Mittwoch, Juni 22, 2011

Jesusjünger




 Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 10: 37 – 42


 In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln:
37Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig.
38Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mit nachfolgt, ist meiner nicht würdig.
39Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.
40Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.
41Wer einen Propheten aufnimmt, weil er ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil er ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten.
42Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist - amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.




Die Worte des heutigen Evangeliums richtet Jesus an seine Jünger im Rahmen der sogenannten Aussendungsrede. In dieser Rede überträgt er ihnen die Vollmacht, sein Heilswirken in Wort und Tat fortzusetzen.

Die heutigen Worte Jesu bilden den Abschluss dieser Rede. Jesus macht deutlich, dass die Liebe zu ihm Vorrang haben muss, will jemand zu ihm gehören.
Dieser Vorrang ist dann geltend zu machen, wenn er in Konflikt gerät mit der Liebe zu Familienangehörigen. Die Verbundenheit mit Jesus sprengt die Familienbande – sollte es zu einem Konflikt zwischen beiden kommen.
Die Worte Jesu spiegeln die Situation der Urkirche wider, wo das Christsein in der Regel den Austritt aus dem Familienverband bedeutet, in dem man bisher gelebt hat.

Dadurch wird deutlich, wie ausschließlich der Jünger Jesu auf den Herrn hin ausgerichtet sein muss, will er dem Jüngersein gerecht werden und fähig sein den Auftrag Jesu an ihn in Wort und Tat zu erfüllen.

Diese Verbundenheit mit Jesus wird dann in zwei Schritten noch einmal vertieft im Hinblick auf den Umgang mit seinem Kreuz und mit seinem Leben.

Das Kreuz heißt es für den Jesusjünger annehmen und Jesus so folgen, denn Jesus hat das auch gemacht: Er hat das Kreuz angenommen, das ihm auferlegt wurde und ist daran gestorben. Jesusnachfolge muss immer im Zeichen des Kreuzes stehen in dem Sinn, dass dem Leiden nicht ausgewichen, dass es aber auch nicht verherrlicht sondern mit dem Blick auf Jesus getragen wird.

Das eigene Leben ist jedem Menschen das Teuerste, von dem er sich am schwersten lösen kann. Bereits beim Kreuztragen geht es um Lebenshingabe. Jesunachfolge heißt Lebenshingabe um seinetwillen. Nur so können die Jünger Jesu das Leben gewinnen, das in der Gemeinschaft mit Jesus geschenkt wird: Es ist göttliches Leben und erhebt jedes vorauf gehende Leben auf das Niveau der Gotteskindschaft.

Unbedingter Liebesvorrang für Jesus – Bereitschaft jegliches Kreuz mit Blick auf Jesus anzunehmen und zu tragen – Loslassen des Lebens um Jesu willen: Dies befreit den Jünger Jesu und öffnet ihn, so dass er Jesus aufnehmen kann – und in Jesus den, der ihn gesandt hat, den Vater im Himmel. Das Bestreben des Jesusjüngers, diese innige Gemeinschaft mit Jesus und seinem Vater in möglichster Ungetrübtheit und Entschiedenheit zuzulassen und in ihr zu leben, macht ihn bereit, den Auftrag Jesu zu erfüllen in der Verkündigung des Evangeliums und im Heilungs- und Heiligungsdienst an den Mitmenschen.

So werden die Worte Jesu wahr: „Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.“ (Mt 10:40) In dieser innigen Gemeinschaft des Jüngers mit Jesus und seinem Vater lebt in ihm die Gewissheit: Jesus sendet mich! In seinem Namen gehe ich zu den Menschen! Sein Wort, sein Tun, ja, ihn selber bringe ich den Menschen. Jeder Eigendünkel, jede Selbstherrlichkeit, jede Selbstdarstellung sind ausgeschlossen. Die Leute merken vielmehr: Dieser Jesusjünger ist bloß Gefäß und bringt eine unermessliche Kostbarkeit; dieser Jünger ist bloß Hinweis auf eine unerhörte Botschaft. Die kostbare Botschaft vom Reich Gottes kann ungehindert ergehen und unverstellt die Zuhörer erreichen. Wie ein klarer Spiegel ist dieser Jesusjünger, der Jesus aufstrahlen und hineinleuchten lässt in das Leben der Mitmenschen. Er erscheint wie ein anderer Christus – eingefügt in die Realität der jeweiligen Umstände des Jüngers.

Der Weg eines Jesusjüngers ist ein andauernder Prozess, auf den der Jünger sich einlässt und den er zugleich in seinem Leben zulässt. Dieser Prozess ist in einem ein Loslassen und Ergriffenwerden, ein Leerwerden und ein Erfülltwerden, ein Sterben und Auferstehen. Ein unablässiges Schwangersein und ein beständiges Gebären. Diesen Jüngern verdanken wir, dass auch wir Jesus erleben dürfen. Und gebe Gott, dass andere dankbar sein werden, weil wir ihnen Jesus vermittelt haben. Amen!

