Mittwoch, Dezember 24, 2014

Das Licht leuchtet in der Finsternis




+ Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 1:1 – 18

1Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
2Im Anfang war es bei Gott.
3Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.
4In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
5Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.
6Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes.
7Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.
8Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.
9Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.
10Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.
11Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
12Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben,
13die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
14Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.
15Johannes legte Zeugnis für ihn ab und rief: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war.
16Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade.
17Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus.
18Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.




Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.

So beschreibt der Evangelist Johannes das Geschehen der hl. Weihnacht. So übersetzt er die Botschaft des Engels, die wir in der Mette gehört haben: Euch ist heute der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr!

Retter, Messias, Herr! Johannes gibt ihm einen weiteren Namen: Logos! Wir haben diesen Namen mit WORT übersetzt. Dieses WORT ist jedoch weit mehr als ein verbales Hilfsmittel zur gegenseitigen Verständigung.
Es ist eine personale Größe und eine gottvolle Größe. Und was für uns so überaus bedeutsam ist: diese Größe ist nicht menschenscheu, denn das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt!
Und die liebliche Weise, wie dieses WORT heute Nacht in einem Baby zur Welt gekommen ist sagt uns: Da ist einer gerne zu uns gekommen! Da hat einer Sehnsucht nach uns Menschen gehabt und heute Nacht hat er diese Sehnsucht gestillt.

Heute Nacht hat Gott seine Sehnsucht nach uns Menschen gestillt. Und diese Sehnsucht macht was mit uns – sie erweckt in uns die Sehnsucht nach Gott – sofern wir ihn bei uns und in uns aufnehmen, denn allen die ihn aufnehmen, gibt er Macht, Kinder Gottes zu sein. In dieser Sehnsucht nach Gott liegt die Macht der Kinder Gottes begründet: Eine Macht, die alles überwindet, was uns von Gott fernhält; eine Macht, die alles dransetzt, um die Liebe Gottes in uns und um uns herum zu verwirklichen.

Dabei ist sein Schritt in unser Menschsein nur ein Etappenziel auf dem Sehnsuchtsweg mit und zu uns Menschen. Das Endziel dieses Weges ist unsere Erlösung in der endgültigen Befreiung von den schlimmsten Feinden des Menschen – vom Bösen und vom Tod!
Ich hab gestern folgenden Weihnachtsspruch von einem Freund erhalten:
Licht schaute herab und sah die Dunkelheit. „Ich will dorthin gehen,“ sagte das Licht.
Friede schaute herab und sah Krieg. „Ich will dorthin gehen,“ sagte der Friede.
Liebe schaute herab und sah Hass. „Ich will dorthin gehen,“ sagte die Liebe.
So kam ER, der Herr des Lichtes, der Fürst des Friedens, der König der Liebe, unser Herr Jesus Christus herab und ist still und leise einer geworden wie Du und Ich.

Es wird klar: Gott wird nicht Mensch an den Nöten und Katastrophen der Welt vorbei – er wird Mensch mitten in sie hinein! Nur wenn er sich ganz in den Menschen hineinbegibt, wenn er ganz Mensch wird, kann er ihn erlösen. Er will die Not, das Leiden, den Tod der Menschen auf sich nehmen und sie durch die Kraft, die Gott ihm schenkt, überwinden.

Das geschieht zum einen in der Begegnung mit den Kranken, Sündern, Benachteiligten und Ausgestoßenen. Er geht auf sie zu, sie sind gläubig und hoffend offen für seine rettende und erlösende Kraft; und er kann sie alle heilen und befreien.

Zum anderen geschieht das aber auch dadurch, dass er selber Leid, Trauer und Schmerz – schließlich sogar den Tod auf sich nimmt. Er will bis in den Tod hinein ganz Mensch sein.

Mit dem heutigen Tag der Geburt des Herrn beginnt eine Freundschaft mit uns Menschen, die Jesus ungebrochen treu lebt. Wenn nur wir es an der Treue nicht fehlen lassen, ist das zugleich ein Weg in die Freiheit, in den Frieden, in die Freude, ins Licht! Das meint Johannes, wenn er schreibt, dass wir alle aus seiner Fülle empfangen, Gnade über Gnade.

Das ist die Gnade der hl. Weihnacht, die sich vom heutigen Fest der Geburt des Herrn ausbreitet über die Zeiten, und über die Menschen auf der ganzen Welt. Auf dieser Gnade ruht der Segen, den der Herr immer über unser Leben ausbreiten möge! Der Herr lässt es an seiner Gnade nicht fehlen! Lassen nur wir es auch nicht fehlen an der Bereitschaft, diese Gnade zu ergreifen und in unser Leben aufzunehmen. Amen!

