk Israel in die Freiheit führen.


Dieser Meinung der Jünger von ihm tritt Jesus überraschend entgegen: Zuerst verbietet er ihnen streng, dies jemandem weiter zu sagen und dann entwirft er von seinem Werdegang ein Gegenbild: das Bild vom leidenden, verworfenen und getöteten Menschensohn. So ein Jesus passt gar nicht in das Messiasbild des jüdischen Volkes.


Dieses Verhalten Jesu lässt deutlich erkennen, dass er sich seiner Berufung gewiss ist und seinen Weg klar vor Augen hat. Und dass er diesen Weg gehen wird auch wenn die Menschen ihn nicht verstehen und selbst die Jünger ihn verlassen werden.

Die Frage zu Beginn, für wen die Leute und die Jünger ihn halten, drückt nicht Unsicherheit über seine Berufung aus. Sie zielt vielmehr darauf ab, das Verständnis von ihm bei den Leuten und bei seinen Jüngern zu ergründen, um es nötigenfalls zu korrigieren – und das tut er sogleich und mit Entschiedenheit!


Gebet in der Einsamkeit – das bedeutet für Jesus nicht, dass dies mit den Leuten und mit seinen nichts Jüngern zu tun hat. Gebet –Begegnung mit Gott ereignet sich auch um der Menschen willen. Und die Fragen Jesu an seine Jünger will ihnen indirekt sagen: Ich habe auch für euch gebetet. Ihr ward in mein Gebet eingeschlossen. Im Gebet erfahre ich, wer ich bin! Wisst auch ihr, wer ich bin?


Im Gebet erkenne ich meinen Weg! Kennt auch ihr meinen Weg? Die Fragen Jesus sind Frucht seines Betens und knüpfen sein Leben mit dem Leben der Jünger zusammen. Er ist von sich aus an dieser Verknüpfung interessiert.


Am Ende des Evangeliums kommt diese Verknüpfung zwischen den Leuten und ihm erneut zur Sprache im Bild der Nachfolge: „Wer mir nachfolgen will, wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Will die Verbundenheit zwischen Jesus und seinen Jüngern Frucht tragen, darf sie nicht einseitig bleiben. Sie muss von beiden Seiten – von Jesu und der Jünger Seite gesucht und gepflegt werden. Die Ernsthaftigkeit dieser Verbundenheit erweist sich im Mitgehen auf dem Weg, den auch Jesus geht – auf dem Kreuzweg!


Um Jesu willen täglich das Kreuz auf sich nehmen, Jesus nachfolgen und so sein Leben um Jesu willen verlieren – das bedeutet Jesus wirklich als den Messias anerkennen. Es bedeutet, mit IHM zu leiden und so das Leben zu gewinnen und mit ihm verherrlicht zu werden. Amen!

Freitag, Juni 11, 2010

So viel Liebe


Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 7: 36 - 50


In jener Zeit

36ging Jesus in das Haus eines Pharisäers, der ihn zum Essen eingeladen hatte, und legte sich zu Tisch.

37Als nun eine Sünderin, die in der Stadt lebte, erfuhr, dass er im Haus des Pharisäers bei Tisch war, kam sie mit einem Alabastergefäß voll wohlriechendem Öl

38und trat von hinten an ihn heran. Dabei weinte sie, und ihre Tränen fielen auf seine Füße. Sie trocknete seine Füße mit ihrem Haar, küsste sie und salbte sie mit dem Öl.

39Als der Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, das sah, dachte er: Wenn er wirklich ein Prophet wäre, müsste er wissen, was das für eine Frau ist, von der er sich berühren lässt; er wüsste, dass sie eine Sünderin ist.

40Da wandte sich Jesus an ihn und sagte: Simon, ich möchte dir etwas sagen. Er erwiderte: Sprich, Meister!

41 (Jesus sagte:) Ein Geldverleiher hatte zwei Schuldner; der eine war ihm fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig.

42Als sie ihre Schulden nicht bezahlen konnten, erließ er sie beiden. Wer von ihnen wird ihn nun mehr lieben?

43Simon antwortete: Ich nehme an, der, dem er mehr erlassen hat. Jesus sagte zu ihm: Du hast Recht.

44Dann wandte er sich der Frau zu und sagte zu Simon: Siehst du diese Frau? Als ich in dein Haus kam, hast du mir kein Wasser zum Waschen der Füße gegeben; sie aber hat ihre Tränen über meinen Füßen vergossen und sie mit ihrem Haar abgetrocknet.

45Du hast mir (zur Begrüßung) keinen Kuss gegeben; sie aber hat mir, seit ich hier bin, unaufhörlich die Füße geküsst.

46Du hast mir nicht das Haar mit Öl gesalbt; sie aber hat mir mit ihrem wohlriechenden Öl die Füße gesalbt.

47Deshalb sage ich dir: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie (mir) so viel Liebe gezeigt hat. Wem aber nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe.

48Dann sagte er zu ihr: Deine Sünden sind dir vergeben.

49Da dachten die anderen Gäste: Wer ist das, dass er sogar Sünden vergibt?

50Er aber sagte zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden!




