Samstag, Januar 29, 2011

Armsein dem Geiste!






Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 5: 1 – 12a

In jener Zeit
1als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm.
2Dann begann er zu reden und lehrte sie.
3Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
4Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
5Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.
6Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.
7Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
8Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.
9Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
10Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.
11Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.
12Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.





Jesus steigt auf einen Berg. Er tut dies, nachdem er die vielen Menschen gesehen hat, die sich um ihn versammelt haben. Er tut es, um von allen deutlich gesehen und gehört zu werden. Er bringt sich in eine hervorragende Position, weil er ihnen nun etwas Hervorragendes zu sagen hat: Die Bergpredigt. Dies wird unterstrichen dadurch, dass er sich setzt und seine Rede als Lehre bezeichnet wird.

Neben den vielen Menschen werden seine Jünger erwähnt; sie treten zu ihm hin und sind ihm am nächsten. Mit den Jüngern sind jene Leute gemeint, die sich bereits entschlossen haben, mit ihm zu gehen und mit ihm zu leben; sie sind in eine andauernde Gemeinschaft mit ihm eingetreten. Diese Nähe zu Jesus bedeutet zugleich, dass seine Worte vor allen anderen sie erreichen sollen. Mit den Jüngern wird bei Matthäus die Kirche bezeichnet; zu ihnen dürfen also auch wir uns zählen.

Die Bergpredigt ist die erste von fünf programmatischen Reden bei Matthäus. Aus dieser Rede wachsen die anderen vier hervor. In ihr sagt Jesus Grundlegendes zu einem christlichen Leben.

Gleichsam als Vorspiel hören wir heute die Seligpreisungen. Die kennt Matthäus bereits aus dem Ersten Testament – und da vor allem aus den Psalmen. Sie drücken aus, was es ausmacht, das ein Mensch von Gott her glücklich sein kann.

Die erste dieser Seligpreisungen bei Matthäus ist grundlegend für die folgenden: „Selig die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.“

So steht es allerdings nicht im griechischen Urtext. Dort vermeidet es Matthäus in jüdischem Empfinden, den Namen Gottes direkt auszusprechen: Es heißt im Urtext vielmehr: „Selig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Himmelreich.“ Dieses „arm sein im Geist“ klingt missverständlich – als müsste man geistig minderbemittelt sein für das Himmelreich; oder es droht das Missverständnis, dass es sich dabei um eine rein geistige Einstellung handelt – völlig losgelöst von der Wirklichkeit, in der wir leben: als könnten Theorie und Praxis auseinanderklaffen.

Dennoch wollen wir die Bedeutung dieser Seligpreisung vom „Armsein im Geiste“ her zu verstehen suchen. Dem Wörtchen „arm sein“ liegen die Begriffe „ducken, hocken, sich kauern“ zu Grunde. Dies ist eine Geste der Bedürftigkeit. Allenthalben begegnen wir in der Herrenstraße Menschen, die in dieser Haltung um Geld betteln. Mit dieser Geste wird ein Leersein ausgedrückt, das gefüllt werden möchte. Nun wird dieses Armsein näher bestimmt: es ist ein Armsein im Geist: Damit ist mehr gemeint als bloß materielle Armut. Es könnte möglicherweise heißen, dass diese Armen sich innerlich arm erleben, weil sie frei geblieben sind von einem fehlgeleiteten Stolz über ihre geistlichen Gaben.

Es könnte auch ein geistliches, spirituelles Unvermögen ausdrücken, eine momentane Lebenssituation zu meistern.

Es könnte die Einsicht bedeuten, dass man sich in jeder Hinsicht – materiell und geistlich – bedürftig erlebt und angewiesen ist auf den Beistand anderer.

Damit dann auch verbunden, dass man nicht im Stande ist, aus sich selber heraus den Sinn des Lebens, das Glück des Lebens zu verwirklichen, zu bewahren und zu erreichen.

Schließlich liegt noch ein weiterer Sinn in diesem Wort, den ich etwas holprig so wiedergebe: Armsein dem Geiste, nämlich dem Geiste Gottes im Sinne von: Dem Geiste Gottes zugewendet sein in meiner Armut! Dieser Strang führt zur Variante, die wir eben gehört haben: Armsein vor Gott! Sie bedeutet, dass ich mich in meiner Armut nur von Gott bereichern lassen möchte; in meiner Leere nur von IHM erfüllen, in meiner Dunkelheit nur von IHM erleuchten, in meiner Krankheit nur von IHM heilen lassen möchte.

