Sonntag, September 26, 2010

Vor der Tür des Reichen ...




Aus dem heiligen Evangelium 
nach Lukas 16: 19 – 31

In jener Zeit sprach Jesus:
19Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag herrlich und in Freuden lebte.
20Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war.
21Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Stattdessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren.
22Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben.
23In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Lazarus in seinem Schoß.
24Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir, und schick Lazarus zu mir; er soll wenigstens die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer.
25Abraham erwiderte: Mein Kind, denk daran, dass du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er dafür getröstet, du aber musst leiden.
26Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund, so dass niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte.
27Da sagte der Reiche: Dann bitte ich dich, Vater, schick ihn in das Haus meines Vaters!
28Denn ich habe noch fünf Brüder. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen.
29Abraham aber sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören.
30Er erwiderte: Nein, Vater Abraham, nur wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren.
31Darauf sagte Abraham: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.






Ein Evangelium voller Gegensätze von Anfang an!
Ein Superreicher in seinem Wohlstand und vor seiner Tür ein Bettelarmer!
Der Reiche ist anonym, der Bettler heißt Lazarus! Dieser Name bedeutet: Gott hilft! Das verheißt nichts Gutes: nämlich dass er vom Reichen keine Hilfe bekommen wird sondern nur von Gott!

Dabei hat der Reiche die Gelegenheit zu helfen ganz nahe, vor seiner Haustür. Wie einfach wäre, mit Lazarus zu teilen und so seinem Reichtum Glanz zu verleihen. Aber so einfach es ist – der Reiche kommt nicht einmal auf die Idee, dies zu tun – so gefangen und geblendet ist er von seinem Vermögen. Er versteht es einfach nicht, sich den Lazarus mit einem Bruchteil seines Vermögens zum Freund zu machen, der ihm dann bei seinem Tod die Türe in Abrahams Schoß geöffnet hätte. (vgl das Evangelium vom vergangenen Sonntag!)

Basilius von Cäsarea, hätte dem Reichen zugerufen: „Dem Hungrigen gehört das Brot, das du zurückhältst, dem Nackten das Kleidungsstück, das du im Schrank verwahrst, dem Barfüßigen der Schuh, der bei dir verfault, dem Bedürftigen das Silber, das du vergraben hast. Aber du bist mürrisch und unzugänglich, du gehst jeder Begegnung mit einem Armen aus dem Weg, damit du nicht genötigt wirst, auch nur ein Weniges abzugeben. Du kennst nur die eine Rede: Ich habe nichts und kann nichts geben, denn ich bin arm. Ja, arm bist du wirklich: arm an Liebe, arm an Gottesglauben, arm an ewiger Hoffnung“

Von seinem Wohlstand völlig berauscht wie von einer schweren Droge kann er nicht wach sein, dem Lazarus vor der Tür zu helfen. Der Hunger des Lazarus nach Essensresten, mehr wollte er eigentlich gar nicht, erreicht das Herz des reichen Mannes nicht. Nur die Hunde schlafen nicht: sie haben „Erbarmen“ mit ihm und lecken seine Wunden.

Und noch einer schläft nicht: der Tod! Er sucht zuerst den Lazarus heim und dann den reichen Mann. Und hier ändern sich bereits die Umstände: Lazarus wird wie in einem Triumphzug von Engeln in den Schoß Abrahams geführt, während es vom reichen Mann einfach heißt: er wurde begraben!

Was sich im Tod bereits ankündigt wird nun offensichtlich: Es ist nicht zu Ende sondern es geht weiter mit dem Wohlleben und mit der Leiderei – nur diesmal fällt Lazarus auf die Butterseite und der reiche Mann versinkt in tiefem Elend!

Eine erschütternde Mahnrede Jesu an jeden „Reichen“ – an jeden, der Güter hat, die er mit jenen teilen kann, die noch ärmer sind als er und die gerade vor seiner Haustüre liegen: Er möge doch nicht nur um des Armen willen sondern auch um seiner selbst willen sich lösen von seinem Überfluss. Das Leben, das er Lazarus hier auf Erden verweigert, raubt es sich selber nach dem Tod. Und das Leben, das er hier auf Erden teilt wird ihm das Leben im Jenseits erschließen.

