Samstag, Dezember 31, 2011

Stern der Mutter

 
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 2:16 – 21

16So eilten die Hirten hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.
17Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war.
18Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten.
19Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.
20Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.
21Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoß seiner Mutter empfangen wurde.




Wir sind immer bemüht, die Neuanfänge unseres Lebens unter einen guten Stern zu stellen. Gott kommt uns in diesem Bemühen entgegen, indem er den Anfang dieses neuen Jahres unter einen guten Stern stellt; es ist
der Stern der Mutter,
der Stern der Familie und
der Stern des Friedens.

Am heutigen Tag feiert die Kirche nämlich das Hochfest der Gottesmutter Maria; sie feiert die Gottesmutterschaft Mariens, ihren Muttertag. Ihr Muttersein wird ganz natürlich geschildert: Sie bringt ein Kind zur Welt, wickelt es in Windeln und legt es in eine Krippe; und sie bewahrt alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach. In diesen Worten kommt das Wesentliche der Mutter zum Ausdruck: Leben schenken und dieses Leben beschützen und bewahren – Haltungen der Hände und des Herzens.
Die Mutterschaft Mariens erstreckt sich aber nicht ausschließlich auf ihren Sohn Jesus; sie ist auch unsere Mutter. Darum schenkt Gott ihrem mütterlichen Sorgen nicht nur seinen Sohn; auch uns vertraut er ihr an; auch uns stellt er unter den Stern dieser Mutter:
Gott schenkt Maria auch unser Leben, damit sie es beschützt und bewahrt. Darum feiern wir heute auch, dass Maria Mutter für uns ist. Das gibt uns Geborgenheit und Zuversicht für das kommende Jahr.
Das führt uns aber auch weiter zur Mutter in uns. Maria, die Mutter für uns will die Mutter in uns wecken; die Mutter in uns geht jeden an – Frauen und Männer gleichermaßen. Die Mutter in uns, das ist Sorge in uns um das Leben;
Es ist die Achtung vor dem Leben; es ist der Wunsch, Leben zu zeugen und es zu behüten. Es sind alle Regungen der Zartheit und der Zärtlichkeit, die – damit verbunden – in uns leben.
Diese Mutter in uns steht auch den Männer an; sie macht nicht weibisch sondern ist ein wesentliches Element der Männlichkeit – hat sie doch mit Kraft und Stärke zu tun.
Der Stern der Mutter, unter dem dieser Jahresanfang steht, ist ein Stern warmer und herzlicher Menschlichkeit.

Es steht auch der Stern der Familie über diesem Neujahrbeginn: Im Evangelium hörten wir ja, dass die Hirten Maria und Josef und das Kind fanden, das in der Krippe lag. Wahre Mutterschaft führt zur Familie und fördert die Familie. Er will uns den Weg leuchten zur Familie, als einem gemeinsamen Lebensraum, als einem Brunnen, aus dem alle Mitglieder schöpfen können, was für ihr Leben notwendig ist. Dieser Stern der Familie will jeder ungesunden Vereinsamung, jeder unnatürlichen Vereinzelung wehren. Er will jeden von uns erleuchten, damit wir zu einem ausgewogenen Verhältnis von Alleinsein und Beisammensein finden; beides darf ja nicht gegeneinander stehen sondern muss füreinander da sein, sich gegenseitig stützen und ergänzen. Familie ist jener harmonische Raum, in dem beides Platz hat. Die Familie darf kein Instrument heimlicher Unterdrückung sein sondern ein gemeinsamer Weg in die Freiheit voneinander und füreinander.

So führt der Stern der Mutter und der Stern der Familie unweigerlich zum Stern des Friedens. Im Frieden erreicht die Mutter und die Familie eines ihrer wichtigsten Ziele; darum ist der 1. Jänner immer auch der Weltgebetstag für den Frieden. Und ihr müsst nur einmal beobachten: Wo Krieg herrscht, da hat die Mutter und die Familie nichts mehr zu melden. Wo die Mutter und die Familie nicht mehr da sind, da fallen die Menschen übereinander her und werden schlimmer noch als die Tiere; darum ist die Mutter und die Familie für den Frieden so wichtig; sie sind Säulen und Fundament für den Frieden.

Das Evangelium ist eine sehr einfache und sehr eindrückliche Einladung an uns, dieses neue Jahr unter den Stern der Mutter, unter den Stern der Familie und unter den Stern des Friedens zu stellen, dann stehen wir im Herrn und sind bestens gestellt für alles, was kommen mag! - Amen!

Silvester im Herrn

 
Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 1: 1 – 18

1Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
2Im Anfang war es bei Gott.
3Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.
4In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
5Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.
6Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes.
7Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.
8Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.
9Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.
10Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.
11Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
12Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben,
13die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
14Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.
15Johannes legte Zeugnis für ihn ab und rief: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war.
16Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade.
17Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus.
18Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.




Wenn heute Nacht wiederum die Raketen steigen, die Sektkorken knallen und wir zum Neujahrstanz das Bein schwingen, um so das Alte Jahr zu verabschieden und das neue zu begrüßen, dann sollten wir dies mit Einsicht und Maß tun – vor allem aber sollten wir es tun in der Haltung christlicher Dankbarkeit und christlicher Zuversicht.
Zu diesen Haltungen kann uns eine tiefere Einsicht in diese drei Markenzeichen der heutigen Nacht führen: die Raketen, die Sektflasche und der Tanz!

