Samstag, September 24, 2011

Da reute es ihn - und er ging doch!



Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 21: 28 – 32

In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes:
28Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg!
29Er antwortete: Ja, Herr!, ging aber nicht.
30Da wandte er sich an den zweiten Sohn und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn, und er ging doch.
31Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der zweite. Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, das sage ich euch: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr.
32Denn Johannes ist gekommen, um euch den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen, und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen, und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.





Die Mitte des heutigen Gleichnisses ist das Gespräch des Vaters mit seinen Kindern. Wenn wir uns den Gesprächsverlauf genau ansehen, können wir erkennen, worum es Jesus in diesem Gleichnis geht.

Die Anrede „mein Kind“ drückt deutlich die zärtliche Liebe des Vaters zu seinen Kindern aus. Beide redet er gleichermaßen an.

Die Antwort seiner Kinder ist jedoch verschieden. Das erste Kind antwortet höflich und ehrerbietig: „Ja, Herr!“ Es ging aber nicht in den Weinberg!

Das zweite Kind hingegen lässt es in seiner Antwort an jeder Höflichkeit fehlen: „Ich will nicht“, antwortet es schroff und lieblos. Jedoch reute das Kind sein Verhalten und ging doch in den Weinberg.

Und nun die Frage Jesu: Wer von beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Und nicht etwa: Wer war dem Vater gegenüber höflich? Oder: Wer hat zum Willen des Vaters Ja gesagt?

Wir erkennen: Jesus geht es um die Erfüllung des väterlichen Willens – das zählt, egal, was voraufgegangen ist. Das „Ja“ oder das „Herr“ Sagen allein ist zuwenig. Unüberhörbar ruft uns Jesus in Erinnerung, was er am Ende der Bergpredigt gesagt hat: „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr!, Herr!, wird ins Himmelreich eingehen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel tut.“ (Mt 7:21)

Und dann löst Jesus das Gleichnis auf, indem er den Neinsager mit den Zöllnern und Dirnen gleichstellt und den Jasager mit den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes; sie hat Jesus mit diesem Gleichnis vor allen anderen angesprochen. Sie, die glaubten, der Umkehrbotschaft Johannes’ des Täufers nicht folgen zu müssen, weil sie sich in ihrer Selbstgerechtigkeit keine Sünde vorzuwerfen hatten.
Zöllner und Dirnen haben der Botschaft des Johannes geglaubt, darum werden sie den Priestern und Ältesten des Volkes ins Himmelreich vorausgehen. In diesem „Vorausgehen“ sollen die Führer des jüdischen Volkes eine Chance sehen, doch noch ihr Unrecht zu erkennen, zu bereuen und den rechten Weg der Umkehr zu gehen.

Wiewohl Jesus mit diesem Gleichnis zuerst die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes angesprochen hat, hat er doch auch die anderen Zuhörer damals und uns heute gemeint.

So stellt sich uns die Frage, ob wir auch die liebevolle Anrede Gottes an uns wahrnehmen: „Mein Kind, geh und arbeite heute im Weinberg!“ Hören wir diesen Wunsch Gottes heraus aus unserer Berufung, aus unserer Arbeit, aus unserem Dienst? Hören wir sie jeden Tag von neuem als Einladung in eine bestimmte Arbeit für heute? Wir können diese Fragen beantworten mit einem täglich neuen Bewusstmachen, dass uns ein liebender Vater im Himmel je und je heute eine Aufgabe zugedacht hat.

Damit gingen wir bereits einen Weg der Umkehr von einem gedankenlosen Dahinleben zu einem bewussten Gerufensein von Gott in die jeweils konkrete Lebenssituation hinein.

Zugleich kehrten wir um von einer Gottvergessenheit zu einem immer deutlicheren und lebendigeren Empfinden von seiner Gegenwart in unserem Leben. Wir entdeckten mehr und mehr und mit immer größerer Freude, dass Gott ein Gott der Lebenden ist, dass er an meinem Leben interessiert ist, ja, dass mein Leben aus Seinen Händen kommt; dass er wirklich ein Gott mit uns ist.

Und diese lebendig gewordene Gegenwart Gottes in unserem Leben macht uns sehend für das, was zu diesem Gott und zu einem Leben mit ihm passt und was nicht. Wir bekommen ein vertieftes Empfinden für Recht und Unrecht, für Rücksichtnahme und Rücksichtslosigkeit, für Aufmerksamkeit und Oberflächlichkeit, für Hingabe und Egoismus.

So wird es uns möglich, die große Schuld vor zu abzuladen, die nicht in den Sünden besteht, die wir begehen sondern darin, dass wir jeden Augenblick die Umkehr tun können und sie nicht tun. Amen!

Freitag, September 16, 2011

Geht auch ihr in meinen Weinberg




Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 20: 1 – 16a


In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis:
1Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen sein Haus verließ, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben.
2Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg.
3Um die dritte Stunde ging er wieder auf den Markt und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten.
4Er sagte zu ihnen: geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist.
5Und sie gingen. Um die sechste Stunde und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder auf den Markt und machte es ebenso.
6Als er um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf er wieder einige, dir dort herumstanden. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum?
7Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!
8Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen von den letzten, bis hin zu den ersten.
9Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar.
10Als dann die ersten an der Reihe waren, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur einen Denar.
11Da begannen sie, über den Gutsherrn zu murren,
12und sagten: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen.
13Da erwiderte er einem von ihnen: Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart?
14Nimm dein Geld und geh! Ich will dem letzten ebenso viel geben wie dir.
15Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin?
16aSo werden die Letzten die Ersten sein.