Wie ist ein Herz zu erreichen, das durch Vermögen hart geworden ist? Wodurch kann es erweicht werden?
Jesus ist realistisch, wenn er sagt, dass weder Mose, noch die Propheten auf diese Menschen Einfluss haben; und sie werden sich auch nicht erweichen lassen, wenn einer von den Toten auferstehen wird; damit ist vordergründig Lazarus gemeint; im Hintergrund spricht Jesus aber bereits von sich selber als dem Auferstandenen.

Wir erinnern uns angesichts unserer Geschichte wie Jesus sagt: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ Und wie ihn dann die Leute fragen: „Wer kann dann noch gerettet werden?“ Und er darauf antwortet: Was für Menschen unmöglich ist, ist für Gott möglich.“ (Lk 18:24-27)

Möge der Herr allen Besitzenden die Gnade schenken, die er dem Zachäus gewährte: Die Gnade, IHM zu begegnen und daraufhin die Gnade großzügigen Teilens mit dem Lazarus unserer Tage. Amen!

Samstag, September 18, 2010

Doch - ich weiß, was ich tun muss!





Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 16: 1 – 13

In jener Zeit
1 sagte Jesus zu den Jüngern: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen.
2Darauf ließ er ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich über dich? Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung! Du kannst nicht länger mein Verwalter sein.
3Da überlegte der Verwalter: Mein Herr entzieht mir die Verwaltung. Was soll ich jetzt tun? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht, und zu betteln schäme ich mich.
4Doch - ich weiß, was ich tun muss, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin.
5Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem andern, zu sich kommen und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig?
6Er antwortete: Hundert Fass Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich gleich hin, und schreib „fünfzig“.
7Dann fragte er einen andern: Wie viel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, und schreib „achtzig“.
8Und der Herr lobte die Klugheit des unehrlichen Verwalters und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes.
9Ich sage euch: Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es (mit euch) zu Ende geht.
10Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen unrecht tut, der tut es auch bei den großen.
11Wenn ihr im Umgang mit dem ungerechten Reichtum nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen?
12Und wenn ihr im Umgang mit dem fremden Gut nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann euer (wahres) Eigentum geben?
13Kein Sklave kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.





Jesus wagt es einen Kriminellen in den Mittelpunkt seiner Unterweisung zu stellen: einen Verwalter, der das Vermögen seines Herrn verschleudert.
Doch lobt Jesus nicht die Unehrlichkeit des Verwalters sondern seine Klugheit.
Worin besteht diese Klugheit?
Dass er sich um eine gute Zukunft sorgt, solange er dazu noch die Möglichkeit hat.
Denn er weiß, dass seine Zeit als Verwalter abgelaufen ist.
Er weiß zudem um seine Grenzen: „Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht und zu betteln schäme ich mich!“ (Lk 16:3)
Und schließlich weiß er, was er tun muss, damit ihn die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn er als Verwalter abgesetzt ist. (vgl. Lk 16:4) Er hilft den Schuldnern seines Herrn, indem er ihnen einen guten Teil ihrer Schuld erlässt. (vgl. Lk 16:5-7)

Das heutige Evangelium steht zu Beginn des 16. Kapitels bei Lukas. Wer das ganze Kapitel liest, bekommt am Ende die Geschichte vom reichen Prasser und vom armen Lazarus erzählt.
Der reiche Prasser ist nun genau das Gegenbild des klugen Verwalters im heutigen Evangelium.
Der Reiche Prasser weiß nicht, dass seine Zeit abläuft – dass er also sterben wird. Er weiß nicht um seine Begrenztheit. Er geht mit dem, worüber er verfügen kann, ichsüchtig um und teilt nicht mit dem armen Lazarus vor seiner Haustüre. Er schafft sich mit seinem Mammon keine Freunde. (vgl Lk 16:9)
Daher ist es nicht verwunderlich, dass Abraham und Lazarus ihm nicht die Türe öffnen, als es mit ihm zu Ende gegangen ist und er in die Hölle kommt, um dort fürchterlich zu leiden.
Er hat sich selber um diese offene Türe gebracht, denn den Schlüssel zu dieser Türe – seinen Reichtum, seinen Mammon, hat er nicht in das Schloss der Hilfsbereitschaft gesteckt. Diese Türe hat er dem Lazarus nicht geöffnet und sie bleibt auch ihm nun verschlossen.
Der Verwalter im heutigen Evangelium ist kein Heiliger; aber er handelt klug – geradeso als hätte er das Schicksal des reichen Prassers vorausgesehen. Seine Klugheit bewahrt ihn vor dem schlimmen Schicksal des reichen Prassers.
Nun – womöglich sind auch wir keine Heiligen, dass der Herr uns dafür loben könnte; aber geben wir ihm wenigstens die Chance, dass er uns wegen unserer Klugheit loben kann.

