Dienstag, Mai 29, 2012

Dreifaltigkeit

 
Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 28: 16 – 20

In jener Zeit
16gingen die elf Jünger nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte.
17Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel.
18Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde.
19Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,
20und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.





Ein lieber Mitbruder von mir im geistlichen Amt, jetzt bereits in Pension, hat sich einmal auf die Predigt zu Dreifaltigkeit vorbereitet. Er ist dabei von einem Erlebnis des hl. Augustinus ausgegangen, das dieser bei einem Spaziergang am Strand des Meeres machte:

Augustinus ging den Strand entlang – versunken in Gedanken über die Unbegreiflichkeit Gottes wie sie gerade auch im Geheimnis der Dreifaltigkeit zum Vorschein kommt. Da sieht er auf einmal ein Kind am Wasser sitzen. Das Kind hat ein Loch in den Ufersand gegraben und schöpfte nun eifrig mit seinen kleinen Händen Meerwasser in dieses Loch.
"Was machst du da," fragt Augustinus das Kind.
"Ich will das Meer ausschöpfen", antwortete es.
"Das ist unmöglich", erwiderte Augustinus. "Das schaffst du nie! Das Loch ist viel zu klein und das Meer viel zu groß"
Da antwortete ihm das Kind: "Genauso wenig kannst du das Geheimnis des dreifaltigen Gottes ergründen. Es ist viel zu groß und dein Verstand ist viel zu klein!"

Nachdem er diese Geschichte gelesen habe – so fuhr mein Mitbruder in der Predigt fort – sei er spazieren gegangen um sich dabei seine Gedanken zu machen für die Predigt. Wie er dann aber einige Zeit ohne zufrie­denstellendes Ergebnis nachgedacht und herumgekopft habe, sei ihm der Faden gerissen und er habe zu sich selbst gesagt: Andreas - so heißt dieser Mitbruder – Andreas, lass den Blödsinn! Und damit hat er die Predigt beendet.

Wenn dieses Fest bloß ein Fest des Kopfes, des Verstandes und somit ein Fest angestrengten Nachdenkens wäre – so wie es diese beiden Geschichten nahelegen, dann würde auch ich jetzt Kurzschluss machen.

Es sprechen aber die Worte der Lesung und des Evangeliums eine andere Sprache. Sie sprechen die Sprache eines Gottes, der nicht nur ein Gott der Philosophen, ein Gott der Denker ist – sondern der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, wie es Blaise Pascal einmal das Wesen Gottes nach einer persönlichen Gottesbegegnung auf den Punkt gebracht hat.

Beim dreifaltigen Gott haben wir es mit einem persönlichen Gott zu tun – nicht mit einer abstrakten, unpersönlichen Idee. Wir haben es zu tun mit einem Gott der Gemeinschaft. Dieser Gott will uns nicht die Köpfe rauchen lassen – er will unsere Herzen brennen machen und unsere Gemeinschaft mit ihm und miteinander in der Liebe festigen.

Darum ist gerade am heutigen Sonntag in der ersten Lesung von einem Gott die Rede, „der zu einer Nation kommt, um sie mitten aus einer anderen herauszuholen unter Prüfungen, unter Zeichen, Wundern und Krieg, mit starker Hand und hocherhobenem Arm und unter großen Schrecken.“ (Dtn 4:34)

Damit ist die Befreiung Israels und seine Herausführung aus Ägypten gemeint.
Da steht ein Gott der Nähe vor uns nicht ein Gott der Ferne;
ein Gott, der sich in unser Leben einmischt und kein unbeteiligter Beobachter;
ein Gott, der uns führen will aus Gefangenschaft in die Freiheit: aus der Isolation in die Gemeinschaft; aus dem Egoismus in das Leben mit- und füreinander; aus dem Stress in die Zufriedenheit; aus dem Hass zur Versöhnung; aus dem Krieg zu Frieden.

Ja, wir feiern heute ein Fest der Gemeinschaft: Der Gemeinschaft, die Gott bildet und wo der Vater mit dem Sohn im Geist der Liebe verbunden ist. Vor allem aber auch das Fest der Gemeinschaft, zu der Gott uns Menschen einlädt und zu der Gott uns auch befähigt.