Im Gleichnis vorhin provoziert der Gutsbesitzer ganz bewusst jene Arbeiter im Weinberg, die von Beginn des Tages an gearbeitet haben – also von sechs Uhr früh an.

Worin besteht die Provokation: Dass er jenen, die in der elften Stunde zur Arbeit kommen auch jenen Lohn gibt, den er mit den Arbeitern der ersten Stunde vereinbart hat: einen Denar!

Warum wird das als Provokation empfunden? Was wird da provoziert – also hervorgerufen:

Nun, zum einen die Erwartung der ersten Arbeiter mehr zu bekommen als die letzten; sie erwarteten sich mehr als einen Denar, mehr als sie mit dem Gutsbesitzer vereinbart hatten. Diese Erwartung ergibt sich aus einer einfachen Rechnung: Wer mehr arbeitet, bekommt auch mehr Geld! In dieser Ordnung leben die Arbeiter der ersten Stunde; es ist die Wirtschaftsordnung die Zeiten hindurch, in der auch wir heute leben und denken. Man wird keinen Arbeitgeber finden, der sich so verhält, wie der Gutsbesitzer im Gleichnis.

Durch ihr arbeitsgebundenes Lohndenken wird noch ein weiteres hervorgerufen, das im Vorwurf an den Gutsherrn zum Ausdruck kommt: „Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen.“ (Mt 20:12) Sie kommen sich besser vor; sie fühlen sich bevorzugt durch die Mehrarbeit, die sie geleistet haben. Sie sind völlig fixiert darauf, dass Lohn verdient, erarbeitet werden muss. Darum erwarten sie, dass ihrem Mehrwert aufgrund von Mehrarbeit auch durch Mehrlohn entsprochen wird. Dass dies nicht geschieht, enttäuscht sie und ruft schließlich ihr Murren über den Gutsherren hervor.

Und der führt sie durch seine Antwort in eine andere Ordnung, in eine andere Welt, in das Himmelreich: Dort ist nicht das Verdienen durch Arbeit maßgeblich sondern die Güte des Gutsherren. Und diese Güte durchwaltet von Anfang an die Geschichte. Es ist nämlich auch eine Frucht der Güte des Gutsherrn, dass die Arbeiter der ersten Stunde in seinen Weinberg gehen durften, und er einen Denar Arbeitslohn mit ihnen vereinbart hat. Diese Güte haben sie – wenn überhaupt wahrgenommen – in ihrem Arbeitseifer jedoch ertränkt. Die anhaltende Dankbarkeit für die Güte des Gutsherrn etwa hätte ihre Erinnerung daran lebendig erhalten.

Der Gutsherr will ihnen begreiflich machen: Der Lohn für die Arbeit ist geschenkt – bei den Arbeitern der ersten und der letzten Stunde. Und alle bekommen sie den gleichen Lohn – unabhängig von ihrer Arbeitsleistung; einzig abhängig von der Güte des Gutsherrn!

Jesus spricht dieses Gleichnis in die junge Kirche hinein, in der Juden- und Heidenchristen miteinander auskommen müssen. Da war es unvermeidlich, dass die jüdischen Mitglieder sich bevorzugt wähnten gegenüber den heidnischen Mitgliedern. Aber die Loslösung vom Leistungsdenken ist eine Herausforderung geblieben. Und die Kirchengeschichte lehrt uns, dass unsere Kirche sie nicht immer bestanden hat.

Wenn ich an die Pfarrerinitiative denke, frage ich mich, ob hinter dem Bestreben, eine Lösung anstehender Probleme erzwingen zu wollen, nicht der Wunsch steht, mehr Lohn zu bekommen als ausgemacht? Der ausgemachte Lohn ist die gegenwärtige Kirche mit ihren Problemen und ihren guten Seiten. Der Mehrlohn wäre demnach eine Kirchengestalt nach ihren Vorstellungen.

Jesus legt im Gleichnis Besinnung nahe auf den vereinbarten Lohn: Nimm dein Geld und geh! Es gilt vorerst die Kirche anzunehmen, wie sie ist und sich mit dieser Kirche auf den Weg zu machen. Erst in der liebenden Annahme der ach so problematischen Kirche wird sich unterwegs die Kirche wandeln, verändern und neu gestalten. Der Weg der beiden Jünger nach Emmaus kann diesen Gedanken weiterführen.

Es gibt eine Zufriedenheit, die nichts mit Resignation zu tun hat sondern mit geduldiger Wachsamkeit, den Kairos abzuwarten, in dem der Herr den Lohn einer Kirche schenkt, die im Miteinander sich neu gestaltet und nicht im Gegeneinander sich aufreibt und damit den Herrn und sich selbst verleugnet. Ich denke das ist „die Gemeinde, die so lebt, wie es dem Evangelium Christi entspricht!“ (Phil 1:27a) Amen!

Samstag, September 10, 2011

Kreuzerhöhung




Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 3: 13 – 17

13Und niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn.
14Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden,
15damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat.
16Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.
17Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.





Liebe Schwestern!