So will uns das Feuerwerk der Raketen an das abgelaufene Jahr erinnern: an seine Vielfalt an hellen und dunklen Farben, die Frohes und Leidvolles bedeuten. Es war gewiss für jeden auf seine Art ein buntes Jahr. Wir dürfen wohl sagen, dass nicht nur wir sondern auch unsere Mitmenschen Freude hatten am bunten Feuerwerk unseres Lebens im vergangenen Jahr; auch das Dunkle fügt sich bei allem leidvollen Widersinn doch auch ein in eine größere, umfassende Harmonie, die die ungelösten Fragen dieses Jahres zur Beantwortung unserem Vater im Himmel anheimstellt, in dessen guten Händen wir alle sind.
Das Feuerwerk der Silvesternacht mahnt uns aber auch an das Ende: wie das in den Himmel geworfene Leuchten und Strahlen doch auch wieder verlischt, so geht es auch mit diesem und mit jedem Jahr: es geht zu Ende; so geht es mit der Zeit und mit unserem Leben: es läuft auf ein Ende zu hier auf dieser Welt. Wir werden an das Wort des Paulus erinnert, dass wir hier auf Erden keine bleibende Stätte haben sondern dass wir ein bleibendes Zuhause im Himmel haben.
Wie schreibt doch die hl. Teresa von Avila: Alles vergeht - nur Gott bleibt! Darum soll nichts dich erschrecken und nichts dich ängstigen! Wer sich an Gott hält, dem fehlt nichts! Gott allein genügt.
Mit dem Aufleuchten der Raketen am Himmel soll auch uns wieder das Licht aufgehen von der vielfältigen Schönheit und von der Vergänglichkeit unseres Lebens. Dieses Licht will in uns frohe Dankbarkeit und nüchterne Besonnenheit wachrufen.

Wenn wir dann zu Mitternacht die Sektflaschen öffnen und der Sekt aus der Flasche schäumt dann will uns dies an die überschäumende Lebensfülle erinnern, die Gott uns gegeben hat. Gott hat uns überreich mit Leben beschenkt. Dieses überfließende Leben kommt handgreiflich in unserem materiellen Reichtum zum Vorschein, es kommt noch mehr zur Geltung in der Zuneigung, die wir einander schenken – unüberbietbar jedoch ist diese Lebensfülle in jener Liebe, die Gott uns in seinem Sohn Jesus Christus schenkt, und die wir gerade in der Geburt Jesu feiern. Wenn wir also die Sektgläser heben, dann soll unser Herz wissen, dass unsere Lebensfülle von Gott kommt – gerade so, wie der Sekt aus der Flasche quillt und dass diese Lebensfülle uns anvertraut ist – gerade so, wie dieses kostbare Getränk in eine Sektflöte perlt. Unsere Antwort auf diese Lebensfülle kann nur Dank sein, der sich unbändig dieses Lebens freut, der es in vollen Zügen genießt – der es aber so genießt, dass er beim Umgang mit den irdischen Gütern die himmlischen Güter nicht verliert.

Und sollte es zu guter Letzt dann zum Silvestertanz kommen, dann will dies uns daran erinnern, dass unser Leben etwas lebendiges ist, etwas das sich bewegt, das sich ändert, das unterwegs ist. Wie man beim Tanzen jedoch einem bestimmten und geordneten Schrittmuster folgt so ist auch der Tanz unseres Lebens geordnet vom Schrittmuster der Gebote Gottes. Und wir wissen selber genau – wenn wir dieses Schrittmuster vergessen oder missachten, dann treten wir uns gegenseitig unweigerlich beim Tanzen auf die Füße, was im schlimmsten Falle zum Sturz und zu ernsthaften Verletzungen führen kann.

Wenn also das vergangene Jahr ein weiterer Tanz meines Lebens war – habe ich gut getanzt? Habe ich mich in etwa an die entsprechende Schrittfolge gehalten? Bin ich vom Tanzparkett abgekommen? Habe ich mehr für mich allein getanzt oder zusammen mit meinem Partner, indem ich auf sein Tempo Rücksicht nahm, indem ich ihn geführt habe? Habe auch mich beim Tanzen führen lassen?
Gerade der Silvestertanz sollte so ein Tanz der Erinnerung sein, ein Tanz der Umkehr und der Erneuerung, ein Tanz der Hoffnung, ein Tanz der Dankbarkeit, vor allem aber ein Tanz der Freude.

Wenn ihr also heut Nacht Raketen knallt - dann knallt wenigstens im Herrn;
wenn ihr Sekt trinkt, dann trinkt im Herrn;
wenn ihr tanzt, dann tanzt im Herrn.
Dann habt ihr gut geknallt, gut getrunken und gut getanzt;
das vergangene Jahr ist gut verabschiedet und das neue gut begonnen.

So wünsche ich Euch eine Silvesternacht, die vom Licht der Heiligen Nacht lebt! - Amen!

Freitag, Dezember 23, 2011

Fleisch geworden

 
Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 1:1-5.9-14

1Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
2Im Anfang war es bei Gott.
3Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.
4In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
5Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.
9Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.
10Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.
11Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
12Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben,
13die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
14Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.




Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. Jedes Mal wenn wir den Engel des Herrn beten, sprechen wir diesen Vers des heutigen Evangeliums. So selbstverständlich uns dies geworden ist so unerhört war diese Formulierung, als sie zum ersten Mal aus der Feder des Apostels auf das Pergament floss. Denn damals war es für nicht wenige unerhört und unvorstellbar, dass Gott in Jesus in vollem Umfang Mensch geworden war; In dieser Auseinandersetzung war es die Aufgabe der Apostel, klarzustellen, dass Gott sich bei der Menschwerdung in keiner Weise geschont und zurückgehalten hat. Er hat sich in keiner Weise zögerlich in unser Menschsein begeben, wie man etwa beim Baden zuerst mit den Zehenspitzen fühlt, ob das Wasser nicht zu kalt ist, sich dann zitternd bis zum Bauch hinauswagt ins Meer um schließlich doch umzukehren, weil man die Kälte des Wassers scheut. Nein, bei der Menschwerdung hat Gott es vielmehr wie die Todesspringer von Acapulco gemacht: Von der höchsten Klippe springen sie und tauchen tief hinein in die Meeresflut.