Wie ernst es Gott mit dieser Gemeinschaft meint wird in der zweiten Lesung klar: Dort spricht Paulus vom „Geist, der uns zu Töchtern und Söhnen macht, von dem Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater! Dieser Geist macht uns zu Kindern Gottes. Sind wir aber Kinder dann auch Erben.“ (Röm 8:15b-17a)

Das heutige Fest ist ein Fest der Gemeinschaft Gottes, einer Gemeinschaft, die ganz offen ist für uns Menschen – und zwar für alle Menschen ohne Ausnahme und ohne Einschränkung. Darum sind auch alle Menschen zur Teilnahme an dieser Gemeinschaft mit Gott eingeladen, wenn Jesus seine Jünger im heutigen Evangelium beauftragt: „Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern;
tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“(Mt 28:19)
Wir alle sind durch die Taufe gleichsam wie durch eine Türe in diese Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott eingetreten; darum wollen wir beten:

Dreifaltiger Gott, du lässt uns teilhaben an deinem Leben und an deiner Gemeinschaft. Mach uns sehend für deine Liebe und für dein Wirken in unserer Zeit, der du lebst und herrschest in Ewigkeit! - Amen

Samstag, Mai 26, 2012

Wem dürstet, der komme zu mir!


 
Aus dem hl. Evangelium nach Joh 7:37 – 39

37 Am letzten Tag des Festes, dem großen Tag, stellte sich Jesus hin und rief: Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke,
38 wer an mich glaubt. Wie die Schrift sagt: Aus seinem Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fließen.
39 Damit meinte er den Geist, den alle empfangen sollten, die an ihn glauben; denn der Geist war noch nicht gegeben, weil Jesus noch nicht verherrlicht war.






Dieses Evangelium erinnert mich an zahlreiche Bergwanderungen vor allem in meiner Heimat Tirol.
Ganz früh ging ich schon los. Die ersten Sonnenstrahlen trafen mich bereits weit oberhalb der Baumgrenze. Gegen den Durst hatte ich zwar kühlen Tee in meinem Rucksack mit. Den behielt ich mir aber für den Gipfel auf. Unterwegs erfrischte ich mich an klarem Quellwasser. Es schmeckte herrlich und tat gut. Aus den Händen, zu einer Schale geformt, trank ich das eiskalte Wasser in langsamen, wohltuenden Zügen.

Durstige Menschen brauchen erfrischenden Trank. Dann geht es wieder ein Stück weiter. Ohne Quellen und Raststätten am Weg kann kein Mensch leben. Im Evangelium heute vergleicht sich Jesus selber mit erquickendem Wasser. In seinem Heimatland spielt das Wasser eine überlebenswichtige Rolle.

Durstige Menschen hörten Jesus zu. Sie kamen zu ihm. Sie blieben an ihm hängen. Sie trauten ihm und seiner Einladung. Es sind Menschen, die nicht nur an einer trockenen Kehle leiden.
Ich muss an die Frau vom Jakobsbrunnen denken. Sie ist zunächst tief verunsichert über die Bitte Jesu, ihr zu trinken zu geben. Jesu Wunsch ist der Anlass für die Samariterin, sich Jesus zu öffnen. Nicht der physische Durst quält sie. Ihr Herz ist ausgetrocknet, weil sie an ihren gescheiterten Beziehungen zu Grunde zu gehen droht. In Jesu Nähe wird ihr eigentliches Verlangen nach Sinn und Tiefe neu geweckt. Jesus bietet sich an für jene, deren Lebensfluss durch Angst und Krankheit zu versiegen drohte. Von den Strömen ursprünglicher Lebendigkeit war nur noch ein Rinnsal übriggeblieben. Zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben.
Ich stelle mir Menschen vor mit ausgedörrtem Herzen, die Jesus anspricht. Sie spüren nichts mehr von Quellen an Hoffnung und Mut in sich selbst. Und es werden welche darunter gewesen sein, die dieser Lebensdurst noch nicht völlig bewusstlos werden ließ. Ein entscheidender Rest an Lebenswille war ihnen geblieben, und ein Herz, das sich noch nicht mit der betäubenden Trockenheit in ihrem Innern abgefunden hatte.

Uns heute trennt eigentlich nichts von den ersten Zuhörerinnen und Zuhörern Jesu. Und deshalb lädt er uns mit der gleichen Offenheit und Bereitschaft ein. "Wer Durst hat, komme zu mir und es trinke, wer an mich glaubt!"