Euer Karmel trägt den Namen des Heiligen Kreuzes. Darum feiern wir heute zu Kreuzerhöhung das Patronatsfest eures Karmelklosters. Wie die Schlange an der Signalstange und unser Herr am Kreuz so ist auch eurer Karmel erhöht auf diesem Heiligen Berg. Der Heilig Kreuz Karmel auf dem Heiligen Berg ist eine besondere Einladung zur Heiligkeit für eure Gemeinschaft. Zur Heiligkeit in der Form der Erhöhung.

Eine Form dieser Heiligkeit klingt in der Geschichte mit der erhöhten Schlange an: Sie zeigt sich zuerst im Verhalten des Volkes und dann im Beten des Mose. Das Volk wendet sich in Erkenntnis seiner Schuld an Mose, er möge zum Herrn beten um Befreiung von der Plage. Das Volk und Mose richten in Bitte und Gebet ihren Blick zum Herrn empor, der in der Höhe thront. Sie richten ihre ganze Aufmerksamkeit empor zu Gott und erhöhen sich selber samt ihrer Erbärmlichkeit zu Gott, dem Höchsten.

So gehört es zu eurer Heiligkeit, dass ihr eure eigene Armseligkeit und Not sowie die Armut und die Not, die zu euch den Berg heraufgetragen wird – dass ihr all dies in beständigem Gebet zu Gott bringt und es in seine Heiligkeit und Herrlichkeit erhöht. Euer Gebet ist ein Dienst der Erhöhung, den die Menschen und die Kirche zurecht von euch erwarten aufgrund eurer Karmelberufung. Mit eurer und der Menschen Not erhöht ihr euch selber und die Menschen in die Heiligkeit Gottes – in der Hoffnung, dass ihr dort Erlösung findet.

Unser Erhöhen im Gebet ist ein Streben aus unserer Herzmitte heraus; es ist ein Ausrichten der Kräfte unseres Leibes und unserer Seele auf Gott. Dies ist uns aber möglich, weil wir zugleich von Gott zu sich erhöht werden. Er zieht uns an sich, um uns zu erlösen und aus der Not zu befreien. Er zieht uns an sein Herz, um uns von den Quellen des Heiles trinken zu lassen.

Dabei stellen uns die neutestamentliche Lesung und das Evangelium Gott in einer wunderbaren Harmonie vor Augen: So hören wir im Evangelium von der Liebe Gottes zur Welt, die so groß ist, dass er seinen einzigen Sohn hingab. In der Lesung hingegen hören wir vom Sohn selber, wie er sich einfügt in diese unfassbare Liebe des Vaters zur Welt: „Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.“ (Phil 2:6-8)

Wir erleben hier ein Bestreben, einen Willen, ein Ziel des dreifaltigen Gottes – unsere Erlösung. Diese Einstimmigkeit Gottes für unsere Erlösung ist eine Einladung an uns, dass auch wir uns in diesen Willen Gottes hinein erhöhen, damit Erlösung an uns auch geschehen kann; das heißt, wir sind eingeladen, uns diesem Geschenk zu öffnen und uns erlösen zu lassen. Wir finden hier eine weitere Form der Heiligung durch Erhöhung: Durch den Glauben erhöhen wir uns hinein in den erlösenden Gott und lassen uns von seiner erlösenden Liebe wie von einem Mantel umhüllen: deswegen fährt Johannes im Evangelium fort: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“ (Joh 3:16)

Nun können wir noch ein Weiteres den hl. Schriften entnehmen: Moses heftet tatsächlich eine Kupferschlange an eine Fahnenstange; und Gott hat seinen Sohn wirklich hingegeben, indem er ihn am Stamm des Kreuzes erhöht hat sterben lassen; und dem entsprechend ist Jesus tatsächlich den Weg hinauf an das Kreuz gegangen. Das heißt Gott hat seinen Erlösungswillen eins zu eins umgesetzt in die Erlösungstat. Er hat seinen Willen, uns zu erlösen erhöht hinein in sein erlösendes Tun.

Und hier eröffnet sich uns nun eine dritte Form unserer Heiligung durch Erhöhung: Dass wir unserem Aufblick zum erhöhten Herrn unser Herz, unseren Willen und unser ganzes Leben folgen lassen; dass also unser Aufschauen zum Herrn am Kreuz sich umsetzt in die Kreuzesnachfolge. Wir erhöhen unseren Aufblick zu ihm hinein in die Verwirklichung seines Aufrufes: Wer mein Jünger sein will, der nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. (vgl. Mt 16:24 parr.)ß

Der Herr schenke uns heute am Fest Kreuzerhöhung allen die Begeisterung, dass wir uns zu ihm erhöhen lassen im Gebet, im Glauben, in der Nachfolge. So möchte der Herr, dass wir sein Fest Kreuzerhöhung feiern – nicht nur heute sondern täglich. Amen!

Donnerstag, September 08, 2011

Vergeben - immer und aus ganzem Herzen




Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 18: 21 – 35

In jener Zeit
21trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal?
22Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.
23Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Dienern Rechenschaft zu verlangen.
24Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war.
25Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen.
26Da fiel der Diener vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen.
27Der Herr hatte Mitleid mit dem Diener, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld.
28Als nun der Diener hinausging, traf er einen anderen Diener seines Herrn, der ihm hundert Denare schuldig war. Er packte ihn, würgte ihn und rief: Bezahl, was du mir schuldig bist!
29Da fiel der andere vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen.
30Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe.
31Als die übrigen Diener das sahen, waren sie sehr betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war.
32Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Diener! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich so angefleht hast.
33Hättest nicht auch du mit jenem, der gemeinsam mit dir in meinem Dienst steht, Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?
34Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt habe.
35Ebenso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von ganzem Herzen vergibt.