Dienstag, Dezember 23, 2014

Jesus, der Retter, ist da

 
+ Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 2:1 – 14

1In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen.
2Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien.
3Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.
4So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids.
5Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.
6Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft,
7und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.
8In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.
9Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr,
10der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll:
11Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.
12Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.
13Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach:
14Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.




„Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.“

Wegen dieses Kindes sind wir hier zusammen gekommen: um es zu verehren, um für es zu danken, um ihm selber zu danken, um es zu bitten für so Vieles. Denn es ist unser Retter! Retter woraus? Aus den Ängsten, die uns befallen, wenn wir die Not sehen fern und nah: Krieg in Ukraine, im nahen Osten, in Teilen Afrikas; die Auseinandersetzung mit dem Islam auch hierzulande; die Wirtschaftskrise in Russland; der unberechenbare Klimawandel; die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Probleme in unserem Land; und was uns am nächsten ist – die menschlichen Probleme im Kreis unserer Verwandten und Bekannten.

Und aus all dem will dieses Kind uns retten, das bei all seiner Lieblichkeit geradezu strotzt vor Ohnmacht und das auf freiem Felde in einem Stall geboren werden musste weil in der Herberge kein Platz war für das Kind und seine Mutter?
Es stimmt schon: Für dieses Kinde wurden keine Salutschüsse abgefeuert wie jüngst für die neugeborenen Zwillinge im Fürstentum Monaco.

Seine ihm angemessene Wertschätzung erhält es nicht durch Privilegien und andere menschliche Ehrerweise.
Die bekommt es von Gott durch den Mund der Engel: Das Kind in der Krippe ist der Retter, der Messias, der Herr! Von jener Ebene, die die menschliche übersteigt und sie umgreift; von der die menschliche abhängt; die der menschlichen zuinnerst ist.

Darum ist es für Lukas selbstverständlich, die Ereignisse um dieses Kind in den weltpolitischen Rahmen von damals zu stellen neben den Kaiser Augustus und den Statthalter Quirinius. Lukas stellt das Wirken dieser Herrscher als Rahmenhandlung für die Geburt dieses Kindes dar. Ohne es zu wissen, arbeiten sie dem Kind in die Hände. Denn sie verfügen durch die Volkszählung, dass Maria und Josef ihr Kind in Bethlehem, in der Stadt Davids zur Welt bringen und so die Verheißung des ersten Testamentes erfüllt wird, dass der Messias in der Stadt Davids geboren wird.

Die frohe Botschaft von der Geburt des Retters in diesem Kind wird von den Engeln zuerst den Hirten auf den Feldern verkündet, die dort Nachtwache bei ihren Herden halten. Menschen, die wach sind, während andere schlafen.

Ihr gehört offensichtlich auch zu diesen wachen Menschen. Euch haben auch die Engel herbeigerufen – durch die Gottesdienstordnung, die euch den Termin der Christmette anzeigt und tiefer noch durch die Sehnsucht, von diesem Kind in der Krippe berührt zu werden. Ihr habt schon Begegnung mit diesem Kind erfahren auf verschieden Weise in verschiedener Intensität. Ihr habt womöglich schon dieses Kind als Retter erfahren dürfen.

So konntet auch ihr vielleicht schon ermüdet vom Adventstress der vergangenen Tage und des heutigen Abends eure Herde, die ihr gehütet habt, zurücklassen und hierher zum göttlichen Kinde eilen.
Und hier nun dürft ihr alles loslassen und euch fallen lassen vor der Krippe dieses Kindes; ihr dürft die glückliche Erfahrung machen, dass es nichts heilsameres gibt als die Nähe Gottes – zumal im Jesuskind.

Und dann, erfüllt vom Segen dieses Kindes, mit seiner Melodie im Herzen, könnt ihr getröstet und getrost wieder heim gehen – wissend, dass dieses Kind mitgeht. Es ist nämlich zu uns gekommen um bei uns zu bleiben.

Mit diesem Kind an der Seite werdet ihr dann wieder den oben aufgezählten Nöten begegnen und dabei klar erkennen, dass diese Probleme deswegen da sind, weil dieses Kind in ihnen nicht da ist.

Ihr werdet dieses Kind in euer Leben hineinbringen und es wird sich dort als euer Heiland, Retter und Befreier erweisen können. Und ihr werdet verstehen können, was es heißt, dass Gott verherrlicht ist in der Höhe und dass auf Erden Friede ist bei den Menschen seiner Gnade. Amen!

