Donnerstag, Mai 29, 2014

Himmelfahrt - der Weg nach IMMERDA



 Lesung aus der Apostelgeschichte 1: 1 – 11

1Im ersten Buch, lieber Theophilus, habe ich über alles berichtet, was Jesus getan und gelehrt hat,
2bis zu dem Tag, an dem er in den Himmel aufgenommen wurde. Vorher hat er durch den Heiligen Geist den Aposteln, die er sich erwählt hatte, Anweisungen gegeben.
3Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen.
4Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt.
5Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft.
6Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn: Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her?
7Er sagte zu ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat.
8Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.
9Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken.
10Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen
11und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.



Wenn jemand uns verlässt, freuen wir uns nur dann darüber, wenn der betreffende Mensch uns unangenehm und lästig geworden ist.
Auch die Jünger freuen sich, als Jesus von ihnen geht und in den Himmel aufgenommen wird, was soviel bedeutet, als dass er zu Gott, seinem Vater heimkehrt.
Nun können wir aber nicht sagen, dass Jesus den Jüngern lästig geworden wäre – im Gegenteil: Wiederholt hören wir in den Osterberichten, dass sie sich freuten, als sie den Herrn sahen. Sie sollten also traurig sein, wenn er sie nun verlässt. Aber das sind sie nicht! Denn Jesus hat ihnen seinen Abschied „versüßt“.

Zum einen hat er ihnen gesagt, wohin er geht – nämlich zu seinem Vater. Dann hat er ihnen gesagt, was er beim Vater tun wird – nämlich ihnen einen Platz bereiten; er kehrt also auch ihretwegen zum Vater zurück, um ihnen die Zukunft bei Gott zu sichern – die ultimative Lebensversicherung! Und schließlich lässt er sie nicht als Waisen zurück: Er wird ihnen vom Vater her einen Beistand schicken, den Beistand, den Hl. Geist. Der wird sie auf besondere Weise mit Jesus und mit Gott verbinden – das rote Telefon sozusagen, mit dem sie immer und überall und unter allen Umständen mit dem Herrn verbunden sein werden.

Apropos Lebensversicherung: Indem Jesus in den Himmel zu seinem Vater heimkehrt, geht ein Mensch  in den Himmel ein, der Mensch Jesus Christus. Denn bei seiner Himmelfahrt streift er seine Menschheit nicht wie eine Schlangenhaut ab, gerade so als wäre sie zu minder, Gott ganz nahe zu kommen. Nein, mit Leib, Geist und Seele, mit Haut und Knochen, als ganzer, wahrer Mensch kehrt Jesus zu seinem Vater heim. Das meint Jesus mit „Platz bereiten“: Der Mensch hat voll und ganz Platz bei Gott. Nichts von dem, was sein Menschsein ausmacht braucht er für seine Heimkehr zu Gott verleugnen. Wenn wir uns das einmal so richtig und langsam auf der Zunge zergehen lassen, können wir erahnen, welches Hoffnungspotential im heutigen Fest Christi Himmelfahrt enthalten ist und darauf wartet, dass wir es jetzt schon entfalten und jetzt schon davon leben.
Und was das Erwarten des Hl. Geistes angeht – so verhält sich Jesus durchaus nobel: Er macht Platz für den Hl. Geist, diese Größe seinesgleichen! Nobel dem Hl. Geist gegenüber, dass der seine Fülle entfalten kann! Nobel uns gegenüber, damit wir nicht durcheinanderkommen und eins vom anderen, nämlich den Sohn vom Geist auseinanderhalten und unterscheiden  können, sodass wir beide in ihrer Eigenart und doch auch in ihrer innigen Zugehörigkeit erfahren können. Aber das ist dann ein anderes Thema, das zum Dreifaltigkeitsfest gehört, zum Sonntag Pfingsten.