Im Evangelium spricht Jesus über die Vergebung – ein Thema, das immer aktuell, immer brennend ist, denn in unserem Zusammenleben geht es nicht ohne bewusste oder unbewusste Verletzungen ab; jeder von uns ist ein Verwundeter und verwundet andere. Deshalb wird uns auch der „Stoff“ für Vergebung nie ausgehen; wir werden immer Grund haben, jemandem zu vergeben. 

ich stelle diesen Worte an die Seite die Erinnerung an den Terroranschlag auf das World Trade Center in New York heute vor genau 10 Jahren - als Rufezeichen, als Fragezeichen, als Unterstreichung.

Auch im Binblick auf dieses schreckliche Ereignis ist das heutige Evangelium deshalb so wichtig und in besonderem Sinn Evangelium – Frohbotschaft, weil es etwas ganz Besonderes tut: Es sprengt die Grenzen auf, die wir unserer Vergebungsbereitschaft immer wieder setzen, indem wir sagen: Jetzt reicht es; nun ist das Maß voll; das hätte er/sie nicht tun dürfen; ich bin auch nur ein Mensch und kann mir nicht alles gefallen lassen; ich lass mich doch nicht zur Schnecke machen – und wie es ähnlich auf viele Weisen zu hören ist.

Jesus fordert im heutigen Evangelium die unbegrenzte Bereitschaft ein, zu verzeihen – unbegrenzt nach außen, das heißt immer und unbegrenzt nach innen, das heißt von ganzem Herzen. Dass wir da auf uns gestellt völlig überfordert sind, liegt auf der Hand; das erleben wir oft genug im eigenen Leben. Und ebenso oft erleben wir, dass unser „Nicht-verzeihen-können“ im Grunde ein „Nicht-verzeihen-wollen“ ist. Und dass uns die verweigerte Vergebung selber in Unfrieden stürzt und unglücklich macht.

Deswegen ist das heutige Evangelium eine wahre Frohbotschaft: Es weist uns nämlich den Ausweg aus unserer Vergebungsschwäche hin zur Vergebungsstärke. Die Quelle, aus der uns diese Stärke zuströmt, ist Gott selber, der uns im Gleichnis in der Gestalt des Königs begegnet. Und in dem König die Bereitschaft, Mitleid zu haben mit uns – mag die Schuld auch noch so groß sein, sein Erbarmen mit uns ist größer. Dazu gehört nun auch das, was Gott zu seinem Mitleid bewegt: das, was wir Gott schulden und wir ihm nicht geben können – und das Unglück, in das wir so geraten.

Die Quelle für unsere Vergebungsstärke ist also unser Leben, das gekennzeichnet ist von einer erdrückenden Schuld Gott gegenüber einerseits und andererseits vom Großmut Gottes, der uns genau diese Schuld vergibt und uns in die Freiheit entlässt.

Es gehört zu dieser Quelle unserer Vergebungsstärke aber noch etwas ganz Wesentliches dazu – nämlich die Einsicht, dass das Mitleid Gottes nicht ein Freibrief ist, bedenkenlos Schuld um Schuld auf uns zu laden, weil Gott gleichsam ohnedies nicht anders kann, als uns zu vergeben.

Gerade dieser infamen Überlegung schiebt das Ende des Gleichnisses einen Riegel vor, wenn wir dort hören, dass derselbe König, der dem Knecht seine unermessliche Schuld von 10.000 Talenten erlassen hat denselben Knecht nun erbarmungslos den Folterknechten übergibt, bis er die ganze Schuld bezahlt habe, bloß weil dieser seinem Mitknecht die Schuld von 100 Denaren nicht erlassen wollte – wohlgemerkt, er wollte nicht barmherzig sein; denn die geringe Schuld des Mitknechtes hatte er ja nicht mehr unbedingt nötig, da der König ihm doch seine Riesenschuld völlig erlassen hatte.

Und da haben wir den springenden Punkt, an dem erst die Quelle zu fließen beginnt, die uns zur Vergebung stärkt. Es geht darum, uns die unbegrenzte Vergebungsbereitschaft Gottes dermaßen zu Herzen gehen zu lassen, dass auch wir uns unablässig bemühen, unbegrenzt, und das heißt immer und unter allen Umständen, zu verzeihen.

Ich unterstreiche hierbei das unablässige Bemühen unablässig zu verzeihen, damit wir uns nicht überfordern und meinen, wir könnten von heute auf morgen unbegrenzt verzeihen. Das ist ein Weg, der lang sein und nicht selten ein Lebtag dauern kann.

Das ist ein Weg, der beginnt mit dem schlichten Aussprechen: Ich verzeihe Dir! – obwohl wir das in unseren Gefühlen noch nicht mitvollziehen können. Aber wir sind da am Kern des Verzeihens: Beim Vergeben-wollen. Im Willensakt des Vergebens geschieht Vergebung – auch wenn uns dabei noch Gefühle des Zornes, der Wut und Rache beschäftigen.