Dienstag, Juni 21, 2011

Brot, das lebt und gibt das Leben




Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 6:51–58



In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge:
51Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt.
52Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?
53Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.
54Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag.
55Denn mein Fleisch ist wirklich Speise, und mein Blut ist wirklich Trank.
56Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm.
57Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.
58Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die Väter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.





Die Schönheit und der Reichtum des heutigen Festes Fronleichnam kommt aus der Wirklichkeit, dass in der Brotscheibe der Hostie, dem Mittelpunkt der hl. Messe Jesus selber da ist als Sohn Gottes und als Mensch wie wir. Das Rosenkranzgesetzchen, das dieses Geheimnis einfängt drückt es ganz einfach aus: „Jesus, der im allerheiligsten Sakrament zugegen ist als wahrer Gott und Mensch.“ Diese Wirklichkeit ist eine besondere Weise, in der Jesus sein Versprechen wahr macht, „bei uns zu sein alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28:20)

Besonders ist auch die Situation, in der diese Daseinsweise Jesu in unserer Mitte ihren Anfang hier auf Erden genommen hat: Es ist das Letzte Abendmahl – das Gedächtnismahl von Jesu Tod und Auferstehung. Bei diesem Mahl bindet Jesus sein Dasein in Zeit und Ewigkeit hinein in ein Stück Brot und zwar dermaßen elementar, dass dieses Brot nicht ein bloßes Zeichen für Jesus – sondern Jesus selber ist. Im Brot der Hostie spiegelt sich sein gesamtes Wirken hier auf Erden wider; in ihm leuchtet auf sein Leiden, Sterben und Auferstehen; es ist durchflutet von seinem Sein beim Vater in Herrlichkeit – noch vor Beginn der Schöpfung und bis in Ewigkeit. Diese seine Lebensüberfülle vertraut Jesus beim Letzten Mahl einem Stück Brot und in diesem Brot den Händen seiner Jünger an.
Dieses Geheimnis entspringt dem unbändigen Wunsch des Herrn, uns unmittelbar nahe zu sein in unserem alltäglichen Leben – darum tragen wir es an diesem Tag in einer Prozession durch die Straßen, auf denen wir täglich unterwegs sind.
Es ist ein Geheimnis jener Liebe, in der Gott sich durch und durch mit uns verbinden will – darum dürfen wir dieses Brot, den Leib des Herrn, im Mahl verzehren, auf dass der Herr sich ganz in unseren Leib erfließe, um dort
zur Kraft zu werden, die stärkt;
zum Mut, der aufrichtet;
zum Licht, das die Nacht erhellt;
zur Liebe, die uns selber und unseren Nächsten ergreift;
zum Leben, das jeden Tod überwindet.

Dieses Brot als Nahrung für uns ist eine wunderschöne Veranschaulichung und eine liebende Fortsetzung dessen, was sich im Geheimnis der Menschwerdung Gottes vollzogen hat.
Auf diesem Hintergrund hat der hl. Thomas von Aquin das folgende Lied zum heutigen Festtag gedichtet:

„Deinem Heiland, deinem Lehrer, / deinem Hirten und Ernährer, /  Sion, stimm ein Loblied an!
Preis nach Kräften seine Würde,/ da kein Lobspruch, keine Zierde / seinem Ruhm genügen kann.
Dieses Brot sollst du erheben, / welches lebt und gibt das Leben, / das man heut‘ den Christen weist.
Dieses Brot, mit dem im Saale / Christus bei dem Abendmahle / die zwölf Jünger hat gespeist.
Laut soll unser Lob erschallen / und das Herz in Freude wallen, / denn der Tag hat sich genaht,
Da der Herr zum Tisch der Gnaden / uns zum ersten Mal und geladen / und dies Mahl gestiftet hat. Neuer König, neue Zeiten, / neue Ostern, neue Freuden, / neues Opfer allzumal!
Vor der Wahrheit muss das Zeichen, / vor dem Licht der Schatten weichen, / hell erglänzt des Tages Strahl.
Was von Christus dort geschehen, / sollen wir fortan begehen, / seiner eingedenk zu sein.
Treu dem heiligen Befehle / wandeln wir zum Heil der Seele / in sein Opfer Brot und Wein.
Doch wie uns der Glaube kündet, / der Gestalten Wesen schwindet, / Fleisch und Blut wird Brot und Wein.
Was das Auge nicht kann sehen, / der Verstand nicht kann verstehen, / sieht der feste Glaube ein.
Unter beiderlei Gestalten / hohe Dinge sind enthalten, / in den Zeichen tief verhüllt.
Blut ist Trank, und Fleisch ist Speise, / doch der Herr bleibt gleicherweise / ungeteilt in beider Bild.
Wer ihm nahet voll Verlangen, / darf ihn unversehrt empfangen, / ungemindert, wunderbar.
Einer kommt, und tausend kommen, / doch so viele ihn genommen, / er bleibt immer, der er war.
Gute kommen, Böse kommen, / alle haben ihn genommen, / die zum Leben, die zum Tod.
Bösen wird er Tod und Hölle, / Guten ihres Lebens Quelle, / wie verschieden wirkt dies Brot!
Wird die Hostie auch gespalten, / zweifle nicht an Gottes Walten, / dass die Teile das enthalten, / was das ganze Brot enthält.
Niemals kann das Wesen weichen, / teilen lässt sich nur das Zeichen, / Sach‘ und Wesen sind die gleichen, / beide bleiben unentstellt.
Seht das Brot, die Engelspeise! / Auf des Lebens Pilgerreise / nehmt es nach der Kinder Weise, / nicht den Hunden werft es hin!
Lang im Bild war‘s vorbereitet: / Isaak, der zum Opfer schreitet; / Osterlamm, zum Mahl bereitet; / Manna nach der Väter Sinn.
Guter Hirt, du wahre Speise, / Jesus, gnädig dich erweise! / Nähre uns auf deinen Auen, / lass uns deine Wonnen schauen / in des Lebens ewigem Reich!
Du, der alles weiß und leitet, / uns im Tal des Todes weidet, / lass an deinem Tisch uns weilen, / deine Herrlichkeit uns teilen. / Deinen Seligen mach uns gleich!

Sonntag, Juni 19, 2011

Liebesgemeinschaft



Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 3: 16 - 18


16Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass es seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.
17Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.
18Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.




Gott sei Dank, dass wir Jesus kennen dürfen und den Heiligen Geist.

Gott sei Dank, dass ER sich entfaltet hat – ausgefaltet in seinen Sohn und in den Hl. Geist. ER hat sein Herz, sein Innerstes nach außen gestülpt und sein Wesen gezeigt; er hat erkennen lassen, dass ER Gemeinschaft ist in reiner Liebe.

Diese reine Liebe will ausgedrückt sein, wenn es im Evangelium eben geheißen hat: „so sehr hat Gott geliebt.“ Dieses „So Sehr“ meint jene Liebe ohne Schatten. Diese Liebe hat Gestalt angenommen und ist eine Person, ein Mensch geworden – sein Sohn Jesus Christus. Diesen Sohn hat Gott hingegeben, damit er in dieser Liebe lebe, diese Liebe lebe und sie der Welt weitergebe: So ist das Wirken Jesu hier auf Erden von Anfang an über seinen Tod hinaus in die Herrlichkeit Gottes ganze Hingabe aus dieser Liebe heraus, die Gott hat und die Gott ist.

Diese Liebe ist nicht nur Mensch geworden in Jesus Christus – sie ist von Anfang an jene Haltung und jener Raum gewesen, in dem Gott selber Gott ist und aus dem heraus er auf die Welt zukommt, um sie ganz in diesen Raum der Liebe hineinzuholen.

Das Fest der Dreifaltigkeit feiern wir, weil Gott sich als Liebesgemeinschaft offenbart – nicht nur um uns als Zaungästen seine Mitte zu zeigen sondern um uns diese Mitte erleben und leben zu lassen als Teilnehmende mitten in dieser Liebesgemeinschaft des lebendigen Gottes. Dass Gott sich so offenbart, hat unsere Erlösung zum Ziel und setzt unserer Erlösung das Leben in der Gemeinschaft des dreifaltigen Gottes zum Ziel.

Es ist die Berufung des Christentums, den Menschen zu bezeugen, wie sehr, wie innig, wie lebendig sie zur Gemeinschaft mit Gott berufen sind. Die Dreifaltigkeit Gottes ist der Liebesruf Gottes an uns Menschen: Kommt in die Gemeinschaft mit mir! Ich habe solche Sehnsucht nach euch!