Diese Klugheit lehrt uns, dass auch unsere Zeit bemessen ist, in der wir über die Güter verfügen können, die uns zur Verwaltung anvertraut sind: die materiellen Güter, die Gaben unseres Geistes und unseres Gemütes, die Gabe der verfügbaren Zeit.....

Nachdem die Klugheit uns gelehrt hat, dass wir nicht ewig über unsere Talente verfügen werden können und dass diese Talente vielfältig sind, regt sie uns an, nachzuschauen, wie wir mit diesen Gaben so umgehen können, dass wir anderen damit Freude machen können.

Die Klugheit grenzt uns nicht nur ein auf die Gegenwart – so als gäbe es keine Vergangenheit und keine Zukunft. Sie will uns vielmehr klar machen, dass es eine Zukunft gibt und dass diese Zukunft abhängt von der Gegenwart. Wie ich jetzt mit meinem Vermögen umgehe wird meine Zukunft prägen.

Also legt uns die Klugheit nahe, so mit den Gütern in der Gegenwart umzugehen, dass eine gute Zukunft daraus erwächst.

Der unehrliche Verwalter tut das Gute, das er tut, nicht selbstlos: er denkt dabei zuerst an sich, und dass es ihm selber gut gehen möge; aber er verfolgt dieses Gutgehen über das Wohlergehen der anderen. So geht es letzten Endes allen gut!

Der Verwalter denkt auch an sein eigenes Wohlergehen; 
der reiche Prasser denkt nur an sein eignes Wohlergehen – das macht den Unterschied!

Ich denke, wir müssen uns nüchtern wahrnehmen und sagen: auch wir tun Gutes, weil wir dabei vor allem an uns selber denken. Aber ich meine, das ist schon mal ein guter Anfang. Und wir sollten von uns nicht gleich mehr verlangen als wir leisten können. Danken wir für das Gute, das wir tun können und tun wir es beständig weiter und Gott wird unsere Güte gewiss so prägen, dass sie ihm wohl gefällt und unseren Mitmenschen und uns selber immer mehr zum Segen wird! Amen!

Samstag, September 11, 2010

Geht dem Verlorenen nach, bis er es findet





Aus dem heiligen Evangelium 
nach Lukas 15: 1 – 10

In jener Zeit
1 kamen alle Zöllner und Sünder zu ihm, um ihn zu hören.
2 Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen.
3 Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte:
4 Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?
5 Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern,
6 und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wieder gefunden, das verloren war.
7 Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.
8 Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zündet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht unermüdlich, bis sie das Geldstück findet?
9 Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wieder gefunden, die ich verloren hatte.
10 Ich sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.





Es ist der Vorrang des Verlorenen, der mich in allen drei Lesungen anspricht! Das Verlorene, das Verirrte, das Widerständige, das in Sünde Gefallene – ihm wird von Gott her besondere Aufmerksamkeit zugewendet.

Eine Haltung, der Welt so fremd: Da hat das Verlorene keinen Platz, denn es bringt nichts mehr; es ist nicht mehr effizient, sich mit ihm abzugeben. Zugunsten möglichster Gewinnmaximierung wird Verlust eingeplant.

Oder es ist nicht „in“, sich mit ihm abzugeben. Man schämt sich der Verlorenen; sie werden versteckt und abgesondert. Widerständiges schließlich wir gemobbt, ausgegrenzt, bekämpft, vernichtet.

Dem Verlorenen wird kein Potential mehr zuerkannt. Es wird ihm keine Lebenschance mehr gegeben.

In der Klage Gottes über die Hirten seines Volkes beim Propheten Ezechiel 34:2-6 kommt diese Haltung zum Ausdruck: „Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden?
Die Milch genießt ihr, und mit der Wolle kleidet ihr euch, das fette Vieh schlachtet ihr – die Herde weidet ihr nicht.
Die Schwachen habt ihr nicht gestärkt und das Kranke nicht geheilt und das Gebrochene nicht verbunden und das Versprengte nicht zurückgebracht und das Verlorene nicht gesucht, sondern mit Härte habt ihr über sie geherrscht und mit Gewalt.