Freitag, Dezember 19, 2014

Immanuel


 
+ Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 1: 26-38

26Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret
27zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.
28Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.
29Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.
30Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.
31Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.
32Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
33Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.
34Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?
35Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.
36Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat.
37Denn für Gott ist nichts unmöglich.
38Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.




Einige Tage vor der Feier der Geburt Jesu versetzt uns das heutige Evangelium an den Tag vor neun Monaten, an dem die Menschwerdung dieses Jesuskindes begonnen hat – an den Tag der Verkündigung des Herrn. An diesem Tag hat Gott sich auf Herbergsuche gemacht für seinen Sohn

An diesem Tag sollte der Wunsch Wirklichkeit werden, den Gott in seinem Herzen getragen hat – er selber weiß wie lange vorher schon, wohl seit jeher und das heißt bei Gott seit Ewigkeit.
Der Wunsch nämlich, dass er einer von uns werden möchte – Mensch, wie wir, seine Geschöpfe.

Was muss das für eine Sympathie zu uns Menschen sein, was für eine Liebe. Ein bisschen mitempfinden kann da ohnedies nur, wer einen anderen Menschen je geliebt hat mit allen Kräften seines Herzens.

In seiner Größe braucht Gott zum Menschwerden keine damals berühmte Frau.
Er wollte nicht auf Grund menschlicher Größe bekannt werden, wie es den Kindern Adeliger zu allen Zeiten zuteil wird.
Keine Größe irgendwelcher Art – weder Adel, noch Reichtum, noch Macht, noch Berühmtheit – sollte ablenken von der Größe dieses Kindes, das die Mitte des heutigen Evangeliums ist: Ein Kind, ein Sohn mit Namen Jesus: Groß wird er sein, Sohn des Höchsten, Gott wird ihm den Thron seines Vaters David geben, Herrscher über das Haus Jakob in Ewigkeit, seine Herrschaft ohne Ende; gezeugt in der Kraft des Heiligen Geistes, heilig und Sohn Gottes wird es genannt werden. – Jeder Adelstitel würde den Glanz trüben, der von diesem Kind ausgeht.

Vielmehr wird seine Mutter, eine bisher völlig Unbekannte, groß durch ihren Sohn: Seligpreisen werden sie alle Geschlechter um seinetwillen. Ähnliches widerfährt seinem Ziehvater, dem hl. Josef, ähnliches Johannes dem Täufer, später seinen Jüngern und schließlich allen Menschen, die ernsthaft mit ihm leben.
Sie alle leben jene Größe, die sich zeigt im Menschwerden, im Kleinwerden, im Armwerden, im Einfachwerden. Sie alle leben die Größe wahrer Liebe.

Damals neun Monate vor der Geburt des Jesuskindes hat diese Melodie der Liebe in der Stille des Mutterleibes Mariens zu klingen begonnen um dann von den Engeln bei der Geburt Jesu aufgenommen und den Hirten verkündet zu werden. Durch den Evangelisten gelangt diese Melodie auch an unser Ohr.

Wir brauchen nur in unser aktuelles Weltgeschehen blicken und wir werden einerseits mit tiefer, schmerzlicher Trauer wahrnehmen, wo diese Melodie nicht aufgenommen wird und welch schreckliche Folgen das hat;
anderseits werden wir aber auch im Kleinen wie im Großen mit Freude und Dankbarkeit erleben, wo Menschen in diese Melodie einstimmen und welchen Segen dies bewirkt.

Jede und jeder von uns, der das heutige Evangelium hört, möge sich fragen, ob sie/er denn überhaupt empfänglich ist für die Melodie dieses Kindes, das uns heute vorgestellt wird und dem wir dann in wenigen Tagen in der Krippe im Stall bei Bethlehem begegnen werden.

Nutzen wir die Tage bis dorthin, um unsere Ohren zu reinigen und unser Gehör zu schärfen für diese Melodie; denn sie ist auch für uns angestimmt worden. Und wir haben in Maria eine Weise, wie eine Hörende auf diese Melodie reagiert: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ Wie gesagt, das ist die Antwort Mariens.
Im ernsthaften und freudigen Zugehen auf die Geburt des Herrn wird in jedem von uns seine Antwort wachsen auf diese göttliche Melodie der Liebe. Und die Menschen wird sich freuen über diese Antwort. Amen!