Genau das meint Johannes, wenn er sagt: Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. Er stellt Gott bei der Menschwerdung dar als einen, der sich ganz in unser Menschsein hineinbegibt und der zudem in die letzte menschliche Tiefe eintaucht. Er bekleidet sein ganzes göttliches Wesen mit unserem menschlichen Fleisch. Und er dringt vor in die allerletzten menschlichen Tiefen – die Sünde ausgenommen. Ist das nicht unglaublich, unbegreiflich und wunderbar! In einer Zeit, wo Sparen zum Erlösungsprogramm wird, erlöst einer durch verschwenderische Großzügigkeit. Aber wie soll Gott, der alles im Übermaß hat auch knausern und sparsam umgehen können mit dem Seinen?

So ist es denn nur logisch im Sinne Gottes – also theo-logisch, dass er seine Liebesüberfülle nicht in irdischem Reichtum zu uns bringt sondern in der Armut des Kindes von Bethlehem; denn diese Armut erlaubt es, den Glanz seines göttlichen Reichtums ungetrübt erstrahlen zu lassen. Denn gerade in der Armut – zudem in der Armut eines kleinen Babys – kann er ausdrücken, wie sehr er unser Menschsein annimmt; und in dieser Form der Annahme strahlt seine Liebe zu uns Menschen überklar. Die Armut und das Kindsein sind die Wegbereiter, sind die Garanten seiner überfließenden Liebe zu uns. Denn nur lautere, übergroße Liebe tut sich so was an – und alles Spätere im Leben Jesu bis hin zu Leid und Tot am Kreuz.

Das Wort ist nun nicht nur Fleisch geworden – es hat auch unter uns gewohnt. Die Fleischwerdung ist nicht nur ein flüchtiges Kommen und dann gleich wieder ein fluchtartiges Verlassen eines unwirtlichen Ortes. In der Fleischwerdung ist bereits eingeschlossen ein Wohnen, eigentlich ein Zelten unter uns. Damit ist ein Bleiben Gottes bei uns Menschen gemeint. Hätte Gott nicht von vornherein dieses Bleiben im Sinne gehabt, er wäre nie Fleisch geworden.

Was den Weg in unser Fleisch in seiner absoluten und unwiderruflichen Ernsthaftigkeit kennzeichnet ist der Umstand, dass das Wort bedingungslos Fleisch wird. Will sagen, es stellt keine Überlegungen an, was die Menschen wohl mit dem Wort im Fleische tun werden, ob und wie sie es aufnehmen werden, wie sie es behandeln werden. Mit anderen Worten: Wie auch immer die Reaktion derer im Fleisch sein mag – das Wort wird auf jeden Fall zu ihnen ins Fleisch kommen.

O heilige Aufdringlichkeit Gottes! Wie bewegt Dich doch die Liebe zu einem Tun, das uns Menschen so fremd ist. Und doch ist es diese fremde Liebe Gottes zu uns, die uns aus der Fremde in seine Nähe holt. Da er unser Menschsein im Fleisch – etwas ihm Fremdes – ganz als sein Eigen angenommen hat, wird es uns möglich, sein göttliches Wesen – so fremd für uns – als unseren Ursprung und unser letztes Ziel zu erkennen und anzunehmen. Durch das Annehmen unseres Menschseins in Liebe kann Gott es in Jesus Christus erlösen und erlöst ins Kindsein vor ihm erheben; und als seine Kinder wissen wir gläubig: Von ihm kommen wir her und bei ihm finden wir unsere Heimat und unsere Vollendung.

Dies kommt im einfachen Wort zum Ausdruck: Gott ist in Jesus ein Menschkind geworden damit wir in demselben Jesus Gotteskinder werden. Gott strebte danach Mensch zu werden und gibt so dem Menschsein seine unübertreffliche Würde. Zugleich ruft Gott uns dadurch zu: Ich wurde Mensch – werdet ihr es auch! Jesus eröffnet uns das Menschsein als Weg zu Gott! Amen!

Euch ist der Retter geboren


Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 2:1 – 14



1In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen.

2Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien.

3Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.

4So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids.

5Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.

6Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft,

7und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.

8In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.

9Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr,

10der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll:

11Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.

12Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.

13Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach:

14Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.











Jedes Baby ist ein Zeichen dafür, dass Gott Hoffnung hat für die Welt und dass sie in eine Zukunft geht. Besonders gilt dies für das Baby Jesus, das heute im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit steht: Von ihm hören wir: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr!“ (Lk 2:11) Können wir noch mitvollziehen, was mit dem Messias gemeint ist? Die Erwartungen, die auf ihn gerichtet sind? Die Hoffnungen, die er erfüllen werde? Die Reichen und die Satten und die Mächtigen der damaligen Zeit konnten es nicht! Darum wurde diese Botschaft vom neugeborenen Retter auch nicht ihnen verkündet sondern den Hirten, Menschen am Rande der Gesellschaft, am Rande des Wohlstandes, am Rande des Ansehens. Es wurde Menschen verkündet, die nicht mehr viel zu verlieren hatten sondern nur mehr gewinnen konnten. Menschen, die nichts hatten, mit dem sie die Sehnsucht ihres Herzens zuschütten und in die Irre leiten konnten. Es waren Menschen auf freiem Feld, die Nachtwache bei ihren Herden hielten.