Das unablässige Bemühen um diesen Willensakt ist Versöhnung und führt auch die Gefühlswelt allmählich in jenen tiefen Frieden, der der Versöhnung eignet. Dann haben wir wirklich von ganzem Herzen verziehen und dürfen uns dankbar über das Wunder freuen, Gott ein Stück ähnlicher geworden zu sein. Amen!

Montag, September 05, 2011

Wenn dein Bruder sündigt ....





Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 18: 15 – 20

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
15Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurück gewonnen.
16Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei Männer mit, denn jede Sache muss durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden.
17Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.
18Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.
19Weiter sage ich euch: Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten.
20Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.




„Wenn dein Bruder sündigt“ – dann ist es peinlich, ihn diesbezüglich zurechtzuweisen; denn das ist seine Angelegenheit und da sollen Außenstehende sich nicht einmischen; außerdem haben auch wir unsere schwachen Seiten, machen auch wir Fehler und sind auch wir Sünder; wir sollten daher lieber Verständnis haben und vor der eigenen Türe kehren.

„Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht!“ (Mt 18:15) So will es aber Jesus! Beide Verhaltensweisen könnten gegensätzlicher nicht sein! Woher kommt dieser Gegensatz? Was versteht Jesus da so ganz anders als wir, dass seine Reaktion auf den sündigen Bruder so ganz anders ausfällt als die unsere. Es scheint, als lebten er und wir in völlig verschiedenen Welten.

Und tatsächlich: Unter „Bruder“ meint Jesus was ganz anderes als wir! Der Bruder ist für Jesus keiner, dem ich ein Außenstehender bin. Der Bruder ist für Jesus einer, in dessen Leben ich mich einzumischen habe – aus dem einfachen Grund, weil das Leben meines Bruders auch mein Leben ist! Diese Realität wird uns in der 1. Lesung dramatisch vorgeführt und meldet sich auch in der 2. Lesung deutlich zu Wort, wenn es dort heißt: „Die Liebe schuldet ihr einander immer!“ (Röm 13:8)

Mein Bruder ist nach Jesus der, der durch die Taufe mein Bruder geworden ist, das heißt durch die Gnade der Gotteskindschaft und durch die Gnade der Geschwisterschaft mit Jesus: Er ist mein Bruder wie er Jesu Bruder ist. Und wie Jesus alles tut, um ihn zu erlösen muss auch ich alles tun, ihn zu befreien aus der Macht des Bösen – etwa dadurch, dass ich ihn hinweise auf das Böse, das er getan hat und hinweise auf den Weg, der zum Guten führt. Diese Rettungsaktion ist kein Privatunternehmen sondern eine Aktion, die ich als Mitglied einer Kirchengemeinde setze und in die ich die Gemeinde zunehmend einbinde. Die Rettung eines sündigen Bruders ist meine Angelegenheit und die der Gemeinde gleichermaßen.
Hier kommt ein Verständnis von Gemeinde zum Vorschein, das unserem Bewusstsein beinahe völlig fremd geworden ist: Die Gemeinde als Leib, an dem alle Glieder mitleiden, wenn eines davon leidet und an dem alle Glieder gefährdet sind, wenn eines davon in Gefahr gerät. Wenn wir die Kirche nur als Ansammlung von Individuen verstehen, die einander fremd sind und eigentlich nicht zusammengehören, werden wir zum heutigen Evangelium keinen Zugang finden. Aber nicht nur zum heutigen Evangelium – zur Frohbotschaft Jesu insgesamt bleibt uns der Zugang verwehrt, wenn wir uns nicht zu einer Leibgemeinschaft bekehren, in der einer des anderen Last trägt, einer für den anderen mitverantwortlich ist, einer des anderen Seelsorger ist. Es ist darum bezeichnend, dass Jesus den Dienst der Zurechtweisung nicht dem Gemeindeleiter aufbürdet sondern jeden Bruder und jede Schwester in diesen Heils- und Heiligungsdienst ruft.

Das hängt mit einem weiteren Umstand zusammen – mit der Bewertung von Sünde. Wir sind zu weit von der Heiligkeit Jesu entfernt, um die Schwere der Sünde angemessen beurteilen zu können. Je näher wir ihm jedoch kommen und seinem Vater im Himmel umso mehr wird uns die Realität der Sünde mit Sorge, Eifer und Entschlossenheit erfüllen, sich ihr sogleich bei ihrem ersten Auftreten entgegenzustellen und sie aus dem Leben des Bruders und somit aus der Gemeinde zu entfernen. Sie duldet keinen Aufschub und unverzügliches Reagieren ist erforderlich.

Wenn Jesus nun eine stufenweise Zurechtweisung des sündigen Bruders möchte, dann nicht nur, um die Gemeinde in den Erlösungsprozess für den Bruder einzubinden. Das Gespräch unter vier Augen, im kleinen Kreis und schließlich mit der Gemeinde soll auch der Klärung dienen. Der sündige Bruder soll sogleich Gelegenheit bekommen im Gespräch sich zu erklären, sein Verhalten darzulegen und im brüderlichen Gespräch Einsicht in sein Fehlverhalten zu gewinnen. Dieses Gespräch kann im günstigen Fall den sündigen Bruder von der Einsicht zum Erschrecken und weiter zu Reue und Umkehr führen.

