Donnerstag, Januar 31, 2013

Messias nach Maß


 
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 4:21 – 30

In jener Zeit
21begann Jesus in der Synagoge in Nazaret darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.
22Seine Rede fand bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete, und sagten: Ist das nicht der Sohn Josefs?
23Da entgegnete er ihnen: Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! Wenn du in Kafarnaum so große Dinge getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier in deiner Heimat!
24Und er setzte hinzu: Amen, das sage ich euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt.
25Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam.
26Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon.
27Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman.
28Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut.
29Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen.
30Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg.





Es ist schon erstaunlich, wie schnell das geht: Zu Beginn des Evangeliums fand Jesu Rede bei allen Beifall und am Ende gerieten alle in Wut und wollten Jesus den Stadtberg hinunterstürzen.
Was hat denn diesen extremen Stimmungsumschwung hervorgerufen?
Angefangen hat es mit der Frage: Ist das nicht der Sohn Josefs? Diese Frage stellen die Leute, nachdem sich Jesus eben als der erwartete, geisterfüllte Messias geoutet hat.
So stellen die Leute einerseits Jesu Anspruch in Frage, denn der Messias wurde ja als Sohn Davids erwartet!
Andererseits bringen sie zum Ausdruck, dass Jesus als der Sohn Josefs ja einer von ihnen ist - und erhebt nun den Anspruch mehr zu sein als sie.
Die Leute erwarten einen anderen Messias und keinen aus ihrer Mitte. Jesus entspricht nicht der Messiaserwartung der Leute.

Jesus nimmt die Skepsis der Leute auf und bekräftigt sie durch das Sprichwort: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt! Und anstatt das Gemüt seiner Zuhörer zu besänftigen gießt er Öl ins Feuer, indem er zwei Beispiele aus Israels Geschichte erzählt; aus dem Leben des Elia eines und das andere aus dem Leben des Elischa. Beides sind hervorragende Propheten des Volkes Israel. Beide wurden jedoch von ihrem Volk abgelehnt, so dass ihre Kraft nur außerhalb des Volkes bei Nichtjuden wirken konnte.
Jesus setzt so sein Schicksal mit dem der beiden Propheten gleich.
Zugleich macht Jesus durch seine Rede deutlich, dass Gott das Heil, das seinem auserwählten Volk zugedacht war, auch außerhalb des Volkes Israel wirksam werden lässt.
Was tut Jesus auf diese Weise?
Die Leute stellen seine Erwählung zum Messias in Frage;
Jesus stellt darauf in Frage, wie seine Leute sich als das auserwählte Volk Gottes verstehen. Das ist alles andere als eine billige Retourkutsche durch Jesus nach dem Motto: Wie du mir so ich dir!
Jesus macht vielmehr deutlich, dass die Erwählung keine starre, automatische Angelegenheit ist sondern ein lebendiger Vorgang, bei dem es sowohl auf den erwählenden Gott, wie auch auf das erwählten Volk Israel ankommt. Erwählung ist keine Einbahn! Sie bedarf der Annahme, will sie wirksam sein können.

Durch seine Rede in der Synagoge zu Nazareth, die wir am vergangenen Sonntag mitgehört haben, hat er denn Leuten auch gesagt, dass er seine Erwählung zum Messias erkannt und angenommen hat; das ist zugleich eine Einladung an sie, ihre Erwählung durch Gott neu zu bedenken und sie eben auch anzunehmen - indem sie in Jesus den Messias erkennen, der von Gott zu ihnen geschickt ist, damit sie ihn eben auch annehmen.

Die beiden Episoden aus der Geschichte seines Volkes ist durchaus keine übereifrige und verwegene Herausforderung des Volkszornes sondern eine dringliche Einladung, die Fehler ihrer Väter doch nicht zu wiederholen; vielmehr aus der Geschichte zu lernen und neue Wege zu gehen auf Gott zu, der ihnen jetzt entgegenkommt in seinem Messias, in Jesus von Nazareth. Gott möchte eben so sein Volk von neuem erwählen und ihm seine Bundestreue erweisen.

Die Leute nehmen sich nicht die Zeit, genauer hinzuhören, aufmerksamer hinzuschauen, ihre eigenen Vorstellungen vom Messias zu hinterfragen und zu relativieren. Sie haben nicht die Freiheit und die Demut, Gott auf sich zukommen zu lassen, wie ER es möchte!
Ihren Vorstellungen verhaftet möchten sie gleich beseitigen, was ihnen nicht passt und Jesus den Stadtberg hinunterstürzen.