Dieses Sein auf dem freien Feld bedeutet, dass sie ansprechbar waren und berührbar. Dass da nichts war, was die Begegnung von Herz zu Herz und von Angesicht zu Angesicht behindert hätte. Da gibt es keine Mauern, die sie abschirmen und unnahbar machen für die himmlischen Heerscharen. Darum sind die Engel auch zu ihnen gekommen und nicht zu Menschen in der Stadt, die eingesperrt waren in den Mauern ihrer Betriebsamkeit und ihrer Geschäfte, ihrer Reichtümer und ihrer Ängste, in den Mauern ihrer Gelehrsamkeit und ihres Wissens, in den Mauern ihrer Genussucht und ihrer Trägheit, in den Mauern ohne Erinnerung und ohne Hoffnung. Sie müssten diese Mauern verlassen und sich auf den Weg machen hinaus aufs freie Feld – dort könnten sie die Botschaft der Engel vernehmen – die Botschaft vom neugeborenen Retter und vom Frieden bei den Menschen seiner Gnade.



Sind wir Menschen auf freiem Feld oder Menschen hinter Mauern? Als Menschen hinter Mauern werden wir dem Kind in der Krippe nie begegnen; denn es ist ein Kind des freien Feldes – ein Kind für Menschen des freien Feldes, wie es eben die Hirten waren. Die Mauern an sich sind nicht das Übel. Das Übel ist in uns, da wir die Mauern missbrauchen, um uns hinter ihnen zu verschanzen und uns nicht der Freiheit des freien Feldes auszusetzen. Wir müssen die Mauern nicht niederreißen – wir müssen uns nur von ihnen trennen, indem wir hinter ihnen hervorkomme; dann können wir als ansprechbare, berührbare Mensch vorkommen. Dann sieht der Herr unsere Augen und nicht Steine und Mörtel; und er kann die Wärme unseres Körpers spüren und nicht die Kälte einer Mauer.



Es zeichnet sich schon ab, was dieses Kind auf den freien Feldern Bethlehems einmal tun wird: es wird nicht auf freiem Felde bleiben, wie es etwa Johannes der Täufer getan hat. Es wird viel mehr in die Städte gehen zu den Menschen hinter die Mauern; er wird an diese Mauern klopfen und die Menschen dahinter hervorholen zur Begegnung mit IHM und in seine Nachfolge.



Ein schönes Bild für die Menschwerdung Gottes ergibt sich daraus: Er lässt sich einmauern mit uns, um die Mauern dieses Gefängnisses von innen heraus zu sprengen und uns aufs freie Feld, das heißt, in die Freiheit der Kinder Gottes hinauszuführen. Ganz elementar wird dies ausgedrückt, wenn er bei seiner Auferstehung die enge Grabkammer sprengt und hinaus ins Freie geht. Wenn er jetzt noch in Mauern anzutreffen ist, dann um seine Jünger aufs freie Feld hinauszuführen. Denn ehe er bei der Himmelfahrt zum Vater zurückkehrt finden wir ihn und seine Jünger auf freiem Feld, wo der Vater ihn zu Bethlehem in dieser Welt hat ankommen lassen.



Dieses Hinausgehen aufs freie Feld zum Kind in der Krippe hat sich übrigens in einem ausdruckstarken Brauch niedergeschlagen: im „Krippele schauen“ Da gehen wir in der Weihnachtszeit von Haus zu Haus, die Krippen bewundern, die dort aufgestellt sind. Jede hat ihre eigene Schönheit. Das verbindende Gemeinsame ist die Botschaft, die sie verkünden, die Botschaft, dass uns im Kind von Bethlehem der Retter, der Messias geboren ist, um alle Menschen zu erretten. Seine Aufgabe ist es, „uns zu erziehen, uns von der Gottlosigkeit und den irdischen Begierden loszusagen und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt zu leben, während wir auf die selige Erfüllung unserer Hoffnung warten: auf das Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Christus Jesus.“ (Tit 2:12f.) So kann man die Befreiung aus Mauern zu einem Leben auf freiem Feld auch umschreiben. Amen!

Freitag, Dezember 16, 2011

Der Herr ist mit dir II


Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 1:26 – 38



26Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret

27zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.

28Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.

29Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.

30Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.

31Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.

32Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.

33Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.

34Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?

35Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.

36Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat.

37Denn für Gott ist nichts unmöglich.

38Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.





Als Gott sich im Engel Gabriel an eine Frau wandte, die Mutter seines Sohnes sein sollte, da suchte er sich keine aus, die beziehungslos lebte. Er wandte sich an eine, die bereit war, eine Beziehung einzugehen und sich an einen Mann namens Josef zu binden. Sie war bereits mit Josef verlobt. Zwischen diesen beiden jungen Menschen reifte eine Beziehung, die sich vollenden sollte in der Vermählung.