Im ungünstigen Fall hingegen wird sich im Gespräch die Uneinsichtigkeit und Verstocktheit des sündigen Bruders zeigen und ihn aus der Gemeinschaft der Kirche hinausführen.

Im Dienst der Zurechtweisung teilen wir mit dem Herrn die wachsame und heilsame Sorge um seine Kirche. Er schenke uns ein wachsames Auge und ein immer liebendes und starkes Herz für diesen Dienst an seiner Kirche! Amen!

Angleichung




Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 16:21 – 27

In jenen Tagen
21begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen.
22Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht geschehen!
23Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.
24Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.
25Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.
26Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen?
27Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Hoheit seines Vaters kommen und jedem Menschen vergelten, wie es seine Taten verdienen.




Von Jesus „Satan“ genannt zu werden, ist bisher nur einem widerfahren – dem Satan selber, als der versuchte, Jesus von seinem Weg abzubringen. Was der Teufel absichtlich versucht hat, das versucht Petrus unabsichtlich und in der Gewissheit, dem Herrn einen Freundschaftsdienst zu erweisen, indem er ihn vom Weg nach Jerusalem abhalten möchte. Was Jesus zu seiner heftigen Reaktion veranlasst, ist das menschlich verständliche Bestreben, ihn von dem Weg abzubringen, den er nach dem Willen seines Vaters im Himmel zu gehen hat: den Weg durch Leid und Tod hindurch in die Auferstehung. Die Schärfe von Jesu Antwort zeigt, wie stark der Auftrag seines Vaters in ihm lebt; wie ausschließlich Jesus auf diesen Auftrag hingeordnet ist und wie entschlossen er diese Hinordnung beibehält, ohne auch nur im Geringsten davon abzuweichen.

Es wird für Petrus sehr schmerzlich erfahrbar, wie absolut die Beziehung Jesu zu seinem Vater im Himmel der Maßstab ist zu jeder anderen menschlichen Beziehung. Das heißt für ihn: will er wirklich ein Freund Jesu sein und bleiben, darf er nicht das im Sinn haben, was die Menschen wollen; er muss vielmehr das im Sinn haben, was Gott will. Von ihm ist das gefordert, was Paulus von der Christengemeinde in Rom 12:2 in der heutigen 2. Lesung fordert: „Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist.“

Diese Angleichung an die Welt wird gelöst durch die Angleichung an Christus; erst in dieser Angleichung kann sich unsere Wandlung vollziehen. Christus selber wird uns wandeln durch sein Wort, durch seinen Geist, durch seine Gegenwart in unserer Mitte. Dieses Angleichen an Christus ist ein durchaus praktisches Geschehen: Es vollzieht sich im Lesen der Evangelien und der anderen Schriften des Zweiten und Ersten Bundes; es vollzieht sich im Beten und in der Feier der Liturgie; es vollzieht sich im Dienst an den Menschen. Das sind die konkreten Wege des Alltags, auf denen sich unsere Wandlung vollzieht in Menschen, die im Sinn haben, was Gott will.

Wir erleben ein einfaches Gesetz unseres Lebens: Dem wir uns angleichen, mit dem wir uns beschäftigen, von was wir uns beanspruchen lassen – das beeinflusst, das erfüllt und das wandelt uns in eine je größere Ähnlichkeit hinein.

Eine besondere Form der Angleichung an Jesus stellt er seinen Jüngern in der Kreuzesnachfolge vor Augen. Dies erscheint im Wort Jesu als einzige Bedingung, ein Jünger Jesu sein zu können. Wieso dies? Und was ist mit Gebet, Fasten und Almosen?

In der Kreuzesnachfolge geht es Jesus nicht um das Kreuz sondern um die Nachfolge unter der Last des Kreuzes; nicht um das Leiden und Sterben sondern um die Bereitschaft, Leiden und Sterben anzunehmen und sich so mit Jesus zu vereinen. Im Leiden und Sterben geht es um das Letzte, Höchste und Wertvollste, das ein Mensch geben kann – um sein eigenes Leben!

Wenn einer in der Leidens-, Kreuzes- und Todesannahme Jesus nachfolgt, dann tut er, was Jesus getan hat und was Paulus ebenfalls in der heutigen Lesung ausdrückt: Er bringt sich selbst als heiliges und lebendiges Opfer dar, das Gott gefällt. Damit vollbringt er den wahren und angemessenen Gottesdienst (vgl. Röm 12:1) In diesen wahren Gottesdienst ist jeder andere Gottesdienst im Gebet, Fasten und Almosen eingeschlossen. Jede Form wahren religiösen Lebens zielt darauf hin, sein Leben als heiliges und lebendiges Opfer Gott darzubringen. Die Opferhingabe des eigenen Lebens an Gott ist der innerste Kern jeder wahrhaft religiösen Übung. Jedes Beten, jedes Fasten, jedes Werk der Nächstenliebe ist Kreuzaufnahme und Hineinsterben in eine je größere Ähnlichkeit mit dem Herrn. Der hat uns schließlich ja auch erlöst – nicht durch seine Predigten, Heilungen und Wunder sondern durch sein Leiden und sein Sterben am Kreuz. Dem gemäß führt sein ganzes heilvolles Reden und Handeln hin auf sein Erlöserwirken im Tod am Kreuz und in der Auferstehung.

