Sonntag, Oktober 30, 2011

Der Heiligen Verdienste




Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 5: 1 – 12a

1Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm.
2Dann begann er zu reden und lehrte sie.
3Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
4Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
5Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.
6Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.
7Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
8Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.
9Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
10Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.
11Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.
12Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.





Mit Freude feiern wir heute die Verdienste aller Heiligen. Diese Freude ist nicht automatisch da; mit dieser Freude möchte Gott uns beschenken. In dieser Freude lenkt Gott unsere Aufmerksamkeit auf Menschen wie Du und ich, die sich besonders verdient gemacht haben.

Es ist wie im öffentlichen Leben: Wenn sich da Menschen durch ihr Wirken besonders hervortun, kommt früher oder später eine öffentliche Persönlichkeit und ehrt diese Menschen, indem sie ausdrücklich auf das hinweist, was diese Leute in hervorragender Weise getan haben; diese Ehrung wird dann zumeist ausgedrückt in einer Urkunde, einem Ehrenzeichen, einer Medaille oder einem Pokal.

Gerade dies geschieht auch am heutigen Fest: Auf alle Heiligen wir hingewiesen: seht doch ihre Verdienste! Nun werden weder einzelne Heilige noch einzelne Verdienste hervorgehoben. Es wird hingegen gesagt, dass es sich um eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen handelt, die niemand zählen konnte. (vgl. Offb 7:9) Offenbar eine internationale Versammlung, ein weltweites Meeting; nicht unterschieden in Mann und Frau, arm und reich, klein und groß. Diese Unterschiede spielen alle keine Rolle. Die haben mit dem Verdienst dieser Heiligen nichts zu tun.

Worin besteht aber dann ihr Verdienst? Wir lesen,
dass sie vor Gottes Thron und vor dem Lamm stehen (mit dem Lamm ist Christus gemeint) – in weißen Gewändern und mit Palmzweigen in den Händen;
dass sie etwas mit lauter Stimme rufen: „Die Rettung kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm.“ (Offb 7:10). Und am Schluss der ersten Lesung hören wir dann noch,
dass sie „aus der großen Bedrängnis kommen und dass sie ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht haben.“ Also: Vor Gott stehen – jenen Gott als Retter preisen, den sie in der großen Bedrängnis ihres Lebens auch als Retter erfahren haben. So sieht Johannes in einer Vision die Schar der Heiligen und ihre Verdienste.

Wie unsere Träume nun ihren Grund in der Wirklichkeit unseres Lebens haben so ist auch die Vision des Johannes aus dem Leben dieser Menschen emporgewachsen: Was Johannes in der Vision von diesen heiligen Menschen schaut, das haben sie zuvor in ihrem irdischen Leben verwirklicht: Sie sind auch hier auf Erden vor Gott gestanden, der auf dem Thron sitzt und vor dem Lamm; sie haben auch hier auf Eden jenen Gott als Retter bekannt, der sie auch wirklich aus ihrer Bedrängnis erretten wird.

Wir können aus all dem die Verdienste der Heiligen auf einen einfachen Nenner bringen:
Heilige sind Menschen, die in der Gegenwart Gottes leben;
es sind Menschen, die von jenem Gott reden, mit dem sie leben.
Und das ist zugleich das, was Heiligkeit ausmacht: In der Gegenwart Gottes zu leben – hier auf Erden und jenseits im Himmel! Und diesen gegenwärtigen Gott als den zu bezeugen, der im Lamm Gottes, in Jesus Christus, zu uns gekommen ist, um die Sünde der Welt hinwegzunehmen und uns so zu erlösen.

Deswegen zeichnet es Heilige aus, dass in ihrer Gegenwart Gottes Gegenwart spürbar wird – ob sie das wollen oder nicht. Gott haftet ihnen gleichsam an wie ein herrlicher Duft, ein Parfum, das sie nicht loswerden können.
Sie sind wie die Strahlen der Sonne: In die Sonne kann man nicht schauen, ohne zu erblinden; aber im Licht der Sonnenstrahlen können wir die Welt in ihrer wunderbaren Schönheit wahrnehmen. Die Verdienste der Heiligen ist all das, was Gott ihnen geschenkt hat, dass sie es dankbar annehmen, und sich im Teilen mit den Mitmenschen daran erfreuen. Es ist der Segen, den Gott durch sie verschwenderisch ausbreitet auf ihre Mitmenschen und auf die ganze Schöpfung.

Ein besonderes Verdienst der Heiligen ist es, dass wir an ihnen unsere schönste Berufung erkennen können: In der Gegenwart Gottes zu leben und ihn durch Wort und Tat als unseren Erlöser und Heiland zu preisen. In ihrem Wesen ist unsere christliche Berufung Berufung zur Heiligkeit! Aufgrund unserer Taufe haben wir deshalb bereits alle m Glauben, Hoffen und Lieben Anteil an ihrer Gemeinschaft. Die gemeinsame Berufung verbindet uns miteinander und bindet uns durch die Gotteskindschaft an den dreifaltigen Gott, der gepriesen sein in Ewigkeit! Amen!