Es ist eigentlich unglaublich, wie sich auch im heutigen Fest eigentlich alles um uns Menschen dreht! In der Himmelfahrt zieht Jesus nicht eine Show ab, um sich selber weiß Gott wie hervorzutun. Sondern um unsretwillen und zu unserem Heil geschieht dies alles. Das muss den Jüngern allmählich gedämmert sein um schließlich zu Pfingsten Gewissheit zu werden.

Und jetzt verstehen wir auch die Freude, die die Jünger bei der Himmelfahrt Jesu erfüllt hat – der lichtvolle Gegensatz zur tiefschwarzen Trauer, welche die Jünger bei der „Kreuzfahrt“ Jesu erfüllt und verzweifeln hat lassen. Vielmehr findet im Himmelgang Jesu sein Kreuzgang das eigentliche Ziel und seine letzte Erfüllung.

Wie soll man sich auch nicht freuen über diesen Jesus, der bloß deshalb zum Vater heimkehrt, damit er für ewig dessen Seinsart leben kann, die da heißt: ich bin da – jetzt und immer; hier und überall. Keine Zeit mehr, die nicht auch seine Zeit ist; kein Raum mehr, der nicht auch sein Raum ist; kein Umstand, der nicht auch der seine ist. Jesus hat uns so lieb, dass er immer und überall bei uns sein möchte! Er hat uns so lieb, dass er nicht genug von uns kriegen und haben kann!
Und diese unglaubliche Liebe zu uns fällt zusammen mit der Liebe zu seinem Vater. Wenn man da länger nachdenkt, wird man ganz schwindlig – liebesschwindlig.
Und ich denke, es ist besser, mit der Predigt jetzt aufzuhören – denn was könnte ich noch mehr sagen?

Samstag, Mai 24, 2014

Himmlischer Augenblick

         


+ Evangelium nach Johannes 14:1 - 12

1  Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!
2  Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? 
3  Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.
4  Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr.
5  Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?
6  Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.
7  Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.
8  Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.
9  Jesus antwortete ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? 
10  Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke.
11  Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenigstens aufgrund der Werke!
12  Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater.



"Euer Herz lasse sich nicht verwirren!" (Joh 14:1a) Jesus sorgt sich um die Herzensstimmung seiner Jünger. Er spürt und sieht, wie sie sich fürchten, ohne ihn zu sein und wie sie keine Zukunftsperspektive ohne ihn haben. Sie können sich ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen. Sie sind jesussüchtig geworden und allein schon der Gedanke, er verlasse sie, ruft bei ihnen Entzugserscheinungen hervor. Es mag so ähnlich sein, wie wenn jemand sehr vertrauter uns auf unbestimmte Zeit oder gar für immer verlässt.

Jesus war schon so sehr in ihrem Leben beheimatet, er war schon so sehr in ihrem Denken, Fühlen und Tun zu Hause, er hat in ihrem Leben schon so sehr Wohnung genommen, dass sie wirklich nicht mehr wussten, wie es denn ohne ihn weitergehen sollte. Die Jünger sind von ihm total abhängig geworden und ihn loszulassen, erscheint ihnen schier unmöglich.

Ist eine solche Abhängigkeit von Jesus im Leben jedes Einzelnen von uns oder auch nur im Leben eines/r Einzigen von uns möglich oder überhaupt denkbar? Ist einer von uns so christlich geworden, dass für ihn ein Leben ohne Jesus undenkbar ist? Diese Frage führt weit über den Rahmen des Traditionellen hinaus und hinein in die Tiefe einer persönlichen Beziehung mit Jesus, die selbst die Intimität der ehelichen Beziehung hinter sich lässt. Die Antwort auf diese Frage mag jeder von uns selber geben - und er mag sie Jesus persönlich geben. Das Folgende mag dabei hilfreich sein.

Jesus hat Verantwortung auf sich geladen, indem er die Jünger so eng an sich gebunden hat. Wie hat Antoine de Saint einmal gesagt: Man ist verantwortlich für das, was man sich vertraut gemacht hat. Geht Jesus also verantwortlich mit den Jüngern um, indem er sie nun verlassen will?

