Samstag, April 30, 2011

Weißer Sonntag




Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 20: 19–31


19Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
20Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.
21Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
22Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
23Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.
24Thomas, genannt Didymus - Zwilling -, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.
25Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.
26Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch!
27Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!
28Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott!
29Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.
30Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan.
31Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.


Der heutige Sonntag trägt bei uns zwei Namen: der weiße Sonntag und Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit.

Er war bis vor nicht allzu langer Zeit jener Sonntag, an dem die Erstkommunion gefeiert wurde. Jedoch hat dieser Sonntag seinen Namen nicht vom weißen Kleid der Erstkommunikantinnen bekommen sondern vom weißen Gewand, das in der Frühkirche jene bis zum heutigen Sonntag getragen haben, die in der Osternacht getauft wurden. Dieses weiße Kleid sollte hinweisen auf das neue Leben, in das sie durch die Taufe hineingeboren wurden; wie neugeborene Kinder sollten die Neugetauften sich fühlen.

Wenn wir jedoch das Evangelium lesen, dann können wir einen weiteren Grund finden, warum der heutige Sonntag „weißer“ Sonntag genannt wird: Dieser Grund besteht in der Reinheit des Herzens Jesu seinen Jüngern gegenüber; davon berichtet das heutige Evangelium sehr eindringlich:
Wie erleben, wie Jesus den ersten Schritt auf seine Jünger zugeht, die ihn doch verraten und verlassen haben und durch seinen Tod in ein tiefes Loch von Schuldgefühlen und von Angst hineingefallen sind.
Wie Jesus dann bei seinen Jüngern ist beginnt er nicht, ihnen Vorwürfe zu machen und sie anzuklagen wegen ihres Verhaltens ihm gegenüber.
Vielmehr tritt er in ihre Mitte; das ist bezeichnend: denn er bleibt nicht am Rand der Gruppe stehen – so als gehörte er nicht zu ihnen und als ob sie seine Gegner wären; der Schritt hinein in ihre Mitte ist ein Hinweis, dass er ganz bei ihnen sein, ganz zu ihnen gehören will; nichts ist von seiner Seite da, was ihn von seinen Jüngern fernhält: Kein Groll, kein Zorn, keine Wut, kein Beleidigtsein.

Vielmehr ist das ganz lauter in seinem Herzen, was er ihnen sogleich zuspricht: Friede! Er tritt voll Frieden in ihre Mitte, damit er ihnen diesen Frieden schenken und so ihren Unfrieden überwinden kann; er beseitigt so die Barrieren, die seine Jünger hindern, ihn in ihre Mitte aufzunehmen – denn das wäre ihnen nicht möglich gewesen, wenn ihr Herz im Unfrieden geblieben wäre; denn Unfriede kann sich mit Frieden nicht vertragen.
Und wie unverzüglich sein Friedenswort im Herzen der Jünger Früchte trägt, zeigt sich, als er ihnen dann seine Hände und seine Seite zeigt, die mit den vernarbten Wunden „geziert“ sind. Eigentlich hätten sie beim Anblick dieser Wundmale in Trauer und Reue erschrecken müssen, da sie doch durch ihre Untreue zu diesen Wunden beigetragen haben.
Stattdessen  freuen sie sich!  Diese Freude ist die Frucht des Friedens, den Jesus aus seinem Herzen in das ihre hat überfließen lassen.
Wir sehen also, wie rein im Frieden Jesu Herz war. Für diese Reinheit, die aus der Versöhntheit kommt, ist der weiße Sonntag auch ein Hinweis.

Und da fügt sich gleich die Begründung für den zweiten Namen des heutigen Sonntags an: Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit. In dem Wort „Barmherzigkeit“ steckt das Wort „Herz“ drinnen. Sie ist ein Zustand des Herzens und eine Urhaltung Gottes uns Menschen gegenüber, so dass wir die hl. Schriften ein Lied über die Barmherzigkeit Gottes nennen können, die sich uns Menschen gegenüber äußert in einer unermesslichen Fülle und in verwirrender Widersprüchlichkeit. Am Sinai gibt Gott sich dem Moses zu erkennen: „Der Herr ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue“ (Ex 34:6)

Durch sein Verhalten zeigt Jesus heute, dass Barmherzigkeit das Wesen dieses Gottes ist; er lebt von diesem Wesen Gottes her; er ist der einzigartige Bote der Barmherzigkeit Gottes – ja er ist diese Barmherzigkeit Gottes in Person!

Wir dürfen uns mit den Jüngern mitfreuen über die herrlichen Gaben der barmherzigen Liebe Gottes: Über seine Gegenwart in Jesus Christus; über den Frieden, den er schenkt; über die Freude, zu der er führt; über den Geist, mit dem er uns erfüllt; über unsere Sendung zu den Menschen – und schließlich über den Glauben, der uns alle diese herrlichen Gaben zugänglich macht! Amen!

Samstag, April 23, 2011

Das Grab ist leer!




Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 20: 1 – 9

1Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war.
2Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat.
3Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab;
4sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab.
5Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein.
6Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen
7und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.
8Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte.
9Denn sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste.