Donnerstag, Oktober 27, 2011

Einer nur ist euer Meister!




Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 23: 1 – 12

1In jener Zeit wandte sich Jesus an das Volk und an seine Jünger
2und sprach: Die Schriftgelehrten und die Pharisäer haben sich auf den Stuhl des Mose gesetzt.
3Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen, aber richtet euch nicht nach dem, was sie tun; denn sie reden nur, tun selbst aber nicht, was sie sagen.
4Sie schnüren schwere Lasten zusammen und legen sie den Menschen auf die Schultern, wollen selber aber keinen Finger rühren, um die Lasten zu tragen.
5Alles, was sie tun, tun sie nur, damit die Menschen es sehen: Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten an ihren Gewändern lang,
6bei jedem Festmahl möchten sie den Ehrenplatz und in der Synagoge die vordersten Sitze haben,
7und auf den Straßen und Plätzen lassen sie sich grüßen und von den Leuten Rabbi - Meister - nennen.
8Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder.
9Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel.
10Auch sollt ihr euch nicht Lehrer nennen lassen; denn nur einer ist euer Lehrer, Christus.
11Der Größte von euch soll euer Diener sein.
12Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.





Wenn Jesus heute im Evangelium die Lebensführung der Schriftgelehrten und Pharisäer unter die Lupe nimmt tut er dies mit liebenden Augen. Nicht Sensationslust leitet ihn sondern die Sorge um ein wahrhaftiges Leben seiner Zuhörer. Er ist nicht ein Reporter, der mit Skandalmeldungen die Auflage seiner Zeitung in die Höhe peitschen möchte sondern der Sohn jenes Gottes, der nicht nur Hörer und Verkünder sondern auch Täter seines Wortes haben möchte. Hören, Reden und Tun soll eine Einheit ohne Widerspruch sein. Jesus kann völlig zu Recht die Worte des heutigen Evangeliums aussprechen, denn er ist der, dessen Wort und Tat in völligem Einklang mit dem Willen Gottes stehen.

Wenn Jesus seine Worte an das Volk und an seine Jünger richtet, dann nicht, um ihnen zu sagen: schaut wie schlecht und heuchlerisch und inkonsequent eure religiösen Führer sind; er redet sie vielmehr deshalb an, weil er sie vor diesen Fehlhaltungen bewahren möchte. Er weiß, dass auch sie gefährdet sind. Somit sind die heutigen Worte Jesu ein Spiegel, den er seinen Jüngern zu allen Zeiten vorhält und sie fragt: Ist euer Leben eine heilige Einheit? Lebt ihr, was ihr predigt? Oder seid ihr euch zumindest eurer Inkonsequenz bewusst und bemüht ihr euch ehrlich, eurer Berufung gemäß zu leben? Wenn ihr die Leute zum Beten einladet, seid ihr dann die ersten oder zumindest die Letzen die beten? Und wenn ihr sie zum Fasten ermuntert, steht ihr dann mit ihnen unter der Entsagung? Und wenn ihr von den Leuten ein keusches Leben verlangt, meidet ihr dann in Gedanken und Werken Ausschweifung und Unzucht?

Das heutige Evangelium muss wie eine brennende Desinfektion Tropfen für Tropfen in die eitrigen Wunden eines inkonsequenten und unehrlichen Lebens träufeln und uns so lange schmerzhaft an das erinnern, was unserer Berufung als Mensch, als Christ, als Seelsorger widerspricht, bis wir zumindest den Weg der Umkehr und der Erneuerung hin zu einem Leben gehen, indem sich alles im Denken, Reden und Tun mehr und mehr allein auf Gott hin ausrichtet.

Es ist erschütternd, dass Jesus ausgerechnet an den religiösen Führern des Volkes Fehlhaltungen aufzeigt, die er bei den anderen Leuten nicht kritisiert. Man möchte doch meinen, gerade die religiösen Führer sollten von diesen Fehlhaltungen frei sein: Von der Heuchelei; davon, dass sie den Menschen durch die Auslegung der Gebote Gottes das Leben schwer machen; von der Ehrsucht. Und was sie von all dem freihält sollte doch eigentlich ihre Nähe zu Gott sein! Wie ist es nur möglich, mit dem Wort Gottes täglich ganz eng auf Tuchfühlung zu sein, täglich Gottesdienst zu feiern und so Gott ganz nahe zu sein – und dennoch in diesen Fehlhaltungen zu leben – und gebe Gott in nicht noch viel schlimmeren!? Müsste diese Nähe zu Gott nicht gleichsam von alleine eine Angleichung an Gott selber bewirken, so dass die Diener Gottes ungetrübt Gottes Güte den Menschen weitergeben? Offenbar nicht!

