Sonntag, April 29, 2012

Lieben wie Jesus!


Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 15: 9 – 17

9Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!
10Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.
11Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.
12Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.
13Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.
14Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage.
15Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.
16Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet.
17Dies trage ich euch auf: Liebt einander!






Heute gibt Jesus uns im Evangelium sein Gebot:
„Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe!“ (Joh 15:12)
Wie hat Jesus uns geliebt?
Indem er sein Leben für uns hingibt;
indem er uns Freunde und nicht mehr Knechte nennt;
indem er uns alles mitteilt, was er von seinem Vater gehört hat und uns so teilhaben lässt am unergründlichen Geheimnis seines Herzens.
Jesus liebt uns grenzüberschreitend, ja, grenzenlos.
Ob wir mit diesem Lieben und mit diesem Gebot nicht überfordert sind?
Ob die Jünger Jesu dieses Gebot verstanden und gelebt haben?

Die erste Lesung gibt Antwort auf diese Frage.

Petrus geht in Cäsarea zu einem römischen Hauptmann, namens Kornelius. Die Römer waren Besatzungsmacht im Palästina von damals. Sie wurden von den Juden gehasst, weil sie das Volk grausam unterdrückten. Zu so einem Menschen also geht Petrus.

Aber das scheint kein so ein Mensch zu sein! Kornelius geht vielmehr dem Petrus entgegen und warf sich ehrfürchtig vor ihm zu Boden. Das hätte man sich von einem Römer und schon gar von einem Hauptmann nun allerdings zuletzt erwartet: dass er sich vor einem Juden zu Boden wirft. Aber offenbar gibt es solche Römer und solche Römer und sind nicht alle Römer gleich.

Für Petrus jedenfalls war das Verhalten dieses Römers ein beeindruckendes Zeichen, ein Zeichen der Umkehr, ein Zeichen für das Wirken Gottes. Und Petrus deutet dieses Zeichen, wenn er spricht:
„Wahrhaftig, jetzt begreife ich,
dass Gott nicht auf die Person sieht,
sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist,
wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.“ (Apg 10:34f.)

Petrus erkennt, dass die Liebe Gottes nicht auf das jüdische Volk beschränkt bleibt; dass diese Liebe Gottes die Grenze seines Volkes überschreitet und auch die Römer ergreift. Die Liebe Gottes zu uns Menschen kennt keine Grenze; sie ist grenzenlos.

Petrus nun geht dieser Liebe Gottes über die Grenzen hinweg nach: „Kann denn jemand denen das Wasser zur Taufe verweigern, die ebenso wie wir den Heiligen Geist empfangen haben“, so fragt er und ordnet dann an, diese Römer im Namen Jesu Christi zu taufen. (Apg 10:47)

Da ist also einmal die Grenzenlosigkeit, die Gott uns im Lieben vorgibt. Sie will uns helfen, die Grenzen zu überwinden, die wir in unserem Lieben setzen, indem wir die Liebe verweigern, die wir einander schulden; indem wir schlecht voneinander reden und das Gute dabei übersehen; indem wir außer Acht lassen, dass Gott auch unsere Gegner und unsere Feinde liebt.

Nicht nur im Umgang mit Fremden, Flüchtlingen und Asylsuchenden ist das Streben nach dieser grenzenlosen Liebe Gottes von uns gefragt. Auch in unseren partnerschaftlichen Beziehungen, in unseren Familien, in unseren Gemeinden haben wir bereits unsere Grenzen gezogen etwa dadurch, dass wir bestimmte Themen tabuisieren; oder dadurch, dass wir nicht mehr aufrichtig miteinander reden oder dadurch, dass wir nicht mehr bereit sind wirklich aufeinander zu hören. Alle diese Grenzen machen uns zu Einsamen nebeneinander. Sie lassen uns immer wieder schmerzlich erfahren, dass wir noch unterwegs sind zu jener Liebe, mit der Jesus uns liebt.

Diese schmerzliche Erfahrung ist aber auch ein großes Glück für uns. Denn sie möchte uns zu jener grenzüberschreitenden Liebe Jesu führen, die für uns je und je größere Freiheit und größere Freude bedeutet. Das meint Jesus, wenn er seine Freude in uns und somit unsere Freude vollkommen haben will. Das Gebot des Herrn, einander zu lieben, wie er uns liebt, wird so zu einer Leiter aus dem Loch unseres eigensüchtigen Liebens heraus.

Es mag nun einer einwenden, dass wir die Latte, die Jesus uns durch sein Lieben gelegt hat, nie erreichen werden und dass wir auf diesem Weg einen Dauerfrust zu erwarten haben.

Daran stimmt, dass wir Jesus immer als unser Vorbild haben werden, das wir in dem Sinn nicht einholen können. Doch vergisst dieser Einwand, dass es etwas Schönes und Positives ist, wachsen zu dürfen und dass es etwas Beglückendes ist, so ein Vorbild zu haben wie Jesus und sich immer vor Augen halten zu dürfen, wie gern Jesus uns doch hat.

Fast möchte ich sagen: Wie gut ist es, dass wir im Lieben noch nicht vollendet sind, denn so haben wir immer wieder Anlass, uns an der Liebe Jesu uns Menschen gegenüber aufzurichten und auszurichten.

Darum ist es für unseren Weg des Liebens ganz wichtig, ja unerlässlich, dass wir die Liebe Jesu zu uns ganz ernst nehmen und uns immer wieder vor Augen halten, wie gern Jesus uns hat und was er alles für uns getan hat und auch heute, hier und jetzt für uns tut. Dieses Erwägen und Bedenken ist Gebet.

Je lebendiger auf diesem Wege das Lieben Jesu zu uns wird um so lebendiger kann auch unser Lieben zueinander werden.

Wir wollen beten: Gott, du hast uns die Freundschaft deines Sohnes geschenkt. Gieße deinen Geist über uns aus, damit wir einander lieben, wie du uns liebst. Durch Christus, unseren Herrn! - Amen!