Die Kreuzesnachfolge Jesu ist das Wasserzeichen unseres christlichen Lebens. Amen!

Ihr aber, für wen haltet ihr mich?






Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 16:13 – 20

In jener Zeit,
13als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für wen halten die Leute den Menschensohn?
14Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten.
15Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich?
16Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!
17Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.
18Ich aber sage dir: Du bist Petrus - der Fels -, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.
19Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.
20Dann befahl er den Jüngern, niemand zu sagen, dass er der Messias sei.




Jesus macht sich selber zum Mittelpunkt des Gespräches, das er heute mit seinen Jüngern führt. Er will wissen, was die Leute von ihm denken. Ihm ist dies offensichtlich nicht egal; und auch seinen Jüngern soll es nicht egal sein. Die Antwort der Jünger ist breit gestreut: Johannes der Täufer, Elias oder sonst ein Prophet – daran denken die Leute, wenn sie Jesus reden hören und handeln sehen. Und sie haben nicht ganz Unrecht, denn von jeder dieser Persönlichkeiten ist etwas in Jesus enthalten.

Nun fragt Jesus seine Jünger direkt: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Die Frage lässt erkennen, dass Jesus von seinen Jüngern eine andere Antwort erwartet, da sie doch in einem anderen Verhältnis zu ihm leben – direkter, unvermittelter, persönlicher, näher. Und Petrus antwortet: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.

Es ist nun bemerkenswert, dass Jesus diese Antwort nicht als Frucht eines größeren Nahverhältnisses zu ihm bezeichnet sondern als Offenbarung von Jesu Vater im Himmel. Jesus zu kennen kann man sich also nicht erarbeiten durch Bemühen um größtmögliche Nähe zum Herrn. Jesus zu kennen ist bleibend ein Geschenk von Jesu Vater. Das Bemühen um Nähe zu Jesus bringt nicht zwingend Erkenntnis Jesu mit sich; die zu geben bleibt Gott frei. Er gibt sie, wem und in welchem Ausmaß er will.

Das lässt uns Wichtiges erkennen für unsere Beziehung zum Herrn und unsere Beweggründe dazu: Das Streben, Jesus nahe zu sein, darf nicht verzweckt werden: Es muss ein Sein bei Jesus sein ohne weil. Es muss einfach sein. Dieses weillose Verweilen bei Jesus hat Jesus zum Ziel und ihn allein. Nur in diesem weillosen Verweilen geben wir Jesus zu verstehen, dass es uns nur um IHN geht und um IHN ALLEIN! Jede mehr oder weniger verkappte Ichsüchtigkeit wird durch die Weillosigkeit im Leben mit Jesus ausgeschlossen. Und es ist genau dieses Bemühen, allein um Jesu willen seine Nähe zu suchen und dort zu bleiben, die uns öffnet für das, was uns der Vater über seinen Sohn Jesus sagen möchte. Und es leuchtet ein, dass es anders nicht sein kann; denn es ist nicht möglich, dass wir Menschen in die Welt Gottes eindringen können aus eigenem Bestreben und Vermögen. Die Welt Gottes können wir uns nur von IHM her schenken lassen durch die Offenbarung; durch das also, was er von sich aus uns in einer Weise mitteilt, die wir erfassen können. Es ist wie mit der Sonne: Ihr Licht und ihre Wärme können wir uns nicht durch eigene Mühe erarbeiten. Wir müssen uns beides schlichtweg schenken lassen. Und wir leben hier auf Erden elementar von diesem Geschenk.

Ein weiteres wird deutlich: Dem Petrus wird die Einsicht über Jesus nicht geschenkt zum Privatvergnügen. Jesus knüpft vielmehr gleich die Aufgabe daran, auf Petrus eine Kirche zu bauen. Die Offenbarung, die Gott schenkt, ist gegeben als Befähigung zu einem Dienst, zu einer Aufgabe, zu einem Amt! So erleben wir es in der Kirche immer wieder, dass besondere Einsichten von Gott gegeben werden als Anfang und Grund eines bleibenden kirchlichen Werkes oder Dienstes.

„Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“ Diese von Gott geoffenbarte Einsicht des Petrus wird durch das heutige Evangelium als Grundauftrag für die Kirche hier auf Erden gedeutet. Dieses Bekenntnis ist ihr ins Herz und in den Mund gelegt, dass sie es durch die Zeiten hindurch allen Menschen verkünde.

Damit sind wir wieder am Anfang des Evangeliums angelangt, wo Jesus nachfragt, was die Leute von ihm denken. Weil ihm dies nicht gleichgültig ist, wird dem Petrus die Identität Jesu offenbart und im Petrus der Kirche, die Jesus auf ihn gründet. Die Menschen müssen alle zu dieser Erkenntnis Jesu geführt werden, denn er will ihr aller Messias und Erlöser sein. Damit die Kirche dies tun kann, muss sie ein Ohr am Mund der Menschen haben, damit sie weiß, was die Leute von Jesus denken; zugleich muss sie das andere Ohr am Mund Gottes haben, damit sie immer empfänglich bleibt, was Gott Vater ihr von seinem Sohn sagt. Nur in dieser Offenheit auf Gott und die Menschen hin ist die Kirche in der Lage, das und nur das den Menschen mitzuteilen, was ihr von Gott her über Jesus gesagt wird. Amen!