Das heutige Evangelium zeichnet Jesu Weg vor: seine unmissverständliche Verkündigung des Reiches Gottes in seinem messianischen Reden und Handeln; die Ablehnung durch sein Volk, das ihn schließlich ans Kreuz und in den Tod führt; kraft seiner göttlichen Sendung jedoch hinein in die herrliche Auferstehung und Erhöhung zu Gott, von dem er den Geist sendet, der dann die Gemeinschaft der Jünger Jesu in der Kirche über Israel hinaus ausweitet auf alle Völker, um ihnen in Wort und Tat den Dienst der Frohbotschaft Jesu zu erweisen.

Jesus ist kein Softie, der möglichst allen alles recht machen möchte. Er fordert heraus zur Stellungnahme für oder gegen ihn; zum Aufbrechen unserer Vorstellungen von ihm und von Gott; zum Öffnen für seine messianischen Gaben, die er ja auch für uns bekommen hat.
Er fordert uns auf, dass wir vom Verhalten der Nazarener lernen, so dass er nicht auch durch unsere Mitte hindurch schreiten und weggehen muss, sondern unter uns und in uns bleiben kann als die Mitte von der wir leben, aus der wir lieben, mit der wir unserer Vollendung entgegengehen. Amen!

Freitag, Januar 25, 2013

Was Jesus will

 
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 1:1-4; 4:14-21

1Schon viele haben es unternommen, einen Bericht über all das abzufassen, was sich unter uns ereignet und erfüllt hat.
2Dabei hielten sie sich an die Überlieferung derer, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren.
3Nun habe auch ich mich entschlossen, allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen, um es für dich, hochverehrter Theophilus, der Reihe nach aufzuschreiben.
4So kannst du dich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen, in der du unterwiesen wurdest.
14Jesus kehrte, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend.
15Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen.
16So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Schrift vorzulesen,
17reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja. Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt:
18Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze
19und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.
20Dann schloss er das Buch, gab es dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.
21Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.






Es ist ein gutes Gefühl, zu wissen, wie man dran ist mit einem, mit dem man näher zu tun hat. Dieses Gefühl will Jesus heute im Evangelium auch vermitteln, wenn er in der Synagoge seiner Heimatstadt zum ersten mal öffentlich auftritt. Er lässt die Leute wissen, wozu er da ist, was er im Sinn hat, was seine Aufgabe und seine Berufung ist. Sie sollen wissen, was sie von ihm erwarten können. Bei seiner Rede stützt er sich auf ein Wort aus der hl. Schrift der Juden, näherhin auf eine Stelle aus dem Propheten Jesaja.

Es ist bezeichnend, dass Jesus nicht mit eigenen Worten beginnt sondern mit Worten der hl. Schrift, also mit dem Wort Gottes. Jesus tut dies erfüllt mit der Kraft des hl. Geistes. Der bewegt ihn, im Namen Gottes zu beginnen, indem er die Schriftrolle nimmt und das Prophetenwort vorliest. An Gottes Segen ist alles gelegen, darum fängt Jesus sein Wirken in Gottes Namen an. Genau das tun wir auch, wenn wir den Tag in der Frühe oder die Ruhe der Nacht oder die hl. Messe oder die Mahlzeit mit dem Kreuzzeichen beginnen im Namen des Vaters und des Sohnes und des hl. Geistes. Wir sollten jeden Beginn im Namen Gottes setzen und ihn so dem Segen und der Führung Gottes anvertrauen.

Jesus folgt damit freilich der liturgischen Vorgabe, dass jede Rede in der Versammlung mit dem Wort Gottes zu beginnen hat, weil der ja der Herr ist. Bei Jesus hat dies aber eine besondere Note, die verständlich wird, wenn wir uns an den 12jährigen Jesus im Tempel erinnern, wie er seinen verärgerten Eltern erwidert, ob sie denn nicht wüssten, dass er in dem sein muss, was seinem Vater gehört. (vgl.Lk 2:49) Wenn Jesus mit dem Wort Gottes beginnt, betritt er gleichsam ureigenes Terrain. Nicht nur, dass er von seinen Eltern an Hand der hl. Schrift erzogen wurde. Als „Sohn des Höchsten“ (Lk 1:32) betritt er im Wort Gottes heimatlichen Boden, taucht er in jene Atmosphäre ein, in der er seit Ewigkeit daheim ist. Es ist für ihn naturgemäß nicht anders denkbar, als mit dem Wort Gottes zu beginnen. Jesus fügt sich durch sein Verhalten nicht einer vorgegebenen Ordnung ein sondern bringt damit sein wesentliches Geprägtsein von Gott her zum Ausdruck. Das wird dann noch einmal dadurch unterstrichen, dass sich seine Darlegung auf den marginalen Satz beschränkt: „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.“ (Lk 4:21)

