Samstag, Februar 26, 2011

Sorge dich nicht - lebe!






 Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 6: 24 – 34



In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
24Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.
25Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung?
26Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?
27Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern?
28Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht.
29Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen.
30Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!
31Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen?
32Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht.
33Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.
34Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage.






Im heutigen Evangelium spricht Jesus von unseren Alltagssorgen. Er macht sich Sorgen um unsere Sorgen. Er führt uns anschaulich vor Augen, dass wir uns zu sehr um unseren alltäglichen Bedarf kümmern.

Wir mühen uns in dieser Hinsicht unnötigerweise. Denn es gibt schon einen, der sich Sorgen macht um uns: es ist unser himmlischer Vater! Ich wiederhole, was ich schon letzten Sonntag predigte: Da sorgt sich keine anonyme Größe um uns sondern unser himmlischer Vater.

Jesus spricht uns erneut an in unserem Kindsein vor Gott! Er ruft uns damit zugleich in dieses Kindsein hinein – als wollte er sagen: Ohne dieses Kindsein vor Gott werdet ihr meine Worte nicht verstehen und euch weiterhin von euren Sorgen um irdische Güter auffressen lassen; dazu seid ihr jedoch nicht berufen; eure Berufung ist es vielmehr, in jenem Frieden zu leben, den nur das Vertrauen geben kann – das Vertrauen eines Kindes zu seinem himmlischen Vater!

Heißt das nun, dass wir uns keine Sorgen mehr machen müssen? Dass wir uns um nichts mehr zu sorgen brauchen? Dass wir untätig und planlos in den Tag hinein leben sollen – weil Gott ja ohnedies um uns sorgt und uns geben wird, was wir brauchen?

Keineswegs! Denn eine Sorge legt uns Jesus sehr wohl in das Herz: Die Sorge um das Reich Gottes und um Gottes Gerechtigkeit: „Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen;“ (Mt 6:33)

Aber warum kann Gott sich nicht selber um sein Reich und um seine Gerechtigkeit sorgen? Weil sein Reich und seine Gerechtigkeit unser alltägliches Leben betrifft; gerade dort soll beides Wirklichkeit werden; und Gott ist nun mal kein Gadaffi, der seinem Volk eine Lebensform aufzwingen möchte, die es nicht mehr ertragen will.

Vielmehr möchte Gott, dass wir sein Reich und seine Gerechtigkeit mitgestalten und mittragen. So soll sein Reich und seine Gerechtigkeit auch unser Reich und unsere Gerechtigkeit werden! Jesus hat uns vorgelebt, wie dieses Mitgestalten und dieses Reich Gottes aussieht. Seine Jünger und viele Menschen nachher sind ihm darin nachgefolgt. Und heute sind wir herausgerufen, uns in die Schar dieser Mitarbeiter einzufügen und uns vor allem anderen zu sorgen um Gottes Reich und um Gottes Gerechtigkeit.

Die Sorge um Gottes Reich können wir nur verwirklichen als Kinder unseres himmlischen Vaters: Denn die Kinder wissen, dass der Vater sich um sie kümmert und ihnen alles gibt, was sie brauchen. Das befreit sie von der Sorge um sich selbst und macht sie fähig, sich um da Reich Gottes zu sorgen. In dieser Sorge wachsen sie mit dem himmlischen Vater noch mehr zusammen; sie werde noch mehr zu seinen Kindern.

Und in dieser Sorge um das Reich Gottes wird ihr alltägliches Sorgen ein befreites und erlöstes Kümmern um das, was gerade ansteht. Es ist ein Kümmern im Licht des Reiches Gottes und umfasst mein Leben und das meiner Mitmenschen. Es ist ein Kümmern in der Liebe des Reiches Gottes, die Gott über alles liebt und den Nächsten wie sich selbst. Es ist ein Sorgen, bei dem ich getragen bin vom Vertrauen, dass Gott sich um mich und überhaupt um alle und um alles sorgt und dass wir nie und nimmer aus seiner Sorge herausfallen werden.

Dieses Wissen um die liebende Sorge Gottes um uns unterscheidet uns von den Vögeln des Himmels und den Lilien des Feldes.