Der Apostel Paulus schreibt uns heute im Brief an die Galater über seine Beziehung zu Christus. Dabei stellt er sich selber als Lebensraum für Christus dar: Christus lebt in mir. Diese Worte bezeichnen eine ganz tiefe Verbundenheit zwischen Paulus und Christus. Sie sagen uns, dass Christus dem Paulus ganz nahe ist; so nahe, dass er in ihm lebt.


Wie können wir uns dieses Lebendigsein Christi in Paulus vorstellen?


Auf der Suche nach einer Antwort stoßen wir auf die Sünderin im heutigen Evangelium. Der Umstand, dass diese Frau sich wohl riechendes Öl in einem Albastergefäß leisten kann, weist sie als begütert aus; eine Frau die durch ihr Gewerbe reich geworden ist. Heute würden wir diese Frau als Edelhure bezeichnen. An dieser Frau also sollen wir ablesen, wie Christus in einem lebt?


Hören wir Gregor den Großen in seinem Kommentar zu dieser Frau: „Ihre Augen waren einst voll weltlicher Begierde, nun sind sie aus Reue voller Tränen, ihr Mund hatte einst voll Hochmut gesprochen, aber indem sie jetzt die Füße des Herrn küsst, heftet sie ihn an ihren Erlöser, Salbe verwendete sie um ihrem Körper Wohlgeruch zu geben, doch was sie einst schmählich für sich verwendet hatte, das bietet sie jetzt lobenswerterweise Gott dar. Aus ihren Vergehen hat sie eben so viele Tugenden gemacht. All das, mit dem sie in der Zeit der Schuld Gott verachtet hatte, soll nun in der Zeit der Buße in den Dienst Gottes gestellt werden.“


Ist diese Frau in ihrem bisherigen Beruf völlig um sich gekreist: Um ihren Leib, um ihre Schönheit, um ihr Begehren so hat sie nun ihre Berufung erkannt, sich ganz auf Christus auszurichten: Ihre Tränen weint sie für die Füße Jesu; mit ihren Haaren trocknete sie die Füße Jesu; ihre Küsse schenkte sie den Füßen Jesu und salbte die Füße des Herrn mit dem Öl. Das Verhalten der Frau lässt an das Wort aus dem Propheten Jesaja denken: „Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten, der Frieden ankündigt, der eine frohe Botschaft bringt und Rettung verheißt.“ (Jes 52:7) Indem diese Frau sich so liebevoll um Jesu Füße kümmert drückt sie unmissverständlich aus, wie dankbar sie ist für das, was Jesus ihr geschenkt hat: Für die Rettung, den Frieden und die Freude, die sie von Jesus erfahren hat in der Vergebung ihrer Sünden. Sie erweist Jesus so viel Liebe weil sie von ihm so viel Liebe geschenkt bekam. Liebe antwortet auf Liebe.


Ehe die Frau die Erfahrung machen konnte, dass Christus in ihr lebte hat Jesus die Erfahrung gemacht, dass die Frau in ihm lebte. In seinem Erbarmen konnte er dieser Frau Raum geben in seinem Herzen. Jesus hatte eine Herz für diese Frau: ein offenes Herz, ein mit leidendes Herz, ein vergebendes Herz – eben ein liebendes Herz. Der heutige Herz-Jesu- Sonntag will diese Botschaft vermitteln und das von der Lanze aufgerissene Herz Jesu will genau das sagen: Jesus hat ein offenes Herz für alle, die so ein Herz brauchen: Die Verlorenen, die Verwundeten, die schuldig Gewordenen, die Verurteilten, die zu kurz Gekommenen.


Genau diese Erfahrung hat die Frau im heutigen Evangelium machen dürfen, indem Jesus sie nicht von sich gestoßen sondern sie aufgenommen und ihren berührenden Liebesdienst angenommen hat: diese Frau hat auf ihre Weise das offene Herz Jesu verehrt und die Großtat seiner Liebe gepriesen. Denn sie hat aus dieser Quelle göttlichen Erbarmens die Fülle der Rettung, des Friedens und der Freude empfangen.


Paulus und die Frau im heutigen Evangelium sagen uns: Die Beziehung mit Jesus ist etwas zum Leben. Wenn ich mich auf diesen Jesus einlasse kann das nicht verborgen bleiben. Vielmehr wird mein Leben dadurch geformt in einer Weise, dass es mehr und mehr an Jesus erinnert. Das Wasser kann die Quelle nicht leugnen, der es entströmt. Und die Quelle kann das Wasser nicht für sich behalten, das ihr entströmt.


Jesu Herz ist so eine Quelle und auch unser Herz soll so eine Quelle sein. Das ist zumindest seine Berufung. Gott hat ihm diese Berufung eingeschaffen. Lassen wir uns von Jesus ermutigen, diese Berufung auszuleben. Amen!

Samstag, Juni 05, 2010

Stark wie der Tod ist die Liebe


Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 7: 11 – 17


In jener Zeit

11ging Jesus in eine Stadt namens Nain; seine Jünger und eine große Menschenmenge folgten ihm.