Schauen wir uns nun das Wort näher an, das Jesus uns vorliest und in dem er sich selber so ganz wiederfindet. Es ist das Wort von einem Geisterfüllten. Die Geistpräsenz führt den Betroffenen nun aber nicht zu bloßer Selbstbespiegelung und zu egoistischer Nabelschau. Vielmehr wird er völlig hingeordnet auf andere, die das nicht haben, was er hat. Zu denen wird er geschickt, damit er Armen eine gute Nachricht bringt, Gefangenen Entlassung, Blinden das Augenlicht, Zerschlagenen die Freiheit. Zusammenfassend will er so ein angenehmes Jahr des Herrn ausrufen.
Jesus erklärt sich mit diesen Schriftworten als der Messias, den sein Volk erwartet. Und der folgende Evangelienbericht des Lukas wird die Deklaration Jesu dann entfalten und dabei vor allem den Grundton der Barmherzigkeit Gottes wiedergeben, der bereits in der Ankündigungsrede Jesus unüberhörbar anklingt.

Fassen wir abschließend eine vorläufige Reaktion der Leute ins Auge: „Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.“ (Lk 4:20b) Sie lässt spüren, wie gespannt die Leute auf seine Worte sind lässt aber offen auf welche Weise sie schließlich reagieren werden. Was sie von Jesus hören und sehen, ist das eine; wie dies bei ihnen ankommt und was es mit ihnen macht, ist das andere.

Bei uns ist es auch nicht viel anders. Mag unsere Aufmerksamkeit mehr oder weniger auf Jesus gerichtet sein – wer will schon wissen, welche Früchte das bringt und ob es überhaupt fruchtbar sein wird. Es braucht ein offenes, berührbares Herz; berührbar insofern wir uns selber als Arme erleben, für die seine Worte und sein Dasein eine Bereicherung sind. Berührbar dann aber auch, dass wir ebenso für die Not um uns sensibel werden und Jesu Vorgabe auch für uns ein Masterplan für unser eigenes Leben wird zum Guten vor allem für unsere Mitmenschen in Not.

Jesus verkündet nicht seine Botschaft sondern die Gottes. Und als Botschaft Gottes ist sie erst auch die seine. Es ist unübersehbar wie bei Jesus so das rückhaltlose Sich-Einlassen auf Gottes Wort untrennbar Hand in Hand geht mit dem bedingungslosen Sich-Einlassen auf die Not seiner Mitmenschen. Damals klingt an, was Widerhall findet in den Anfangsworten der Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi.“ (GS 1) Das Programm, das Jesus heute vorstellt, das er selber gelebt und verwirklicht hat, ist auch Programm seiner Jünger und er Kirche seither. Unsere Zugehörigkeit zu Christus erweist sich daran, inwieweit es auch unser Lebensprogramm ist. Amen!

Sonntag, Januar 20, 2013

Hochzeit

 
Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 2: 1 – 11

In jener Zeit
1fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt, und die Mutter Jesu war dabei.
2Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen.
3Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.
4Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
5Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut!
6Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, wie es der Reinigungsvorschrift der Juden entsprach; jeder fasste ungefähr hundert Liter.
7Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis zum Rand.
8Er sagte zu ihnen: Schöpft jetzt, und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist. Sie brachten es ihm.
9Er kostete das Wasser, das zu Wein geworden war. Er wusste nicht, woher der Wein kam; die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es. Da ließ er den Bräutigam rufen
10und sagte zu ihm: Jeder setzt zuerst den guten Wein vor und erst, wenn die Gäste zu viel getrunken haben, den weniger guten. Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.
11So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn.