Davon spricht Sören Kierkegaard in seinen christlichen Reden: „Wovon lebt der arme Christ? Vom täglichen Brot. Darin ist er dem Vogel gleich. Aber der Vogel, wenn er auch kein Heide ist, ist doch kein Christ. Der Christ betet um das tägliche Brot. Er lebt vom täglichen Brot nicht so wie der Vogel oder der Abenteurer, der es nimmt, wo er es findet. Der Christ findet es, wo er es sucht, und er sucht es, indem er betet.

Eben darum hat er, um zu leben, mehr als nur das tägliche Brot; dieses hat für ihn einen Zusatz, einen Wert und eine Sättigung, die es für den Vogel nicht haben kann: der Christ weiß, dass das tägliche Brot von Gott ist. Hat nicht auch eine sonst unbedeutende Gabe, eine Kleinigkeit, für den Liebenden unendlichen Wert, weil sie vom Geliebten kommt? Der Christ bittet wohl um das tägliche Brot und dankt dafür – was der Vogel nicht tut. Aber bitten und danken ist ihm wichtiger als die Nahrung; es ist seine Speise, wie es die Speise Christi war, den Willen des Vaters zu tun.“ Amen!

Freitag, Februar 18, 2011

Besiege das Böse durch das Gute!





Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 5:38 – 48


In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: 
38Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn.
39Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.
40Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel.
41Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm.
42Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab.
43Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.
44Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen,
45damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.
46Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner?
47Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden?
48Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.







„Ihr sollt vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.“ (Mt 5:48) Das ist ein hoher Anspruch. Wie können wir dem gerecht werden?

Da braucht es einmal die innere Ausrichtung auf Gott als unserem himmlischen Vater. Jesus stellt uns ja nicht die Vollkommenheit eines völlig fremden Wesens vor Augen sondern die von unserem himmlischen Vater. Wenn also die Ausrichtung auf Gott wie die von einem Kind auf seinen Vater ist, haben wir schon die halbe Miete. Wenn diese Ausrichtung zudem von Sympathie geprägt ist, kann eigentlich nichts mehr daneben gehen.

Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass es uns leicht fällt, Menschen nachzuahmen, die wir lieben und von denen wir wissen, dass sie uns lieben. Diese Menschen haben wir gerne zu unseren Vorbildern. Wir schauen mit neugieriger Hingabe ihr Leben an, wir halten uns gerne und oft in ihrer Nähe auf. Wir sind wie ein weit offenes Gefäß für das, was sie sagen und was sie tun. So eine Kind-Vater Beziehung müssen wir uns bei Jesu Worten als Hintergrund vorstellen. Dann verlieren sie ihre Schwere und wir selber werden uns sagen: Ja wie anders könnte ich denn auch werden wenn nicht vollkommen wie unser himmlischer Vater!?

Diese innere Ausrichtung in gespannter, liebender Zuneigung zum himmlischen Vater lässt mich dann wahrnehmen, dass es stimmt, was Jesus sagt: „Er lässt tatsächlich seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten und läst es regnen über Gerechte und Ungerechte.“ (Mt 5:45) Gott liebt tatsächlich in einer Weise, die Grenzen überschreitet; er reserviert seine Zuneigung nicht nur für jene, die ihn mögen. Er schenkt seine Liebe auch jenen, die ihn nicht wahrnehmen, die ihn nicht lieben, die ihn hassen. Gott liebt tatsächlich grenzenlos. Die Beispiele von der Sonne und vom Regen, die Jesus anführt, könnten wir beliebig vermehren. Wenn wir uns in dieses Lieben Gottes versenken, wird es unser Verhalten beeinflussen, ändern, prägen und uns zu großen Liebenden machen mit einem weiten Herzen, das die Grenzen, die ihm gezogen werden, immer überschreiten wird.

Wie diese Grenzüberschreitung ausschauen kann, zeigt Jesus an lebensnahen Beispielen aus seiner Umwelt: die Feinde lieben und für die Verfolger beten; dem, der uns bittet, geben und dem, der von uns borgen will, ausleihen; wenn mich einer zwingt eine Meile mit ihm zu gehen, zwei Meilen mit ihm gehen; wenn einer vor Gericht mein Hemd erstreiten will, ihm auch den Mantel geben und dem, der mich auf die rechte Wange schlägt, auch die linke hinhalten.