Gott tut nun etwas unerhörtes: Er mischt sich in diese Beziehung zwischen Josef und Maria ein. Die Hingabe Mariens war ausgerichtet auf Josef: ihm wollte sie als Frau ganz gehören. In der Begegnung mit Gabriel wird diese Hingabe nun hingewendet auf Gott. War Maria vor der Begegnung mit dem Engel hingeordnet auf eine eheliche Beziehung mit Josef so ist sie nachher völlig ausgerichtet, Gott zu gehören: „Ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ (Lk 1:38)



Diese Einmischung ist riskant. Will sie erfolgreich sein, muss zumindest Maria mitmischen; muss sie sagen: Ich bin zwar bereits einem Manne anverlobt und eigentlich ist es eine Zumutung, von einem Augenblick auf den anderen einem anderen gehören zu sollen, aber ich setzte die Bindung zu Josef aus und lasse mich auf die Berufung ein, die Mutter des Sohnes Gottes zu sein. Ist sie dazu bereit? Sie ist es, denn sie ist voll der Gnade, da der Herr mit ihr ist. (vgl. Lk 1:28)



Der Herr ist mit Dir – diese Wirklichkeit erlebt Maria in zweifacher Hinsicht: Zum einen als Zusage, dass der Herr an ihrer Seite steht jetzt in dieser Situation und in dieser Stunde der Begegnung und der Entscheidung; dass also der Herr ihr Halt und ihre Stütze ist; dass ER sie trägt und ihr die Kraft gibt zu unglaublich Großem – nämlich die Mutter des Sohnes Gottes zu sein. Und zum anderen als Gabe, dass fortan eben dieser Herr in ihrem Leib zum Menschen wird; Bein von ihrem Bein und Fleisch von ihrem Fleisch; der Herr wird ihr Kind sein – ihre Zustimmung vorausgesetzt!



Der Herr ist mit Dir – es ist zu beobachten, wie aus der Zusage die Gabe herauswächst; wie die Zusage zur Gabe ermutigt; wie Maria so ganz von Gott umgeben (Zusage) und zugleich von IHM erfüllt ist (Gabe) – Maria, eben voll der Gnade.



Dieses voll der Gnade meint nicht nur eine besondere Begabung, eine hervorragende Fähigkeit, etwas Exzellentes, das Gott ihr gibt – das sehr wohl auch; aber vor allem meint dieses „voll der Gnade“ das Erfülltsein mit Gott selber: ER selber nimmt in ihrem Innersten Wohnung – das heißt in ihrem Herzen und will von daher dann auch in ihrem Fleische wohnen. Im Gespräch mit dem Engel Gabriel bereitet Maria ihr Herz zur Wohnung Gottes; und wenn Maria das Gespräch mit dem Wort beendet: „Ich bin die Magd des Herr; mir geschehe, wie du es gesagt hast“, gibt sie dem Herrn damit den Schlüssel zum Gemach ihres Leibes, damit der Herrn es betrete, um ihr Fleisch anzunehmen und Mensch daraus zu werden.



Maria hat mit ihrem Volk den Messias erwartet. Als nun der Messias den Zeitpunkt und die Art seines Kommens beschlossen hatte, wandte er sich an Maria und bittet sie um ihren Beitrag für sein Kommen: er wollte als ihr Kind in diese Welt kommen und bedurfte dazu ihres Leibes.



Maria steht vor uns als adventlicher Mensch – sie wartet nicht nur auf den Messias; sie ist auch bereit, das für sein Kommen beizutragen, was von ihr gefordert wird. In dieser Bereitschaft durchkreuzt sie ihren Lebensplan und geht einen völlig neuen Weg, von dem sie bisher nicht einmal geträumt hatte. Sie gewährt Gott in ihrem Leben dermaßen freien Zugriff, dass ihre Beziehungen völlig neu gestaltet werden – zuerst einmal die zu ihrem Verlobten Josef.



Dabei wird sich gerade hierin zeigen: Der Herr ist mit ihr heißt auch, dass der Herr mit Josef ist. So führt die Neuausrichtung ihres Lebens nicht zum Bruch mit Josef sondern zu einer Erhebung ihrer beider Gemeinschaft auf eine besondere Ebene gnadenhaft einmaliger Gottesgemeinschaft. Diese Einmaligkeit ist bestimmt durch die Einmaligkeit des Kindes, das in ihrer Familiengemeinschaft heranwächst und das den Namen Jesus tragen wird. Er ist der Sohn des Höchsten und wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.



Versuchen wir, Advent zu feiern und dabei wie Maria unsere Herzen zu öffnen, damit Gott seine Gnade eingießen kann – unseren Herrn und Heiland Jesus Christus, den Sohn des lebendigen Gottes. Amen!


Dienstag, Dezember 13, 2011

Johannes vom Kreuz


In einer dunklen Nacht

1.         In einer dunklen Nacht,
mit Sehnsuchtswehen, in Liebe entflammt,
– o glückliches Geschick! –
ging ich hinaus, ohne bemerkt zu sein;
mein Haus war schon zur Ruh‘ gekommen.

2.         Im Dunkeln und sicher,
über die geheime Leiter, vermummt,
– o glückliches Geschick! –
im Dunkeln und ungesehen;
mein Haus war schon zur Ruh‘ gekommen.

3.         In der glücklichen Nacht,
insgeheim, da niemand mich sah
und ich auf nichts schaute,
ohn‘ anderes Licht und Führen,
als das im Herzen brannte.

4.         Dies führte mich
sicherer als das Licht des Mittags,
wo auf mich wartete,
den ich gut kannte,
dorthin, wo niemand sich zeigte.

5.         O Nacht, die führtest!
O Nacht, liebenswerter als das Morgengrauen!
O Nacht, die zusammenführtest
Geliebten mit Geliebter,
Geliebte dem Geliebten gleichgestaltet!

6.         An meiner blühenden Brust,
die ganz für ihn allein sich aufbewahrte,
dort war er eingeschlafen,
und als ich ihn liebkoste,
gab Hauch der Zedern Wehen.

7.         Der Hauch der Zinne,
als ich sein Haar durchstrich,
mit seiner linden Hand
verletzt‘ er meinen Hals
und ließ all meine Sinne schwinden.