Ineinander bleiben

 
Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 15: 1 – 8

1Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer.
2Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab, und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt.
3Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe.
4Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt.
5Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.
6Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.
7Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten.
8Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.






Wie schon am letzten Sonntag verwendet Jesus auch heute ein ansprechendes Bild, um die Gemeinschaft mit seinen Jüngern darzustellen. Er stellt uns das Bild vom Weinstock und den Rebzweigen vor Augen. Mit diesem Bild will er sagen, wie bedeutsam und wie tief für seine Jünger die Verbundenheit mit ihm, dem Herrn, sein soll. Von dieser Verbundenheit hängt die Fruchtbarkeit ihres Lebens ab. „Darum können sie keine Frucht bringen, wenn sie nicht in ihm bleiben“ und „getrennt von ihm können sie nichts vollbringen.“ (Joh 15:4.5)

Wir müssen bei diesen Worten bedenken, dass Jesus seine Jünger anspricht; er meint nicht jeden x-beliebigen damit, sondern jene meint er, die sich zu seinen Jüngern zählen. Und er spricht von Fruchtbarkeit . Damit meint er nicht die Erfolge ihres Lebens in wirtschaftlicher, politischer oder sozialer Hinsicht; damit meint er das, was ihrem Leben tiefste Erfüllung und letzten Sinn gibt. Den Jüngern Jesu ist damit eine Lebensdimension eröffnet, die den anderen Menschen fehlt: Es ist die Dimension des Reiches Gottes.

In diesem Reich Gottes zählt nicht der Erfolg, der Gewinn, der Profit, das Prestige – es zählt, ob ich das, was ich tue, aus der Verbundenheit mit Jesus heraus tue. Das kann in den Augen dieser Welt Misserfolg bedeuten – und dennoch besteht in mir Friede und Freude aus der Gewissheit heraus, dass ich getan habe, was Jesus von mir wollte. Diese Gewissheit kann mein ganzes Leben prägen und ihm einen Frieden schenken, wie ihn die Welt nicht geben kann.

Eine derartige Fruchtbarkeit unseres Lebens hängt davon ab, dass wir in Jesus bleiben dürfen. Dieses Bleiben-dürfen ist gerade in unserer Zeit etwas Besonderes; wenn wir bedenken, wie mobil wir doch sind, wie viele Möglichkeiten der Abwechslung und der Zerstreuung sich bieten – dann erscheint jegliches Bleibenwollen als unmodern.

Und doch ist es auf der anderen Seite eine Tatsache, dass wir uns zuinnerst im Herzen einen Platz wünschen, an dem wir bleiben dürfen; dass wir einen Freund, einen Partner haben, bei dem wir eine Bleibe haben. Diese Sehnsucht nach Bleiben-dürfen, nach Bleibendem spricht Jesus im Evangelium heute direkt an, wenn er immer wieder vom Bleiben redet: „Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch!“ (Joh 15:4)
Und Jesus sagt das bedingungslos; er fügt keine Bedingung an dieses Bleiben in ihm; es ist eine Einladung, die jeden meint.
Bei uns ist das anders:
da darfst du bei mir bleiben, weil du mein Ehepartner, mein Freund oder mein Kind bist;
du darfst bei mir bleiben wenn du schön brav bist;
Du darfst bei mir bleiben, bis ich müde werde oder solange ich Zeit habe.
Wir haben einfach unsere Grenzen – und auch das Bleibendürfen hat darum seine Grenzen. Gerade diese Grenzen sind es aber, die die Sehnsucht wach halten nach einem unbegrenzten Bleibendürfen.
Jesus beantwortet diese Sehnsucht: „Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch!“ (Joh 15:4)
Ich finde es einfach großartig – wie immer wir sind, wo immer wir sind, was immer wir sind – Jesus hält unsere Nähe gerne aus.
Und nicht nur das: Jesus hält es auch in unserer Nähe aus; nicht nur dürfen wir bei ihm bleiben – er bleibt auch bei uns.
Ich meine, wo gibt es das, dass jemand uns so bedingungslos ausstehen und aushalten kann.
Und dann spricht Jesus nicht von einem Bleiben bei ihm sondern von einem Bleiben in ihm: damit wird eine Intimität und eine Nähe angesprochen, die teils unbegreiflich, teils erschreckend und doch auch wieder überaus beglückend ist.

Wie kann dieses Bleiben ineinander, wie Jesus es meint, Wirklichkeit werden?
Es geschieht durch das hörende Aufnehmen des Wortes Gottes: „Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten.“ (Joh 15:7)
Ein anderer Weg im Herrn zu bleiben ist das Halten seiner Gebote: „Wer seine Gebote hält, bleibt in Gott und Gott in ihm.“(1 Joh 3:24)
Und: „Das ist sein Gebot: Wir sollen an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben, wie es seinem Gebot entspricht.“ (1 Joh 3:23)

In der ersten Lesung haben wir ein gutes Beispiel von jener Liebe zueinander, die dem Gebot des Herrn entspricht:
Da tun sich die Jünger Jesu recht schwer, an die Bekehrung des Paulus zu glauben und ihn als ihren Bruder anzunehmen – ihn also in ihrer Mitte bleiben zu lassen. Auch bei uns sind es oft genug Vorurteile, Misstrauen und Angst, die den Mitmenschen nicht bei uns bleiben lassen und ihn auf Distanz halten.
Gott helfe uns, so wie Barnabas, die Barrieren zu unseren Mitmenschen hin immer wieder zu überwinden:

Beten wir: O Gott, in deinem Sohn Jesus Christus hast du uns zu geschwisterlicher Liebe berufen. Lass uns mit ihm verbunden bleiben und aus dieser Lebensgemeinschaft Frucht bringen. Durch ihn, Christus, unseren Herrn! Amen!

Samstag, April 28, 2012

Bist Du Hirtin/Hirte?

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Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 10: 11 – 18

11Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.
12Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht,
13weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt.
14Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich,
15wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe.
16Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen, und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten.
17Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen.
18Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.