Aber warum nicht? Weil die Diener Gottes nicht zuerst Übermittler der Liebe Gottes an die Menschen sein dürfen! Zuerst müssen sie selber Gemeinte und Betroffene, weil Getroffene der Liebe Gottes sein! Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Gnade, die Liebe und das Leben Gottes an ihnen vorbei zu den Menschen fließt. Sie müssen Mitbetroffene, ja zuerst Betroffene sein von Gott – von seiner Gegenwart, seinem Wort, seinem Willen, seinem Leben!

Wem viel gegeben wird, von dem wird um so mehr gefordert, hat Jesus selber einmal gesagt. Im Hinblick auf die Diener Gottes bedeutet dies, dass sie sich in Gottes Gegenwart begeben zuerst einmal um ihrer selbst willen – und dann erst um der Menschen willen, zu deren Dienst sie bestellt sind.

Schauen wir nur auf die Jünger Jesu: Bevor die zu den Menschen geschickt wurden hat der Herr sie in seine Nähe gerufen und sie durch ein Leben in seiner Gegenwart gebildet und geformt zu seinen Zeugen! Und was für eine Schule haben sie da durchlebt an Selbsterkenntnis und an Erkenntnis des dreifaltigen Gottes. Sie haben gelernt, Jesus Rabbi und Meister zu nennen und Gott Vater! Sie haben gelernt zu dienen und ihr Leben hinzugeben.

Das ist eine Lebensschule für die Jünger Jesus – eine Schule, die ein Leben lang dauert, nur in ihr können sie Jesus nachfolgen und sein Evangelium wirkmächtig zu den Menschen bringen. Hier auf Erden ist diese Schule der Platz von uns Christen, wir können sie auch Kirche nennen. Amen!

Freitag, Oktober 21, 2011

Am größten aber ist die Liebe




Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 22:34 – 40

In jener Zeit,
34als die Pharisäer hörten, dass Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie bei ihm zusammen.
35Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe stellen und fragte ihn: Meister,
36welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?
37Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken.
38Das ist das wichtigste und erste Gebot.
39Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
40An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.





„Welches Gebot im Gesetz ist das Wichtigste?“ Bei 248 Geboten und 365 Verboten im jüdischen Gesetz ist das eine berechtigte Frage. Jedoch darf fas nicht heißen, dass es da wichtigere und weniger wichtige Gebote gäbe, denn alle Gebote sind Weisung Gottes und sind deshalb zu erfüllen; es gibt keine „unwichtigen“ Gebote. Und die Erprobung durch den Gesetzeslehrer könnte darin bestehen, dass er Jesus zu so einer Hierarchie verführen wollte, in der es wichtigere und weniger wichtige Gebote gibt.

Jesus geht jedoch nicht in diese Falle. Er beantwortet die Frage so, dass er jenes Gebot nennt, das alle anderen gleichsam in sich enthält und trägt. Diese Antwort ist vor allem für jene Menschen wichtig, die nicht Gelegenheit haben, das jüdische Gesetz ausführlich zu studieren. Für sie ist es wichtig, eine Richtschnur zu haben, an der sie ihren Alltag und ihr Glaubensleben ausrichten können. Eine solche Zusammenfassung ist aber auch für die Heiden interessant, die dem Judentum offen gegenüberstehen.

Jesus gibt diese Richtschnur im Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Mt 22:37ff)

Jesus erhebt die Liebe zum tragenden Grund jeglicher Gesetzeserfüllung. Diese Liebe bestimmt er in ihrer dreifachen Ausrichtung auf Gott, den Mitmenschen und auf sich selbst. Zudem spricht er die Liebe in ihrer ganzen Fülle an: Lieben mit ganzem Herzen meint die gefühlsmäßige, zärtliche Ebene der Beziehung. Lieben mit ganzer Seele meint auf der mystischen Ebene die Sehnsucht nach Einheit und die Übereinstimmung mit Gott in „Seelenverwandtschaft“. Lieben mit ganzer Einsicht spricht die verstandesmäßige Ebene an. Sowohl in der Liebe zu Gott wie auch in der Liebe zum Mitmenschen braucht es alle drei Ebenen für eine geglückte und liebevolle Beziehung. (vgl. Grilli/Langner 355ff.)
So stellt uns Jesus im Doppelgebot unser Herz vor Augen, das mit einer Liebe Gott, den Nächsten und sich selbst umfängt. Das bedeutet für uns etwa, dass wir nicht uns selber hassen Gott und den Nächsten aber lieben können. Es heißt auch, dass wir Gott mit der Liebe umfangen, die wir zum Nächsten im Herzen tragen. Wenn ich also dem Nächsten Feind bin, bin ich es auch Gott; wenn ich dem Nächsten misstraue , misstraue ich auch Gott. Wenn ich den Nächsten verachte, verachte ich auch Gott. Diesen Aspekt unseres Liebens prägt uns Jesus ganz scharf ein, wenn er uns in einem Gleichnis zuruft: „Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan!“ (Mt 25:45)