8.         Ich blieb zurück und selbstvergessen
neigt‘ ich das Gesicht über den Geliebten;
es hörte alles auf, ich ließ mich,
gelassen mein Sorgen,
unter den Lilien vergessen.









In einer Nacht dunkel – so hebt die Liedstrophe an, mit der Johannes zwei seiner Werke beginnt: den „Aufstieg auf den Berg Karmel“ und die „Dunkle Nacht“. In beiden Schriften beschreibt er den Weg, den der Einzelne gehen kann hin zur Gemeinschaft mit Gott; er beschreibt die Zurüstung des Menschen an Leib und Seele für die Begegnung mit Gott. Er legt darin dar das Menschenmögliche am Zustandekommen der Einheit mit Gott.


Dunkelheit ist uns im Advent eine vertraute Erfahrung. Advent ist eine Zeit der Zubereitung für die Begegnung Gottes; eine Zeit, in der wir und Gott aufeinander zugehen. Das Licht in diesem Dunkel sind nicht die vielen künstlichen Lichter, die uns schon jetzt schon viel zu früh begegnen und eigentlich erst zu Weihnachten leuchten sollten



(Sie sind ein trauriger Hinweis, dass wir uns schwer tun, etwas zu erwarten; dass es unerträglich für uns ist, Dunkelheit auszuhalten bis uns das Licht geschenkt wird. Dabei versäumen wir eines der schönsten Güter der Dunkelheit, nämlich die besondere Stille, die nur sie vermitteln kann.)



Das Licht in diesem Dunkel spricht Johannes in seinem Gedicht an als brennend entflammte Liebessehnsucht; sie ist das Licht, das im Herzen brennt, auf das allein er seine Aufmerksamkeit richtet. Er sieht nichts anderes und niemand anderer sieht ihn. Im Blick allein auf dieses Sehnsuchtslicht ist sonst nichts anderes für ihn von Interesse; und er ist sonst für niemanden interessant: Die Welt ist ihm erstorben und er der Welt.



Dieses Sehnsuchtslicht im Herzen vermittelt ihm Sicherheit auf dem Weg durch dunkelste Nacht. Es wandelt die Nacht in eine glückliche; in der sich Besonderes vollzieht: Die Zusammenführung vom geliebten Menschen mit dem geliebten Gott. Die Nacht wird jener Raum, in der Gott und Mensch, in Sehnsucht nacheinender, zueinander finden; in dieser liebesvollen, glücklichen Begegnung wird die Nacht zum Tag; oder besser gesagt, die Nacht löst sich auf in die überglückliche Gemeinschaft Gottes mit dem Menschen. Diese Gemeinschaft entfaltet Johannes dann in den 40 Strophen des „Geistlichen Gesanges“ und in der „Lebendigen Liebesflamme“.



In seinen Liedstrophen lässt Johannes uns die Nacht als bergende und umhüllende Weggefährtin hin zur Begegnung mit Gott erfahren; deren Glück erleuchtet dann auch die Nacht. Die Nacht erscheint als Schutz gegen alles, was das Sein bei Gott trüben oder stören könnte. Die Sehnsucht nach Gott, das zielstrebige Zugehen auf Gott und schließlich die Gemeinschaft mit ihm nehmen der Nacht den Schrecken und wandelt ihre Fratze in ein mildes Antlitz – letztlich in das Antlitz Gottes, der verborgen da ist; denn anders als verborgen können wir ihn nicht sehen solange wir in unserem Leibe sind – und die übermäßige Freude an diesem verborgenen Gott kommt von unserem Glauben, der genährt wird von dem, was die hl. Schriften uns über diesen Gott offenbaren.



Von den Schrecken dieser Nacht erzählt uns Johannes in den beiden Kommentaren zur ersten Liedstrophe, vor allem im zweiten Kommentar „Die dunkle Nacht“. Dort erzählt er von der schlimmen Finsternis der Nacht, die darin besteht, dass Gott in seiner Abwesenheit und der Mensch in seiner Einsamkeit und Verlorenheit erlebt und erlitten wird. Dem zuzustimmen, das anzunehmen und zu ertragen ist die Pforte dorthin, wo die Nacht ruhig wird in der zunehmend einzigen Ausrichtung des Menschen auf Gott nun mehr rein um Gottes Willen.



Das alles gehört auch zum Advent: Die Abwesenheit Gottes; die Verlorenheit des Menschen; das Entdecken seiner unzerstörbaren Sehnsucht – wonach? Im Grunde nach Gott! Das alles macht uns rufen: Tauet Himmel den Gerechten! Komm, Du Heiland aller Welt! Komm, o komm, Emmanuel!



Der jährlich wiederkehrende Advent sagt uns, dass der Aufstieg zum Berg Karmel und die Dunkle Nacht Abschnitte auf unserem Weg zu Gott sind, die wir nicht umgehen können und dass wir das Dunkel der Nacht – sei’s als Schrecken oder als Wohltat – durchschreiten müssen als Zeichen unserer Sehnsucht nach der Begegnung mit dem lebendigen Gott, der verborgen immer ganz nahe bei uns ist – schrecklich erlebt als Ferner oder beseligend als Naher! Amen!

Donnerstag, Dezember 08, 2011

Johannes, der Zeuge


Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 1: 6 – 8.19 – 28



6Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes.

7Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.

8Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.

19Dies ist das Zeugnis des Johannes: Als die Juden von Jerusalem aus Priester und Leviten zu ihm sandten mit der Frage: Wer bist du?,

20bekannte er und leugnete nicht; er bekannte: Ich bin nicht der Messias.

