Samstag, Dezember 29, 2012

Silvestergnade

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Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 1: 1 – 18

1Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
2Im Anfang war es bei Gott.
3Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.
4In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
5Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.
6Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes.
7Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.
8Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.
9Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.
10Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.
11Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
12Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben,
13die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
14Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.
15Johannes legte Zeugnis für ihn ab und rief: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war.
16Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade.
17Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus.
18Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.




Die letzten Stunden eines vergehenden Jahres schenken uns erneut die Erfahrung, wie die Zeit vergeht. Es ist nicht irgendeine Zeit, sondern die unsere. Jeder hat seine Zeit in diesem Jahr gelebt. Wie beim Verweilen im Verlauf einer Schiabfahrt halten wir inne und blicken hinauf: uns gehen die Passagen durch den Kopf, auf denen wir gut unterwegs waren; wo wir Glück hatten, dass wir nicht gestürzt sind und wo wir zu Sturz gekommen sind - froh, dass wir wieder heil aufstehen und weiterfahren konnten leicht benommen und mit weichen Knien. Die entsprechenden Stimmungen werden dabei unser Herz berühren: Freude, Dankbarkeit und Schmerz!

Eines wird bei alldem mitschwingen: dass wir nicht alleine unterwegs sind. Andere begleiten uns: Familienmitglieder, Freunde, Bekannte! Sie sind neben, hinter, vor uns gefahren; immer wieder haben sich die Schispuren gekreuzt. Leichtes und Schweres, Freude und Schmerz haben wir miteinander geteilt, so gut es möglich war. Und wir sind durch Licht und Dunkel hindurch noch enger zusammengewachsen: Die Gemeinschaft ist inniger geworden, die Verbundenheit herzlicher!

Wir können freilich auch jene nicht vergessen, mit denen wir zugleich gestartet sind; die dann jedoch eine andere Route genommen haben und auf einem anderen Weg zu Tal gefahren sind. Damit meine ich jene Beziehungen, wo sich die Wege getrennt haben und schließlich jene gemeinsamen Wege, die der Tod eines geliebten Menschen beendet und getrennt hat.

Wenn wir uns schließlich hier zum Jahresschlussgottesdienst versammeln, kommen wir zu dem, in dessen Hand alles liegt:
Die Piste, die wir befahren haben mit ihrer Schönheit und ihren Gefahren, mit dem Ausblick ins Weite, mit dem schützenden Wald die Piste entlang, dem Wind, der Sonne, den Wolken;
die Begleiter, die mit uns auf dem Weg waren und die sich von uns getrennt haben oder von uns getrennt wurden; jene Begleiter auch, die während der Fahrt zu uns gestoßen sind und die nun zu uns gehören;
Wir selber sind auch in seiner Hand: dass wir diese Fahrt erleben durften mit allem, was dazugehörte.
Wir hörten im Evangelium, dass wir aus seiner Fülle alle empfangen haben, Gnade über Gnade! (vgl. Joh 1:16) Vielleicht gelingt es uns je länger je mehr, die Schiabfahrt des vergangenen Jahres als einen Ausfluss seiner Gnadenfülle zu sehen und dankbar anzunehmen. Das darf ohne Krampf geschehen, denn insbesondere Schweres im vergangenen Jahres wird noch weiterhin lasten und uns bedrücken, weil wir immer noch keinen Sinn darin finden und wir damit immer noch nicht ausgesöhnt sind. Diese „dunklen Gnaden“ nehmen wir ins neue Jahr mit hinüber. Auch sie sind in Gottes Hand.

In diesem Gottesdienst liegt unsere Hand in seiner Hand und sollte unser Händedruck nicht mehr so intensiv sein - so als möhte unsere Hand der seinen entgleiten - so wollen wir in der Feier dieser hl. Messe mit neuer Entschlossenheit die Hand Gottes ergreifen und drücken und ihm damit sagen, dass wir sie auch im neuen Jahr bestimmt nicht loslassen werden - mag geschehen, was will.

Dankbarkeit und Vertrauen Gott gegenüber mögen wie zwei Geschwister mit uns in neue Jahr gehen. Sie sind das Einfallstor der Gnade Gottes in unser Leben. Sie lassen uns nun den Blick mutig und entschlossen nach vorne richten auf den nächsten Abschnitt unserer Talfahrt. Beherzt stoßen wir ab und setzen unsere Fahrt fort - miteinander und jeder in seinem Tempo und wie er es vermag.