12Als er in die Nähe des Stadttors kam, trug man gerade einen Toten heraus. Es war der einzige Sohn seiner Mutter, einer Witwe. Und viele Leute aus der Stadt begleiteten sie.

13Als der Herr die Frau sah, hatte er Mitleid mit ihr und sagte zu ihr: Weine nicht!

14Dann ging er zu der Bahre und fasste sie an. Die Träger blieben stehen, und er sagte: Ich befehle dir, junger Mann: Steh auf!

15Da richtete sich der Tote auf und begann zu sprechen, und Jesus gab ihn seiner Mutter zurück.

16Alle wurden von Furcht ergriffen; sie priesen Gott und sagten: Ein großer Prophet ist unter uns aufgetreten: Gott hat sich seines Volkes angenommen.

17Und die Kunde davon verbreitete sich überall in Judäa und im ganzen Gebiet ringsum.




Jesus ruft einen jungen Mann vom Tod ins Leben zurück. Zu dieser Handlung bewegt ihn Mitleid. Mitleid nicht mit dem jungen Mann, weil er zu früh aus seinem noch jungen Leben geschieden ist; Mitleid hat Jesus vielmehr mit der Mutter dieses jungen Mannes: Sie ist eine Witwe und der Verstorbene war ihr einziger Sohn. Das heißt: jetzt hat sie niemand mehr, der auf sie schaut, der sich um sie kümmert, der sie versorgt. Ein soziales Netz wie bei uns heute gab es damals nicht. Auf einmal gehört sie mit den unheilbar Kranken und Waisen zur Randgruppe der Gesellschaft, abhängig vom Wohlwollen ihrer Mitmenschen.


Im Blick auf diese Frau heißt es also von Jesus: „Er hatte Mitleid mit ihr und sagte zu ihr: Weine nicht!“


Doch bewegt ihn dieses Mitleid nicht nur zu Worten sondern auch zu einer Tat, die jedes menschliche Maß übersteigt: Er ruft den jungen Mann aus dem Tod ins irdische Leben zurück! Unglaublich!


Die Leute merken es sogleich: Bei dem, was Jesus da getan hat, ist Gott selber im Spiel; da ist Gott am Werk. Denn Tote lebendig machen ist allein das Werk Gottes. Darum preisen die Leute nicht Jesus sondern Gott und sagen dabei: Ein großer Prophet ist unter uns aufgetreten: Gott hat sich seines Volkes angenommen. (Lk 7:16)


Zugleich ist dieses machtvolle Zeichen aber ein Hinweis auf die machtvolle, barmherzige Liebe Jesu zu dieser trauernden, einsamen Witwe. Und genau das können wir bei Jesus auf Schritt und Tritt verfolgen: was er an Wunderbarem wirkt, tut er nicht, um eine Show abzuziehen; um sich selber hervorzutun; um zu demonstrieren, wie gut und mächtig er ist.


Er tut all dies Wunderbare einzig um der Menschen in ihrer Armut willen. Das Elend der Menschen fordert ihn heraus, ihre Krankheit, ihre Verlassenheit, ihre Versklavung, ihre Schuld. Die leidenden Menschen unter der Macht des Negativen und des Bösen rühren an sein Herz und bewegen es zum Mitleid und zur Überwindung durch das Gute und die Güte, die in ihm ist.


Wenn es im Hohen Lied der Liebe heißt: „Stark wie der Tod ist die Liebe!“ (8:6) so erweist sich im heutigen Evangelium, dass die Liebe Jesu stärker ist als der Tod.


Gut gefügt steht das heutige Evangelium am beginn des Monat Juni. Dieser Monat ist nämlich besonders dem Herzen Jesu geweiht. Und was wir eben von Jesus gehört haben ist eine ganz starke Einladung, vor allem anderen an seine barmherzige Liebe zu appellieren. Denn es ist diese Liebe wie ein Motor, der alles in Bewegung setzt, was uns zum Segen ist.


Wir wollen uns die Frage des Apostel Paulus aneignen: „Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? All das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ (Röm 8:35-39)


Wie Jesus nichts abhalten kann, uns sein Erbarmen zu schenken und seine Liebe in uns zur Vollendung zu bringen so soll auch uns nichts davon abhalten, dieser Liebe zu vertrauen, uns dieser Liebe zu öffnen, auf diese Liebe zu bauen – und so dieser Liebe die Chance zu geben, unser Leben je neu zu gestalten.


Blaise Pascal bringt dieses Vertrauen lebendig zum Ausdruck, wenn er schreibt: „Zu wem sollte ich rufen, Herr,

zu wem meine Zuflucht nehmen, wenn nicht zu dir?

Du allein hast meine Seele erschaffen können,

du allein kannst sie aufs Neue erschaffen.

Du allein hast ihr dein Bildnis einprägen können,

du allein kannst sie umprägen

und ihr dein ausgelöschtes Antlitz wieder eindrücken,

welches ist Jesus Christus, mein Heiland,

der dein Bild ist und das Zeichen deines Wesens.“


Lassen wir Jesus unablässig unser Herz nach seinem Herzen bilden! Amen!