21Sie fragten ihn: Was bist du dann? Bist du Elija? Und er sagte: Ich bin es nicht. Bist du der Prophet? Er antwortete: Nein.

22Da fragten sie ihn: Wer bist du? Wir müssen denen, die uns gesandt haben, Auskunft geben. Was sagst du über dich selbst?

23Er sagte: Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für den Herrn!, wie der Prophet Jesaja gesagt hat.

24Unter den Abgesandten waren auch Pharisäer.

25Sie fragten Johannes: Warum taufst du dann, wenn du nicht der Messias bist, nicht Elija und nicht der Prophet?

26Er antwortete ihnen: Ich taufe mit Wasser. Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt

27und der nach mir kommt; ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren.

28Dies geschah in Betanien, auf der anderen Seite des Jordan, wo Johannes taufte.











Am letzten Sonntag tauchte auf unserem Adventweg zum ersten mal Johannes der Täufer auf in seiner spartanischen Lebensweise, in seinem auffallenden Outfit, als Prediger und Täufer. Dabei wurde deutlich, dass er im Dienste eines anderen, eines größeren steht.



Heute steht er noch mehr im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit; wir erleben ihn, wie er den Juden ein Interview gibt. Dabei unterstreicht er, was letzen Sonntag schon deutlich geworden ist: Ich bin nicht der Messias! Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft: Bereitet den Weg für den Herrn! Noch mehr tritt Johannes hinter den zurück, in dessen Dienst er steht.



So zeigt Johannes eine weitere adventliche Tätigkeit auf: Rechenschaft ablegen über den eigenen Glauben; sich äußern über seine Beziehung zu Gott; reden über die Rolle, die Gott im eigenen Leben spielt. Was Johannes so ins Wort setzt, ist seine Überzeugung, die sein Leben prägt; es ist seine Einsicht, die sein Handeln bestimmt. Seine Worte stimmen mit seinem Tun überein. Und seine Worte sind wie sein Tun ein einziger Hinweis auf den Herrn, dessen Kommen er vorbereitet. Sein Tun und seien Worte lenken die Aufmerksamkeit der Menschen auf den, der nach ihm kommt; der schon mitten unter ihnen ist; den sie aber noch nicht kennen. Er verwendet auch dieses Interview nicht zur Selbstdarstellung; vielmehr nützt er auch diese Gelegenheit, um sich so darzustellen, dass ein anderer noch besser dargestellt wird – Jesus Christus, der Messias, der nach ihm kommen wird.



Durch sein Reden und Tun gibt Johannes den Menschen, die ihn erleben, Sicherheit und Gewissheit im Hinblick auf seine eigene Person. Zugleich richtet er sie aus auf den, dessen Kommen er ankündigt. Die Hoffnung auf den Messias, die sie auf ihn gerichtet haben führt er weiter auf den hin, der nach ihm kommt; denn der wird die Hoffnung der Menschen erfüllen. Johannes stärkt die Menschen in der Hoffnung auf den kommenden Messias, von der er selber ganz erfüllt ist.



Wir erleben hier bei Johannes ein adventliches Grundgeschehen: Ein Aus Sich Herausgehen, ein Sich Mitteilen, ein Sich Hergeben. Veranlasst durch einen inneren Drang, den wir Berufung durch Gott nennen können. Es ist wie der Germteig, der aufquillt und über den Rand der Schüssel hinausfließt. Es ist ein innerer Befehl, dem auch Paulus nicht zu widersprechen wagte, wenn er ausruft: „Ein Zwang liegt auf mir! Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!“ (1Cor 9:16) Johannes verhält sich ganz nach der Art Gottes in seinen vielfältigen Weisen des Herausgehens aus sich selber im Zugehen auf sein erwähltes Volk Israel.



Der Weg Gottes heraus aus sich und auf uns Menschen zu erreicht den Höhepunkt in seiner Entäußerung in Jesus Christus. Paulus spricht, ja, singt davon im Philipperhymnus: „Jesus Christus war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen.“ (Phil 2:6f)



Wir können es die Gnade des Gehens nennen, die das Kommen Gottes in unsere Welt erst ermöglicht und unser Erwarten des Kommenden nicht ins Leere und Sinnlose laufen lässt.

Mit dieser Gnade des Gehens war Johannes erfüllt;

diese Gnade hatte Abraham, als er von zu Hause aufbrach ins verheißene Land;

diese Gnade hatte Mose in seiner Rückkehr nach Ägypten, um dann von dort mit dem Volk Israel aufzubrechen in das Land der Verheißung;



diese Gnade hatte Maria, als sie ihren Weg machte zu Elisabeth, nach Bethlehem, nach Jerusalem, nach Kana, unter das Kreuz Jesu und in den Abendmahlsaal, wo sie mit den Jüngern den hl. Geist erwartete;

diese Gnade hatte ihr Gemahl Josef;



diese Gnade bekamen die Jünger, als der Herr sie in seine Nachfolge rief und ihnen dann den Auftrag erteilte, hinauszugehen in alle Welt und aller Schöpfung das Evangelium zu verkünden. (vgl. Mt 28:19f.)



Auch uns ist diese Gnade geschenkt, denn von dieser Gnade des Gehens lebt der Advent: Wir gehen in diesen Tagen dem Herrn entgegen; vielmehr aber kommt der Herr entgegen uns, seinem geliebten, seinem auserwählten Volk, dass sich so sehr danach sehnt, ihm zu begegnen, bei ihm zu bleiben und aus der Gemeinschaft mit ihm heraus zu leben. Amen!