Mit dem doppelten Liebesgebot gibt Jesus uns ein Werkzeug in die Hand, eine Bestandsaufnahme unserer Liebe zu machen und ihre tatsächliche Befindlichkeit zu erkennen. Damit wir nicht etwa meinen, wir liebten einerseits Gott mit glühendem Herzen während wir auf der anderen Seite mit unserem Nachbar in unversöhnlicher Feindschaft leben. Es ist vielmehr so, dass wir Gott in dem Maße lieben wie wir unseren Nächsten lieben – nicht mehr und nicht weniger!

Unsere hl. Mutter Teresa hat schon sehr klar bemerkt, dass wir nie genau sagen können, wie sehr wir Gott lieben; sehr wohl aber können wir erkenne, wie sehr wir unseren Nächsten lieben. Das hat sie dem Evangelisten Johannes nachgesagt, der in gleichem Sinn in seinem 1. Brief schreibt: „Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott!, aber seinen Bruder hasst, ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht.“ (1 Joh 4:20)

Wenn wir das nun so recht bedenken, sehen wir, dass die Liebe keine Selbstverständlichkeit ist sondern eine Gabe, um die wir beten müssen – wie eben vorhin im Tagesgebet: „Allmächtiger, ewiger Gott, mehre in uns den Glauben, die Hoffnung und die Liebe.“ Und dann: Gib uns die Gnade, zu lieben, was du gebietest.“ Nur so können wir uns allmählich dem tragischen gegenseitigen Verrat verweigern, der nach Mario von Galli in der fehlenden Bereitschaft zu lieben besteht. Man kann einen Menschen nicht schlimmer verraten, als wenn man ihm die Liebe verweigert. In unserer Welt ist einfach zu wenig Liebe. Und gerade um diese Liebe geht es Jesus, dass wir sie haben und aus ihr leben! Amen!

Mittwoch, Oktober 19, 2011

Teresa von Avila





Erneut stehen wir am Hochfest unserer hl. Mutter Teresa von Avila vor dem Herrn. Wir danken ihm, dass er uns diese Frau geschenkt hat als Mutter, als Begleiterin und als Vorbild. Als ihre Kinder blicken wir auf sie in der Hoffnung, dass der Herr uns von ihrem Geist gebe in den Situationen, in denen wir uns befinden. Der aufmerksame Blick auf ihr Leben und ihre Lehre öffnet uns für das, was sie uns geben möchte zur Stärkung, zur Erleuchtung und zur Orientierung.

Wenn wir uns in einer Kirche erleben, deren Glieder schwer miteinander auskommen können; die unter ihrer eigenen Schwäche leidet; die mit Mühe den Weg des Evangeliums geht. Dann blicken wir auf Teresa und sehen, wie sie auf den Zustand der Kirche in ihrer Zeit reagiert hat: sie hat darunter gelitten, sie hat darüber geklagt und sich dabei an den Herrn gewandt; ihre Klage wurde Gebet; und aus dem Gebet ist die Bereitschaft gewachsen, alles ihr mögliche zu tun, um der Kirche zu helfen. Dieses für sie Mögliche war ein konsequentes Leben als Karmelitin. Ein Leben der Hingabe im Gebet und in der Liebe zu ihren Mitschwestern. Bei ihrem Blick auf die Kirche hat sie keine Perspektive gescheut: Sie blieb offen für die einzelnen Dimensionen der Kirche, die sich ihr damals eröffneten.

Die erste Dimension war ihre eigne Unvollkommenheit. Sie ließ sich von einem langen Ordensleben frustrierender Halbheit nicht umbringen sondern war im entscheidenden Augenblick ihres Lebens bereit, angesichts des Herrn an der Geißelsäule, ihr Leben von Grund auf zu ändern, den Halbheiten abzuschwören und fortan dem Gebet und der Nähe des Herrn den absoluten Vorrang zu geben. Frucht dieser Entschlossenheit ist San Jose in Avila, das erste Kloster ihrer Reform – einer Bewegung, die Spanien, Europa und schließlich die ganze Welt erfasste; überall auf der Welt leben und beten und lieben Schwestern im Geist unserer hl. Mutter.

Diese Dimension entdecken wir auch in uns selber: Wir wissen um unsere eigene Unvollkommenheit, Halbheit und Oberflächlichkeit; wir möchten liebevoller und dem Herrn ergebener sein und müssen doch immer wieder unser Versagen erleben. Der erlöste und der unerlöste Mensch in uns liefern sich oft genug einen zermürbenden Kampf. Lassen wir uns von ihr gesagt sein, in diesem Kampf nicht müde zu werden – nicht müde zu werden, im Gebet die Gegenwart des Herrn aufzusuchen, was immer wir auch anstellen mögen.