Gott scheint in der Dreifaltigkeit seine Einheit preiszugeben; doch tut er dies zugunsten seiner Einheit mit uns Menschen. Wagen wir den Weg in die Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott werden wir mehr und mehr erfahren, dass ER der Eine und wahre Gott ist und dass es außer IHM keinen anderen gibt. Die Unvereinbarkeit von dreifaltigem und einem Gott bereitet nur jenem Kopfschmerzen, der sich nicht von Herzen auf diesen Liebesweg in die Herzmitte des dreifaltigen Gottes begeben kann. Das liebende Herz, ja, allein schon das Herz, das lieben möchte, weil es Sehnsucht nach dieser Liebe hat, wird das Geheimnis Gottes, das sich auftut zwischen dreifaltigem und einem Gott, Geheimnis sein lassen – eine Größe, die Gott zu eigen ist und unser Fassungsvermögen übersteigt; eine Größe zugleich und ein Geheimnis, das uns umfängt und durchdringt, je tiefer wir glaubend, hoffend und liebend in es eindringen – bis wir schließlich IHN schauen werden von Angesicht zu Angesicht; und dann werden wir IHN nichts mehr fragen brauchen.

Es ist klar, dass dieser Weg in den dreifaltig-einen Gott hinein nicht Endzeitprogramm ist sondern unser Leben bestimmt sowie wir mit diesem Weg beginnen. Wer den dreieinen Gott ins Auge und ins Herz fasst wird unverzüglich von IHM geprägt. Sein Leben wird mit dem Sigel des dreieinen Gottes versehen. Woran dieses Sigel zu erkennen ist?

An einem beständigen Bemühen, in der Liebe zu wachsen zu Gott, zu den Mitmenschen und zu sich selber; im beständigen Bemühen um Gemeinschaft in Liebe. Des weiteren zeigt sich dieses Sigel darin, dass wir die Mittel annehmen, die Gott uns in seiner Liebe anbietet, damit wir den Weg in seine Gemeinschaft nicht aus dem Auge und aus dem Herzen verlieren: Diese Mittel sind die sichtbare Kirche hier auf Erden; sie wird in dem Maße dreieine Liebesgemeinschaft, wie jeder einzelne unterwegs bleibt; weitere vorzügliche Vorwegnahmen der ewigen Gemeinschaft mit dem Dreieinen sind die Feier der Sakramente und das Gebet; in diesem Zusammenhang sei besonders hervorgehoben die Schriftlesung, die Lectio Divina und die geistliche Lesung.

Der Weg ist zugerichtet; die Wohnung ist bereitet; der dreieinige Gott wartet und begleitet uns zugleich. Und wer sein Herz auch nur einen Spalt öffnet wird unweigerlich und unaufhaltsam von IHM angezogen. Amen!

Freitag, Juni 10, 2011

Worte in Taten vergolden




Hl. Antonius von Padua

Markus 16:15 – 20


15            Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!
16                   Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.
17                   Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden;
18                   wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.
19                   Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.
20                   Sie aber zogen aus und predigten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ.]







So wie die Jünger hat auch Antonius den Auftrag Jesu erfüllt, in die Welt zu gehen und das Evangelium allen Geschöpfen zu verkünden. Und auch ihm ist der Herr beigestanden und hat seine Verkündigung durch Zeichen bekräftigt. Viele  dieser Zeichen sind weithin bekannt.

In der Vorbereitung auf diese Predigt bin auch ich auf solche Zeichen gestoßen.

Sein Ordensgeneral hat ihn beauftragt, von 1222 bis 1224 zuerst in Rimini und Mailand gegen die Katharer und dann in Südfrankreich gegen die Albigenser zu kämpfen. Das waren Gruppierungen, die sich von der Kirche losgelöst hatten. Ich fragte mich, wie mag dieser Kampf wohl ausgesehen haben und welche Waffen hat er dabei benutzt?

Er hat mit diesen Leuten öffentlich geredet, hat sie beeindruckt mit seiner enormen Bibelvertrautheit und durch seine gelebte Armut seinen Worten großes Gewicht verliehen. Und dann habe ich noch entdeckt, dass sich in seinen Predigtunterlagen kein einziges Wort der Kritik oder des Angriffes findet.

Er hat offensichtlich nicht nur den Predigtauftrag des Herrn im heutigen Evangelium erfüllt sondern auch eine alltägliche Weisheit, dass nämlich durch das Reden die Leute zusammenkommen. Diese Gesprächsbereitschaft ist in unserer Zeit ein wichtiges und geschätztes Gut, das auf den verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen gepflegt wird. Es bleibt jedoch nach wie vor ein gefährdetes Gut, weil unsere Ichsucht uns beständig weiß machen will, nur wir hätten recht und nur unser Standpunkt sei der richtige.