Dieser Zuwendung Gottes in meiner Armut verheißt Jesus nun das Himmelreich; eine weitere Umschreibung – diesmal für die wirkmächtige und erfüllende Gegenwart Gottes in meinem Leben. Die folgenden Seligpreisungen entfalten dieses einander Zugewandt sein von erlösungsbedürftigem Menschen und von Gott, der uns in seiner Liebe auch wirklich erlösen möchte.

In den Seligpreisungen möchte mir Jesus Mut machen, mich in meiner Armut der Gegenwart Gottes zu stellen und so Gott ernst zu nehmen mit seiner Bereitschaft mich zu erlösen.

Und vergesse wir dabei nicht, dass Jesus in der Mehrzahl spricht. Ich bin nicht allein sondern eingebunden in die Gemeinschaft der Kirche, wenn ich mich aufmache, um mich im Tode dem Leben, im Dunkel dem Licht, in der Sünde der Vergebung, im Unheil dem Heil zuzuwenden. Werden wir nicht müde, dem Herrn zu danken für sein Erbarmen! Amen!

Freitag, Januar 21, 2011

Lebenswandel





+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 4: 12 – 23

12Als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück.
13Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali.
14Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist:
15Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa:
16das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen.
17Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.
18Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen ihre Netze in den See, denn sie waren Fischer.
19Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.
20Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.
21Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie,
22und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus.
23Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.





„Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe!“ (Mt 4:17) Mit diesem Ruf beginnt Jesus heute sein missionarisches Wirken. Er ist wie eine Überschrift seines folgenden Wirkens. Wenn wir diesen Ruf des Herrn gut verstehen, werden wir auch das gut verstehen, was er im Verlauf seines Wirkens reden und tun wird. Dieser Ruf ist wie ein Schlüssel, der uns die Tür öffnet zur Berufung Jesu und zu unserer eigenen Berufung. Mit dem besseren Verständnis dieses Rufes können wir nicht nur Jesu Leben sondern auch das unsere besser verstehen.

„Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe!“ Nicht zum ersten Male erklingt dieser Ruf aus dem Munde Jesu! So hat schon Johannes der Täufer am Jordan gerufen und zwar mit genau den gleichen Worten!

Es ist nun bemerkenswert, dass wir eben hörten, wie man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, Jesus davon gehört und sich nach Galiläa zurückgezogen hatte. Für Jesus wird damit klar, dass Johannes diese Botschaft nicht mehr verkünden kann; zugleich erkennt er dies als Auftrag, dass nun ER diesen Auftrag übernehmen und weiterführen muss. Es ist wie bei einem Staffellauf: Der Vorläufer beendet seinen Lauf und gibt den Stab dem folgenden Läufer weiter – oder eigentlich, der folgende Läufer übernimmt den Stab vom Vorläufer. Und genau das tut Jesus!

Aber das erfordert etwas von Jesus: μετάνοια! Änderung seines Denkens und seines Lebens! Wie das zum Ausdruck kommt? Er verlässt Nazareth um in Kafarnaum zu wohnen, das am Meer liegt! Er geht aus der Abgeschiedenheit Nazarets in die Öffentlichkeit Kafarnaums; Er tritt aus dem Schweigen in die Verkündigung; Und – wie wir gleich sehen werden: aus dem Alleinsein in ein Leben in Gemeinschaft! Was ihm die Kraft dazu gegeben hat? Das nahe Königreich der Himmel! Nahe in der Verkündigung des Täufers; Nahe in der drängenden Einladung, es zu verkündigen; Nahe im Prophetenwort des Jesaja! Dies alles zusammen ändert bei Jesus das Denken und Handeln! Nicht, dass er bisher bisher böse gedacht und gehandelt hätte; Sondern sein Leben wird in eine neue Richtung gelenkt. Jesus geht darauf ein und schwenkt voll ein – und er tut dies durch μετάνοια, durch Änderung seines Lebens.

Zugleich bemerken wir, dass Jesus im eigenen Leben zuvor selber vollzieht, was er dann verkündet: Kehrt um – im Sinne von: Ändert euer Leben! Denn das Himmelreich ist nahe!