Im Evangelium des Johannes setzt Jesus bei einer Hochzeit sein erstes Zeichen, um seine Herrlichkeit zu offenbaren und seine Jünger zum Glauben zu führen. Das finde ich einfach großartig und wert, sich in dieses Zeichen zu vertiefen, um es noch besser verstehen zu können.

Einen ersten Zugang gibt uns die 1. Lesung aus dem Propheten Jesaja: Dort hören wir am Ende: Wie der junge Mann sich mit der Jungfrau vermählt, so vermählt sich mit dir dein Erbauer. Wie der Bräutigam sich freut über die Braut, so freut sich dein Gott über dich.“ (Jes 62:5) Jesaja spricht mit diesen Worten die Verbindung Gottes mit seinem Volk an in der Weise einer Vermählung. Er deutet das Zueinander von Gott und seinem Volk als jenes von Bräutigam und Braut. Damit soll die liebvolle Tiefe der Beziehung zwischen Gott und seinem Volk ausgedrückt werden. Tiefer und herzlicher konnte man damals die Verbindung mit Gott und seinem Volk nicht ausdrücken. Bemerkenswert dabei ist, dass die Initiative zu einer derartigen Verbundenheit vom Bräutigam – also von Gott – ausgeht.

Was hat das nun mit Jesus selber zu tun und warum setzt er gerade bei einer Hochzeit sein erstes Zeichen? Antwort auf diese Frage gibt uns der Hinwies, dass Jesu Tun auf der Hochzeit zu Kana zusammen mit der Anbetung der Sterndeuter und der Taufe im Jordan als drittes Ereignis aufgezählt wird, bei dem sich Gott selber durch diesen Menschen Jesus von Nazareth den Menschen zeigt.

Im Rückblick heißt das nun, dass bei der Geburt Jesu sich eine Verbindung zwischen Gott und Mensch vollzogen hat, die einer hochzeitlichen Verbundenheit zwischen Bräutigam und Braut ähnlich ist. Darauf will Jesus hinweisen, wenn er als erstes Zeichen seiner Herrlichkeit eine Weinvermehrung bei einer Hochzeit setzt. Was daran herrlich ist? Nun, dass mit dem Gottmenschen Jesus eine Hochzeit für uns Menschen beginnt – sowohl als punktuelles Ereignis wie auch als ein Zeitraum, der sich zeitlos in die Ewigkeit hinein erstreckt. Diesen Raum der Hochzeit wird Jesus dann an anderer Stelle Reich Gottes nennen. Mit dem Zeichen der Hochzeit klingt jedoch eine Emotionalität an, die gerade dem Johannesevangelium ausgleichend gut tut, da es doch anfangs die Menschwerdung Gottes mehr auf intellektuelle Weise dargestellt hat. Erinnern wir uns nur an den Prolog des Evangeliums: Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott …. Etliche Male haben wir dieses Evangelium in der Weihnachtszeit gehört, das heute in bräutlicher Sprache unser Herzensgemüt anspricht.


Wie sehr sind wir ansprechbar? Wie sehr sind wir für die Liebe Gottes zu uns Menschen empfänglich, die sich auf so intensive Weise uns mitteilen möchte? Sind wir uns denn bewusst, dass wir Christen uns in einer Hochzeit befinden, seitdem wir durch die Taufe hineingenommen wurden in diese tiefe Verbundenheit Gottes mit uns Menschen? Was macht es mit uns, mit unserem Leben, zu wissen, dass wir mit Gott verbunden sind wie Bräutigam und Braut; dass wir unauflöslich zusammengehören? Haben wir für unser Leben die persönlichen Konsequenzen aus dieser Liaison jemals ernsthaft bedacht und durchbuchstabiert? Eine geistliche Aufgabe, die immer ansteht.

Wir versuchten, das Zeichen Jesu aus der Vergangenheit von seiner Geburt her zu verstehen. Nun wollen wir dieses Zeichen im Hinblick auf sein künftiges Leben ausdeuten. Es weist nämlich ebenso hin auf seinen Tod und seine Auferstehung.

Die Meldung seiner Mutter, dass sie keinen Wein mehr haben, ist für eine Hochzeit ein katastrophales Faktum; denn Maria sagt ja nicht, dass die Leute in absehbarer Zeit keinen Wein mehr haben werden; sondern, dass sie jetzt schon keinen Wein mehr haben. Die Katastrophe ist bereits eingetreten.