Antonius zeigt uns, wie wir diese Fehlhaltung bändigen können; seine gelebte Armut hat die Leute beeindruckt. Das heißt für uns, ein Leben in größerer Einfachheit ist ein größerer Schutz gegen den Egoismus. Diese Einfachheit ist lebbar im Vertrauen auf die Vorsehung Gottes, der unser Leben in seiner Hand geborgen hält und der uns gibt, was wir brauchen, weil er weiß, was uns gut tut. Ein Wort des Heiligen möge uns zu dieser Einfachheit ermutigen: „Frei gewollte Armut gibt dem Menschen Kraft, Reichtümer aber machen ihn schwach. Denn schnell wird der Mensch seines Besitzes Knecht, statt über ihn zu herrschen. Wenn nämlich jemand Verlust erleidet und darüber traurig wird, ist er in seiner Trauer ein Knecht, wie er vorher in seinem Glück ein Knecht war.“

Des weiteren hat die Leute seine Bibelvertrautheit fasziniert. „Doctor Evangelicus“ nennen wir ihn. Dieses Vertrautsein mit der hl. Schrift bedeutet nun nicht zuerst, dass er vieles aus der Bibel zitieren konnte – das freilich auch, aber was die Leute geradezu angesprungen ist bei seinen Predigten, das war die tiefe persönliche Ergriffenheit beim Aussprechen und Erklären der Bibelworte. Da merkten die Leute: Mein Gott! Das ist ja kein Hirnwissen sondern ein Herzwissen. Da spricht ja nicht Antonius sondern Gott selber, den er so gern hat, dass er in seinem Herzen wohnen darf.

Antonius hat im Wort der Bibel ganz tief das Herabneigen Gottes erfahren, der ihn in seiner Leere und Armut erfüllt, reich macht und zu sich in seine unbegreifliche Gegenwart erhebt.

Seht ihr, und genau das macht das Geheimnis seiner Redekunst aus; er beschreibt es so: „Der Prediger muss zu den Menschen hinabsteigen und dann wieder emporsteigen, um die darniederliegenden Menschen aufrichten zu können.“ Er erlebte sich selber ganz als ein von Gottes Liebe Ergriffener und Heimgeholter; darum konnte er auch mit seinen Predigten ergreifen und zahlreiche Menschen in die Kirche und zu Gott heimholen.

Schließlich ein weiterer Garant für sein Ankommen bei den Leuten: seine Vernarrtheit ins Tun. Ein merkwürdige, ja kontraproduktive Leidenschaft für einen großen Prediger – möchte man meinen! Aber das Predigtwort war ihm nur notwendiges Mittel zum Zweck, zum guten Tun hinzuführen und so Gott und die Menschen zu lieben. Wortverliebtheit ist ihm fremd. Er will die Menschen zum guten Tun führen und dass sie durch ihr Tun reden: „Die vom heiligen Geist erfüllt sind, reden in vielen Sprachen, die im mannigfaltigen Zeugnis für Christus bestehen: in Demut, Armut, Geduld oder Gehorsam. Wir reden in ihnen, wenn wir sie anderen durch unser Tun beweisen. Lebendig ist das Wort, das vom Tun getragen ist. Darum beschwöre ich euch: Lasst die Worte verstummen und an ihrer Stelle die Taten reden. Worte haben wir mehr als genug, dafür aber an Werken großen Mangel. Wer anders redet, ist vom Herrn verflucht wie der Feigenbaum, an dem er keine Früchte fand, sondern nur reichlich Blätter.“

Heute, am Pfingstmontag, bitten wir den Hl. Geist, er möge uns zu Menschen machen, die, wie der hl. Antonius jene Liebe im Herzen tragen, die ihre Worte in Taten vergolden! Amen!

Donnerstag, Juni 09, 2011

Der Atem des Herrn!



Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 20:19 – 23


19Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
20Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.
21Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
22Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
23Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.






Wir erleben Jesus und seine Jünger in familiärem Beisammensein. Im Verlauf dieser Begegnung schenkt Jesus seinen Jüngern durch Anhauch den hl. Geist. Völlig unspektakulär. Doch wird eines klar: Der Hl. Geist kommt hervor aus der vertrauten, freundschaftlichen Begegnung mit Jesus.

Doch sehen wir uns nun das Unscheinbarste dieser ganzen Szene an: den Atem Jesu! Man sieht ihn nicht, die Jünger hörten ihn wohl kaum und spürten ihn vielleicht ein wenig.

Aber das Tun Jesu erinnert an den Schöpfungsbeginn, wo „Gott, der Herr, den Menschen aus Staub vom Erdboden bildete und in seine Nase Atem des Lebens hauchte; so wurde der Mensch eine lebende Seele.“ (Gen 2:7)

Bedenken wir weiter, was Jesus mit seinem Atem gewirkt hat: Das Evangelium hat er damit verkündet; Worte der Vergebung und der Heilung hat er damit gesprochen; er hat damit gestritten und das Endgericht angedroht; er hat damit gewarnt, getröstet und in seine Nachfolge gerufen; er hat damit zu seinem Vater gebetet; Tote hat er damit aufgeweckt; geweint hat er damit; geschlafen und geatmet hat er damit. Schließlich hat er ihn ausgehaucht in die Hände seines Vaters.