Wen hat das Evangelium uns heute zu bieten? Unseren Herrn Jesus Christus natürlich! Aber in welcher Gestalt? In einer Gestalt, die zusammenfasst, was er seit der Auferstehung mit seinen Jüngern gemacht hat: eine Stelle aus dem Propheten Ezechiel 34:16 bringt dieses Tun Jesu trefflich ins Wort: „Die verloren gegangenen Tiere will ich suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen, die fetten und starken behüten. Ich will ihr Hirt sein und für sie sorgen, wie es recht ist.“ Das ist es: Der auferstandene Jesus kümmert sich um seine Jünger wie ein guter Hirt um seine Schafe! Wir nennen den heutigen Sonntag deshalb Gut-Hirten-Sonntag und verbinden ihn mit dem Auftrag, den Hirten unserer Kirche heute besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

Wie können wir diese Aufmerksamkeit schenken? Da bietet sich zuerst für jeden Interessierten jederzeit die Möglichkeit für die Hirten unserer Kirche zu beten – für jene, die als Hirten bereits in der Seelsorge tätig sind und um solche, die für diesen Dienst berufen sind, dass sie diesen Rufen hören und ihm folgen können.

Die Aktualität dieses Betens liegt auf der Hand, wenn wir auf die Pfarrerinitiative schauen mit ihrem Aufruf zum Ungehorsam oder auf jene Seelsorger, die sich mit dem Zölibat schwertun oder auf jene, die Kinder missbraucht haben oder die an ihrer Berufung zu zerbrechen drohen oder bereits zerbrochen sind.
Es besteht jedoch die Gefahr, dass durch diese Negativbeispiele jene Priester in den Hintergrund gedrängt werden, die mit Begeisterung, Hingabe, Klugheit und Freude ihren Dienst tun und eine unerschöpfliche Segensquelle für ihre Gemeinde sind. Diese positiven Beispiele brauchen ebenso unsere Aufmerksamkeit, denn bei ihnen liegt die Zukunft eines segensreichen Hirtenberufes.

Das Gebet ist ein vorrangiges Sorgen um die Hirten unserer Kirche. Es ist aber nicht die einzige Form.

Eine weitere Form ist die spürbare Begleitung unserer Hirten, indem wir ihren guten Weg anerkennen und ihnen zu spüren geben, dass ihr Wirken bei uns ankommt und Spuren hinterlässt, dass uns ihre menschliche Umgangsweise wohl tut oder ihre Predigt eingeschlagen hat.
Es besteht ebenso darin, einen Hirten zu trösten, zu ermutigen, zu ermahnen oder ihn zurechtzuweisen.
Wir dürfen bei all dem ja nicht vergessen, dass es dabei nicht nur um Hirten unserer Kirche geht; sie sind zugleich Hirten für die Welt! Wir leisten nicht nur der Kirche sondern auch der Welt einen unschätzbaren Dienst in der Sorge um unsere Hirten.

Genauso ist es mit der Sorge um Menschen, die Gott zu diesem Dienst beruft. Wir dürfen uns dabei nicht als Außenstehende betrachten, die von diesem Ruf nicht betroffen wären – so als spielte sich dieser Ruf ausschließlich zwischen dem rufenden Gott und dem berufenen Menschen ab.
Es ist vielmehr so, dass wir Bestandteil dieses Rufes Gottes sind und Gott also durch uns seinen Ruf an einzelne Menschen richten will. Es ist eine Berufung für uns Ruf Gottes zu sein und Gott durch uns rufen zu lassen!
Dieser Berufung werden wir auch zuerst einmal dadurch gerecht, dass wir um Menschen beten, dass sie den Ruf hören, den Gott an sie richtet. Kommt dieses unser Beten jedoch von Herzen, ist es uns also ein Herzensanliegen, dann werden wir Gelegenheiten wahrnehmen, andere Menschen in dieser Hinsicht anzusprechen, sie zu ermutigen, in ihr Inneres zu lauschen, ob es nicht der Weg für sie sei, Priester zu werden oder Ordenschrist, oder sich in der pastoralen Mitarbeit zu engagieren. Ja, durch solches Beten wird unsere Lebensweise geprägt, dass sie ohne Worte ein beredtes Zeugnis von Gottes Nähe gibt und davon, wie schön und gut es ist, ein Christ zu sein.

Es zeichnet sich im Verlauf der Predigt ab, dass wir durch unser Mühen für und um die Hirten unserer Kirche selber zu Hirten werden. Und tatsächlich nehmen wir so regen Anteil am Hirtenamt Jesu. Das kommt nicht von Irgendwo; vielmehr ist dieser Hirtendienst in unserer Taufe begründet; damals wurden wir zu Königen, Hirten und Propheten gesalbt.
Jesus will nicht nur guter Hirt für uns sein; er will uns auch zu guten Hirten machen – als beste Weide für jene, die bereits Hirten sind und für jene, die es nach dem Willen des Herrn noch werden sollen. Mit dem hl. Augustinus können wir alle sagen: Mit euch bin ich Schaf; für euch bin ich Hirte! Amen!

Samstag, April 21, 2012

Jesus im Gespräch


 
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 24: 35 – 48

Die beiden Jünger, die von Emmaus zurückgekehrt waren,
35erzählten den Elf und den anderen Jüngern, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.
36Während sie noch darüber redeten, trat er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
37Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen.
38Da sagte er zu ihnen: Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen solche Zweifel aufkommen?
39Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an, und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht.
40Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße.
41Sie staunten, konnten es aber vor Freude immer noch nicht glauben. Da sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier?
42Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch;
43er nahm es und aß es vor ihren Augen.
44Dann sprach er zu ihnen: Das sind die Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich gesagt ist.
45Darauf öffnete er ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift.
46Er sagte zu ihnen: So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen,
47und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden.
48Ihr seid Zeugen dafür.