Die zweite Dimension eröffnet sich ihr in den schrecklichen Ereignissen der Reformation in Frankreich und Deutschland. Ihr wurde bewusst, dass die Kirche in dieser Zerrissenheit ihrem Herrn von neuem unsägliches Leid bereitet; dass er verachtet und geschändet ein weiteres Golgota erleben muss. Das hat auch ihr das Herz zerrissen und ihr äußerst schmerzlich gezeigt, wofür sie zu beten und zu leben hat. Und sie hat dieses Anliegen des zerrissenen Leibes Christi tief in der Gesinnung ihrer Gemeinschaft verwurzelt.

Was sollen wir heute dazu sagen? Mit den Evangelischen kommen wir soweit gut aus, obwohl wir die volle Einheit noch nicht erreicht haben und nach wie vor an einer klaffenden Wunde der Kirche leiden. Daran haben wir uns schrecklicher Weise schon gewöhnt Aber wir Katholiken kommen da untereinander viel schwerer aus: Was gibt es da an bösem Streit, an ungezügeltem Eifer, an schlimmen Unterstellungen, an mangelnder Bereitschaft, das Gute in den anderen anzuerkennen. Was gibt es da nicht auch für Missstände im Klerus und Gleichgültigkeit unter den Laien; Was macht das alles mit uns? Zerreißt das auch unser Herz? Oder ist es bereits zu hart, zu träge, zu gefühllos dafür? Möge uns Teresa da von ihrer eigenen unergründlichen Berührbarkeit schenken und ein Herz das zerreißbar ist wie ein Blatt Papier!

Zu dieser Dimension gehört auch, was sie aus Amerika erfahren hat über die dortigen Indianer und über den Umgang mit ihnen. Entsetzt war sie darüber und hat ihr Herz geweitet für diese Menschen. Ihr ist in diesem Zusammenhang die weltweite Bedeutung der Karmelberufung deutlich geworden. Wie die Seelenburg ist ihr Herz geworden – offen für jedes Anliegen und jede Not. Der Herr hat dem Gebet ihrer Schwesterngemeinschaft die ganze Welt anvertraut.

Unsere hl. Mutter erbitte auch uns ein wahrhaft betendes Herz, das mit den Frohen sich freut und mit den Leidenden leidet – immer jedoch in der Gegenwart des Herrn – die möge uns immer stärken und trösten, erleuchten und froh machen. Amen!

Wessen Abbild?




Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 22: 15 – 21

In jener Zeit
15kamen die Pharisäer zusammen und beschlossen, Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen.
16Sie veranlassten ihre Jünger, zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen und zu sagen: Meister, wir wissen, dass du immer die Wahrheit sagst und wirklich den Weg Gottes lehrst, ohne auf jemand Rücksicht zu nehmen; denn du siehst nicht auf die Person.
17Sag uns also: Ist es nach deiner Meinung erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht?
18Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum stellt ihr mir eine Falle?
19Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Da hielten sie ihm einen Denar hin.
20Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das?
21Sie antworteten: Des Kaisers. Darauf sagte er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!




Steuer zahlen war im Palästina zu Zeit Jesu ein heikles Thema – nicht nur weil sie durchwegs unverschämt hoch war sondern weil damit auch Stellung bezogen wurde: Wer Steuern zahlte erkannte die römische Herrschaft an und das war zugleich theologisch gesehen ein Affront gegen Gott und seine Herrschaft. Wer die Steuer verweigert deklarierte sich als Feind des Kaisers und als Aufständischer.

Wenn die Pharisäerjünger und die Herodianer Jesus fragen, ob es erlaubt ist, dem Kaiser Steuern zu zahlen, fragen sie damit eigentlich: entspricht es oder widerspricht es dem Willen Gottes, dem Kaiser Steuern zu zahlen. Darin liegt die Bosheit und die Versuchung der Fragesteller: Sie möchten Jesus verleiten, etwas zu sagen, was dem Willen Gottes widerspricht.

Jesus geht in seiner Antwort nun genau auf die Frage ein, was erlaubt ist, was also dem Willen Gottes entspricht: dem Kaiser soll das des Kaisers gegeben werden, also das, was ihm gehört und was man ihm eventuell schuldet. Was das ist müssen die Leser in ihrer Situation aktualisieren: In diesem Fall sind es Steuern; es können aber auch Respekt oder Gehorsam sein! Was also dem Kaiser gegeben werde soll ist in das Ermessen und in die Verantwortung eines jeden einzelnen gelegt.