Und sie zerstreuten sich, weil sie ohne Hirten waren, und wurden allen Tieren des Feldes zum Fraß. So zerstreuten sich und irrten umher meine Schafe. Auf allen Bergen und auf jedem hohen Hügel und über das ganze Land hin sind meine Schafe zerstreut worden, und da ist niemand, der nach ihnen fragt, und niemand, der sie sucht.“

Wie so ganz gegensätzlich die Haltungen in den Lesungen des heutigen Sonntags: Wie ein Morgenrot beginnt es in der 1. Lesung, wenn wir dort hören: „Da ließ sich der Herr das Böse reuen, das er seinem Volk angedroht hatte.“ (Ex 32:14)

Und dann leuchtet die helle Sonne, wenn im Evangelium dem einen verlorenen Schaf alle Aufmerksamkeit geschenkt wird, um es wieder zur Herde zurückzubringen und der einen verlorenen Drachme – damals der Betrag für den Lebensunterhalt der ganzen Familie an einem Tag – um sie wieder zu finden. Der Schein dieser Sonne spiegelt sich wider in der Freude über den Rückgewinn des Verlorenen.

Und schließlich diese beiden Gleichnisse auf ein Menschenleben umgelegt, wenn Paulus in der 2. Lesung schreibt: „Ich, der ich den Herrn früher lästerte, verfolgte und verhöhnte, ich habe Erbarmen gefunden damit Christus Jesus an mir als Erstem seine ganze Langmut beweisen konnte, zum Vorbild für alle, die in Zukunft an ihn glauben, um das ewige Leben zu erlangen.“ (1Tim 1:16)

Und dann streicht er den Primat des Verlorenen hervor, indem er schreibt: „Jesus Christus ist in die Welt gekommen, um die Sünder zu retten. Von ihnen bin ich der erste.“ (1Tim 1:15)

Als Frucht der vorrangigen Sorge um das Verlorene hebt Jesus im Evangelium die Freude hervor: Hirte und Hausfrau freuen sich mit Freunden und Nachbarn über das wiedergefundene Verlorene. Und im Himmel herrscht Freude bei den Engeln Gottes über einen einzigen Sünder der umkehrt.

Mit der Umkehr des Sünders klingt ein neuer Ton an. Wie passt er zur Sorge um das Verlorene? Der Sünder erlebt sich in seiner Verlorenheit von Gott geliebt: Wenn andere und er selber sich auf seinem Irrweg nicht mehr mögen – Gott bleibt in seiner Liebe treu. Nicht dass er das Verhalten des Sünders gutheißt! Aber er bietet ihm trotzdem die suchende weil liebende Hand an als einzige Chance für die Umkehr und Erneuerung seines Lebens.

Bedenken deshalb auch wir im Hinblick auf alles, was wir in unserem Leben nicht mögen, dass der Herr gerade deswegen auf der Suche nach uns ist. Dies ist der Zündfunke für das Heilwerden in unserem Leben. Hier kann Umkehr und Heimkehr beginnnen. So entzündet die Macht seiner Liebe unsere Liebe zu ihm, zueinander und zu uns. Lassen wir uns von der Liebe Gottes finden, treffen und entflammen! Amen!

Dienstag, September 07, 2010

Leben durch die enge Tür

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Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 13: 22 – 30

In jener Zeit
22 zog Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte.
23Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen:
24Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen.
25Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt, dann steht ihr draußen, klopft an die Tür und ruft: Herr, mach uns auf! Er aber wird euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid.
26Dann werdet ihr sagen: Wir haben doch mit dir gegessen und getrunken, und du hast auf unseren Straßen gelehrt.
27Er aber wird erwidern: Ich sage euch, ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle unrecht getan!
28Da werdet ihr heulen und mit den Zähnen knirschen, wenn ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid.
29Und man wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen.
30Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein und manche von den Ersten die Letzten.