Der Herr hat Großes an mir getan!





Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 1:39-56

39Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.
40Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet.
41Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt
42und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.
43Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
44In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
45Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.
46Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn,
47und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
48Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
49Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig.
50Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.
51Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;
52er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
53Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.
54Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen,
55das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.
56Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.






„Ganz die Mutter,“ sagt man von einem Kind, das im Verhalten oder Aussehen seiner Mutter ähnlich ist.
Ganz die Mutter ist Jesus, wenn er heute seine Mutter Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufnimmt.
Denn sie hat sich zuvor ja auch um seinen Leib und seine Seele gekümmert, indem sie ihn bei des Engels Botschaft ganz bei sich aufgenommen und ihn in ihrem Leib hat Mensch werden lassen. Sie, die ihn ganz mit Leib und Seele in ihren Leib und in ihr Leben aufgenommen hat, wird heute ganz mit Leib und Seele in seine himmlische Herrlichkeit aufgenommen. Wie die beiden jetzt im Himmel ganz beisammen sind so waren sie es zuvor auf Erden. Dieses ganz Beisammensein auf Erden zeigt sich bei Maria nicht nur in ihrer Mutterschaft sondern auch dadurch, dass sie ihren Sohn begleitet hat: Sie war bei ihm in der Hochzeit zu Kana und bei seinem Sterben unter dem Kreuz. Ganz bei Jesus sein heißt für sie: Teilnehmen an seinem Leid und an seiner Freude. Nun darf sie die Herrlichkeit des Himmels zusammen mit ihrem Sohn erleben – mit Leib und Seele und für immer.

Wenn Jesus seine Mutter Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufnimmt, dann ist er nicht nur „ganz die Mutter.“ Er ist auch ganz der Vater, denn er drückt damit ein bestimmtes Verhalten seines himmlischen Vaters aus: Sich um den ganzen Menschen zu kümmern: Ihm ist nicht nur die Seele wichtig sondern ebenso der Leib. Nicht nur die Seele des Menschen soll zur Vollendung in seiner Herrlichkeit gelangen sondern auch der Leib. So macht es Jesus seinem Vater nach, indem er ganze Arbeit macht – Nägel mit Köpfen sozusagen. Darin trifft er sich übrigens auch mit seiner Mutter: Die zahlreiche Walfahrtsorte Mariens bezeugen, dass Maria den Menschen von ihrem Sohn her Hilfe vermittelt in seelischen und leiblichen Nöten.

Die Art Gottes, auch unseren Leib ganz wichtig zu nehmen und ihm jene Vollendung und jene Herrlichkeit zu schenken, die auch der Seele zugedacht ist, will uns dazu bewegen, dass auch wir unseren Leib hochschätzen und ihm alle Sorge schenken, die er braucht. In der angemessenen und rechten Sorge um unseren Leib ahmen wir das Vorbild Gottes nach und erfüllen wir seinen Willen.

Das bedeutet ganz lebensnahe, dass wir auf ausreichend Schlaf achten und wir unserem Körper ausreichend Gelegenheit zur Bewegung geben. Oder dass wir uns Speis und Trank dankbar schmecken lassen. Oder dass wir ihn verschonen vor Überforderung im Sport und vor Mitteln, die ihm schaden: Vor Drogen, Alkohol, Nikotin und übermäßiger Kosmetik. Aber auch, dass wir ihn nicht um eines gewissen Nervenkitzels in seiner Gesundheit gefährden oder ihn gar der Todesgefahr aussetzen. Dermaßen sorgsam und klug mit unserem Körper umgehen heißt mitwirken an seiner Aufnahme in die Herrlichkeit des Himmels.

Damit wird klar, dass dieser Prozess nicht erst nach unserem leiblichen Tod einsetzt sondern sich bereits in jedem Augenblick dieses Lebens vollziehen möchte. Wir können auch sagen, durch gesunden Umgang mit unserem Leib begleiten wir ihn zur Herrlichkeit des Himmels und holen so schon jetzt den Himmel herab auf diese Erde. Wenn ich nun aber unseren Körper „Leib“ genannt habe, meine ich damit, dass der eigene Umgang mit unserem Körper unweigerlich Einfluss ausübt auf unsere Seele. In diesem Sinne fordert unsere hl. Mutter Teresa auf, unseren Leib so zu behandeln, dass unsere Seele sich darin wohl fühlt. Weil die Befindlichkeit unseres Leibes die Befindlichkeit der Seele mitbestimmt tun wir unserer Seele Gutes, wenn wir dem Leib gutes tun. Das Maß dieser Wohltat finden wir im Evangelium und da näher hin im Verhalten Jesu: So wie er mit seinem Leib umgegangen ist und mit dem Leib jener, die sich in leiblichen Nöten bei ihm Hilfe erhofften, gerade so dürfen auch wir unserem Leibe Gutes tun.

Verwenden wir gerade die noch verbleibende Zeit unseres Urlaubes dazu, auch an unserem Leib Großes zu tun, indem wir uns Ruhe gönnen und indem wir Gemeinschaft pflegen mit Gott und miteinander – denn auch die anderen sind Teil unseres Leibes. So helfen wir mit, dass Marias Lobgesang auch in unserem Leben schon jetzt Wirklichkeit wird: Der Herr hat Großes an uns getan! Amen!