Die beiden Emmausjünger erzählen zu Beginn des heutigen Evangeliums von ihrer Begegnung mit dem auferstandenen Herrn. Dieses Gespräch über Jesus  ist für die Jünger der Anfang eines neuen Weges.
In diesem Gespräch sind die beiden Emmausjünger auf der einen Seite: sie sind dem auferstandenen Herrn begegnet; sie sind davon überzeugt, dass er lebt; sie sind begeistert von der Begegnung mit ihm; sie verstehen, was die Heiligen Schriften ihrer jüdischen Religion von Jesus erzählen.
Auf der anderen Seite sind die Elf: Ihnen ist Jesus noch nicht begegnet; sie haben zwar die Botschaft gehört, dass er lebe – aber sie können es nicht fassen; es ist für sie unbegreiflich.
Der dritte Beteiligte an diesem Gespräch ist Jesus selber, derjenige, über den die Jünger reden. Zu Beginn des Gespräches ist er noch ganz im Hintergrund, in der Ferne, er ist der Besprochene. Doch das ändert sich, denn: „Während sie noch über ihn redeten, trat er selbst in ihre Mitte!“ (Lk 24:36) Dieses Gespräch über Jesus ist offensichtlich bedeutsam: Denn immer wurde zuerst über Jesus gesprochen – dann erst ist er selber erschienen:
das war bei den Frauen am Grab so,
das war bei den Jüngern von Emmaus so,
das ist jetzt bei den Elf so und
das wird auch bei Paulus so sein – sie alle haben zuerst die Botschaft gehört, dass Jesus auferstanden sei und dass er lebe und dann erst ist er selber zu ihnen gekommen.
Sollten nicht auch wir dieses Gespräch über Jesus neu bedenken, von neuem wertschätzen, es von neuem pflegen. Wann haben wir denn das letzte mal über Jesus gesprochen? Und kamen unsere Worte aus persönlicher Betroffenheit? Ich meine, die beiden Emmausjünger im heutigen Evangelium waren zuinnerst angerührt von diesem Jesus, darum auch haben sie geredet über diesen Jesus. Die beiden haben den Elf keine Gute Nacht Geschichte von Jesus erzählt, um ihnen einen Jesusglauben zu vermitteln, der sie selber nicht beseelt. Sie hatten Jesus vielmehr auf den Lippen, weil sie ihn im Herzen trugen.
Möge doch Jesus auch unser Herz berühren; er mache es brennen, damit wir wieder über ihn reden können. Er mag das Schweigen über ihn brechen, denn wie darf unser Mund von dem schweigen, den unser Christenname bekennt?

„Während sie also noch über ihn redeten, trat er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!“ (Lk 24:36)
Es bleibt nicht beim Gespräch über Jesus; es kommt zur Begegnung mit dem lebendigen Jesus; Jesus wird in ihrer Mitte lebendig und spricht zu ihnen. Wir können sagen: Aus dem Gespräch über Jesus  wird ein Gespräch mit Jesus.
Das ist die nächste Station auf dem Weg der Jünger – das Gespräch mit Jesus. Dabei reden die Jünger nicht viel. Jesus redet vor allem. Und doch ist es kein einseitiges Reden, es ist kein Reden gegen eine Wand; Jesus führt keinen fruchtlosen Monolog. Denn Jesu Worte wandelt die Jünger: Sind sie anfangs erschrocken, bestürzt und voll Angst (Lk 24:37), so ändert sich diese Haltung der Jünger, nachdem Jesus ihnen Frieden zugesprochen und ihnen seine Hände und seine Füße gezeigt hat: „Sie staunten, konnten es aber vor Freude immer noch nicht glauben“. (Lk 24:41a)
Und dann öffnet Jesus ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift. Dieses Gespräch mit Jesus können wir auch Gebet nennen. Es ist eine Begegnung mit dem lebendigen Jesus; eine geschenkte Begegnung, die Frieden gibt; die erkennen lässt, dass der Herr wahrhaft aus dem Tod erstanden ist; die hilft, die Worte der Heiligen Schrift besser zu verstehen.
Wie sehr dieses Gespräch mit Jesus etwa den Petrus gewandelt hat, können wir aus der ersten Lesung hören: Zwischen dem Petrus, der da predigt und dem Petrus vor der Begegnung mit Jesus im Evangelium ist ein Unterschied wie zwischen Tag und Nacht. Wir erkennen die verwandelnde Kraft des Betens, des Gesprächs mit Jesus.
Wir sollten darum allein schon aus purem Eigennutz dieses Gespräch mit dem Herrn suchen; ja, suchen – von uns aus! Denn von Anfang an haben die Christen auch aus dem heutigen Evangelium die wohltuende und heilende Kraft des Gebetes herausgelesen und sie haben den Herrn im Gebet gesucht.
Bei dieser Suche ermutigt uns das Entgegenkommen des Herrn im heutigen Evangelium: Er ist nämlich zu den Jüngern gekommen, obwohl sie ihn alle verlassen hatten und der Petrus ihn sogar verleugnet hat. Jesus hat sich so verhalten, als ob das alles nicht passiert wäre. Wir können daraus ersehen, dass Jesus seinen Jüngern von ganzem Herzen verziehen hat, weil er sie wirklich liebte.
Darum darf auch uns nichts abhalten davon, das Gespräch mit dem Herrn zu suchen: Keine Schuld, kein Fehler, kein Versagen – nichts, gar nichts darf uns von Jesus fernhalten. Seitdem Jesus nämlich durch seine Auferstehung sämtliche Barrieren beiseite geräumt hat gibt es auch für uns kein berechtigtes Hindernis für die Begegnung mit dem Herrn mehr.

Die Jünger haben also zuerst über den Herrn gesprochen; das führte zum Gespräch mit dem Herrn und das machte sie zu Menschen, die vom Herrn sprechen, indem sie die Auferweckung Jesu von den Toten durch das machtvolle Wirken Gottes verkünden:
Petrus tut dies in der ersten Lesung durch seine Predigt vor dem Volk (Apg 3:12a.13-15.17-19),
Johannes tut dies durch seinen Brief in der zweiten Lesung (1 Joh 2:1-5a).
Dieses Sprechen vom Herrn geschieht im Auftrag des Herrn. Die Begegnung mit dem Herrn drängt dazu, vom Herrn zu sprechen als Zeugen davon, dass er lebt und dass er als der Lebendige erfahren wurde. So kann ich nicht mehr über den Herrn reden als von einem Fremden; ich muss vom Herrn reden, weil der Herr mich zu seinem Zeugen berufen hat und also der Herr kraft dieser Berufung in mir und durch mich redet.
Auferstehung Jesu von den Toten muss darum auch bedeuten:
Auferstehung Jesu in unseren Herzen,
Auferstehung Jesu in unserem Sprechen,
Auferstehung Jesu in unserem Tun.