Neues Leben wird uns begegnen aus der Bewältigung des Vergangenen und aus der Begegnung mit ungeplant Neuem. Wir dürfen in beidem dem begegnen, von dem wir im Evangelium gehört haben: „In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst“ (Joh 1:4f.) Diesem Licht wollen wir trauen bei Tag und vor allem bei Nacht. Es lässt uns mit Gewissheit die Abfahrt fortsetzen bis zu jenem letzten Abschwung im Talgrund, wo wir dann beim Herrn sein werden und erleben, dass alles ganz gut ist. Amen!

Freitag, Dezember 28, 2012

Hl. Familie



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 2:41 – 52

41Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem.
42Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach.
43Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der junge Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten.
44Sie meinten, er sei irgendwo in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten.
45Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort.
46Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen.
47Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten.
48Als seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen, und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht.
49Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?
50Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte.
51Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen.
52Jesus aber wuchs heran, und seine Weisheit nahm zu, und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen.




Weihnachten hat mit Familie zu tun - diese Botschaft möchte uns das heutige Fest der hl. Familie vermitteln.
Aber das wissen wir schon längst aus eigener Erfahrung: Sei es, dass Weihnachten von Anfang an selbstverständlich in unser Familienleben eingebettet war und diese Zeit gerade deshalb eine so herzliche Zeit ist, weil wir sie mit unseren Eltern, Geschwistern, Ehepartnern und Kindern feiern. Wir können und wollen uns diese Zeit gar nicht ohne unsere Familie vorstellen.
Sei es aber auch, dass Weihnachten eine mühsame Zeit ist, weil gerade jetzt Unaufgearbeitetes hochkommt und unterdrückte Spannungen die Beziehungen untereinander belasten.
Sei es schließlich, dass einem die Familie abhanden gekommen ist und man in der Einsamkeit gerade in diesen Tagen den Verlust einer familiären Umgebung besonders schmerzhaft empfindet.

Weihnacht ist Familienweihnacht! Und Jesus ist hineingeboren in eine Familie - allerdings in keine normale sondern in so was wie eine Patchworkfamilie, da ja Josef nicht der „richtige“ Vater von Jesus ist sondern nur sein Ziehvater oder Nährvater. Im heutigen Evangelium kommt auch das indirekt zur Sprache. Diese Geschichte führt uns außerdem durch jene verschiedene Familienzustände, die ich oben kurz angedeutet habe.

Da erleben wir zuerst Familie von der feinen Seite: Einträchtig im Tempel versammelt zum Paschafest; versammelt im Hause Gottes, im Tempel. Gott die religiöse Mitte der Familie. Diese religiöse Mitte wird sich jedoch gleich in ihrer Ambivalenz zeigen: als Kraft, die verbindet und als Kraft, die trennt!

Denn auf dem Weg nach Hause fällt die hl. Familie auseinander: Das Kind hat eigene Vorstellungen, von denen die Eltern keine Ahnung haben; es geht eigene Wege entgegen der Erwartung der Eltern: Es bleibt in Jerusalem zurück. Die Eltern geraten in große Sorge und sind sehr verärgert, als sie es nach drei Tagen im Tempel wiederfinden. „Er müsse in dem sein, was seinem Vater gehört!“ Damit rechtfertigt er seinen Verbleib im Tempel. Und warum sie das nicht gewusst hätten!? Aber sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte.

Wir sehen: Hl. Familie bedeutet nicht nur harmonischen Gleichklang im Denken und Tun. Sie bedeutet Meinungsverschiedenheit, eigene Wege, dem Göttlichen Raum geben auf je eigene Weise. Wir erleben eine von Gott gefügte Verschiedenheit. Dieses Göttliche verbleibt jedoch nicht in der Differenz. Es lebt weiter in dem, dass Maria alles, was geschehen war, in ihrem Herzen bewahrte; es lebt auch weiter in dem, dass Jesus nach Nazareth zurückkehrte und ihnen gehorsam war. Das Göttliche, das Heilige erweist sich auch darin, dass das Andere, das Fremde im Anderen wahrgenommen und angenommen wird - und so die Familiengemeinschaft nicht gesprengt sondern im gegenseitigen Ertragen zu einer tieferen Einheit gelangen kann.

Das ist dann der Boden, auf dem Jesus heranwachsen, an Weisheit zunehmen und bei Gott und den Menschen Gefallen finden kann.

Dieser Boden wurde zu Weihnachten bereitet, indem Gott Mensch geworden ist in Jesus von Nazareth. Dabei hat Gott im Menschen das so ganz von ihm Verschiedene, Andere, Fremde angenommen und mit sich verbunden; er hat das Göttliche in den Menschen hineingegeben und zugleich den Menschen in sein Göttliches hereingenommen. Was Gott da praktiziert hat ist nicht bloß Toleranz; es ist Akzeptanz in liebender Solidarität.