Da ist zuerst Leere: Das Grab ist leer! Jesus ist nicht mehr da in zweierlei Hinsicht: Er lebt nicht mehr wie bisher unter den Jüngern, denn er ist gestorben; aber er ist auch nicht mehr unter ihnen so wie sie es nach seinem Tod erwartet haben – nämlich als Leichnam, der im Grabe ruht. Die Schrecklichkeit dieser Leere hängt davon ab, was Jesus für seine Jünger bedeutet hat und was sie von ihm erwartet haben. Diese Leere entspricht einem sich völligen Entziehen Jesu. Und sie ist deshalb so unbegreiflich, weil Jesus zeit seines Lebens die Nähe zu seinen Jüngern und zu den Menschen überhaupt so sehr gesucht hat: es war seine Aufgabe und seine Berufung, bei den Menschen zu sein, mit ihnen zu leben, sein Leben mit ihnen zu teilen und ihnen so Anteil an seinem Leben zu geben. Es stimmt, wenn Jesus zu seinen Jüngern sagt: „Nicht ihr habt mich erwählt sondern ich habe euch erwählt.“ Dieses Hingeordnetsein Jesu auf uns Menschen wird ihm von Anfang an in seinem Namen mitgegeben: „Jesus“ – denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen und „Immanuel“ – das heißt: Gott mit uns Menschen.

Und nun: Jesus ist gestorben und das Grab ist leer, das heißt, nicht einmal sein Leichnam ist mehr da!

Was diese Leere zu bedeuten hat hängt davon ab, was Jesus zuvor bedeutet hat.
Ob diese Leere berührt, hängt davon ab, ob Jesus zuvor berührt hat.
Ob diese Leere etwas zu sagen hat, hängt davon ab, ob Jesus etwas zu sagen hatte.

Wir verstehen es recht, wenn wir das leere Grab als Botschaft Jesu verstehen. Was will er uns aber mit der Predigt vom leeren Grab sagen? Wie ist seine Anwesenheit in der Abwesenheit des leeren Grabes zu begreifen?

Das frische Grün an den Bäumen und Sträuchern, die eben noch kahl und leer waren; die Wiesen – eben noch graubraun, öde und leer, werden übersät mit Gänseblümchen, Löwenzahn, Himmelschlüssel und vielen anderen Blumen. Ohne die Öde, Dürre und Leere, verursacht durch die Kälte des Winters wäre die neue, prachtvolle Lebensfülle nicht denkbar und auch nicht möglich.

Mit dem leeren Grab will Jesus einladen, auch uns zu entleeren von ihm – in unseren Vorstellungen, unseren Wünschen, in unserem Herzen müssen wir sterben lassen, was da von Jesus bisher drinnen war. Dieses Entleeren von Jesus ist jedoch kein gewaltsames Ausradieren von allem, was mit Jesus irgendwie zu tun hat und an ihn erinnert. Das fordert Jesus schließlich ja auch nicht von seinen Jüngern: knüpft er doch als Auferstandener an das an, was er ihnen in der Zeit des Beisammenseins mit ihnen gesagt hat.

Dieses Entleeren meint vielmehr ein Loslassen von den Vorstellungen über Jesus und dadurch ein Freiwerden für eine neue Weise Jesu bei uns zu sein. Es meint, dass wir es Jesus gestatten,
dass er sich uns in einer Weise nimmt, in der er sich uns auf neue Weise schenken kann; dass er sich auf jene Weise uns entzieht, in der er uns in neuer, bisher nie erlebter Weise begegnen kann;

geradeso wie es die Emmausjünger erlebt haben oder die übrigen Jünger hinter verschlossenen Türen oder Thomas oder die Jünger am See Tiberias oder schließlich Paulus im Straßenstaub vor den Toren Damaskus. Sie alle mussten diese Jesusleere durchleiden um zur überwältigenden Freude über den auferstandenen Herrn zu gelangen. Diese Freude Jesu ist zugleich eine Freude mit Jesus – eine Freude über das neue, unverwüstliche Leben, das Gott allen schenkt, die zu Jesus gehören.

Das leere Grab – Einladung zur Meditation über die Leere von Jesus in mir:

Bin ich dermaßen leer von Jesus, dass mich das leere Grab weiters nicht berührt; und mich diese Nachricht bloß als Zaungast erreicht, der vielleicht aus Tradition oder aus Gefälligkeit zu Ostern am Gottesdienst teilnimmt? Enthüllt das leere Grab im Grunde meine Beziehungslosigkeit zu Jesus, dessen Leben, Lehre und eben Tod und Auferstehung mich herzlich wenig kümmert?

Oder bin ich dermaßen leer von Jesus, dass mir das leere Grab ein Sinnbild jener Bereitschaft ist, die sich von Jesus nach Jesu Belieben von neuem mit Jesus beschenken lassen kann? Diese Leere wäre dann jene Sehnsucht, die etwa eine Maria Magdalena ausgebrannt und entleert hat – bereit, dem Herrn in überströmender Freude von neuem zu begegnen! Amen!

Mittwoch, April 20, 2011

Anteil an Jesus




Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 13: 1 – 15

1Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung.
2Es fand ein Mahl statt, und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern.
3Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte,
4stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch.
5Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war.
6Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen?
7Jesus antwortete ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen.
8Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir.
9Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt.
10Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle.
11Er wusste nämlich, wer ihn verraten würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.
12Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe?
13Ihr sagt zu mir Meister und Herr, und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es.
14Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.
15Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.





Du, Herr, willst mir die Füße waschen?“ (Joh 13:6b) Petrus merkt deutlich das Skandalöse im Handeln Jesu – wie wohl die andern Jünger auch; er hat jedoch die Impulsivität, sie auszudrücken – und sich zu verweigern: Du, Herrmir die Füße waschen! Niemals! Das kommt nicht in Frage!

Jesus, der Herr, tut einen der niedrigsten Sklavendienste. Und Jesus tut ihn ganz bewusst; auch er empfand das Außergewöhnliche, ja, das Ungeheuerliche seiner Aktion: Ihr sagt zu mir Meister und Herr, und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es. (Joh 13:13) Und Jesus handelt so, um seinen Jüngern ein Beispiel zu geben, das umso drängender zur Nachahmung verpflichtet, als unter ihnen die Differenz von Herr und Diener, Meister und Schüler nicht besteht. Zugleich ist das Beispiel Jesu eine unerlässliche Kraftquelle für unseren Dienst aneinander auf gleicher Ebene.