Es ist schon eine besondere Fügung, im Urlaub über das Evangelium von der engen Türe zu predigen und über das Reich Gottes, in die hinein sie führt.
Denn zum einen will das „Bemühen mit allen Kräften“ so gar nicht zur Zeit der Entspannung und der Erholung zu passen, die wir mit dem Urlaub verbinden;
Zum anderen kann gerade „Urlaub“ in besonderer Weise etwas vom Reich Gottes vermitteln – nicht nur durch die vielfältige Schönheit dieser Zeit sondern auch durch das Zusammenkommen vieler Menschen aus aller Welt in den Urlaubsorten;

Gerettet zu werden, hat mit den Worten Jesu niemand gepachtet. Es bedarf unserer ganzen Aufmerksamkeit, in das Reich Gottes zu gelangen. Es ist unsere ganze Anstrengung und Mühe wert, dort zu sein, wo Gott ist. Es genügt nicht, mit dem Herrn zu essen und zu trinken und seine Worte zu hören. Aber was ist dann nötig, um ins Reich Gottes zu gelangen? Recht zu tun!

Als Beispiel führt Jesus die Väter Israels und seine Propheten an. Allesamt Menschen, die aus dem Glauben an Gott gelebt und geredet haben. Menschen, die Gottes Wort hörten und danach handelten. Menschen, die durch ihr Reden und Tun zu einem lebendigen Widerspruch ihrer Zeitgenossen wurden und sich so Unwillen, Ablehnung und Verfolgung ihrer Zuhörer zugezogen haben.

Jesus führt aber jene zahl- und namenlosen an, die von Ost und West, von Nord und Süd im Reich Gottes zusammenkommen und dort zu Tisch sitzen. Er spricht offensichtlich jene Menschen an, die nicht zum auserwählten Volk Israel gehören und denen dennoch die Tür zum Reich Gottes offen gestanden ist. Jesus spricht da eine Weite Gottes an, die Israel nicht mehr mitvollziehen kann. Es gehört wesentlich zur Auserwählung Gottes dazu, mit IHM zu wachsen, je und je in SEINE Weite mit hineinzugehen. Die Enge, die uns begrenzten Geschöpfen eignet, zu sprengen – das ist auch gemeint mit dem Mühen, durch die enge Tür zu gelangen.

Sollen wir uns also den Urlaub einschränken lassen durch die enge Tür im heutigen Evangelium? Keineswegs! Vielmehr wollen wir dieses Mühen in unseren Urlaub integrieren. Wie das gehen soll? Nun, indem wir den Urlaub als Gabe Gottes sehen lernen, uns geschenkt zum rechten Umgang, damit wir uns wieder neu ausrichten und sammeln können auf unseren Beruf, auf unsere Aufgaben, auf die Menschen, die uns das Jahr über auf verschiedene Weisen anvertraut sind.

Das heißt mit anderen Worten: Urlaub steht auch auf dem Plan Gottes für uns – und das gewiss nicht an letzter Stelle. Und Urlaub bedarf durchaus auch der Anstrengung – etwa unsere Arbeiten nicht nur äußerlich sondern auch innerlich loszulassen. Das ist nicht selbstverständlich und nicht so leicht, wie es klingt. Denn wie schnell passiert es, dass wir vom Arbeitsstress in den Urlaubsstress fallen!

Es bedarf der bewussten Aufmerksamkeit, einmal wirklich zur Ruhe und zu kommen und etwa die Stille auszuhalten, die sie mit sich bringt. Dabei entdecken wir, dass wir nicht so sehr unsere Arbeit als vielmehr uns selber loslassen müssen – etwa dadurch, dass wir uns nicht zu wichtig nehmen und dass es auch ohne uns geht. Oder dadurch dass wir lernen, dass nicht alles an uns hängt, dass vielmehr auch wir hängen – an anderen zum Beispiel oder an Gott. Unser Vertrauen ist gefordert, das sieht, wie wir alle in einem Flechtwerk hängen, in dem wir einander tragen und in dem Gott letztlich uns alle trägt. Dieses Vertrauen erst kann uns zum Loslassen bewegen und uns in die eigentliche Ruhe führen, die den wahren Frieden bringt. Das ist Urlaub in Reinkultur; das die Erholung, die Gott uns allen schenken möchte; das die Tür, die in sein Reich führt – nicht nur in den Zeiten der Erholung sondern zu jeder Zeit.

Im Urlaub dürfen wir in besonderer Weise den Schatz entdecken, dass Gott uns immer ganz nahe ist und dass auch wir ihm ganz nahe sein dürfen. Wir dürfen entdecken, dass in Zeit und Ewigkeit unsere Heimat bei Gott ist – unser wahrer, ewiger Urlaub. Amen!