Sein Menschwerdung ist ein Zündfunke, der uns zu Mitmenschlichkeit in einer neuen Dimension herausruft und befähigt. Von dieser Mitmenschlichkeit im Rahmen der Familie erzählen die beiden Lesungen: Es ist ein Schauen aufeinander nach dem Plan und dem Willen Gottes. Dieses Dasein füreinander ist nicht bestimmt durch die Eigenart des Anderen sondern durch die Liebe Gottes zu uns. Der Apostel drückt dies einmal so aus: „Wenn Gott uns so geliebt hat müssen auch wir einander lieben!“ (1 Joh 4:11)

Diese Liebe leuchtet zu Weihnachten auf. In ihrem Licht wird die Familie zu einer Gemeinschaft des Lebens - zu einer heiligen Familie! Amen!


Montag, Dezember 24, 2012

Menschen SEINER Gnade



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 2

1 In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen.
2 Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien.
3 Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.
So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids.
Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.
Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft,
und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.
In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.
Da trat der Engel des Herrn zu ihnen und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr,
10 der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll:
11 Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.
12 Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.
13 Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach:
14 Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.





Das Herz erfüllt von der abendlichen Weihnachtsfeier zu Hause sind wir nun hier beisammen, um das Feiern hier beim Gottesdienst fortzusetzen. Aus unserem christlichen Glauben heraus treffen wir uns hier in der Mitte unseres weihnachtlichen Feierns: beim Kind in der Krippe, in dem wir den Sohn Gottes verehren, der mit uns und für uns Mensch geworden ist in diesem kleinen, herzigen Kind.

Um dieses Geheimnis auszudrücken, wurden schon viele wunderbare, ergreifende Worte gesprochen. All diesen Worten ging jedoch voraus ein ergriffenes Stillewerden, das sich im Lauschen ehrfürchtig zu diesem Kind hinab neigte, um sich in stiller Anbetung von diesem Kind das Geheimnis dieses wundersamen Geschehens der Gottesgeburt ins Ohr flüstern zu lassen. Und jeder Mensch fand dann Worte und Klänge in sich, die sein Leben ihm geformt hatte, um dieses Geheimnis wiederzugeben und auszudrücken - in Prosa und Poesie, in Musik und Bild.

Dem Evangelisten Lukas ist es ähnlich ergangen: er lässt die Geburt des Kindes in Bethlehem parallel verlaufen zur Eintragung des Volkes in Steuerlisten: Da haben sich die Leute bei den öffentlichen Stellen eintragen lassen: sie haben ihren Namen genannt, ihren Beruf, ihre Herkunft, ihren  Verdienst. Diese Eintragung hat die staatliche Behörde veranlasst, damit sie angemessene Steuern von den Leuten einheben konnte - im günstigen Falle. Oder damit sie das Volk noch mehr ausbeuten konnte - im schlimmen Falle; und der ist damals leider öfter eingetreten.

Jedenfalls steht der Eintragung in die Steuerlisten die Geburt des Kindes in Bethlehem gegenüber; und das eröffnet den Zugang zu einem tieferen Verständnis dieser Geburt: Wie sich nämlich die Leute in die Steuerlisten eintragen so trägt sich Gott durch die Geburt des Kindes in Bethlehem in die Menschheitsliste hier auf Erden ein.
Wie die Menschen dabei ihre Identität mitteilen tut dies Gott auch in diesem Kind; in ihm sagt er seinen Namen: Immanuel - Gott mit uns! Oder Jesus - Gott heilt! Damit teilt er zugleich seinen Beruf mit: Erlöser, Heiland, Messias! In der Botschaft, die dieses Kind später verkündet, wird dieser kurze Eintrag zu Bethlehem entfaltet.
Über die Steuerlisten soll den Leuten dann eine gerechte Steuer auferlegt werden, damit sie ihren Beitrag leisten zum Erhalt des Lebensstandards.
Genau diesen Beitrag zur Erhaltung des Lebensstandards gibt auch Gott in Bethlehem ab - und nicht nur dort sondern auch auf Golgota, wo dieses Kind als Erwachsener dann sterben wird - jetzt aber nicht mehr, um einen Lebensstandard zu erhalten als vielmehr das Leben insgesamt dem Tod zu entreißen und so die ganze Menschheit zu retten und zu Gott heimzuführen.

Dabei wird der Beitrag klar, den Gott gibt: Es ist nicht Geld oder Naturalien; es ist nicht etwas! Der Beitrag, den Gott gibt ist eine Person: ER selber ist es, der sich gibt! Darum werden wir dann am Ende der Christmette mit den Engeln singen: Christus, der Retter ist da! Uns schlägt wirklich die rettende Stund in der Geburt Christi!