Die Fußwaschung durch Jesus hat bei Johannes deshalb ein ganz besonderes Gewicht, weil er, wie sonst keiner der übrigen Evangelisten, die göttliche Hoheit und Würde Jesu besonders betont. Durch sein Tun will Jesus zeigen, dass ihm seine Jünger alles wert sind und dass ihm keine Mühe zu groß und kein Dienst zu gering ist – sofern ihnen damit gedient, also geholfen ist.

Die Fußwaschung ist eine starke äußere Zeichenhandlung; sie steht für eine innere Wirklichkeit, für eine innere Haltung Jesu, die wir „Ganzhingabe“ nennen können. In dieser Hinsicht meint die Fußwaschung dasselbe, was Jesus durch das letzte Abendmahl ausdrücken wollte. Bei diesem Mahl kommt seine Ganzhingabe dadurch zum Ausdruck, dass er sich ganz in das Brot und den Wein hinein gibt, um sich durch den Verzehr dieser Speise ganz in das Leben seiner Jünger hinein geben zu können.

Beide Zeichenhandlungen lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig und bringen die Kompromisslosigkeit seines Liebens unmissverständlich zum Ausdruck. Durch das Setzen dieser Zeichenhandlungen die Jahrhunderte hindurch im Handeln der Kirche gibt der Herr unablässig seine Lebensimpulse und zwar so, dass er sich je und je selber gibt in seiner menschlich göttlichen Fülle.

Die beiden Zeichenhandlungen sind für Jesus wie Gefäße, die er schließlich füllt mit der schrecklichen Wirklichkeit seines Leidens und Sterbens am Kreuz. In der Fußwaschung und in den eucharistischen Gestalten wird auf unblutige Weise das blutige Kreuzesopfer Jesu gegenwärtig. In beiden Zeichenhandlungen dürfen wir uns mit der Frucht von Jesu Lebensopfer beschenken lassen: mit der Befreiung von Schuld und Tod; mit der Versöhnung mit Gott und mit einander; mit der Gabe der Gotteskindschaft; mit der Fülle des göttlichen Lebensgeistes.

Wir bemerken an all dem: Das Wirken Jesu bei der Fußwaschung, beim Letzten Abendmahl und letztendlich am Kreuz ist wohl eine unbegreifliche Herablassung Gottes zu uns Menschen; dieses Zuneigen Gottes will uns unsere Armseligkeit und unsere Bedürftigkeit vor Augen halten. Aber das Ziel ist, dass wir so von ihm angezogen, werden – erhöht in die Würde des Kindseins vor Gott. Wie sagt dies Jesus zu Petrus: „Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir!“ (Joh 13:8). Es geht um diesen Anteil an Jesus: Im Übertragen seines Beispieles in unser Leben haben wir Anteil an seinem Leiden – wiewohl in der Liebe dieser Leidensanteil bereits den Keim der Herrlichkeit in sich trägt, die schließlich als Anteil an der Osterherrlichkeit Jesu an uns offenbar wird.

Dieser Anteil an Jesus ist Gabe und Annahme. In jeder Form der Begegnung mit dem Herrn wird diese Gabe und Annahme Wirklichkeit. In jeder Begegnung möchte der Herr uns Anteil an sich geben; das bedeutet Anteil an seiner Lebensfülle, deren Ziel es ausschließlich ist, uns in unserer menschlichen Würde zu heilen, zu befreien, aufzurichten, zu erleuchten, zu erfreuen und uns so jener Fülle möglichst nahe zu bringen, die Gott uns schon zugedacht hat, als er uns als sein Abbild erschaffen hat. Diese Lebensfülle verwirklicht sich in Gottes Nähe.

Darum haben wir eben vorhin gebetet: Allmächtiger, ewiger Gott, am Abend vor seinem Leiden hat dein geliebter Sohn der Kirche das Opfer des Neuen und Ewigen Bundes anvertraut und das Gastmahl seiner Liebe gestiftet. Gib, dass wir aus diesem Geheimnis die Fülle des Lebens und der Liebe empfangen. Amen!

Samstag, April 16, 2011

Hosanna! Ans Kreuz mit ihm!




Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 21: 1 – 11

1Als sich Jesus mit seinen Begleitern Jerusalem näherte und nach Betfage am Ölberg kam, schickte er zwei Jünger voraus
2und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los, und bringt sie zu mir!
3Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Der Herr braucht sie, er lässt sie aber bald zurückbringen.
4Das ist geschehen, damit sich erfüllte, was durch den Propheten gesagt worden ist:
5Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist friedfertig, und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers.
6Die Jünger gingen und taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte.
7Sie brachten die Eselin und das Fohlen, legten ihre Kleider auf sie, und er setzte sich darauf.
8Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf der Straße aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.
9Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe!
10Als er in Jerusalem einzog, geriet die ganze Stadt in Aufregung, und man fragte: Wer ist das?
11Die Leute sagten: Das ist der Prophet Jesus von Nazaret in Galiläa.








Die Liturgie des heutigen Tages spannt sich zwischen zwei Höhepunkten aus: Der Einzug Jesu in Jerusalem und die Kreuzigung Jesu.