Wir wollen beten:
Vater unseres Herrn Jesus Christus, durch Tod und Auferstehung deines Sohnes hast du uns Versöhnung und einen neuen Anfang geschenkt. Bekehre unsere Herzen zu dir und lass uns Zeugen deiner Liebe sein. Durch Christus unseren Herrn. - Amen!

Samstag, April 14, 2012

Selige Blindheit!

 
Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 20: 19 – 31

19Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
20Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.
21Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
22Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
23Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.
24Thomas, genannt Didymus - Zwilling -, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.
25Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.
26Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch!
27Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!
28Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott!
29Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.
30Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan.
31Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.




Im französischen Messbuch wird jedem Sonntag ein besonderer Name gegeben, der den biblischen Texten des Evangeliums und der Lesungen entnommen wird. Der heutige Sonntag heißt darum Dimanche de Saint Thomas – Sonntag des heiligen Thomas.

Und in der Tat spielt Thomas im heutigen Evangelium eine hervorragende Rolle. Er steht uns nah in seinem Zweifeln; denn wem von uns sind der Thomaszweifel im heutigen Evangelium oder Zweifel an religiösen Glaubensinhalten fremd? Wer von uns kann schon von sich behaupten, er sitze unerschütterlich fest im Sattel der Glaubenswahrheiten unserer katholischen Kirche? Wir möchten doch auch immer wieder zuerst das mit eigenen Augen sehen und mit eigenen Händen fassen, was wir glauben sollten.

Genau besehen sind die anderen Jünger nicht besser dran: Auch sie haben erst geglaubt, nachdem der Herr ihnen begegnet ist: Das war bei Petrus der Fall ebenso wie bei den zwei Emmausjüngern, und das wird dann auch bei Paulus so der Fall sein. Thomas deckt durch sein Verhalten das Herz aller übrigen Jünger und unser eigenes Herz auf als ein zweifelndes Herz, als ein Herz, das sich in den Glauben hineinführen lassen muss durch Jesu Wort: „Selig, die nicht sehen und doch glauben.“

Dass er lebt, auch wenn ich ihn nicht sehe; dass er da ist, auch wenn ich ihn nicht spüre. Der Herr wird nicht durch meine Sinne und mein Empfinden „erzeugt“. Im gläubigen Vertrauen öffne ich mich vielmehr für den Herrn, der schon da ist.

Es macht das heutige Evangelium so warm die Art und Weise wie der Herr und in seiner Spur die übrigen Jünger mit dem Zweifel des Thomas umgegangen sind; wie also Thomas mit seinem Zweifel und trotz seines Zweifels in der Gemeinschaft der übrigen Jünger leben konnte.

Als die übrigen Jünger die Antwort des Thomas hörten auf ihre Botschaft, dass sie den Herrn gesehen hätten, da haben sie den Thomas in Ruhe gelassen; sie haben sich nicht auf ihn gestürzt, um ihn mit aller Gewalt zu überreden und zu überzeugen, dass Jesus doch lebe, da sie ihn ja leibhaftig gesehen hätten; schon gar nicht haben sie ihn verketzert und aus ihrer Gemeinschaft ausgeschlossen. Obwohl ihr Glauben verschieden war sind sie doch eine Gemeinschaft geblieben.

Die übrigen Jünger wussten bereits, dass sie selber ja auch nicht zum Glauben an Jesus gezwungen wurden sondern dass Jesus selber ihnen diesen Glauben geschenkt hat, Jesus selber hat sie zum Glauben an ihn geführt durch die Begegnung mit ihm von Angesicht zu Angesicht. Und genau das wollten sie auch dem Thomas gönnen.

Sie haben Thomas mitsamt seinen Zweifeln den Händen Jesu überlassen und seiner Führung anvertraut; und sie wurden nicht enttäuscht: Durch Jesus hat auch Thomas zum Glaubensbekenntnis gefunden, wenn er ausruft: „Mein Herr und mein Gott!“(Joh 20:28b)  Das ist nun aber ein Glaube, der aus dem Herzen bricht und nicht ein bloßes Lippenbekenntnis.

Ich glaube, diese Haltung der Jünger dem Thomas gegenüber, dem Andersdenkenden und Andersglaubenden, legt beredtes Zeugnis davon ab, dass Jesus als der Lebendige in ihrer Mitte ist und dass er ihnen nicht umsonst den Heiligen Geist eingehaucht hat.

Meines Erachtens ist dieses Modell maßgeblich für das Zusammenkommen und das Zusammenleben verschiedener Glaubensgemeinschaften, es ist ein durch und durch ökumenisches Modell für das Zusammenleben: Trotz verschiedenen Denkens und Glaubens in Liebe verbunden bleiben aus dem Wissen heraus, dass es der Herr selber ist, der nicht nur die Gemeinschaft als ganze sondern auch den einzelnen in ihr persönlich führt.

Eine Gemeinschaft erweist sich erst dann und in dem Maße als christliche Gemeinschaft, wie sie das Modell des heutigen Evangeliums anstrebt und verwirklicht. Dass so eine Verwirklichung möglich ist und in diese Welt umgesetzt werden kann, hören wir in der Lesung aus der Apostelgeschichte. Dort heißt es von der christlichen Urgemeinde: „Die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam.“ (Apg 4:32)

Diese Gemeinde nun wird als eine Gemeinde der Gläubigen bezeichnet, weil es ihr Glaube ist, der so ein Zusammenleben ermöglicht; und der Inhalt ihres Glaubens ist Jesus, der Herr, der Auferstandene – so wie die Apostel ihn verkündet haben. Es ist das jener Glaube, den Jesus im Evangelium seligpreist: „Selig sind die nicht sehen und doch glauben!“ (Joh 20:29b) Aufgrund dieses Glaubens wohnte dieser auferstandene Herr in ihrem Herzen! ER war ihr gemeinsamer Besitz! ER war ihre gemeinsame Freude! ER war ihr einendes Band! ER war ihre tragende Stärke!