Und dass Gott zu Bethlehem nicht zu Geld wird oder zu sonst etwas - sondern dass er dort Mensch wird, lässt seine Botschaft überdeutlich vernehmen: es geht ihm bei all dem Geschehen in Bethlehem und seitdem und auch schon vorher  um uns Menschen! Nicht um Reichtum, nicht um Macht, nicht um Ruhm - sondern um uns Menschen!

Darum diese äußerst menschliche Art, als Kind in unserer Mitte geboren zu werden! Darum die Schlichtheit und Einfachheit, in der dies alles geschieht! Es geht Gott um uns Menschen in aller Unbedingtheit, ohne jegliche Voraussetzung; es geht ihm um unser Menschsein! Damit will er jeden Menschen treffen und betroffen machen; denn jeder von uns war einmal so ein kleines, wehrloses, einfaches Baby wie das Kind in Bethlehem!

Eben dies wird dann noch einmal unterstrichen durch die Botschaft der Engel: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade - und nicht den Menschen, die arm oder reich; klein oder groß; gut oder ungut sind!

Wir alle stehen vielmehr in seiner Gnade, weil er uns alle liebt! Das möge als das kostbarste Weihnachtsgeschenk uns allen von neuem tief und beglückend bewusst werden, damit der Friede und die Freude, die Gott in diese Nacht und in diese Tage gelegt hat, uns zuinnerst ergreifen, formen und beglücken kann! Amen!

Freitag, Dezember 21, 2012

Gesegnet bist Du!


 

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 1:39 – 45

39Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.
40Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet.
41Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt
42und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.
43Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
44In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
45Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.




Mit stiller Freude durften wir eben an der herzlichen Begegnung zweier schwangerer Frauen teilnehmen. Die Verwandtschaft der beiden fördert die Herzlichkeit zusammen mit dem gleichen Geschick. Der letzte Grund für die Glückseligkeit der beiden Frauen liegt jedoch in der göttlichen Regie, unter der die beiden zusammengeführt wurden.

Beide wurden sie auf besondere Weise von Gott beschenkt: Elisabeth auf natürliche Weise, indem ihre oder ihres Mannes Unfruchtbarkeit überwunden wurde und sie schwanger werden konnte. Maria auf außernatürliche Weise, indem sie ohne Zutun eines Mannes aus der Kraft des hl. Geistes heraus schwanger wurde und den Sohn Gottes in ihrem Schoß empfangen hat.

Wie aus den Erzählungen über diese Ereignisse hervorgeht, hat Gott den beiden Frauen ihre Leibesfrucht nicht geschenkt, nur um ihnen Mutterfreuden zu bereiten. Es ward von Anfang an klar gestellt, dass die beiden werdenden Kinder einen Auftrag haben: Für Johannes, das Kind der Elisabeth, drückt sein Vater Zacharias diese Aufgabe in einem Preislied so aus: „Und du, Kind, wirst Prophet des Höchsten heißen; denn du wirst dem Herrn vorangehen und ihm den Weg bereiten. Du wirst sein Volk mit der Erfahrung des Heils beschenken in der Vergebung der Sünden.“ (LK 1:76f.) Der Weg dieses Kindes wird hingeordnet auf den Herrn und auf sein Volk: Dem Herrn den Weg bereiten und das Volk für das Heil vorbereiten, das Gott ihm durch sein Kommen schenken möchte.

Bei Jesus, dem Kind Mariens, geschieht beides auf eminentere Weise: „Es wird heilig und Sohn Gottes genannt werden“ (Lk 1:35d) „und er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben.“ (Lk 1:33) Gott und den Menschen zu dienen wurde beiden Kindern bereits in die Wiege, um nicht zu sagen: in den Mutterschoß, gelegt. Diese Berufung zum Dienst schlägt sich unvermeidlich in ihren Müttern nieder und bewegt sie als tiefster Antrieb, einander in der Schwangerschaft zu unterstützen: Maria wird ihrer Verwandten Elisabeth in der letzten, beschwerlichsten Zeit vor der Geburt hilfreich zur Hand gegangen sein; und beide werden sie die für beide erstmalige Erfahrung ausgetauscht, bewundert und so miteinander verarbeitet haben.

Mit dem, was Gott diesen beiden Frauen gegeben hat, wurden sie selber beschenkt und zugleich zuinnerst angeregt zur Hingabe; denn Gott hat letztlich nicht etwas gegeben sondern sich selber. Und diese Selbsthingabe Gottes hat diese Frauen beflügelt, einander zu helfen und sich so füreinander hinzugeben. In der Erzählung des heutigen Evangeliums zeichnet sich bereits das weihnachtliche Geschehen ab: In der Hilfsbereitschaft der beiden Frauen wird die Bereitschaft Gottes vorweggenommen, uns Menschen zu Hilfe zu eilen in seinem Sohn, dessen Geburt wir in den kommenden Tagen feiern werden.