Doch der hat ihm göttlichen Atem in der Auferstehung wieder gegeben; in die Unterwelt ist er damit hinabgestiegen und hat dort die Toten lebendig gemacht; auferstanden ist er damit und hat die Jünger erneut um sich versammelt – und nun schenkt er ihnen Anteil an diesem seinem Atem, der geschwängert ist mit Göttlichem und Menschlichem, mit Himmel, Erde und Unterwelt, mit Tod und Leben. Dieser Atem war gleichsam das Gefährt des Hl. Geistes; und jetzt gibt er in seinem Atem den Jüngern den Hl. Geist. Im Pfingstgeschehen in der Apostelgeschichte wird die Machtfülle des Hl. Geistes in Sturm und Feuer versinnbildlicht; jedoch kommt seine Macht aus dem Innersten Jesu, von dorther, wo er mit seinem Vater ein Herz und eine Seele ist.

Ich sagte eingangs, dass Jesus den Hl. Geist seinen Jüngern in freundschaftlicher Begegnung geschenkt hat. Es ist ein Geist der Freundschaft mit Jesus. Erinnern wir uns nur an jene Stelle, wo Jesus seine Jünger nicht mehr Knechte sondern Freunde nennt.

Es ist diese Freundschaft mit Jesus, welche die Jünger wie ein Sturm und wie Feuer drängt, jede Furcht abzulegen, die Türen zu öffnen und fortan das Evangelium von Jesus allen Menschen zu verkünden.

Jeder von uns weiß wohl, wie es ist mit einem Menschen, den wir überaus lieben: Wir denken oft, ja, unentwegt an ihn; wir freuen uns über jedes Zeichen von ihm – besonders aber über seine Gegenwart, über sein Dasein; wir sind mit allen Kräften bemüht, ihm seine Wünsche von den Lippen abzulesen und sie zu erfüllen; er kann von uns praktisch alles haben und wir würden für ihn auch alles tun.

Geradeso haben sich die Jünger verhalten, als der Hl. Geist sie erfüllt hat. Er hat sie in freundschaftlicher Hingabe ganz auf Jesus ausgerichtet. Ihre Ichbezogenheit wurde von diesem Geist aufgesprengt und wo vorher ihr Ich hauste, da wohnte fortan Jesus. So war es eben dieser Geist, der Paulus ausrufen ließ: Nicht mehr ich lebe sondern Christus lebt in mir!

Am Leben Jesu, am Leben der Jünger können wir die Früchte dieses Geistes ablesen, Früchte der Verbundenheit mit Gott, bzw. mit Jesus. Im Blick auf unser eigenes Leben werden auch wir diese Früchte mehr oder weniger erkennen dürfen und zugleich bemerken, dass sie sich entfalten möchten und dass sie auf eine größere Fülle hin wachsen wollen: Eine gewisse Sympathie für Jesus; eine bedingte Bereitschaft, ihm zu folgen; ein halbes Hinhören auf seinen Willen; ein laues Lieben; eine getrübte Freude; eine halbe Entschlossenheit zur Umkehr – gehemmtes Leben – jedoch mit der Sehnsucht nach mehr!

Wir werden uns unterwegs erleben auf eine je größere Freundschaft mit Jesus hin. Und es wird das Werk dieses Geistes sein, uns aufzurütteln aus einer religiösen Trägheit und uns anzuregen zu einer lebendigeren Freundschaft mit Jesus, die unserem Leben neue Tiefen eröffnet, neue Quellen erschließt, neue Wege weist, neuen Mut schenkt, eine neue Liebe entzündet, eine neue Entschlossenheit zur Umkehr schenkt – ein neues Leben in Christus ermöglicht. Amen!

Samstag, Juni 04, 2011

Die Stunde ist da!





Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 17: 1 – 11a


In jener Zeit
1erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht.
2Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt.
3Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.
4Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast.
5Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war.
6Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir, und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten.
7Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist.
8Denn die Worte, die du mir gegeben hast, gab ich ihnen, und sie haben sie angenommen. Sie haben wirklich erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast.
9Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir.
10Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht.
11aIch bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir.





„Die Stunde ist gekommen!“ hören wir Jesus sagen. Welche Stunde meint Jesus? Jene Stunde, auf die sein gesamtes leben ausgerichtet war: die Stunde seines Leidens und Sterbens.
Wie steht Jesus angesichts dieser Stunde da? Beklagt er sein Schicksal? Ist er von Angst erfüllt? Sehen wir ihn in hektischer Betriebsamkeit, noch dies und jenes und ein Drittes erledigen zu müssen? Nichts von all dem!