Ich kann mich von Jesu neu beleben lassen, wenn ich zunächst bereit bin, mir meinen Lebensdurst einzugestehen. Sich auf Jesu Einladung einzulassen bedeutet, mir bewusst zu machen, dass ich mich permanent beanspruchen lasse im Beruf, in meiner Gemeinschaft, in der Familie und im ehrenamtlichen Engagement; in der Furcht, meinem Leben eines Tages keinen Sinn mehr geben zu können.
Das kann eine Leistungsbilanz sein, die mir ein schlechtes Gewissen macht, weil andere vergleichsweise ja doch mehr tun und bewirken. Das kann so Vieles und Schweres sein, das mir die Luft zu nehmen droht und meine Lebensquellen abwürgt.
Jesus deckt meine innere Trockenheit und meinen Lebensdurst auf, und er spricht mir den Mut zu, tiefer zu schauen. Dorthin, wo meine heilige Mitte ist, wo Gott wohnt und wo nur ER und Ich Zugang haben. Unter der dicken Schicht an Sorgen und Selbstzweifeln, Leiden und Einsamkeiten brechen aus dieser Lebensmitte heilige, stille und beharrliche Quellen auf. Sie gleichen erst dünnen Rinnsalen und wachsen dann zu einem neuen Strom zusammen: Das geschieht, wenn Menschen die glückliche Erfahrung machen, dass in ihnen etwas neu ins Fließen kommt, indem sie zum Urvertrauen zurückgefunden haben, dass sie unermesslich von Gott geliebt und getragen sind.

Vertrauen zu unserem Leben kann nur aus unserer Mitte erwachsen, aus unserem Inneren. Lebensquellen entspringen tief in uns, da wo die verborgenen Träume und die meist uneingestandenen Wünsche wohnen; dort, wo wir Tempel des Hl. Geistes sind. Aus diesem Inneren werden mit Jesu worten „Ströme von lebendigem Wasser fließen; damit meinte er den Geist, den alle empfangen sollten, die an ihn glauben.“ (Joh 7:38.39)

Nicht selten sind es Menschen, die die Grenzen ihres Lebens erreichen und dort in neuen Kontakt kommen zu sich selbst, zu den Quellen, die sie speisen. Dazu gehört die Schriftstellerin Maxi Wander (1933 – 1977). Sie ist unheilbar an Krebs erkrankt. Ihre letzten Mühen bringt sie für ihre Lebensquellen auf.

Maxi Wander fühlt, dass sie nicht mehr zu retten ist. Aber so lange es ihr möglich ist, hält die Sterbende ihr inneres Ohr an ihre Lebensquellen, auf das, wofür sie in den zurückliegenden Jahren ihre Lebenskraft eingesetzt hat und was sie glücklich sein ließ. So schreibt sie ihrem Mann folgendes:

„Was ich Dir eigentlich sagen wollte? Wie doch irgendwo in uns die Grenzen zwischen Schmerz, Verzweiflung und Genießen ineinanderfließen. Von tiefster Verlassenheit und Apathie fall ich fast ohne Übergang in euphorische Zustände. Alles Leben in mir ist in eine winzige Kammer meines Wesens gepresst, bis diese Kammer ihre Wände sprengt, explodiert und sich ausbreitet. Ich zerbreche meine Schale und wandere von einem Pol zum anderen, um mich wiederzufinden. Dabei werde ich von Lichtströmen übergossen.
Ich lache wieder, verspritze Heiterkeit und Spott, bringe die Ärzte, die Schwestern zum Lachen. Die Frauen sehen mich erstaunt an, schauen mir in die Augen, als wollten sie aus ihnen trinken. Und ich freue mich wie ein Kind, freue mich über den Tag, die Sonne, die Wolken, den Regen, die Vögel auf dem Baumwipfel vor dem Fenster, die auf einen ruhigen Augenblick warten, um lautlos hereinzufliegen und sich Kuchenreste vom Nachtkästchen zu stibitzen.

Ich freue mich beim Anblick eines Sessels, eines Tisches, einer Tür, jedes Ding ist von Menschenhand gemacht, in alles, was sie gemacht haben, ist etwas von ihrem Leben geflossen, ihrer Pein, ihrem Schweigen, ihrer unendlichen Geduld, ihrem Witz, ihren Träumen ... das war es schon. Lauschen an meinen Quellen.“

Im Hören auf ihre Quellen stirbt sie.