Gibt es eine schönere Möglichkeit, die Ebenbildlichkeit Gottes auszudrücken, zu der wir Menschen geschaffen sind? Gibt es etwas schöneres zu tun, als gerade in diesen Tagen die Art Gottes in uns lebendig werden zu lassen, indem wir von Herzen füreinander da sind? Und staunend nachzuschauen, was Gott mir geschenkt hat, damit ich mich selber daran erfreue und anderen damit Freude bereite?

Was im Evangelium deutlich wird, können wir auch in unserem Leben ablesen: Die Initiative hat Gott ergriffen! Von sich aus hat er die Distanz zu uns überwunden, um uns möglichst nahe sein zu können. Dieses Initiativhandeln Gottes wird für uns gerade dann zu einer Herausforderung, wenn es darum geht, uns mit anderen zu versöhnen und dabei den ersten Schritt zu tun. Weihnachten ist ein Fest bedingungsloser Versöhnung im Zeichen eines Kindes.

Mit allem, was Gott uns schenkt, verbindet er uns mit sich.
Mit allem, was Gott uns schenkt, gibt er den Auftrag, uns mit anderen in Freude zu verbinden.
Mit allem ,was Gott uns schenkt, gibt er und die Initialkraft für den Weg zur Versöhnung. Amen!

Freitag, Dezember 14, 2012

Was sollen denn wir tun?

 
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 3:10 – 18

10In jener Zeit fragten die Leute den Johannes den Täufer: Was sollen wir also tun?
11Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso.
12Es kamen auch Zöllner zu ihm, um sich taufen zu lassen, und fragten: Meister, was sollen wir tun?
13Er sagte zu ihnen: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist.
14Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Misshandelt niemand, erpresst niemand, begnügt euch mit eurem Sold!
15Das Volk war voll Erwartung, und alle überlegten im Stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei.
16Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
17Schon hält er die Schaufel in der Hand, um die Spreu vom Weizen zu trennen und den Weizen in seine Scheune zu bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.
18Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk in seiner Predigt.




Wir haben noch vom letzten Sonntag im Ohr, wie Johannes am Jordan Umkehr verkündigte und Taufe zur Vergebung der Sünden. Das Wort der Schrift erfüllt sich so: "Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!"

Im heutigen Evangelium erfahren wir, wie die Verkündigung des letzten Sonntags den Leuten zu wenig konkret ist. So fragen sie denn heute nach, was sie denn nun tun sollen, um umzukehren und dem Herrn den  Weg zu bereiten: Johannes ist um eine Antwort nicht verlegen: sie sollen Gewand und Nahrung teilen mit den Bedürftigen! Die Zöllner nicht mehr als festgesetzt verlangen und die Soldaten sollen niemand misshandeln, niemand erpressen und sich mit dem Sold begnügen.

Wir bemerken, dass Johannes nicht theoretisch über die Köpfe der Menschen hinweg redet sondern praxisbezogen in das Leben seiner Zuhörer hinein. Dabei kommt nur die positive Gestaltung der Beziehung zu den Mitmenschen zur Sprache. Er fordert die Menschen nicht zum Gebet auf sondern „nur“ zur Nächstenliebe, so wie sie sich aus ihrem Alltagsleben ergibt. Indem sie Schwester und Bruder in Not helfen bzw. sie vor Not bewahren, sind sie auf dem Weg der Umkehr, bereiten sie dem Herrn den Weg.

Wenn wir also zu einem Johannes unserer Tage, nämlich zu unserem Diözesanbischof Manfred gehen und ihn fragen: Was sollen wir denn tun - wird er uns antworten: Spendet für Schwester und Bruder in Not und helft mit beim heurigen Schwerpunktprojekt, in El Salvador ein Gesundheits- und Ernährungsprogramm zu verwirklichen.

Für stille Momente ist es eine fruchtbare geistlich praktische Übung, mit seinem jeweiligen Lebenskontext zu Johannes hinzugehen und ihn zu fragen: Ja, was soll denn ich tun? Und sich dann Antworten anzuhören, die der Täufer uns geben könnte. Und bedenken wir: je lebensnäher diese Antworten sein werden, desto wahrscheinlicher werden sie von Johannes stammen.


Vom Namen des heutigen Sonntags her gewinnen wir eine besondere Sichtweise auf die Botschaft des Täufers. Der heutige Sonntag trägt den Namen „Gaudete“, was so viel heißt wie: Freut euch! In der ersten Lesung begegnet uns bereist diese Aufforderung: „Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich, und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem!“ (Zef 3:14) Und dann schon wieder in der 2. Lesung: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!“ Und genau die Freude ist es auch, auf die Johannes mit seiner Predigt abzielt: Die Leute sollen durch das Gute, das ihnen widerfährt froher werden; und indem das Böse von ihnen ferngehalten wird, sollen sie in der Freude bleiben dürfen.