Gleichzeitig soll aber auch Gott das Gottes gegeben werden, das heißt das, was man Gott schuldet, was Gott gebührt, wozu Gottes Weisung verpflichtet. Damit wird klar zwischen dem des Kaisers und dem Gottes getrennt. Ich darf also nicht behaupten, weil ich schon Steuern bezahlt habe, brauche ich dem Bedürftigen kein Almosen mehr zu geben. Die Leser müssen auch hier aus der jeweiligen Situation realisieren, wozu sie Gottes Wille und Weisung generell und aktuell verpflichten. Dabei ist für den Gläubigen klar, dass das Tun des Willens Gottes den ganzen Menschen und sein ganzes Leben betrifft.

Damit stellt Jesus klar, dass es zwischen „dem des Kaisers“ und „dem Gottes“ keinen Konflikt geben kann. Dem Kaiser das zu geben, was des Kaisers ist, nimmt Gott also nichts weg sofern zugleich Gott das gegeben wird, was er erwartet.

Des weiteren sagt Jesus durch seine Antwort, dass es nicht nur um einzelne gute Taten geht sondern um das dauerhafte Erfüllen des Willens Gottes. (vgl. Grilli/Langner 348ff.)

Es ist bemerkenswert, wie Jesus in diesem Gespräch vorgeht. Er hat zuerst einmal den Durchblick und erkennt die ungute Absicht seiner Gesprächspartner: Sie wollen seine Lehrautorität in Frage stellen.

Und dann geht er den Dingen auf den Grund, das heißt, er schaut sich eine Steuermünze an und fragt nach Abbild und Aufschrift; beides sagt aus, wem diese Münze gehört. Nachdem im Kaiser der Besitzer dieser Münze benannt wird, soll ihm gegeben werden, was ihm gehört.

Dann geht Jesus aber einen Schritt weiter, mit dem niemand gerechnet und den niemand erfragt hat: Er fügt mit betontem „Und“ an: Und Gott gebt, was Gott gehört! Dieser Schritt ist nur verständlich von seiner umfassenden Hinordnung auf Gott. In dieser Hinordnung wird die Steuermünze mit Bild und Aufschrift des Kaisers zu einer Frage: Wo ist denn das Abbild Gottes und seine Aufschrift drauf? Wo ist die Steuermünze Gottes? Oder noch tiefer: Wer ist die Steuermünze Gottes.

Hierher passt die Geschichte von einem Rabbi, den sein Schüler fragt: Kannst du mir sagen, wo Gott ist? Der Rabbi antwortet ihm: Kannst du mir sagen, wo Gott nicht ist?

Auf der Suche nach der Steuermünze Gottes werden wir fündig bei der Schöpfung des Menschen, von dem es heißt, Gott habe ihn nach seinem Abbild und seinem Gleichnis geschaffen (Gen 1:26) Das heißt dann für den Gläubigen, dass er sich selber ganz und gar Gott zu geben habe, weil er Gott gehört. Aber auch der Andere ist Steuermünze Gottes und also Gott zu geben, weil er Gott gehört.

Wie das geht, sich selber und den Anderen als „Steuermünze Gottes“ Gott zugeben, hat uns der vorgelebt, der als reinstes Abbild Gottes von sich sagen kann: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen!“ (Joh 14:9 vgl. auch Kol 1:15; Phil 1:6) Jesus! Er hat im Hinblick auf Gott und auf die Menschen völlig nach dem Willen seines Vaters gelebt. Wenn auch wir das tun, leuchtet Gottes Abbild und Aufschrift in uns auf und wir geben Gott, was Gott gehört! Amen

Ladet alle ein!


Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 22: 1 – 14

In jener Zeit
1erzählte Jesus den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes das folgende Gleichnis:
2Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der die Hochzeit seines Sohnes vorbereitete.
3Er schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen. Sie aber wollten nicht kommen.
4Da schickte er noch einmal Diener und trug ihnen auf: Sagt den Eingeladenen: Mein Mahl ist fertig, die Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit!
5Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden,
6wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um.
7Da wurde der König zornig; er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen.
8Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren es nicht wert, eingeladen zu werden.
9Geht also hinaus auf die Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein.
10Die Diener gingen auf die Straßen hinaus und holten zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen.
11Als sie sich gesetzt hatten und der König eintrat, um sich die Gäste anzusehen, bemerkte er unter ihnen einen Mann, der kein Hochzeitsgewand anhatte.
12Er sagte zu ihm: Mein Freund, wie konntest du hier ohne Hochzeitsgewand erscheinen? Darauf wusste der Mann nichts zu sagen.
13Da befahl der König seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße, und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen.
14Denn viele sind gerufen, aber nur wenige auserwählt.

Es ist einfach berührend, wie der König bemüht ist um die Gäste für die Hochzeit seines Sohnes. Ein Bild dafür, wie sehr Gott möchte, dass wir Menschen in sein Reich der Himmel eintreten.

Zuerst lässt er eingeladene Gäste durch seine Diener rufen. Die aber wollten nicht kommen! Sie hatten kein Interesse an der Hochzeit.