Durst gehört zu unserem Leben. Manchmal kommen wir nur mühsam auf einer Durststrecke voran. Wenn Menschen für uns wie heilsame Erfrischungen sind, vertrocknen wir nicht. Wenn die Quelle einer neuen Hoffnung oder einer hilfreichen Idee aufbricht, belebt uns das neu.
Der Hl. Geist schenke uns ein ruhiges, beharrliches Hören auf die Ströme lebendigen Wassers tief in uns und in dem, was uns umgibt. Ströme, von denen wir trinken können. Quellen, die wir mit Jesus entdecken dürfen als Lebensquellen. Wer an ihn glaubt, lernt ihm zu vertrauen in der Mitte und an den Grenzen des Lebens. Amen!

Sonntag, Mai 20, 2012

Jesus betet für uns:


Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 17:6a.11b – 19

In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete:
6aVater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast.
11bHeiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir.
12Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet, und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt.
13Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben.
14Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin.
15Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst.
16Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin.
17Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit.
18Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt.
19Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.



Jedem tut es gut, wenn ein Freund an ihn denkt. Und wissen wir von einer Person, dass sie betet, dann bitten wir sie, doch auch für uns zu beten und ein "Krallele für uns fallen zu lassen", wie es so schön heißt. Wir erwarten uns von diesem fürbittenden Gebet Segen und Schutz für unser Leben. Besonders in entscheidenden und schwierigen Situationen unseres Lebens sind wir froh um jedes Gebet für uns. Das gibt uns das Gefühl, nicht allein zu sein, begleitet, gestützt und getragen zu werden um so besser das meistern zu können, was uns bevorsteht.

Wir machen dann einen Schritt weiter und nehmen unsere Zuflucht bei der Fürbitte eines/r Heiligen, zu dem/r wir ein besonderes Vertrauen haben: etwa bei der Gottesmutter, beim hl. Josef, bei unserem Namenspatron.

Und dann lassen wir schließlich noch "eine hl. Messe lesen" und binden so unser Anliegen in die Feier von Tod und Auferstehung Jesu ein in der Hoffnung, dass uns aus diesem zentralen und heiligsten Geschehen in unserer Kirche gewiss der erwartete Segen zukomme.

All dieses Bemühen um Fürsprache und Beistand findet im Jesus des heutigen Evangeliums den Ursprung jeglicher Fürbitte bei Gott, denn wir hören Jesus heute beten – und zwar für uns. Wir können den heutigen Sonntag darum auch den Sonntag des Jesusgebetes nennen. Jesus betet für jene zum Vater im Himmel, die dieser Vater ihm aus der Welt gegeben hat. Und damit sind nicht nur seine Jünger gemeint sondern ausdrücklich auch jene, die durch ihr Wort an Jesus glauben - wir.

Die erste Bitte, die Jesus in diesem Gebet für uns an den Vater richtet, lautet: Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir.

Wie kann man denn nur in einem Namen bewahrt werden, selbst wenn es der Name Gottes ist? Das sind doch nur Buchstaben, aus denen der Name besteht! Wie können die einen bewahren.
Offenbar ist hier mit NAME mehr gemeint als nur die Buchstaben, die diesen Namen bilden. Wir müssen uns für ein besseres Verständnis dieser Bitte ein wenig in die Denkweise der Orientalen versetzen. Die trennen nämlich nicht den Namen von der Person. Beides ist eins und bleibt beisammen. Und wird ein Name genannt, dann ist auch die Person anwesend, der dieser Name gehört. Darum haben diese Leute große Achtung vor dem Namen eines Menschen und sprechen ihn mit Ehrfurcht aus.
Namen sind auch immer eine Aussage über die benannte Person.
Wenn Jesus also vom Namen Gottes redet, dann meint er Gott selber und zwar so, wie er ihn den Menschen aller Zeiten gezeigt hat: als einen liebenden Gott, als einen heiligen Gott, als einen mächtigen Gott, als einen anwesenden Gott, als einen ewigen Gott, als einen guten Vater.
Im Namen des Vaters Jesu bewahrt zu sein bedeutet also in der Liebe, in der Heiligkeit, in der Macht, in der Gegenwart Gottes bewahrt zu sein.