Und wenn wir nun in den beiden Lesungen den Grund der Freude anschauen, werden wir noch tiefer in die Predigtabsicht des Täufers hineingeführt: In beiden Lesungen ist nämlich die Gegenwart des Herrn und seine Nähe die Ursache der Freude. Indem also Johannes auffordert, Gutes zu tun und Ungutes zu unterlassen, beauftragt er die Menschen indirekt, durch ihre Güte den Herrn, den Gott Israels zu vergegenwärtigen; durch ihr einfaches, alltägliches Gutsein werden sie zu Zeugen für die Gegenwart des Herrn mitten in seinem Volk. ER ist da in der Güte der Menschen und wird zur Freude seines Volkes. Von daher finden wir einen weiteren Zugang, wenn wir in diesen Tagen des Advent und der Weihnacht einander Gutes tun und Geschenke machen - auch wir dürfen durch unser Gutsein dem Herrn und seiner Güte zu uns ein Gesicht und eine Gestalt geben. Und dabei kann es ja nicht anders ein, als dass auch wir selber in die Freude hineingenommen werden, die wir anderen bereiten; es ist eine gemeinsame Freude; sie verbindet uns miteinander und mit Gott.

Indem wir anderen Freude machen bereiten wir dem Herrn den Weg - ob wir uns dessen nun bewusst sind oder nicht. Es ist gerade für uns Christen eine weitere Dimension dazu, dass wir uns am Herrn freuen und in seinem Namen anderen Freude bereiten dürfen. Unsere Freude wird so verwurzelt in einer persönlichen, freundschaftlichen Beziehung, die unserem Tun und seinen Konsequenzen eine besondere Qualität verleiht. Johannes lebt bereits in dieser Freude von Jesus Christus her, wenn er dessen Kommen ankündigt und ihn als den Stärkeren und Größeren bekennt.

Werden wir durch Güte möglichst zu Freudenquellen für unsere Mitmenschen, zu Vorläufern der Engel, zu Wegbereitern des Herrn, zu Zeugen seiner Güte und Menschenfreundlichkeit. Amen!

Samstag, Dezember 08, 2012

Das Wort Gottes erging an .......


 

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 3: 1 – 6

1Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius; Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Tetrarch von Galiläa, sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und Trachonitis, Lysanias Tetrarch von Abilene;
2Hohepriester waren Hannas und Kajaphas. Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias.
3Und er zog in die Gegend am Jordan und verkündigte dort überall Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden.
4 (So erfüllte sich,) was im Buch der Reden des Propheten Jesaja steht: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!
5Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden.
6Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.






Das Evangelium hat uns eben berichtet, dass Gottes Wort ergangen ist - ein sehr feierlicher Ausdruck dafür, dass Gott gesprochen hat.
Nun hat er aber nicht zu den politischen und kirchlichen Größen damals gesprochen; sie werden alle der Reihe nach aufgezählt, angefangen vom Kaiser in Rom bis zu den Landesfürsten in Jerusalem; schließlich noch der Hohepriester.
Man möchte doch meinen, dass sie alle es besonders nötig gehabt hätten, für ihr verantwortungsvolles Amt eine Weisung Gottes zu erhalten.

Aber sie alle erweisen sich bloß als Statisten und als Datumsangabe. Reden tut Gott zu ihnen nicht; das tut er zu einem Mann, mit namens Johannes; und dieser Mann lebt in der Wüste.

Dieses Verhalten Gottes mag zum einen wohl damit zusammenhängen, dass die Mächtigen damals, wie zu allen Zeiten, zuviel um die Ohren hatten. Sie hätten das Wort Gottes kaum hören können. Auch im Tempel viel Betriebsamkeit, viele fromme Pflichtgebete - auch das keine gute Voraussetzung, dass Gott vernehmlich hätte reden können.

Allein diese äußeren Umstände fragen uns in dieser Adventszeit: Ja, und wie ist das bei uns? Hätte Gott bei uns ein offenes Ohr zu erwarten für sein Wort? Könnte er uns etwas sagen? Oder müssen auch wir eingestehen: eigentlich nicht, weil auch wir sowohl in der Betriebsamkeit dieser Tage wie auch hier in der Kirche zuviel um die Ohren haben?