Sehen wir zu, in welcher Weise Jesus seine Verantwortung für die Jünger wahrnimmt. Er weiß, wie sehr er in das Leben seiner Jünger hinein verwoben ist. Und eben diese Verwobenheit nimmt Jesus auf und nimmt sie mit: So wie ihm die Jünger in ihrem Leben einen Platz bereitet haben, bereitet er ihnen jetzt einen Platz beim Vater. So wie sie ihn in ihre Familie aufgenommen haben nimmt er sie auf in seine Familie beim Vater. So wie er bei ihnen und mit ihnen gewohnt hat sollen auch sie bei ihm und mit ihm wohnen. Das familiäre Beisammensein und Miteinanderwohnen nimmt Jesus mit zum Vater - dort wird es fortgesetzt. Der Weg in dieses Wohnen mit Jesus beim Vater führt über den Glauben: Glaubt an Gott und glaubt an mich!

Dabei wird auch die Individualität gewahrt bleiben: Die Jünger werden nicht einfach wahllos auf die vielen Wohnungen verteilt, die beim Vater sind. Nein, Jesus geht zum Vater, um dort unter den vielen Wohnungen einen Platz für sie zu bereiten, das heißt für jeden die Wohnung, die ihm entspricht, die zu ihm passt und von der jeder einzelne seiner Jünger dann sagen kann: Ich habe von Jesus nicht irgendeine Wohnung zugeteilt bekommen sondern meine Wohnung: die Wohnung, die genau zu meinem einmaligen Leben hier auf Erden und zu meiner einmaligen Beziehung zu Jesus und zu Gott passt.

Außerdem bietet Jesus das totale Service: Sie brauchen vom Bahnhof oder von sonst woher nicht allein in die Wohnungen beim Vater gehen, die Jesus ihnen bereitet hat. Nein, vielmehr kommt er wieder zu ihnen und wird sie holen, dass sie dort bei ihm sind, wo er ist. Den Weg in die Wohnung, die Jesus ihnen beim Vater bereitet hat, werden sie zusammen mit ihm gehen.

Zeitlich gibt Jesus keinen Rahmen: Er lässt nicht durchblicken, wie lange er braucht, um für die Jünger eine Wohnung zu bereiten und wann er wieder zu ihnen kommt. Auch die räumliche Angabe bleibt unbestimmt: Ich werde euch zu mir holen, dass auch ihr dort seid, wo ich bin. Damit hat Jesus das Wohnen bei seinem Vater nicht auf einmal vergessen sondern das Wohnen beim Vater ist geworden zum Sein dort, wo Jesus ist. Wo aber ist Jesus? Er gibt als Auferstandener selber die Antwort, wenn er sie in alle Welt hinausschickt, sein Evangelium zu verkünden und die Menschen zu taufen auf den dreifaltigen Gott: "Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt." (Mt 28:20) Wir müssen nicht überall sein, um bei Jesus zu sein; aber überall, wo wir sind, wird Jesus bei uns sein. So findet durch Jesus seine Erfüllung, wie Gott sich dem Mose im brennenden Dornbusch offenbart: "Ich bin der Ich-bin-da!" (Ex 3:14)

So bereitet Jesus den gegenwärtigen Augenblick zum Platz, an dem wir bei ihm sind und zu unserer Wohnung bei seinem Vater. Mit dem Sein bei Jesus und dem Wohnen bei seinem Vater brauchen wir nicht warten, bis der Tod uns ereilt. Beides ereignet sich vielmehr im gegenwärtigen Augenblick: das Sein bei Jesus und das Wohnen beim Vater beginnt Jetzt! So bricht der Himmel in unser Leben herein und macht die Gegenwart zum Himmel! Der Himmel will nicht warten, bis wir zu ihm kommen und in ihn eintreten - er kommt jetzt schon zu uns und will jetzt bei uns sein.