Beides für Jesus Höhepunkte im wahrsten Sinn des Wortes: Beim Einzug sitzt Jesus erhöht auf einem Esel; bei der Kreuzigung hängt er erhöht am Marterpfahl. Beides sind königliche Erhöhungen: beim Einzug wird Jesus als König gefeiert, der friedfertig zu seinem Volk kommt; am Kreuz wird er verhöhnt als König der Juden! Beides nimmt Jesus an: er nimmt die Huldigung der Menge beim Einzug in Jerusalem entgegen und lässt die Verhöhnung am Kreuz an sich geschehen: Dem ersteren entzieht er sich nicht in falscher Scham das zweite meidet er nicht in feiger Furcht! Beides nimmt Jesus an, denn er weiß: beides steht ihm zu! Beides ist ihm zugesagt aus den hl. Schriften des alten Bundes. Beides musste so geschehen, damit sich die Schriften an ihm erfüllten (vgl. Mt 26:54).

Diese Begründung seines Schicksals in den Schriften ist für Jesus eine Begründung im Willen jenes Wesens, das er im Angstgebet im Garten „mein Vater“ anfleht und das er im Sterbegebet am Kreuz „mein Gott“ anschreit.

Jesus wusste um die Alternativen: In Getsemani, dass der Leidenskelch an ihm vorübergehe und er ihn nicht trinken müsse und am Kreuz, dass er die tröstende und stärkende Nähe Gottes erfahre. Dennoch verblieb er in der Bereitschaft, das anzunehmen, was sein Vater über ihn verfügte.

Diese Verfügbarkeit für den Willen Gottes ist eine Konstante, die den Einzug in Jerusalem und sein Sterben am Kreuz verbindet.

Ebenso konstant ist sein Verbleiben unter den Menschen: Ob sie ihn hochjubeln oder vernichten – er bleibt bei ihnen; er bleibt in ihrer Mitte und nimmt an, was sie ihm geben: Die Erhöhung beim Einzug und die Erniedrigung am Kreuz. Sein Verhalten wird so zu einem Abbild der Treue Gottes zu seinem Volk. Diese Treue bewirkt, dass Gott seinem Volk in Liebe zugewandt bleibt, so dass er in der Stunde heftigster Ablehnung dem Volk die größte Liebesgabe schenkt – die Erlösung von Sünde und Tod durch den Tod seines Sohnes am Kreuz!

Schauen wir nun auf die Leute; sie sind im Gegensatz zur Beständigkeit Jesu eine „wankelmütige Größe“! Beim Einzug hatte Jesus viele Freunde und wenige Gegner; am Kreuz dann hatte er viele Gegner und wenige Freunde! Das Volk, das bei seinem Einzug gerufen hat: „Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn!“ (Mt 21:9) rufen dann vor Pilatus: „Ans Kreuz mit ihm!“ (Mt 27:30) „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!“ (Mt 27:25) Und am Kreuz verhöhnen sie ihn: „Du willst den Tempel niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen? Wenn du Gottes Sohn bist, hilf dir selbst, und steig herab vom Kreuz!“ (Mt 27:40)

Wie sich die Menge so darstellt gleicht sie einem stillen Bergsee, indem sich beides gleichermaßen spiegelt – der blaue strahlende Himmel und die dunklen Berge, die ihn umgeben.

Die Menge gibt so ein Abbild unserer Kirche wider, die auf der einen Seite gerade in diesen Tagen unseren Herrn Jesus in seinem Leiden und seiner Auferstehung feiert und erhöht und ihn auf der anderen Seite durch das skandalöses und unmenschliche Verhalten etlicher ihrer Glieder verhöhnt und erniedrigt.

Zugleich stellt die doppelgesichtige Menge jeden einzelnen von uns in seiner Zerrissenheit dar. Jakobus etwa schreibt in seinem Brief (Jak 3:9f.): „Mit der Zunge preisen wir den Herrn und Vater, und mit ihr verfluchen wir die Menschen, die als Abbild Gottes erschaffen sind. Aus ein und demselben Mund kommen Segen und Fluch.“

Oder denken wir an Paulus, wie er im Römerbrief 7:18ff schreibt: „Ich weiß, dass in mir ... nichts Gutes wohnt; das Wollen ist bei mir vorhanden, aber ich vermag das Gute nicht zu verwirklichen. Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will. ... Ich stoße also auf das Gesetz, , dass in mir das Böse vorhanden ist, obwohl ich das gute tun will.“

Wer von uns erlebt sich selber nicht immer und immer wieder zugleich als Gerechter und Sünder, als Guter und Böser?

Aus diesem Schlamassel kommen wir nur heraus, wenn wir unsere Aufmerksamkeit zunehmend nur mehr auf Jesus richten: Er ist der Gute, von dem alles Gute und nur Gutes kommt und der auch uns wieder ganz gut machen kann und machen will. Seine Güte kommt von seiner Unerschütterlichkeit und Beharrlichkeit, mit der er auf Gott, seinen Vater hin fixiert bleibt. So wirkt die Güte Gottes in ihm und durch ihn. Dieser Güte Gottes wollen wir uns gerade in diesen Tagen entschlossen und beharrlich aussetzen; so wird seine erlösende und befreiende Kraft in uns wirken und uns zu neuer Güte erblühen lassen – wie die Frühlingssonne in diesen Tagen überall neues und buntes Leben aus der Erde hervorlockt. Amen!

Samstag, April 09, 2011

Lazarus, komm heraus!




Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 11: 1 – 45


In jener Zeit
1 war ein Mann krank, Lazarus aus Betanien, dem Dorf, in dem Maria und ihre Schwester Marta wohnten.
2Maria ist die, die den Herrn mit Öl gesalbt und seine Füße mit ihrem Haar abgetrocknet hat; deren Bruder Lazarus war krank.
3Daher sandten die Schwestern Jesus die Nachricht: Herr, dein Freund ist krank.
4Als Jesus das hörte, sagte er: Diese Krankheit wird nicht zum Tod führen, sondern dient der Verherrlichung Gottes: Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden.
5Denn Jesus liebte Marta, ihre Schwester und Lazarus.
6Als er hörte, dass Lazarus krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt.
7Danach sagte er zu den Jüngern: Lasst uns wieder nach Judäa gehen.
8Die Jünger entgegneten ihm: Rabbi, eben noch wollten dich die Juden steinigen, und du gehst wieder dorthin?
9Jesus antwortete: Hat der Tag nicht zwölf Stunden? Wenn jemand am Tag umhergeht, stößt er nicht an, weil er das Licht dieser Welt sieht;
10wenn aber jemand in der Nacht umhergeht, stößt er an, weil das Licht nicht in ihm ist.
11So sprach er. Dann sagte er zu ihnen: Lazarus, unser Freund, schläft; aber ich gehe hin, um ihn aufzuwecken.
12Da sagten die Jünger zu ihm: Herr, wenn er schläft, dann wird er gesund werden.
13Jesus hatte aber von seinem Tod gesprochen, während sie meinten, er spreche von dem gewöhnlichen Schlaf.
14Darauf sagte ihnen Jesus unverhüllt: Lazarus ist gestorben.
15Und ich freue mich für euch, dass ich nicht dort war; denn ich will, dass ihr glaubt. Doch wir wollen zu ihm gehen.
16Da sagte Thomas, genannt Didymus - Zwilling -, zu den anderen Jüngern: Dann lasst uns mit ihm gehen, um mit ihm zu sterben.
17Als Jesus ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen.
18Betanien war nahe bei Jerusalem, etwa fünfzehn Stadien entfernt.
19Viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten.
20Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus.
21Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.
22Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.
23Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen.
24Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag.
25Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,
26und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?
27Marta antwortete ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.
28Nach diesen Worten ging sie weg, rief heimlich ihre Schwester Maria und sagte zu ihr: Der Meister ist da und lässt dich rufen.
29Als Maria das hörte, stand sie sofort auf und ging zu ihm.
30Denn Jesus war noch nicht in das Dorf gekommen; er war noch dort, wo ihn Marta getroffen hatte.
31Die Juden, die bei Maria im Haus waren und sie trösteten, sahen, dass sie plötzlich aufstand und hinausging. Da folgten sie ihr, weil sie meinten, sie gehe zum Grab, um dort zu weinen.
32Als Maria dorthin kam, wo Jesus war, und ihn sah, fiel sie ihm zu Füßen und sagte zu ihm: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.
33Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, war er im Innersten erregt und erschüttert.
34Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie antworteten ihm: Herr, komm und sieh!
35Da weinte Jesus.
36Die Juden sagten: Seht, wie lieb er ihn hatte!
37Einige aber sagten: Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb?
38Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt, und er ging zum Grab. Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war.
39Jesus sagte: Nehmt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, entgegnete ihm: Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag.
40Jesus sagte zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?
41Da nahmen sie den Stein weg. Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast.
42Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herum steht, habe ich es gesagt; denn sie sollen glauben, dass du mich gesandt hast.
43Nachdem er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus!
44Da kam der Verstorbene heraus; seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt, und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt. Jesus sagte zu ihnen: Löst ihm die Binden, und lasst ihn weggehen!
45Viele der Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, kamen zum Glauben an ihn.







„Lazarus“ – wem Gott hilft – so könnten wir diesen Namen übersetzen. Aber hat Jesus dem Lazarus wirklich geholfen, indem er ihn in dieses irdische Leben zurückgerufen hat?
Ein Mitbruder meinte, bei der Erweckung des Lazarus hätten sich alle gefreut – nur Lazarus selber sei traurig gewesen, weil Jesus ihn in dieses leben zurückgerufen habe. Davon haben wir freilich im Evangelium nichts gehört. Wohl aber spiegelt sich in dieser Meinung das Erleben von Menschen wider, die eine Nahtoderfahrung hatten und ihre Rückkehr in dieses irdische Leben als Verarmung erlebten im Vergleich zu dem, was sich ihnen im Tod eben eröffnen wollte.

Aber ehrlich gefragt: Wenn Jesus wirklich ein Freund des Lazarus war und er ihn sehr liebte – hätte er ihm dann dies angetan und ihn aus einem besseren Jenseits in das schlechtere Diesseits zurückgerufen? Wohl kaum!

Aber warum hat Jesus dann den Lazarus aus dem Tod ins Leben zurückgerufen? Nun eine Antwort auf diese Frage hat Jesus gleich zu Beginn des Evangeliums gegeben: „Diese Krankheit wird nicht zum Tod führen, sondern dient der Verherrlichung Gottes: Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden.“ (Joh 11:4) Aber diese Verherrlichung des Sohnes Gottes ist es ja eben; die hat Lazarus durch seinen vorzeitigen Tod versäumt, und die möchte Jesus seinem Freund gönnen! Welch herrliches Geschenk, wie es nur so einem Freund wie Jesus einfallen kann. Lazarus soll am eigenen Leib erfahren, was seine Schwestern von Jesus zu hören bekommen, dass ER die Auferstehung und das Leben ist und dass, wer an ihn glaubt, leben wird, selbst wenn er stirbt. (vgl. Joh 11:25). Diese Erfahrung ist jede Reise wert – auch die vom Tod zurück ins Leben. Jesus möchte, dass sein Freund Lazarus beim Sterben nicht in die Unterwelt eingeht sondern dass er bei seinem 2. Sterben durch seinen Glauben in die Lebensfülle Gottes hinein geht.