Donnerstag, Dezember 11, 2014

Johannes - Rufer von Beruf


 
+ Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 1:6-8.19-28

6Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes.
7Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.
8Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.
19Dies ist das Zeugnis des Johannes: Als die Juden von Jerusalem aus Priester und Leviten zu ihm sandten mit der Frage: Wer bist du?,
20bekannte er und leugnete nicht; er bekannte: Ich bin nicht der Messias.
21Sie fragten ihn: Was bist du dann? Bist du Elija? Und er sagte: Ich bin es nicht. Bist du der Prophet? Er antwortete: Nein.
22Da fragten sie ihn: Wer bist du? Wir müssen denen, die uns gesandt haben, Auskunft geben. Was sagst du über dich selbst?
23Er sagte: Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für den Herrn!, wie der Prophet Jesaja gesagt hat.
24Unter den Abgesandten waren auch Pharisäer.
25Sie fragten Johannes: Warum taufst du dann, wenn du nicht der Messias bist, nicht Elija und nicht der Prophet?
26Er antwortete ihnen: Ich taufe mit Wasser. Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt
27und der nach mir kommt; ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren.
28Dies geschah in Betanien, auf der anderen Seite des Jordan, wo Johannes taufte.




Zwei Aussagen Johannes des Täufers haben mich im eben gehörten Evangelium angesprochen:
*   Ich bin nicht der Messias! (Joh 1: 20b)
*   Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für den Herrn! (Joh 1: 23a)

Das sind zwei Einsichten in sein eigenes Wesen, die Johannes geschenkt wurden auf seinem Weg zur Begegnung mit Jesus.
Der Advent ist unser Weg zur Begegnung mit Jesus.
Der Advent will auch für uns ein Weg sein, auf dem uns Einsicht geschenkt wird in unser Wesen. Und erst auf Grund dieser Einsicht wird uns echte Begegnung mit Jesus geschenkt - ja, wird diese wahre Begegnung mit Jesus erst möglich.

1.     Ich bin nicht der Messias  

Johannes nimmt nicht einen Job auf sich, der ihm um Schuhnummern zu groß ist. Und er ist ihm zu groß, weil es nicht der seine ist. Es ist nicht seine Aufgabe, der Messias zu sein. Er braucht nicht die Welt zu erlösen und all das zu tun, was die Menschen sich vom Messias erwarten.
Johannes belastet sich von Anfang an nicht mit diesen Erwartungen der Menschen. Die Versuchung könnte womöglich da gewesen sein durch die vielen Leute, die zu ihm in die Wüste hinauskommen, die ihm zuhören, die ihn bewundern und sich von ihm taufen lassen. Sehr bald schon hat sich um ihn herum eine Jüngerschar versammelt - Menschen also, die sich besonders von ihm angezogen und angesprochen fühlen; Menschen auch, die sich von seinem Leben und seiner Predigt Impulse für ihr Leben holen; Menschen, die immer wieder zu ihm kommen und schließlich auch bei ihm bleiben.
Das alles hätte dem Johannes zuflüstern können: In den Augen der Menschen bist du wer!
Da sind nicht wenige Menschen, die dich verehren, die auf dich hören, denen du viel bedeutest, ja - die dich fast anbeten! Du bist für diese vielen Menschen etwas besonderes! Vielleicht bist du doch der Messias!
Diesen Einflüsterungen hat Johannes von Anfang an klar entgegen gehalten: Ich bin nicht der Messias!

Wie hat er das bloß geschafft? Weil er ein Mann der Wüste war; das heißt, ein Mann der inneren Freiheit; der inneren Freiheit von der Anhänglichkeit an andere Menschen und was die von ihm sagen und von ihm halten.
Diese Freiheit von Anhänglichkeit an Menschen bedeutet gleichzeitig Freiheit von Abhängigkeit von Menschen.
Johannes ist in der Begegnung mit der Volksmenge innerlich immer frei geblieben ihr gegenüber. Diese Freiheit ist nicht allein Frucht seines eigenen Bemühens. Aber davon später!