Darum konnten sie alles gemeinsam haben und keiner von ihnen brauchte etwas sein Eigentum zu nennen! Denn ihr gemeinsames Eigentum war der HERR! Darum „ruhte reiche Gnade auf ihnen allen!“ (Apg 4:33b)

Natürlich ist mir klar, dass wir dieses Modell noch nicht vollkommen verwirklicht haben; und dass wir Christus noch nicht ganz nahe an uns herangelassen – ja, in uns hereingelassen haben – als Einzelne und als Gemeinschaft.
Dieses Modell ist eine Aufforderung zu beständiger Umkehr. Mit der Unruhe, die Lesung und Evangelium in uns wachrufen, wird der erste Schritt dieser Umkehr gesetzt. Wir werden zudem durch das Verhalten Jesu gegenüber Thomas zu dieser Umkehr ermutigt.

Es ist dies eine Umkehr zu jenem Glauben, der die Welt besiegt hat, wie Johannes in der zweiten Lesung schreibt: „Denn wer besiegt die Welt, außer dem, der glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist?“ (1 Joh 5:5)

Die Welt aber, die dieser Glaube überwinden will, sind die Haltungen des Haben-Wollens, des Gelten-Wollens, des Genießen-Wollens; es sind Jahrzehnte und Jahrhunderte alte Vorurteile, Traditionen des Todes und des Verderbens, die wie Mauern ein Herz und eine Seele verhindern und die Herz und Herz voneinander trennen.

„Jesus aber ist unser Friede. Er vereinigte die beiden Teile und riss durch sein Sterben die trennende Wand der Feindschaft nieder. ...  Er stiftete Frieden und versöhnte die beiden durch das Kreuz mit Gott in einem einzigen Leib. Er hat in seiner Person die Feindschaft getötet.“ (Eph 2:14.15c.16)

Darum wollen wir zu Gott beten:
Gott, du Sehnsucht des menschlichen Herzens, du hast deinen Sohn vom Tod zum Leben erweckt und uns in der Taufe zu neuer Hoffnung geboren. Stärke unseren Glauben und lass uns seine Welt verändernde Kraft verspüren. Durch Christus, unseren Herrn. – Amen!

Sonntag, April 08, 2012

Österliches Update


 Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 20: 1 – 18

1Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war.
2Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat.
3Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab;
4sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab.
5Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein.
6Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen
7und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.
8Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte.
9Denn sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste.
10Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück.
11Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein.
12Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten.
13Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat.
14Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war.
15Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen.
16Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister.
17Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern, und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.
18Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.





Nach der erfreulich ausgiebigen Osternachtfeier und der geselligen Osteragape war ich noch munter genug, mich vor meinen Computer zu setzen, um einige Gedanken für die Predigt zu sammeln.

Nachdem ich den Rechner gestartet hatte kam die Meldung: Neue Software zu installieren! Nichts dagegen, war mein erster Gedanke. Und der Zweite Gedanke dann: Das erinnert mich an das Geschehen der Osternacht!

Da geht es ja auch um eine neue Software. Allerdings müssen wir da vom bereich des Rechnerischen und Mechanischen uns erheben in die Sphäre des Göttlichen und des Geistgewirkten. Aber Jesus – völlig ausgebrannt, total am Ende, vernichtet und mausetot – ihm wurde in der heiligsten Nacht aller Nächte eine neue Lebenssoftware gegeben. Das Besondere und Einmalige dieses Lebensprogrammes ist, dass sie kein weiteres Update mehr braucht und dass es keinen Virus mehr gibt, der sie knacken, lahmlegen oder ausschalten könnte. Insbesondere der Todesvirus hat keine Chance mehr.

Da sich dieses göttliche, unzerstörbare Betriebssystem vor keinem Virus mehr fürchten muss, kann es seinerseits zum Angriff übergehen, so dass den Bösen Viren nun vor Schrecken erstarren, da ihr Ende absehbar und unausweichlich ist. Bereits die Heiden des untergehenden römischen Reiches haben das Christentum mit einer Epidemie verglichen, die immer mehr um sich greift und nicht mehr auszurotten ist.

Dieser Christenvirus, oder nennen wir ihn besser: Christusvirus hat nicht von seiner aggressiven und destruktiven Macht gegen das Böse und Üble im Menschen und in der Welt eingebüsst. In jeden Christen wird er in der Taufe eingepflanzt und ruht seitdem als potentielle Macht in den Christen.

Es ist nur wichtig, dass sich die Christen bewusst machen, dass sie diesen Virus in sich tragen, dass sie mit anderen Worten das neueste Update in ihrem Lebensprogramm tragen und eigentlich nur lernen müssten mit diesem Programm zu arbeiten.

Der beste Lehrer dafür ist natürlich der, durch den dieser ewige Lebensvirus in die Welt gekommen ist: Jesus Christus! In seiner Nachfolge dann Maria, seine Mutter, die Apostel und zahllose Menschen, die wir Heilige nennen. Sie sind Experten im Umgang mit diesem göttlich stabilen Lebensprogramm.

Schauen wir nur, wie dieses Update in den Protagonisten des heutigen Evangeliums wirkt, wie dieser Lebensvirus sie ergreift – auch wenn sie es vorerst noch gar nicht richtig begreifen, was da in ihnen abläuft.