Dies nimmt zeichenhaft vorweg die Katastrophe seines Todes am Kreuz; Seine Stunde ist zwar noch nicht wirklich da aber doch schon im ausgegangenen Wein zeichenhaft vorweggenommen.
Diesem Zeichen seines Todes setzt Jesus nun das Zeichen seines Lebens gegenüber in der wunderbaren Weinvermehrung – und zwar in einer Weise, die überdeutlich macht, dass in ihm Leben in Fülle ist: Es sind 600 Liter besten Weines, den Jesus der Hochzeitsgesellschaft zur Verfügung stellt. Damit setzt Jesus das Zeichen, dass in ihm jene Lebensfülle da ist, die jeden Tod überwindet. Durch sein Tun will Jesus kein Wunder wirken – davon ist überhaupt nicht die Rede – sondern er setzt in damit ein Zeichen, in dem die Fülle seines göttlich-menschlichen Wirkens gegenwärtig ist: sowohl seine Menschwerdung wie auch sein Sterben am Kreuz zugleich mit seiner Erhöhung zum Vater und der Aussendung seines Geistes.

Diesem Zeichen der Herrlichkeit Jesu können wir abschließend noch etwas Wichtiges entnehmen: Die Hochzeit mit ihm bedeutet nicht automatisch eitel Wonne im Dauerzustand – sie umfängt auch Leiden, Sterben und Tod – doch all dies Dunkle als Umfangenes von seiner Lebensfülle, sodass ein Sterben mit ihm immer ins Auferstehen und ins Leben mit ihm führen wird.

Als Schlusspunkt weise ich noch darauf hin, dass diese Hochzeit mit Jesus auf besondere Weise belebt wird von seiner Mutter Maria, die aufmerksam da ist, die Not sieht und sie mitleidend zu ihrem Sohn bringt. In seiner Todesnot am Kreuz, wie er dann für sich keinen Lebenswein mehr hat, wird er ebendiese seine Mutter zu uns bringen als unsere Mutter – als Einladung, die Hochzeit mit ihm in Freud und Leid wie sie und mit ihr zu leben.
Wir verstehen jetzt, warum Jesus bei der Weinvermehrung nicht von einem Wunder spricht sondern von einem Zeichen. Amen!

Freitag, Januar 11, 2013

Göttliches Potential


 
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 3: 15-16.21-22

In jener Zeit
15war das Volk voll Erwartung, und alle überlegten im Stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei.
16Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
21Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen. Und während er betete, öffnete sich der Himmel,
22und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.




Mit dem heutigen Sonntag endet die Weihnachtszeit - und sie endet mit einem Paukenschlag, mit einem Highlight in der Taufe Jesu. Während er sich taufen lässt geschieht was Besonderes: Der Himmel öffnet sich; Der Heilige Geist kommt sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab; wahrscheinlich hat sie sich auf seine Schultern gesetzt. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.

Im Verlauf der Weihnachtszeit haben wir schon von diesem Jesus gehört: die Engel verkündeten ihn als den Retter, den Messias und Herrn (vgl. Lk 2:11); der Stern am Himmel und in seinem Gefolge die Sterndeuter aus dem Osten erkannten in dem Kind den neugeborenen König der Juden (Mt 2:2); der greise Simeon hat im Tempel dieses Kind gepriesen als „Licht, das die Heiden erleuchtet und Herrlichkeit für sein Volk Israel.“ (Lk 2:32)

Und heute die Stimme Gottes aus dem Himmel als Unterschrift und Bestätigung von all dem - und noch mehr: denn sie sagt mit anderen Worten: Dieser Jesus ist Retter, Messias, König der Juden, Licht für die Heiden und Herrlichkeit für sein Volk Israel - er ist all dies und er ist noch mehr: er ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe. Und das bedeutet: erst als geliebter Sohn Gottes kann Jesus all dies sein: Retter, Messias, König, Licht und Herrlichkeit. Die Kraft, die Autorität und die Befähigung dafür bekommt Jesus aus seiner Gottessohnschaft.

Jesus ist bei seiner Taufe bereits ein Mann um die Dreißig. Die Zeit vorher hat er im Verborgenen verbracht als Sohn des Zimmermanns in Nazareth. Mit der Taufe tritt er in die Öffentlichkeit und die bisher in ihm verborgene göttliche Kraft beginnt sich zu entfalten und zu wirken, was uns die Evangelien berichten bis hin zu seinem Tod am Kreuz, seiner Auferstehung, Himmelfahrt und Aussendung des Hl. Geistes. Die Entfaltung seiner göttlichen Kraft wird schließlich bei seiner Wiederkunft in Herrlichkeit ihre ewige Vollendung finden.