Dieses Jetzt, jeder Augenblick beschenkt, denn er ist überreich beschenkt durch Gottes Gegenwart. Jedes Vergangene mündet in die Gegenwart und findet dort seine Erfüllung; jedes Künftige nimmt von dort seinen gesegneten Anfang. Lebe ich also in dieser von Gott geprägten Gegenwart dann habe ich Leben in Fülle, dann baue ich als lebendiger Stein das Reich Gottes auf, dann bin ich lebendiges Glied seiner Kirche. Amen!

Samstag, Mai 10, 2014

Im Hirten die Mutter - in der Mutter die Hirtin




 
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 10: 1 – 10

In jener Zeit sprach Jesus:
1Amen, amen, das sage ich euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber.
2Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe.
3Ihm öffnet der Türhüter, und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus.
4Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus, und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme.
5Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme des Fremden nicht kennen.
6Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte.
7Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen.
8Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört.
9Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.
10Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.



Der heutige Sonntag hat mich vorerst in einen Predigtstress gebracht – hat er doch zwei große Themen im Angebot: den guten Hirten und den Muttertag. Für welches soll ich mich entscheiden? Worüber soll ich predigen, wen soll ich vorziehen: die Mutter oder den guten Hirten?

Die Frage fand ihre Antwort und der Stress löste sich, als ich bemerkte, dass zwischen den beiden gar nicht so viel Unterschied ist und dass das Verbindende das Trennende bei weitem übertrifft – so dass ich geradezu sagen kann: wenn ich vom guten Hirten rede könnte mir die Mutter in den Sinn kommen und umgekehrt!

Denn der Hirt hat seine Herde und die Mutter ihre Familie.
Die Mutter kümmert sich darum, dass ihre Familie hinreichend und gut zu essen hat und der Hirt führt seine Herde auf gute Weide.
Der Hirt kennt die einzelnen Schafe seiner Herde beim Namen wie auch die Mutter weiß, wie ihre Kinder heißen und wie ihr Mann.
Wir könnten den Hirten eine Mutter nennen und die Mutter eine Hirtin.
So ist die Herde dem Hirten zu Dank verpflichtet ebenso wie die Familie der Mutter.
Heute feiert also die Herde ihren Hirten und die Familie ihre Mutter. Und für beides dürfen wir Gott danken, der für uns sowohl wie eine guter Hirte ist wie auch eine gute Mutter. Aus Gott fließen wie aus einem Quell beide Ströme – der einer guten Mutter und der eines guten Hirten.

So handelt das Evangelium zwar ausdrücklich vom guten Hirten – aber was von dem gesagt wird, das erzählt auch indirekt von der Mutter.
Dabei ist im Evangelium nicht einmal von einem guten Hirten die Rede sondern schlicht vom Hirten; will sagen: der Hirte im Sinne der Worte Jesu ist schon guter Hirt. Deswegen ist der Gegensatz nicht ein schlechter Hirt sondern der Dieb, der Räuber und der Fremde.

Das ist wie bei der Mutter: da feiern wir ja auch nicht den Gut Mutter Tag sondern eben den Muttertag. Denn wenn die Mutter Mutter ist, dann ist sie schon eine gute Mutter.
Der begriff der Mutter ist wie der des Hirten ein durch und durch positiv geprägter Begriff.

Wenn wir also ausgehend vom Evangelium die positiven Haltungen des Hirten uns näher anschauen wird uns unweigerlich auch die Mutter begegnen – wie im Spiegel des Hirten!

Der Hirt und seine Schafe leben in einer vertrauensvollen Beziehung. Dieses Vertrauen kommt her vom Wissen umeinander: Der Hirt weiß um seine Schafe – er kennt jedes einzelne von ihnen mit Namen; das heißt, der Hirt weiß um die Befindlichkeit jedes einzelnen seiner Schafe: Um seinen Zustand und um seinen Werdegang; er weiß, was jedem seiner Schafe im Verlauf seines Schaflebens widerfahren ist, was es durchgemacht hat – seine Verletzungen, seine Wunden, seine Eigenarten, seine starken und schwachen Seiten. Das alles kommt dem Hirten in den Sinn, wenn er ein Schaf bei seinem Namen nennt. Schließlich war er ja bei seinem Schaf von Anfang an, nachdem das Mutterschaf es geworfen hat.
So weiß der Hirt, was jedes seiner Schafe braucht und wie er es zu behandeln hat. Die Herde ist dem Hirten keine anonyme Masse sondern jedes der Schafe hat in seinem Herzen einen besonderen Platz.