Montag, Dezember 05, 2011

Der Herr ist mit dir I

 
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 1: 26 – 38



26In jener Zeit wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret

27zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.

28Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.

29Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.

30Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.

31Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.

32Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.

33Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.

34Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?

35Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.

36Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat.

37Denn für Gott ist nichts unmöglich.

38Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.









In den letzten Tagen beobachte ich, wie auf meinem Fensterbrett eine Amaryllis aus ihrer dicken, unansehnlichen Zwiebel zwei lange Stängel herausgetrieben hat, auf jedem eine Blütenknospe; eine davon bricht eben auf und wird bald die vollendeten Blüten freigeben – vier sind es in der Regel.



So ist es auch im Leben Mariens, der Mutter Jesu: Da haben wir auch die dicke Zwiebel ihrer Mutterschaft: sie ist die Mutter des Erlösers, des Sohnes Gottes. Vom Heiligen Geist empfangen, wird das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. (vgl. Lk 1:35) Und aus dieser Zwiebel entwachsen durch die Jahrhunderte kirchlicher Tradition die schönen Blüten, von denen wir eine heute bewundern und feiern: Dass Maria schon vom ersten Augenblick ihres Daseins vor jeder Sünde bewahrt blieb! Dieser Zustand wurde Maria geschenkt als Vorauswirkung von Jesu erlösendem Leiden und Sterben. Und er wurde ihr geschenkt, damit sie eine würdige Wohnung für Jesus, den Sohn Gottes, sein kann.



Vom ersten Augenblick ihres Daseins von jeder Sünde bewahrt bleiben! Was bedeutet das? Es bedeutet, dass Maria das nie erfahren hat, was von Adam und Eva in der ersten Lesung berichtet wird: Dass sie sich von Gott abgewendet haben, ihm entfremdet sind und sich vor ihm versteckt haben! (vgl. Gen 3:9-15.20)

Es herrschte von Anfang ihres Lebens an eine lautere und ungetrübte Beziehung zu Gott sondergleichen! Es gehörte seit Anbeginn zu ihrer Natur, dass sie unablässig Gott zugewendet war in unbehinderter Offenheit für Gottes Willen und in unverzüglicher Bereitschaft, diesem Willen Gottes zu entsprechen. Dieser Zustand war für sie nichts besonderes sondern alltägliche Normalität.



Man möchte meinen, diese Verbundenheit mit Gott beraube sie ihres freien Willens und mache sie zu einem willenlosen Organ Gottes. Das dem durchaus nicht so ist, zeigt das Gespräch mit dem Engel Gabriel, dem wir im Evangelium beiwohnen durften. Dort fragt sie nämlich sehr wohl, wie denn das mit ihrer Schwangerschaft gehen solle, da sie doch noch mit keinem Mann beisammen ist. Hier meldet sich der menschliche, freie Wille zu Wort, der um jenes Licht bittet, das ihn dann aus freien Stücken dem Plan Gottes zustimmen lässt. (vgl. Lk 1:34-38)



Überhaupt zeigt der Umstand, dass Gott den Engel Gabriel zu ihr schickt, wie sehr ihm an der freien Zustimmung Mariens gelegen ist als wesentliche Zugabe zu ihrem Zustand absoluter Sündenlosigkeit. Bei aller Begnadung lässt Gott Maria den Freiraum, Nein sagen zu dürfen, den sie jedoch aufgrund ihrer Begnadung nicht nützen will. Es ist schon ein wunderbares Zusammenspiel zwischen Gott und Mensch, das sich im heutigen Evangelium und im ganzen Leben Mariens darbietet.



Wir können Maria als die ganz Sündenlose wie einen Spiegel sehen, der die Art Gottes wiedergibt: Seine Heiligkeit, seine Zugewandtheit zu uns Menschen, seine Hingabe an uns Menschen, seine Bereitschaft für uns Menschen zum Diener zu werden. Das Mitwesentliche dabei ist nun aber, dass Gott sich diesen Spiegel nicht selber vor Augen hält sondern Maria hält sich aus völlig freien Stücken Gott als Spiegel hin, damit der sich an seiner Schönheit und Liebe erfreuen kann, die sich in Maria auf so vollkommene Weise mit ihrer Schönheit und Liebe verbindet. So dass Gott nicht mehr weiß, wessen er sich mehr erfreuen soll – an seiner Liebe oder an der Liebe Mariens!



Maria erscheint in ihrer völligen Hinordnung auf Gott als der adventliche Mensch par excellence. Da ist völlige Offenheit für Gott; völlige Wachsamkeit, ihn aufzunehmen, wenn er kommt; völlige Bereitschaft mit ihm jene Wege zu gehen, die ER gehen möchte.



So ist Maria kein erdrückendes Vorbild sondern Lichtgestalt, die uns in dunkler Zeit den Weg zeigt und die Kraft vermittelt, ihn zu gehen. Maria zeigt uns unsere Berufung und unsere Bestimmung; sie zeigt uns den Plan, den Gott auch von einem jeden von uns von Anfang an in seinem Herzen trägt.



Paulus hat diesen Plan sehr deutlich erkannt und mitgeteilt: „Denn in Christus hat Gott uns erwählt vor der Erschaffung der Welt, damit wir heilig und untadelig leben vor ihm; er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt, seine Kinder zu werden durch Jesus Christus und nach seinem gnädigen Willen zu ihm zu gelangen, zum Lob seiner herrlichen Gnade. Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn.“ (Eph 1:4-6) Wir sind zusammen mit Maria vom Herrn Beschenkte und können dazu nur mehr in Wort und Tat sagen: So sei und bleibe es! Amen!