So beendet die Taufe Jesu die Weihnachtszeit und zugleich eröffnet sie sein erlösendes Wirken in und an unserer Welt.

Wenn Jesus sich inmitten der Sünder taufen lässt und nicht mit dem Täufer einen Privattermin dafür ausmacht, will er damit sagen: dass er in ihrer Mitte und an ihrer Seite sein will als Mensch wie sie und zugleich als der Heilige Sohn Gottes, von dem sie letztlich das Heil erwarten können, das sie sich in der Taufe erhoffen. Und dieses Heil besteht nun nicht mehr bloß im Wegnehmen ihrer Sünden sondern darin, dass sie was dazu bekommen: die Kindschaft Gottes! Aus Sündern werden sie zu Kindern Gottes durch ihn, durch Jesus! Er bereichert die Taufe des Johannes um das Kindsein vor Gott.

Und damit bekommt die Taufe Jesu Bedeutung auch für uns, da wir ja wohl so ziemlich alle auf seinen Namen getauft worden sind. So wird die Taufe Jesu zu Erinnerung an unsere eigene Taufe und sein Sohnsein vor Gott Erinnerung an unser Kindsein vor Gott. Was bedeutet dies für uns? Ist es nur eine Befindlichkeit für unser Herzenskämmerlein? Wenn es das wirklich wäre, müsste es mehr sein. Sind wir im Herzen Kind Gottes können wir nicht anders - wir müssen es auch nach außen sein in unserem Denken, Reden und Tun. Früher oder später drängt und dringt unser Kindsein vor Gott wie bei Jesus nach außen und schlägt sich in einem Leben nieder, das nicht nur uns selber sondern auch unseren Mitmenschen gut tut. Als Kinder Gottes können wir nicht anders als zum Segen für unsere Mitmenschen werden.

Wir haben Weihnachten nicht nur als ein Fest für unser Gemüt gefeiert sondern als Ereignis, bei dem Christus in uns selber geboren worden ist. Über die biblischen Botschaften, die Lieder und die Stimmung dieser heiligen Zeit haben wir für das Jesuskind Raum geschaffen in unserem Herzen und in unserem Leben; auf vielfältige und wohltuende Weise hat sich das auch schon niedergeschlagen. Nunmehr steht mit der Taufe Jesu sein Aufbrechen in die Öffentlichkeit an und für uns die Einladung im Raum, mit ihm aufzubrechen, das göttliche Potential zu bedenken, das auch uns bei der Taufe ins Leben gelegt worden ist, und dieses Potential mutig und phantasiereich zur Entfaltung kommen zu lassen. Wir dürfen uns dabei von einem Drängen tragen lassen, das diesem Potential eignet und das uns durch unser gesundes Gewissen in ein kraftvolles und heilvolles christliches Leben führt, das wir mit dem Herrn Jesus leben und das die Menschen um uns spüren lässt, dass Gott lebt und liebt und dass er sein Volk, die Kirche, nicht verlassen wird. Vielmehr wird er immer neue Wege der Freude, des Friedens und der Liebe eröffnen und uns Licht und Kraft geben, diese Wege auch zu gehen. Die Zukunft heißt auf jeden Fall Leben in Fülle! Amen!

Freitag, Januar 04, 2013

Auch für Dich!

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Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 2: 1 – 12

1Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem
2und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.
3Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem.
4Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle.
5Sie antworteten ihm: In Betlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten:
6Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel.
7Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war.
8Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige.
9Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.
10Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.
11Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.
12Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.






Eben hörten wir die zweite große Weihnachtsgeschichte; die erste war jene von der Geburt Jesu in Bethlehem. Gemeinsames und Verschiedenes beider Geschichten vertiefen unseren Einblick in das heilige Geschehen dieser weihnachtlichen Tage.