Was dies für seine ersten Jünger bedeutet, werden wir gleich erleben: Sie verlassen ihren bisherigen guten Lebensweg und geben ihm eine völlig neue Richtung, indem sie fortan Jesus nachfolgen.

Das sagt uns etwas über den Begriff μετάνοια: Es bedeutet dies nicht nur Reue, Buße und Umkehr von einem bösen Weg; Gewiss dies gehört oft genug auch dazu – aber nicht nur: Worauf es eigentlich ankommt ist die Änderung und Neuausrichtung des Lebens. Das hat zur Folge, dass der Ruf zur Umkehr nicht nur die Sünder sondern auch die Gerechten und Braven treffen soll: alle sind wir aufgerufen, unter dem Andrang des nahe gekommenen Königreiches der Himmel uns zu fragen: ja – und ich, wie soll ich meinem Leben eine neue Richtung, ein neues Ziel, einen neuen Inhalt geben? Genau zu dieser Frage will der Ruf Jesu uns heute aufwecken! Und wie werden wir die Antwort finden: Im «Gespräch» mit den gegebenen Umständen meines Lebens und im Gespräch mit Jesus selber.

Ich sagte schon: Jesus wurd zur Neuordnung seines Lebens geführt durch seine Verbundenheit mit Johannes und seine Offenheit für das Wort des Propheten Jesaja; In desem Prophetenwort begegnet ihm Gottes Wort!

Dieses Vorbild Jesu soll unseren Blick auf Jesus ziehen und uns Mut machen, uns dem nahen Königreich der Himmel zu öffnen, uns von seinem Drängen bewegen und uns vom Wort Jesu, überliefert vom Evangelisten, den Weg zeigen zu lassen: Und dieser Weg führt genauso wie jener der Jünger in die Gemeinschaft mit dem Herrn. Dort werden wir erleben, was es mit dem Königreich der Himmel auf sich hat, dass es dabei um die milde Herrschaft der barmherzigen Liebe Gottes geht und dass von dort die Schönheit unserer Kirche herkommt. Amen!

Freitag, Januar 14, 2011

Seht, das Lamm Gottes!





Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 1:29 – 34

In jener Zeit
29sah Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.
30Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war.
31Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, um Israel mit ihm bekannt zu machen.
32Und Johannes bezeugte: Ich sah. dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb.
33Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem er bleibt, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft.
34Das habe ich gesehen. und ich bezeuge: Er ist der Sohn Gottes.





Die Begegnung zwischen Johannes dem Täufer und Jesus verläuft im heutigen Evangelium anders als in den übrigen drei. Vor allem anderen wird Jesus nicht von Johannes getauft. Dem Evangelisten erschien es nicht passend, dass der, von dem es eben noch geheißen hat, er sei das Wort, das Fleisch geworden ist und das am Anfang bei Gott war und das Gott war – dass also dieser die Taufe zur Sündenvergebung empfange sollte. Das ist beim Evangelisten Johannes kein Thema!

Dennoch hat Jesus etwas mit den Sünden zu tun – zwar nicht mit den eigenen wohl aber mit denen der Menschen. Johannes nennt ihn „das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“ (Joh 1:29)

Wie kommt Johannes dazu, Jesus das Lamm Gottes zu nennen? Diese Bezeichnung erinnert an die Lämmer, die im Tempel zu Jerusalem geschlachtet wurden zur Vergebung der Sünden Israels. Diese Lämmer haben die Leute nach dem Gesetz des Mose zum Schlachten in den Tempel gebracht.

In Jesus nun bringen nicht mehr die Menschen ihr Lamm sondern Gott das seine; und recht eigentlich bringt er es nicht selber – es kommt aus eigenen, freien Stücken im Auftrag Gottes! Das Ziel seines Kommens sind jedoch nach wie vor die Sünden des Volkes.

Aber auch hier hat sich etwas geändert: Es heißt nämlich nicht: es nimmt hinweg die Sünden des Volkes Israel, sondern: es nimmt hinweg die Sünde der Welt! In diese Sünde sind die Sünden Israels mit eingeschlossen in die Sünde aller Menschen zu aller Zeit auf der ganzen Welt.