Die zweite Bitte Jesu für uns an den Vater lautet: Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst.
Jesus bittet so, obwohl er zuvor sagt, dass die Welt sie hasst und dass sie nicht von der Welt sind.
Wir würden wohl spontan sagen: Nichts wie weg aus so einer Welt!
Nicht so Jesus: Er bittet Gott nur, dass wir vor dem Bösen bewahrt werden nicht aber, dass wir der Welt den Rücken kehren.
Damit will Jesus uns zum einen sagen, dass nicht die Welt das Gefährliche ist sondern das Böse in der Welt. Die Welt leidet wie wir auch unter dem Bösen. Die Welt braucht so wie wir Erlösung und Befreiung aus der Macht des Bösen. Das Bewahren vor dem Bösen und das Bleiben in dieser Welt ermöglichen es, dass wir am Erlösungswirken Jesu teilnehmen dürfen und sollen. Das bedeutet dann in der Folge auch, dass wir Leid erfahren – so wie Jesus auch; aber dieses Leiden – und damit verbunden das Sterben – ist seit Jesus und durch Jesus zu einem Lebensweg geworden.
Diese Bitte Jesu bedeutet also auch keine Garantie für ein sorgenfreies, leidloses und bequemes Leben sondern sie ist für uns der Auftrag, die Welt mitzuerlösen mit Christus, indem wir das Evangelium Jesu von der Herrschaft Gottes weitersagen und weiterleben – und dass wir dies in Liebe tun.
Johannes hat diesen Auftrag sehr genau verstanden, wie seine Worte in der 2. Lesung es beweisen:
Liebe Schwestern und Brüder,
wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben.
Wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollendet.

Als Drittes bittet Jesus den Vater für uns um folgendes: Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit.

Bewahrt im Namen des Vaters, bewahrt vor dem Bösen ist der Weg frei für das Wort der Wahrheit, das Jesus uns verkündet. Es bleibt keine andere Wahl: Entweder das Böse oder das Gute; entweder der Böse oder der Gute – Gott. In diesem Sinn sagt Jesus einmal zu seinen Jüngern:
Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich;
wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.
Es gibt zwischen Gott und dem Bösen keine dritte Wahl. Und wer glaubt, sich von beidem auf Distanz halten zu können in erhabener Gleichgültigkeit – der ist im Grunde bereits gegen Gott.
Mit dieser dritten Bitte weist Jesus uns ganz eindringlich hin auf die heiligende und heilende Wirkung des Wortes Gottes.
Gottes Wort – das Wort über allen Worten, das Wort in allen Worten, das Wort am Anfang und am Ende aller Worte.
Mögen wir dieses Wort Gottes doch mehr und mehr aus allem Geschriebenen herauslesen und aus allem Gesprochenen heraushören, damit Gelesenes und Gehörtes uns heilt und jene Freude schenkt, die die Heiligen auszeichnet.
Damit wir alle wieder Sucher dieses Wortes, Liebhaber dieses Wortes und Hörer dieses Wortes werden, wollen wir beten:

Allmächtiger Gott, du hast uns durch deinen Sohn das Wort der Wahrheit geschenkt. Hilf uns, dass wir uns durch dieses Wort heiligen und verwandeln lassen und es zu den Menschen tragen. Durch Christus, unseren Herrn. - Amen!

Sonntag, Mai 13, 2012

Du lieber Himmel!


 Aus dem hl. Evangelium nach Markus 16: 15 – 20

15Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!
16Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.
17Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden;
18wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.
19Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.
20Sie aber zogen aus und predigten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ.





Das Fest Christi Himmelfahrt ruft uns heute etwas Wichtiges in Erinnerung – nämlich den Himmel. Auch wir sollen wie die Jünger in der Lesung zum Himmel emporschauen. Der Blick zum Himmel muss eine wesentliche Blickrichtung für unser christliches Leben sein und bleiben. Es muss unser Leben geradezu kennzeichnen, dass wir mit beiden Beinen auf dieser Erde stehen und dennoch den Himmel immer im Blick behalten.

Es gehört gewiss zum Elend dieser Zeit, dass sie den Himmel nicht mehr hat, in den Jesus am heutigen Tag aufgenommen wird. Mit dem Glauben an Gott hat sie auch diesen Himmel verloren. Menschen ohne diesen Himmel haben es schwer: sie sind zerrissene Menschen! Denn unentwegt sind sie auf der Suche nach dem Himmel. Ihr Herz drängt gleichsam himmelwärts – ob sie das nun wollen oder nicht. Allerdings suchen sie diesen Himmel in vielem, was diesen Namen nicht verdient. Hinter jeder Abhängigkeit, in die die Leidenschaft des Herzens uns bringt steht letztlich der Wunsch und das Wissen unseres Herzens, dass unsere Heimat im Himmel ist: Aber was hat es noch mit Himmel zu tun, wenn Menschen der Telemanie, dem Nikotin, dem Alkohol, der Habsucht, der Arbeitssucht oder dem Rauschgift verfallen – um nur einige Abhängigkeiten zu nennen, denen wir verfallen können? Diese Menschen geraten doch auf ihrer Suche nach dem Himmel in die Hölle.