Er beginnt zu seinem Vater zu sprechen; er beginnt zu beten. Wissen wir auch, wenn unsere Stunde kommt? Es muss nicht gleich die Stunde des Leidens und Sterbens sein; es kann die Stunde eines Neubeginnes sein oder die Stunde eines Abschlusses; es kann die Stunde einer Niederlage oder eines Triumphes sein; es kann die Stunde der Begegnung in Liebe sein oder die Stunde der Trennung.

1808, ein Jahr bevor Franz Joseph Haydn starb, wurde sein gewaltiges Oratorium „Die Schöpfung“ in Wien aufgeführt. Aus diesem Anlass kam auch der Komponist dorthin. Alt und schwach wurde er in einem Rollstuhl in den Saal gefahren. Sein Gegenwart wurde von den Zuhörern mit Begeisterung wahrgenommen. Als Orchester und Chor machtvoll „und es ward Licht“ anstimmten gab es spontanen Applaus.
Dadurch angeregt mühte sich der alte Musiker auf seine Beine. Er nahm seine ganze Kraft zusammen, hob zitternd die Hände und rief: „Nein, nein! Nicht von mir, sondern vom jenseits – vom Himmel her kommt das alles!“ Obwohl der alte Meister erschöpft in den Rollstuhl zurücksank und aus dem Saal gefahren werden musste hatte er einen dramatischen und unvergessenen Auftritt. Beten in der Stunde des Triumphes.

Als Tobias und Sara in der Kammer allein waren, erhob sich Tobias vom Lager und sagte: „Steh auf, Schwester, wir wollen beten, damit der Herr Erbarmen mit uns hat.“ Beten in der Stunde der Begegnung in Liebe.
Und in der 1. Lesung hörten wir auch von einer besonderen Stunde: die Herabkunft des Hl. Geistes1 Und was tun die Jünger zusammen mit Maria, der Mutter Jesu, den Frauen und mit seinen Brüdern? Richtig: Sie verharrten dort einmütig im Gebet!

Sie haben offensichtlich von Jesus gelernt, der Seine Stunde auch betend beginnt.

Doch achten wir nun auf den Inhalt des Gebetes Jesu. Beklagt er sich bei Gott darüber, dass nun Schreckliches auf ihn zukommt? Bittet er Gott um Hilfe in dieser schweren Stunde des Leidens und Sterbens? Nichts von all dem! Aber was bewegt ihn dann? Man möchte es kaum glauben – aber Jesus bewegt seine eigene Verherrlichung; die möge der Vater ihm verschaffen, damit Jesus dann auch seinen Vater verherrlichen kann. Mit seiner Verherrlichung ist das gemeint, was wir in den vergangenen 40 Tagen gefeiert haben: Jesu Auferstehung!

Es ist der helle Wahnsinn: aber Jesus ist in seinem Beten bereits über sein Leiden und Seinen Tod hinaus – als wär das alles bloß ein Klax. Er lässt sich von den zu erwartenden Leiden und Schmerzen und von der kommenden Todesnot überhaupt nicht beeindrucken und einfangen. Im Gebet hat er Leid und Tod bereits überwunden. Dies tut er jedoch nicht, weil er das Tödliche und Schwere dieser Stunde unterschätzt oder gar geringachtet; im Gegenteil: Er weiß sehr wohl um die übermenschliche Gewalt des Todes und die verheerende Macht der Sünde; und gerade weil er darum weiß, wendet er sich gleich vorweg an das Ziel seines Leidens- und Todesweges, an die Verherrlichung in der Auferstehung; denn dadurch fließt ihm jene Kraft von Gott her zu, die er braucht, um diesen fürchterlichen Weg bis ans Ende gehen zu können.

Jesus betet zu Beginn seiner Stunde; Maria und die Jünger beten in der Stunde des Hl. Geistes; diese Tage vor Pfingsten sind geprägt durch intensives Gebet; ein gewaltiger Gebetsstrom erfasst in diesen Tagen unsere Kirche; denn sie bittet um ihren Lebensatem – um den Hl. Geist. Fügen wir uns diesem Strom ein, damit der Atem uns nicht ausgeht und Christus in uns kraft seines Geistes zu neuem Leben erstehen kann. Amen!

Donnerstag, Juni 02, 2011

Himmelfahrt in die Welt hinein





Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 28: 16 – 20


In jener Zeit
16gingen die elf Jünger nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte.
17Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel.
18Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde.
19Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,
20und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.