Zu Bethlehem werden Hirten von Engeln zum Kind in der Krippe gerufen. Sie halten sich auf den umliegenden Feldern auf. Diese Geschichte wird uns von Lukas erzählt.
Ein anderer Evangelist, nämlich Matthäus, berichtet uns heute, wie Sterndeuter aus dem Osten durch einen Stern nach Jerusalem geführt werden und von dort weiter an jenen Ort, wo sich das Kind mit seiner Mutter befand - nun nicht mehr in einem Stall sondern in einem Haus; wie dieser Ort heißt, wird uns nicht gesagt; da die Sterndeuter den Hinweis bekamen, der Messias werde in Bethlehem geboren, können wir  vermuten, dass dieser Ort Bethlehem ist; auch von Josef vernehmen wir nichts: Die Sterndeuter - wie viele es waren, wird verschwiegen; von dreien ist nicht die Rede - sahen nur das Kind und Maria, seine Mutter! Was verschwiegen wurde dürfte für den Evangelisten nebensächlich gewesen sein. Deshalb richten wir unsere Aufmerksamkeit auf das, was er sagt!

Der Mittelpunkt ist zweifellos das Kind und in der Folge seine Mutter Maria! Es wird öffentlich als Messias, als Herr, als König bekannt gemacht. Diese Botschaft wird so vermittelt, dass sie verstanden werden kann: Den Hirten durch Engel, den Sterndeutern durch einen Stern. Die Botschaft passt sich den Hörern an und dringt über ihren Lebensraum, über ihren Beruf an ihr Ohr, durch ihre Augen und ihren Verstand in ihr Herz.
Zu den Adressaten dieser Botschaft gehören sowohl die einfachen Hirten auf dem Feld wie auch die gebildeten Sterndeuter hinter ihren Fernrohren und über ihren wissenschaftlichen Schriftrollen und Büchern. Diese werden aus weiter Ferne zum Kind gerufen, jene aus unmittelbarer Nähe.
Jedoch werden beide so gerufen, dass sie ergriffen werden und sich auf den Weg machen hin zum Kind, von dem ihnen berichtet wurde. Beiden Gruppen dürfte wohl auch gemeinsam sein, dass sie in der Welt jüdischer Frömmigkeit nicht beheimatet waren. Könnte das wohl heißen, dass Gott in der Verkündigung seines Messias sich von außen an sein erwähltes Volk herantastet, weil sich das Volk Israel so schwer tun wird mit der Annahme des Messias in einem schlichten, bedürftigen Menschenkind? Darauf könnte das Erschrecken des Herodes und ganz Jerusalems   hinweisen; es könnte aber ebenso ausdrücken, dass sie mit der Botschaft vom neugeborenen König der Juden völlig überrascht und auf dem falschen Fuß erwischt wurden.

Die Botschaft, die so herüberkommt, ist gewaltig: Gott ist ein Gott für jeden Menschen: die Einfachen sind ihm nicht zu einfach; die Gelehrten nicht zu gelehrt; die Kleinen nicht zu klein; die Großen nicht zu groß; die Nahen nicht zu nahe; die Fernen nicht zu Ferne; die Sünder nicht zu sündhaft und die Heiligen nicht zu heilig. Gott zeigt sich im Kind von Bethlehem als ein Gott, der wirklich alle Menschen ansprechen, berühren und erlösen will.

Auf jeden von uns angewendet heißt dies: Gott ist in diesem Kind auch für Dich da! Egal wer Du bist und wie du bist - deine Befindlichkeit darfst du seit heute nicht mehr als Vorwand benützen, um dich dahinter zu verstecken vor dem Anspruch dieses Kindes und vor seiner Botschaft. Was Du bisher als Hindernis für Gott geglaubt hast hat er umgewandelt in eine Vermittlung seiner liebevoll befreienden, gnadenvollen Gegenwart. Mach Dich also gefasst, ihm zu begegnen auf Deinem Arbeitsplatz, in Deinen familiären und freundschaftlichen Beziehungen, auf dem Bildschirm Deines Computers oder Deines Fernsehers; besonders aber in Deinem Versagen und in Deiner Einsamkeit; in Deiner Verlorenheit und in Deiner äußersten Dunkelheit! Epiphania Domini - Aufleuchten des Herrn in allen Deinen Befindlichkeiten!

Es ist mehr als gebührend, dass auch wir diesem Kind Gold, Weihrauch und Myrrhe schenken: Das Gold der Freude an ihm, den Weihrauch der Verehrung und die Myrrhe der Bereitschaft, uns auf seine Botschaft und auf seinen Weg einzulassen!