Bei all diesen Beispielen wird ein besonderer Umgang mit dem Bösen deutlich: Es wird nicht mit Bösem bekämpft sondern mit dem Guten beantwortet! Das Böse findet keinen Platz im Herzen eines Jüngers Jesu; es kann sich dort nicht einnisten; es ist immun gegen das Böse. So kann es die Weisung Jesu in die Tat umsetzen. Paulus gibt mit anderen Worten die gleiche Weisung: „Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!“ (Röm 12:21)

Dieser Sieg über das Böse hat ein Ziel vor Augen; Jesus nennt es im heutigen Evangelium: „damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel werdet!“ (Mt 5:45) Von diesem Ziel her wird uns die Kraft geschenkt, das Böse durch das Gute zu besiegen. Es ist der kindliche Aufblick zum himmlischen Vater, der den Horizont weitet über das Böse hinaus und das Herz öffnet für das Gute, das so von Gott her in unser Leben einströmen und unser Handeln bestimmen kann. Der Sieg über das Böse macht uns zu Kindern Gottes und zugleich besiegen wir das Böse aus der Kraft heraus, die den Kindern Gottes eigen ist. Johannes hat es bereits im Prolog zu seinem Evangelium geschrieben: Allen aber, die Jesus aufnahmen gab er Macht Kinder Gottes zu sein, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes sondern aus Gott geboren sind. (vgl. Joh 1:12f.)

Kind Gottes zu sein – das ist eine Macht! Aber welche Macht? Wir hörten es eben: eine gute, eine gütige, eine liebende Macht – genau jene Macht, die das Böse besiegt. Und wie wird diese Macht wirksam? Im Glauben an den Namen Jesu! Dieser Glaube ist das Leben unserer Gotteskindschaft; er ist das Einfallstor für Gottes Kraft und Stärke in unser Leben.

Bitten wir um diesen Glauben, leben wir aus diesem Glauben und wir werden eine Liebeskraft haben, die uns furchtlos macht und alles Böse in unserem leben überwinden wird! Gepriesen sei Gott, der uns durch seinen Sohn Jesus Christus diese Liebe schenkt! Amen!

Samstag, Februar 12, 2011

Die größere Gerechtigkeit





Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 5:17 – 37


In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
17Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.
18Amen, das sage ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist.
19Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich.
20Darum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.
21Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein.
22Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!, soll dem Spruch des Hohen Rates verfallen sein; wer aber zu ihm sagt: Du gottloser Narr!, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein.
23Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat,
24so lass deine Gebe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe.
25Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, so lange du mit ihm noch auf dem Weg zum Gericht bist. Sonst wird dich dein Gegner vor den Richter bringen, und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener übergeben, und du wirst ins Gefängnis geworfen.
26Amen, das sage ich dir: Du kommst von dort nicht heraus, bis du den letzten Pfennig bezahlt hast.
27Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen.
28Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.
29Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus und wirf es weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.
30Und wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab und wirf sie weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle kommt.
31Ferner ist gesagt worden: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt, muss ihr eine Scheidungsurkunde geben.
32Ich aber sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, liefert sie dem Ehebruch aus; und wer eine Frau heiratet, die aus der Ehe entlassen worden ist, begeht Ehebruch.
33Ihr habt gehört. dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast.
34Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron,
35noch bei der Erde, den er ist der Schemel für seine Füße, noch bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs.
36Auch bei deinem Haupt sollst du nicht schwören; denn du kannst kein einziges Haar weiß oder schwarz machen.
37Euer Ja sein ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen.






Wie würdet ihr die Frage beantworten, was euch die 10 Gebote bedeuten?

Genau diese Frage beantwortet Jesus im heutigen Evangelium. Er sagt seinen Zuhörern, welchen Wert für ihn die 10 Gebote haben; freilich sind da mit den 10 Geboten nicht bloß die 10 Gebote gemeint, wie wir sie aus dem Katechismus kennen; aber im Kern geht es um diese 10 Gebote; es kommt dazu, was um diese Gebote herum in den 5 Büchern des Moses noch geschrieben steht – gleichsam als deren Erläuterung; und was die Propheten Israels dazu gesagt haben.

Welchen Wert hat also für Jesus, wie Gott seinen Willen äußert in den 5 Büchern des Moses und in den Propheten?