Maria Magdalena etwa: Sie geht frühmorgens, als es noch dunkel war zum Grab! Sie wird allein schon weil sie traurig war  und auch wegen der Dunkelheit, dass sie nicht hinfällt, bedachtsam vor sich hingegangen sein: Wie sie nun den Stein vom Grab weggerollt sieht, beginnt sie schnell zu laufen und eilt zu den Jüngern;

Und die Jünger geben uns das nächste Beispiel von der Ansteckung mit diesem Virus: Auch sie – vor Kummer und Angst zurückgezogen in einen Winkel – haben es auf einmal eilig und sie laufen zum Grab.

Wieder Maria: Der neue Virus in ihr treibt sie erneut zurück zum Grab, wo sie den Leichnam des Herrn zuletzt gesehen hat. Dieser Virus lässt sie weinen, die zwei Engel sehen und mit ihnen sprechen; auch mit Jesus redet sie und wie Jesus sie bei ihrem Namen ruft, erkennt sie ihn. Sie weiß instinktiv: Bei Jesus ist sie am Ursprung ihres Virus und will sich dort festhalten. Aber Jesus hat in der Kraft des hl. Geistes bereits in ihr Inneres upgedatet; in diesem Update ist er selber in ihr drinnen. Deswegen kann sie ihn ruhig loslassen, zu seinen Jünger eilen und ihnen sagen, dass er lebt.

Was Paulus mit dem neuen Sauerteig meint, meine ich mit dem Neuen Update. Na, habt ihr euer Lebensprogramm schon neu gestartet? Ich bin gewiss, auch ihr werdet die Meldung lesen: Neues Update zum Herunterladen! Amen!

Donnerstag, April 05, 2012

Eucharistie und Fußwaschung




Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther 11: 23 - 26

Brüder!
23Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot,
24sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis!
25Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!
26Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.



Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 13: 1 – 15

1Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung.
2Es fand ein Mahl statt, und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern.
3Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte,
4stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch.
5Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war.
6Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen?
7Jesus antwortete ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen.
8Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir.
9Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt.
10Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle.
11Er wusste nämlich, wer ihn verraten würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.
12Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe?
13Ihr sagt zu mir Meister und Herr, und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es.
14Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.
15Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.


I

Wir betreten in dieser Stunde die Heiligen drei Tage von Leiden Sterben und Auferstehen Jesu durch die zwei Säulen der Abendmahlfeier mit Jesus, die wir eben begehen: die Eucharistie ist die eine, die Fußwaschung die andere Säule.

In der Eucharistie setzt Jesus sich gegenwärtig in den Gestalten von Brot und Wein.

In der Fußwaschung erweist sich Jesus als Diener an seinen Jüngern.

Beides sollen die Jünger weiterführen: Dadurch erinnern sie an ihn und setzen ihn zugleich gegenwärtig in seiner ganzen gottmenschlichen Fülle. Es ist sein Auftrag, den sie so erfüllen. Dieser Auftrag ist ein Ruf, eine Berufung. Dieser Auftrag stärkt sie unablässig zu diesem Tun.

Dieser Auftrag ist für seine Jünger deshalb eine bezwingende Kraft, weil Jesus durch sein Sterben am Kreuz beide Zeichenhandlungen vollkommen verwirklicht: Am Kreuz gibt er sein Fleisch und Blut für uns hin; so erniedrigt er sich für uns bis in den Tod am Kreuz. Diese äußerste Erniedrigung wird in der Fußwaschung angedeutet und die Hingabe seines Leibes und seines Blutes ist das Leben der Eucharistie. Die Kraft zu solchem Handeln ist die Kraft der Liebe; und diese Kraft bewegt auch uns zu dienender Hingabe. Wenn Gott uns so sehr geliebt hat müssen auch wie einander lieben!

Bei der Einsetzung der Eucharistie sagt Jesus: Tut dies zu meinem Gedächtnis.
Bei der Fußwaschung sagt er: Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt wie ich an euch gehandelt habe.

Beide Aufträge Jesu hängen zusammen: In der Einsetzung handelt es sich um ein Gedenken, das die Liturgie betrifft; bei der Fußwaschung geht es um ein Handeln – um etwas, das mit dem Leben zu tun hat.

Dass beides zusammen beim Letzten Abendmahl sich ereignet lädt uns ein, vom Gedenken zur Nachahmung überzugehen, von der eucharistischen Kontemplation zur eucharistischen Praxis. In der eucharistischen Praxis erweist sich die Echtheit eucharistischer Anbetung.
Johannes lädt uns ein, von der Liturgie zum Leben und vom Gedenken zur Nachahmung der Eucharistie überzugehen.
(vgl. dazu: R. Cantalamessa, Die Eucharistie, Seite 112ff.)

Genau das hat Jesus auch getan: Für uns am Kreuz sterbend hat er die beiden Zeichenhandlungen der Einsetzung und der Fußwaschung verwirklicht und für immer mit seinem Leben erfüllt

Wenn wir nun also durch diese beiden Säulen eintreten in Jesu Leiden und Sterben wollen wir uns fragen: tun wir es auch in der Bereitschaft, diese beiden Zeichen mit unserem Leben zu erfüllen; unser Leben zu seiner Lebensfülle dazuzugeben, indem wir uns mit Jesus brechen und verzehren lassen im Dienst aneinander?

Wer diesen Jesusdienst der Hingabe nicht annehmen kann wie anfangs Petrus, der hat keinen Anteil am Herrn; das heißt: er ist nicht in der Lage, in dienender Hingabe dem Herrn nachzufolgen.

Beten wir mit Huub Osterhuis: „Du (Gott) hast dein Wort ausgesät, deinen Sohn hingegeben, gebrochen und gestorben für uns ist er Brot und Leben für die Welt geworden. Wir bitten dich, lass´ uns die Kraft finden, seinen Weg zu gehen, dass wir füreinander fruchtbar seien wie die Saat und nahrhaft wie Brot.“ Amen!

II


Im eben gehörten Evangelium ist die Stunde angebrochen, in der Jesus aus dieser Welt zum Vater hinübergeht. Dieser Hinübergang Jesu verleiht allem, was in dieser Stunde geschieht, besonderes Gewicht. Was Jesus in dieser Stunde sagt und tut hat das besondere Gewicht eines Testamentes; dieses Testament wird zum Auftrag dadurch, dass Jesus am Ende des Evangeliums seinen Jüngern sagt:
Ich habe euch ein Beispiel gegeben,
damit auch ihr so handelt,
wie ich an euch gehandelt habe!