Christus will mit seiner Himmelfahrt dem Drang unseres Herzens nach dem Himmel den rechten Weg zeigen: den Weg dorthin, wo Jesus in der Herrlichkeit Gottes ist. Dorthin, wo unsere Suche nach dem Himmel nicht in einem tödlichen Katzenjammer endet – sondern wo Friede und Freude und Gemeinschaft in Liebe uns erfüllen. Das sind die Kennzeichen jenes Himmels, den Jesus uns heute durch seine Himmelfahrt zeigt.

Ein weiteres Kennzeichen dieses Himmels ist, dass es kein Himmel nur für mich allein ist. In diesem Himmel sind die Hauptwörter DU und WIR und UNS. In diese Hauptwörter ist das ICH eingefügt, aufgenommen, aufgefahren. Darum können wir sagen: Der Himmel, das sind auch die anderen. Darum heißt es auch im Evangelium: „Jesus wurde in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.“ (Mk 16:19) Jesus ist nicht allein im Himmel; er ist zusammen mit seinem Vater dort.

Dabei setzt er eine Gemeinschaft mit Gott seinem Vater fort, die auch zeit seines Lebens auf Erden voll aktuell war. Durch diese Gemeinschaft mit seinem Vater hat er den Himmel auf die Erde herabgeholt, wie etwa die Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor uns zeigt oder die zahleichen Heilungen. Wir sehen also: der Himmel ist nicht nur etwas für den Himmel! Der Himmel ist auch etwas für die Erde. Der Himmel ist das Heilmittel der Erde. Im Himmel soll die ganze Erde, die gesamte Schöpfung ihre Vollendung finden und ihr Ziel erreichen.

Darum gibt Jesus seinen Jüngern vor seiner Himmelfahrt den Auftrag:
„Geht hinaus in die ganze Welt,
und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ (Mk 16:15)
Und in der ersten Lesung fragen die zwei weißgekleideten Männer die Jüngern beinahe vorwurfsvoll:
„Ihr Männer von Galiläa,
was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“ (Apg 1:11a)
Im spanischen Text heißt es noch anschaulicher: Was schlagt ihr Wurzeln, indem ihr zum Himmel schaut?
Sie sollen sich mit anderen Worten auf den Weg machen und den Auftrag erfüllen, den Jesus ihnen gegeben hat. Der Blick zum Himmel darf nicht lähmen für unseren Auftrag hier auf Erden; er darf uns nicht zum Betäubungsmittel, zum Opium werden. Vielmehr muss er uns Beine machen, denn die Erde dürstet nach dem Himmel, die Menschen, ja die ganze Schöpfung haben Sehnsucht nach Gott und nach seiner Frohbotschaft, die er durch seinen Sohn an sie gerichtet hat. Nun sollen die Jünger Jesu diese Botschaft weitersagen und weiterleben.

In diesem Sinne schreibt Paulus an seine Gemeinde:
„Schwestern und Brüder! Ich ermahne euch, ein Leben zu führen, das des Rufes würdig ist, der an euch erging: Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe, und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält.“ (Eph 4:1-3)

Die Himmelfahrt Jesu bedeutet seine endgültige Heimkehr zum Vater; sie zeigt auch uns, wo unsere wahre Heimat ist und sie artikuliert den Schrei der gesamten Schöpfung nach dem Himmel; Jesus will, dass wir diesen Schrei hören und dass wir Antwort geben darauf, indem wir dem Auftrag Jesu gemäß sein Evangelium verkünden.

Wir beten: Gott und Vater, in der Himmelfahrt deines Sohnes hast du die Gesamte Schöpfung zu dir erhöht. Erfülle uns mit Freude darüber, dass Christus unseren Lebensweg begleitet, bis sich auch unser Leben vollendet in der Gemeinschaft mit dir. Durch Christus unseren Herrn! Amen!