Wir leben alle kaum oder gar nicht in der Wüste, wie Johannes im Evangelium das tut. Das ist für uns ja unmöglich, werden wir zu Recht einwenden. Doch geht es nicht um die Wüste um uns herum; die Wüste in uns ist gemeint! Die Stille nämlich, die in uns wird, wenn wir aufmerksam etwas, jemand erlauschen wollen; die Stille, die in uns wird, wenn wir uns in der Gegenwart von einem wissen, der uns liebt und bei dem wir uns bergen können. Da verstummen dann so viele Stimmen, die uns nur Unfrieden bringen: Stimmen der Angst, Stimmen der Unzufriedenheit, Stimmen der Unversöhntheit.
Gott hat zu Johannes nicht deshalb geredet, weil er in der Wüste war sondern weil er auf Gottes Wort gewartet und auf Gott hin seine Lauscher ganz weit aufgetan hat.

Wir können durchaus die Betriebsamkeit dieser Tage als Wüste bezeichnen, die uns ziemlich belastet. Doch kommt diese Belastung eigentlich daher, dass wir uns in unserem Inneren nicht bewusst machen, dass Gott da ist und ein Wort für uns hat; und dieses Wort kann dann durchaus auch durch die äußere Betriebsamkeit an uns ergehen, wenn wir sie als Herausforderung sehen können, in Gottes Namen Gutes zu tun.
So ist in diesen Tagen die Einladung Jesu besonders zutreffend: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht.“ (Mt 11:28 - 30)
Es ist das Joch der Gegenwart Gottes, das uns aufstehen und aufatmen lässt und uns befreit vom Joch des Getriebenseins von den Zwängen unserer Abhängigkeiten.
Darum suchen wir die äußere Stille auf um mit Gottes Hilfe zu dieser inneren Stille zu gelangen.

Fahren wir fort in der Geschichte des Evangeliums.
Waren nun also die äußeren Umstände und Voraussetzungen bei den Großen der damaligen Welt für ein rechtes Hören auf Gottes Wort äußerst ungünstig - so waren es die inneren Umstände noch viel mehr: ich meine damit den Inhalt der Botschaft Gottes; was er ihnen also sagen wollte.

Diesen Inhalt hören wir indirekt von der Reaktion des Johannes auf das Wort Gottes an ihn: „Und er zog in die Gegend am Jordan und verkündigte dort überall Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden.“ (Lk 3:3) Es geht um Umkehr! Wer von den Großen damals weltlicher wie kirchlicher seits hätte da wohl den geringsten Bedarf bei sich selber gesehen? In zweierlei Hinsicht waren sie durch diese Botschaft überfordert: Zum einen hätten sie bei sich nichts Unrechtes entdecken können und zum anderen hätte Umkehr für sie bedeutet, sich einem Größeren, nämlich Gott, zuzuwenden - und das wäre für sie überhaupt nicht in Frage gekommen.

Und genau hier sind wir beim Knackpunkt angekommen: Ihre stolze Eingenommenheit von sich selbst erlaubt es nicht, sich göttlichem Gesetz innerlich zu beugen (äußerlich freilich um des guten Rufes willen!) und einer Weisung Gottes zu folgen. Sie waren sich selbst Gesetz und Sünde war, was ihnen nicht passte. Von daher ist Umkehr ein Fremdwort für sie ebenso wie Taufe zur Vergebung der Sünden.

Mit den weiteren Worten des Evangeliums waren sie sich selber unüberwindlicher Berg und Hügel; sie waren sich selber Schlucht, in die sie beständig hineinfallen und nicht herauskommen; sie waren so in sich selber verkrümmt, dass sie nicht zu begradigen waren; sie waren und blieben für sich selber und für andere ein holpriger, steiniger Weg - einfach unbegehbar!

Wir können diese Menschen reihenweise in Politik, Wirtschaft und öffentlichem Leben wahrnehmen und zugleich uns selber fragen, inwieweit wir auch dazugehören.

Für alle endet das Evangelium mit der rettenden, erlösenden Perspektive: Alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt! (Lk 3:6) Bemühen wir uns mit allen Kräften, zu diesen Menschen zu gehören! Amen!

Donnerstag, Dezember 06, 2012

Gnade finden bei Gott

 
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 1: 26 – 38

26In jener Zeit wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret
27zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.
28Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.
29Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.
30Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.
31Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.
32Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
33Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.
34Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?
35Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.
36Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat.
37Denn für Gott ist nichts unmöglich.
38Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.




Im Evangelium hörten wir den Engel zu Maria sagen, "sie habe bei Gott Gnade gefunden." Damit meint der Engel, Gott sei auf sie aufmerksam geworden, er habe ein Auge auf sie geworfen, er habe sie angeschaut. Damit ist bei Gott mehr gemeint als ein äußeres Anschauen; es ist ein Hineinblicken auf den Grund der Seele gemeint, in ihr Innerstes.