Schauen wir jetzt auf uns selber. Kommt es nicht immer wieder vor, dass Menschen Erwartungen an uns haben, die wir nicht erfüllen können und die uns überfordern. Diese Erwartungen kommen daher, dass sie ein falsches Bild von uns haben - mögen wir selber nun diese falsche Bild mitgestaltet haben oder nicht.
In diesem Fall sind wir zur Wahrhaftigkeit herausgefordert; dass wir also den Menschen sagen: Was ihr von mir erwartet, kann ich nicht erfüllen; das überfordert mich und bringt mich letztlich um! Ich bin nicht der, für den ihr mich haltet! Ich bin nicht euer Messias!
Vor dieser Ehrlichkeit schrecken wir zurück, denn wir glauben, die Zuneigung der Menschen zu verlieren und schließlich allein und einsam dazustehen ohne die Zuneigung der Menschen, die wir bisher genossen und geliebt haben. Um dieser Zuneigung willen nehmen wir den Überdruck dauernder Überforderung in Kauf - tragischer Weise manchmal auch um den Preis, dass wir darunter zusammen brechen und in eine Depression, ein Burnout oder - was Gott verhüten möge - in den Selbstmord getrieben werden - und das um einer Liebe willen, die gar keine Liebe ist.
Ich sage euch vielmehr, eure Wahrhaftigkeit wird euch helfen, die wahrhaft Liebenden unter euren Angehörigen herauszufiltern: Denn wer euch wirklich liebt, der wird auch dann noch, ja, gerade erst dann seine Liebe schenken, wenn ihr ihm euer wahres Wesen offenlegt. Und die übrigen, die ihr verliert, weil ihr ihnen eure Grenzen gezeigt habt - nun seid froh, dass ihr die losbekommt, denn die waren für euch Wölfe im Schafspelz. Die haben mit reiner Liebe rein gar nichts auf dem Hut gehabt. Die haben sich selbst oder sonst wen oder was geliebt - aber sicher nicht euch!
Der Advent eine besondere Zeit, seine eigenen Grenzen wohltuend anzuschauen, dazu zu stehen und sie mitzuteilen - um der Liebe willen zu euch selber und zu den Menschen, denen ihr verbunden seid.

2. Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für den Herrn!

Ich sagte etwas weiter oben, dass die Freiheit des Johannes der Volksmenge gegenüber nicht allein Frucht seines eigenen Bemühens war.
Seinem eigenen Bestreben ging vielmehr das voraus, was wir Berufung nennen. Diese Berufung hat ihn zu seinem "Beruf" geführt - nämlich, in der Wüste zu leben, dort zu predigen und die Menschen zu taufen.
Mit dieser Aufgabe verfolgt er ein Ziel: Rufer und Hinweis zu sein auf einen anderen - auf Jesus!
Dieser Job wurde ihm von Gott gegeben; ein Geschenk, das sein Leben ganz von Anfang an geprägt hat.
Dieses Geschenk hat ihm letztlich seine Freiheit den Leuten gegenüber ermöglicht. Dieses Geschenk bindet ihn an Gott und wir können sagen: Diese Bindung an Gott hält ihn frei von jeder negativen Bindung an die Leute. Ja diese Bindung an Gott macht ihn so frei, dass er dem Herodes das sittliche Vergehen vorwerfen konnte, dass er dessen Bruder die Frau ausgespannt und geheiratet hat. Was ihm schließlich Gefangenschaft und Ermordung einbrachte.

Johannes konnte den Leuten klar sagen, wer er nicht war, weil er klar erkannte, wer er war;
weil er deutlich ums eine Berufung wusste, die ihm von Gott geschenkt worden war.
Er wusste um seine Aufgabe;  die hat er ganz angenommen und gelebt.
Deshalb konnte er jene Aufgaben zurückweisen, die nicht die Seinen waren.
Und seine Aufgabe war es, in Jesus Christus den Messias zu erkennen, auf IHN hinzuweisen und die Menschen zu IHM hinzuführen.

Für uns bedeutet das, den Advent als eine besondere Zeit zu leben, in der auch wir versuchen, uns unserer Berufung zu vergewissern und möglichst klar zu erkennen, was meine Aufgaben sind, weil sie mir von Gott gegeben worden sind.
Daraus wird auch mir eine zweifache Kraft zuwachsen: Die Kraft, jene Aufgaben loszulassen, die Gott nicht von mir will, dass ich sie tue; dafür kann ich meine ganz Kraft fortan darauf verwenden, das zu tun, was ich als Auftrag Gottes für mein Leben erkenne.

Gott möge uns in diesen Tagen des Advent seinen Geist schenken, der uns hilft, den Sinn unseres Lebens mit möglichster Klarheit zu erkennen damit ich jeden Unsinn mit möglichster Entschlossenheit aus meinem Leben hinauswerfen kann.
Auf diese Weise bereiten wir unser Herz für das Geschenk der Erlösung, die Gott uns allen in der Geburt seines Sohnes und in der Begegnung mit IHM geben möchte. Amen!