Die universale Sündenbefreiung wird zudem dadurch unterstrichen, dass dieses Hinwegnehmen in der Zeitform der Gegenwart steht: Das universale Befreien von der Sünde der Welt geschieht in einem immerwährenden Jetzt. Mit Sünde ist dabei die Schuld gemeint, die durch sündhaftes Vergehen aufgeladen wird. Die universale, befreiende Aufgabe des Gotteslammes entspricht dem Wort, das am Anfang bei Gott war und das Gott war.

Ich habe schon in der Predigt letzten Sonntag angedeutet, dass Johannes der Täufer wie in einer Seelenschau eine tiefere Einsicht in Jesus hatte, als die umstehenden Leute. Diese Einsicht wurde ihm allerdings geschenkt von dem, der ihn in die Wüste zum Prediger- und Taufdienst gerufen hat.

Dem äußerst einfachen und stillen Leben des Täufers ward es gegeben, tief in die Seele und in das Leben Jesu blicken zu dürfen; und nicht etwa den Schriftgelehrten, Priestern und Pharisäern im Tempel und in Jerusalem!

Das heutige Evangelium entfaltet stufenweise die Einsicht des Täufers in das innerste Geheimnis Jesu. Soweit Menschen blicken konnten wurde ihm diese Einsicht ermöglicht: So nennt er Jesus zuerst das Lamm Gottes; als nächsten Schritt darf er sehen, wie der hl. Geist in Gestalt einer Taube auf Jesus herabkommt und auf ihm bleibt; das führt ihn zur Erkenntnis, dass Jesus mit dem hl. Geist taufen wird und mündet schließlich im Zeugnis: „Er ist der Sohn Gottes!“ (Joh 1:34)

Hier wird nicht Jesus getauft sondern Johannes; er wird getauft mit der tiefen Einsicht in die Person Jesus und mit der Erkenntnis von Jesu Auftrag in und an der Welt: Dass er gekommen ist, nicht nur das Volk Israel sondern die ganze Welt zu erlösen und zu befreien.

Johannes der Täufer kommt mir vor wie ein Priester bei der Beichte: Die Leute kommen zu ihm und bekennen ihre Sünden. Aber hinwegnehmen tut diese Sünden Jesus, das Lamm Gottes. Der Priester tut seinen Dienst im Namen des Sohnes; aber das tut Johannes ja auch – allerdings im Namen des Vaters. Ob Johannes diese dreifaltigen Zusammenhänge auch erkannt hat?

Schließlich noch ein weiterer Gedanke: Das Lamm Gottes, das die Sünde hinwegnimmt steht zu Beginn eines Weges an dessen Ende die Erkenntnis steht: dieser ist der Sohn Gottes. Das heißt: die Befreiung von Schuld eröffnet einen Weg, der hinführt zur wahren Erkenntnis Jesu als des Sohnes Gottes. Zugleich ist dieser Weg in die Erkenntnis Jesu ein Weg in die Gemeinschaft des dreifaltigen Gottes. So wird deutlich, warum Jesus gekommen ist, uns von unserer Sündenschuld zu befreien: Damit wir am seligmachenden Leben des dreifaltigen Gottes teilnehmen dürfen! Amen!

Donnerstag, Januar 06, 2011

Gerechtigkeit, die Gott fordert


 

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 3: 13 – 17

13Zu dieser Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen.
14Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?
15Jesus antwortete ihm: Lass es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit (die Gott fordert) ganz erfüllen. Da gab Johannes nach.
16Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen.
17Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.






Wenn wir uns das so vorstellen, wie Johannes da nacheinander die Menschen tauft, sie dabei ihre Sünden bekennen und im Taufwasser von ihrem geistlichen Schmutz befreit werden dann können wir das Wasser dort an der Taufstelle als eine geistliche Kloake bezeichnen.

Und nun kommt da Jesus daher und hat gar nichts abzuwaschen, weil er der Sündenlose ist. Johannes erkennt das – als hätte er das Charisma der Seelenschau! Dennoch steigt Jesus in diese geistliche Scmutzbrühe hinab und taucht darin unter mit dem Hinweis, nur so ganz die Gerechtigkeit Gottes erfüllen zu können.