Was diese außerordentliche Freundschaftsgabe noch wertvoller macht ist der Umstand, dass Lazarus zusammen mit seinen Schwestern wohl Jesu Leiden, Tod und Auferstehung miterlebt haben wird. So wird er die Wahrheit, dass Jesus das Leben und die Auferstehung ist nicht nur an sich selber sondern auch an Jesus erfahren haben. Dieser besondere Gleichklang in ihrem Leben unterstreicht noch einmal die freundschaftliche Beziehung der beiden und ist zugleich eine Frucht dieser Freundschaft.

Ich finde es wunderbar, wie sehr die Freundschaft mit Jesus ein Lebensweg ist und wie sehr uns diese Freundschaft vor dem Tod bewahrt; und dass es nichts gibt, was uns in dieser Freundschaft von Jesus trennen kann. Mir fallen da die Worte des Hl. Paulus im Römerbrief 8:35ff. ein: „Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? All das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ Paulus ist ja auch so einer, den der Herr in einer Begegnung vor Damaskus aus dem Tod ins Leben gerufen hat, indem er aus einem fanatischen Feind einen seiner eifrigsten Jünger machte.

Komm heraus! So ruft Jesus nicht nur den Lazarus. So ruft er jeden von uns – gerade in dieser Bußzeit! Er ruft auch uns als Freund, der möchte, das wir seine Freunde sind. Die Frage ist nur: Aus welcher Grabhöhle ruft der Herr denn uns heraus? Ist dieses Grab ein Zustand, der nicht zu einem Freund von Jesus passt? Oder ist es eine Freundschaft, die wir nur oberflächlich und halbherzig leben? Und wir uns also auf eine entschlossene, bedingungslose und treue Freundschaft mit Jesus hin erneuern sollten?

Das Wesen, das Ziel und die Fülle dieser Freundschaft hier auf Erden und nach dem Tod umschreibt Paulus im Epheserbrief 3:17ff so: Durch den Glauben wohne Christus in eurem Herzen. In der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet, sollt ihr zusammen mit allen Heiligen dazu fähig sein, die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen und die Liebe Christi zu verstehen, die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr mehr und mehr von der ganzen Fülle Gottes erfüllt.“ Amen!

Samstag, April 02, 2011

Geh, und wasch dich!






Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 9: 1 – 41



In jener Zeit
1sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war.
2Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Ober haben seine Eltern gesündigt, so dass er blind geboren wurde?
3Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden.
4Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann.
5Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.
6Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen
7und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.
8Die Nachbarn und andere, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte?
9Einige sagten: Er ist es. Andere meinten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es.
10Da fragten sie ihn: Wie sind deine Augen geöffnet worden?
11Er antwortete: Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig, bestrich damit meine Augen und sagte zu mir: Geh zum Schiloach, und wasch dich! Ich ging hin, wusch mich und konnte wieder sehen.
12Sie fragten ihn: Wo ist er? Er sagte: Ich weiß es nicht.
13Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern.
14Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte.
15Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Der Mann antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen; dann wusch ich mich, und jetzt kann ich sehen.
16Einige der Pharisäer meinten: Dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein Sünder solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen.
17Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann antwortete: Er ist ein Prophet.
18Die Juden aber wollten nicht glauben, dass er blind gewesen und sehend geworden war. Daher riefen sie die Eltern des Geheilten
19und fragten sie: Ist das euer Sohn, von dem ihr behauptet, dass er blind geboren wurde? Wie kommt es, dass er jetzt sehen kann?
20Seine Eltern antworteten: Wir wissen, dass er unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde.
21Wie es kommt, dass er jetzt sehen kann, das wissen wir nicht. Und wer seine Augen geöffnet hat, das wissen wir auch nicht. Fragt doch ihn selbst, er ist alt genug und kann selbst für sich sprechen.
22Das sagten seine Eltern, weil sie sich vor den Juden fürchteten; denn die Juden hatten schon beschlossen, jeden, der ihn als den Messias bekenne, aus der Synagoge auszustoßen.
23Deswegen sagten seine Eltern: Er ist alt genug, fragt doch ihn selbst.
24Da riefen die Pharisäer den Mann, der blind gewesen war, zum zweiten Mal und sagten zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist.
25Er antwortete: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Nur das eine weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehen kann.
26Sie fragten ihn: Was hat er mit dir gemacht? Wie hat er deine Augen geöffnet?
27Er antwortete ihnen: Ich habe es euch bereits gesagt, aber ihr habt nicht gehört. Warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt auch ihr seine Jünger werden?
28Da beschimpften sie ihn: Du bist ein Jünger dieses Menschen; wir aber sind Jünger des Mose.
29Wir wissen, dass zu Mose Gott gesprochen hat; aber von dem da wissen wir nicht, woher er kommt.
30Der Mann antwortete ihnen: Darin liegt ja das Erstaunliche, dass ihr nicht wisst, woher er kommt; dabei hat er doch meine Augen geöffnet.
31Wir wissen, dass Gott einen Sünder nicht erhört; wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er.
32Noch nie hat man gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat.
33Wenn dieser Mensch nicht von Gott wäre, dann hätte er gewiss nichts ausrichten können.
34Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren, und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus.
35Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn?
36Der Mann antwortete: Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube.
37Jesus sagte zu ihm: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir redet, ist es.
38Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder.
39Da sprach Jesus: Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen: damit die Blinden sehend und die Sehenden blind werden.
40Einige Pharisäer, die bei ihm waren, hörten dies. Und sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind?
41Jesus antwortete ihnen: Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.