Damit wir sein Testament verstehen und seinen Auftrag in unser Leben umsetzen können, müssen wir uns sein Verhalten näher anschauen.

Bevor Jesus seinen Jüngern die Füße wäscht, legt er sein Gewand ab und bindet sich ein Leinentuch um. Jesus tut dies, damit er diesen Dienst ungehindert und ganz machen kann; das Leinentuch dient nämlich zum Abtrocknen der Füße.

Auch unser Dienen ist nicht selten sehr behindert und oftmals nur ein unvollständiges Dienen. Was also sollten wir ablegen, damit wir ungehindert dienen können? Sind es Vorurteile? Sind es Fehlhaltungen? Was müssten wir ablegen an Kurzsichtigkeit, an Unbeweglichkeit, an Angst, an Stolz, an Ichbezogenheit – um ungehindert dienen zu können?
Wo ist unser Dienst in der Ehe, in der Familie, in der Gemeinde, in der Kirche – wo ist er behindert?

Und was sollten wir uns andererseits umbinden, um unseren Dienst ganz machen zu können? Fehlt uns etwa das Leinentuch der Herzlichkeit, oder der Geduld, oder der inneren Freiheit, oder der Hilfsbereitschaft oder der Rücksichtnahme? Fehlt uns etwa das Leinentuch der Demut, des Dienmutes also, des Mutes zum Dienen?
Wenn wir das so hören, dass Jesus sich das Gewand auszog und sich mit einem Leinentuch bekleidet – dann sollte uns dies an Jesus auf Golgota erinnern: Dort steht Jesus auch ohne Kleider da und auch nur ein Leinentuch um seine Hüften (zwar steht das nicht ausdrücklich im Passionsbericht; doch wird Jesus meistens so dargestellt); und so hängt und stirbt er dann auch am Kreuz. Zwischen beiden Bildern – Heut im Abendmahlsaal und dann am Kreuz – sind unverkennbare und bewusst gesetzte Parallelen.
Weiters sollte wir bedenken, dass Jesus in der Fußwaschung Sklavenarbeit verrichtet, eine verachtete Arbeit, eine Arbeit, die sonst keiner tun mag.

Warum hat Jesus seinen Jüngern die Füße gewaschen?
Weil er die Seinen, die in der Welt waren, liebte,
und er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung erweisen wollte.

Jesus hatte bei seinem Dienst seine Jünger im Auge weil auch im Herzen. Jesus hatte dabei seine Jünger ungeteilt im Auge weil auch ungeteilt im Herzen. Der Dienst den Jesus seinen Jüngern in der Fußwaschung erweist, ist ein Dienst ungeteilter Liebe zu seinen Jüngern. Da ist kein Hintergedanke, dabei für sich selber etwas herauszuholen.
Ob auch hinter unserem Dienen jene Liebe steht, die wir bis zur Vollendung erweisen wollen? Das Beispiel Jesu fragt nach der Bedingungslosigkeit unserer Liebe und es stellt zugleich diese Bedingungslosigkeit unseres Liebens in Frage. Und jeder muss sich selber wohl eingestehen, dass Jesus dies zu Recht tut. Denn wie oft geschieht es, dass wir an unser Dienen und Helfen Bedingungen anknüpfen: Ich tue dies und jenes nur dann, wenn ...

Je mehr nun ein solches Dienen durch unser Christsein motiviert ist und je näher es uns so dem Herrn bringt, wie das im kirchlichen Dienst der Fall ist, um so peinlicher werden die Bedingungen, die wir an unser Dienen knüpfen;
Denn wie kann ich dem Herrn unter Bedingungen dienen, der mich bedingungslos liebt und sich für mich bedingungslos hingibt;
Ich kann doch nicht vor dem Herrn stehen und ihm in einer ausgesprochen armseligen Krämerhaltung dienen – vor demselben Herrn, der mir seine Liebe bis zur Vollendung erweist; das heißt auf gut Deutsch: der mich liebt und der mir dient ohne wenn und aber? Das passt doch nicht zusammen!

Mir ist es immer sehr peinlich, bei mir selber diese Haltung wieder und wieder vorzufinden und noch peinlicher ist es mir, andere auf diese schwerwiegende Ungereimtheit in ihrem christlichen Leben hinzuweisen. Diese Krämerhaltung ist etwas schier Unausrottbares;
umso wohltuender ist das Beispiel Jesu im heutigen Evangelium;
umso wichtiger ist sein Auftrag: Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.

Doch wie ist es Jesus möglich, die Seinen zu lieben bis zu Vollendung? Die Seinen bedingungslos zu lieben?
Weil Jesus wusste, dass der Vater ihm alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte!

Aus diesen Worten wird der Grund klar, auf dem Jesus steht: es ist der Vater! Es ist sein Vater! Dieser Vater ist sein Ursprung! Dieser Vater ist sein Ziel! Und dieser Vater ist Gott! So von Gott getragen, gehalten und geführt ist Jesus frei zum Lieben und zum Dienen an den Menschen; und diese Freiheit bedeutet Bedingungslosigkeit; denn von niemandem abhängig außer von seinem Vater braucht Jesus auch niemanden von den Menschen zu fürchten; die Bindung an seinen Vater macht ihn frei den Menschen gegenüber.

Es ist zweifellos unsere Vaterlosigkeit und unsere Gottlosigkeit, die uns in Angst und versklavender Abhängigkeit aneinander bindet und die uns jene Freiheit voneinander raubt, die allein eine Bindung aneinander aus Liebe ermöglicht.

Wir wollen beten: Vater im Himmel, lass uns als deine Kinder in dieser Welt leben, damit wir einander bedingungslos in Liebe dienen können und so das Beispiel nachahmen können, das dein Sohn uns im heutigen Evangelium aufgetragen hat, ER, der mit dir lebt in Ewigkeit! - Amen!