Die Schafe wissen um ihren Hirten und kennen seine Stimme: Wie oft hat diese Stimme sie geführt auf eine grüne Wiese, an einen Bach, zum Salzstein – und schließlich wieder nach Hause in den vertrauten, heimeligen Stall. Wie oft hat diese Stimme freundlich gemurmelt, während die Hand des Hirten das Schaf gekrault oder sein Fell gestreichelt hat. Es ist den Schafen vom Hirten nur Gutes widerfahren. Er hat ihnen geholfen zu leben – ja, er hat ihnen verholfen zu einem Leben in Fülle!
Deshalb vertrauen sie dieser Stimme und folgen dem Hirten bedingungslos.

Wenn ich mich nun frage: Habe ich jemals solch ähnliche Sorge in meinem Leben erfahren? Hat jemand mir auf ähnliche Weise seine Liebe gezeigt? Hat es jemals ein Mensch in ähnlicher Weise gut mit mir gemeint und mir gut getan?
Wenn ich mich also diesen Fragen stellen, dann wird mir womöglich meine Mutter einfallen oder ein Mensch, der mich sehr mütterlich behandelt.
Mein christlicher Glaube wird mich weiter in die Tiefe führen einem Gott entgegen, der für mich wie eine Mutter und ein guter Hirte ist und der mir in Jesus Christus begegnet.

Wenn ich zudem bedenken, dass es Jesus ist, der das Hirtenwort des heutigen Evangeliums an uns richtet, dann werde ich im Hirten Jesus selber und in der Herde die Gemeinschaft all jener finden, die in der Kirche ihm gehören und ihm folgen. Und in uns wird das Gespür erwachen, dass Hirten- und Mutterliebe Jesu eben diese Kirche durchblutet und erlebbar wird in ihren Hirten – in allen Menschen, die sich in der Kirche engagieren, ehrenamtlich oder hauptberuflich  bis hinauf zum Papst.

Und zuletzt wird jeder einzelne von uns sich als Glied dieser Gemeinschaft erfahren und spüren, wie der Hirte und die Mutter in ihm erwachen und sich umschauen nach der Herde und nach den Kindern, die ihm anvertraut sind. Und Jesus, der Hirte, wird so neue Gestalt in ihm gewinnen und seine Herde weiterführen auf dem Weg der Lebensfülle. Amen!

Montag, Mai 05, 2014

Das Ende der Nacht






Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 21:1 – 14

In jener Zeit
1offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.
2Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus - Zwilling -, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen.
3Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.
4Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.
5Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.
6Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.
7Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See.
8Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot - sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen - und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.
9Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot.
10Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt.
11Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.
12Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.
13Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.
14Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.


Die Jünger ohne Jesus tun wieder, was sie ohne Jesus getan haben, ehe er sie in seine Nachfolge gerufen hat – sie gehen ihrem Handwerk nach, sie gehen fischen. Es hört sich gerade so an, als wäre die Zeit mit Jesus wie ausgelöscht.

Zugleich wird ihre Arbeit als unfruchtbar beschrieben: In dieser Nacht fangen sie nichts! Diese Nacht ist eine fruchtlose Nacht – und fruchtlos ist sie, weil es eine Zeit, eine Nacht ohne Jesus ist. Die Ertraglosigkeit dieser Nacht will ihnen sagen: Die Fischerei hat für euch keine Zukunft mehr! Und es hat keine Zukunft und bringt keine Frucht, weil es ein Tun und eine Zeit ohne Jesus ist. ER ist ihre Fruchtbarkeit; ER ist ihr Sinn; ER ist ihre Zukunft.
Es erweist sich, was Jesus im Gleichnis vom Weinstock und den Rebzweigen zu ihnen gesagt hat: Getrennt von mir könnt ihr nichts tun!