Ich warte sehr gerne auf die großen Feste unserer Kirche und mag es überhaupt nicht, wenn schon gegen Ende der Weihnachtszeit die ersten Osterhasen in den Geschäften auftauchen.
Ein Osterleuchten ganz anderer Art erleben wir am heutigen 4. Fastensonntag: wir bemerken es am besonderen Namen dieses Sonntags: Lätare – Freue dich! Oder mancherorts am rosa Messkleid, das nur an diesem Sonntag und am 3. Adventsonntag vom Priester getragen wird.
Wir werden so zu einer Art Vorfreude auf Ostern eingeladen, die dann freilich noch einmal im tiefen Dunkel der Passions- und der Karwoche untergeht.
Besonders durch das heutige Evangelium werden wir an Ostern erinnert. Denn in den Osterberichten hören wir immer wieder, dass die Zeugen den Herrn gesehen haben. Dass ihre Augen fähig waren, den auferstandenen Herrn wahrzunehmen.

Nun, in der Geschichte vorhin hörten wir von einem Blingeborenen, der durch Jesu Wirken sehend wird. Ihm werden auf wunderbare Weise die Augen des Leibes geöffnet, so dass er Jesus sehen konnte. Zugleich öffnete ihm Jesus aber auch die Augen des Herzens, so dass er Jesus im Glauben als den Menschensohn sehen und öffentlich bekennen konnte.

Durch den Blindgeborenen hindurch möchte Jesus auch an uns eine Augentherapie beginnen, damit wir dann zu Ostern Augen haben, die unseren auferstandenen Herrn sehen können. Und wie bei dem Mann geht es auch bei uns um die Augen des Leibes und der Seele.

Versuchen wir die einzelnen Schritte dieses Genesungsweges unserer Augenkraft zu erkennen.

Der Weg beginnt damit, dass Jesus sieht. Er sieht den Mann aber der merkt gar nicht, dass Jesus ihn ansieht, da er ja blind ist. Was bedeutet das für uns? Dass die Fastenzeit eine Zeit ist, in der zu erst einmal Jesus uns ansieht obwohl auch wir das oft du oft nicht wahrnehmen, weil wir es vergessen oder übersehen und unsere Augen und unsere Aufmerksamkeit dermaßen von anderem gefangen genommen wird, dass wir für die Wirklichkeit, dass Jesus uns anblickt, schlichtweg blind sind.

Dabei ist dieser Blick Jesu ein besonderer; wir können ihn so beschreiben: Jesus wirft eine Auge auf uns; oder: er nimmt uns ins Visier; oder: er sieht uns einfach mit großer innerer Aufmerksamkeit an. Es ist ein Blick der Liebe, mit dem Jesus uns ansieht; dieser Blick kommt nicht von seinem Verstand sondern von seinem Herzen; es ist ein Herzensblick. Dieser Blick möchte daher auch nicht unsere Phantasie anregen sondern unser Herz, indem wir uns fragen, wie fühle ich mich unter diesem Blick des Herrn? Ist es Freude, Dankbarkeit, Traurigkeit, Unsicherheit.... Mit diesen Regungen meines Herzens versuche ich unter den liebenden Augen des Herrn zu bleiben. Damit beginnt bereits der Heilungsprozess meiner Sehkraft, denn so kann der Herr das an mir tun und mir das sagen, was ich tun soll, damit ich wieder sehend werde: Und wie den Mann zum Teich wird der Herr mich womöglich zur Beichte schicken oder zu einem Menschen mit dem ich mich längst schon versöhnen sollte oder dem ich endlich einmal etwas gutes tun soll.

Es kann aber auch sein, dass mein Teich „Schiloach“ darin besteht, dass ich achtsamer mit meinem Körper umgehe, indem ich ihm den Schlaf oder die Bewegung gönne, die er braucht; oder dass ich meine Arbeitswut mäßige und mir mehr Zeiten der Ruhe schenke. Oder dass ich meine Trägheit überwinde und etwas unternehme, was mir und/oder anderen gut tut. Oder dass ich versuche, eine angewöhnte Abhängigkeit zu lockern.

So sieht der Weg zum Teich Schiloach bei jedem anders aus. Und wenn wir dann zu Ostern von unserem Teich Schiloach zurückkehren, wird der auferstandene Herr uns fragen: Glaubst du an den Menschensohn? Dann mögen wir antworten: Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube. Jesus sagt dann zu uns: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir redet, ist es. Und wir dann: Ich glaube, Herr! Und wir werfen uns dann vor ihm nieder und werden unseren auferstandenen Herrn verehren!

Auf diesem Weg werden auch wir durch den Herrn Licht! (Eph 5:8) Amen!

Freitag, April 01, 2011

Gib mir zu trinken





Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 4: 5 – 42


In jener Zeit
5kam Jesus zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte.
6Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde.
7Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken!
8Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen.
9Die samaritische Frau sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.
10Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.
11Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser?
12Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?
13Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen;
14wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.
15Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierher kommen muss, um Wasser zu schöpfen.
16Er sagte zu ihr: Geh, ruf deinen Mann, und komm wieder her!
17Die Frau antwortete: Ich habe keinen Mann. Jesus sagte zu ihr: Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann.
18Denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Damit hast du die Wahrheit gesagt.
19Die Frau sagte zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist.
20Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss.
21Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.
22Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden.
23Aber die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden.
24Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.
25Die Frau sagte zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, das ist: der Gesalbte - Christus. Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden.
26Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, ich, der mit dir spricht.
27Inzwischen waren seine Jünger zurückgekommen. Sie wunderten sich, dass er mit einer Frau sprach, aber keiner sagte: Was willst du?, oder: Was redest du mit ihr?
28Da ließ die Frau ihren Wasserkrug stehen, eilte in den Ort und sagte zu den Leuten:
29Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Messias?
30Da liefen sie hinaus aus dem Ort und gingen zu Jesus.
31Währenddessen drängten ihn seine Jünger: Rabbi, iss!
32Er aber sagte zu ihnen: Ich lebe von einer Speise, die ihr nicht kennt.
33Da sagten die Jünger zueinander: Hat ihm jemand etwas zu essen gebracht?
34Jesus sprach zu ihnen: Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und sein Werk zu Ende zu führen.
35Sagt ihr nicht: Noch vier Monate dauert es bis zur Ernte? Ich aber sage euch: Blickt umher und seht, dass die Felder weiß sind, reif zur Ernte.
36Schon empfängt der Schnitter seinen Lohn und sammelt Frucht für das ewige Leben, so dass sich der Sämann und der Schnitter gemeinsam freuen.
37Denn hier hat das Sprichwort recht: Einer sät, und ein anderer erntet.
38Ich habe euch gesandt, zu ernten, wofür ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet, und ihr erntet die Frucht ihrer Arbeit.
39Viele Samariter aus jenem Ort kamen zum Glauben an Jesus auf das Wort der Frau hin, die bezeugt hatte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe.
40Als die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb dort zwei Tage.
41Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn aufgrund seiner eigenen Worte.
42Und zu der Frau sagten sie: Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben und nun wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt.