Mir ist bei diesem Geschehen das Wort des Täufers in den Sinn gekommen, das er bei Johannes von Jesus sagt: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“ (Joh 1:29) Wenn er die Sünde der Welt hinwegnehmen will, muss er sich diese vorerst aufladen; das tut er sinnenfällig auf eindrückliche Weise durch das Untertauchen in jenes Wasser, in dem die Menschen vor und nach ihm von ihren Sünden abgewaschen wurden. Selber ohne Schuld taucht er ganz in die Schuld der Menschen ein, nimmt sie auf sich und trägt sie hinweg.

Jesus erscheint dabei wie ein geistliches Klärwerk, das durch den Klärschlamm der Liebe die Sünde geradezu auffrisst und vertilgt. So reinigt er uns Menschen von aller Schuld und heiligt das Wasser, um es fortan zu einem Element zu machen, das in der Taufe zeichenhaft auf diese Reinigung von Schuld und Sünde hinweist.

Gerade dadurch aber erfüllt er ganz die Gerechtigkeit Gottes, der so unsere Ungerechtigkeit beantwortet: Im Eintauchen in unsere Ungerechtigkeit, im Annehmen und Ertragen derselben, im Sterben an ihr nimmt er sie hinweg und erweist sich in der Auferstehung tatsächlich als ihr Bezwinger und somit als unser Erlöser. Das ist die Gerechtigkeit Gottes: Böses mit Gutem zu beantworten, die Finsternis mit Licht, den Hass mit Liebe, das Unheil mit Heil, die Gefangenschaft mit Befreiung, den Tod mit Leben.

Was Jesus dazu befähigt ist freilich nicht menschliche Macht und Weisheit sondern die Kraft von oben, die Kraft des Heiligen Geistes. Darum kommt diese Kraft auch sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab und die Stimme aus dem Himmel erklärt Jesus als den geliebten Sohn, an dem sie Gefallen gefunden hat.

Für die übermenschliche Aufgabe, die Gerechtigkeit Gottes ganz zu erfüllen und uns Menschen aus der Macht der Sünde zu befreien, braucht es die übermenschliche Kraft des Hl. Geistes. Weil wir Menschen ganz unter der Knechtschaft der Sünde gefangen waren musste Gott selber zu uns unter dieses Joch kommen, um es von uns nehmen und wegtragen zu können. Genau deshalb ist er Mensch geworden in Jesus Christus. So wird dieses Eintauchen in das Wasser des Jordan nicht nur zum sinnfälligen Zeichen dafür, dass er unsere Schuld auf sich nimmt;

Es wird auch zum Zeichen seiner Menschwerdung und dass Gott in Jesus Christus ganz in unser Menschsein eintaucht; er wird wahrer Mensch und bleibt dabei doch wahrer Gott, wie es die Theologie ausdrückt. Er wird in allem uns gleich außer der Sünde.

Der Geist und die Stimme aus dem Himmel – beides ist wie eine Grundmelodie, die zu Beginn seines öffentlichen Auftretens anklingt und sich dann im Verlauf seines Wirkens ausgestaltet – in den Zeichenwundern einerseits und in seiner Verkündigung andererseits.

Beides – Geist und Stimme vom Himmel – sind aber auch für uns Menschen maßgeblich; denn auf sie hin werden wir von der Sünde befreit. Wir sollen von der Sünde entleert nicht leeres Gefäß bleiben sondern gefüllt werden mit dem Geist aus der Höhe und Hörende werden auf Gottes Wort.

Maria, die Mutter Jesu, ist uns hierin Vorbild: Denn Heiliger Geist kommt über sie und die Kraft des Höchsten überschattet sie. Und aus ihrem Mund vernehmen wir: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast (Lk 1:35.38). Gerade so sollen auch wir Tempel des heiligen Geistes und Täter des Wortes Gottes sein! Amen!

Mittwoch, Januar 05, 2011

Seinen Stern aufgehen sehen






Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 2:1 – 12

1Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem
2und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.
3Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem.
4Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle.
5Sie antworteten ihm: In Betlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten:
6Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel.
7Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war.
8Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige.
9Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.
10Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.
11Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.
12Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.





Wie viele Sterne mögen die Magier aus dem Osten wohl schon am Himmel entdeckt haben? Ob bisher schon einer zu ihnen gesprochen hat wie der jetzt? Und in derartiger Dringlichkeit, dass sie es zu Hause nicht mehr ausgehalten, sondern ihre Heimat verlassen und sich auf den Weg gemacht haben in das Land Israel?