Die Fruchtbarkeit in der Nacht stellt sich ein, sobald Jesus da ist und sie tun, was er ihnen sagt: Werft das Netz auf der rechten Seite aus! Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.

Die ganze Nacht ohne Jesus fingen sie nichts und dann in einem Augenblick mit Jesus haben sie eine Übermenge an Fischen gefangen. Mit Jesus kommt der absolute Überfluss – 153 große Fische – und dennoch zerreißt das Netz nicht

Die Gegenwart Jesu macht die Nacht fruchtbar. Er beendet die Nacht der Unfruchtbarkeit, der Ergebnis- und Sinnlosigkeit. Mit Jesus bricht für diese Nächte das Morgenrot an, da er die aufgehende Sonne ist, die jeder Nacht ein Ende setzt.

Wir bitten dich, Herr sei auch in den Nächten unseres Lebens da und beende sie: Die Nacht unserer Enttäuschung, unserer Traurigkeit, unserer Depression;
die Nacht des Krieges in Ukraine, Syrien, Afrika;
die Nacht der Heimatlosigkeit der Flüchtlinge;
die Nacht der Arbeitslosigkeit; die Nacht der Verfolgung.
Beende all diese Nächte als Sonne der Gerechtigkeit, des Friedens und des neuen Lebens.
Wenn nun also die Rebzweige nicht am Weinstock bleiben, können sie keine Frucht bringen.
Das gleiche Schicksal ereilt sie aber auch, wenn der Weinstock nicht da ist, an dem sie gerne hängen möchten!
Das weiß auch Jesu!

Darum ergreift er erneut die Initiative, kommt ihnen entgegen, sucht die Gemeinschaft mit ihnen. Er zieht sich als Auferstandener nicht in die erhabene und abgehobene Herrlichkeit bei seinem Vaters zurück sondern zieht es vor, unerkannt frühmorgens am Ufer des Sees zu stehen, den Jüngern zu einem grandiosen Fischfang zu verhelfen und sie schließlich am Ufer des Sees zu einem gemeinsamen Frühstück einzuladen. Das ist die Herrlichkeit, die Jesus nach seiner Auferstehung sucht: die Gemeinschaft mit seinen Jüngern. Er möchte nicht ohne sie glücklich sein!

Und das ist ein großer Trost für uns – seine Jünger, seine Kirche heute: ER lässt nicht locker, ER bleibt uns treu; ER bleibt bei uns und geht mit uns! Er kommt uns wie damals im Geist der Versöhntheit entgegen, überwindet, was uns von ihm trennt und begründet von neuem unsere Verbundenheit mit ihm und miteinander.

Bleiben wir nur empfänglich für sein großzügiges, unablässiges Entgegenkommen; werfen wir immer wieder einen Blick ans Ufer – lassen wir uns nicht allzu sehr vereinnahmen von den Nächten und pflegen wir den Kontakt mit dem Ufer; dann werden wir gewiss auch den Herrn dort stehen sehen; wir werden seine Stimme vernehmen, sein Wort in unser Leben eindringen lassen und seine wandelnde Kraft erfahren. Die Liebe wird auch uns erkennen lassen, dass es der Herr ist und eine neue Kühnheit wird uns drängen, möglichst schnell ihm ganz nahe zu sein – so wie es dem Petrus geschehen ist – und dabei hat der doch dreimal den Herrn verleugnet.

Jesus, nichts schreckt dich ab, uns nahe zu sein; nichts hält dich auf, uns entgegenzukommen. Deine Liebe drängt dich zur Gemeinschaft mit uns, um dein Leben mit uns zu teilen – in deinem Wort und im Mahl.
Gib, dass auch uns nichts abhält von dir und dass wir alles, was uns von dir trennt, kühn und entschlossen überwinden, weil wir wissen, dass du uns grenzenlos liebst. Amen!