Was einen Brunnen auszeichnet, ist, dass er ohne Unterschied jedem zu trinken gibt, der das Schöpfgefäß ins Wasser hinablässt. Ob klein ob groß, ob Sünder oder Gerechter, ob arm oder reich, ob Mann oder Frau, ob Jude oder Samariter – jedem füllt der Brunnen den Schöpfeimer mit Wasser

So einen Ort sucht Jesus sich heute aus, um uns zu erzählen, dass Gott auch so wie dieser Brunnen ist. Und dass Gott so einen Brunnen sein möchte in Jesus. In Jesus fließt die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes nicht nur für seine Jünger und nicht nur für Juden: Darum beginnt er ein Gespräch mit der Samariterin, die, wie er selber zum Schöpfen du Trinken an den Brunnen kommt. Und durch diese Frau fließt das Wasser aus Jesus, dem göttlichen Brunnen, weiter zu den übrigen Leuten der Stadt Sychar; denn sie laden Jesus ein und er bleibt zwei Tage bei ihnen. Bedenken wir außerdem, dass die Erinnerung an den Patriarchen Jakob in eine Zeit führt, in der das Volk noch eines war und nicht gespalten in Juden und Samariter. Diese Einheit möchte Jesus wieder herstellen und damit einen Prozess ins Rollen bringen, der nicht bei der Einheit zwischen Juden und Samaritern stehen bleibt sondern weiter führt zur Einheit zwischen Juden und Heiden und schließlich hinzielt zur Einheit aller Menschen in Jesus Christus. Diese Einheit ist in der katholischen Kirche verwirklicht und soll durch sie immer umfassender werden. Ein Aufruf zum Einheit stiftenden Dienst seiner Kirche.

Beim Meditieren dieser Verse ist mir eingefallen, was C.F. Meyer über einen römischen Brunnen schreibt:
„Aufsteigt der Strahl und fallend gießt

Er voll der Marmorschale Rund,

Die, sich verschleiernd, überfließt

In einer zweiten Schale Grund;

Die zweite gibt, sie wird zu reich,

Der dritten wallend ihre Flut,

Und jede nimmt und gibt zugleich

Und strömt und ruht.

Eine erfrischende Fastenübung: Uns so wie Jesus und dann die Samariterin als Brunnenschale zu entdecken, die empfängt und weitergibt; und dann näherhin zu bedenken, welcher Art die Gabe dieses Wasser ist. Das führt uns zur Dankbarkeit für alles Empfangene und zur Großzügigkeit im Verteilen dessen, was uns geschenkt wird. Großzügigkeit wird uns auch nahegelegt durch die Bemerkung, dass dieser Brunnen sich in einem Gebiet befindet, das Jakob seinem Sohn Josef geschenkt hat.
Des weitern ist zu beachten, wie Jesus das Gespräch mit der Samariterin beginnt. Er sagt zu ihr: „Gib mir zu trinken!“ Jesus ist bereit, ihre Hilfsbereitschaft in Anspruch zu nehmen und auf diese Weise einen Kontakt zu knüpfen, der sonst nicht üblich ist und gemieden wird.

Das Verhalten Jesu regt zu einer weiteren Fastenübung an: den ersten Schritte zu machen in einer Situation tiefer Unversöhntheit oder leichter Verstimmtheit; zuzugehen auf Menschen einer Randgruppe. So könnte ich in dieser Bußzeit Versöhnung oder neue Gemeinschaft stiften – und dies auf die sympathische Art aus der Position der Bedürftigkeit und der Abhängigkeit von unten herauf und nicht gönnerisch von oben herab.

Und schließlich die „Männergeschichte“ dieser Frau: „Fünf Männer hast du gehabt und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann.“ Sechs Männer konnten ihre Sehnsucht nach Liebe nicht stillen und jetzt ist sie bei Jesus als dem siebten Mann angelangt. Bedenken wir die Zahl Sieben als hl. Zahl und als Zahl der Vollendung. So ist es Jesus, der ihr das Tor in eine neue Lebensdimension aufstößt; das wird dadurch angedeutet, dass sie ihren Wasserkrug stehen lässt und in ihr Dorf eilt.

Für uns die Fastenübung, alles, was uns nicht zufriedenstellt, was uns nicht erfüllt, was uns nicht heiligt und heilt, stehen zu lassen und uns ganz bewusst und entschlossen Jesus zuzuwenden als dem „siebten Mann“ unseres Lebens, in dem wir unseren Messias erkennen, unseren Heiland, Erlöser und Befreier, unsere Lebensfülle unseren Frieden und unsere wahre Freude – der allein es wert ist alles aufzugeben und ihm zu folgen. Amen!