Zusammen mit den Jüngern haben wir in den vergangenen 40 Tagen versucht mit dem auferstandenen Herrn vertraut zu werden, die Wirklichkeit seiner Auferstehung wahrzunehmen und in unser leben dringen zu lassen; dies ist uns ebenso wie den Jüngern nur gelungen in der Begegnung mit dem lebenden Herrn selber: Er ist uns immer wieder entgegengekommen an jenen Orten und in jenen Zuständen, in denen wir uns gerade befunden haben. In diesen Tagen hat sich sein Sieg über den Tod in das Leben seiner Jünger hinein fortgesetzt, indem er sie aus der Zerstreuung herausgeholt hat in die Gemeinschaft mit ihm und miteinander; indem er sie in ihrer Ziellosigkeit ausgerichtet hat auf sich; indem er die Furcht durch seine österliche Gegenwart überwunden, ihre Trauer in Freude und ihre Angst in Frieden gewandelt hat.

Diese 40 Tage waren keine Kuschelzeit, wo es sich Jesus mit den Jüngern nach erlittenem Schmerz, Leid und Tod gemütlich eingerichtet und sich auf den österlichen Lorbeeren ausgeruht hätte. Sie waren vielmehr ausgefüllt mit Begegnungen und Gesprächen, in denen der Herr seine Jünger auf Weiteres vorbereitet: Darauf, wie ihr weiterer Weg verlaufen wird; darauf, was sie zu tun und zu reden haben, darauf, dass eine neue Kraft sie erfüllen wird und darauf, dass er sie verlassen wird und fortan durch die neue Kraft des hl. Geistes bei ihnen sein wird.

Aber wohin wird er gehen? Der Himmel in den er emporgehoben wird und die Wolke, die ihn aufnimmt bezeugen, dass er in die Welt Gottes eintritt oder mit anderen Worten: dass Gott ihn in den Himmel auf den Platz zu seiner Rechten erhoben hat. So lässt Jesus die Jünger frei, dass sie in die Welt hinausgehen können und doch kann er bei ihnen bleiben, weil in der Welt Gottes alle räumlichen und zeitlichen Schranken fallen und er fortan in der Kraft des hl. Geistes immer und überall bei seinen Jüngern sein und bleiben kann.

Es ergibt eine eigene Parallelität:
Sein Aufgenommen werden in den Himmel ist zugleich ein Hinausgehen mit den Jüngern in alle Welt;
sein Sitzen zur Rechten Gottes ist zugleich ein Bleiben bei seinen Jüngern immer und überall auf der Welt.
Sein Hingehen zum Vater ist zugleich ein Hineingehen in das Leben seiner Jünger.

Durch die Himmelfahrt wird die Verbundenheit mit den Jüngern nicht weniger sondern intensiver. Indem Jesus beim Vater im Himmel das Ziel seines Weges hier auf Erden erreicht kommt er bei seinen Jüngern an in einer immerwährenden Gemeinschaft. Die Verbundenheit mit seinem Vater festigt zugleich die Verbundenheit mit seinen Jüngern.
Sein Eintreten in die Seinsweise Gottes macht seine Daseinsweise bei den Jüngern vollkommen. Jesu Auffahrt in den Himmel bedeutet nicht; Jesus ist weg! Es heißt vielmehr: Jesus ist da – wie Gott, sein Vater im Himmel, da ist – in einem immerwährenden Jetzt in Zeit und Ort hier auf Erden. Jesus verbringt fortan seinen Himmel damit, auf Erden da zu sein.

Darum ist die Auffahrt Jesu in den Himmel kein Trauertag sondern ein Freudenfest, denn sie ist recht eigentlich eine Einfahrt Jesu in die Wirklichkeit dieser Welt auf dem Gefährt der göttlichen Daseinsweise. Ein rechtes Fest gegen die Erdenflucht. Ein Fest, das unsere Erde nötiger braucht, denn je; Es ist eine Liebeserklärung an die Erde, die vielfach im Argen liegt. Gerade wir Christen sind berufen, diese Liebeserklärung zu bezeugen, indem auch wir den Himmel darin suchen, auf Erden da zu sein – zur Freude, zum Frieden, zur Gerechtigkeit, zum Leben unserer Mitmenschen.

Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen Sohn dahingegeben hat – zum einen in den Tod am Kreuz und zum anderen in den immerwährenden Weltdienst durch seine Himmelfahrt. Die Trennung Jesu von der Welt durch sein Sterben wurde durch seine Auferstehung aufgehoben und durch die Auffahrt in den Himmel gewandelt in eine immerwährende, unlösbar Verbundenheit mit der Welt. So sehr hat Gott die Welt geliebt!

Lassen wir uns von dieser Liebe Gottes ansprechen und in den kommenden 9 Tagen öffnen, damit der Hl. Geist uns dann erfüllen und befähigen kann, österliche Menschen der Himmelfahrt zu sein, die ihrem Meister nachfolgen im liebenden, dienenden Dasein mitten im Elend und in den Nöten dieser Welt. Amen!