Sein erstes Statement dazu: „Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.“ (Mt 5:17) Das jüdische Gesetz und die Propheten sind für Jesus nicht etwas, an das er Hand anlegt, um hier etwas auszubessern, dort etwas zu ergänzen, oder etwas wegzustreichen oder sonst wie zu manipulieren. In diesem Sinne sind sie für ihn unantastbar. 

Der Grund dafür ist klar: Sie sind Äußerungen des Gottes Israels, jenes Gottes, der auf einmalige Weise der Vater Jesu ist. Sie sind für Jesus der hochheilige Wille Gottes.

Und doch sind Gesetz und Propheten etwas, an das er Hand anlegt – und zwar, um sie zu tun und so den Willen Gottes zu erfüllen. Wie geschieht diese Erfüllung durch Jesus? Sie geschieht dadurch, dass er das Wort Gottes in seinem Leben geschehen lässt; er lässt sein Leben durch das Wort Gottes formen, prägen, gestalten. Darum hören wir bei den verschiedenen Ereignissen im Leben Jesu immer wieder bei Matthäus: dies ist geschehen, damit das Wort der Schrift sich erfüllte! Nicht Jesus formt das Gesetz sondern das Gesetz formt ihn: das heißt für Jesus „das Gesetz und die Propheten erfüllen!“ Sein Leben vom Gesetz und den Propheten formen lassen.

Wie war es möglich, dass Jesus sein Leben dermaßen in das Wort Gottes einfügen konnte? Dass Gott sein Leben formen konnte wie weiches Wachs?
Weil er im Herzen begeistert war vom Willen und vom Wort Gottes. An zahlreiche Stellen der hl. Schrift wird von dieser Freude am Wort Gottes erzählt. Der ganze Psalm 119 etwa ist ein Preislied über die Freude am Wort Gottes. Diese Freude lebte in seinem Herzen und kommt von jener Liebe her, sie im 5. Buch Mose so beschrieben wird: „Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“ (Dtn 6:5)

Was Jesus unter den Vorzeichen solch einer Liebe mit der Erfüllung der Gebote Gottes verstanden hat, macht er dann deutlich, wenn er über Mord, Ehebruch, Entlassung aus der Ehe und über den Meineid spricht: Da wird nämlich das Gebot nicht erst gebrochen mit vollendeter Untat sondern bereits in den ersten Regungen, die zur Untat führen.

Jesus fordert eine Gerechtigkeit, die größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer. Er fordert eine überfließende Gerechtigkeit. Also nicht nur das nötige Tun des Willens Gottes, nicht nur das volle Maß, sondern „Mehr“. Denn der Wille Gottes ist nicht irgendwann einmal so erfüllt, dass es nichts mehr zu tun gibt. Keiner kann sagen, „jetzt habe ich genug getan.“

Jesus richtet den Maßstab anders aus: die Gerechtigkeit der Pharisäer und Schriftgelehrten ist nicht das höchste Maß, wie damals allgemein angenommen, sondern das Minimum. Jesus fordert, nicht nur berufsmäßig, oder ehrenamtlich oder nur „sonn- und feiertags“ aus religiöser Pflichterfüllung nach dem Willen Gottes zu leben, sonder: immer! Denn der Beruf und das Ehrenamt kennen einen „Feierabend“ und die religiöse Pflicht ist irgendwann getan – doch der Wille Gottes gilt ständig, auch am „Feierabend“ und auch nach der Erfüllung des ohnehin geforderten Nötigsten. (vgl. Grilli, Langer: das Matthäusevangelium 87f.)

Die Erfüllung des Willens Gottes soll „mehr“ als Pflicht sein, sie soll zur Wesensart der Gläubigen werden, sie soll das ganze Herz und die ganze Seele und das ganze Denken des Menschen erfüllen wie es bei Jesus der Fall war. Amen!

Freitag, Februar 04, 2011

Licht der Welt





Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 5:13 – 16



In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
13Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten.
14Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf dem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben.
15Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus.
16So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.






Ich habe eben die Worte Jesu sehr betont gelesen: Ihr seid das Salz der Erde; und dann: Ihr seid das Licht der Welt!

Wen spricht Jesus hier so betont an?