Gnade finden bei Gott bezeichnet nicht nur die Art des Anschauens es betrifft auch die Dauer des Anblickes. Gott blickt nicht nur schnell und intensiv auf Maria hin, um seine Aufmerksamkeit dann wieder von ihr weg wo Anderssein zu richten. So etwa, wie wenn wir in ein Schaufenster blicken und dann wieder weitersuchen, wann wir das Gesuchte nicht finden. Gott lässt seinen Blick auf Maria, ja, in Maria ruhen mit Wohlgefallen und Zuneigung, mit Freude und Hingabe - und das nicht erst ab einem bestimmten Zeitpunkt sondern von Anfang ihres Lebens hier auf Erden.

Dieser Blick - Anblick und Einblick zugleich - hat eine besondere Eigenart: Er ist wie ein Platzhalter nur für das, was diesem Blick entspricht, woran er sein Wohlgefallen und seine Freude hat. Wie eine Energieglocke oder eine Aura hält er alles ab, was diesen Blick betrüben könnte. Das meint, was die Kirche „Unbefleckte Empfängnis“ nennt und was wir heute, am 8. Dezember, feiern.

Die völlig gegensätzliche Haltung finde ich bei mir im Umgang mit der Unmenge von Werbung, die auch mich gerade in diesen Tagen überflutet: Nicht nur, dass ich gar nicht hineinschaue - ich würdige sie kaum eines Blickes und gebe sie gleich zum Altpapier. Mag das bei der Werbung eine Tugend sein so muss ich mich doch fragen, ob ich Menschen nicht manchmal auch so ähnlich behandle und mir kaum oder zu wenig Zeit nehme für angemessene Aufmerksamkeit.

Der Auftrag, der so durch das Fest heute ergeht ist: Liebende Aufmerksamkeit im Umgang miteinander! Wie das Evangelium erzählt ist damit nicht nur die Aufmerksamkeit Gottes auf Maria gemeint sondern auch die dadurch hervorgerufene Aufmerksamkeit Marias auf Gott!

„Du hast bei Gott Gnade gefunden!“ Was das für Maria bedeutet erzählt die Geschichte: Durch die Aufmerksamkeit Gottes auf sie wird sie beschenkt: mit der Überschattung des Hl. Geistes, mit dem Wort Gottes, das in ihr Fleisch und Mensch wird.

Das Aufmerken Gottes auf Maria zeigt enorme Wirkung: Es macht sie eminent empfänglich für das Eigene Gottes; es zieht sie hinein in die Gemeinschaft mit Gott; sie bleibt dabei kein willenloses Werkzeug sondern setzt sich eigenwillig auseinander mit Gottes Aufmerksamkeit auf sie. Diese Auseinandersetzung führt schließlich zur vollkommenen Einstimmung auf das was Gott ihr in seiner Zuneigung schenkt: Einander geneigt bleiben sie fortan ein Herz und eine Seele und werden in gewisser Hinsicht sogar ein Fleisch in dem Kinde, das sie empfängt, austrägt und gebiert.

Durch das, was da an Maria geschieht, wird sie zweifellos aus allen Menschen herausgehoben - und bleibt doch zugleich tiefer als alle anderen den Menschen verbunden. Ihre Begnadung ist nämlich eine zum Heil der Menschen, zu deren Erlösung und Befreiung, denn: das Kind das sie empfängt wird sein Volk von seinen Sündern erlösen! Und die Ersterlöste dieses Volkes ist Maria in ihrer Verschontheit von aller Sünde von Anbeginn ihrer Existent hier auf Erden.

Was Maria widerfährt regt an, zu bedenken, in welcher Weise Gott sich uns zuneigt; vor allem aber, dass er uns grundsätzlich geneigt ist; wie zeigt sich das in meinem Leben? Was habe ich „empfangen“ als Zeichen seiner Zuneigung? Bin ich mir bewusst, dass auch meine Auszeichnung zum Segen für meine Mitmenschen gedacht ist? Worin besteht dieser Segen und lass ich ihn fließen? Bin ich wohl nicht, wie jener unnütze Knecht, de sein Talent vergräbt und nicht damit wirtschaftet? Wie füge ich mich also ein in die Heilsökonomie Gottes? Und tue ich es im Grunde meines Herzens mit freudiger Hingabe, die sich gerade im Zeichen des Kreuzes verwirklichen will?

Setzen wir uns besonders in diesen Adventtagen dem Licht aus, das Gott in der Mutter seines Sohnes entzündet hat und das uns hinführt zur Quelle dieses Lichtes - zu Jesus Christus, unserem Erlöser und Herrn! Amen!