Schon einmal kam einer aus dem Osten nach Israel: Abraham! Er hörte die Stimme eines Gottes, den er noch nicht kannte; der aber dennoch in seinem Wort dermaßen zwingend war, dass Abraham gehorchte und sich auf den Weg machte. Unterwegs lernte er diesen Gott kennen.

Die Magier und Abraham – offene, hörende Menschen. Dem Abraham setzte Gott das verheißene Land zum Ziel und zahlreiche Nachkommen; den Magiern den geborenen König der Juden. Was dem Abraham verheißen wurde durften die Magier  als Erfüllung erleben, anbeten und in ihren Geschenken verehren. Denn die Geschichte des Heils, die mit Abraham begann wird in dem und durch den neugeborenen König der Juden erfüllt. Der Weg des Abraham und die Reise der Magier hatten im Grunde das gleiche Ziel: den König der Juden im Kind Jesus, dem Sohn der Maria!

Wie verschieden groß sind doch die Zeiträume; wie verschieden auch die Menschen in ihren Umständen und Berufen, wie verschieden erst die Wege, die sie gegangen sind – Gott, dem ein Tag wie tausend Jahre sind und tausend Jahre wie ein Tag ist unerschöpflich in seinen Weisen, Menschen zu Jesus zu rufen; sie auf IHN hin zu orientieren; sie um IHN zu versammeln.

Ein herrliches Bild der Kirche eröffnet sich uns. Denn zusammen mit den Magiern ist in Maria auch ihr Urvater Abraham anwesend. Und wenn auch diese Gemeinschaft sich nur für kurze Zeit zusammenfindet – in diesem Kind ist eine Verbindung geknüpft, die die Zeiten überdauert und in jenem Reich seine Vollendung finden wird, das wir das Land der Verheißung, des Lichtes und des Friedens nennen.

Es war wichtig, dass Abraham sich auf den Weg machte, denn in dem Land Israel, das er erbte, sollte aus ihm ein Volk erstehen, dem der Messias entstammt.

Und es war wichtig, dass die Magier aus dem Osten kamen, denn sie sollten zeigen, dass dieser Königmessias in Jesus gekommen ist – nicht nur als Herrlichkeit für sein Volk Israel sondern auch als Licht, das die Heiden erleuchtet (vgl. Lk 2:32).

In der Anbetung der Magier aus dem Osten verbindet sich die Auserwählung Israels mit der Berufung der Heiden, an demselben Segen Israels Anteil zu haben. Paulus hat dies in der heutigen Lesung so ausgedrückt: „dass nämlich die Heiden Miterben sind, zu demselben Leib gehören und an derselben Verheißung in Christus Jesus teilhaben durch das Evangelium.“ (Eph 3:6)

Das ist die große Botschaft des heutigen Tages:
Alle sind wir berufen, erlöst, befreit, Kinder Gottes zu werden!
Alle Mauern werden heute niedergerissen, die sagen möchten: Du nicht!
Alle Wege werden heute grundsätzlich als Wege zum Heil erklärt, so dass für jeden Hoffnung besteht, diesen Weg auch zu entdecken als seinen  ureigenen Weg zu Gott – mögen diese Wege noch so verschlungen sein.

Wir dürfen heute staunen und danken
für den Weg, der uns zum Herrn geführt hat; für den Stern, der uns diesen Weg ausgeleuchtet hat.
Zudem dürfen wir vertrauen, dass der Herr uns auch künftig rufen und führen wird – bleiben wir nur wach für die Weisen, auf denen dies geschieht. Bitten wir um den Geist des Gebetes, der uns zu dieser Wachsamkeit verhilft.
Und wachen wir auf zur Berufung, anderen Stern zu sein auf ihrem Weg zu Herrn, anderen Stimme des Herrn zu sein, durch die er sie anspricht und ruft.

Abgesehen von jeder symbolischen Deutung sind die Gaben der Weisen ein willkommener und rechtzeitiger Beitrag für den Lebensunterhalt der hl Familie auf ihrer Flucht nach Ägypten.
Genauso stärkt uns das Verhalten der Weisen auf unserer Flucht in das Reich Gottes, das hier auf Erden und dann im Himmel auf uns wartet. Amen!