Vorerst seine Jünger, die er am Ende der Seligpreisungen am letzten Sonntag bereits direkt anredet: „ Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn so wurden schon vor euch die Propheten verfolgt.“ (Mt 5:11f)

Sie haben die Gemeinschaft mit Jesus gesucht und sind ihm gefolgt; sie haben seinen Auftrag erfüllt und das Reich Gottes verkündet; sie haben ihn als den Sohn Gottes und den Messias Israels bezeugt. Das alles bringt ihnen Beschimpfung, Verfolgung und Verleumdung ein.

Jesus stellt sie deshalb auf eine Stufe mit den Propheten Israels: Die haben allerdings im Namen Jahwes gepredigt und vom Volk Israel das Halten der Gebote Gottes und die Treue zu Jahwe eingefordert. Deshalb wurden sie verfolgt.

Indem Jesus seine Jünger den Propheten gleichstellt drückt er damit aus, dass er selber im Namen Gottes handelt.

Seine Jünger sind also Salz und Licht, weil sie in der Gemeinschaft mit Jesus leben und bereit sind das Leid anzunehmen, das ihnen dadurch widerfährt. Sie nehmen dieses Leiden nicht um des Leidens willen an sondern um Jesu willen. Sie blicken dabei auf den großen Lohn im Himmel – wie Paulus es tut, wenn er im Römerbrief schreibt: „ Ich bin überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll. (Röm 8:18) Oder wie Jesus selber es mit den Worten des Hebräerbriefes getan hat: „ er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt.“ (Heb 12:2). Der Blick der Jünger auf den großen Lohn im Himmel und der Blick auf Jesus gehören zusammen.

Nun nennt Jesus seine Jünger: Salz der Erde und Licht der Welt. Was sie sind, sind sie nicht für sich allein zur eigenen Erbauung. Sie sind es für die Erde; sie sind es für die Welt! Ihr Leben ist Salz und Licht! Es ist etwas, das für die Erde und die Welt erfahrbar, erlebbar, spürbar ist! Und zwar spürbar in angenehmer und unangenehmer Weise!

Salz brennt und reinigt – zugleich aber bewahrt es vor dem Verfall und gibt so Dauer und Bestand. Salz gibt Geschmack! Das bedeutet Einsatz in der Welt und für die Welt; es bedeutet Kritik an Menschenunwürdigem und Widergöttlichem; es bedeutet aber auch neuen Geschmack, neue Lust und neue Freude am Leben. Die Seligpreisungen sollen nicht zur Weltflucht verführen sondern zum Weltdienst ertüchtigen. Sie sind das Werkzeug, mit dem die Jünger Jesu hier auf Erden das Reich Gottes errichten. Sie sind der Garant, dass die Jünger Jesu nicht von der Welt sind und dennoch – oder gerade deshalb – in der Welt leben können und ein Segen für sie sind. Sie sind das Programm, das sie befähigt, sich ganz in den Weg Jesu einzufügen, der ja gekommen ist, „zu suchen und zu retten, was verloren ist“ (Lk 19:10)

Und erst das Licht: Das blendet fürs Erste, wenn das Auge zu sehr an die Dunkelheit gewöhnt ist. Doch dann tut sich dem staunenden Auge eine neue Welt auf, die es zuvor in seiner Schönheit und seinem Reichtum nicht sehen konnte.

Wir bemerken: Das Licht der Seligpreisungen ist ein Licht der innersten Verbundenheit mit dem Herrn; gerade deshalb aber drängt es nach außen und will nicht nur unser Herz und unser Leben sondern die Welt um uns erfüllen; es ist ein Licht für uns und zugleich für die Menschen an unserer Seite. Und es ist genau diese Öffentlichkeit unseres christlichen Lebens der Garant für unsere Zugehörigkeit zu Christus. Wollten wir also unseren Glauben nicht mehr öffentlich bezeugen dann haben wir Christus verloren und wir sind nicht mehr seine Jünger; wir gehören nicht m ehr zu ihm.

Christus in uns gewährleistet hingegen, dass wir unsere guten Taten ungeniert ausleben; er ist das Wasserzeichen in unseren guten Werken, an dem die Menschen unseren Vater im Himmel erkennen und ihn lobpreisen. Denn es ist die Art Jesu, mit den Augen des Vaters die Menschen anzublicken und sie so zum Lobpreis des Vaters hinzuführen. Amen!