Der König versucht es noch einmal – eindringlicher, indem er ihnen das Mahl schmackhaft macht; das Wasser soll ihnen im Mund zusammenrinnen: Das Mahl ist fertig! Die Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit!

Die Reaktion der Geladenen ist noch krasser: sie kümmert das alles nicht; es lässt sie kalt; lieber gehen sie auf den Acker und in den Laden arbeiten als eine Hochzeit mitzufeiern. Eine Motivation für dieses Verhalten wird nicht angegeben; es ist grundlos böse – was sich besonders in jenen zeigt, die die Diener des Königs misshandelten und umbrachten!

Wir sehen: es liegt nicht am König, dass die Geladenen nicht an der Hochzeit teilnehmen. Es liegt an ihnen selber: an ihrem Desinteresse. Sie haben sich selber ausgeladen.

Dieses fehlende Interesse am Reich Gottes wird auch an jenem Mann erkennbar, der keine hochzeitliche Kleidung anhatte. Alle anderen hatten sich trotz der zeitlich knappen und überraschenden Einladung doch irgendwie und so gut wie möglich hergerichtet, weil ihnen an der Einladung zu diesem Mahl gelegen ist. Dieser eine Mann aber, den der König noch liebevoll mit „mein Freund“ anredet, weiß keine Antwort auf die Frage des Königs! Der hätte jede Entschuldigung akzeptiert. Dieser Mann hatte keine Worte weil er kein Interesse an diesem Hochzeitsmahl hatte. Ihm ging es bloß ums Essen und Trinken. Darum ist er deplaziert und wird entfernt.
Die völlig unbegründete, unverständliche und böse Ablehnung der Geladenen kann die Offenheit des Königs nicht schmälern. Vielmehr schickt er seine Diener jetzt hinaus auf die Straßen, um alle ausnahmslos einzuladen, die sie Treffen – Gute und Böse. Bei den Bösen ist dabei an jene zu denken, die damals am Rande der Gesellschaft lebten, die Zöllner, Sünder und Huren. Für alle ist an der Hochzeitstafel im Himmelreich Platz; jeder ist willkommen. Wirklich jeder? Ja, jeder, der die Einladung freudig und so gut er kann annimmt.

Dieses Gleichnis ist an alle gerichtet: an die Zuhörer Jesu damals –an die Hohenpriester und Ältesten des Volkes gleichermaßen wie an seine Jünger – an die Gemeinde des Matthäus und an uns heute, die wir uns um dieses Wort versammelt haben.

Unser Interesse am Reich Gottes erkennen wir zum Beispiel daran, dass wir uns fragen, in welchen der erzählten Personen wir uns wiederfinden: Gehören wir zu den Dienern, die der König geschickt hat, die Geladenen zur Hochzeit zu rufen? Und die immer wieder die Einladung des Königs überbringen, auch wenn sie auf Desinteresse stoßen und gar wegen ihres Dienstes verachtet und verfolgt werden?

Oder sind wir jene Eingeladenen, die dieser Einladung nicht wert sind, weil sie gar nicht wissen, was ihnen da geschieht, weil sie sich gar nicht für das Reich Gottes interessieren und ihr Interesse auf dem armseligen „Himmelreich“ ihres Feld oder ihres Ladens stillen.

Oder zählen wir zu jenen, die von dieser Einladung völlig überrascht wurden und nicht wissen wie ihnen geschieht und wie sie dies verdient haben; die kaum Zeit hatten, sich halbwegs dafür herzurichten; die sich anfangs nicht ganz wohl fühlten und erst durch die herzliche Wärme des Königs am Hochzeitstisch des Himmelreiches beheimatet wurden.

Vergessen wir auf jeden Fall nicht Jesu abschließendes Wort: Viele sind gerufen, aber nur wenige auserwählt! Das sagt Jesus im Präsens; das heißt, der Ruf zum Hochzeitsmahl ergeht nach wie vor; die Erwählung bleibt bestehen! Werden wir uns dessen von neuem bewusst, freuen wir uns darüber, kehren wir nötigenfalls um und tun wir unser Möglichstes, dieser Einladung zu folgen. Amen! (vgl. Grilli/Langner 340ff.)

Dienstag, Oktober 18, 2011

Erwartete Früchte bringen



Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 21: 33 – 44

In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes:
33Hört noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land.
34Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seinen Anteil an den Früchten holen zu lassen.
35Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, einen dritten steinigten sie.
36Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; mit ihnen machten sie es genauso.
37Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben.
38Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn töten, damit wir seinen Besitz erben.
39Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um.
40Wenn nun der Besitzer des Weinbergs kommt: Was wird er mit solchen Winzern tun?
41Sie sagten zu ihm: Er wird diesen bösen Menschen ein böses Ende bereiten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist.
42Und Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder?
44Und wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen; auf wen der Stein aber fällt, den wird er zermalmen.
43Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die erwarteten Früchte bringt.



„Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die erwarteten Früchte bringt.“ (Mt 21:43)
Erst mit diesen Worten sagt Jesus, dass mit dem Weinberg das Reich Gottes gemeint ist. Und um diesen „Reich Gottes Weinberg“ ist ein großes Geriss: Der Gutsbesitzer fordert zu Recht von den Pächtern seinen Anteil am Weinberg; diese verweigern zu Unrecht den Pachtzins und wollen ihn schließlich überhaupt ganz in Besitz nehmen.

Der Ausgang dieses Konfliktes wird für die Pächter schlimm enden; er ereignet sich aber in der Zukunft; das bedeutet, dass die Pächter noch die Chance zur Umkehr haben, damit sie sich mit dem Gutsbesitzer einigen.
Es ist auch die dominante Stellung des „Reich Gottes Weinbergs“ bemerkenswert: Dass etwa viele Sklaven des Gutsherrn und schließlich sogar sein Sohn bei diesem Konflikt ums Leben gekommen sind wiegt nicht so viel als wie der rechte Umgang mit dem „Reich Gottes Weinberg“. Alles ist ihm untergeordnet.
Mit diesem Gleichnis spricht Jesus seine Zuhörer damals und heute an. Der erst in Zukunft in Aussicht gestellte Ausgang des Konfliktes nimmt uns alle in Pflicht und lässt uns fragen, wie den der „Reich Gottes Weinberg“ denn ausschaut, den Gott mir anvertraut hat? Und ob ich bereit bin, seine Früchte zu teilen?

Die Pächter des Weinbergs haben im Gleichnis offensichtlich eigne Pläne mit dem Reich Gottes. Sie wollen es für sich behalten und mit niemandem teilen. Das heißt, sie haben eine bestimmte Vorstellung vom Reich Gottes und wer sich diesen Vorstellungen nicht anschließt, wird eliminiert wie die Sklaven und der Sohn des Gutsbesitzers. Ihr Verhalten ist von extremer Intoleranz geprägt. Erliegen auch wir der Gefahr, das Reich Gottes ausschließlich nach unserer Fasson zu gestalten und es so verschließen für andere. Wir wollen so etwas Geschlossenes und für andere Verschlossenes machen aus einer für alle offenen Wirklichkeit.

Die Offenheit des Reiches Gottes kommt von der Offenheit Gottes selber her. Im Gleichnis dargestellt im Verhalten des Gutsbesitzers: Der legte mit aller Sorgfalt einen Weinberg an mit hohem Zaun, Kelter und Turm. Und nun behält er ihn nicht für sich sondern übergibt ihn Pächtern: auch die sollen von diesem Weinberg leben. Und er vertraut ihn ganz an, so sehr, dass er sogar in ein anderes Land zieht.

Die Offenheit des Reiches Gottes ist zudem eine Größe, die ihm nicht genommen werden kann. Der Gutsbesitzer im Gleichnis sorgt für ihren Bestand, indem er den Weinberg den verschlossenen Pächtern nehmen und ihn einem anderen Volk geben wird, das die erwarteten Früchte bringt.

Außerdem ist diese Offenheit etwas, das dem Gutsbesitzer überaus wertvoll ist: er setzt dafür seine Sklaven und schließlich seinen Sohn ein. Sie gibt er her in der Einforderung der Früchte des Weinsbergs, das heißt also dafür, dass das Reich Gottes eine lebendige, Leben spendende, offen zugängliche Wirklichkeit bleibt.

Da wir unsere Kirche als diesen Weinberg sehen sollen und als wachsende Verwirklichung des Reiches Gottes hier auf Erden, entdecken wir auch in ihrer Geschichte immer wieder dieses Ringen um Offenheit und gegen das Verschließen vor bestimmten Menschen. Die Kirche darf nicht einem Club von auserwählten Pächtern gehören. Sie gehört aller Welt und allen Menschen. Exemplarisch möchte ich in diesem Bemühen um eine offene Kirche auf das 2. Vaticanum verweisen. Aber dieses Ringen setzte sich seither fort und hält uns nach wie vor in Atem, wie das heftige Bemühen um die Bewältigung der Probleme in unserer Kirche jüngst zeigt.

Als Christen stehen wir alle mitten in diesem Prozess. Wir sind berufen kraft unserer Gotteskindschaft, die wir in der Tauf geschenkt bekamen, im Weinberg der Kirche zu arbeiten und gemäß unser Aufgabe Frucht zu bringen. Dabei mag uns ein Wort aus der heutigen 2. Lesung Orientierung geben: Was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist, darauf seid bedacht! (Phil 4:8) Auf diese Weise hat Gott uns in seiner Güte mehr gegeben als wir verdienen und größeres, als wir erbeten haben. Setzten wir alles darein, dieser großen Gabe gemäß zu leben und zu wirken. Amen!